Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2526 (5.3.1926)
- Date
- 1926-03-05
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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GeNe f Mm, Mm« ... » -- realpolitisch denkenden 3N<i uitcr unserer beiden Lander bleiben. Durchdrungen von der RoavevWch -er loyalen Zusammenarbeit unserer beDen Staaten, überzeugt Don der Wahrheit, -aß ein Staat mir. dann sich wahrhaften wirtschaftlichen Gedeihens und allgemeiner Ruhe erfreuen Kmn, wenn es chm gelingt, Beziehungen ehrlicher und guter Nachbarschaft mit seinen verschiedenen Anrainern herzustellen, habe ich stets Ihrem Lande gegenüber eine Politik der Verständigung ruid eine Politik des Friedens mit Oesterreich und mit unseren beiderseitigen Nachbarn, eine Politik des allgemeine« Wiederaufbaues ttnfc der Wirtschaft!: chen und moralischen Konsolidierung der Staaten Zentralenropas verfolgt. Der Sondervertrag, den wir morgen unterzeichnen werden, ist sicherlich ein neuer bedeutender Markstein in der österreichisch-tschechoflowakischen Politik, rin neuer Beweis der fortschreitenden Konsolidierung und ein ganz besonders signifikantes CharakteriMmi der Politik unserer beiden Lander, die ist und sein wird, wie Euer Exzellenz soeben sagten, eine Politik aufrichtiger und herzlicher Zusammenarbeit unserer beiden Länder im Dienst des Friedens und des europäischen Wiederaufbaues. Im Namen meines ganzen Landes und Im Namen der ganzen Bevölkerung unseres Staates übermittle ich Ihnen, Herr Bundeskanzler, den aufrichtigen Wunsch, in dieser gemeinsamen Arbeit auch in Zukunft fortzufahve«, in voller LohakM, « vollster Aufrichtigkeit und im Geiste des «SlkerbMtdeS, HHend, daß unsere wechselseitige« Beziehungen immer fester, immer beständiger urch immer freundschaftlicher werde«. I« diese« Sinne erhebe ich mein Was auf das Wohl Eurer ExMenz und Ihrer Frau Gemahlin und auf das Wahl Seiner Exzellenz des Herrn Bundespräfidente« und auf das Gedeihe« Oesterreichs." An das Abendesse» schloß sich edr Emfffang, Kr de« die Mitglieder des diplomatischen Kochs mit ihren Damen, zahlreiche MitgttHer des Nationalrates und Bundesrates, führende Persönlichkeiten der Industrie, Finanzwelt, ferner Vertreter der in- und ausländischen Presse sowie die leitttcheu Beamte« der verschiedenen Ministerien geladen Ware«. L-chechoftowarlsche A»tKzetch«<t«s fä* Dv. Name?. M«Per des Aeußer« Dr. Bevefch hat dem BundeskarGer Dr. Ramel die Insignien des ihm vom Präsiden len der tschechostöwakrschen Republik, Masachk, verliehenen G r oßkreuzes des Ordens vom Weiße« Löwe« überbrachl. »admGamte« «es« Benesch. G« Häufchen radauiustiger Studenten fühlte gestern den Draug « sich, ei« bißchen Weltgeschichte zu spielen. Sie woüteOder Regierung und dem Ausland ihr Mißbehagen über den Besuch des tschechoslowakischen Außenministers Doktor B e » e s ch in Wie« deutlich vor Augen sichren. Deshalb versammelten sie sich, etwa achtzig an der Zahl, um 11 Uhr vor- 'Mittags aus der Universitätsrampe zum Rütlischwur gegen den deutschen Erbfeind. Ein Recke, der wahrlich anders aussah als SieHried, schwang eine bluttriefende Rede. Dr. Benesch wurde nicht gercÄe mir den schmeichelhaftesten Worten belegt, man nannte ih« ,Mrräter",Verleumder" und ähnliches und betrauerte di« Ausländsdeutschen, die unter tschechischem Joch schmachten muffe«. Dann wurde gesungen: ,Menn alle untreu wechen, so bleiben wir doch treu" und die Hand zum Schwur erhoben. Für 7 Uhr gaben sie sich auf dem Ballhausplatz ein Stelldichein^ um Dr. Benesch persönlich ihre Aufwartung zu machen. Wahrend der Versammlung wurden Schimpfzettel gegen Benesch verteilt, jedoch von der Polizei beschlagnahmt. Dir ME»»s»konfere»r i« Wie»? Wie erinnerlich, mußte die für den 15., Februar emborufeztt Sitzung der vorbereitenden Kommission für die Abrüstungskonferenz abgesagt werden, da Rußland sich weigerte, eine Konferenz zu beschicken, tue in der Schweiz tagt. Nunmehr wurde die Konferenz neuerlich für deu Io. Mai eiuberuseu. Um eine abermalige Absage Rußlands zu vermeideu, wich die Koche rnrz nach einem Orte außerhalb der Schweiz einberuftu wechea. Wie aus Böüerbundkreisen verlautet, dürfte der Böllerbundrat als Konftrenzort Wien bestimmen. Politische Besvrech«»seo in Poris. Paris, 4. März. (Tel.