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Wiener Morgenzeitung · 1926-02-27 · Heft 2520 (27.2.1926) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2520 (27.2.1926)
Date
1926-02-27
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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gelte 8_ Drm, ©amffeg_Wkner MorskrkAettvNtz__ 27. Februar 192«, _Nr. 252i Devisen Steife» uns Salflten&ttfe vom 26, Oe’d War« Gei Februar 1926. War. Oeic Watr Amsterdam , ( .& 983.10 284.10 5.08 6 12 französische Noten . . S. 25.80 28.10 Belgrad •*•••*• Berlin . . 13.4480 12.4860 Stockholm ....... 189.70 190.3a Holländische Noteh .. . . 188 45 188.96 32.23 99.45 3.0026 Warschau ....... IriQub ^91.05 Italienische Noten » . . 28 36 12.4160 9J.16 2.99 28.68 12.4760 91.16 3.01 Budapest Bukarest ...... . « 99.15 . . 2.9826 Valuten Polnische Noten .... Itn manische Noten . . , London....... . . 84.3850 84.4860 Amerikanische Noten . 707.26 711.26 Russische Noten (Roman.) Mailand ...... New.York ...... 28.62 709.86 26 94 Belgische Noten .... 6. <8 168.48 Schweizer. Noten . . . 136.90 20.93 138.70 21.06 Paris. Deutsche Noten .... 169.08 Türkische Pfund-Noten Prag. . . 20.96 21.03 Englische Noten .... Ungarische Noten . 99.45 99.86 Lepege —,25, Lemberger Brau 8,50, Hypothekenbank —,47 Zloty. Die Aktien der A.-G. Tesp gelangen nun zum Austausch, und zwar entfallen auf drei Aktien im Nominalwerte von je 1000 Mark eine neue im Nominalwerte von % Zloty. __ Segen die SteuerMerlrov-le. Unsinnige Steucrvorschreibiingen Der Bundesrat genehmigte gestern einige vom Nationallat in der letzten Zeit beschlossene Gesetze. Gegen die Novelle zum Bauaufwandbegünstigungsgcsetz wurde Einspruch erhoben, da der Finanzminister eine weitergehende Steuerbegünstigung für die Erbauung von Arbeiterwohnhäusern zu gewähren wünscht, als die jetzige Fassung des Gesetzes vorschlägt. Zur Personal st euer Novelle brachte Bundescat G span dl einige Wünsche der Erwerbskreise vor. Er verlangte Abhilfe gegen die Unübersichtlichkeit der Steuern und unsere bedrängte Wirtschaft dürfe nicht noch durch eine Hypertrophie von Steuern belastet werden. Die Wirtschaftskretse denken sich die Reform des Steuerlvesens derart, daß man von der direkten mehr auf die indirekte B esteuerung übergeht. Die Lohn- und Gehältsabgabe könnte durch eine Erhöhung der Waren Umsatz st euer ersetzt werden. Die unsinnigen Steuervorschreibungen rufen in der Bevölkerung Empörung hervor und tragen gewiß nicht zur Hebung der Steuermoral bei. Die Enquete über die Lage der österreichischen Fettindustrie. Gestern fand eine Besprechung mit den Vertretern der Oel- und Fettindustrie statt. Bei dieser Besprechung wurde hauptsächlich auf die Unmöglichkeit der bestehenden Zollverhältuisse in dieser Branche hingewiesen, weiters eine Reform des Lebensmittelgesetzes und des Margarinegesetzes in Antrag gebracht. Eingehend wurde die Forderung gestellt, das Pr e i s t r e i b e r e i g e s e tz, das den Wünschen der Gesamtwirtschaft nicht mehr entspricht, einer entsprechenden Reform zu unterziehen und, was vielleicht am zweckmäßigsten wäre, ganz außer Kraft zu setzen. Die Frage des Salzpreises wurde rekriminiert und ersucht, in dieser Beziehung auf die Genevaldirektion der Salinenverwaltung oinizuwirken. Dasselbe gilt auch von den Spiritusgreisen. Schwierigkeiten der Aspangbahngeseüschaft. Die Direktion der EisenLahngesellschaft Wien-Aspangbchn, an welcher belgisches Kapital beteiligt ist, hat vor einigen Tagen ihren Angestellten mitgeteilt, daß es nicht sicher sei, ob die am Ultimo fälligen Gehalte in der vollen Höhe zur Auszahlung gebracht werden können. Inzwischen hat sich die Gesellschaft die Mittel für die Gehaltsauszahlung verschafft, die morgen, wie verlautet, anstandslos vor sich geben soll. Als Ursache der Schwierigkeiten werden die Betriebsstillegungen in den an der Aspangbchn gelegenen Industrien und der schwache Reiseverkehr infolge Schneemangels angegeben. Die Linien der Aspangbahn wurden schon mehrmals den Bundesbahnen, aber bisher erfolglos, zum Kaufe augeboten. Insolvenzen. Wie uns mitgeteilt wird, ist die Schuhfabriks- A.