Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2532 (11.3.1926)
- Date
- 1926-03-11
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Gette 8 Wien, Donnerstag Bollswitt. Roch keine Aufwertung. Die Aufwerwng auf unbestimmte Zeit verschoben. In der letzten Zeit haben sich wie-er die Aufwertungsgerüchte gehaust» welche auch auf di« Börse rückgewirlt haben. Ihren AuSgang nahmen diese Gerüchte von gelegentlichen Bemerkungen anläßlich der Einbringung der Novelle zum Kleinrentnergesetz. Sowohl der Berichterstatter Dr. Schumacher als auch andere führende Mitglieder der Mehrheitsparteieu des Parlaments äußerten sich dahin, daß die im Kleinrentnergeseh vorgesehene vorläufige Lösung der Meimentnersrage die Boraussetzung für eine jede Aufwertungsgesetzgebung bilden müsse und daß erst nach der Gesetzwerdung der erwähnten Novelle alle übrigen Aufwertungsfragen gesondert zur legislatorischen Behandlung gelangen könnten. Nun begegnet die Novelle zum Kleinrentnergesetz großen Schwierigkeiten im Parlament selbst und außerhalb des Paraments einer gerrwezu leidenschaftlichen Ablehnung durch die verschiedensten Jnteressentengruppen. Die organisierten Kleinrentner bezeichnen die materiellen Zuwendungen des Gesetzes als Bettel und verlangen die volle Valorisierung. Die Mieterorganisationen lehnen das Gesetz ab, weil es zunächst nur ihnen Lasten auserlegt und mm haben auch die sehr einflußreichen Hausbesitzerverbande die Vorlage als völlig ungenügend erllart, da bei der vorgeschlagenen Erhöhung des Mietzinses aus die SOvOfache Friedenshöhe und dem auf das 24.0vlssache gestiegenen Baukosten die Hauserhaltung mehr verschlingen würde Äs die Hausbesitzer nach der neuen Mieteugesetznovelle, die in einem organischen Zusammenhang mit dem Kleimentnergesetz sicht, bekamen. Dazu kouunt noch, daß die Sryialdemokraten klipp und klar erklärt haben, die Verhandlungen beider Gesetze mtt allen Mitteln verhindern zu wollen. Da nnnmchr die Kleinrentner Vorlage, welche die Boranssetznng für den nächsten Schritt in der Aufwertungsfrage ist, als gefallen angeschen werden kann, sind auch die für eine weitere Behandlung der Aufwertungsfrage an dieses Gesetz geknüpften Hosinnngen hinfällig geworden. In politischen Kreisen ist man der Ansicht, daß die Aufwertungsfrage erst nach den Neuwahlen, frühestens aber in der Herbstsession wieder aktuell werden könnte. Der ötaud der volrüschen Anleihe«. Ein Dreimillionrnpfundkredtt für die ZuckeckndustrHe. — Anbot einer holländischen Veesicherungsgruppe. — Lebensverskchevung mW Darlehen. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung.") Warschau, 10. März Eine große englische Bank hat den hiesigen Zuckerfabriken einen Krwit von drei Millionen Pfund Mir Vergrößerung der polnischen Zuckerindustrie bewilligt. Die Polnische Telegraphenagentur meldet, daß das polnische Finanzministerium von feiten eines Konsortiums von Banken und Versicherungsgesellschaften im Haag (s ch w e i z e r i s chhoiländische Gruppe) eine Anleche von 20 Millionen Dollar angeboten erhalten habe. Die Anleihe soll den kombinierten Eharatrer eines Lebensversicherungs- und Baukreditgeschäftes haben. Die Kosten inklusive der Amortifierung würden 8F Prozent jährlich nicht übersteigen. Im Falle der Zustimmung des Finanzministeriums würde die Gruppe einen Teil der Gesamtsumme, der 00 Prozent des Wertes der Bers.icherungspolizzen entspricht, bei einer der ausländischen