Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2525 (4.3.1926)
- Date
- 1926-03-04
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2979076-2981549-2981612--25749-3013436- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
«r. Mb M°», WMM» MrMr MveMMüW ■ l «■; IflSG?^7 Kunst, Bühne, Buch. Sine lavanWe Nntterfttz. . Vastfpirl Teiko Ktwa in der Bolksoper. . Wäre Teiko Kiwa keine Japanerin, so hätte sie den ftackn und echten Erfolg um nichts weniger verdient. Denn sie zaubert mit ihrer Persönlichkeit Leben auf die Bühne, über die sie so zierlich mit winzigen Schritten trippelt, und sie -bleibt stets unkonventionell interessant, ob sie nun anfangs wie eine Leine Geisha soubrettenhaft kindlich lächelt oder später als verllassene Gattin und verzweifelte Mutter zu wahrhaft tragischer Größe emporwächst. Mimik und Körperspiel sind so lebendig und anschaulich, daß das italienische Sprachidiom kaum stört und ihre junge Mhende Stimme verrät beste italienische Schulung. Die Höhe hat Glanz und Warme, die Kopftöne Men, das flüssige Parlando ist reich differenziert. Wenn Teiko Kava eine Japanerin ist, so Hietöt der exotische Singvogel für das Publikum einen Sinnenreiz mehr. übrigen bleibt es der Geschmacksrichtung des einzelnen überlassen, sich darüber zu freuen oder es zu bedauern, daß Osten und Westen einander tso nckhegerückt sind, daß eine Japanerin in Wien Puccinis Butterfly singen kann. In tJapan selbst wird ja die „Madame Butterfly" nicht gespielt, da sie nicht echt japanisch ist, dafür spielen dort eingeborene Schauspieler Ibsens Dramen in europäischer Auffassung und abendländischer Kleidung. (Ironie der Prinzipien!) Wenn die schöne Te^to Kiwa eine Japanerin ist, so ist es ihr mit geradezu erstaunlicher Willenskraft gelungen, sich ins europäische Theater einzufühlen, von dem sie sich — abgesehen von ihrer reicheren und lebendigeren De.ailarbeit — kaum unterscheidet. Und gerade diese sprudelnd Lebendigkeit befremdet bei der Japanerin geradeso wie ihre vechaltms- Maßig hohe Erscheinung, die kaum geschlitzten Augen und die in der KonsonaNtenbildung keineswegs ostasiasische Aussprache des Italienischen. Wie also, wenn Teiko Kiwa doch keine iFapaner-m wäre! - - , ' sib. Sie Habimah ln Warschau. Man schre-bt uns ans Warschau: Am 1. d. begüM 'bas Moskauer Hebräische Theater Habimah.sein Warschauer Gastspiel mit -er Aufführung von A n—sk r 's ^Dyb u k". Das Theater war dicht besetzt. Die Mite der Warschauer jüdischen und polnischen Gesellschaft, die Kr'tiker der polnischen Presse, zahlreiche polnische Schauspieler und Künstler wohnten der Vorstellung bei. Vor Beginn der Vorstellung hielt Herr Olurnel im Namen des Empfangskomitees sine Betzrüßungsrede, in .der er der Freude der polnffchen Judenheit Ausdruck gab, die hervorragenden Künstler, geführt von ihrem Direktor Z e m a ch, in ihrer Mitte zu wissen. Die Vorstellung helbst fand begeisterte Aufnahme. Zum Schluß herrschte eine tenthusiastische Stimmung. Nach der Vorstellung gab die hebräische Kulturgesellschaft Tarbuth zu Ehren des Habmrah-Ensembles om Bankett. Die Habimah wird in Warschau zwei Wochen lang Vorstellungen geben und dann auch die anderen Städte Polens bffuchen. Als Dauer des Aufenthalts in Polen sind zwei Monate vorgesehen. , Londoner Konzerte. SmphoriveLrnzert in Q»tevns-Hall. — Holsts „Planeten". — Shmphonimufftihrung durch Jüzzbandorchest«. ' (Won unserem Londoner Mitarbeiter.) London, 26. Februar 1926. In der Queenz-Hall fand vergangene Woche unter der Leistung .des bedeutendsten Londoner Dirigenten, Dir Henry Wood, ein Wirklich gelmrgeues SymphoniÄonzert statt. Nach einer Eröffnung mA der Prelude aus