Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2530 (9.3.1926)
- Date
- 1926-03-09
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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mt e Men, MenWtz Wiener Mvrftenzeitnnst Nr. 2M Vereine, BorttSge und Beksammiongea. Zionkstiscke Sektion VI/VIII.. 8. Be-.. Benno- -latz 1 s. Heute. 8 Ubr abends. Bortraa Univ.-Prof Dr Heinrich Glück über: .Die Kunstdenkmaler Paläst'naS und Jerusalems* (mit Lichtbildern). — Verband jüdischer Ingenieure undTechniker für denAufbauPal ä st i n a S. Heuie findet in der Judi'chen Lele- und Redeballe IX., Türken raße 9, ein Vortrag d»S Herrn Prof Dr. Jose Frank über „Die Stedlnngsbewegnng in Oesterreich und Palästina' statt. Leopold st ädterVolkSheim. 2. Bez., Zirkusgaffe 48. Neue Kurse 7 wr. Holländische Maler, Relativitätstheorie. Innere Sekretion. Länderkunde Europas. BrtgtttenauerVolksdetm. 20. Bez.. Strome78. Neue Kurse. 7 Uhr. Redekurs, Wechselstromtechnik, gen im PflMzenbestimmen. WeltoryamsÄion zionistischer Frauen. Harte um 4 Uhr nachmittags findet im KluLheim der Hakoah. 1. Bez.. Wpplingerstraße 24, ein Vertrag des Schriftstellers Ludwig Bato über „Hebräische Dichtung in Spanien" statt. Tilde Freund wird eine Reihe von Dichtungen aus dieser Pericbe remitieren. E 18 Stück Vrlourttppiche, 300 X 400, billig zu hübe«, hochprima, ä fia t S. 1300— nur 2. 690.— Orendr, I. Meischmarkt 1. Säuglingspslegekurs. Der Bund für Mutterschutz veranstaltet einen Kurs von Dr. Heinrich Keller über Pflege, Ernährung uiw Erziehung des Säuglings mit praktischen Hebungen. „Beginn 23. d. Teimehrnerzahl beschränkt. Anmeldung täglich, außer Samstag, von 5 bis 6 Uhr in der Beratungsstelle des Bundes für Mutterschutz, 6. Bez.. Mollardgasse 8. E ..Eine Nacht im Orient." Unter dieser Devise veranstaltet heute Dienstag der Turnverein Mcckkabi 19 im Hotel „Zum Auge 'Gottes. 9. Bez^ Nußdorfevstraße, eure Redourc. Eerichtssaal. Die MUchfölschvngen der Sermania-Molkerek. Im Molkerei-Prozesse Brunnmüller wurden gestern am siebenten Verhandlungstage noch zwei belastende Zeugen einvernommen, Molkereiarbeiter, die bestätigten, daß das Spülwasser regelmäßig mit der zur Verarbeitung besttmmten Frischmilch in den Aufnahmebeckcn vermischt wurde. Verteidiger Dr. Formanek richtete an den Zeugen Jori die Frage, ob er seinerzeit die Resolution der im Betriebe beschäftigten Arbeiter unterschrieben habe, in der es heißt, daß in der Molkerei keine Pantschereien oder Verunreinigungen vorgekommen seien und daß die Strafanzeige eines polnischen Arbeiters ein böswilliger Racheakt fei. Der Zeuge erwiderte, er habe diese Resolution unterschrieben, weil er seine Entlassung befürchtete. Hierauf nahm der Vorsitzende Oberlandesgerichtsrat Uhlmann aus dem Akt verschiedene Konstatierungen vor und verkündete die Ablehnung sämtlicher von der Verteidigung gestellten neuen Beweisanträge als unerheblich und belanglos. Nach Verlesung mehrerer Aktenstücke erklärt der Vorsitzende das Beweisversahren für geschloffen. In seinem Plädoyer wies Staatsanwalt Dr. Fickeis darauf hin, daß durch die Verfälschung der Milch Kinder und Kranke am ärgsten geschädigt wurden, - weshalb er für eine strenge Bestrafung der Angeklagten eintreten müsse. Nach den Plädoyers der Verteidiger wurde die Verhandlung geschlossen. Das Urteil wird heute gefällt. Trenderl. Eine Erzählung von Leopold Kompert. Durch die stille sommerwarme Nacht