Banken zur Verfügung Polens deponieren, und zwar als Grundlage für eine neue Emission von Zloty, b^w. von polnischen Zchatzscheinen. Die Vermchrung des Notenumlaufes würde es dem Staatsschätze ermöglichen, die neuen Bauten durch Vermittlung der staatlichen Banken zu finanzieren. Um die Dr- Trenderl. « Eine Erzählung von Leopold Kompert. Ist das gedruckte Wort jene Feuersäcke geworden, von der es in 'er Bibel heißt, daß -das Ball dort Men blieb, wo sie stand, und weiter zog, wohin sich der glänzende Hi-mmelsscheiu bewegte? ... Ganz merkwürdige Dinge könnten wir von der wahrhaft feierlichen Stimmung erzählen, mit der jene.,Zuschrift der Wiener Männer in Der Gemeinde ausgenommen wurde. Man fühlte sich geehrt, daß rnan aus so weiter Ferne ihrer gedacht, und schon um dieser Ehre willen, und damit nicht ein anderer zuvorkomme, wurde nach kurzem Beraten -beschlossen, sich mit der Residenzstadt in Verbindung zu setzen, und dem großen Verein die ,Fwnstituierung" der Filiale geziemend anznzeigen. Damals wachte in der Gemeinde ein schönes Herz aus langem Winterschlafe zu einem neuen Frühling auf und entbrannte in lichter Glut für die Bevwirklichung der Idee, die als fliegendes Matt von Wien ausgegangen war und ihm als Offenbarung einer neuen Zukunft galt. . . Dr. Prager — . Klara würde Emanuel sagen — trat zum Erstaunen aller, die uur von seiner ärztlichen Wirksamkeit in der Gemeinde zu berichten wußten,.aus seiner bisherigen Schweigsamkeit plötzlich hervor und bewies den Vorstehern in beredter Sprache, wie hier etrvas getan werden müsie, und daß es eine himmelschreiende Ungerechtigkeit und Versündigung an der nächsten und selbst an der noch um uns wandelnden Generation sei, rvenn man hier zurücktreten wolle? wo sich eine so schöne Gelegenheit davbiete, zu zeigen, ,Ms an einem ift". Der Doktor wurde einstmunitz zum Vorsitzer oder tme es in der deutschen Sprache wohlklingender heißt, zum Präsidenten der Filiale ernannt; seine leitenden Gedanken sollten den Verein beleben, erhalten und fortpslanzen; mit Geldmitteln wolle man nicht kargen, wurde ihm von allen Seiten zugesagt. So ward der Verein wirklich ins Leben gevM, Wiener Mnrqenzelkrrnft l tlW£,NBRAND \ aus naturechten, besten Weinen in amtlich plombierten Flaschen (Erlaß des Ackerbauministeriums ZI. lbl99/474 ex 1904) nach wie vor die führende Marke! ÜBERALL ZU HABEN! vifen- und Valuteujpekulation zu verhindern, die nach Maßgabe der Vermehrung des Notenumlaufes betrieben werden könnte, würde das Finanzministerium berechtigt sein, bis zu 45 Prozent der zu seiner Verfügung gestellten Summen zu Jntorventionszwecken zu verwenden. Zu bemerken ist, daß die Awlchenssumme in Dollar gewährt würde. Die holländische Gruppe macht die Anleihe von der Garantie der polnischen Regierung sowie davon abhängig, daß die bei der Erlangung der Anleihe interessierten Personen bei den zur Gruppe gehörigen Versicherungsgesellschaften eine Lebensversicherung eingehen. Zum Beispick hätte jemand, der ein Haus für 100.000 Zloty bauen will, sich für- 90.000 Zloty zu versichern und würde nach einigen Transaktionen diese Summe von einer der staatlichen Banken erhalten. Der Betrag des Darlehens Ware stets niedriger als der währe Wert des erbauten Hauses, und der Versicherte wäre gehalten, aus eigenem die Differenz von 10 bis 15 Prozent zu zahlen, damit er mit dem Geschäfte enger verknüpft sei und eine Garantie für die Zahlung der