Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2508 (15.2.1926)
- Date
- 1926-02-15
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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. »MMM . Wf* MV WW. MoMg Wlenek «Wdlsche Weisheit. $ftf e „Wiener Morgenzeitung" nach den Quellen bearbeitet. Mmm und Mvw. Der römische Kaiser sagte zu Rabban Gamliel: „Euer Gott ist ein Dieb". Denn eS heißt: „Und er warf tiefen Schlaf auf den Menschen, daß er schlief, und nahm eine seiner Rippen." Darauf versetzte die Tochter de« Rabbi: „Latz mich ihm antworten", und sprach zum Kaiser: „Gib mir einen Schiedsrichter!" Der Kaiser fragte: „Wozu?" Sprach sier „Es sind des Nachts Räuber über uns gekommen, haben einen mbernen Kranz geraubt und einen goldenen zurückgelassen." Darauf sprach der Kaiser: „Gäbe Gott, daß täglich solche Räuber über uns kämen!" „Und war es nicht schön für den ersten Menschen, daß ihm eine Rippe genommen und ein Weib dafür gegeben wurde?" * Die Art der Töchter Israels ist es; weder geräuschvoll zu sein, noch hochmütig, noch frech im Lachen. * „Dein Weib ist wie ein fruchtender Weinstock an der Wand deines Hauses." Rabbi Pinchos, der Hohepriester, sagte: „Wenn sie keusch im Hause weilt, wie ein sühnender Altar sühnt und läutert sie chr Hans." Wo der Mann mit dem Munde verlangt, verlangt das Weib mit dem Herzen. Rabbi Aktba lehrte: Mann und Frau, wenn sie würdig sind, weilt die Schcchma zwischen ihnen: wenn nicht, verzehrt sie Feuer. * Rabbi Eleasar sagt: Wer kein Weih hat, ist kein Mensch im vollen Sinne. Denn es heißt: Mann und Weib hat er sie erschaffen und nannte ihren Namen Mensch. (Adam.) * Wer sein Weib liebt wie sich selbst und ehrt mehr als sich selbst, von dem sagt die Schrift: Und du weißt, datz Friede in deinem Zelte ist. * - Es gibt keinen Wächter für die Keuschheit. ' * Rabbi Jddi sagte: Die Frau trägt ihre Waffen auf sich. selber. Lsfeve Anfrage an die Veranstalter des gSdisllir« Wetthilksammeltager. Immer wieder erscheinen Ankitndlgnngen eilnes Jüdischen Welthilfssammeltages in den Zeitungen., bald wich eine Pressekomiteesitzung, bald der Eintritt eines Regierungsvertreters in das Komitee gemeldet. Es liegt uns ferne, irgend eine jüdische Sache zu hemmen oder zu bekämpfen. Da aber diese Aktion von einem durchaus anonymen Komitee geleitet zu sein scheint und die zentralen jüdischen Behörden in keiner Weise unterrichtet sind, schen wir uns im Interesse der jüdischen Sache verpflichtet, an die Leiter des Welthilfssammeltages, dpe sich „Hilfskomitee für notleidends jüdische Wchlfahrtinstitutivnen" nennen, einige präzise Anfragen zu richten. Wir erwarten, daß die betreffenden Persönlichkeiten schon mit Rücksicht auf die interessierte Mische yefftnkl-ichftit eiine klare Ant, wort geben werden und erklären uns schon jetzt bereit, hi-eft Ant? wort, hie doch nur der Aktion nützen kann, zu veröffentlichen. 1. Frage: Nachdem das BlindeninsMuf, das Elisabeth-Heim, das.Waisenhaus in Baden, der Ausspeisevepeii: Ginheilt und andere bödeutendö Mische WMchrtsmstitnts erklärt hfllhen, daß sie mit dieser Sammlung nichts gemein haben, möchten wir um Aufschluß bitten, für welche Wchlfalhrtsinstitute gesammelt wird. 2. Fragtz: Die Wiener KultusgemeiM, die Zentralstelle für jüdische soziale Füpsprge. in Wien und hfte Leitung her Agudas Jisxoel i» Wien haben erklärt, daß sie nicht hinter dieser Sammlung stehen. Welche jüdische Körperschaft ist also der Veranstalter oder sind als solche ein oder mehrere Privatpersonen zu betrachten? 