der Oper „Die Sturmer" von der begabten Engländerin Ethel Smyth, gab e3 Elgars Erste Symphonie. Das Werk, das hier schon lange nicht gespielt wurde, hatte, wie die Aufführung selbst, großen Beifall gesunden. Das Ereignis drS Abends war die Symphonie „Die Planeten" des Engländers Holst. Wood brachte rmr die Vier hervorragendsten Teile des Werkes, Mars, Berrus, Merkur und Jupiter, zur Aussi'chrung. Besonders gefiel uns das Ater kur-Scherzo und das Filiale des .Göttervaters. Jur. Orchester waren die Sireichinstm-menle auf bisher nicht erreichter Höhe. Bemerkenswert ist noch die neueste Errungenschaft des berühmten Orchesters Jack Hyltons. Der Jazzbandköllig dirigierte seine Band am Sonntag tin der dichtgefüllten riesigell TÜbert-Hall. Jedoch tvar es weder „Tea for Two" noch „I love You", sondern diesmal eine ganz regelrechte Symphonie von Eric Coates, die Hylwn in, sagen wir jazzisierter Form brachte. Diese phantastische Sym-phonie, ,I>er eigensüchtige Riese", ist die bekannte Vertonung von Oskar Wildes gleichnamigem Märchen. Die Klangwirkungen der verrückten, modernen Instrumente waren nicht so furchtbar. als man erwartet hätte. Unnütz zn bemerken, daß dor populärste Dirigent des populärsten britischen Tanzorchesters mit seinem Versuch begeisterten Beifall isand. Am den Theatern. Burgtheater. Morgen, */,8 Uhr abends, *$ e t Richter von Zalarne«? (Theatergemeinde, Serie v, gelb). Akademiethvater. Heute, Vs8 Uhr abends, wegen Erkrankung der Frau Senders statt „Altweibersommer", „Der S e l i g e" die Komödie ,OnkelTont" (Abonnement H. Gruppe). — Morgen, V»8 Uhr abends, zum erste» Male „MarieoderAufsanfte Art." Opern idealer. Morgen. 7 Uhr abends, als erste Vorstellung deSN t b e l u u g e n - Z Y k l u s „Das Rheingold." BolkSover. Morgen zweites Auftreten der japanischen Butterfly Teiko Ktwa. Deutsches BolkStbeater. Samstag, */»4 Udr uachmtt«ags, „DerArmeu-Doktor". Sonntag, 8 Uhr «ichmittagS, «Die heilige Johanna.' Theater in der Josef st ad t. Die Uraufführung von „Alles und nichts oder der Traum von Schale nndKern". Zauberpoffe mit Gesang nach Johann N e st r o y von Egon F r t e d e l l und Hans S a ßm ann, mit Musik nach Aoolf Müller von Karl Hieß, findet morgen, */*8 Uhr abends, statt. Renaissaneebübne. Morgen gelangt die Komödie „Küsse mich" („Lmbraeser moi") zur ersten Auf. führung. Bon „Metzers Lexikon" fft im Verlag des BiblivaraMischen Instituts in Leipzig ein neuer Band der siebenten Auflage erschienen: der dritte Band, der von ,,Conti" bis „Cngmäuler" reicht. Vergegenwärtigt man sich, daß m diesem Teile des Alphabets.alles, was mit den Stichwörtern Dampf, Deutsch, Eisen. Elektrizität zusammenhängt, zu behandeln und nach dem neuesten Stand darzustellen war, so kann man wenigstens Mgefahr ermessen, welche ungeheure Arbeit hier gcleiitetwerden mußte und geleistet worden ist. Welche Fülle von Stoff ist zum Beypie! in dem IW Spalten umfassenden Artikel Deutsches Reich" gemeistert, dessen wechselvolle jüngste Geschichte erfreulicherweise breiter dargetzellt und bis 14. Maust IM fortgoführt worben ist. In ausführlichen Artikeln ssi klar und Übersichtlich die „Deutsche Kunst" und „Deutsche Llteratur" (38 Spalten mit einer Karte) behandelt, dem „Deutschtum im Ausland" ist ein solcher von 16 Spalten mit Zwei Karten gewidmet. Das Ausland erscheint mit längeren Artikeln über .