Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2518 (25.2.1926)
- Date
- 1926-02-25
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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DM F Men, HStonnetStog_ Sie absolute Stabilität Des Ziot». Nutzer ringen des Fimuizminiskrs Zdiechowski über den polnischen Devisenmarkt. — Fortschritte des polnisch-deutschen Handelsvertrages. Warschau, 23. Februar. (Pol». Tel.-Ag.) Finanzmimster Zdiechowski legte in der Blldgelkommission des Sejm die Lage des Devisenmarktes dar, wobei er aussühne: Niemand hat annehmen können, daß in dein Augenblick, >vo eben der Weg zur Sanicrung der finanzielle n, Währung^ und Budgetverhältnisse beschritten wurde, die Bedingungen für eine absolute Stabilität der Devisenkurse schon vorhanden sein könnten, da doch die Bank von Polen keine bedeutenden Devisenreserven harte und eine akute Jndustriekrise vorhanden tvar. Eine solche absolute Stabilität kann bloß das Ergebnis einer endgültigen Sanierung der staatlichen Finanzen und des Wirtschaftslebens sein. Gegewvärng ist der Zloty im Steigen. Am letzten Montag hat die Bank von Polen ihren Metall- Vorrat um anderthalb Millionen Dollar vermehrt, die der Bank von seiten des Publikums in Borausftcht eines weiteren Fallens der ausländischen Devisen verkauft wurden. Der Uebcrschuß der Ausfuhr in den lehren Monaten im Betrage von 252 Millionen Goldfranken trägt zur Sanierung der Tevrsenvechältnisse bei. Ein Teil dieser Summe ist verwendet worden, uni den: Passivsaldo der Handelsbilanz in der ersten Hälfte 1926 sowie' die Zahlung von Auslandsschulden des Staates zu kompensieren. Indessen beträgt die Forderung der Bank von Polen am 1. d. gegenüber den Exporteuren auf Grund der Verpflichtung, die aus der Ausfuhr erzielten Devisen der Bank zu übergeben, 9 9 Millionen Goldfranken. Ta die Frist für die Abführung dieser Devisen durch Verordnung von drei Monaten auf sechs Wochen abgekürzt worden ist, werden diese 99 Millionen bald in die Kaffen der Bank einfließen. Die Regierung wird gleichzeitig bemüht fein, die Bankreserven durch staatlichen Kredit zu vergrößern. Die diesbezüglichen Verhandlungen verlausen befriedigend. Der Minister kam sodann auf die Handelsvertragsverhandlungen mit Deutschland zu sprechen, die bereits bis zum Austausch der gegenseitigen Forderungslisten gediehen seien. Die polnische Liste unifasse 190 Positionen des deutschen Zolltarifs und beziehe sich hauptsächlich auf E r z e u g n i s s c d e r polnischen Industrien, landwirtschaftliche Produkte, Petroleum, Holz, Eisenfabrikate usw. Die deutsche Forderungsliste sei beträchtlich größer sowohl bezüglich der Zahl der Positionen als auch bezüglich der geforderten Zollermäßigungen. Was letztere anlangt, schlage Deutschland die gänzliche Streichung der Zölle in 20 Positionen des polnischen Zolltarifs vor, ferner Herabsetzungen der Zölle für eine Reihe von Artikeln, die in manchen Fällen bis zu einem Achtzig st e l der in Geltung befindlichen Sätze gehen. Außerdem verlange Deutschland feste Sätze, die Polen die Möglichkeit einer Einflußnahme mittels des autonomen Zolltarifs nehmen würden. Hiedurch würden offensichtlich die Verhandlungen trotz des guten Willens auf Polnischer Seite in die Länge gezogen. Die Standard Sil in Borderafien. I London, 24. Februar. (Tel.-Komp.) Nach einer Meldung aus Konstantinopel hat die Regierung von Angora mit der Standard Oil Company ein Abkommen unterzeichnet, das der Gesellschaft das alleinige Lieferungsrecht voll Petroleum für die Städte Konstantinopel, Smyrna und Samsun sichert. Copyright 1926 by J. Ladyschnlkaw Verlag, Berlin. Ci» Glaubensmartyrium.