3. Frage: Bon den gleichen anonymen Veranstaltern wurde anfangs Jänner dieses Jahres mit großer Röksame ein Sammelrag Niederösterve-ich^Burgönland durchgesührt, der auch Sammlungen in Wiener Kaffeehäusern und Bergnügungslokalen mit einschloß. Es wich nun höflichst gefragt, welche Wohlfahrtsinstitution vgn dem GgOnis fluch nur einen geringen Betrag erhalten hat und wo und vor wem die Rechnungslegung erfolgte. ZeyjMM für sozial, Fürsorge in Wien. Austritte aus dem Judentum. M a u t li u Charfoite. geb. 8. März 1898, Wien, t. Bez., Pfeffergafft 8. Lagstein Salomon, geb, Ist. Jnnt 1899, ejalfStechki, leb» 19. Bez, Hofeile 16. König Jaugz geb 13. Fehmgr IM, N,udorf b. Jglau, verh., 2. Kez„ Qb?rg Donaustrflße 48, B o g , i Jolesin, geb Stitiua. gtb, 10. yft tobß> 18 V, WitN. Mb, 5. Bez. Johannagasse 12. H , \ v m a y u Friederike, ged. U Mat 19Q0, Zizkow. l«d, 9. Be,,. Servitengasse 8. A h e x d g ch Dayid. g,h 1, Dezsmhex 1804, Ät n, (J. Bez., Hippgasie 35. 81 b l e * Richard, aeb 02. Fehruqx 1093 Wien. y?xh.. 4 Bez,, Goidegagssß 17. B g r n ch Fannt. ged. 2t. Mar 1897, Wien lev., 6. Bez., Hanfalgasse 6. P y 11 e w b m fl tzeonon Äertrude. geh ist, Jänner 1918. Wien, st, Bez., Salesignerggsft 88, K o h n Elsa, aeb. 36. Juli 1YO7, Wien. Fh.. 7. Bez . UtgMstraße 6: H ä h l Melanie, geh, 12. Fehruar 1899, Ebreichsdorf. leb.. 9. Bez., Dampfschiff rqße 10 W j t t Angelst Leq mb Poppers,h. September 188h Wien. v,xh.. 8. Bez.. Piflristenggsse 1. W i i t Mmin. gkb 23. Mrz v 8. Mtzlb ch. verd.. 8. Bez., Piaristengasse 1. Steiner Kargt ne, peb. n. November M8, Wnhruch, Bez., Psej che 28. F i ch t s ch e f f Aunt Franziska ged. Lavajowka. geh, ist, WM . 1899. Zellechow, Verb., 2. Bez, Untere Augartenstraßp 18. Me i- , e l Rohert, geh, Ä, Mai 1808, Wien. letz.. 3. Bez.. Tandel. marktamse 19. Hirschfeld Karl, geb. 10. März 1ß8ß, Wiest, »erb./10. Bez.. Trpstgäsfe 96. Spitzer Lillt geh. Beer, geb! 4. März 1881, Wien. g»r gesch.. 4. Bez.. stüduvlatz 4- Weih Tr. Paul, geb. 21. März 1888, Wien, ltzd-, 16. Per, Mgßex» gasft 19. K a l d a r Julius, aeh. ö. April 1872. M,ztz tzerach, »erb.. >9 Ba<. K "eringß.straße 118 Svitzer Jrenx, geh. 23. Zäuner 1v93, Wl«n, ted, 9. Bez., Gech-schlmmelgssse 10. Kr darf nicht iüvrsch werden! Zunächst eine Feststellung: In den gerichtlichen Scheidungsprotokollen, die jüdische Fälle betreffen, spielt der Ehebruch eine ausfallend geringfügige Rolle. Es ntögen allerdings in der großen Masse der einvcrständlichen jüdischen Scheidungen viele Familientragödien verschleiert lvcrden, dennoch hat man den Eindruck, daß die meisten dieser Scheidungen nicht einen bestimmten Vorfall zur Ursache haben, sondern daß die Eheit aus einem oder mehreren der vielen Gründe, die in dem Artikel „Zerrissene jüdische Familien" geschildert wurden, allallmählich zermürbten und zerbröckelten. Oft liegt die Ursache nur zu klar auf der Hand. Wie viele Bankbeamten haben in der Nachkriegszeit Kolleginnen geheiratet! Mn sind aber beide abgebaut und die Untermiete beträgt 100 bis 150 Schilling pro Monat. Besonders das Rabbinat der Kultusgemeinde weiß, wie oftmals es bei Scheidungen keinerlei Taxen erheben kann, weil Verarmung die Ursache der ehelichen Trennung ist. Die Scheidung selbst ist aber in Men Fällen eine Tragödie, wenn Kinder, insbesondere noch erziehungstedürftige Kinder, in Mitleidenschaft gezogen sind. Erst seit ungefähr drei Monaten prüft die Fürsorge des Jugendgerichtes (Jugendgerichtshilft) auch in den Fällen, wo die Eltern einverständlich Über die weiiere Unterbringung und Erziehung der Kinder entschieden haben, diesen Beschluß nach. In allen Fällen aber, wo über das weitere Schicksal der Kleinen zwischen den geschiedenen Eheleuten Streit herrscht, ist die Meinung des Fürsorgers für das Urteil des Richters bestimmend. Wie entsetzlich ist es für so ein