-Komp.) Ministerpräsident Briaud empfing heute den jugoslawischen Außenminister Dr. N i n c i e und dann den deutschen Botschafter von H o e s ch. Beide Unterredungen drehten sich um die Fragen, die auf der bevorstehenden Völkerbundtagung zur Sprache kommen werden. Morgen trifft der Polnische Außenminister Graf Skrzyuski m Paris ein. »ofos bei Mussolini. der«, 4. März. Die Agenzia Stefani veröffentlicht folgendes Eommunique: Heute nachmittags empfing Ministerpräsident M u s s o l i n i den griechischer: Minister des Aeutzern, R u^o s, der heute morgens in Rom eingetroffer: war. In der Besprechung, die anderthalb Stunden dauerte und einen sehr herzlichen Charakter trug, wurden die hauptsächlichsten Fragen, die die beider: Länder interessieren, sowie die europäische Lage besprochen. Die beiden Staatsmänner konnten die Gleichartigkeit ihrer Standpunkte bei zahlreichen der erörterten Fragen feMeüen. MeMk MsrMzelkuÄa rSwoboda-Schuhe fertig und nach Ma$ Singersirafje 5 .I., Bauernmarkt 1 Benesch in Wien. - y. Wien, D. März Der Besuch Benesch' in Wien ist ein Akt von mehr als konventioneller Bedeutung. Zunr ersten Male ist der verantwortliche Leiter der Außenpolitik der Tschechoslowakei Gast der österreichischen Hauptstadt. Sein Besuch und die bei dieser Gelegenheit erfolgende Unterzeichnung des Schiedsgerichtsabkommens ist die logische Fortführung der von Schober initiierten Freundsthaftspolitik, die im Vertrag von Lana einen festen Angelpunkt gefunden hat. Di« beiden Republiken sind auf einander angewiesen, sie sind durch ihre geographische Lage und noch mehr durch die alten vielhundertjährigcn Beziehungen, die der rastlose Fleiß des Kaufmannes nach dem Kriege wieder angeknüpft hat, miteinander verbunden. Dieser neuentstandene Zusammenhang wird nur noch verstärkt durch die politischen Vorgänge der letzten Zeit. Oesterreich und die Tschechoslowakei haben Parallele Interessen. Eine Aenderung der Staatsform Oesterreichs würde auch die Nachbarrepublik tangieren. Dies zu bekunden und zu sagen, daß die Erhaltung Oesterreichs als eines freien und unabhängigen Staates ein Grundgebot der Prager Negierung bildet, ist der Sinn der Reffe des Ministers, der sich im ganzen Verlauft seiner Amtstätigkeit stets als ein verständnisvoller Freund Oesterreichs gezeigt hat. Ts gibt in Oesterreich Kreise, die dies bestreiten, ganze Parteien, die sich gegen die Politik der Freundschaft stellen. Diele Parteien leben noch im Dunstkreis des Krieges und haben die neue Zeit noch nicht begriffen. Ihr politisches Leben ist aus den Haß gestellt und darum nach jeder Richtung hin negativ. Sie bewegen sich zwischen den Weisen von Zion einerseits und dem 26. Infanterieregiment andererseits, haben nichts gelernt und alles vergessen. Ihr bockbeiniges Tun verhindert die svele Entwicklung Oesterreichs, seinen vollkommenen vertrauensvollen Ausgleich mit den Nachbarn. Natürlich gibt es such drüben Gegenspieler, Chauvinisten, die jede Parole begierig aufnehmen, politisch konjugieren und lizitieren. So erzeugt ein Fehler ein Dutzend anderer hiev und dort und die Negierungen haben dann die sauere Arbeit, die eingeschlagenen Fenster zu bezahlen. Letzten Endes münden dann diese Strömungen bei den Minoritäten. Benesch kommt in einem Zeitpunkt nach Wien, wo das österreichische Problem wieder einmal zur Diskuffion steht. Es ist interessant, daß dies nicht auf Betreiben Oesterreichs geschehen ist, sondern durch den italienischen und den deutschnationalen