Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2528 (7.3.1926)
- Date
- 1926-03-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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| Poren, 25 giosayl Wien, ^um Abhoien in der Expedition, II., laborstr. 1-3, oder in einer Verschleisslelle Trafik) monati. b Schilling Strassenverkaui in Wien durch die Kolporteure de, Finna Qol dschmied. J„ Woltzelie 11 Mit Postversand für Wier und Oesterreich monatlicl 5 Schilling 1 scheeho-Slowakei: Morr. K 22. Jugoslawien Mon. 0in.60. Polen:Mon. 52foty. Deutschland: Mon. Om. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 tener NT WASCHANSTALT ' IHRE WASCHE'I - yi.wallg ^I CZ2TOEEF] Engl a n d: Mon. 4 Schilling. Italien: Monati. 18 Lire: Rumänien: Mon. 170Lei. Bulgarien Mon.IOOLewa. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, II. Taborstr. I Telephone: 44-0-38, 43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX.. Universitätsstrasse 6-8 (D. uckerei lg. Steinmann) Oesterreichisches Postsparkassen - Konto Nt. 150.69h Rk. 2528 Wien. Sonntag, 7. Mürz 1926 8. iiaiirgattg Am redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetztes e gekennzeichnet. YH. Mariahilferstrasse 50 I. Rotenturmstrasse 2? Aus dem Frrhalt. Prof. Dr. Wilhelm Stein: „Werner Sombaris neue Offenbarung." Dr. N. M. Gelber: „Die österreichische Polizei und das napoleonische Sanhcdrin." Anitta Müller-Cohen: „Ein jüdisches Volksheim in Wien." Oskar R o s e n f e l d: „Valkangeschichten." In der Montag-Mittagslmsgabe setzt die „Wiener Morgenzeitung" die Aussprache üb« die jüdisch: Anleihe für das Ausbauwerk m Palästina mtt einem Artikel von Dr. E. M. Zweig (Jerusalem) fort. Sine Festausgobe der „Wiener Molgenzeitung". Aus Anlatz der Hundertjahrfeier des Wiener Stadttempels (16. März 1926) wird die Ausgabe der „Wiener Morgenzeitung" vom Sonntag den 14. d. in bedeutend verstärktem Umfange erscheinen. Diese Festausgabe wird reich illustriert sein und unter anderen Beiträge enthalten von: Ludwig Bato, Prof. Dr. H. P. C h a j e s, Dr. David F e u ch t w a n g, Guido Fuchsgelb, Dr. N. M. Gelber, Jakob Krausz, Prof. Dr. Samuel Krau tz, Benjamin S e g e l, Dr. Leopold T Haler, Dr. Bernhard Wach st ein, Sandor Wolf. Eine Anzahl bemerkenswerter historischer Dokumente gelangt zum ersten Male zur Veröffentlichung. Bewirrung in Frankreich. Briand nach Senf abgereift. — Seine Wiederbetrauung «Wich. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Partz, 6. März. Die Fmanzjdebatte in der Kammer hat nach einer stürmischen Nachtsitzung mit der Demission des gesamten Kabinetts geendet. Es hat sich gezeigt, daß trotz der äußerst kritischen Lage der französischen Finanzen keine der Parteien zu einem Kompromiß geneigt ist, so daß die Regierung bei jeder Abstimmung über die vielen Steuergesetze in eine schwierige Situation geriet, da sie sich auf keine kompakte Mehrheit stützen konnte. Als in der heutigen Nachtsitzung, die um 10 Uhr abends begann, bei der Beratung über dieErhöhungderTabakpreise die Sozialisten für ihre weitere Mitarbeit an der Erhöhung der Steuern die Schaffung eines Tabakamtes ultimatib forderten und bei der Abstimmung darüber unterlagen, wußte man, daß nunmehr auch das Schicksal der Regierung besiegelt war: die erste Abstimmung werde durch den Abfall der Sozialisten eine Niederlage für Briand bringen. Schon wenige Minuten später beantragte bei dem Kapitel „Zahwngssteuer", das vom Senat m i t d e n S t i m m e n der Sozial!sten genehmigt worden war und nun in seiner neuen Fassung nochmals die Kammer beschäftigte, der K o m m u n i st L a f o n t die Zurückstellung der Vorlage Briaud stellte zum größte« Erstarrte« der Parteien hiebei die Vertrauensfrage. Die Abstimmung erfolgte n a ck e ri't k i<£ 4/fe' WLagung der Beratung wurde Mit 274 gegen 221 Stintmen beschlossen, Briand war mit 53 Stimmen in der Minderheit geblieben. Die Sizialisten hatten gegen Briand gestimmt. Der Ministerpräsident verließ daraufhin sofort mit allen Ministern das Parlament und begab sich zum Präsidenten der Republik, dem er die Demission der gesamten Negierung überreichte. Präsident D o u m e r g u e nahm die Demission des Kabinetts a n. Er sprach Briand und seinen Mitarbeitern den Dank ans und ersuchte sie, die laufenden Angelegenheiten zu erledigen. In den Wandelgängeu der Kammer gaben die meisten Deputierten der Meinung Ausdruck, daß die infolge der gestrigen Kammerabstimmung eingetrotene Lage besonders verworren sei. Die Krise werde schwer zu lösen sein. Sie sprachen den Wunsch aus, daß Präsident Doumergue sofort mit den Besprechungen beginne, um rasch zu einem Abschuß zu gelangen. Viele Deputierte, selbst jene, die zunt Sturz des Kabinetts ^getragen haben, möchten, daß Briand b a l d i g st eine neue