Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1926-02-15 · Heft 2508 (15.2.1926) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2508 (15.2.1926)
Date
1926-02-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2979076-2981549-2981595--25568-3013224
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

I Polen; LS gros2y| Wien. £um Abholen in der Expedition, Hn Taborstr, 1-3, oder in einer Verschieissteile Trafik) monatl. b Schilling Strassenverkaul in Wien durch die Kolporteure der Firma Ool dschtnfed, I., Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling i schecho-Slowaket; Mon. K 22. Jugoslawien: Mon.Din.60. Polen:Mon. 5Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, d el gi e n: Mon. Frcs. 18 'Atihiahttitigen bet frei*« erhShaa<*t(i Vorbehalten Wiener orgemeiluiig rarere *mn England: Mon, 4 Schilling. Italien: Monatl. 18 Lire: Rumänien: Mon. 170Lei. Bul gari en: Mon.IOOLewi. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Fr«. 5 Redaktion, Administration:! Wien, II. Taborstr« 1 Telephone: 44-0-38,43*d>19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (D. uckerei lg. Steinmann) Oesterrelchisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 Wien. Montag. IS. Februar 1928 8. Jahrgang Sie Konferenz der Deinen Mente. Seutschland Paris, 14. Februar. (Havas.) In Besprechung «der Konferenz d'r Außenminister der kleinen Entente stellt der „T e m p s" fest, -aß die gegenwärtige internationale Lage Grund genug für diese Begegnung hat, da die kleine Entente eine Friedensmacht darstelle, die niemand verkennen könne. Es sei natürlich, daß sie sich mit der neuen Situation beschäftigt habe, die der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund und die Gewährung eines ständigen Sitzes im Völkcrbundtat an Deutschland schaffen werde. Es könne der kleinen Entente nicht gleichgültig fein, daß Pole n. mit dem sie vielfache Be* rührungspunkte habe, seine Stimme nicht unter den gleichen Bedingungen wie Deutschland geltend machen könne, so oft es sich um ein Problem handeln wird, bei dem. wesentliche Bestimmungen des Friedensvertrages in Frage kommen. Der „Temps" betont weiter, daß die Aktion der kleinen Entente neben den Verträgen vonLocarnoin ihrer ganzen Macht bestehen müsse, wenn man an der allgemeinen Konsolidierung nützlich arbeiten wolle. Das Blatt glaubt, daß sich die drei Minister auch mit der ungarischen Frankenfälsch ungsaffäre beschäftigen müßten, da die Umtriebe der Rassenschützler ernste Besorgnisse in Belgrad, Prag und Bukarest verursachen müssen. Man begreife es, daß diese drei Nationen aufmerksam die E r e i g n i s s e i n Budap e ft verfolgen, ohne daß man ihnen deshalb Absichten zuschreiben könnte, die nicht mit ihrem stets betonten Willen, der Sache des Friedens aufrichtig zu dienen, übereinstimmen würden. Bor dem Sinttitt Deutschlands in de« Völkerbund. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung.") Berlin, 14. Februar. Seit der Heidelberger Universitätsdozent Dr. Gumbel die Machenschaften der deutschhvölkischen Fememörder und Putschisten aufgedeckt hat, will das Kesseltreiben, das in ganz Deutschland gegen Gumbel entfesselst wurde, kein Ende nchmen. Nun hat die philosophische Fakultät der Universität Heidelberg Seim badischen Kultusministerium die Er- ^öfsnung einer Untersuchung gegen den zurzeit an das Moskauer Marx-Engels-Jnstitut beurlaubten Privatdozentm Dr. E. I. Gumbel beantragt, mit dem Ziel, ihm die Lehrberechtigung zu entziehen, Iveil er sich durch sein Verhalten der Achtung und des Vertrauens, das seine Stellung erfordere, unwürdig erwiesen habe. Der Antrag der Fakultät tvitd mit einem privaten Brief Gumbels begründet, in tvelchem der Gelehrte seiner Meinung Ausdruck gegeben hat, der Friede von Versailles sei allerdings ungerecht, aber nicht mehr, als es der Friede von Frankfurt im Jahre 1871 gewesen -wäre. Ursprünglich hatte man Gumbel beschuldigt, er habe erst vor kurzem diesen Passus in einem Brief an einen süddeutschen Historiker gebraucht. Gumbel hatte daraufhin erklärt, dies sei eine U «Wahrheit. Nun legte man Gumbel einenBrief vor, der an eine Dame adressiert )var. Obwohl Gumibel schon am 21. Juli die ganze Angelegenheit aufgeklärt hatte, benützt mm die philosophische Fakusiät der Universität Heidelberg die Abwesenheit des Gelehrten, um beim badischen Kultusministerium durchzusetzen, daß Gumbel die Lehrberechtigung entzogen iverde. Die tzrwachenden. Rom, 14. Februar. Die Blätter berichten ausführlich über die Ve r h a f t u n g v o n zwei Ungarn in Temesvar, die sich durch "Zeichengeben während der Fahrt dorthin verdächtig gemacht hatten und nach längerem Leugnen geständen, daß sie beauftragt waren, den Zug, mit dem Dr. P e n e s ch und N i n e i e dort e i n t r e f s e n s o l l t e n u n d womöglich auch den Zug mit dem rumänischenAußenministerDucaindie Luft zu sprengen. Ihre Zeichen hätten den längs der Strecke verteilten Mittätern bekanntgeben sollen, daß sie angekommen seien. Die beiden Verhafteten heißen Julius Aradsky und Gabriel S z a b o. Sie sind Mitglieder des Vereines der E rwachenden Ungar n, verweigern aber jede Auskunft darüber, ob sie von diesem Verein einen Auftrag erhalten haben. «nd Ungarn. Teleki and Sömbös werden vorgekaden. Budapest, 14. Februar. Wie die Blätter melden, wird in politischen Kreisen angenommen, daß der Parlaments r i f ch e Untersuchungsausschuß für seine meritorischen Arbeiten nur noch eine einzige Sitzung benötigen; werde, in der neben dom Ministerpräsidenten noch die Abgeordneten Baron Paul Telekh und Julius Gömbö 8 über gewisse Fragen angehört -werden sollen. In derselben Sitzung dürfte auch der f r ü h e r e Chauffeur Windischgrätz' einvernommen werden. Sodann.würde nur mehr die Abfassung des Ausschußberichtes an die Nationalversammlung übrtg bleiben. Wie der „Poster Lloyd" erfahrt, dürfte als offene Frage betrachtet werden, ob die für die Arbeiten des Ausschusses be-. schlosse ne Geheimhaltungspflicht sich auch auf die Diskussion über die dem amtlichen Bericht einzuverloibenden Daten und deren Wertung vom Standpunkt der politischen Notwendigkeiten beziehen werde. Nach demselben Blatte könnte der Sitzung des Ausschusses wenigstens für die Mitglieder der Nationalversammlung ohne besondere): Schaden die Öffentlichkeit zuerkannt werden. Austritt des Lord Reading ans der liberalen Pmtei. London,' 16. Februar. Wie ,-Sundah Times" melden, wird,der bisherige Bizekönig von Indien, Lord Reading (Rufus Jsaacs), der. nach Ablauf seiner Amtszeit nach Eng-- lanb zurückkchri, aus der liberalen Partei austreten. : *- rardlensewiihlt. - Paris, 15. Februar. Bei der gestrigen Ersatzwahl in B e l