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Wiener Morgenzeitung · 1926-02-24 · Heft 2517 (24.2.1926) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2517 (24.2.1926)
Date
1926-02-24
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Sekte 8 m». MMvoH . ' ■ .. -.— .— —” " .iimutmnmvmm uns ist es nicht so zugegangen wie bei der Nordisch- Oestereichischen Bank. Bors.: Bitte lassen wir die Nordisch-Oestcrreichische Bank. Lassen wir die Toten ruhen! (Heiterkeit.) Auge kl.: Bier Gründe sind es, die ich als das Unglück für unsere Bank allsah: 1. Der B e a m t e n st r e i k. 8. Der Austritt des Direktors Oswald. 3. Die wiederholten Angriffe im „Abend" (einen hätten wir vielleicht noch verschmerzt. 4. Die wirtschaftliche Lage des Jahres 1924, wo auch andere und größere Institute, wie S t i n n c s und Castiglioni, ins Gras beißen mußten. Bors.: Sie haben vier Konti bei der Bank gehabt. Am 89. Jänner 1924 haben Sie einen Kredit von 100 Millionen in Anspruch genommen. — Angekl. (weinerlich): Ich bitte, ich habe ein Eckhaus auf der Wiedener Hauptstraße und ich hatte ein Landhaus in Weißenbach, das 600 Millionen wert war und das ich um 380 Millionen verschleudern mußte, um meine Effekteuverbindlichkeiten zu decken. Ich war damals ja ein kreditfähiger Mamr. — Vors.: Aber, Herr Fischer, Sie haben ja auch noch zwei Spekulationskonti gehabt. — Angeklagter: Ja, Herr Vorsitzender, das war mein Ruin. — Vors.: Der Schluß der Geschichte war, daß Sie 1010 Millionen schuldig geblieben sind, denen 180 Millionen an Effektenwerten gegenüberstanden. — Angekl.: Meine Herren, das war das Werk von vierWochcn. Einen Monat vorher war mein Konto noch mit 10 Millionen aktiv. — St.- A.: Ja, haben Sie denn nicht das Kursblatt gelesen? — Angekl.: Das hat mir meine Frau auch schon zum Vorwurf gemacht. (Stürmische Heiterkeit.) Aber ich bitte Sie, ich habe ja keine Zeit dazu gehabt. — St.-A.: Da sind Sie ja auch um den Nervenkitzel gekommen, das Steigen und das Fallen der Kurse mitzumachen. — Der Angeklagte steht anscheinend niedergeschlagen da. Vors.: .Haben Sie auch nicht gewußt, daß Direktor Oswald unter dem Decknamen Amalie Nowak ein unterdecktes Konto hatte? — Angekl.: Nein, wenn ich das gewußt hätte! (Lebhafte Heiterkeit.) Der Angeklagte Jos. Rob. Oswald erklärte, daß er sich in keiner Richtung schuldig fühle. Im weiteren Verlaufe seines Verhöres bespricht der Angeklagte die verschiedenen Aktien kaufe für eigene Rechnung der Bank und bestreitet, daß diese Käufe zu Spekulationszwecken geschehen seien. Einzelne Käufe stien über direkten Beschluß des Direktionsrates erfolgt. Der Angeklagte wird nun vom Staatsanwalt in ein scharfes Kreuzverhör genommen, im dessen Verlauf er zugibt, daß die Aktienkäufe für eigene Rechnung der Bank erfolgt seien, um den Zinsendienst für die Einleger sicherzustellen. Der Vorsitzende geht dann auf die Besprechung der einzelnen Spekulationskonti über. Hier verantwortet sich der Angeklagte dahin, daß er mit den Kontis eigentlich nichts zu tun gehabt habe. Ter Angeklagte gibt an, daß das Schallerbachgeschäft mit einem Verlust von 185 Millionen für die Bank endete. Nun wird das Deckkonto des Oswald, fß. m a I i a Nowa k", besprochen. Der Angeklagte gibt an, daß von diesem Konto die Direktionsräte keine Kenntnis hatten, sie wußten aber, daß er an der Börse spiele. Er gibt auch weiter zu, daß er geduldet habe, daß die Beamten entgegen den Bestimmungen des Kollektivvertrages an der Börse gespielt haben, aus welchen Geschäften