(44) Roman von Schalom Asch. Die Kosaken begriffen und verstanden die Juden nicht Mehr. Waren es wirklich noch dieselben Juden, die sich in den Städtchen wie zusammengebundene Schafe, wie Vögel auf der Schlachtbank drängten? Waren es die stets erschrockenen und zitternden Juden? Diesmal aber stürzten sich die Juden wie wilde Tiger aus der Festung, nur mit ihren Annen, mit Stöcken unb Eisenstücken bewaffnet, und fielen mit denr Ruf „Für den Glauben und für die Thora!" mitten über die Horden der Kosaken her. Sie achteten weder der Pfeile, mit denen sie überschüttet wurden, noch der Gewehrkugeln, noch vermochte das Donnern der Kanonen ihren Sturm aufzuhalten. Jhrelt Ruf ausstoßend, mit flackerndeu Augen, zerrissen sie die Rauchwolken, die sich aus den Rohren der Kanonen verbreiteten, sielen über die Kosaken her, bissen sie mit den Zähnen, rissen ihnen mit den Fingern die Augen aus denr Kopfe und schnitten ihnen mit ben langen Schlachtmessern die Köpfe vom Halse ab. Häufig kanr cs vor, biß ein Jude sich mit echt jüdischer Hartnäckigkeit dermaßen in den Hals eines Kosaken verbiß, -daß sie beide untsielen und jüdisches Blut sich mit kosakischem Blute vermischte... Biele Juden zogen in ihrer Todesbercitschast Totenkleider, weiße Kittel und Talissim an und überfielen mit Schlachtmessern in der Hand die Kosaken. So oft jedoch die Kosaken nachts die weißen Gestalten mit den flackernden Augen und den glühenden Gesichtern erblickten, ivurden sie von hestigein Schrecken gepackt. Sie fielen vor den weißgekleideten Juden aus die Kn e und flehten sie an, als tvären sie Engel Gottes; ,Mtt, erbarme dich!" Anderen Kosaken flößte der furchtbare Zorn, der auf den bleichen (Gesichtern ausgeprägt war, solche Angst ein, daß sie mit wildem Geschrei, als wären himmlische Geister ihnen auf den Fersen, flohen und mit ihrem Geschrei Schrecken im ganzen Lager verbreiteten. Und so ergriffen ganze Soldatenregimenter vor diesen Juden in Totengewändern die Flucht und ließen alles im SriH, Wiener Mörgenzeikuns W. Februar 1926 _ Nr. 2518 vom 84. Februar 188b. Devisen Veld War* Oeie Ware Oeic Ware Amsterdam 284.80 Sofia .......... Q 5.16 6 19 Französische Noten . . S. 28.30 28.BC 12.60 189.70 190.30 Holländische Noten » . Berlin . . . 169.20 Warschau ...... 91.36 91.85 Italienische Noten . . , 28.43 28.6G Brüssel . 32.19 32.31 Zürich «... . . . . . 188.33 138.83 Jugoslawische Noten . . 12.43 12.40 Budapest » 09.27 99.57 Valuten Polnische Noten .... 91.25 92.26 Bukarest » . 2.9626 2.0726 Rumänische Noten . . . London 34.4650 34.6660 Amerikanische Noten » 707.80 711.80 Russische Noten (Roman.) Mailand . . . 28.46 28.67 Belgische Noten .... 32.10 32 40 Schweizer. Note« . . . 138.12 138.92 New-York» . 708.15 710.85 Buigar. Not. ..»••• Tschecho-stow. Noten . 20.9560 21.0760 Paris . . . 26.85 26 01 Deutsche Noten .... 168.82 189.22 Türkische Pfund-Noten . Präs: . . . . 20.9860 21.0860 Englische Noten .... —.— —.— Ungarische Noten . . . 99.35 99.76 Neuerliches Steigen des Zloty und des französische» Franken. Auf den internalionalen Devisenmärkten herrschte gestern nur wenig Bewegung. Bemr.Vnswert war das weitere Anziehen des französischen Franken, der sich in Zürich von 18.623 ans 19.—- besserte. Sehr fest lag die Dwisc Warschau, die an allen Märkten höher schloß. Sie erhöhte sich in Berlin von 32.18 ans 58.92, in Wien von 89.15 ans 91.35 und in Prag von 421.50 ans 457.—. Leicht rückgängig war der Leu, der sich in Zürich von 2.22 aus 2.20 senkte. Insolvenzen. Das Handelsgericht hat über Albert und Poldi Bizsak, Inhaber des Cafe Mariahrlf, 4. Bcz., Margaretenstr. 