Betrauung erhalte, die es ihm ermöglichen würde, im Bölkerbundrat die Interessen Frankreichs mit dem Prestige des Führers zu vertreten. Im übrigen bemerken sie, die Abstimmung köttne Doumergue keinen deutlichen Fingerzeig geben, denn es zeige sich keine neue Mehrhe.it, die die Regierung stützen könnte. Präsident Doumergue hat den beschlossenen Besuch der Handelsmesse in Lyon nicht abgesagt und ist programmgemäß um 8 Uh? 45 Minuten abends nach Lyon abgereist, wohin sich übrigens auch Herriot, der noch immer Bürgermeister von Lyon ist, bereits gestern abends begeben hu. Vor ■ seiner Abreise halte Doumergue eine lange Unterredung mit Briand im Salonwagen. Briand wird mit Paul Boneour und Loucheur nach Genf äbreisen. Morgen nachmittags wird er mit Skrzhnski und Chamberlain konferieren und Genf abends nach den vorbereitenden Besprechungen wieder verlassen. Briand will, wie er erklärt, nur den Vorbesprechungen beiwohnen, nicht aber den offiziellen Arbeiten des Völkerbundes, da er der Ansicht sei, daß er. nachdem die Kammer ihn gestürzt habe, die Reg ierung nicht verpflichten könne. Präsident D o u m e r g u e wird Montag vormittags nach seiner Rückkehr aus Lyon die'Beratungen über die. Kabinettsbildung beginnen. Antrag auf Kammerauflösung. Derber rcpublikanisch-demokvatischert Union an-gchörende Abgeordnete T a i * i n g e r. der zugleich Cheftedakteur der faszistisch-royalistischen Mberte" ist, hat im Bureau der Kammer einen Antrag hinterlegt, daß die Kammer den Präsidenten der Republik auffordern soll, von dem ihm verfassungsmäßig. zusjehenden Recht der Kammerauflösung Gebrauch zu machen. , Chamberlain in Paris. C h a m b e r l a i n ist auf der Reise nach Genf - "fjewte nachmittags in Paris eilig et r of f e n. Im Bahnhof erwartete ihn.der englische Botschafter und Br iawd mit seinem, Kabinettschef. Chamberlain und Briand begaben -sich mr Automobil zur englischen Botschaft. Sie sind abends zusammen nach Genf weitergereist. . Die Ansicht der Pariser Presse. Die Blätter besprechen in eingehender Weise die Mmisterkrise. Der „Temps" meint, der Sturz des Kabinetts unter so; schwierigen internationalen Vechä.ltnisfen werde nicht ermangeln' köM'en. einigermaßen Be rw i r r u ng hervorzurusen, nutet -dep die Atmosphäre ut Genf zu -leiben haben werde. Das ournal des Debats" führt aus, die gemäßigte Haltung der Opposition sei vollkommen logisch und werde dazu beitragen können, efg^Mtzig Klarheit zu.schaffen. Der n t r a n s i g e a n t" nreiml. infolge des Sturzes.des- Kabinetts Briand müßte die Vertagung der Sitzung des Völkerbundrates ausgesprochen tverden muffe«. Großes Aussehen in London. Paris, 6.' März. Wie der „Temps" aus London meldet, hat die Nachricht vom Sturz des Kabinetts Briand' dort außerordentlich großes Aufsehen erregt. C h a m b e r l a i u habe vor seiner Abreise nach Genf jade Erklärung zur Lage abgelehm, jedoch die Hoffnung ausgedrückt, daß er ijcnte abends trotz der Demission des Kabinetts; ntit Briand zusaminentreffen tvcrde. Eine Reuter-Meldung besagt, in den veratrtworMcheu Kreisen Londons glaubt man nicht, daß die Z u l a s s um g D e u t s ch l a n d s in den Völkerbund durch die f r a n z ö s ischeRegierungskrise g e f.ä h r d e t fei, da die Locarner Verträge von der französischen Kammer ratifiziert worden seien und die Frage des Eintrittes Deutschlands in den Völkerbund in keiner Weise von dem Schicksal der einzelnen französischen Kabinette abhänge. Ruhige Ausnahme in Berlin. Berlin, 6. März. Die Demission des Kabinetts Briand hat in Berlin große Überraschung.hervorgerufen, ist aber 'm allgemeinen und namentlich von den amtlichen Stellen vollkommen ruhig aufgen omme n worden. Die gesamte Presse widmet dem Sturz Briands eingehende Kommentare. Die Auffassung im Völkerbnndsekretnriat. Der Rücktritt Briands wurde im Völkerbundsekretariai ruhig ausgenommen. Im Laufe, des Vormittags rvar aus Paris die Mitteilung eingetroffen, daß Briand als erster Delegierter Frankreichs nach Genf kommen wird. Man vertritt dechalb im Sekretariat den Standpunkt,' daß die bevorstehende Tagung des Völkerbundes durch den Rücktritt Briands. der bereits vor Monaten zum d a u e r nden französischen Vertre-ter im Rate ernannt worden ist, keine Störung erfahren dürfte. Man rechnet jedoch mit der Wahrscheinlichkeit, daß Briand. bereits am Dienstag nach Paris zurückkehren und Paul Bonoour bic Seitung der französischen Delegation überlaffen werde. Ankunft der Deutschen in Gens. G«ns, 6. März. Die deutsche Delegation ist heute um 8 Uhr 45 Minuten abends hier eingetroffen. Sie wurde -m Bahnhof von einer großen Menge deutscher und ausländischer Journalisten erwartet. Besonders in Stoffen, |ffl KeMigckotc ’Sfst Binder Schiffmann 11, Taborstrasse 48 Telephon 47-1-71 En gros En detail A6B