Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2510 (17.2.1926)
- Date
- 1926-02-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2979076-2981549-2981597--25582-3013240- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
| Polen: 21 oroszy| Wien: Zum Abholen in der Expedition, 1L Taborstr. 1*3, oder in einer Verschleisstelle' (Trafik) monatl. ü Schilling Strassenverkaut in Wien durch die Kolporteure der Firma Qol d schmied, 1., Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tschecho-Slowakel: Mon. K 22. Jugoslawien: Mon. Din. 60. Polen: Mon. 5Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 Nachzahlungen bei Prel«- erhöhungen Vorbehalten Wiener orgen;ei1un [präirwri England: Mon. 4 Schilling. Italien: Monatl. 18 Lire: Rumänien: Mon. 170Lei. BulgarienrMon.IOOLews* Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, IL Taborstr« 1 Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX.. Universitätsstrasse 6-8 (D. uckerei lg. Steinmann) Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 Rr. 2510 fflien. Mittwoch. 17. Februar 1820 8. gahrgms Ir. Beoesch über den politischen ßharatter der Budapester Fülschungen. Sin ErvolS des tschechoslowakischen AnbeaminWers. Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. In den Dellkatessengeich8ften ARMIN BIEL gflT Schollenring 14, Tel« 65>3«13 *WW IST Führichgasse 3, Tel« 31-1-13 rihi Reines la Gänseschmalz per Kilogramm S 4.50 noch kurze Zell zu haben« Biallks Smvkarig in New-York. Große Ovationen. New-Nork, 16. Februar. (I. T. A.) Dem Dichter Ehaim Nachman Bialik, der am 11. d. in Gesellschaft seiner Gattin, Dr. Schmarjah Lewins und Louis Li Pskys an Bord der „Mauvetania" hier eintraf, wurde ein großartiger Empfang bereitet. Vertreter der Stadtverwaltung van New- Jork und eine Anzahl führender jüdischer Persönlichkeiten Amerikas erwarteten den Dichter an der Quarantänestation. An Bord der Jacht des Bürgermeisters von Now-Aork fuhr die Gesellschaft an Land. An der Landungsstelle erwarteten einige tausend Zöglinge d e rhe b r ä i s ch e u Schulen, führende Mitglieder der Zionistischen Organisation sowie Vertreter anderer jüdischer Organisationen den Dichter. Die Kinder stimmten bei seiner Ankunft hebräische Lieder an. Am 11. d., abends, fand aus Anlaß der Ankunft BialiK lm M e c c a T e m p l e. wo vor einigen Wochen die v e reinigte Palästinensische Kampagne eröffnet wurde, ein Masseneeting statt. Mehr als 4000 Zuhörer «waren anwesend. Bialik sprach mehr als zwei Stunden.' Seine Rede war ein flammender Appell an die amerikanische Judenheit, Sen Aufbau Palästinas in die Hand zu nehmen. Die amerikanische Jndenheit, sagte der Dichter, hat breite und starke Schultern; sie muß «und wird die Last des Palästinaaufbaues so lange tragen müssen, bis die Judercheit Europas wieder in der Lage fein wird, ihren Teil zu übernehmen. Wenn die Juden in der Durchführung des Wiederaufbaues Palästinas scheitern sollten, so wird dies z u d e m H a ß, der nun schon das Schicksal der Juden ist, noch die Bierachtnng hingu- Mellen. Und keine Nation der Welt hat je Verachtung -überlebt. ’ Bialik sprach sich entschieden gegen den Plan der jüdischen Kolonisation -in Rußland ans. Er sagte, das jüdische Volk könne nur durch den Aufbau P a l ä st i n a s gerettet werden. Der Jude trägt Erez.Israel im Herzen; Palästina nimmt im Mischen Leben den tHrenplatz ein. Die Diaspora hingegen'führt das Mische Volk immer weiter der Vernichtung zu. Die Rede Bialiks wurde, mit -Begeisterung und 'Jubel ausgenommen. Diie Ovation dauerte länger als zehn Minuten. Es sprachen nachher noch der Präsident der amerikanischen Zionistischen Organisation, Louis Lipsky, der den Vorsitz führte, ferner der Präsident der Zionistischen Weltexekutive, Nahum So ko low, Richter lJulian W. Mack, Mraham Goldberg, der bckrnnte Dichter Jehoasch M. B l u m garte n) und Dr. Schmarjah K e w,i n. Iouvenels Berhandlunge« in Angora. Abschlust eines französisch-tüEschen Frenni»- schnftsvertrnges. (Eigeud'venst