der Bank ein Verlust von 1692 M il l i o n e n erwuchs. Der Angeklagte gibt an, daß er bis zu seinem Ausscheiden aus der Bank von ihrer Zahlungsfähigkeit voll überzeugt war, sonst hätte er sich die ihm gebührende Abfertigung von 180 Millionen auf einmal auszahlen lassen und nicht in Ratenzahlungen eingewilliot. Das Verhör mit den Angeklagten wird um 3 Uhr nachmittags beendigt. Heute um 9 Uhr wird der letzte Ang^lagte, Walter Feld mann, einvernommen werden, worauf mit dem Zeugenverhör begonnen wird. Copyright 1926 by J. Ladyschnikow Verlag, Berlin. &iit Glaubensmartynum.<43) Roman von Schalom Asch. _ Unterdessen lag das ganze Land stei und offen vor den Kosakenhorden. Gleich einem Flusse, der aus den Ufern tritt, stürmten die Kosaken von einer Stadt zur anderen, vertilgten alles Lebendige, verbrannten die Städte, raubten das Vermögen, metzelten die Bevölkerung, Juden wie Polen, jung und alt, mit dem Schwerte nieder. Nur die, die sich für die Sklavenmärkte ebneten, ließen die Tataren am Leben. Vor allem aber bereicherten sie 'hre Harems mit schönen Frauen und Mädchen. Von Nemirow rückten die Kosaken weiter nach Tultschin. In der Tultfchiner Festung hatten sich die Juden aus den umliegenden Städtchen sow'e die Flüchlinge von Nemirow eingeschloffen. Hier hatte sich eine jüdische Bevölkerung von zehntausend Seelen angesammelt, mit einer Menge von Rerchtümern, die die Juden bei ihrer Flucht m'tgenomen hatten. Und diese Reichtümer lockten die Kosaken ebenso, wie die Frauen und Mädchen die Tataren. Allein die Einnahme Tultschins gelang Kr'wonos und seinen Horden doch nicht so leicht. Tultschin war eine Festung, und die Juden, die zumeist aus den verwüsteten Städtchen hierher geflüchtet waren, wußten, was es bedeute, in de Hände >der Kosaken zu fallen. Und sie machten miteinander ab, es sei besser, in der Stadt Hungers zu sterben oder im Kampfe zu fallen, als in d'e Hände der Kosaken zu geraten. In der Stadt befand sich auch eine kleine Anzahl von Polen, nämlich einige hundert polnischer Söldner. D'e Juden schlossen mit den Polen einen Bund, beide Seiten beschworen ihn, und der Rabbiner Reb Aaron, der Vorsteher der Jesch'bah von Tultschin, sowie der Herzog Czwerczinski Unterzeichneten die Urkunde, die besagte, daß Juden und Polen Schulter an Schulter bis zum letzten Mann, b's zum letzten Blutstropfen impfen und die Stadt gegen die Kosaken verteidigen wollten. gBtettey Moraenzettung Sie LebensgMklln erstochen. Sechs Jahre schweren Kerkers. Gestern hatte sich wieder ein Mcmn wegen Tötung seiner Lebensgefährtin vor dem Schwurgericht zu verantworten. Der 50jährige Keuscher Josef Horner hat am 2. Mai vorigen Jahres in der Früh seine Lebensgefährtin Karoline Schneider mit einem K ü ch e n m e s s e r e r st o ch e n. Tie Tat hat sich in Ottakring in der Mumayrgasse 28 zugctragen. Horner wnwe auch lvegen Ucbertrctung des Diebstahls, begangen durch Entwendung eines Fahrrades, angeklagt. Der Angeklagte ist frühz e i t i g auf s ch i e f e Bahn geraten und hat viele A bstrasungen erlitten. Er hatte die Schneider im Jahre 1913 kennen gelernt. Sie betrieb einen Grünwarenhandel, aus dessen Einkünften sie ihn erhielt. Horner hat seine Lebensgefährtin des öfteren bedroht. Zuletzt war sie im Begriffe, sich von ihm zu Nennen. Am kritischen Tage war die Schneider erst ftühmorgens heimgekehrt. Es kam zu Streitigkeiten, Horner ergriff rin angchlich aus dem Zimmertisch liegendes Küchenmesser und brachte der Schneider eine ganze Anzahl von Verletzungen