Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2506 (13.2.1926)
- Date
- 1926-02-13
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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'Leite 8_Die-,,. SamZlaH Ausschussmitglied R u d i n g e r betome. daß dein Gläubiger, ausschusse das gesetzliche Recht cinzuräumen ist, die Liquidation eines zur W e i t e r f ü h r u n g n i ch. geeigneten insolventen Betriebes zu verlangen, ein Borgang, der jedock) unbedingt einzuhaltcn wäre, wenn entweder die Quote nicht mindestens 50 Prozent betrage oder ivenn die Ratenzahlungen nicht terminmäßig erfolgen. Kammerrat B e ck wies auf den Mangel der strafrechtlichen Verfolgung in jenen Jnsolvenzföllen, in welchen ein offensichtlicher Betrugstatbestand gegeben sei, oin. Unter gewissen Voraussetzungen müsse im Gegensatz zur jetzigen Praxis, welche sich in der Regel was die privaten Anklagen verläßt, unbodingt die obligatorische Strafuntersuchung eingeführt werden. Ausschußmitglied Lehn er verlangte, daß ein neuerliches Ausgleichsverfahren nur dann eröffnet werden dürfte, wenn mindestens zwei Jahre von der Zahlung der letzten Ausgleichsquote eines etwa bereits vorher durchgefiihrten Ausgleiches verflossen seien. Tie derzeit geltenden Bestimmungen, wonach ein Ausgleich nur eröffnet werden dürfte, tvcnn ein Jahr nach der gerichtlichen Bestätigung des Ausgleiches abgelaufen sei, sei vollständig unzulänglich, weil der Schuldner hiedurch in der Lage sei, ständig von den den Gläubigern vorenchallenen Betröget, seinen Betrieb uns sich selbst zu erhalten. Rach eittgehe,l.den und überaus sachlichen Ausführungen d.'r Herren F r i e d m a n n, P o l l a k, W a l d m a n n, wurde beschlossen, eine entschiedene Verschärfung des Ausgleichsverfahrens;u verlangen. Neuregelung der Zahlungskonditionen der Textilindustrie. Gestern vormittags fand un:er dem Vorsitze des Abgeordneten He in l in Anwesenheit des Ministers Tr. Schür ff und der Sektionschess Tr. Schüller, Tr. Mörth und Wciiczierl cilw Besprechung oer Vertreter des Hauptver'bandes der Kaufmannschaft und der T c x r i l i n ö u st r i e zu dem Zwecke starr, um die Z a h l u n g s k o n o i t i o n e n einer Regelung zu unterziehen. Bei dieser Gelegenheit wurde darauf hingewiesen, daß wohl vor Festsetzung von Zahlungskonditiouen zwischen Großhandel und Industrie die Regelung verschiedener anderer Fragen des Zahlungsvertehrss uno des kaufmännischen Kredites einer Beratung unterzogen werden müsse. Es wurde daher der Beschluß gefaßt, ein sechsgliedriges Komi!« emzusetzen, das aus je drei Mitgliedern des Großhandels und oer Industrie zusammenzusetzen ist. Seitens der Industrie wu'.ven in dieses Komitee Generalsekretär Lederer, Dir. Tr. Tvlari und Tir. Lechner emsende:, soweit der Großhandel in Frage kommt, ivuroe die Delegierung dem Hauptverbande cer Kaufm-anschast überlassen. Dieses Komitee wird vor allem die Verhältnisse in der Textilindustrie einer Beratung unterziehen. Gleichzeitig wurde an den Hauptvcrband der Industrie als auch an ien Hauptverband der Kaufmannschaft das Ersuchen gerichtet, über die mit diesem Gegenstand zusammenhängenden Fragen in der nächsten Zeit eine gemeinsame Beratung durchzumhren. Die Fortschritte der Elektrifiziemngsarbeiten der österreichischen Bundesvahnen. In einem Berichte der Eleklrif zierungsdn et rion wird der Fortschritt der Elektriffzierungsa.beiten dr Bundesbahnen detaillier: geschildert. Der B-.