Fälligkeiten biete. Die Amorttsierung des Darlehens würde in 20 bis 30 Jahren stattsünden und der Inhaber der Versicherungspolizze würde dann tatsächlicher Eigentümer des von chm erbauten Hauses worden. Die von der polnischen Regierung in London unternommenen Bemühungen, durch Vermittlung der englischen Bank von amerikanischen Ftnanzkrvisen größere Kredite zu erlangen, sind gescheitert. Ergebnisloser Attanf der OPtionsfrist für die amerikanische Taöükarilcihe. Mit dem gestrigen Tage ist die dreimonatige Voroption der amerikanischen Finanzgruppe Bankers Trust auf Gewährung einer Anleihe gegen Verpachtung des polnischen Tabak- Monopols abgel«ufen, ohne daß die erwaÄ-etc Nachricht einer Optionsverlängerung eingetroffeu wäre. Ser Kamvk um den «euen Zolltarif. Ein sogbrldemokraüsches Junktim mtt den Forderungen der Landarbeiter. Gestern sollte im Zollausschuß das Gesetz über die Aenderung des Zuckerzolles beraten werden, das der Berichterstatter Heinl mit der Begründung zur Annahme empfahl, daß der derzckrige Zoll, der einschließlich der Steuer 16 Goldkronen für 100 Kriogranlm betrage, zu schwach sei, um die heimische Zuckermdustirie vor der Konkurrenz des Auslandes zu schützen. In der Spezialdebatte werde sich die Notwendigkeit hevausstellrn, auch andere Zollpositionen einer Revision zu unterziehen, wobei er besonders aus den Zoll für Superphosphate hinwies. Abg. Doktor Bauer gab dem Wunsche Ausdruck, daß die beabsichtigten Abänderungen von weiteren Zollsätzen schon in der Generaldebatte bekaimtgcZ«ben werden. Die sozialdomokratischL Partei sei gewiß für den notwendigen Schutz des Rübenbaues und der Zuüerwirtschast und sei bevckl, im Vollgefühle der Mttvcvantwortung für dir Entwicklmtg de» heimischen Produktion, der landwirtscha-tUchrn sowohl wie der industriellen, zu vnhmrdeln Zunächst müßten ab'.r die Voraussetzungen für die 'ahttchr' Verhandlung geschaffen werden. Als solche bezrichnete r den Ab- Man beauftragte ferner den Doktor mit der Antwort an die Wiener Männer, die zugleich ein Dank- und Beistimmungsschreiben sein sollte. In welcher Weise der Doktor diesem Auftrag genügte, mag aus folgenden Stellen hervorgehen, die wir uns nicht enthalten können, hier mitzuteilcn. Emanuel schrieb: „Mt der innigsten Freude unserer Seelen begrüßen wir Ihren schönen Gedanken, inrackeve Männer, und flehen zum Himmel, er wolle zu dessen Verwirklichung seinen Segen geben. Muß es uns nicht freuen, wenn »vir hier aus der Mitte jüdischer Männer eine Tatkraft sich entwickeln sehen, die gegen den Vorwurf, der uns .tagtäglich genlacht wird', den der stagnierenden Tatlosigleit, so glorreich auftritt? Unser Volk hat nie arbeiten gelernt, und das ist die Geschichte seines ganzen Leidens. Nur darin liegt der Schlüssel zu all den Vorzügen, aber auch den Fehlern unserer Nation. Es gibt keine Trunkenbolde unter uns, sagen wir selbst, aber ist unsere Mäßigkeit im Essen und Trinken wirklich so hoch anzuschlagen Äs etwa der Hang unserer christlichen .Handwerker und Bauern zu diesen menschlichen Verirrungen wieder nicht genug zu verachten ist? Ist es nicht wahchast grauenhaft, daß unter Millionen Dahingeschiedener und im Laufe von Jahrhunderten Begrabener so wenige die Seligkeit jener Empfindungen kannten, wie sie der Zimmermann empfindet, wenn er hoch oben auf dem Karste des Daches den buntbebänderten Blumenstrauß aufpflanzt, und seinen Spruch dazu hersagt, und mit einem