kleines Kind, wenn es nur zu bestimmten Stunden bestimmter Tage seinen Vater oder seine Mutter sehen darf. Das Kind, das beide Ellern liebt, wohnt bei diesen Zusammenkünften nicht selten erregten Auftritten zwischen diesen bei. Fürchterlicher ater ist es noch, weiln die geschiedenen Eltern durch die Wohnungsnot an dieselbe Wohnutig gebunden sind. Erst vor kurzem hat ein Junge von 18 Jahreri, als er sah, daß sein Vater, der trotz der Scheidung bei der Familie wohnen blieb, seine Mltier würgte, diesen durch einen heftigen Schlag mit einem schweren Stock verletzt. Die Familie wohnte in einem einzigen Raum, und besonders bemerkenswert ist, daß der Mann, der als Häuseragent eine Kaffeehausexistenz führte, und sich elegant kleidete, auch in einem bedeutenderen Wohlfahrfsverein eine führende Rolle spielte, daheim aber auch schon während des Bestandes der Ehe fein Geld hergab, so daß die Frau für sich und ihre Kinder wiederholt die öffentliche Fürsorge in Anspruch nehmen muhte. * „Unjüd'sch", wird man sagen. Wir wissen, Trunksucht, Gewalttätigkeit und insbesondere Mord, sind unjüdisch, und dennoch kommen solche Fälle, ftlstverstäMich vereinzelt, auch bei Juden vor. Die krassen, an Verbrechen grenzenden Mißstände in Familien sind gleichfalls nnjüdisch, aber eine langjährig? Beobachtung von ~ Fürsorge? und Gerichtsfällen führt uns ein nur allzureiches Material an Beispieleti zu. Die ungesunde, kleine Wohnung treibt glücklicherweise nur selten den jüdischen Proletarier ins Gasthaus, das enge Beisammensein führt nicht zu sexuellen Vergehett. Ein einziger derartiger Fall, wo eine Witwe mit dr?' minderjährigen Kindern jn einem kleinen Raun: mit einem einzigen Bett beisammen wohnte, führte zu amtlichem Einschreiten, Die Angelegenheit fand äber ihren Abschluß nicht bei Gericht, sondern in „Steinhof". Inniges Familienleben herrschte in einem kleinen Raum, in welchem eine Mutter mit ihren fünf minderjährigen Kindern wchnte. Tie älteste Tochter aber lebte sechs Jahre mit einen: Geschäftsniann in ritueller W. Die junge Frau, die dem Manne drei Kinder gebar, obwohl sie heute erst dreiuudzwanzig Jahre zählt, wurde von dem Lebensgefährten so schwer siiißhandelt, daß sie einen ernsten Sclbstmochversuch beging. Als sie nach der Genesung aus dem Spital in ihr .Heim zurückkehren wollte, verweigerte ihr der Mann den Eintritt und wies sie und das fünfjährige Kitld, das sich ihr genähert hatte, aus Yen: Hatift. Nun leben in den: kleinen Wohnraum der alten Mutter acht Menschen. Viele jüdische Familien, insbesondere Flüchtlingsfamilien, leben zusammengepfercht in unzulänglichen Räumen, doch im allgemeinen kann dieser Mißstand dem jüdischen Familienleben wenig anWssn. Jchoch die Lage der Wohnung, in der das Kind während des Tages nicht weilen kann, weil die Mlltter rruswärss kocht oder iväscht, ist vi'elfach von Bedeutung fsir die Entwicklung des Kindes. Die Gefahr, sittlich zu verkommen. scheint ZiW Beipiel im 20, Bezirk lange nicht so groß zu sein wie in: Prater und dessen Umgebung. Die sexllellen Vergehen jüdischer Jugendlicher, die während der letzten drei Jahre znv Kenntnis des Jugendgerichtes gelangt sind und glücklicherweise noch an den Fingern der Hand nächzstZöhlen sind, entstammen mit einer einzigen Ausnahme dem Praterviertel.