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Wiener Morgenzeitung · 1926-03-08 · Heft 2529 (8.3.1926) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2529 (8.3.1926)
Date
1926-03-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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MSrz 1926 8. gahrgang I« redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mit. tellnngen sind durch ein vorangefetzies F gekennzeichnet. DasHistorikum derFranlenfälschung. Die Aufzeichnungen Wruvifchgrutz*. Budapest, 7. März. Ueber den Inhalt der gestern vom Rechtsanwalt des Prinzen WindischgrStz, Dr. Aladar Csernyansky, dem Oberstaatsanwalt Dr. Wrache überreichten Aufzeichnungen des Prinzen Windischgrätz erfahrt der ,^pesti Naplo" aus französischer Quelle, diese Aufzeichnungen enthalten nicht nur wichtige und interessante Daten in bezug auf den Grafen Paul T e l e k i, sondern auch das ganze Historieum der Frankenfalschungen Volt ihrem Anfang an bis zu ihrer Entdeckung. Wmdischgrätz habe diese Aufzeichnungen nichtwährendseinc rtzaft verfaßt, sondem es handle sich in der Tat um ein Tagebu ch, in welchem alle wichtigen Momente der Franefalschung mit dvm genauen Tagesdatum verzeichnet seien. Auch über die P e r s o n e n, die in der Frankenaffäre eUtc Rolle spielen, sei Vieles in dem Tagebuch enthalten. Die Namen seien mit Kommentaren versehen und es sei genau von jeder Person angegeben, welche Roll« sie in der Frankenaffare spielte. „Ujszag" will erfahren haben, aus dem Tagebuch ergebe sich, daß WindischgrStz in dieses gefährliche Abenteuer ebenso hineingeritten worden sei, wie schon früher in ververschicdene zwecklose und unvernünftige Mionen. Aus den Aufzeichnungen, soll insbesondere hervorgehen, welche Rolle Graf Paul Teleki gespielt habe. DaS Tagebuch soll angeblich mit genauen Daten versehene Inhaltsangaben der Unterredungen und Unterhandlungen enthüllen, die WindischgrStz mit den Grafen Paul Teleki und anderen Personen führte, ferner Fingerzeige, wer den Fälschern das Kartographische Institut zur Verfügung gestellt habe. Die Blätter melden ferner Einzelheiten über die bekannte Silvesterfeier im Palais Windifchgratz, bei welcher der Prinz den Anwesenden seine Rolle in der Frankenaffare darlegte und auf eine Bemerkung eines seiner Freunde, daß er deshalb eingesperrt werde, unter Lachen eine Antwort gab, die, wenn sie sich als wahr heraus stellt, feine strafrechtliche Verantwortlichkeit stark verringern würde. Ruhiger Sonntag in Budapest. Budapest, 7. März. (U. T.-K.-B.) Die extremsozialistische Partei (Bagy-Partei) hatte für heute einen Demonstrationsumzug beabsichtigt, der jedoch von der Polizei verboten worden war. Die Polizei wurde den ganzen Tag über in Bereitschaft gehalten und Patrouillen zu Fuß und zu Pferde bewachtett die Straßen. Es kam nirgends zu Ruhestörungen. Ae Krise in Frankreich. Doumergne hat die Besprechungen angenommen. iEig-endienst der „Wiener Morgenzettung".) Paris, 8. März. Präsident D o u m e r g u e ist heilte in Paris angekommen und hatte bald darauf eine Unterredung mit den Präsidenterl der Kammer und des Senats über die Kabinettskrise. Br i and erschien nach seiner Rückkehr ans Gells ebenfalls bcinl Präsidenterl. In Lyon hatte Doumergne eine einstündige Unterredung mit Herriot, die von allen politischen Kreisen sehr beachtet wurde, da man glaubt, daß Herriot l,n Falle einer Ablehnung Briands der kommende Mann sei. Sollte auch er ablehnen, so dürfte nach Ansicht des „Matin" der frühere Jnstizmiuister Reynold mit der Kabinettsbildung betraut werden. Umbildung der amerikanische« Regierung? Paris, 7. März. (Wolfs.) Dem „New Jork Herald" wird aus Washington gemeldet, daß eine Umbildung des amerikanischen Kabinetts bevorsteh-.'