gewaltigen Wurfe das weingeleerte Glas unter die Seitte wirst? W:iß jemand von uns, daß auch ex es gewesen, der an dem herrlichen Gebäude seinen Teil gemauert und die Idee des Werkmeisters ausführen geholfen habe? Und zuckt nicht jede Wimper unseres Volkes vor dem bloßen Anblick, wenn der Schlosser an der Turmspitze der Kirche einen Blitzableiter anbringt? Unser Volk hat die Kühnheit des Auges und der Hand verloren, es muß sie wieder gewinnen. Nur wer kühn, ist auch geiles, Kann denn auch die Hand, die sich scheut, das heiße _11. Marz_Nr. 2532 schlug eines K o l! ek l i v ve r: r a g e s zw-rchen oen .arrdwirtschaNicheu Arbeitern und dur Großgruntbes tzern Rieserröst». reichs, die Anwendung des Jungarbeiters huMsttzes auch aus dre ständigen Arbeiter der Gurshose und den Bereicht der B »desregierung auf einen Einspruch gegen das vom bnreen'änd'schen Landtag beschlossene Gesetz über ff Landaibei:e'.r..dn u:g. Berichterstatter H r' n l stellte fest, daß über die von Tvkwr Bauer vorgebrachtcn Beschwerden Verhandlungen geführt werden, bi« in den nächsten Tagen fortgesetzt werden dürfte». Dem Wunsch, scharr in der Generaldebatte die übr'gen, die Aeuderungen des Zolltarifs betreffenden Wünsche kennen z'. lernen, schließe er sich an und werde sie in der nächsten Sitzung bekanntgcken. Mir Rücksicht aus die im Zuge befindlichen Verhandlungen und mit Rücksicht darauf, daß es noch nicht seststcht, welche Wünsche bezüglich der Ergänzung des Zolltarifs geäußert werden, beantragte er, dis Sitzung abzubrechen. Die Sitzung wurde hierauf geschloffen. Die Verhandlungen mit den Sozialdemokraten wegen der Einstellung ihres Widerstandes gegen den Zuckerzoll und die Agrarzöl'l« siM> bereits im Gange und Man ermattet, daß «8 in der nächsten Woche möglich sein werde, die Ausschußvechandlungen über die Änderungen des Zollgesetzes fortzusetzen. Reformvorschläge zur Ausglerchsordmmg. Die gestern unter Vorsitz des Börserates S ch a p i r a stattgefundene Sitzung der protokollierten Handelsvertreter im Gremium der Wiener Kaufmannschaft nahm entschieden dagegen Stellung, daß die m den meisten Fällen ohnehin ganz tmznlängffche Ausgleichsmasse noch unberechtigt geschmälert wi!rd. So werden zum Beispiel die Kosten gewisser Gläubigerschutzorganisationen als bevorrechtete Forderungen zunächst aus der Masse gedeckt; da aber oft nur ein geringer Teil der Gläubiger durch diese Körperschaften vertreten ist, so müssen die übrigen durch andere Jntereffenvertreter einschrettenden Gläubiger auf diese Weise nicht nur die Kosten der durch die betreffenden Gläubigerschutzorganisationen vertretenen Gläubiger bezahlen, sind also doppelt belastet. Ferner wurde gegen den Unfug der Ausgleicher Stellung genommen, welche für ihre Tätigkeit sehr bedeutende Entschädigungen erhalten, die letzten Endes, da sie doch .der Schuldner bezahlt, die Ausgleichsmaffe in irgend einer Form erheblich vermindern. Zu Ausgleichsverwaltem sollten ausschließlich und ansnahntslos branchenkundige Kaufleute ernannt werden. Schließlich wurde nackt eingehender Debatte über weitere Devbefferungsvorschläge zur Ausgleichsordnung, an der sich die Vorstandsmitglieder H i t s ch m a n n. Adler, F r i e d ui a it n, Dreh u. a. beteiligten, der Beschluß gefaßt, als Abwehr gegen bk bestehenden Mängel und Mißstände aus deut Gebiete des Ausgleichswesens eine eigene Kredikschutzovganisation im Zentralverband der Handelsvertreter