7, den K o n k n r s eröffnet. — Das A u s g 1 e i ch s v e r f a h r e n wurde eröffnet über Franz H r d y, mechanische Stickerei, 10. Bezirk, Eiscnstadtplah 2; über Josef Macsari und Margarete B ö l k l, 6. Bcz., Bürgerspitalgasse 5; über Julie D ö 1 t l, Kaufmannswitwc, 10. Bcz., Fävoritcnstraßc 69; über Heinrich Weiß, Textilwarcnhandel, 2. Bez., Taborstraße 24; über Simon Ellenberg, Ratcnhändler, 1. Bez., Singerstraße 8; über Franz Bartak und Kurt Köhler, 8. Bcz., Stolzcnthalergasse 8; über Franz Cech, Tischlermeister, 12. Bcz., Ratschkygasse 10, und über Heinrich Nowak, 16. Bez., Brunnengasse 32. Ursprungszeugnisse für österreichische Waren nach Ungarn. Infolge zahlreicher Anfragen betreffend die Anwendung der ermäßigten Zollsätze macht die Austro-Ungarische Handelskammer darauf aufmerksam, daß laut der Durchführungsverordnung zu diesem Vertrage Ursprungszeugnisse lediglich für nachfolgend aufgezählte Waren beizubringen sind: Wein, Champagner, Olivenöl, Medikamente, Zigarettenpapier, Banmwollgetvebe, Samt aus Baumwolle, Hanfgewebe, Batist, Gaze und Linon aus Flachs und Hanf, Schafwolltücher, leichtere Schafwollstoffe (Serge, Cheviot und Gabardin), Mousselin und Crepe, Gaze-, Crepe- und Florstoffe aus Seide, andere Seidenstoffe, Halbseidenstoffe, Samt und samtartige Stoffe ans Halbseide, spitzenartige Vorhangstoffe und Vorhänge, Posamcnterien (als Meterware), Schmalwaren aus Seide, Halbseide und Kunstseide, Frauen- und Mädchenkleider, Sportschuhe, Damcnlederhandschuhe, Gummireifen, Maschinen für die Konservenindustrie, Peronosporaspritzen; dann nicht besonders benannte Maschinen und Apparate aus Eisen, Steinnußknöpfe. Vergebung des Wechselstubenbetriebes im Bahnhofe Wien- Westbahnhof. Die Bundesbahndircktion Wien-Südwest vergibt mit 1. Mai b; I. den Betrieb der Wechselstube im Bahnhofe Wien-Westbahnhof. Anbote sind bis längstens 10. März l. I. (Termin des Einlangens) an die Bundesbahndirektion Wien- Südwest, Abteilung 5 (finanzieller und Rechnnngsdienst), einznsenden. Die näheren Bedingnisse sind bei genannter Direktion, Abteilung 5, 4. -Bez., Wiedner Gürtel 12, 4. Stock, Tür 63 (Vorstand der Abteilung 5), zu erfragen. Gründung eines jüdischen Kreditinstituts in Ostgalizien. Lemberg, 24. Februar. Die über Initiative der Zionistischen Landesorganisation eingesetzte Wirtschaftskommission hat in ihrer konstituiierenden Sitzung sich emgchend mit der gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage der Inden in Kleinpolen beschäftigt und beschlossen, vorbereitende Schritte zur Schaffung eines zentralen Kreditinstituts für die jüdische Kaufmannschaft und Gewerbetreibende einznleiten. Mit der Leitung der vorbereitenden Arbeiten wurde Mbg. Tr. Reich betraut. Erweiterung der Einfnhrfteiliste in Palästina. M'-< Wirkung vom 1. Dezent 1925 mürbe in Palästina für eine Rühe vor , Waren im Interesse der einheimischen Industrie und Landwirtschaft der Einfuhrzoll aufgohoben („Offici.il Gazette" Nr. 151 vom 1. Jänner 1926). Darunter befinden sich Anilin, Indigo und andere Farbstoffe, Packpapier für Orangen, kaustische Soda Olivenöl. Haute, Felle, Gerbstoffe, Sämereien. Wiener Holzmarkt. Der gestrige Holzmarkt verlies g e s ch ä f t 8 l o 8, da der Export total aufgehört hat. Eg notierten; Nadelhol z-S chnittmaterial, Fichte und Tanne. Kistenware. 13 Millimeter, 8 bis 17 Zentimeter, 3 bis 6 Meter, 58.— S. Kistenware, 20 Millimeter, 10 bis 17 Zentimeter, » bis 6 Meter, 56.- S. Wiener Produktenbörse. Bei schwachem Besuche war das Geschäft sehr gering. Während bessere Weizeusorten anzogen, lagen Roggen und Mais flau. Hafer senkte sich um einige Punkte. Es notierten: Weizen: Inländischer 40.