-u der Kraftwerke mußte in den Wintermonmen erheblich einaaschränkt werden. Die Arbeiterzcchl wurde bei den einzelnen W'rken ve7ringer:. Bon dem Bau der Leilungslinie ist die Lmic bei Feldkirch atz die A. E. G. Union und die Oesterreich ische Bergmann C. G vergeben worden. Die übrigen Vorarlberger Leitungen wurden an die Siemens-Schuck rt- Werke und die Bergmann A. G. vergeben Für elektrisch- Neuanlaqen wurden m». letzten Quartal sechs Millionen Schilling, für Triebfahrzeuge iß Millionen Schilling, zusammen 10,7 M.llionen Schilling aufgewendet. Copyright 1926 by J. Ladyschnlkow Verlag, Berlin. Clu Glaubensmartyrium. 84 Roman von Schalom Asch. ,Mer hat ein Stückchen Brot? Das Lebenslicht geht mir aus", bettelte eine alte Jüdin in Totenkleidern. „Si: hat Totenkieider an und denkt noch ans Essen", sagte jemand. „Was ist da zu machen? Solange noch Leien im Körper '{1, will man essen", versetzte die Alte. * Unter den auf dem Friedhof Versammelten befand sich auch Mendel mit seiner Familie. Als das Unglück hereinbrach wollte er mit seiner Familie, gleich anderen Juden, über den Fluß setzen und nach Tulrschin fliehen. Aber als sie das Durcheinander am Flusse sahen, glaubten sie, ihr Leben sei ja sowieso verloren, und sie liefen nach dem Friedhof, um unter Juden zu sterben. Ten ganzen Tag über saß die Familie beisammen und bereitete sich zum Tode vor. Einer verabschiedete sich von dem andern. Alle sagten zusammen die Tpdesbeichte her; Schloimele aber, der ja ein Gelehrter war, tröstete und stärkte alle. Er verhieß ihnen, sie würden gleich ins Paradies kommen, denn die, die für Gottes lieben Namen sterben, kommen ins Paradies; er schilderte ihnen das Paradies mit allen seinen Stufen und Eigenschaften, der siebenfachen Sonne, der Umgebung des Allerhöchsten und der ewigen Ruhe; er malte ihnen aus, wie die Gerechten mit Kronen auf dem Kopse dasitzen, während die Engel aus goldenen Harfen spielen und der Herr der Welt mit ihnen Thora lernt. Schloimele kannte sich im Jenseits besser aus als im Diesseits. All .das hatte er in den heiligen Erbauungsbüchern sowie in den mystischen Schriften gelesen, die das Jenseits beschrieben, in dem alle Ahnen unb die heiligen Juden aller Generationen sich befinden. Was war denn auch die diesseitige Welt mit ihreu Schrecken und der .Herrschaft der Bösen wert gegen das große ewige Ziel der ewigen jenseitigen Welt? Mit dieser Schilderung hob Schloimele den Geist seiner Eltern und seines jungen Weibes und machte sie zu der großen Prüfung bereit« die ihnen bevorstand. Sie waren gefaßt und Wsener M"vzenres§„nift 13. Februar 1920 Nr. 2506 Dorotheum - Bankabteilung i Wien, I. Dorotheergasse 17 Bessere Haltung des Zloty. Die schon am Vortage ausgetretene Besserung des polnischen Zloty sau.) auch gestern ihre Forsetzung. Dem Dollar gegenüber notierte d.r Zloty 7.3». In Berlin und Wien blieb die Devise Warschau unverändert, während sie in Prag ihren lehren Kursverlust wied.r wettruachen kannte. — Etwas flauer lag der französische Fra n ken, doch war der Kursrückgang unbedeutend. Die Kursäuderungen der übrigen Devisen war unbedeutend. Erniedrigung des Zinsfußes für Zollstundungen. Der gegenwärtig mit 10 Protzmt festgesetzt Zinsfuß für Siund'iug.'n von Zöllen und den neben diesen in gleicher Werse zur Eiiilrebung gelangenden Abteil wird durch eine eben erschienene Veroudüuug des Bundesmnristeriums für Finanzen auf itcitit Prozent h rabgesetzt. Dieser Zinsfuß findet auch Amvenduirg bei der Abrechnung der Zölle. Warenuuyatzsteuer und sonstigen Abgaben unb ist für die aus den offenen Lagern aus Vormerkrechuung in