. Es sei so gilt wie sicher, daß Staatssekretär Mellon zurücktrete. Man glaube, daß Dwight Morrow za seinem Nachfolger ausersehe» sei. Staatssekretär Kellogg -dürste durch den amerikanischen Botschafter in London Houghtou ersetzt werden. Keine Vermehrung des BAkerbundrates. Vrland von Senf wieder abgereift. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Griff, 8. März. ,J«m Hotel Beau Rivage, wo Chamber l a i n abgesiiegen ist, begann gestern nachmittag um 3 Uhr eine Konferenz aller jener Möchte, die das Looarno- AVkommen beschlossen haben. An dieser Sitzung, die gegen 3 Uhr eröffnet wurde und dreieinhalb Stunden -dauerte, nahmen teil: Cha mb-erla -in, Briand, Scijaloja, Vandervelde, Dr. Luther, Dckktor S treseman N, Dr. Benes ch und Skrzhnsk-i. Die Sitzung war vertraulich, doch wir) in wohlunterrichteten Kreisen erklärt, fcwjj man sich dahin geoin-igt habe, keine Reorga-nifati on des Völkerbundrates durchzufuhren, bevor Deutschland' in den Völkerbund ausgenommen ist und einen ständigen Sitz im Völkerbundra't erhalten hat. Somit wurde -die Frage 'der Erweiterung des VMerbundrates ans September verschoben. Dos amtliche Communique besagt: Die Vertreter der Länder, die in Locarno zum Abschluß des Rhein-Paktes zusammengetreten waren, haken heute in Gens eine Zusammenkunft abg chatten, um ihre Ansicht über die aus der Tagesordnung sichenden Fragen auszutmschen. Sie sind Zu einer Besprechung zusammengckommen, -in welcher sie ohne Mühe Hre gegenseitige Lage aufLärui. konnten. Aus diesen ersten Gedankenaustausch wird eine neue Besprechung fo^en. die in einer kommenden Sitzung stattfinden wird/ Abends ilft Briand wieder nach Paris abgercist. Seim Rückkehr -ist unbestimmt. Die Be r t r etnug Briands hat Paul B o n e o u r übernommen. Bohle« wird in Pens polizeilich bewacht. Genf, 8. März. Die Absicht der Genfer Sozialdemokraten, gegen den ungarischen Ministerpräsidenten zu demonstrieren, wurde zwar vereitelt, dennoch kann nicht behauptet werden, daß sich Graf Be th le n in Gens besonders gilt fühlen würde. Er vermeidet zw« jedes Ausschen, doch geling: ihn: das nicht immer; >vo er effcheinr. wird er sofort der Mittelpunkt der Gespräche des Publikums. Cr fällt schon, darum der einheimischen Bevölkerung aus, weil in seiner BvAeitung immer zwei Detektivs ausiauchen, die den strengen Auftrag haben, dem iinacorischen Ministerpräsidenten a:is Schritt und Tritt zu folgen. Ir. Ramek nach Senf abgereist. Bundeskanzler Dr. Ramek ist gestern um halb 8 Uhr abends vom Weslbahnhof in Begleitung des Gesandten Dr. I u uk 11 und des Scktionsrates Dr. W i m me r nach Gens abgereist, wo er heute abends emtreffen wird. Am Mittwoch abends oder Donnerstag -früh dürfte der Bnndeskairzler wieder nach Wien zurückkehren. Gründung einer Bölkerbundliga in PMttna. Jerusalem, 7. Müttz. (I. T. A.) I« T e l -A w i w hat eine Boffammlung der Bölkerbundfreunde Palästinas stattgesunden, in der die Bildung einer allst alöstin ensischen Bölkerbundliga mit Zweigstellen im ganzen Lande beschlossen wurde. Der Versammlung wohnten führende palästinensische Juden, Rechtsanwälte, Aerzte, soziale Funktionäre ustv. bei. Herr M. D i z e » g o f s, der die Berstnmnlnng eröffnete, sprach über die moralischen Aspekte der Arbeit des Böller« bundes, der ,^»on dein jüdischem Propheten vorausgesehen" worden war. Dr. N. Feinbcrg referierte über die Tätigkeit de. Internationalen Union der Dölkerbundligev. Schließlich wurde ein achtgliedriges Komitee zlvecks Organisierung der Bölkerbundliga Palästinas gewählt. Dem Komibse Chören a«: Dizensiossi Bjelkowsky^ A. Rosow, A. Berlin, A. Glickso«, N. Feinberg, Richter Nofiach und Frau Dr. Rosenbaum. Ae Wische Einwanderung in Palststina. Eine Anfvagc