— bis 40.50, Ungarischer Theiß 79/80 Kilogramm 44.50 bis 47.—, Ungarischer 41.50 bis 44.—, Jugoslawischer 76 Kilogramm —bis —, Jugoslavischer 77/78 Kilogramm —bis Roggen: Inländischer Marchfelder 27.25 bis 27.75, Pester Boden 25.75 bis 26.25. G e r st er Brauware inländische 30.— bis 35.—, böhmische mährische —bis . Mais: Jugoslawischer 20.25 bis 21.25. Cinquantin neu 32.— bis 33.— H aforr Inländischer 27.50 bis 28.50. Reis: Italienischer 80.— bis 81.—. Burma 62.— bis 63.-. M a h l p r o d u k t er Grieß inländischer 80.— bis 81.—, Weizenmehl 0 inländisches 76.— bis 78.—, Kochmehl 2 inländisches 66.— bis 68.—, Brotmehl inländisches 43.— bis 48.—. Wiener Börse. Matt. Die Geschästslosigbüt dauert Weiler an. Bei den geringe». Unnützen und der belanglosen Nachfrage gingen die Kurse der meisten Effekten lcich: zurück. Die lokale Spekulation und das Publikum bleibei: in ihrer Reserve und anch die Kontermin-e wagtr . sich infolge der ungeklärten Lage zu kein-erlei Angriffen hervor. Etwas lebhafter wurden Staatseisenbahn und Juli-Süd gehandelt, welche beide Effekten zwar höher cröffneten, doch im Laufe der dauernden Geschäftslosigkeit ihre Anfangsgewinne wieder abgaben. Der Bankenmarkt lag ruhig. Auf dem Montanmarkte erhöhten sich einzelne ungarische Effekten, Diese GeschäftslosiMt dauerte bis zum Schlüsse des Verkehres, wobei bei einzelnen Effekten noch weitere Kursabbröckelungen zu verzeichnen waren. Im allgemeinen waren die Umsätze schr gering unb auch die Kursänderungen warm nicht schr groß. In der Kulisse ermäßigten sich n. a. Anglobank um 2000 K., Untonbank nm 2500 K., Staatsbahn um 3000 K., Alpine um 3500 K. und Trifaler um 6000 K. Zentralboden, die schon am Vortag mit dem Minuszeichen versehen waren, verloren 1150 K. und schlossen mit 1750 K. Fester waren Salgo in» 2900 K., Brünner Maschinen um 2000 K. und Siemens um 1800 K. Im S ch r a n k e « waren die Kurssteigerungen stärker. Hier erhöhten sich u. a. Nordbahn um 30.000 K., Perlmooser Zement und Galicia um je 10.000 K., Holzverkohlung um 15.000 K., Ung. Zucker um 19.000 K. und Jungbunzlauer Spiritus um 150.000 K. Dagegen gaben Barcz- Pakraczer 20000 K. ab, Nobel Dynamit 75.000 K., Kratnische Eisen 26.000 K., TarboucheS 19.000 K., ReininghauS 38.000 K. und Berg und Hütten 45.000 K. Auf dem Anlagemarkt erhöhten sich Lemberg-Czernowitzer Prioritäten auf 53 000 K., tschechische Eisenbahnobligationen und Rudolfsbahn-Prioritäten gaben leicht nach. Der Losmarkt lag etwas flau. Von den Exoten notierten Mraznica 37.500 K. bis 88.000 K., Universale Bau 15.000 K. Wochenlang schon standen die Kosaken vor den Festungsmaucrn von Tültschin und konnten die Stadt nicht nehmen. Vergeblich schält Kriwonos seine Hauptleute — die Kosaken flohen vor den weißgekleideten Juden, als hätte sie ein überirdischer Schrecken befallen. Hieraus befahl Kriwonos, die Stadt im Sturm zu nehmen. Er schämte sich vor den Tataren, die in seinem Lager weilten, daß die Kosaken vor ben Juden die Flucht ergriffen; er fürchtete sich aber auch vor Chmelnitz'k: uub hatte Sorge, der tatarische Chan könne von der Sache erfahren. So versammelte cr große Hausen von .Kosaken und Bauern aus der ganzen Umgegend vor der Tultschincr Festung. Die Zahl der Ballern, die aus ihren Städten unb Dörfern gekommen »varen, ging in die Zehntausende. Vor: Pferden, Wage»! und Menschenhorden war das ganze Land um Tültschin her schlvarz. In der Stadt hörte man das Wiehern der Pferde und das Stimmengewirr der Horden, die die Stadt belagerten. Irr der Nacht sah man in der ganzell Steppe Lagerfeuer lodern. Sie zogen sich weit, weit in die Steppe hinein. Dennoch ängstigten sich die