-G.' Wilhelm Kux u. Bruder in Zahlungsschwierigkeiten gerann und strebt einen außergerichtlichen Ausgleich an. Die Passiven betragen 30 Milliarden, d.men Aktiven in der Höhe von 15 Milliarden gegenüberstehen. Schuld an dem Zusammenbruch sind die großen Verluste, die die Firma bei ihren Lieferungen an polnische Firmen erlitten hat. Es dürfte -,u einem gerichtlichen Zwanqsausgsleich mit einer 50prozentigen Ausgleichsquote kommen. — Der Konkurs wurde über Julius Wolf, technische Jndustrie- und Handels-A.-G. in Liquidation. 1. Bez., Graben 16, eröffnet. Die Passiven betragen 10 Milliarden. — Gestern fand im .Handelsgericht die Ausgleichstagsatzung dw Textilgroßhandlung Brüder März statt. Die Passiven betragen 242.000 Schilling, denen Aktiven in der Höhe von 125.000 Schilling gegen überstellen. Es werden 50 Prozent in 22 Monatsraten geboten. Ms Bürgen lverden die Gattinnen der beiden Gesellschafter genannt. — Das Ausgleichsverfahren wurde eröffnet über Georg A l ö r e ch t, Inhaber des Instituts für Laboratoriumsbedarf Dr. Schneck u. Albrecht, 4. Bez., Paniglgasse 22; über „Wahaa", Warenhandels- >lud Äustauschgesellschaft m. b. H., 2. Bez., Nordwestbahnhof; über Franz Di glas. prot. Gastwirt, 1. Bez., Singerstraße 6; über Simon Werner. Kaufmann. 9. Bez., Severingasse 3; über Dr. Samson Meczcs, Chinasilbcr- und Metallwarenerzeuger, 7. Bez., Mustiftgasse 71, und über Anton Bild sie in, Kaufmann am Semmering. Abschwächung des französischen Franken. Bei geringem Geschäft war der französische Franken gestern wieder rückgängig. Er ermäßigte ftd> in Zürich von 19 auf 18.87. — Bei im allgenreinen flauer Tendenz lag der Zloty unverändert. Der Dollar notierte 7.90 bis 8. SLach langer Zeit kam eine Notierung des Zloty in Zürich wieder Erstände. Er notierte dort 67.50. Sehr fest lag Oslo, ivelche Devise sich von 111.70 auf 113.50 erhöhte. — Eine leichte Besserung nach den letzten Rückgängen erfuhr der Leu, der sich in Zürich vorr 2.175 auf 2.20 cchöhtc. Die Kursänderungen der übrigen Devisen waren unverändert. Das neue österreichische Weingeseh, besprochen und «läutert von Bundeskcllereiinspektor Johann. Terasch. mit Anhang: Die einschlägigen Gesetze und Verordnungen. Kleinoktav, 75 Seiten stark. Verlag: „Neue Weinzeituna", Wien, 1. Bez., Tcgatthoffstraßc 7—9. Preis broschiert 3 Schilling. Welche hervorragende Rolle dem Wein' und den weinartigen Getränken unter den Genußmittoln zukomnlt, bedarf keiner besonderen Erwähnung. Dadurch ist es auch erklärlich, daß das Interesse an der vor kurzem in Oesterreich erfolgten gesetzlichen Neuregelung des Verkehrs mit diesen Erzeugnissen übcr die engeren Fachkreise hinausreicht und 'nicht nur der beruflich und wirtschaftlich Beteiligte, sondern auch der verständige Konsument eine sachliche Erläuterung dieser schwor zu meisternden Gesetzesmaterie begrüßen wird. Ein amerikanischer „Wiener Messe-Dampfer". Eine der größten amerikanischen Schiffahrtslinien hat der Wiener Messeaktiengesellschaft eben mitgeteilt, daß einer ihrer Ende Februar aus New-Aork auslcmfenden Dampfer in gani; Amerika als „Vienna Fair Steamer" (Wiener