Faszismns. Um die Frage der deutschen Minderheit in Siidtirol hat sich ein Redekampf der Minister entwickelt. Es bleibt aber nicht bei den Worten. Der überlaute und vom sicheren Ort aus geleitete deutsche Nationalismus hat Italien das Stichwort gebracht, sich ft'ir bedroht zu erklären und bei Göftgenheit der Brennerfrage auch über Oesterreich zu sprechen. Die Konferenzen Mussolinis mit Nincic haben dieser Frage gegolten. Ter Besuch Benesch' zeigt, daß die Tschechoslttvakei und Oesterreich nicht aus der Debatte ausgeschaltet werden können und daß eine Verteilung von Land und Menschen keine so einfache Sache ist, die sich in einem Minifterzimmer erledigen läßt. Der Bestand Oesterreichs ist eine Voraussetzung für den Frieden und jeder Angriff auf St. Germain muß notwendigerweise auch Genf und Lang treffen. Diese Erkenntnis hat sich auch in den Trinksprüchen hercruskriftallisiert, die gestern abends getauscht wurden. Der warme Ton, auf deu sie gestimmt such, ist ein Aviso an die zerstörenden Kräfte, die allerorten tätig sind, den Frieden Europas zu unterwaschen, und die Oesterreich schon als AufmarsckMlände betrachteten. Diese Kräfte können wir aus der nächsten Nähe betrachten und ihr die öffentliche Moral bedrohendes Wirken abschätzen. In wenigen Stunden werden die Beratungen in Gens beginnen und man lveiß, daß sie sich zu einem Gericht gestalten werden, das über Ungarn gehalten wird. Aber diese Tatsache, daß es noch ein öffentliches Gewifftn gibt, wird auch iiberall dort gewürdigt werden, wo das Recht bedroht ist. Schützrr des Rechtes bleibt der Völkerbund und einer derer, die seine Idee verfechten, ist Benesch. Sein Erscheinen in Wien entspringt der Erkenntnis von der Nottvendigkeit, beu Frieden durch eine starke Demonstration zu sichern. Diese Erkenntnis ist in der öffentlichen Meinung Oesterreichs fest verankert. Benesch ist einer der Borkämpftr für ein höheres Recht, für eine Neuordnung der Politik und Wirtschaft ans der Grundlage der Hulnanität. Er ist einer der Männer, die mit reinem Willen an der Arbeit sind und die in der Zeit des krasftsten Materialismus sich eine idealistische Weltanschauung gebildet haben. Es entspricht seiner Richtung, daß er einer der Förderer der zionistischen Idee ist und daß er die Freiheit, die er seinem Volke gebracht hat, auch dem jüdischen Volk schafft» will. Leider ist er einer der wenigen und die innere Politik der Regierung entspricht in der Tschechoslotvakei wenig seiner Linie, wie dies bei den letzten Wahlen zu erkennen war. Auch in der Tschechoslowakei känipst die innere Politik mit der äußeren uub es ist dringend zu wünschen, daß die Harmonie erreicht wird. In dieftr Hoffnung heißt die jüdische Bevölkerung Oesterreichs den Minister Benesch, deu Wann von Gery, willkommen, ~ ff. Mr; 7M .. M. 2888 Waad Leumi unD zionistische Exekutive. (Ekgendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Jerusalem, 4. März. Zwischen dem Waad Leumi und der Zionistischen Exekutive ist ein Uebeveinkommen geschloffen »vorder:, wonach die Zionistische Exekutive sich ausschließlich mit allen allgemeinen Fragen, die die jüdische nationale Heimstätte betreffen, während der Waad Leumi sich mit allen lokalen jüdischen Fragen in Palästina zu beschäfti<M habe. Der Inhalt dieses Abkommens wurde der Palästinaregierung zur Kenntnis gebracht. Die Agudah «hat der Regierung eine Denkschrift überreicht, in der sie um die Bewilligung ersucht, besondere Gemeinden auf der Grundlage der letzten Gemeinde- Verordnung gründen zu dürfen. Per Plan einer britischen Universität in gerusalem. London, 4. März. (I. T. A.) Der -Jerusalemer Korrespondent der,Morning Post" telegraphiert Einzelheiten über das Projekt der Errichtung einer britischen Universität in Jerusalem. Er teilt mit: Unter der Patronanz von Lord P l u m e r wird fttzt ein Plan der Ueberfühmng des E n g l i s h College nach dem Oelberg