dringen gar sonderbare Töne an unser Ohr; es ist das eiserne Dröhnen des -Hammers auf einen Amboß, was wir da hören; auch können wir sprühende Funken sehen, die zu einem .Haus heraus mitten in die Finsternis ihr leuchtendes, und im Augenblick wieder verlöschendes Feuer Wersen. Fast verwundert blicken wir um uns, ob es noch dieselbe „Gasse" sei, und traumhaft dünkt uns dieses Hammerdröhnen und Feuersprühen an einem Orte, den unsere Kindheit mit ganz anderen Erinnerungen in ihre Seele eingezeichnet hat. Die Zeit ist eben eine andere geworden. Der Sturm, der durch die Blätter der Menschheit fuhr, hat Wunderbares verrichtet; die gewaltige Naiurkraft hat sich fast selbst überboten. Hier hat sie niedergerissen, dort die Trümmer wieder zu!sammengetragen und zu einem Ganzen gefügt. Schwalben, die im vorigen Jahr ihren Flug der wärmeren Heimat zugelenkt, finden heuer das alte Nest nicht mehr; sie flattern unruhig umher und sind um eine Herberge besorgt. Die Mauer, an die sie früher ihre luftge Wohnung gelehnt, ist unter dem spitzen Brecheisen gefallen. Wo ist das warme Nest? Wo sind die Taglöhner? Und wird die neue Wand ihnen eine gastliche Stätte erlauben?... Aus dem Hause, zu dem früher der Hausierer seine verschossenen Westenstofse und Kleiderstücke hinausflattern ließ, sprühen jetzt die Funken der Schmiedesse, dröhnt der eiserne Hammer heraus. Ueber dem Eingang hängt ein vergoldeter, mit mannigfachen Zieraten versehener Schlüssel, zum Zeichen, daß hier seines Gewerkes ein Schlosser hantiert, und dieser Schlaffer ist in der „Gaffe" geboren, und ist üben kein anderer, als unser — Trenderl. Hartes, sprödes Metall ist an die Stelle des vergänglichen Zeuges getreten, und der Hammer ersetzt die hölzerne Elle. Denn die Zeit ist eisern geworden, und mit wenigen Ausnahmen. blitzt in jedes Hand das spitze Eisen'... Wir werden erst später erfahren, daß der Name des jüdischen Schlossers ganz anders lautet, als wir soeben angegeben. Begnügen wir uns einstweilen mit dem „Trenderl" — es wird vielleicht zur Beruhigung dienen, wenn wir einge- 6. Marz 1926 Gefährliche Dauerwellen. Am 12. Juni wollte die Comptoiristin Lili S. in einem Frisiersalon Dauerwellen an ihrem Bubikopf machen lassen. Sie wurde unter einem mit elektrischem Strom betriebenen Apparat gesetzt, um die Haare bestrahlen zu lassen. Dabei bedienten sie öte Friseurgehilfen Rudolf Weimaier uiü> Emil Rehner. Während die Dame unter dem Apparat saß, der auf 24 Zündkörperchen statt auf 10 Zündkörperchen eingestellt war, gmg einer der beiden Gehilfen, der die Regulierung des Stromes zu besorgen hatte, auf längere Zeit weg und setzte dann, als er wiederkam, eine zweite Dame mit dem Rücken zur ersten unter denselben Apparat. Dieses Vorgehen, das aus Stromersparungsrücksichten praktiziert wird, ist verboten. Plötzlich schrie. Frl. S. auf: „Es brennt!" Der Gehilfe Weimaier kam herbei, besah sich ihren Kopf und erklärte, es werde schon zu brennen aufhören. Zuhause verspürte die S. einen heftigen Schmerz im Hinterhaupt und konsultierte einen Arzt. Dieser konstatierte eine kreisförmige Brandwunde drillen Grades, die mit Rücksicht auf die Dauer der Heilung und wegen der vorhandenen Infektionsgefahr als schwer zu bezeichnen war. Die beiden Gehilfen hatten sich gestern vor dem Strafbezirksqericht wegen qualifizierter Uebertretung gegen die körperliche Sicherheit zu verantworten. Der zur Verhandlung zugezogene