f o r t wurde T a r d i e u mit 9838 Stimmen gewählt. Die nationalistische Presse feiert diesen Sieg des nationalen Blocks, der um so bedeutungsvoller sei, >da Belfort bisher stets zum Besitzstand des Kartells gehört hat. gouvenel in Angora. Paris, 14. Februar. (Wolfs.) Ueber die Gründe der Reise de I o u v e n e l s nach Angora schreibt ,/Petit Journal": Die türkischen Nationalisten fordern die Bezirke von A nt: o chia, Al e xa ndr et te und Al e p po als eine Art Elsaß-Lothringen und die Regierung von Angora verteilt offen an die Bewohner von Antiochia Gelder, damit ihre Kinder die Schule von Konstantinopel besuchen. In Aleppo ist es in jüngster Zeit zu Zusammenstößen gekommen und türkische Truppen operierten bei K o s s e i r in der Nähe dieser Stadt. Frankreich muß sich deshalb mit der türkischue Regierung frei aussprechen. Offiziell lebt man mit der Türkei in Frieden und die französisch-türkischen Beziehungen sind durch das Abkommen von Angora geregelt. Es ist aber sicher, daß dieses Abkommen viele zwischen den 'beiden Ländern 'schwebende peinliche Fragen u n gel ö st läßt. Die t ü r k i s ch - s y r i s ch e Grenze konnte nicht einmal endgültig festgesetzt werden, und eine Tätigkeit der Grenzbestimmungskommissionen wurde bisher immer i nfolge des schlechten Willens der Türkei unmöglich gemacht. Diese Schwierigkeiten sucht nun de- Jouvenel zu beseitigen. AepnblU Libanon. . Jerusalem, 14. Februar. (I. T. A.) Die Kommission für Vorbereitung einer Verfassung der Provinz Libanon hat ihre Arbeiten beendet. Laut dem Verfassungsentwurf wird Libanon, das s r a n z ö s i s ch e s M a n d a t sland ist, eine Republik sein. Es werden zwei gesetzgebende Körperschaften bestehen: eine Kammer und ein S en a t. Die Kammer wird sich aus 45 Deputierten zusammensetzen, die von den religiösen Gemeinschaften gewählt werden sollen. Ans je 15.000 Wähler kommt ein Deputierter. Das zu bildende Ministerium wird der Kammer verantwortlich sein. Dar Schloß Ultonvarf niedergebrannt. Fünf Personen tot. London, 15. Februar. Das historische Schloß von U l t o n p a r k bei Chester ist durch Feuersbrunst zerstört worden. F ü n f D i e n e r, die die wertvolle Kunststätte zu retten versuchten,, wurden durch eine einstürzende Decke g etötet. Mehrere andere verletzt . Sitte große Kundgebung der jüdischeu Bollspartei in Berlin. Aus Berlin meldet die I. T. A.: Die Jüdische Volkspartei veranstaltete am Donnerstag den 11. d. in Berlin ein« Vollversammlung über das Thema: „Unsere jüdische Gemeinde, die ihr drohenden Gefahren und ihr Aufbau." Weit mehrmals tausend Hörer füllten den Riesensaal und die Galerien. Herr Dr. Alfred Klee führte als erster Redner aus, es sei siir die Mandanten der Partei Zeit, Rechenschaft ab zugeben. Wir nennen uns Volkspartei, weil wir die Existenz des jüdischen Volkes bejahenund keinen Unterschiedzwischen Westjuden und Oftjuden kennen. Ein Judentum in der Welt, ein Judentum in unserer G-e- - m e i n d e! Der Redner wandte - sich scharf gegen den Prediger der Berliner Reformgemeinde, Dr. Rosenthal, der > bekanNklich in einer Versammlung zu Duisburg gesagt hat, die Ostjuden bringen ein Element der Unsauberkeit in das deutsche > Judentum hinein. (Pfuil-Rufe.) Es ist eine traurige Tatsache, ' setzte der Redner fort, daß Herr Dr. Rosenthal Exponent von Anschauungen