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Wiener Morgenzeitung · 1926-03-11 · Heft 2532 (11.3.1926) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2532 (11.3.1926)
Date
1926-03-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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[ Polen: 25 arosay | Wien, ^um Abholen in der Expedition, II., Taboistt. 1-3, oder in eine» Verschleisstelle § Trafik) monatl. 5 Schilling trassenverkam in Wien durch die Kolporteure der Firma Ool d schmied, l„ Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tscheeho-Siowakel: Mon. K 22. Jugoslawien: Mon.Din. 60. Polen:Mon. 5Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, B el gi e n: Mon. Frcs. 18 MadutiiinngtB bet Freia« er h6 b o o s en Vorbehalten Nr. 2532 Wiener Wie». Donnerstag, 11. Mörz 1926 ___ England: Mon.4Schilling. Italien: Monatl. 18 Lire Rumänien Mon. 170 Lei Bulgarien Mon.100Lewe. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. Redaktion, Administration: Wien, II. Taborstr. 1 Telephone: 44-0-38, 43-3-1k Ab 6 Uhr. 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (D. uckerei lg. Steinmann) Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.698 8. Jahrgang Im redakiionetteu Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen find durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. Nie Mandatskommission. Die syrische Frage. (Eigendienst der „Wiener Morgenzertung.") Rom, 10. März. Die ständige Mandatskommission 'hat ihre Arbeiten in Rom abgeschlossen. Der von ihr genehmigte Bericht wird sofort den Mitgliedern des Völker- Lundrates mitgeteilt und mit den Protokollen der jetzigen .Session nach dem Beschluß des Rates veröffentlicht. Der Bericht zerfällt in zwei Teile. Der erste enthält die Bemerkungen der Kommission zum Jahresbericht der französischen Regierung von 1924. Er berührt die Verfaffungs frage Syriens, die Justiz, die Durchführung der internationalen Verträge, das Verwaltungspersonal, die Gesetzgebung über den Schutz der Altertümer und die Arbeitsverhältnisse, den Unterricht, die öffentliche Gesundheitspflege, die wirtschaftliche Entwicklung, die Hedschasbahn und die Zollfragen. Der zweite Teil des Berichtes der Mandatskommission enthält die Bemerkungen zum provisorischen Jahresbericht der französischen Regierung für 1925, ferner Mitteilungen über die grundsätzlichen Fragen des Mandats und die Ausgaben der Kommission, die Schw i erigkeiten der Untersuchung in Syrien, die Hauptpunkte der erhobenen Einwände, die Frage der Verantwortung an den Ereignissen im Djebel Drus und die unmittelbaren Ursachendes Aufstandes. Es folgen dann Schlußfolgerungen der Kommission über die Verwaltung Syriens. Die Kommission über die arabischen Nntio- Rom, 10. März. Aus den Beratungen der Manda tskvm Mission wird bekannt, Laß die von den arabischen Nationalisten in Karro und Damaskus vorgelegtrn Beschwerden und Vorschläge abgelehnt wurden. Die Kommission schloß sich dem französischen Standpunkt an, der daraus abzielt, das F e u d a l s h st e m durch eine moderne soziale Gesetzgebung zu ersetzen. Die Kommission erklärt, daß das Mandat nicht aufgehoben werden könne und nimmt die Tätigkeit des Oberkommissärs Jouveuel zur Kenntnis. Jacobsohn in Rom. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung.") Jerusalem, 10. März. Die arabische Presse beschäftigt sich lebhaft mit der Tatsache, daß die Zionistische Exekutive zur letzten Tagung der Mandatskommission in Rom ihren Vertreter Dr. Viktor Jacobsohn entsendet hat. Diese Delegierung beweist, nach Meinung der arabischen Presie, daß di« Juden sich für die Angelegenheiten Syriens besonders interessieren und um deren Ausgang besorgt sind. Die arabische Presie weiß auch von der Vergrößerung der jüdischen Emigration nach Syrien zu berichten und bringt diese Tatsache ohne jedwede nähere Begründung mit der Frage des Zionismus in Zusammenhang. Sine türkische Konferenz in Prag. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung.") Prag, 10. März. Heute ist hier der türkische Kriegs- Minister Redsched Bei, der zum Kurgebrauch Ln Marien-bad weilte, eingetroffen, wo er beim türkischen Gesandten Wasiw abstieg. Ferner werden hier die türkischen Gesandten aus Paris, Berlin und Wien erwartet. Man nimmt an, daß es sich um eine. Konferenz über die Mo ssul frage handelt, da Redsched Boi in Marien- Lad mit Herren der Prager englischen Gesandtschaft längere Verhandlungen hatte. Englische Verhandlungen in Angora. London, 10. März. Der englische Botschafter in K o n st a n t i n o p e l, der gegenwärtig in Angora weilt, um mit dem türkischen Außenminister über die Mossulfrage zu verhandeln, wird morgen wieder nach Konsiantinopel zurückkehren. Die meisten englischen Blätter berichten, daß die Türkei die neuen in der Mossulfrage gemachten Vorschläge der englischen Regierung abgelehnt habe. Die Stimmung in Angora sei deshalb sehr pessimistisch. Deutschland im BMerbimd. Die Aasmchme erfolgt am Freitag. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung.") Genf, 10. Marz. Das Unterkomitee der Volkerbundlommisfion für die Ausnahme Deutschlands in den Völkerbund hat heute nachmittags, ohne ein Mitglied der deutschen Delegation zu sich geladen zu haben, den Bericht der M i l it ä r k o m m i ss i o n des Völkerbundes entgegengenommen und ihren Bericht für die Kommission ferttggestellt. Der .Bericht lautet ans Empfehlung des Aufnahmeantrages und die Kommission, die morgen mittags Zusammentritt, wiMMesen Bericht ohne Debatte genehmigen. Damit sicht dann der Aufnahme Deutschlands durch die VMerbundversammlung nichts mehr entgegen. Man nimmt allgemein an, daß die Ausnahme Deutschlands in den Völkerbund am Freitag wird erfolgen Lörnwn, so daß die Völkerbundtagung vielleicht schon Samstag oder Sonntag geschloffen werden kann. Inoffizielle Veranstaltungen. Heute abends gab Chamberlain zu Ehren der Ratsmitglieder und der deutschen Delegation ein Diner. Um halb 10 Uhr abends fanb heute bei dem Generalsekretär des Völkerbundes» Sir Eric Drumond, ein Ernpfang statt, zu dein außer den Mitgliedern des Völkerbundrates und der deutschen Delegation auch eine Reihe von Mitgliedern der Völkerbundversammlung, einige ändere politische Persönlichste^, und dqs Komitee des Journalisteiwevbandes beim Völkerbünde. eingela!>en waren. Man erwartet von diesen inoffiziellen Veranstältungen eine weitere Klärung der Lage, so daß morgen nach der Rückkehr Briands aus Parts sofort in die Behandlung der schwebenden Fragen wird eingegangen werden können. Ministerpräsident Briand reist beute abends um 9 Uhr von Paris nach Genf ab. Er wird bereits morgen die Führung der französischen Völkerbundsdelegation bei den Verhandlungen über den Eintritt Deutschlands und die Erweiterung des Völkerbundrates übernehmen. Vollständige Reuorganifierung des Bötterbundrales? Die mögliche Lösung der Genfer Krise. Der Weg, der aus der Sackgasse herausführen soll, in welche die gegenüvärtigeri Verhandlungen über die Erweiterung des Völkerbundrates geraten sind, beginnt sich immer deutlicher abzuzeichnen. Während in den oberen Räumen des Hotels Beauriva ge die Rheinpaktmachte, vertreten durch Chamberlain, Loucheur, Paul Boncourt, Dr. Luther, Dr. Stresemann, Seialoja usw., eifrig beraten, zirkulieren unter den Journalisten alle möglichen Gerüchte. Als sicher kann angenommen werden, daß der Widerstand Schwedens und anderer kleinerer Staaten gegen eine Erweiterung des Rates Mer die Zulassung Deutschlands hinaus cher noch fester geworden ist, welchem Umstande die übrigen Ratsmächte Rechnung zu tragen gezwungen sind, auch wenn Deutschland selbst bereit wäre, Zugeständnisse in der einen oder anderen Richtung zu machen. Die Verhandlungen, welche nnn in ein akutes Stadium