*) Eines der e;wähMen verbrecherischen Kinder stammt aus mm gut bürgerlichen Hanfe, wo von tatsächlichem Elend und hon Wohnungsnot nicht die Rede sein kann. Die Verinögensverhältnisse sind jedoch viel bescheidener geworden, als sie noch Vox zwei Jahren waren, und der Junge, der schon damals über die Vechältnisft seiner Familie erzogen war, wollte sich keine Genüsse versagen, und scheute keinerlei Mittel, sich Geld zu hßschäfftn, Die plötzlich« Verarumng, die so viele Familieu betroffen hat, führte besonders für die über ihren Stand erzogenen blinder viel Uebel herbei. Wir wclftn nicht die eiuzeltten krassen Fälle heraushebel:, aber wer die oftmals nervöse Jugend kennt, Wild verstehen, daß unterdrückte Wünsche und feh-geschlagenes Hoffen wahre Verwüstung im Seelenleben solcher Jugendlicher zu verursachen vermag. *} Hier könnte die soziale Hisse einsetzen, leider mußte aber Verein Jüdische Kinderfreunde Geldtttangels lvegen die Tageshsimstätte für schulpflichtige Kinder im Prater auslöftn. 'l5. FeyE KÄ _jfl* j Tie vielgestaltige Zerrissenheit der Familie -ringt es «ß sich, daß die eirizelnen Familienmitglieder oftmals den Schwev prinkt ihres Denkens und Fühlens außerhalb deS HauseS de» legen. Amt, Verein, Geselligkeit, Sport und freiwilliges Stü dium lassen oft nichts wie nervöse Gerchtheit für die Famitt iibrig. Diese Uebelstände dürfen nicht zur ständigen Gvscheinunj lverden! Einzelne Ausnahmsfälle werden sich wohl immer zw tragen, aber unser aller Streben muß es sein, d i e j ü d i sch, Familie uns und unseren Mitbrüdern ihres Namens wüd dig zu erhalten. Siegfried Abelen La« Los der Flüchtlinge. Ein Hitiltl FriUol Rani-nS. In der Berliner „Deutschen Allgemeinen Zeitung" veröffentlicht Frithjof Nansen unter.der Ueberschrrft: „Wer nimmt sie auf?" einen Artikel über das Los der Flüchtlinge und über die Aufgaben der in diesem Monat in Genf stattfindenden Konferenz über F.'üchtlingsfragen. Der Verfasser leitet seinen Aufsatz mit den folgenden Worten ein: „Ist das Empfinden der Menschen mit der Zeit abgestumpft? Und haben sie in den verflossenen Jahren vielleicht zuviel des Elends und des Jammers gesehen und gchört? Ja, etwas^ Aehi,- liches ist sicher geschehen, denn in früheren Zeiten gehörte nicht ft viel dazu, die Hilfsbereitschaft der Menschen wachzurufen; ein verheerender Brand in irgend einer Stadt, ein paar kräftige Ewstöße, eine Schar obdachlos gewordener Menschen — und alle waren dabei, um gern zu helfen... Nun aber, in der jetzigen Zeit, ertönen die Hilferufe von Tausenden und Abertausenden von Flüchtlingen,' von schuldlos leidenden und sterbenden Menschen aus den verschiedensten Ländern, und — die ehemals so Hilfsbereiten hören sie wohl, aber sie tun, als hätten sie sie nicht gchört, denn das-ist sicher:--.? es ist sehr viel bequemer so." Aus den zahlreichen Beispielen aus seiner Erfahrung führt': .Frithjof Nansen in erster Reihe das folgende an: „In Polen, wo sich seinerzeit eine große Anzahl Flucht.ingrangesunmelt hatte, erschien eines schönen Tages die Verfügung, daß alle diejenigen, die ohne Genchmigung die Grenze von Rußland her überschritten hätten, und nicht Nachweisen könnten, daß sie politische Flüchtlinge seien, das polnische Staatsgebiet bis zu dem und dem Tage zu verlassen hätten. Fast alle diese Flüchtlinge w^ren r u s s i s ch e I n d e n, und sie zählten nach Tausenden. Zurück nach Rußland konnten sie nicht, ohne Gefahr zu laufen, mögli-; cherweift erschossen zu wenden, über die Grenzen irgend eines;; anderen Landes konnten sie aber auch nicht. So wurden sie also, über die Grenze n a ch D a n z i g getrieben. Es ist einleuchtend, daß man sie in einem so kleinen Gemeinschaftswösen nicht bchalten. konnte; sie flogen also wie ein Tennisball eine ganze Weile zwischen, den verschiedenen Grenzen hin und her, bis schließlich durch Ver-. mjttlung des Völkerbundes die jüdische Z e n t r a l o r g a n.:-,, sation in Paris sich bereit erklärte, so lange für den Untechalt der Leute aufzukommen, bis irgend eine Lösung gefunden worden sei. Sv wurden mehrere Tausend« dieser