Messe-Dampfer) angekündigt wurde. Es ist zu erwarten, daß dieser Dampfer der Wiener Messe eine große Zahl amerikanischer Einkäufer zu führen wird. Auch aus anderen Ländern sind so viele Anmeldungen und Nachbestellungen eingelaufen, daß diesmal mit einem besonders großen Zustrom von Fremden zu rechnen ist. So hat unter anderem der Türkische Touring-Club sein Korporationscrscheinen angckündigt, das italienische Sindacato Nazionäle für Landwirtschaft, Handel und Jndustrie bereitet einen Besuch seiner Mitglieder bei der Wiener- Messe vor. Sehr zahlreich sind die in teu letzten Tagen ein gelaust neu Nachbestellungenvon Messeausweisen ans Ungarn, Rumänien. Griechenland und Bulgarien. Aus Polen werden diesmal mehr Besucher erwartet als bei allen vorhergehenden Messen, wcntl die von polnischen Wirtschaftskreisen angeregte Ermäßigung der polnischen Zliislmidsvisa bewilligt wird. Wiener Pferde«, a: kt. Bet einem Austrieb ' von 17a Gebrauchsvferden. 122 Schlächterpferden und 84 Pferden aus der Köntumazabteilung war der Verkehr ä u ß e r st stau. Kutsch» und Zugvferde blieben im Preise unverändert. Schlächter-- Pferde prima Qualität notierten —.6d bis —.85 S., minderer Sorte —.46 bis —.60 S. und für die Wnrstbereitung —.25 bis —.40 S pro Kilogramm Lebendgewicht. Wiener ProdutttenbSrfe. Infolge der Kursrückgänge auf den amerilantfchen Märkten verlief der gestrige Verkehr sehr flau. Bei äußerst geringem Geschäfte blieben die Prelle der meisten Produkte schwach J& ehauptet. ES notierten? Weizen: Inländischer 40.- bis 40.50, Ungarischer Theiß 79/80 Kilogramm 44.50 bis 47.—, Ungarischer 41.50 bis 44.— Jugoslawischer 76 Kilogramm bis —. Jugoslavischer 77/78 Kilogramm —.— bis —Roggen: Inländischer Marchfelder 27.25 bis 27.75, Pester Boden 25.75 bis 26.25. Gerste: Brauware inländische 30.— bis 36.—, böhmische mährische bis —. Mais: Jugoslawischer 20 25 biS 21.25. Ein quantin neu 32.— bis 33.— Hafer: Inländischer 27.60 bis 28.50. Reis: Italienischer 80.— bis 81.-, Burma 62.— bis 63.—. Mahlprodukt er Grieß inländischer 80.— bis 81.—, Weizenmehl 0 inländisches 76.— biS 78.—, Kochmehl 2 inländisches 66.— bis 68.— Brot-. mehl inländisches 43.— bis 48.— Wtener Warenbörse. An der gestrigen Warenbörse war ein geringe Bewegung auf dem Chemikalienmarkt zu verzeichnen. Von Oelen und Fetten schwächte sich nordamerjkanisches Schweinefett um 1 Dollar ab Auf dem Kolonialmarkt war süßer Paprika flau, während sich Burmareis um I Schilling erhöhte. Zucker befestigte sich um 25 Punkte. Es notierten: Kolonialwaren: Kaffee: New-Iorker 18.38 Dollar, Santos Prime 635.—. Tee: Pecco Java, Orange 1150.— Gewürze: Paprika, edelsüß 660.—, Pfeffer Singapore schwarz 700.—, Kümmel, neu, holl. 138.—. Reis: Burma 64.60, Italienischer 80.—. Zucker: Raffinade-Kristall 210.— tschecb. K.. Würfel (in Kisten) 222.50 tschech. K. Lequar 1925 92.—, Pflaumen, bosn., in Kisten, 70/75 130.—. Kranzfeigen, Calamata 99.—, Barimandeln, superior 715.—. Chemikalien: Aetzkali, 88/92 120.—, Aetznatron. 128/130 Solvay 66.—, Alaun, in Stücken 36.—, Ameisensäure, 85% 150.—, Borax. Trift. 110.-, Chlorkalk, 110/115 31.-, Chromnatron 130.—. Eisenvitriol 15.—, Essigsäure, 80%, für Genußzweckv 240.