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Wiener Morgenzeitung · 1926-02-26 · Heft 2519 (26.2.1926) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2519 (26.2.1926)
Date
1926-02-26
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Wien, Freitag Diener Morsen-ettung 26. Februar 1926 Nr. 3S1Z Bolkswiü. Ser neue Ssterreichifche Zolltarif in vor. bereitnng. Einigung zwischen de» Spitzenorgamsationen der Industrie und der Landwirtschaft wegen Erhöhung der Lebensmittelzölle. Wie wir erfahren, wirb an der Schaffung eines neuen Zolltarifs cnrsig gearbeitet. Die Agrarier, welche anläßlich des Gesetzes über die Erhöhung des Zuckerzolles auf einen gewissen Erfolg Hinweisen können, verlangen nunmehr auch Schutzzölle für andere Agrarprodukte und erklären, bei den jetzigen Preisverhältnissen unmöglich ihr Auskommen finden zu können. Tie Weltmarktpreise sind so niedrig, daß sie unter den Produktionskosten der österreichischen Agrarier stehen. Sie verlangen deshalb eine Erhöhung des Zolles auf R o 9* g e n, A! i l ch, Milchprodukte und Vieh. Der neue Zolltarif soll diese Erhöhung bereits beinhalten. Da sich gegen eine solche Erhöhung der Nahrungsmittel die Industrie aubsprechen könnte, weil dadurch die Produktionskosten erhöht werden könnten, ist mit den Spitzcuverbäuden der Industrie verhandelt worden. Es ist ihnen zugestanden worden, ebenfalls eine Erhöhung auf Textilveredlungsprodukte, Zcnrcn- und Superphosphate zuzugestehen. Auf Grund dieser Verhandlungen ist eine Vereinbarung zwischen beiden Spitzenorganisationcn getroffen worden. Es handelt sich nunmehr darum, auch politisch die Frage zu bereinigen. Zn diesen! Zwecke finden jetzt im Parlament Verhandlungen zwischen den einzelnen Interessentengruppen statt, um die Annahme des Zolltarifs im Nationalrar dnrchzusetzen. Anwachsen der Krise in der Tschechoslowakei. Aus Prag wird uns gemeldet: Die Wirtschaftskreise beobachten mit steigender Beunruhigung das Ansteigen der Krise. Nach den letzten Zählungen.ist die Zahl der Arbeitslosen stark gestiegen. Der Export nimmt stetig ab. Der Exportrückgang zeigt sich nicht nur in Z u ck e r, sondern auch in Baumwolle, B a n in w 0 >11 w a r e n, W 01 l e, W 0 llwar e n, Glas, G l a s w a r e n, K 0 hle, H 0 lz, Malz und H ü I s e n s r ü ch : e n. In einem Vortrag, den der Generalsekretär des tschechoslowakischen Jndustriellenvevbandes Pros. Hodac erstattete, wird ans die teuren Bankkredite hingewiesen. Die Spannung zwischen Kredit- und Debet- Zinsfuß ist zu hoch. Ties hänge mit der Unwirtschaftlichkei: des Systems zu vieler Banken mit zu hohen Regien, andererseits damit zusammen, daß ein bedeutender Teil des Bankgewinnes aus die Abschreibungen der in den Nachkriegsjahren entstandenen Verluste aufgehe. Der technische Aufbau der tschechoslowakischen Industrie lasse manches zu wünschen übrig. Mannesmann-Koburg-Werke. Loslösung der Kaschauer Maschinenfabrik A.-G. Fleischer. Aus Preßburg wird uns gemeldet: Vor einiger Zeit hatten die Mannesmann-Coburig-Werke an der Kaschauer Maschinenfabrik A.-G. Fleischer u. Co. Interesse genommen, um sich bei diesem Unternehmen den Roheisenabsatz zu sichern. Ditz Fleischer A.-G. wurde auch von den Mannesmann-Coburg-Werken gegen erstklassige Sicherheiten materiell unterstützt. Als aber die Leitung der Mannesnrann-Coburg-Werke die Geschäftsführung der Maschinenfabrik A.-G. Fleischer u. Co. einer genauen Kontrolle unterzog, wurde es offenkundig, daß die Informationen der Fleischer A.