den freien Verkehr getretenen Waren anzuivenden. Es ernied'igcn sich hicmit die am den halben Abrechnungsmonat entfall.'nden gegenwärtia mit ö/t» Prozent festge'ctzten Zinsen aus a/8 Prozent Die Verordnung ist rückwirkend, das heißt sic gilt vom 1. Feb'Uar 1926, so daß t>ic_ vom 1. Februar angeiangen gestundeten Beträge der Verzinsung von 9 Prozent unterliegen. Rekorde inlegen bei der Zentralsparkasse der Gemeinde Wien. In der gestrigen Gemeindratssihung legte, wohl etwas verspätet — was er mit einem Berschen begründete — Gemeinderar B r o c z y n c r die Rechnungsabschlüsse der Zentralsparkasse der Gemeind: Wien seit dem Jahre 1922 zur Genehmigung vor. Demnach betrug der Einlagenstand im Jahre 1922 neun Milliarden, im Jchrc 1923 108 Milliarde» und im Jahre 1924 520 Milliarden. Im Jahre 1925 iveist die Zemralsparkasse der Gemeinde Wen einen Einlagen stand von 1300 Milliaroen aus. Im ersten Me net des Jahres 1920 ergibt sich , der doppelte Einlagenstanü wie im Jänner des Vorjahres. Gegenwärtig verfüg: die Sparkasse der Gemeinde Wien über Einlagen in der Höhe von 1 Billion und 500 Milliarden. Gemeinderat Broczyner gab der Hoffnung Ausdruck, daß d.r Einlagenstand im August oder September d. I. die zweite Billion erreichen werde. Die Schädigung der österreichischen Bauindustrie durch den geplanten Zementzoll. In einer Versammlung der Delegierten der verschiedenen Baubranchenkörperschaften wurden die Schädigungen beisp ochen, welche dem qesam'en Baugewerbe dadurch erwachsen, daß die geplante Zcmen'zoll chöhnng die österreichischen Banbr-anchen dem Monopole der Perlmooser Zen: nffabrik überlass'N würden. Durch eine solche Erhöhung würden die Baukasten in Oesterreich erheblich verteuert werden. Wiener Worenbörsv. Bel aermaen Umsätzen waren Kolonialwaren unverändert wäbrenv Zucker >ve'te> ainoa- Es notierten: j| ü i o n t d l itMt r e n Ka ' : ee: Rew-Porker —.— Dollar. Santo? Prime 635—. Tee: Pecco Java. Orange 1150 — G e tö ü r r e Paprika edellüß "70— Pfeffer Singavore cbwar» 740— Kümmel neu. l'vll 140.—. Reis: Burma 64— Italienischer 83. -. Zucker: Raffinade-Kristall 210.— ticheck. K-. Würfel rin Kisten) 22250 tscherli. tf. Leguar 1925 98.—, Pflaumen, bo«»., in Kisten. 70/75 132.—, Krauzfeigen, Calvin ata 99 —, Barimandeln. snperior 715.— C li e in i k a l t e n: Aetzkalt. 88/92 120—, Aetznatron. 128/130 Solvay 66.—. Alaun, in Stücken 36.—, Ameisensäure, 85°/0 150.—, Borax irift. 110.—, Chlorkalk, 110/115 31—, Ehromnatron 130.—, Eisenvitriol 15.—, Essigsäure. SO°/0, für Genußzwecke 240—. Wiener Proüulltonbörje. Trotz der besseren amerikanischen Berichte blleben die Kurse in Wien unverändert Die Umsätze waren äußerst gering und be-chränkten sich bloß auf den dringenden Bedarf. Das Medlgeschäft lag weiter flau. Es notierten: Weizen: Inländischer 39.50 bis 40.—, Ungarischer Tbeiß 79/80 Kilogramm 44 — b>s 46.50. Ungarischer 41.— bis 43.50 Jugoslawischer 76 Kilogramm —bis —. —, Jugoklavischer 77/78 Kilogramm ' —bis —. Roggen: Inländischer Marchfelder 26 7d bis 27.25. Bester Boden 26.25 bis 26.75 Gerste: Brauware inländische 30.— bis 36.-, böhmische mährische —.— bis —. Mais: Jugolawischer 20 25 bis 21.25. Ci:: quantin neu 32.— bis 33.— Hafer: Jnländi'cher 28— bis 29.—. Reis- Italienischer 81— bis 82— , Bunna 62.— bis 63.—. Mahlprodukte: Grieß inländische! 80— bis 81—, Weizenmehl 0 inländisches ^5— bis 78—, Kochmehl 2 inländisches 66.— bis 68— Brotmebl inländische? 44— bi? 48 — Wiener Pker-marktk. Der gestrige Auftrieb betrug 167 Gebrauchsvferde. 