Sachverständige Ing. Sommer erklärte es' für eine Inkorrektheit, daß beide Danien unter den mit viel zu starkem Strome arbeitenden Apparat gesetzt wurden. Er erklärte: ,Hch würde mich nicht unter einen so heißen Kasten stellen, aber die liebe Eitelkeit der Damen nimnrt alles in Kauf." Die Beschuldigten bestritten jedes Verschulden. Die Dame könne durch eine ungeschickte Kopfbewegung die Verbrennung selbst herbeigeführt haben. Ueberdies sei es überall üblich, um einen Dauerwellenapparat gehörig auszunützen, gleichzeitig zwei Damen damit zu behandeln. Nach dnrchgefüyrtem Beweisverfahren verurteilte der Richter den Angeklagten Rudolf Weimaier im Sinne der Anklage zu einer Geldstrafe von 20 S.» eventuell 24 Stunden Arrest, Iprach jedoch den Angeklagten Rehner mangels eines Verchuldens frei. In der Begründung führte oer Richter ans. >aß Weimaier, der den Strom eingeleitet hatte, auch dafür verantwortlich fei, daß alles sachgemäß vorgenommen werde. Volkswirt. Hauffe auf dem Wiener Anla«rmarkie. Starke Steigerung der Borkviegswerte. An der gestrigen Börse konzentrierte sich das Hauptinteresse auf den Anlagemarkt. Ununterbrochen herrschte auf diesem Markt große Bewegung. Die einzelnen Vorkriegswerte wurden mit dem Pluszeichen aufgezogen. In einer ganzen Reihe von Werten konnte Axrhaup: kein Kurs sestgesteltt werden. Sie notierten nur mtt „GÄd". Oosterreichische Goldrente, Papierrente, Eisenbahnprioritäten und eine ganze Reihe anderer Vorkriegswerte wurden stark gesucht, ohne daß, der Bedarf befriedigt werden konnte. Ebenso waren österreichische und ungarische Pfandbriefe ununterbrochen gefragt. Demgemäß waren auch die Steigerungen sehr hoch. Die Ursache dieser starken Bewegung liegt, in dem von uns bereits in der Vorwoche angekündigren Valorisationshoffnungen. Bekanntlich hat der Referent des Kleinrentnergesetzes, Abg. Schumacher, eine unverbindliche Erklärung abgegeben, wonach sich eine Aufwertungsvorlage in Vorbereitung befinde. Diese vage Erklärung biLete den Anstoß zu einer lebhaften Bewegung Auch aus Deutschland waren in den 'lchten Tagen Kaufaufträge eingelangt, welche die Balorisationshoffnungrn verstärkten. Es scheint aber, als ob die Bewegung einen ungesunden Umfang angenommen hätte. In informierten Kreisen wird ein Rückschlag befürchtet, da dir Spekulation sich stärker vorgewagt zu haben scheint, als es den realen Grundlagen entspricht. Bei einzelnen stehen, daß der.Träger dieses Namens gar keinen Schimpf darin sicht, wenn man ihn so betitelt, ja daß er fast stolz darauf ist. Vier Augen in dem gegennberftchenden Hause konnten sich in dieser Nacht lange nicht schließen. Die lärmende Tätigfett des Schlossers «dauerte bis in die späte Stunde hinein und schien fast nicht enden zu wollen. Dieses .Hämmern auf dem harten Amboß glich dem Atemholen eines frischgeborenen Menschen, die nicht müde wird, Leben ein- und auszuschlürfen. Man vernahm es fast, wie sich der Schlosser seines Handwerkes freute. Die in jener Nacht kein Auge schließen konnten, waren der reiche Scholem Brandeis und dessen Frau Mindel. Aergerlich sagt sie zu ihm: „Siehst du, Scholem, das hat man davon, wenn man sich armer Leute Kind annimmt. Einen Schlosser habt ihr ihn müssen werden lassen? Ein anderes Handwerk ist gar nicht dagewesen auf der Welt? Zu einem Schneider war' er gar nicht gut gewesen? Die Nadel, die durchs Tuch fährt, die hört man nicht; aber ihr habt ihm den Hammer in die