-G. zwecks Erlangung der materiellen Unterstützung günstiger aus^fallen waren, als den Tatsachen entsprach. Ms die Unstich- Settifett. ttttD Balotenkurse vom 25. Februar 1926. ucviscn 0eid Ware Oe'r, Ware oeic Amsterdam •••••»&. 983.60 284.50 Sofia ... 8. 6.12 6 16 t'ranxOslsche Noten . S. 26.85 Belgrad . 19.4460 12.4860 Stockholm ...... 189.66 190.15 Holländische Noten . Berlin . . 169.06 Warschau ....... 90.65 91.05 Italienische Noten » . 28.35 Brüssel . . 32.26 Zürich. 186.16 136.65 Jugoslawische Noten * . 12.42 Budapest . . ..... 99.18 99.48 Polnische Noten .... 90.30 Bukarest . . 2.9675 2.9876 Rumänische Noten . » . 84.6160 Amerikanische Noten . 707.— 711 Russische Noten (Roman.) Mailand . 28.63 Belgische Noten .... Schweizer. Noten . . . 136.95 710.26 Bulgar. Not. ...... Tschecho-siow. Noten 20.93 Paris . . . . . . . 25.77 26.93 Deutsche Noten .... 168.56 189.15 Türkische Pfund-Noten Prag . . . . ... 20.96 21.04 Englische Noten .... —.— —.— Ungarische Noten 99.32 Ware; 28.15 I 28.86 12.48! 91.30 I 138.76 21.06 I 99^72! hältigkeit der Angaben erwiesen war, haben sich die Mannesmann- Eoburg-Werktz veranlaßt gesehen, ihre Beziehungen zur Fleischer A.-G., welcl)tz über keine gesicherte finanzielle Basis verfügte, zu lösen. Die rechtzeitige Absage der Mannesmann-Mrke an die Fleischer A.-G. war unter den gegebenen Umständen der richtigste Ausweg, der voil den Mamiesuiann-Coburg-Werkcn ergriffen werden konnte. Wie sich nämlich später hcrausstellte, sind die Fleischer A.-G. in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Die Mannesmann- Coburg-Mtzrke find aber durch ihr vorzeitiges Abrücken vor jeder Schädigung belvahrt geblieben. Die Faktoren der Fleischer A.-G. suchen nuu Gerüchte zu verbreiten, daß deswegen in der Leittrng der Mannesmann-Ebbnrg-Werke Gegensätze entstanden wären. Dies ewspricht, wie wir erfahren, nicht den Tatsachen. Es handelte sich einfach nur die Abstoßung eines ungesunden Unternehmens. Geringe Bewegung auf den Devisenmärkten. Auf den internationalen Devisenmärkten >oar gestern nur wenig Bewegung zu verzeichnen. Die Kursänderungen waren im allgemeinen äußerst gering. Die Devise Paris blieb bei 19.— nach Schwankungen m Zürich unverändert. Etwas fester lag der Dollar, der sich von 519,60 aus 519,87 evWte. Leicht rückgängig waren die Balkan d e v i s e n, von denen sich Belgrad von 9,13 ans 9,126 und Bukarest von 2,20 ans 2,175 senkte. Eme wenn auch unbedeutende Berslanung ließ der Zloty erkennen. Die Devise Warschau senkte sich in Prag, Wien und Berlin. In Wien notierte sie 90,55 nach 91,35 dem Vortage gegeni'kber. Now-Aork gegen Warschau notierte 7,80 bis 7,90. Insolvenzen. Gestern fand die Ausgleichstagsatzung der S ch u h w a r e n s i r m a Moritz Haber, 6. Be;., Nelkengasse 4, statt. Nach den: Bericht des Ausgleichsvevwalters würbe die Firma int Jahre 1907 gegründet. Die zahlreichen Filialen in den Nachfolgestaaten waren nach dem Umsturz nicht rentabel, so daß die Wiener Fabrik verpachtet >vurde. Aus dieser Verpachtung erlitt die Firma ebenfalls Verluste. Di>e Aktiveu betrage« 295.000 Schilling, in welchem Betrag die Realitäten mit 210.000 Schill-ug emgestellt sind. Die Passiven betragen 121.731 Schilling. , ,Der Schuldner bietet 35 Prozent. — Der Konkurs wurde eröffnet über Georg Baudisn.. Ge)ellschast m. b. H. in Liquida! on. 15. Bez., Kriemhildplatz 10. — Das Ausgleichsverfahren wurde eröffnet über