bei, denen sie bald darauf erlag. Horner verteidigte sich damit, daß sie ihn bedroht habe, sie werde ihren neuen Freund rufen, der ihn niederschießen werde. Darauf habe er die F a > s u n g verloren und sei erst zur Besinnung gekoimnen, als sie zu schreien begonnen habe. Nach Einvernahme sämtlicher Zeugen wurde die Vcchandlung in später Abendstunde beendet. Die Geschwornen verneinten die Hauptfrage auf das Verbrechen des Mordes mit z e h n gegen zwei Stimmen, erkannten Horner dagegen des Verbrechens des Totschlages und des Diebstahls einstimmig schuldig. Die Zusatzstage auf Sinnesverwirrung wurde mit elf gegen eine Stimme verneint. Auf Grund dieses Verdiktes wurde der Angeklagte zu sechs Jahren schweren Kerkers verurteilt. Horner nahm das Urteil ruhig ans. Sein Verteidiger meldete die Berufung an. Sie Sreueltaieu der Salmsche» Setachemenir. Aus Budapest wird uns berichtet: Gegen die Mitglieder des Gras S a l m f ch e n Detachemmts, die Feldwebel Paul B a l o g h und Julius Iuhaß, wurde das Strafverfahren Wegerl öffentlicher Gewalttätigkeiten, wegen Raubes und wegen Unterschleifes eingeleitet. Der Mitilärgerichtshof verhandelte diese Angelegenheit unter Leitung des .Hauptmannauditors Dr. Aladar Sillay. Laut der Anklage härten sich die Angeklagten an den in dem Dorfe Bicske gegen die Juden verübten .Gewalttätigkeiten beteiligt. Am 13. März 1921 drangen mehrere Soldaten des Salmschen Detachements in die Wohnung des Bicskeer Kaufmannes Eugen Weiß, den sie schwer mißhandelten und ausraubten. Die Verhandlung dieses Prozesses fand unter Ausschluß der Qessentlichkeit statt. Nach durchgesührtem Beweisoerfahren wurde der auf Ju.ius I u h a ß bezüglich: Teil der Anklage abgesondert, da diesem Angeklagten nicht nachgewiesen weiden konnte, daß er sich an den gegen Weiß verübten Mißhandlungen und Plünderungen beteiligt hätte. Ihm kann nur zur Last gelegt werden, daß er a uf B e fehl seiner Vorgesetzten den im Kaffeehaus Karten spielenden Juden das Gelb wegnahm und zum Teil unterschlug. Ter Angeklagte Paul B a l o g h wurde wegen des Vewrechens der öffentlichen Gewalttätigkeit und wegen schwerer körperlichen Verletzung degradiert und zu einem Jahre schweren Kerkers verurteilt. Diese Strafe erscheint durch dir Untersuchungshaft verbüßt. Ta nicht festzustellen war, welche Mitglieder des Gras Salmschen Detachements sich an der Beraubung des Weiß beteiligt hatten, wurde Balogh von dieser Anklage f r r i g e f p r o ch e n. Gegen Juhaß wird wegen Unterschleiss zu einem späterem Termin die Verhandlung durchgesührt werden. Zwischen den Polen und den Juden entstand' ein brüderliches Verhältnis. Die Juden versammelten sich in den 'Synagogen, die Polen in den Kirchen, beteten zu Gott, er möge sie vor den Kosaken retten und schworen sich zu, einander zu verteidigen. Die Polen riefen den Juden zu: „Wir haben euch lieb!" und die Juden teilten mit den Polen die Lebensmittel, die sie in der Stadt aufgespeichert Chatten, iuvt die Belagerung so lange zu ertragen, bis die polnischen Fürsten Hilfe schicken würden. Die Polen und' die polnischen Söldner, die unter dem Kommando des Herzogs Czwerczinski standen, waren militärisch besser ausgebildet als die Juden und wußten mit den Waffen umzugehen. Sie übernahmen es, die Festung von Tultschin zn verteidigen. Die Juden aber, die viel zahlreicher als die Polen und mutiger als diese waren, da ihnen ja auch größere Gefahr drohte, übernahmen es, die schwächeren und ungeschützten Stadtteile zu verteidigen. Sie