Hand geben müssen, und nun klopft und hämmerter, daß ich schier meine, mein Kopf hat Löcher bekommen, groß wie ein .Haus. Zuletzt wird man wegen Trenderl noch ausziehen müssen, wer hält denn das aus?" „Narrte", entgegnete auf diese Rede gähnend Scholem, „Hab' ich wissen können, daß er sich einmal seine Schlossere! uns gegenüber aufstellen wird? Und hättest du denn etwas auszusetzen, wenn er anderswo klopfen und hämmern möcht?" „Ein Jud' braucht kein Schlosser zu werden," sagte Mindel mit großer Bestimmtheit, „für den gibt es ganz andere Handwerke. Ist der Jud' vielleicht dazu geboren? Hat er die gehörige Kraft dazu? Bei „ihnen" ist das freilich anders; sie sind von ftühester Kindheit dazu aufgewachsen, die können mit Feuer und Wasser, mit Eisen und Stahl umgehen. Hastdu schon gesehen, wie ihre Kinder auf die höchsten Bäume hinaustlettern, daß einen fast der Schwindel überkommt? Und unten steht die Mutter dabei und sicht zu? Meinst du, das ist einer jüdischen Mutter eigen? Die kann ihr Kind zwischen Erd' und Himmel schweben sehen und stirbt nicht vor Angst?" Banken sind bereits Verkaufsaufträge einge'langt, die teilweise bereits gestern zur Realisierung gelangten. Eine neuerliche KulissenauflSjuntz. Gestern kam es nach dem offiziellen Börsenschluß im Rauchzimmer der Börse zu einer neuerlichen Auflösung der Anlage nknlisse. Es hatte sich nämlich schon seit Monaten im Rauchzimmer die Abwicklung des Geschäftes in einer Reihe von Borkriegswerren unter der AcM>c euer einzigen Privatfirma vollzogen. Dies wurde von einzelnen Borst mnitgl ledern bemängelt. Nun wurde dies: Kulisse jetzt ebenfalls aufgehoben, da das Rauchzimmer der Börse kein für den Handel geeignet Raum sei. Jnfolgedeffen übersicdelte diese Kulisse nach 2 Uhr wieder in den Börsensaal. Jüdische Klelukredllbank und Stzattasse A.-S. i« Klaukenbmg. Wie uns aus Cluj (Klaustnbuvg) berichtet w-rL hat die dort nrit HWfe des amerikanischen Joint gcgrürÄet» javSsche Kleinkreditbank und Sparkasse A.-G. die flnanzbchördliche Genehmigung echalten und ihre Tätigkeit ausgenommen. Zweck des Bankinstituts ist, die jüdischen kleinen Kaufleute in Siebenbürgen zur Stützung ihrer Existenz mit billigen Krediten zu versorgen. Die Gesellschaft toivd jetzt auch in den übrigen sisbenbürgcschen Städten mit bedeutender jüdischer Bevölkerung ähnliche Zlveiiganftalten ins Leben rufen. Der Generalsekretär der Joint Reconstruction Foundation, Noe! A r o n o v i c i, ist in Cluj eingetroffen, um die Verhandlungen wegen eines der Gesellschaft gewährenden langfristigen Be t rieb skap öta ls gum Abschluß zu bringen. Regulierung deö Handels in Baulosen. Bon heute angefangen werden die Baulose im fließenden Handel des Schrankens gehandelt. Dies entspricht den Wünschen einer Reihe von Börsenmitgliedcrn, um auf diese Weife das große Geschäft in Baulofen bewältigen zu können. Der fließende Hairdöl ist als Uebevgang zur Bildung einer eigenen Baulofekulisse gedacht. Weiterer. Rückgang des ftanzösischen Franken. Die Entwicklung der französischen Politik nach Briands Demission wurde aus allen internationalen De-vistnplätzeil sehr skeptisch beurteilt. Boi sonst geringen Umsätzen aller übrigen Devisen wurde, der französische Franken lebhaft angeboren. Das starke Angebot drückte den Kurs in Zürich auf 18,50. Im späteren Verlaufe beffevte sich zwar der Kurs, er schloß mit 18,512 gegen 18,82 vom Vortage. Etwas flau lag der Zloty. Die