—. Wiener Börse. Abgeschwächt. Mangels jeder Anregung eröfsnete der gestrige Verkehr »ui größtenteils niedrigeren Kursen. Das Realiiationsbedürfnis der Spekulation drückte in: Verein mit den Lterabgaben der Kontermine die meisten Kurse. Infolge der zweitägigen Verkehrsunterbrechung verhielt sich auch das Publikum in reservierter Haltung. Unter diesen Umständen litten am nreisten die tschechoslowakischen Arbitragelverlc. der österreichische Montamnavkl und die Transportwerte. Im weiteren Verlaufe des Verkehrs drückte die dauernde Geschäftslvsigkeit noch Iveiter die Kurse, so daß in der Kulisse die meisten Effekten mit den tiefsten Tageskursen schlossen. Auch der Schranken litt unter der Geschäftslosiykeit, wobei vor allein die ungarischen Arbitragewerte crbbröckelten. In der Kulisse verlören u. a. Uug. Kredit und Salgo ie 5000 K., Anglobank 2500 K.. Staatsbahn 6000 K.. Alpine 4900 K.. Trifailer 7000 K., Brttnner Maschinen 17.000 K. und Semverit HOüO K. Höher waren nur Juli-Süd nur 4500 K, Timber um 16 900 K. und Kruvp um 4000 K. Im S ch r a n k e n senkten sich Pester Kommerzialbauk um 10.000 K., Berg und Hütten um 40 000 K., Wiener Lokomotiv um 15.000 K., Jute um 19.00051., Nordbahn um 100 000 K., Perlmoose r um 42.000 K. und Schneller Zucker um 40.000 K. Einige ungarische Effekten besserten sich knapp vor Schluß des Verkehres. Auf dem Anlagemarkt iiberwogen die Abschwächungen. Auch die österr. Goldrenie lag niedriger. Von den Exoten notierten: Apollo Film j 5000 K. und Universale Bau 14.900 K. bis 15.200 K. "Copyright 1926 by J. Ladyschnikow Verlag, Berlin. Cm Glaubensmartsirium.(46) Roman von Schalom Asch. „Was soll aber werden, wenn die Polen nicht darauf eingehen?" ,Mir müssen ihnen eben so schreiben, daß sie darauf entgehen. In der Festung haben sie kein Brot mehr. Die Lebensmittel werden bald zu Ende fein und dann, wenn sie in die Hände der Kosaken fallen., „Das ist gut." ,Setz' dich und schreib', ich werde dir diktieren", befahl der Aelteste. Der hochg^vachsene Kosak, der den Rat gegeben Hane und der einzige Schreibkundige unter den Kosaken war, setzte sich an den mit Branntwein begossenen und mit Speiseresten bedeckten Tisch. Er räumte den Tisch ab» warf einen Kosakenmantel darüber, entnahm einem Kästchen ein Stück Pergament, einen Gänsekiel und Tinte, man rückte ihm die Kerzen näher heran, und die Kosaken setzten sich und halsen den Brief an die Polen diktieren. Kriwonos war jedoch nicht imstande, den Brief richtig zu überlegen. Seine Beinschmerzen wurden immer heftiger. Dün finsteres, böses Gesicht verzerrte sich vor Schmerze« noch mehr und er schrie: „Bringt die Alte her, die Alte!" Ein Kosak lief hinaus und einige Minuten später betrat eine alte Kosakin das Zeit. ,Mr brauchen Blut, frisches junges Blut, das noch ganz warm ist, das wird dir, Väterchen, das Bein erwärmen und der Schmerz wird aufhören", sagte die Alte, indem sie die Beine des Kranken befühlte. Die Kosaken im Zelte verstummten. Sie wechselten miteinander einen Blick, wurden ernst und nachdenklich und auf ihren Gesichtern prägte sich Angst aus. Mehr als einmal hatten sie frisches junges Blut niedergemetzelter Kinder gesehen — in Nemircw und anderen Städten. Allein sie selbst hatien eS nicht vergossen. Das war das Werk der Tataren gewesen... Die Kosaken töteten nur Erwachsene, j „Wie meinst du das? Frisches Blut? Jüdisches?" fragte der Aelteste. Liegenblut wird auch guttun", erwiderte die Alte. „Geh, Söhnchen, und bring' mir ein junges Zicklein, bei den Pferden muß eins sein. Wenn nicht, so geh' zur Herde und bring' ein ganz junges, eben erst geborenes Schäsl-rin", fügte die Alte hinzu, sich an einen Kosaken wendend. Der Kosak entfernte sich und kam nach ziemlich langer Zeit zurück, mit einem weißen Zicklein im Arm, das, erschrocken vor dem Licht und den Menschen, verwundert um sich blickte und ein zitterndes Stimmchen gleich einen: Kinde hatte. „Erstich es, Väterchen, und laß das Blm auf die kranken Beine rinnen", sagte die Alte;u Kriwonos, „dann deck' mit teilt zerrissenen