Juden nicht, sondern »varen alle bis auf den letzten Mann bereit zu sterben, aber nicht lvie Schafe, sondern im Kampfe, im Kampfe für Gott und seilte Thora. Das Wort, das der Vorsteher voll Slotschow in die Gemeinde hineingeworfen, verwandelte die zum Tode SßcvuvtcUtcn in .Helden, entfachte in den Judell den alten jüdischen Geist, und der Tod ward ihnell eine Freude. Wie eillstmäls vor den Toren Jerusalems, so kämpften sie setzt wieder. Die ganze Nacht hindurch trugen die Frauen Steine zu den Leitern all der Festungsmauer, 'brieten Fett aus, schmolzen Blei, schleppten große Fässer mit Pech auf die Gerüste an der Mauer, und bereiteten sich zunr Kampfe vor. Czwerczinsti mit sechshundert polnischen Soldaten, mir Kanonen lind Gewehren, befand sich gleichfalls tu der Festung. Mit ihm »vor. auch die ganze polnische Bevölkerung von Tültschin, und alle waren mit Gewehren allsgerüstet, lim die Stadt zu verteidigen. Als der erste Glanz des Morgens die Tlirmspitzen von Tültschin vergoldete, schickte Kriwonos seine ersten Reihen mit eisernen Bohrern gegen die Mauer vor. Diese Borposten beftanben aus Bauern ans der Umgegend, die Kritvonos bewaffnet hatte. Sein Plan war, die Juden foUtcit auf diese ersten LchtzM der Feinde M ihre Steine M ihx PeK nicderschütten, so daß, wenn dann die erfahrenen Kosakensöldner anrückten, die Kräfte der Juden bereits geschwächt wären. Allein die Juden 'begänne» unverhofft aus Kanonen zu feuern, noch bevor die ersten Reihen der Kämpfer an die Mauern herangÄommsn waren. Sie hatten nämlich -während der Nacht die Kanonen von der Festung geholt und sie auf den Dächern der Häuser ausgestellt. Als die Bauern die .Kanonenschüsse hörten und von Rauchwolken eingchiillt wurden, liefen sic nach allen Windrichtungen auseinander. Kriwonos schickte eine Reihe nach der anderen vor, die Inden aber vertrieben sie immer wieder mit Kuge'ln und Kanonenschüssen. Dies dauerte den ganzen Tag tangierst bei Eintritt der Nacht gelang es bcu Kosaken endlich, an die Blauer heranzukommen und ihre Feftungsbohrer anzulegen. Allein die Juden empfingen sie mit einem Hagel von Steinen, begossen sie mit geschmolzenem Blei, glühend heißem Brei und brennendem Pech. Viele Kosaken verbrannten und blieben als verglimmende Leichname auf den Bohrern liegen. Immer mehr Kosaken karnen an die Mauer herangeritteu, unb immer mehr von ihnen vernichtete der Fellerregen von den Mauern. Die Kosaken kreischten, schrien, lärmten, spornten einander mit Geschrei und Hurrarufen an, allein der Feuerregen hörte nicht aus, und die Haufen der Leichname, die in iiem brennenden Pech glommen, wuchsen linier der Malier beständig an. Endlich öffnete sich das Festungstor unb* Scharen weiß gekleideter Judell stürmten mit dem Ruf „Für Gott und seine Thora!", Geistern gleich, mit Schlachtmessern in der Hand, ans der Festung heraus uub drangen mitten in die Horden der Kosaken ein. Sobald aber die Ballern die weißgekleideten Gestalten erblickten, wurden sie abermals von panischem StYMeu gepackt, sie flohen mach allen Seiten hin und die Juden kehrtest unter Absingen voll Psalmen in die Stadt zurück. Endlich mürbe es Nacht. Die Kosaken versammelte» sich um die Feuer in ihren Lagern. Jenseits des Festungstors's aber ließ sich inuner noch der Gesang der Borbeter hören. Dieser Gesang erscholl ivährend der ganzen Nacht aus der Stadt — die Vorbeter sangen laut ganze Kapitel aus den 'Psalmeil zu Gott. Es war aber uicht wie das wilde Geschrei von Belagerten, sondern wie ein Lobgesang zn Gott aus dzm Munde vou Menschelk, die bereit ivaren, für Gottes Ehre, für den Glaüben lind die Religion zu sterben. Fortsetzung folgt,)