ausgearbeitet. Der Kostenvoranschlag beträgt 60.000 Pfund. Das Englifh College, das im Jahre 1904 in Jerusalem eröffnet wurde, nimmt eine einzigartige Position im Tvziehungswosen Palästinas ein mrd entwickelte sich in den letzten fünf Jahren so, daß es den Lehrplan einer englischen Staatsschule verwirklicht. Nun soll die Schule eine« Universitätsstandard erreichen. Der Korrespondent schließt: In dem Gngltsh College ist die Grundlage einer britischen Universität vorhanden, deren Bestehen van Jahr, zu Jahr dringlicher wird. Aus vrer SM. Mn englischen GvBehrtngsexpoVte tu Palästina. Jerusalem, 8, März. Sir Alfred Davies, der frühere Sekretär des Departements von Wales dos britischen Unterrichtsvates, ist zu einem dreiwöchige» Auft enthalt im Lande in Palästina eingetrosftn. Sir Davies, ein Mitglied der Reichs-Erziehungskonferem und eine Autorität auf dem Gebiete der walisischen Sprache nnd des Zweifprachenproblems in Wales, logt spezielles Jntereffe für die Erziehungsnnd Sprachensragen hier im Lande an den Tag. Er traf mit Vertretern der Zionistischen Pakäst irraexekuttve zusammen pnd hat mit chnen eine Reise durch die jüdischen Siedlungen verabredet. Die nette M4ttelstmchskokontsattsn des Keven Hajeffod. Soeben sind zwischen dem Keren Hajeffod und den neuen Mittelftaudsfiedbingen in Magdiel und Bne Brak Verträge über die Kredithilfv, die der Keren Haftffod diesen Siedlltngen gewährt, abgefchkofftn tvorden. Die Darlehen des Keren Hajeffod werden im Laufe dieses und der nächste!» zwei Jahre erteilt und find dann, beginnend mit dem Jahre 1932, während einer Periode von mehrere Jahren zurückzuzahlen, nnd zwar mit einer Berzinstmg, die nttt zwei Prozent beginnt und bis vier Prozent steigt. Aehnliche Verträge ftllen demnächst mit der Soskinfchen Klernfiedlvrgenoffenfchaft abgofchloffon werden. Dieft Siedlung soll mindestens 250 Siedler zählen, deren jeder 400 ägypt. Psturd Eigenkapital' mitbriugt. Der Keren Hajeffod beteiligt sich an dieser Gillung mit einem Betrage von 82.900 Pfund. Später sollen auch Verträge zwischen dem Keren Hajeffod nnd den chaffidifchen Siedlungen abgefchloffen werden. Mn jüdischer Dslegieviev ans Schwaden. Jerusalem, 3. Mäitz. Dr. Iwan T r a u g o t i aus Stockholm, ein Führer der fchlvedischen Judenhejt, besuchte kürzlich Palästina und wurde von den Vertretern des Keren Hajeffod empfangen. Es wurde Herrn Dr. Traugott jede Möglichkeit gegeben, au Ort nnd Stelle ftstznstellen, tvelche Mater iatten die schwedischen Juden als ihren Beitrag zur jüdischen Kolonisation iu Palästina zur Verfügung stellen könnten. Bor kurzer Zeit ist iu Stockholln ein provisorisches Kornitee auf Veraulaffung von Dr. Wileüsky, dem dortigen Keren-Hajeffod-Delegierten, gebildet worden. Dem Komitee gehören die Herren PLof. Fundell« Proftffor Lanm, F. Hirsch, Oberravbiner Dr. Ehrenpreis und Traugott an. Rückgang dev Mieten in TeElorw. Trotz der Einschränkung der Baubewegung find die Mieten in Tel-Awiiv in letzter Zeit bedeutend zuruckgegangen. Zahlreiche Wohnungen und Zimiuer finden keine Abnehmer. Einzelzimmer im Zentrunl der Stadt, für die früher 3 bis 4 ägypt. Pfund pro Monat verlangt wurden, find jetzt für 3 bis 3,5 ägypt. Pfund erhältlich, nnd Zimmer in Seitenstraßen für 1,5 ägypt. Pfund. Wohnungen aus zwei. Zimnlern, Küche und Terraffe, für die früher 6 bis 8 ägypt. Pfund verlangt wurden, bekommt man jetzt für 4,5 ägypt. Pfund. Zahlreiche Hausbesitzer, die mit ihren Mietern feste Verträge bis zum nächsten Muharam hatten, haben nichtsdestotveniger den Mietzins herabgesetzt. Die Baude-vemtns ft* Lel-Mv4w im Monat Jänner. Im Laufe des Jänner wurden in Tel-Mviw 92 Baulizenzen für 360 Zimmer und 31 Läden in einen! Ausmaße von 11.393 Quadratmeter erteilt. Dies bedeutet einen Rückgang gegenüber Jänner 1925, aber eine Steigerung gegenüber Jänner 1924. Die meiste» projektierten Botäe» stütz WeintzzohunW!«.