der „Wiener Morgen-zeitung".) Konstantinopel, 16. Februar. Der syrische Oberkommistär Le I o u v e n e l hat in Angora der Presse erklärt, er beabsichtige einen französisch-türkischen Freund« schastsvertrag über die Grenzen Syriens abzuschließen und hoffe, Salb zum Ziele zu gelangen, da nur noch geringfügige Meinungsverschiedenh eiten bestünden. Eiüe ständige feste Freundschaft zwischen Frankreich und 8er Türkei werde sicherlich auch eine Annäherung zwischen der Türkei und England mit sich bringen. Zwischen Frankreich und der Türkei habe es im Grunde genommen niemals fachliche Gegensätze gegeben, und Mst die Feindschaft im Weltkrieg sej eher auf ein Mißverständnis" zurückzrisiihrm. Prag. 16. Februar. (Tschech. P.-B.) In Beantwortung der Interpellation der Koalitionsparteien in Angeleg>»nheit derungarischenFrankenfälschungsa f f ä r e gab Minister des Aeußern Dr. Benesch im Abgeordnetenhaus einen Ueberblick der bisherigen Entwicklung der Angelegenheit. Er verwies auf der Politischen Charakter der Affäre, sowie auf ihren Zusammenhang mit den Fälschungen tschechoslowakischer Noten in den Jahren 1919 bis 1921. Als Beweis dieses Zusammenhanges erachte der Minister einerseits, daß N a d o s s y das untersuchende Organ in der Affäre der Fälschung tschechoslowakischer Noten war, daß er den Hauptanteil an der Einstellung und Niederschlagung der Affäre hatte, daß in dem heutigen Untersuchungsausschuß dieser Zusammenhang von allen Faktoren konstatiert wurde und daß der politische Hintergrund beider Affären und die politische Ein st ellung dieselbe war. Bei der detaillierten Darlegung der Fälschung tschechoslowakischer Noten in den Jahren 1920 bis 1922 hob der Minister insbesondere hervor, daß die Falsifikate tschechoslowakischer Hundertkronenno, t e n i m I a h r e 19 2 0 in der lithographischen Eüstalt m Budapest hergestellt wurden, daß die Bestellungen durch gewisse Militär organe erfolgt seien, daß die Herstellung der Hundertkronennotenklischees in der Druckerei Wottitz über Aufforderung ungarischer Offiziere erfolgt sei und daß auch die Spuren der Hauptschuldigen der Affäre der tschechoslowakischen Fünf-- . hundertkronennoienfalsisikate aus dem Jahre 1921 in Wetzelsdorf nach Budapest führten. Im Jahre 1920 sei der tschechoslowakische Delegierte in Budapest bei der Polizerdivektion und bei der Staatsanwaltschaft eingeschritten. Weil dies noch vor der Zeit des Friedens von Trianon war, sei der Delegierte nur auf den guten Willen der ungarischen Behörden angewiesen gewesen, die schließlich mitteilten, daß die Untersuchung mangels an Beweisen eingestellt worden sei. Nach der Affäre M e s z a r o s und dem Prozesse gegen Kuhn im Jahre 1921 sei die tschechoslowakische Gesandtschaft mit zwei Noten vom 22. Dezember 1922 und 15. Februar 1923 eingefchvrtten. Die ungarische Regierung habe auf die Noten keine Antwort gegeben. Weil wir hierauf, fuhr der Minister fort, mit Ungarn wichtige Fragen, insbesondere die Habsburger-Frage, zu regeln hatten, und es nicht gelungen war, die Falsifikate einzuziehen, und da wir keinen neuen diplomatischen Konflikt Hervorrufen wollten, wurde von einer weitere »Intervention Abstand genommen. Die gegenwärtige Frankenfälschungsaffäre und deren Untersuchung hat allerdings auch unsere Affäre in einem neuen Licht gezeigt. Daher ersuchte die Regierung am 7. Jänner um die Erledigung der genannten Noten vom Jahre 1922 und 1923. Die ungarische Regierung antwortete anr 28. Jänner, daß die augeordnete Untersuchung infolge Mangels an Beweisen beendet wurde. Mit Rücksicht auf die näheren Umstände erwarten wir, daß die ungarische Regierung ohne einen Druck auf die Erweiterung der Untersuchung und der Anklage auch auf unsere Affäre bedacht sein wird. Falls dies nicht erfolgen sollte, behalten wir uns unser Vorgehen vor. Die Mißerfolge des seinerzeitigen Einschreitens beruhten vom Anfang an auf den Mangel internationaler rechtlicher Beziehungen zu Ungarn, später auf direkter Sabotage einiger