rüsteten sich mit türkischen Waffen und Gewehren aus, die sie von der Festung echielien. Um die Mauer herum aber stellten sie hohe Gerüste und Leitern auf und sammelten darauf eine Menge von Steinen und anderen schwergewichtigen Gegenständen. Die Frauen kochten in großen Töpfen zerlassenes Fett, brühheißen Brei, kochendes Wasser und trugen dies alles zu den Mauern. Ost kam es vor, daß die Juden die Kosaken erst nahe an die Mauer herankommen und ihre eisernen Bohrer aufstellen ließen, die Breschen in die Mauem legen sollten, dann aber unverhofft die Kosaken mit Steinen zu bewerfen und mit siedendem Fett zu begießen begannen. Die Kosaken ergriffen die Flucht und ließen ihre Bohrer und ihre Toten an der Mauer liegen. Mehr als einmal kam es aber auch vor, daß die Juden, wie bei der Belagerung Jerusalems, aus der Stadt herausstürmten und sich mit Todesverachtung in das Lager der Kosaken stürzten, viele von ihnen töteten und die übrigen in die Flucht schlugen. In der Stadt aber verminderten sich indessen die Lebensm'tttelvorräte immer mehr. Diese von den Juden ausgespeicherten Vorräte wurden von einer Verwaltung in gleichen Rationen den Juden und dm Polen zugeteilt. Zu- _24. Februar 1926_Nr. 2517 Volkswirt. dnc neue Gebührennovelle. Ermäßigung der Stempelgebiihr für Dreimonatwechsel. — Her absetznng der Gebühren für Aktiengesellschaften. Schon in der Vorwoche hot Finanzminister Kollman! die Einbringung einer Gebühreimovelle angckünöigt, in welche die Herabsetzung einer Reih? von Gebühren vorgesehen ist. Dies Novelle ist gestern eingebracht wovdett. Zur Verbilligung des Kro dits für die Volkswirtschaft ist in erster Rühe eine Ermäßigunj der Stempelgebühren für dreimonatige Jnlandswechsel und für in Ausland ansgestellte und ausschließlich int Auslände zahlbar, Sechsmonatwechsel aus die Hälfte der bisherigen Gebühren il Aussicht genommen. Außerdem sind die Gebühren für Gesellschaftsverträge unk Aktiengesellschaften, Komlnanditgosellschaften auf Aktien und Ge sellschasten mit beschränkter Haftung, welche bisher 7 Prozent be trugen, aus 3 Prozent herabgesetzt. Im Falle der Einbringunj von Jmmobiliareinlagen beträgt die Gesellschaftgebühr 7 Prozent Eine besondere Jmmobiliargebühr ist nicht zu entrichten. In bei Begründung der Herabsetzung der Gebühren wird angeführt, das in der letzten Zeit die Gesellschastsvertragsgebühreil eine stark! Minderung erfahren haben. Um nun die Kapitälsbeschaffung füi Aktiengesellschaften und Gesellschaften mit beschränkter Haftung jij erleichtern, soll das Ausmaß der Gesellschaftsvortragsgebühren ans das oberwähnte Maß herabgesetzt werden. Große Ansolvenzen in der tfchechsftownKfchen Textilindustrie. Wie uns aus Prag gemeldet wird, ist eine große tschech-o. slowakische Wedereisirma, die auch aus dem Wiener Platze intensiv tätig ist, in Schwierigkeiten geraten. Diie Passiven^ werden mH zirka 14 Millioneit tschech. K. beziffert. Zu den Hauptschuldner^ gehören die Böhmische Unionbank und dir Dschechoswwakische Bans für Handel und Gewerbe, ehemals Ländcöbank in Prag, die mit großen Summen cm dieser Insolvenz beteiligt sind. Die Freundt des Unternchmens bemühen sich um einen außerordentlichen Aus» gleich. Nach dem jetzigen Stunde der Aktiven dürste die Ansglsichsi quote zirka 50 Prozent betragen. Sa» volnilche Petrolenmlartell. (Bon unserem polnischen M.-S.