128 Schlächterpferde und 44 Pferde aus der Kontumazabteilung. Der Verkehr nalun cii-ett etwas l e bhafteren Verlauf. Kutschpferde und Zugpferde blieben unverändert. Schlächierpferde vrima notierten —.75 bis —.95 S., minderer Sorte —.55 bis —.70 S. und für die Wurßbereitung —.35 bis —.50 S pro Kilogramm Lebendgewicht. Wiener Börse. Geringes Geschäft. Die gestrige Börse cröffnete bei sehr geringen Umsätzen in ruhiger Haltung. Die Auslandsaufträge patten sich bedeutend verringert und auch die Käufe des Publikums ließen viel zu wünschen übrig. Unter diesen Umständen waren dü Anfangskurse ungleichniäßig. Alpine und Staatäbahil, ebenso wie einzelne Bankwertc, gaben leicht nach. Auch die besseren Berich'e ruS Berlin und Prag konnten den Verkehr nicht beleben. Die Börse schloß ungleichmäßig. In der K u l i s ' e erhöhten sich unter anderem .urupp um 6400 Kronen, Felten unr 200» K., Brunner Maschinen um 16.000 K. und Karvatden um 5000 K. Dagegen gaben Kredit- und Anglobank je 1000 K ab, Länderbank 1500 K.. Alvme 3500 K. u>rd Juli-Süd 5000 K. Im Schranken waren die Umsätze ebenfalls nicht bedeutend. Hier gewannen unter anderem Scheidemandl 40 000 K, Wiener Gas 15 000 K., Steyrermühl und Reüomitzer Zucker je 10 000 K. Gösser Brau 25.010 K. und Austria Email 4000 K. Dagegen verloren Nordbabn 120 000 K., Portlandzement 38 000 K. Berg und Hütten 35.000 K., Gutt-- mann-Holz 50.000 K., Ung allg. Kohle 45.000 K.. Piliner Brau -< 0 000 .K. und Schraubenlabrik 12.000 K Auf dem A nl a g e m a r k t waren die Umsätze unbedeutend. Ter Losmarkt dielt sich nicht m br io fest wie am Bort, ge. Von den Exoten notierten Mraznica 37 < 00 K.. Tepege 3700 bis 4000 K. und Universale Bau 16.200 bis 16.400 K. Ausiöndische Börsen. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin, 12. Februar. Die Beruhigung der außenpolitischer» Lage und tue dauernd flüssigen GAdvechältnisse verhalten der heutigen Börse zu einem festen Beginn. D:r. Gelsamtmarkt zeigte Ku'ser höh ungen bis zu vier Devisen Senilen« unv Laluleulurie vom 12. Februar 1828. Watt Oe'n War» Oet. Warp französische Noten . . L. Oei. 285 28 Sofia ........ . . 8. 5.06 6 IO deigrau ....... . . l v 48 IV.6 -''ockholm ....... 189.9 i 19 .6 ' ioltitndlsche Noten . . Berlin ..... 169 43 v arschau . 96.55 97 <;5 itatieniscMr oten ... 28 54 28.74 Brliwe.. . 32 37 136 56 137.05 iQgoslawioche Noten . . riudapeai ...... Bukarest . . 69 42 . . 3. 450 99.72 3.' 86" Valuten Polnisch Noten ■ . . ,Curnnnisciie Noten . . . 95 8 1 96.8 - London ....... . . 34 6125;;a.öi26 A.iu.-.iiKAi>ische i'Oten 709.60 ' 13.50 <uss sehe Noten Roman.) Mailand. . . 28 6 > 28.72 belgische inouju .... Schweizei. Noten ... 136.32 137.12 New-York...... . . 7f 9 26 711.75 <uiaai. Not. ..... Tschecho-slow. Noten 20.96 21.10 Paris. . . 26 03 V6 19 deutsche Noten .... 168.80 189.4 Tündsche Pfund-Noten . Prag .... . 21. < l .!.< 9 '•n«"ii8che Noten . . 34.45 34.61 ■ Inüariscnr Noten selig, daß sie den Sohn und Gatten als Wegeveiser und Tröster in ihrer großen Not neben sich hatten. Sie vergaßen die Furcht vor dem Tode, wurden der Angst vor der Welt ledig und sahen im Geiste nur die große, tiefe Ruhe, die sich gleich nach den: Tode erwartete; und sie warteten auf den Tod wie auf eine Erlösung. Schloimele und feine fuuee Frau k-ft eit sich an ein Grabdenkmal. Um sie breitete sich die Nacht ans. Die Sterne funkelien hell am Himmel. Vom. Flußnier her, das hinter ihnen im Tale lag, drang an ihr Ohr das Lüru:cn der Kosaken, blitzte ab und zu ein Gewehrschuß, flammten