Leib deine Beine zu, und der Schmerz wird sich bald verziehen." -Kriwonos streckte seine kranken nackten Beine aus. Ter Kosak nahm das Zickein. Dieses erbebte und schrie — allein sein Geschrei riß mit einem Male ab — und bald darauf begann ein Bächlein jungen frischen Flutes ans die Beine des Führers zu rinnen, und der warme aufgerissenc Leib des Zickleins bedeckte seine Füße. „Und jetzt deck' dich gut zu, Väterchen. Laß das Blul dich erwärmen. Du hast ja den Blutdurst des Satans gestillt, so wird er dich jetzt auch in Ruhe lassen." In der Tat fühlte der Kosäkenführer jetzt Erleichterung. Der junge'frische Leib erwärmte ihn angenehm, gleich dem Körper eines Kindes. Der Schmerz verzog sich und Kriwonos konnte den Brief diktieren: „3m Namen Jesu Christi, er sei auf immer und ewig gelobt, Amen. Wir verneigen uns vor unseren Herren und Brüdern, den Polen, bis zur Erde, und entbieten Euch einen Gruß. Wir beten für Euch Tag und Nacht zu unserem Herrgott, er möge Euch vor Hunger, Krieg und Krankheiten bewahren, heute und ewig, Amen. Wir hörten aber, wie der Name unseres Herrgotts geschändet und verspottet ivird, und wir haben gesehen, wie Christen, unsere .Herren und Brüder, die Polen, geschändet werden, weil sie Schutz und Rettung bei den Feinden Christi,! den Juten, suchen, Dieses, aber tut uns sehr stehe in uuserem christlichen Herzen. Ist das recht, Ihr unsere Herren und Brüder, Ihr Polen, daß Christen sich mit den Feinten Christi, den Juden, gegen andere Christen verbrüdern? Und ist das recht, daß polnische Helden sich von Juten beschützen lassen? Daher haben wir uns gdacht, wir wollen zu Euch Boten sende« mit einem Friedensgruß und Euch bitten, Ihr sollt unsere Boten gut aufnchmen, wie es sich schickt und unsere Rede anhören: Unsere Herren und Brüder, Ihr Polen! Nich! gegen Euch, noch gegen Eure Frauen und Kinder und auch nicht gegen Euer Vermögen und alles, was Euch gehört, sind die Kosaken in den Krieg gezogen. Wir kämpfen nicht gegen Christen, sondern gegen die Feinde Christi, gegen die Juden, die unseren Herrn Jesum gekreuzigt, unser Vermögen geraubt haben. Gegen sie und alles, was ihnen gehört,, kämpfen die Kosaken, um das gegen Christus verübte Unrecht wieder gutzumachen. Ihr Polen aber seid unsere Brüder und wir werden Euch >vie Brüder behandeln; wenn Ihr uns die Juden ausliefert, werden wir Euch und Eure Frauen und Kinder und alles, ivas Euch gehört, schonen. Damit aber die Juden ihr Vermögen nicht behalten sollen, laßt unter den Juden ausrufen, daß wir Kosaken bereit sind, die Stadt zu verlassen, falls die Jitdeu ihr ganzes Vermögen, Gold und Silber, Seide und Kleider Zusammenlegen und uns das alles als Lösegcld ausliesern. Die Juden sollen ihre Schätze bei Euch in der Festung Zusammenlegen und hierauf sollt Ihr uns die Festungstore auftnachen und die Kosaken einlassen. Dann werten, wir uns an den Feinden Christi rächen, ebenso wie sie Gott gekreuzigt haben. Euch aber, mit Euren Frauen und Kindern und allen:, was Euch ange'hört, werden wir schonen und uns mit Euch in das Vermögen der Juden teilen. Sd mag uns Jesus Christus Helsen, Amen!" Bald darauf sprengten zwei Reiter in die dunkle Nacht hinaus, um das Pergament, das geschrieben ivar, solange das Blut des erstochenen Zickleins noch warm war, den Christen! von Tultschin zu überbringen. Eine weiße Fahne schimmerte im Lichte der Derne. Und als die Späher vom Festungsturm die Reiter anriefen: „Wer da?" erhoben die Reiter die weiße Fahne und die Pergantentrolle und riefen zurück: „Im Namen Jesu Christi!" (Fortsetzung folgt?«

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