Hein. Haas, Molkereibositzer, 2. Bez., Novdbchnstraß: 30: über Nell: To ti, Hutmodeaeschäft, 1. Bez., Tuchlaubm 8; über Wilhelm Binder, Küvjchnermeister, 17. Be;., Jörgerstraß'e 11, und über Josefa Rauch, Kanfmannsgattiu, 5. Bez., Hamburgerstvaße 11. Austritt der Zentralbodenkreditanstalt aus dem Börsenarrangement. Die in Liquidation .getretene Zentralbodenkredit- .anstalt hat ihren Austritt aus dem Börserrarrangement an'gemeldet. Tschechoslowakische Handelskammer in Wien. In der am 23. d. unter dem Vorsitz des Kammerlpräfidsnten B. N 0 v a k. Direktors der Zivnostenska banka in Wien, abgehaltenen sechsten ordentlichen Generalversammfluno der tschechoslowakischen Handelskammer in Wien hielt Kommerzialrat Oskar Berl einen Bor trag über die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der'Tschechoslowakei und Oesterreich, in welchem er insbesondeire für die Errichtung einer tschechoslowakischen Zollexpositur, in Wien, für die Einräumung einer srachttarisarischen Meistbe^ünstianngMausel seitens der Tschechoslowakei an Oesterreich, sowie für Einführung von Präferenzzöllen Avischen diesen beiden Staaten eintrat. Im iveiteren Verlaufe der Versamncking wurden sämtliche Anträge des Präsidiums genehmigt. Deutschland garantiert das russische Geschäft. Aus Berlin wird telegraphiert: Der Haushaltsausschuß des Reichstages hat nach kurzer Debatte beschlossen, der R e i ch s r e g i e r u u g die Ermächtigung zu erteilen, »ach Maßgabe bestimmter Boraussetzungen eine Garantie für Liefe.r:> ngSgeschäft«. ^ach Rußland bis znm Höchstbetrag von 150 Millionen Marl zu übernehme'», jedoch derart, daß die Borhastung für die Industrie auf 20 Prozent beschränkt bleibt, ivährcnd für den Ausfall die Garantie von Reich und Ländern in der Höhe von 76 Prozent des Ausfalles eintritt, woran Reich und Länder im Verhältnis von 7 zu 6 beteiligt sind. Die Auszahlung der Gewinne der Türkenlose. Laut Bericht aus Konstant inopel werden die Gewinne der Türken lose jetzt ohne Rücksicht auf die Staatszugehörigkeit des Gewinners ansbozahlt. Die bis znm 1. Oktober 1911 gezogenen Lose werben in. französischen Franken honoriert. Die vom 1. Dezember 1911 bis 1. Februar 1920 gezogenen Lose werden auch in Franken honoriert, jedoch nur ratenweise. Vorläufig wnrderr hiervon nur zwei Ratenzahlungen zu 16 und zu 9 Prozent honoriert. Die vom 1. April 1920 bis 1. August 1922. gezogenen Lose werden im vollen Betrag in Schecks ans Paris bezahl,. Die später gezogenen oder amortisierten Lose wurden bisher nicht honoriert/ Die Danziger Messe in Tel-Awiw. Danzig, 26. Föbruar. Die hier vor kurzen! gebildete Palästina-Handels A.-G. hat Vorarbeiten für eine Mustermesse der Danziger Industrie in Tel-Awiw'emgeleitet. Die Mustermesse soll am I. April als Filiale der hiesigen internationalen Messe eröffnet werden. Zu gleicher Zeit lvird in Danzig eine Palästinaansstelluns veranstaltet. Wiener Produktenbörse. Die flauen Berichte bet amerikanischen Märkte drückten auch die hiesige Tendenz. Bei minimalem Geschäfte waren die Preise, der besseren Weizensorten erhalten. Mais ging zurück. Das M e h lqe sch äst blieb, nacks wie vor vernachlässigt. ES notierten: Weizen: Inländischer 10.— bis 40.50, Ungarischer Theiß 79/80 Kilogramm 41.50 bis 47.—, Ungarischer II. 50 bis 44.—, Jugoslawischer 76 Kilogramm bis —, Jugoslavischer 77/78 Kilogramm —bis —. Roggen: Inländischer Marchfelder 27.25 bis 27.75, Pester Boden 25.75 bis 26.25. G e r st e: Branware inländische 30.