jüdischen Flüchtlinge längere.. Zeit in einem SaMmellager bei Danzig verpflegt, bis sich, endlich die Möglichkeit ergab, sie nach Amerika weiterznschafsen." Nausen schätzt die Zahl der r u s s: s ch e n F l ü ch t l i n g e, die ' Über Europa verstreut sind, auf e i n e M i l l i o n. Mehrere -■ Hunderttausend? sind ständig arbeitslos, und es läßt sich mcht leua- . neu, daß sie für die Länder, in denen sie sich gerade aushalten, - eine Quelle der Beunruhigung und des Mißvergnügens bedeuten. ' Nun ist der Plan entstanden, möglichst viele von ihnen nach Südamerika zu schassen, wo noch Räum für viele Millionen ist. Nansen schließt: „Um diesen Plan und verschiedene andere mit ihm in engem Zusammenhänge stehende Fragen zu erörtern, sind... qnf Veranlassung des Völkerbundes die Vertreter aller, an diesen Problemen interessierten Regierungen für den Monat Februar nach Genf geladen worden, und es wäre nur vom Herzen ZU wünschen,- daß auf dieser Tagung endlich Beschlüsse von praktischem. Wert gefaßt werden möchten, die dazu angetan sind, das bittere Los unzähliger unschuldiger Menschen zu erleichtern." * Dje Bibel als Zeitungsroman. Wenn es dem europäischen Leser schon seltsam erschien, daß die amerikanischen Zeitungen :m vergangenen Jahr in ihren Leitartikeln dem amerikanischen Volke den Unterschied zwischen „Fundamentalisten" und „Modernisten" in der Bibelauslegung klarmachten und anläßlich des Affenprozesses der gleichen Streitfrage noch. größeren 9iaum widmeten, so liest er jetzt mit Staunen btc Nachricht, daß zahlreiche Zeitungen von nun an täglich - biblsiche Geschichte in Fortsetzungen bringen werden. lPie - „Bible Service" will an mehr als tausend Tageszeitungen die gesamte biblische Geschichte kostenlos znm Dnm liefern. Nach den Schätzungen des Bureaus werden . bei täglicher Fortsetzung zweieinhalb Jahre nötig sein, um die 'ganze' bibliiche Geschichte zu bringen. * „Mjiidifche Weisheit". Herr Joachim Neige r (Tarnow) schreibt uns: Jn Nr. 2499 der „Wiener Morgenzeitung" vom 3. >d. wird unter der Rubrik „Altjüdische Weisheit" u. a. die „Lebsuslehre" Schammais in deutscher Uc!bersetzung: „Empfange jeden Meitsckien mit freundlichem Antlitz" angeführt. Die Ueber» fttzuug und damit auch der innere Silin: dieser Schammairischen Sentenz ist, zufolge einer unrichtigen grammatikalischen Deutung der übrigeils auch die meisten Kommentatoren zum Opfer gesallen sind — entschieden saisch. Die Stelle in Abot 1 hejlßt im hebräischen Original: „Wehewei m kabei eth kol ha — adam b jeiver Panim japhot". — Kol adam ohne den Artikel „ha" könnte mit „jeden Menschen" übersetzt werven. Kol ha-a-dam aber mi: dem Artikel kann nur mu „den ganzen Menschen" verdeutsch: werden. Der wahre Sinn der Se'i.euz wäre also der, daß man niemals .men Aieuschen wegen irgend welcher Fehler, mit denen dieser oehaftet ist, von sich wesien darf. Vielmehr ftsl man in solchen Fällen den ganzen Menschen — also auch seine guten Seiten — m B trachl;'.«'yen und da wird man in den meisten Fällen zq einem wohirrolle.lden Urteil kemmen und deshalb den Menichen mi* reu üblichem A'.stlst/' empfangen. Die Lehre, daß nmn verpflichset sei, jaden Menschen freundlich zu empfangen, ptißt überhaupt nutzt x:ch: au: zu den Charaktereigenschaften des — im Gegensatz z: jciiKni sausten PqulM Hillel — aufrichtigen, der- Pen. impn'nven Legrer Lchammai, ypn dem es bekannt ist, daß er einen zu anspruchs'wilen Proseluten miit dem Baumaßstab empoH vag sich stieg, wäq-en) ihn per gustnüsige Hillel in die...jDE Gemrmschaf: an,nahm. Ich hofft, daß die obigen Zeilen -für viele Le'er ZhreK gsichäpien Blattes, an ditz jüdische Ethik studieren, vru Interesse sein werden.