emgetreten sind, begegnen sich in . der Richtung aus. ein K o m p r o m i ß, das die Bildung eines Sachverstandigenkomitees Vorsicht. Dieses Komitee hätte die Ausgabe, bis zur nächsten Völlerbundversammlung, das heißt bis zmn September, einen Bericht auszuarbeiten, der nicht die Reorganisation, sondern eine regelrechte Um- und Neuorganisierung des Bölkerbnnbrates als Grundlage hätte. Das Komitee selbst würde so gebildet, daß in ihm, die verschiedenen Ansichten und Aspirationen in möglichstem Maße Berücksichtigung fänden. Den Wuschen Polens und vor allem Spaniens könnte trotz dieser großen Verschiebung in gewissem Maße Rechnung getragen werden, indem ihnen die in Frage kommenden Garantien geboten werden, die sie befriedigen könnten. Man glaubt, b-afe' trotz aller Schwierigkeiten ein** Lösung verhältnismäßig rasch gefunden werden wird. Spanien beharrt anf einem Ratssitz. Die spanische Agentur Fäbra erfährt aus Genf: Ter spanische Minister des Äeußern Da n g ua s erklärte: Wir sind so schr von der Rechtmäßigküt ihrer Ansprüche überzeugt und. auch davon, daß eine ständige Vertretung Spaniens im Volkerbundrat auch für den Völkerbund selbst vo« Wichtigkeit ist, daß alles als verfrüht bezeichnet werden umß, was an Bedenklichem Wer die Haltung Spaniens vorausgesagt wird für den Fall, daß entgegen unseren Hoffnungen -Spanien eine schmerzliche Enttäuschung erleben sollte. Ich betone nur dieses: Der Völkerbundrat muß während seiner gegenwärtigen Märztaguna Spaniens Anspruch e p r ü fe n und darüber beschUßen, und zwar e n dgültig, da sich eine Verschiebu n g aus eine spätere Tagung durch nichts begründen ließe. Dtz. Rameks Genfer Besprechungen. Bundeskanzler Dr. Ramek. besuchte heute vormittags den Präsidenten des Internationalen Arbeitsamtes Albert T h o m a n s, mit dem er die Auswanderungsfrage und die Vorbereitung der Weltwirtschaftskonferenz besprach. Der Buikdeskauzler empfing sodann den ungarischen Ministerpräsidenten Grasen B e t h l e n. Heute vormittags fand eine Unterredung mit dem Staatssekretär im italienischen auswärtigen Amte Deno G r a n d i statt, an der auch der italienische Gesandte in Wien, Bordonaro, und Sektionschef Schüller teilnahmen. Es wurden die allgemeine politisch e Lage und die Vorgang ed e r j ü n g st e n Z e i t sowie die anhängigen wirtschaftlichen und handelspolitischen Fragen erörtert, wobei das Bestreben zutage getreten ist, gute Beziehungen zwischen den beiden Ländern herznstellen. krkliimugen Baldwins im Unterhaus. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung/O London, 10. März. Im Untevhaufe wurden heute mehrere Fragen über den Verlauf der Genfer VerhaMungen und besonders über die Zulassung Spaniens zum Rate an den Premierminister gerichtet. Baldwin erwiderte, daß nach seiner Ansicht kein Grund bestehe, Schwierigkeiten oder Verzögerungen in dieser Frage zu befürchten. In englischen politischen Kreisen zeigt man sich jedoch besorgt über die Erklärungen des spanischen Vertreters in Genf, daß Spanien, weil es nicht an den Verträgen von Locarno beteiligt ist, auch Deutschland gegenüber in der Frage des Eintrittes Deutschlands in den .Völkerbund mefr* gebunden sei. Jüdische Frage« in Genf. Warschau, 10. März. (I. T. A.) Wie aus Genf hierher telegraphiert wird, finden dort int Zusammenhang mit der Völlerbundtagung auch Beratungen der InternationalenUnion der Völkerbundligen statt. Auf der Tagesordrmng dieser Beratungen stehen unter anderem die Fragen der polnisch-jüdischen Verständigung und des Numerus e l a u s u s. Insbesondere beschäftigt sich die Tagung mit einem Projekt des Prof. Konsen 1 ini über die Aufgaben der Union in der Herbeiführung einer Verständigung zwischen den Mchrheits- und Minderheitsnationen in den verschiedenen Staaten. Auch die Frage der staatenlosen" steht zur Beratung. 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