— bis 35.—. böhmische mährische —- bis —. Mais: Jugoslawischer 20.25 bis 21.25. Cinquantin nett 32.— bis 33.— Hafer: Inländischer 27.50 bis 28.50. R e i s r Italienischer 80.— bis 81.—, Burma 62.— bis 63.—. Mahlprodukte: Grieß inländischer 80.— bis 81.— Weizenmehl 0 inländisches 76.— bis 78.—, Kochmehl 2 inländisches 66.-— bis 68.— Brotmeh! inländisches 43.-- bis 48.- Wiener DiehmSrkle. Zum gestrigen Jung viehmarkt wurden 42 lebende Kälber, 8532 Weidenerkälber, 1643 Weidnerschweine und 56 Weidnerschafe gebracht. Bei ruhigem Verkehr waren Kälber und Schweine billiger. Es notierten: Lebende Kälber 1.80 bis 2.20 S., Weidenerkälber 1.70 bis 2.80 S., Fleischschweine 2.30 bis 2.70 S.. Fettschweiue 2.20 bis 2.50 S., Schafe im Fell 1.10 bis 1.70 S. und ohne Fell 1.60 bis 2.50 S. pro Kilogramm. — Zum Nach markt wurden 183 Stück Mastrinder, 45 Stück Beiulvieh 79 und Rinder volnischer Herkunft aufgetrieben. Die Montagspreise konnten nur schwer erreicht werden. — Zum Schweinemarkt wurden 1117 Fleisch- und 245 Fleiickschweine aufgetrieben. Sowohl FettalS auch Fleischschweine haben sich um 5 Groschen pro Kilogramm ermäßigt. Wiener Börse: Abg-Ichwach,. Mangels jeder Anregung eröffnete der gestrige Berkchr in flauer Haltung. Die Abgabenneigung des Publikums und der Copyright 1926 by J. Ladyscbnikow Verlag, Berlin. An Glaubensmartyrium.(46) Roman von Schalom Asch. Die Kosaken aber, die unter dem nächtlichen Sternenhimmel um ihre Feuer herum standen, sprachen so miteinander: „Ter alte jüdische Gott ist wieder erivacht. Er ist von Jerusalem zurückgekehrt und ist bei den Juden in der Stadt. Wehe uns, wehe uns!" 12. Der Brief. Der Kosakensührer Kriwonos lag in seinem Zelt aus einem.Haufen kosakischer Teppiche, mit einem Schafspelz zugedeckt, obwohl es eine heiße Nacht des Monats Ab war. Im Zelte herrschte ein stickiger Geruch, der von einem besonderen Pserdesett herrührte, mit dem eine alte Kosakin, halb Hexe, halb .Heilkundige, den! Kosakensührer jede Nacht die Beine einrieb. Er litt nämlich an Rheumatismus. Der Geruch kratzte die Anwesenden im Hals und kitzelte sie in der Nase, so bajj das ununterbrochene Niesen und Husten der um ihren Führer herumsitzenden Kosakenhauptleute die Flammen der Kerzen in den hot^n türkischen Leuchtern beinahe auslöschte. Kriwonos war schlechter Laune. Ter Rheumatismus plagte ihn allzu sehr. Seine Füße lvaren feucht und schwer, als hingen schwere Steine daran. Im Zelt herrschte eine große Wärme, in den Beinen aber nagten, gleich einem Wurm, derartige Schmerzen, dgß der Kosakensührer an nichts anderes denken konnte. Und doch waren wichtige Angelegenheiten zu besprechen. Schon vier Wochen stand man vor Tultschin und konnte die Stcwt nicht nehmen. Die Kosaken hätten schon längst in Bar und in Lemberg sein müssen, Fürst Wisznietvieck: konnte unterdessen den Belagerten zu Hilfe kommen, und weswegen dies alles? — nur wegen der Juden! Keine Soldaten hielten die Kosaken auf, sondern die Juden! Was sollte Ehmelnitzki jetzt von ihm denken? Tultschin kann wegen der Juden nicht eingenommen werden? Kosaken fliehe« feer Athen? Sfe Mst aus jemr Hauptleute, dem nächsten aber, den er erreichen konnte, schlug er mit der Keule ein Loch in den Kopf. „O, ihr Knechte, seit wann fliehen Kosaken vor Juden? Die Tataren werden es erfahren, der Chan wird spotten, sich ins Fäustchen lachen, Schande und Spott wird über uns konunen, er wird die Kosaken verlassen, nach Astrachan ab-- ziehen, die