^Dänemark" und „Dänische Llteratur", „England", „Englische Literatur" und „Eriglssche Sprache". Stichproben ^zeigen den Band auch aus allen anderen Gebieten auf der Höhe. Wir begegnen dem menschenfreundlichen Apotheker Cour und dom gleichfalls zum Wohltäter her Menschheit, gewordenen Medilziner Ehrlich, den Philosophen Dessoir und Driesch, dem Physiker Einstein, den Dichtern Dauthendeh, Däubler und Deymel, den Schriffftellern Döblin, Edschmid, den Politikern Coolivge, Lord D'Abernon, Doumeraue und Gbert, den Kunstgeschichtlern Debi'oe den Zeppelin-Größen Dürr und Eckener. Besonders reiche ArlSbeute an Neuem und Neuestem «ist i>n den Technik und Naturwissenschaften behandelnden Beiträgen ausgespeichert, wie die Artikel über Dampfmaschine, Dampfschiff, Essen, Essenbahn, Elektrizität und dile zahllosen Zusammensetzungen zeigen in denen diese Stichwörter austreten. Einen vortrefflichen Einblick in das Kapitel Psychologie gewährt der Artikel „Eignungsprüfungen" (mit Mer! Bildertafeln). Im ganzen enchält der Band 39 farbige - und schwarze Tafeln, unter denen die prächtigen Farbentafeln „Edelsteines „Eier europäischer Vögel", „Elefant" „Emailmalerei" und die schwarzen Tafeln „Deutsche Malerei", „Englische Malerei", „Diamanten", „Eisenbahnwagen" genannt feien, ferner acht illustrierte Tertbeilagen im Umfang von 4 bis 10 Sölten, 21 politische, physikalische, geschichtliche, ^'alogische und statistische Karten sowie sechs Stadtpläne Mit StraßenverFerchnissen. Dre Wiedergabe der Tafeln und Karten wie auch der zahlreichen instruktiven Textbilder verdient höchstes Lob. Der gegen die beiden eissten Bände um 10 Prozent höhere Preis (in Halbleder gebunden 33 Mark) ist durch die heutigen wirtschaftlichen Verhältnisse begründet. Sie MUchfiilschungen der Germania-Molkerei. Ein Zeuge im Gerichtssaa! verhaftet. ' Das gestrige Zengenverhör brachte wieder zahlreiche Aussagen, aus denen die M i l chv e rp an t s ch u ng hervorgmg. Der Zeuge Hans Hofer, der vom April bis Dezember 1923 als Expedient in der Molkerei tätig war, bezeugt, er habe nach seinen Aufzeichnungen über den Milchein- und -Äuslcnss festgestellt, daß der Ausl aus um 20 Prozent größer War als der Ei nlans. Daraus habe er geschlossen, daß /systematisch gepantscht wurde. Vors.: Haben Me selbst auch solche Wahrnehmungen gemacht? — Zeuge: Ja, ich habe gesehen, wie Spülwasser in die Frischmilch hineingeschüttet wurde. — Vors.: Es wird behauptet, daß Ihre Frau Milch gewässert hat? — Zeuge: Freilich, sie mußte es aus Geheiß der Frau Brunnmüller tun, sonst hätte sie von ihr Ohrfeigen bekommen. Der Arbeiter Karl Mayer, der noch im Betrieb der Firma Bruunmüller tätig ist, gibt als Zeuge an, es sei ganz und gar unrichtig, daß jemals Spülwasser der Milch zugesetzt worden sei. Wenn andere Zeugen dies behaupten, sei es entweder ein Irrtum oder eine Unwahrheit. Der Borsitzelvde Mi dem Zeugen vor, daß er selbst in der Untersuchung die Mischung von Spülwasser und Milch zugegeben habe. Dcr Staatsanwalt beantragt, den Zeugen wegen des Verdachtes der falschen Zeugenaussage in Hast zu nehmen. Der Gerichtshof gab diesem Antrag Folge, ein Jnstizjoldat nahm Karl Mayer in Hast mrd der Vorsitzende verfügte, daß er dem Lan>desgericht 2 überstellt werde. Es wurden dann noch tveitere Zeugen einvernommen, die znm größten Teil belastend für die Angeklagten aussagten. In der Nachmittagsverhandlung wurde eine Reihe von E n tl a stu n g s zeu g e n einvernomnwn. Josef D o l e s ch a l sagte aus, daß niemals Wasser in die Misch gegossen wurde. — Vors.: Andere Zeugen haben aber das Gegenteil behanpdet. Wie erklären Sie das? — Zeug e: Ich habe mich um nichts gekimnnert, sondern nur meine Arbeit gemacht. — Vors.: Wie ist die Resolution zustande gekommen? — Zeuge: Wir sind in die Kanzlei gerufen worden und haben nnterschvivben, daß keine Unregelmäßigkeiten vorgekommen sind. — Vors.: Sind Sie beeinflußt worden? —Zeuge: Das weiß ich nicht. Ich durfte nicht, viel