im Unterhaus. London, 7. März. (I. T. A.) In der Sitzung des Unterhauses richtete Kolonel Wedgwood an den Kolonienminister die Frage, ob er Arrskunft geben könne, über Ursache und Charakter des seit kurzem in Palästina geltenden Einwanderungsreglements, das eine ErschwerungderEinwanderung von Juden zum Effekt hat. Minister A m e r h erwiderte: Am 1. August v. I. wurde für PaEstina ein revidiertes Einwanderungsreglement zum Gesetz erhoben, durch das das Verfahren kodifiziert und' die Maschinerie verbessert wurde. Es ist mir nicht 'bekannt, ob dieses Reglement den in der Anfrage gekennzeichneten Effekt gehabt hat. In der gleichen Sitzung fragte Lord Henry Cavendish-Bentinck, ob der Mnffter über die Norm der Einführung von geistigen Getränken nach Palästina Mitteilung machen könne. Mnister Arnery erwiderte: Der Import von geistigen Getränken nach Palästina ist durch eine lokale Verordnung. bekannt als „Customs Duties Amendment Ordinanee" von: Jahre 1924, geregelt. Sie Wischen Kolonisten in der Ukraine. Moskau, 7. März. (I. T. A.) Bor kurzem tagte in Charkow die erste Konferenz der ukrainischen Abteilung der unparteiischen Gesellschaft für jüdische Kolonisation Ozet. Es hatten sich 140 Delegierte aus der ganzen Ukraine eingefunden, unter ihnen einige Nichtjuden (unter den Mitgliedern der Ozet sind Nichtjuden zahlreich vertreten). In das Präsidium wurden 14 Unparteiische und 8 Kommunisten gewählt. Auch ein ukrainischer Bauer aus dem Chersondistrikt gehörte dem Präsidium au. Hauptberatungspunkt war das System der jüdischen Landansiedlung in Rußland. Eine Gruppe jüdischerKolonisten aus den Distrikten Chers o n «n-b Krivojrog, die als Gäste der Konferenz beiwohnten, baten die Konferenz, im Namen der jüdischen Kolonisten gegen die Verbreitmrg von faffchen Pogromberichten zu p r o t e ft i c x e n. Unsere Beziehungen zu der benachbarten ukrainischen Bauernschaft, vevsicherten die Kolonisten, sind im höchsten Maße gute rrnd herzliche. Aus dieser Meldung ist natürlich nicht erfichtl-ich, ob die Proteste der Kolonisten gegen, die Nachrichten freiwMig erfolgt find. Festgestellt und — wie wir hinMfü^n wollen — verstäMich ist es, daß die ukrainischen Bauern das Siedlungswerk, das aus ehemals ukrainischem Boden vor sich geht, nicht so freundlich betrachten. General Raschcaan »egen die antisemitische Verhetzung. Bukarest, 7. MSyz. (I. T. A.) D« Union v<r rumänischen Juden ^hat angesichts der zunchmenden Bechetzung der BevöAerung gegen die Juden und der Bedrchung Wischen Leidens und Eigentums in Bevbindu-ng mit den Studentenunruhen einen Appell an die rumänische Intelligenz gerichtet, nnt der Bitte, der Hetze entgegenzmvivken. Diesen Appell beantwortete der bekannte Staatsmann General R a f ch e a n «, gewesener Mmisier im KMnett Avereseu, durch folgende Kundgebung: ,Mr nrich gibt es nichts Heiligeres als die Baterbrndsliobe, nrir gilt mein BaterLrnd mehr als alles aus der Welt. Ich ilvünsche chm, daß es sich tat Innern der vollsten Ruhe evfteue, damit die IBevMerung ohne Unterschied der Re°> ligiou und Nation i-u vollster Ruhe und van niemanden 'behelligt feiner lBeschäftigung nachgche zum Wohle und wirtschaftlichen Fortschritt -es Staates, m dem sie labt. Ich Vorurteile demnach enevgffch jede Bewegung, die sich gegen Kategorien von Bürgern richtet. Besonders verd^mrnlenswert sind die a nt rfe m i t i s che n E xzesfe, durch welche die jüdische Bevokkeruttg. die fol ida risch mit de m Lande und de n, Staa ts iu teresse n ist, hart getroffen wird. Durch -diese Ausschreitungen werden die vitalsten StaatSintereffen stark kompwmitttert, well dadurch die MÄSMsche Presse und GroWaanz gegen Ws o«deveiht tafab.“

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