lieben Kosaken können allein dableiben, und für die Polen wird es leichtes Spiel sein, sie nach Warschau zu schleppen und ihnen die Köpfe abzuschlagen." „Väterchen, ärgere dich nicht. Bor den Juden würden wir keine Angst haben. Wir fürchten uns aber vor den! Satan, der sich mit den Juden verbrüdert hat. So oft die Juden aus den Toren kommen, ist der Satan unter ihnen: er geht in einem weißen Kittel und hat lange Schlachtmesser in den Händen. And der Satan vermehrt sich so sehr, daß sich niemand mehr auskennt. Bald ist er hier, bald da. Sobald unsere Kosaken ihn unter den Juden erblicken, hilft nichts mehr — sie lassen alles im Stich und laufen davon — du würdest sie nicht mit eisernen Stetten zurückhalten." „Es ist nicht der Satan — das ist ihr Gott, der im Kitiel erscheint", sagte ein anderer.Hauptmann. „Es heißt, ihr Gott sei zurückgekommen und nehme sich ihrer Sache an. Dann aber wehe uns, Kosaken!" ,/8ott oder der Saian — euch, Hauptleute, müßte man die Köpfe äbschlageu ivegen der Schande, die ihr über die Kosaken gebracht habt! Wir haben doch den! Chan zweihundert Mädchen und Frauen von Tultschin und eine Menge von Sklaven versprochen. Und jetzt stehen wir unverrichteter Dinge da und die Juden nehmen uns sogar unser Vieh weg. Ist das nicht unerhört? Seid ihr Kosaken? Räudige Hunde seid ihr, Weiberröcke!" schimpfte der Kosakensührer und schlug wütend um sich. „O, Brüderchen, da ist nichrs zu niacheu, wir müssen eine List anwenden, um in divKtadt einzudringen, ebenso wie wir es in Nemirow getan hWk. Das ist die Hauptsache", sagte einer der Hauptleute. 9 „Mit Polnischen Fahnen wirst dn sie nicht wieder täuschen. RemiM tzgt d« WstiG« AÄM Mu Miacht." In einem Winkel des Zeltes saß ein schweigsamer Kosak. Er war dürr und hochgewachsen und hatte zwei nüchterne schwarze Augen, die auf alles scharf aufpaßten. Sein Gesicht ivar roh, doch sah er wie ein Gebildeter, wie ein Gelehrter unter den Kosaken aus. Er war traurig und kratzte sich unter dem Arm. „Und du, warum sPveigst du? Was tüftelst du da aus? Hörst immer nur zu, sprichst kein Wort", rief der älteste Hauptmann dem schweigenden Kosaken zu. „Was soll ich denn reden? Hier ist nichts zu reden. Es gilt zu handeln", versetzte der Kosak, ließ sich aber nicht beim Kratzen stören, das ihm offensichtlich viel Vergnügen machte und das er nicht unterbrechen wollte. „Aber was ist da gu tun?" „Einen Brief müssen wir schreiben." „An wen? An die Juden?" wunderten sich alle. ,-Schweigt, Kosaken!" befahl der Aelteste. „Den Lachen?"*) ,Mer -was sollen wir denn schreiben?" fragte der Aelteste. „Wir muffen sie an Christus erinnern. Sie verstecken sich doch hinter dem Rücken der Juden und schämen sich dessen nicht. Es ist für einen Christelt doch eine Schande, bei einem Juden Schutz zu suchen. Sie sollen uns die Juden ausliefern, dann würden wir sie als Christen am Leben lassen und mit ihnen die Beute teileit." „Was fällt dir ein? Den polnischen Feitid am Leben lassen, damit er sich nachher noch an den Kosaken rächen kann?" „Und ihm noch die Beute hingeben?" schrien die Kosaken. ,^Jst das erhört, daß die Kosaken die Lachen um -twas bitten sollen?" ,-Sie sollen uns nur das Slüdttor öffnen und uns in die Stadt einlassen, dann werderr wir schon -weiter sehen", widerte der Kosak. „O, du Schlauberger, Wasil!" *) „Lach" ist ein Schimpfwort für „Pole". Amu. d. Uebeöf. (Fortsetzung folgt.)

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