reden, weil mau mit mir unzufrieden war. Der Vorsitzende verliest hieraus die Resolution der Arbeiterschaft, in der erklärt wird, daß in der Germania-Molkerei keine Unregelmäßigkeiten vorgekonmren sind. Die Aussagen von 18 Gemischtwarenhand lern, die bei der Germania-Molkorei Milch.bezogen, lauteten so widersprechend, daß man kein rechtes B-ild aus ihnen gewinnen kann. Einige gaben an, daß ihre Kunden mit der Milch zufrieden waren, andere behaupteten wieder das Gegenteil. Manche sagten sogar aus, daß sie die Milch nur des Prozesses wegen abbestellt hätten pnb daß sie sie nach dem Prozeß wieder bestellen werden, weil sie mit ihr zufrieden waren. Die GenrisGwarenhänblerin Therese Schilling, die ihren Laden gegenüber'dem Polizeikommissariat hat^ gab g8i daß MtzeiKe Wachleute Kunden waren M die -Milch ninr-ab tMJ-ftäufcelcii. Die AnmstellN'i, Der Firma Josef Zehmann n. Otto Beranek bestritten enlschieden, daß Spüllvasser in die Milch geschüttet wurde. Dieses ttmrbe 'lediglich für die Schweine verwendet. Ter Zeuge Beranke beschwerte sich darüber, daß Zeugen von anderen Zeugen auf dem Korridor beeinflußt werden. In der heutigen Verhandlung werden die Sachverständigen und der Buchhalter der Firma einvernommcn werdeir. Sie zeugnlspfticht der Banken. Das Wiener Handelsgericht hat gestern eine prin« zipiell wichtige Entscheidung - über die Frage gefällt, ob Bankfunktivnäre die Zeugenaussage über den Stand des Kontos eines Kommittenten verweigern dürfen ober nicht. Der Wiener Kansmann R. hatte beim Handelsgericht eine Klage gegen die British Trade Corporation, Filiale Belgrad, aus Zahlung von 16.000 Dinar eingebracht und die Zuständigkeit des Wiener Gerichtes damit begründet, daß die Beklagte bei der Anglobank in Wen ein Guchaben besitze, so daß der Gerichtsstand des Vermögens gegöben sei. Die Beklagte behauptete nun in der Klageibeantwortung, in Oesterreich kein Vermögen zu besitzen. Das Gericht richtete noch vor der Verhandlung eine. Anfrage an die Anglobawk, ob zur Zeit der Klageeinibringung die British Trade Corporation bei ihr em Guchaben besessen habe. Die Bank «klärte jedoch, der Stand des Kontos ihrer Kommittenten bilde ein Geschäftsgeheimnis, über das sie die Aussage zu verweigern berechtigt fei. Sie berief sich hiöbei auch auf eine vor kurzem veröffentlichte Entscheidung des tschechojloiwaksschen Obersten Gerichtshofes in Brünn, der ausgesprochen hatte, öaß die Bankfunktionäre sich des Zeugnisses darüber erttschlagen können, ob das Konto zu einer bestimmten Zeit aktiv war. Der .Klageanwalt beantragte hieraus die Ladung eines Prokuristen der Anglobant als Zeugen zur müMichen StreitverhaMung. Be? der nun gestern unter dem Vorsitz des Hofrates' S^czepessy stattgefunbenen Verhandlung erklärte der Prokurist der Bank, der Stand des Kontos se? ein Geschäftsgeheimnis und er verweigere darüber die Aussage. . Der Klageanlwalt beantragte, den Zeugen zur Ablegung einer Aussage zu verhalten, da seine Weigerung im Gesetze nicht begründet sei. Das Gesetz enchebe einen Zeugen nur dann von der Verpflichtung auszusagen, wenn er hiedurch sine ihm Mietende staatlich anerkannte Verschwiegenheitspflicht verletzen würde oder aber, wenn es sich um Fragen handelt, durch deren Beantwortung der Zeuge ein Kunst- oder ein Geschäftsgeheimnis offenbaren würdL. Der Gerichtshof entschied, daß der Zeuge aus zu sagen verpflichtet sei und daß die WeilgeMng des Bankprokuristen nicht rechtsmäßig sei. In seiner Begründung fichrte der Vorsitzende aus, daß ein Geschäftsgeheimnis nur dann vorliegen würde, tvenn es sich um Angeilegenheiten ..handelt, durch deren Kenntnis die Vorstellung, die man sich in der ,Oeffentlichkeit von der Führung und den Verhältnissen der Bank; macht, beeinflußt werden könne. Dies komme aber bei der Frage, bb'eiy Kommittent.ein aktives Konw habe ober nicht, selbst-' -vevständlich nicht iü Betracht.. Die von der Bank behauptete Ber- Mwiegenheitspsticht könne. aber von der ZeugNispflicht nicht befreien, -da diese Verschwiegenheitspflicht Än GesHe nicht cmsdrücklich anerkannt ist. > Ein Fabrikant polnischer Banknoten. Im März 1923 wurde im Lemberg-Wiener Schnellzug in H ohe nau. eine Frau Etti. Stockhammer verhaftet, weil man in ihrem Mt Doppelb o b e n verfehenenr Koffer 3000 Stück a e s ä l s ch t e polnische^ Zehn t.a u s e n d m a r k n o t c n bei der Revssivn .gesunden hatte. Es wurde eruiert, daß die Noten in der Werkstotte des Chemigraphen Moritz Zismann in der Brigittenau der Heluzelmanngasse verfertigt wurden. Zismann aestand, Gründer und Leiter eines Fälscherunternehmens M sein und nannte auch: seine Helfer Siloerstein, Nachan A b r a m o v i c g i, - Siegmund Srgall und Siegfried Saraaa. Sämtliche Beteiligte, mit Ausnahnre des Saraga, der flüchtete, wurden im Juni 1923 Zu drei- bis vierjährigen Kerkerstrasen verurteilt. Im voriigen ’ Jahre kam Saraga wieder nach Wien und versuchte, hier einen gefälschten Scheck eines Pariser Bankhauses^ zu placieren. Dabei wurde er verhaftet und zu zehn Monaten schweren Kerkers verurteilt. Sein Komplice, Chaim Fränkel, wurde damals zu fünfzehn Monaten schweren Kerkers verurteilt. Gestern hatte sich Siegfrieh Saraga abermals vor den Goschwornen weaen Teilwahme an der im Jahre 1923 begangenen Fälschung von polnischen Banknoten $it verantworten. Er leugnete lebe Schuld, obwohl er in der - Voruntersuchung teilweise geständig war. Er habe bei Zismann gewohnt und sich manchmal auch in der Werkstätte ausgehalten, doch fei dies nur aus dem Grunde geschehen, weil er von den rumänischen Behvrden gesucht werde und sich deshalib nicht polizeilich melden konnte. Die Verhandlung wurde spät abends zu Ende geführt. Die Gcschwornen bejahten die Sch nid frage mit zehn gegen zwei Stimmen, verneinten dagegen die Frage auf VorschUbleistung. Auf Grund dieses Verdiktes verurteilte der Gerichtshof den Arrgeklagten zu zwei Jahren i ch w e r e n. K e r k e r s. Außerdem wurde die Landcsverwersüng über ihn ausgesprochen. Mehrjährige Festungsstrafen für antisemittfche Srwjetbeamte. Aus Moskau meldet I. T. A.: Der Präsident des den Stadtbezirk L u g i n in P o d o l! e n umfassenden DsstriktSsolvjets. namens G n t k i n, wurde wegen Terrorisierung der jüdischen Bevölkerung des Stadtbezirkes zu neun Jahren Gefängnis verurteilt. Wegen des gleichen Verbrechens erhielten der Sekretär des Distriktssoivjets, Tschebetariow, fünf Jahre, der Stadtrichter Sokolow viereinhalb Jahre, mehrere andere unredliche Beamte ein bis zwei Jahre Gofänglris. Laut der Anklageschrift hatten sich die Beamten nchen der Terrorisierung auch der Bestechung. Unterschlagung, ungesetzlichen Verhängung von Strafen, ungesetzlichen Einziehung von Steuern schuldig gemacht. Der Sowjetsekretär Tschebetariow wurde außerdvul noch beschuldigt, den Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde von Lugin ohne jeden Grund ins Gefängnis geworfen zu haben. Richter Sokolow ließ sich herbei, auf ganz falschen Grundlagen den Prozeß gegen den Rabbiner zu sichren. Der Sowsttvorsitzende Gutkin verfügte die Schließung des jüdischen Friedhofes, -belegte die Bevölkerung aus geringfügigen Anlässen oder auch ohne jeden Anlaß mit fchlveren Geldstvaferl und bestinrmte Steuern, die vielen Einwohnern zum Ruin wurden. — Der Prozeß währte 20 Tage. Mehr als 150 Zeugen wurden einver- SMWW-