ungarischer Behörden und der großen Zahl der verschiedenen Fälfcherasfären. Dr. Benesch konstatierte sodann, daß die Affäre inner politisch die politischen chauvinistischen Strömungen, welche bestimmte Pläne bei der Lösung der K ö nig s s r a g e hatten, widerspiegle. Vom Stand-! Punkt dev auswärtigen Politik stelle sie den Ausdruck der feindlichen Orientierung dar, die sich dem R e ch t s st a n d i n M i t t e l e u r o p a nicht anpasse und gegen die Konsolidierung der Verhältnisse gerichtet sei. Der Minister glaubt, daß die Strömungen, die bei der Affäre im Spiele seien, nicht die Kraft hätten, irgend einen Umsturz herbeizusühren, und nicht gefährlich.in dem Sinne seien, aber ihre Orientierung, die sic repräsentierten und repräsentieren, . sei trotzdem , , , - der Friedenspolitik gefährlich, da sie einem Einvernehmen Ungarns mit den Nachbarn hinderlich sei. Die Fälscher selbst wünschten Frankreich und Ungarns Nachbar n z u schädige n. Das gefälschte Geld sollte zur Propaganda gegen die' Nachbarn dienen und zu solchen innerpolitischen Zwecken, die einen Einfluß aus die internationale Situation und insbesondere auf die Lösung der Königsfrageentgegen den ungarischen B e r p f lichtungcn haben sollten. Diese Aktion habe ihre Agante n auch im Ausland. Der Minister lehne .aus allen diesen Gründen die Behauptung ab, daß es sich um keine Politische Frage handle, und wende sich, gegen die Argumentierung Tele kis und Ap.ponyis, die den Versuch machten, die Angelegenheit auf den Fried e n von T r ran o rr zurückzusühren. Als Graf A p p o n Y i Unterrichtsminister war und eine P o l i t i k g e g e n d i e M i n d e r h e i t e n machte, hätten diese Minderheiten trotzdem kein ungarisches Geld gefälscht und keine Verbrechen, begangen. Die Affäre ist, sagte der Minister, der Ausdruck des ungarischen Milieus, . von dem ein bestimmter Teil gegenüber den Nachbarn das Prinzip verkündet: „weder Krieg noch Frieden", und durch die Beunruhigung der Nachbarn, durch internationales Geschrei und durch ständiges Gerede über Ungerechtigkeit den Eindruck Hervorrufen will, daß in Mitteleuropa keine Ruhe sein werde, so lange der Friede von Trianon bestehe. Uns . wird diese Kritik aus unserer ruhigen FriedensarLeit nicht aufscheuchen. Wir haben allerdings Interesse daran, daß über.das Wesen der Sache die ungarische Bevölkerung, die keine Schuld hat, sowie die internationale Oefsentlichkeit informiert seien. In unseren Beziehungen zu Ungarn . halten wir die F r i e d e n s l i n i e ein und werden sie einhalten, bereit, heute oder morgen, wann immer, mit ihm einen mitteleuropäischen Garantiepakt unter der Aegyde des Völkerbundes abzuschließen, und wann immer Beweise dieses Willens zu geben. Wir wollen die Affäre n i ch t m i tz b r a u ch e n. Wir werden uns n i ch t i n sie eiumischen; wir wünschen nur eine u n p a r t e i i s ch e U n t e r s u ch u n g, die öffentliche Aufklärung und die Bestrafung der Schuldigen. Nach den Ergebnissen werden wir unser Vorgehen zur Sicherstellung der durch die Fälschungen unseres Geldes berührten Interessen einrichten. Wir behalten uns vor, in dieser Angelegenheit auch weiter vor.zugehen, auf internationalem Forum, insbesonders zur Schaffung von Garantien gegen ähnliche A f f ä r e n in der Zukunft. Wir wenden uns in dieser Angelegenheit an die Regierungen und wir werden gemeinsam mit ihnen versuchen, den Antrag zu stellen, wie in Zukunft durch internationale Zusammenarbeit solche Affären v e x h rudert werden können. Zwischenfälle. Schon am Beginn der heutigen Parlamentssitzung, «uns welcher die Session des Abgeordnetenhauses eröffnet wurde, ereigneten sich tumultuöse Szenen. Als Ministerpräsident Svehla im Sackte erschien, wurde er von der Mehrheit mit Applaus, von der Opposition aber mit ohrenbetäubendem Lärm empfangen. Es ertönten Pfiff e, die oppositionellen Abgeordneten überschütteten! den Ministerpräsidenten mit Pfuirufen und schließlich ging ein allgemeine! Dultdecke'lkonzext los.