nick Kommiffionäve gu schaffen. Günstige Entwicklung des Status der Natioualbank. Der gchern veröffentlichte Ausweis der Oesterreichischen Nationa'lbank für die erste MärFwoche zeigt eine Mindermrg des Wechselporteseuilles.gegenüber Februarultimo um 7,6 Millionen SchAing auf 103 Millionen Schilling. Der Notennmlanf hat eine Verminderung um 32 Millionen auf 779 Millionen erfahren, und auch der Barschatz hat sich um 3 Millionen auf 501 Millilonen vermindert. Dafür aber hat das Girokonto um 21 Millionen auf 19 Millionen zugenommen. Insolvenzen. Infolge Delegierunigsbeschluffes wurde das beim Zivillandesgericht anhängige Ansgleichsver;o>hren gegen die Gesellschafter Marie und Johanna Rogenhofer, 5. Bez., Diehlgasse 11, mit dem beim Handelsgericht gegen die F>!rma Karl R o g e n h o f e r, Tischlerei', 5. Bez., anhängigen Ausgleichsverfahren vereinigt. Geboten werden 35 Prozent m sieben Monatsraten. —^Das Handelsgericht hat das Konkursverfahren eröffnet gegen K. Liebe 1, Erzeugung von Merkantildvuchorten, 2. Be;., Große Aiohrengasse 23. — Das Konkursverfahren Lvurde eröffnet über Rudolf D a n n i s, Handel mit Gebetbüchern, 3. Beg., Reisnerstraße 33; über Steb'ler u. Dolejssr, 1. Bez., Lobkowitzplatz 8; über, Iohanrl F i ch n a, Kaufmann,, 5. Beg., Ziegelofengasse 26, und über Max Taussig, 1. Bez., Stuben- Eisei: anzufaffen und auf dem Amboß zu formen es wagen, nach dem vollen Trinkglase zu greisen? Setzt nicht 'beides -ent gewisses Mutigsein voraus? Und wie sollte das Auge, das da nie gelernt hatte, von den Zinnen eines Turmes 'herab den Abgrund zu ermessen, der ihm zu Füßen liegt, frei und unbefangen in eirr anderes Menschenange blicken können? Macht maa uns nicht den Borwurf der Kriecherei, der Demut, des Schleichens und Bückens? Die Hand und das Auge >des Volkes müssen stärker rrnd kühner werden, soll nran nicht überhaupt an seiner Zukunft verzweifeln ... Wir haben hier in der Gemeinde auch Harldwerker: Schneider zumeist und Goldschmiede, aber sie schausPlÄen ihr Handlverk, und bei der ersten günstigen Gelegenheit legen sie Schminke und Maske sogleich ab. Es ist ein 'widriger Anblick, diese Leute in der Halbheit ihres Berufes zu betrachten. Der Schneider sitzt nur darum auf seiner Bank so emsig sich abmühend, weil er in sich schon den künftigen Tuchhändler ahnt, der draußen „llnter dorr Lauben" sein GewAb' anfschlagen w'rd. und der Goldschnried bläst nur darunr fast über sein Bedürfnis in das Lötrohr und häminert und schmiedet, tveil ihttt der Juwelerckastelt mit funkelnden Ringen und Ketten schon vor den Augen steht. Die echte Freudigkeit am Handwerk, jenes schöne Walten zwischen Ruhe und 'Arbeit kennen sie nicht; es ist ihnen nur Erwerben, nicht der Ertverb selbst; es ist ihnerr ein vorübergehender Zustand vonMühen und Drangsal, und wenn das 'Auge unserer Professionisttn im Sterberr bricht, fällt es nicht gerne auf die Weckstätte . . . Es ist bedeutttttgsvoll und fast nicht ohne Ahnung geschehen, daß König Salomo zun: Aufbaue seines Tempels fmnder Hände nub Künstler bedurfte. Wir lassen uns auch unsere Synagogen bauen; unser Volk ist überhaupt noch immer der Mletsmann dieser Erde; wir lassen alles für uns bereiten» ausschmücken und zahlert nur den Mietzins dafür. Sollte dem: der Borwurf, daß der Jude keine .Heimat hat, so nnbegründer sein? Kann er eine einzige Hütte unseres Vaterlandes nennen, die er selbst gebaut? . . lFortsetzung folgt.)