Devise Warschau war in Berlinr, Prag und Wilrn leicht rückgängig. Fester lag der Leu. Die Devise Bukarest erhöhte sich in Zürich von 2,22 auf 2,225. Die Kursänderungen der übrigen Devisen waren unbedeutend. Eine Versicherung für Ratenhandler. Einer unter Vorsitz des Bevbandspräsidenten Jakob Ehrlich stattgefundenen Tagung des Verbandes der Bureaumaschinenhändler Oesterreichs lag ein Referat über eine Versicherung vor, die den Verkäufer gegen das Risiko, dem er beim Ratenverkauf aus gesetzt ist, schützen soll. Diese Frage hat gegenwärtig außerordentliche Aktualität, da infolge der Wirtschaftskrise sich verschiedene Branchen auf das Ratengeschäft umgestellt halben. Das Risiko liegt in der Tatsache, daß. dem Käufer in der Ueberlasiung des Kaufgegenstandes ein von ihm während der Vertragsdauer zu rechtfertilgendes Vertrauen entgegengelbvacht wird. Es kann sich nun der Käufer seiner Zahlungsverpflichtung ganz oder teilweise entziehen, d. h. er kann den Kaufgegenstand im weitesten Sinne des Wortes veruntreuen, das ist zum Beispiel verkaufen, verpfänden, überhaupt unterschlagen. Der Kaufgeigenstand kann aber überdies nicht nur durch die I „Du sichst ja doch, daß es ihnen wchlbekommt," meinte I nach einer langen Weile der Gatte. „Sie sind stark und gewaltig, ein JWenkind bläst der erste Windhauch weg." „Hätte m i r Gott einen Sohn beschert, und den hätten sie mir zu einem Schosser, oder Schmied, oder Maurer machen wollen, ich weiß nicht, was ich ender hätt' angefangen," eiferte Mindel. „Ich komm' immer darauf zurück, die Handwerke Passen für den Juden nicht, die soll er „i h n e n" überlassen. Ich frag' dich nur eines!- Hast du schon gesehen, daß so ein Zimmermann öder Maurer, die tagtäglich unl einige Groschen ihr Leben wagen, auf die höchsten Türme hinaustlettern und eigentlich gar nicht ohne Testament ausgöhen sollten, hast du schon gesehen, daß sie es zu etwas bringen? Was hät so ein Maurer oder Zimmermann für all die Gefahr, in die er sich tagtäglich begibt? Kann er seinen Kindern ein Vermögen hinterlassen? Bettler sind sic, wenn ihm ein Unglück widersährt, und der Slrick, der reißt und ihn zerschmettert, zerreißt und zerschmettert auch das Woib ttnh die Kinder, und alles, was zu ihm gehört." Die Rüde Mindels überraschte den Mann gar sehr; er hatte solche Worte noch nie aus ihrem Munde vernommen. „Du Advokatenkopf!" sagte er lachend, „hättest du das lieber dem Doktor Prager alles eingestanden, wie er darauf gedrungen hat, daß Trenderl ein Schlosser werden muß. Hört man d i ch reden, so hast du recht, hört man wieder i h n, meint man, Golt selbst könnt' nicht anders reden. Ist der Doktor nicht auch ein Jud'?" „Und was für einer!" rief Mindel mit begeistertem Tone, „willst du mir sagen, lvas das für einer ist? Nie hat ein Kind das für seine Eltern getan, was er getan hat. Andere meinen: Judsein ist alles, wenn sie's auch hinter dem Rücken sich ganz anders auslegen, aber einer bleiben, wie der es geblieben, tmc unser Doktor — auf der einen Seite steht ihm ein schönes und reiches Mädchen, das mit ganzer Seele an ihm hängt, auf. der anderen sein Vater und seine Mutter, alte Leute, die nicht lang' mehr leben lverden, und doch läßt er ender von dem schönen reichen Mädchen, als von seinen Eltern, um sie nicht zu betrüben... und betrübt sich selbst! Das ist eine Sach', wofür ihn jede jüdische Mutter auf den Händen tragen sollt'!" Fortsetzung solgtJ