ist, die sich immer mehr breitmachen. Wir kennen unter dem Ostjudentum edelste Figuren. Eine Reihe erlesener Gelehrter und Rabbiner ist ostjüdischen Ursprungs. Nicht Unsauberkett, sondern sittliche Grüße bringen diese Juden in unsere Gemeinschaft. Wir wollen eine lebendige jüdische Erziehung und Pflege der hebräischen. Sprache. Unsere Kinder sollen Jesaja ebenso wie BiaM verstehen. Unsere Wohlfahrtspflege muß von i dem Geist der Solidarität a.ler Juden getragen/sein; wir wollen uns.darin ein Beispiel an der Jüdischen WelchiMonferenz nchmen. Der Redner appel- - lievte an die Zuhörerschaft, in diesen Betreibungen hinter der Vollspartet zu stehend , Dr.- Klee erörterte ferner. die Frage, ivelche', Aus- ,, Für Deutschland ist im Mat des. Völkerbundes ein S.tz reserviert. Ter deutsche Ratsvertreter wird auch' m den Fragen der jüdischen Minderheitsrechte in Osteuropa sowie in der Frage des jüdischenNat.on a l h e i m s i n P a l ä st i n a mtzuenffcheiden haben. Das Palästinamandat steht ja unter der Kontrolle des Völkerbundes. Ebenso hat der Völkerbund die Erfüllung jenes Punktes im Mandatsvertrage zu überwachen, der die Errichtung eines jüdischen Heimes in Palästina Vorsicht. Das deutsche RalsmiitgMed, welches über diese die gesamte Judenheit stark interessierenden Fragen mitzuentscheliden haben wird, wird darüber aufgeklärt fein müssen, wie sich die jüdsche OeffenMchkeilt in Deutschland zu diesen Fragen stellt. Die Gleichgültigkeit gegenüber jüdischen Interessen im Völkerbund, die bisher unter den deutschen Juden geherrscht hat, wird nun nicht mchr am Platze sein. Man wird p o s i t i v zu diesen Fragen Stellung Herr Abraham Lo eü beschäftigte sich mit der ungeheuren Notlage unter den deutschen Juden, die das Leben der Gemeinde bedrohe. Die zahlreichen S e -. b st morde von Juden gv'ben aber auch in anderer Hinsicht zu denken. Sie beweisen, daß eine fortgeschrittene Liberalisierung die Judenheit innerlich entjudet hat. Wir wollen den guten Wischen Geist wecken. Prof. Dr. Heinrich L o e w e führte ans, nach einer Statistik haben sich zwischen 1819 und 1890 etwa 100.000 Juden taufen lassen. Das ist die Frucht des d o g m a t i f ch e u L iberalismus und der Feindschaft zur jüdischen Schule. Es gibt in Berlin Gememdeschulen, wo 90 bis 95 Prozent der Kinder jüdische sind. Die Bchörden -wollten diese Schulen in jüdische umiwandeln, in der Gemeinde aber wurde die Angelegenheit Hintertrieben. Die Staats- und GemeindesckMen in Deutschland sind ch r i st l i ch - r e l i g i ö s. Nun aber fehlt es an jüdischen Lehrern. Es werden noch Generationett dchingchen müssen, bis die deutsche Judenheit wieder jüdisch wird. . Herr W. L a tz k h - B e r t h o l d i: Deutschland war einst die Wiege der jüdischen Kultur und des Hebräismus, heute verdorrt die deutsche Judenheit, weil sie sich vom übrigen Judentum abschließt. Wir Ostjuden bringen historische Treue und Erneuerung. Herr Dr. K o l e n s ch e r sprach über die Politik int Landesverband und in der jüdischen Gemeinde. Die dogmatische Einstellung hernmt überall den Fortschritt. Man müßte erlahinen, tuen» man nicht so große Massen von Juden hinter sich wüßte. Nach einem Schlußwort Dr. Alfred Klees endete die Lkundgebring. Sämtliche Redner ernteten stürmischen Beifall.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.