kleine Lichter auf und verloschen wieder, tönte zuweileit ein gedämpftes Meinen. Die junge Frau klammerle sich fest an ihren Mann. Sie ängstigte sich nicht vor dVN Tode, sondern vor der. Scheidung von der Freude, die zu genießen sie gerade begonnen hatte. Immer inniger schmiegte sie sich an ihren Mann, als wollte sie mit ihm zusammen stercen, um nie wieder von ihm getrennt zu werden. „Schloime, wir haben erst angesangen zu leben und schon Ntüssen mir uns trennen. Gott befand mich wohl nicht für wert, Mutter deiner Kiider zu werden." „Dwoira, wir sind schon vereinigt von Gott. Und er wird uns wieder miteinandcr verbinden, wenn wir iu Lauterkeit und Heiligkeit vvr ihn treten. Dort oben alcr werden wir dann für ew'g zusainmell ble'ben und den Glanz der Schechinah genießen, bis der Messias kommt und uns zur Wiederauferstehung auserweckt." Und Plötz'ich rerwand-e'te sich ihre Angst in große Freude Sie wußten selber nicht, wie es kam. Es ward ihnen zumute, als senkte sich festtägliche Weihe auf die Welt hern'edcr, als wären sie in dieses Fest mit großer Freude eingetretcn. Und vor dieser Freude sanderr sie be'te die Tränen wieder, die die Todesangst in ihnen erst unterdrückt hatte, und die junge Frau sagte niit einem freudigen tränenfeuchten Lächeln: „Wenn du sprichst, Schloime, erscheint mir der Tod so leicht! Warum kommen sie aber noch iticht und befreien uns? Ich stürbe doch etenso gern, wie ich jetzt mit dir unter den: Tranhimmel ginge." „Nicht so, Twoira. Solange wir leben, müssen wir um das Leben beten, nicht aber um den Tod." „Bei Got-t ist alles möglich. Ja, Schloime, wir werden am Leben öleiben. Ich will für dich leben, für dich, Schloime, damit ich dessen wert bin, Schloime." „Schweig, Twoirele, schweig!" „Oh, ich möchte so gern mit dir zusammen leben, hienieden oder im Jenseits. Oh, leben und wissen, daß du bei mir bist!" Das juilge Weib fiel in Schloimeles Arme und schlief selig ein. Schloimele saß neben seiner Frau und betrachtete sie. Ihre Schwäche und Schönheit machten sein Herz beben. Es schien ihm, als kenne er sic nicht wieder. Es war, als sei alles Irdische von ihr gewichen, als sei sie verklärt wie eine' edle Tochter des Himmels, wie eine von den edlen Urmürtern, .wie die göttliche Weiblichkeit, wie die Schechinah selbst, die in der Nacht über den Ruinen des Tempels lveint wie die Taube — das Symbol der jüdischen Gemeinschaft . . . 7. Ueber dm Fluß. Mit denl Eintritt der Nacht kehrte den Flüchtliitgen Lebenswille und Hoffnung zu leben zurück. Akendcl dachte nicht mehr an den Tod. Seine ganze Lebenslust und Energie erwachte wieder. Er blickte sich mit funkelnden Augen um. Alle erkannten seine Gedanken. Er betrachtete die schlafende Dwoira. Dwoira war jung und schön. Fiel sic oen Kosaken in die Hände, so würden die sie-am Leben lassen und ihr Böses antnn. Das aber wäre schlimmer als der Tod. Man sprach nicht davon — ahx alle dachten es. Unterdessen begannen die auf dem Friedhof Bersamntelten sich zu regen. Hier und da kamen kleine Ntenschengruppen l>ervorgekrochen und tnschclien uriteinander. Das erweckte Mendels Energie noch mchr. Er erhob sich. „Was iv.llst dll tun, Mendel?" „Ich will zur Fähre gehen — vielleicht . . „Mendel . . „Sch! Schweig!" „Wo willst du hin? Ich lass' dich nicht gehen", hielt ihnseine Frau zurück. „Wenn wir sterben müssen, so wollen wir wenigstens zusammen sterben." „Ich gehe zur Fähre, vielleicht ist noch Hoffnung . . Dwoira erwachje. Sie blickte sich ängstlich um und fragte: (Fortsetzung folgt.) » I