-Korrespondenten.) Das Petroleuinkartell mußte vom Anbeginn seines Dasein? einen schweren Existenzkampf durchmachen. Immer wieder mutz die Abschaffung des Provisoriums der Wirtschaftlichen Bereinigung der Rohölrafsinierien und die Umwandlung in ein mehrjähriges Kartell aufgeschoben werden. Man ist zufrieden, wenn neue Pro« visorien von mehrmonatiger Dauer geschaffen werden können. Der neue Vertrag über die Verlängerung der Kartelldauer umfaßt auch neue Bestimmungen für die Verkauf so rganiisation des Kartells. Die Berkaussorgauisation sollte ursprünglich nur für den Absatz im Jnlande dienen. Ihr wurde jedoch eine Export- „ konvention angeschlossen, wobei jetzt auch Paraf 'si n, das bisher außer der Konvention gehandelt wurde, derselben angereiht wurde. Dabei wurde es den Raffinerien erlaubt, bis zum 1. März die Paraffinvorräte allein zu verkaufen. An diesem Tage übernimmt sodann den Verkauf die offizielle Verkaufsorgam'satiou. Der Konventionspreis wird sich nun zwischen 162,50 und 167,50 Dollar bewegen. Ein Teil der Kartellmitglieder bemüht sich nun, auch deck Verkauf aller anderen Rohölprodükte der Verkaussorganisatiou unterzustellen, es machen sich jedoch hierbei verschiedene Gegensätze, besonders was Schmieröl betrifft, geltend und es läßt sich nicht voraussehen, öb dieses Bestreiben durchdringen wird. Wie schon vom Anfang an bei der Gründung des Kartells, so machen, auch jetzt die Raffinerien Gartenberg und Schreier und die erst wurden die Kinder und die Frauen gespeist, während die Männer sich ihr Essen oft bei den Kosaken gewaltsam holten. Die Juden stellten nämlich durch ihre Späher fest, wann die Kosaken ihre Herden — Schafe, Kühe und Ochsen — in das Gehege zusammentrieben, hieraus überfielen sie das Lager der Kosaken, raubten aus den Herden das Bich, trieben es in die Stadt und versorgten die Belagerten aus Wochen hinaus mit Lebensmitteln. Unter den jüdischen Känrpfern befand sich auch Mendel, der Gemeindevorsteher von Ilotschow. Als er seinen Sohn beim Durchschwimmen des Flusses verloren hatte und von seiner Schwiegertochter, die mit der alten Maruscha fortgegangen war, ohne Nachricht blieb, begab er sich mit seiner Frau, gleich anderen Flüchtlingen, nach Tultschin, in der Hoffnung, daß die alte Maruscha seine Schwiegertochter vielleicht aus einem anderen Wege dorthin gebracht hätte. Da er sie jedoch auch in Tultschin nicht wiederfand, und weil er seinen in die -Hände der Kosaken gefallenen Sohn tot glaubte, wurde er des Lebens überdrüssig. Er hatte kein Lebensziel mehr und hing null nicht mehr anl Leben. Allein Mendel besaß zu viel gesunden Instinkt, und auch die Religion gestattete ihm nicht, seinem Leben freiwillig ein Ende zu machen. Gleich vielen, vielmehr anderen übertrug er, der jede Hoffnung aus eigenes Glück verloren hatte, seine ganze Hoffnung und sein ganzes Glücksstreben auf die Erhaltung der jüdischen Gemeirwe. Die Gemeinde von Tültschill wurde gleichsam sein Kind, sein Schloime, seine Zukunft, sein Leben selbst. In dieser Gemeinde ftind er seine Kraft wieder, pnd für ihre Erhaltung stürzte er sich mit Todesverachtung und Selbstlosigkeit in den Kampf. Er wollte für die jüdische Religion sterben, er stüm^ sich als erster in den Kampf, in die gefährlichsten Unternehmungen, riß andere nckt sich fort und weckte in ihnen heilige Begeisterung durch seine Worts: „Juden", pflegte er mit begeistert strahlenden Augen Pt sagen, „unsere Kinder haben sie getötet und uns werden sie auch töten. Aber unser Gott lebt ewig. Laßt uns also kämpfen für seine Ehre, für die Religion und für die Thova." (Fortsetzung folgt.)

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