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Wiener Morgenzeitung · 1926-02-12 · Heft 2505 (12.2.1926) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2505 (12.2.1926)
Date
1926-02-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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| Poicn. 23 gtoozy t Wi en. Lum Abholen in der Expedition, IL, Tabotstr. 1-3, oder in einer Versehleisstelle 'Trafik) monatl. b Schilling Strassenverkaui in Wien dflrch die Kolporteure der Firma Qol dschmied.!., Wollzelle 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling 1 schecho-Slowakei Mon. K22. Jugoslawien: Mon. Din.60. Polen:Mon. 5 Zloty. Deutschland: Mon. Om. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 ^oetaMlnangcB bei treib» er habua<*eti rorbebalies Rk. 2501 Wiener orgemeilmig Iwm mmrmmmmmmmmmmmmmmmmi Wien. Freitag. 12. Februar 1020 jprels itTg England: Mon. 4 Schilling Italien: Monatl. 18 Lire Rumänien Mon. 170Lei Bulgarien Mon.IOOLewa Schweiz und das übrig« Ausland monatlich Frcs. £ Redaktion, Administration. Wien, II. Taborstr. f Telephone: 44-0-38, 43-3-1! Ab 6 Uhr 21-102, 25-2-85 IX. Universitätsstrasse 6-b (D uckerei lg. Steinmann) Oesterieichisches Postsparkassen - Konto Nt. 150.69b 8. Fabrgaug Im redaktionellen Tell enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetztes E gekenuzeichneL Re Zusammensetzung des Mlkerbundrates. Erklärungen Chnmberlnins. London, 11. Februar. Im Unterhaus richtete Mae D o n a l d an den Staatssekretär des Auswärtigen die Frage, ob er über die in der Presse erschienenen Meldungen, denen zufolge außer Deutschland noch zwei anderen Mächten ständige Sitze im Völlerbundrat gewährt werden sollten, eine Erklärung adgeben könne und ob die Regierung hinsichtlich dieser Ansprüche irgend eine Aktion unternommen iha^. Chamberlain erwiderte: Das deutsche Gesuch um Aufnahme in den Völkerbund hat, wie wohl nicht zu vermeiden war, die ganze Frage derZusammensetzung des Völker bundrates aufgerollt und auch auf anderer Seite zur Geltendmachung von Ansprüchen geführt. So lange solche Ansprüche nicht forme l l vo r g e l e gt und die dafür und dagegen sprechenden Gründe gehört worden sind, ist es nicht möglich, irgend eine endgültige Entscheidung darüber zu treffen, in welcher Weise man den Interessen des Völkerbundrates und überhaupt des BöÄerbundes am besten dient. So weit es jetzt schon tunlich ist, diese Frage zu untersuchen, geschieht dies seitens der Regierung sorgfältig und aufmerksam. Wenn es mir möglich ist, vor meiner Abreise zur Teilnahme an. der, Ta gm ng des Bölkerbundrates im März weitere Erklärungen abzugeben» so werde ich das gerne-tun. Es würde aber den Zweck gemeinsamer Beratungen, des VLkkerbundrat'es und der Völkerbundversammlung vereiteln und der Nützlichkeit und dem Einfluß des Völkerbundes abträglich sein, wenn Vertreter dieses oder irgend eines anderen Landes im voraus durch starre Instruktionen gebunden wären, die ein allgemeines Uebereinkommen unmöglich machen würden. Wedgwood Venn stellte die 'Anfrage, ob Chamberlain irgend welche Angaben darüber machen könne, welche Haltung die britische Regierung gegenüber dem Gesuch dieser beiden Mächte einnehme. Chamberlain antwortete: Ich Aaube, es handelt sich um mehr als um zwei Mächte. Die movgrge Sitzung des Bölkeoburrdnrtes wird, wie aus Genf gemeldet wird, wahrscheinlich nur. kurz sein, da nur ein Punkt auf der Tagesordnung steht, nämlich die Festsetzung des Zeitpunktes für den Zusammentritt der außerordentlichen Völkerbundvers a m m l n n g, die über die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund zu beschließen hat. Für den Zusammentritt dieser außerordentlichen Versammlung ist die Zeit zwischen dem 7. und 15. März vorgesehen. Der Völkerbundrat wird vorher eine Tagung abhalten, die kaum mchr als fünf Tage dauern dürste. Den Vorsitz wird der Japaner Jshii führen. Aus der Tagesordnung dieser kurzen Tagung steht unter anderem die Beschlußfassung über die Zuerkennung ein-s ständigen Ratssitzes an Deutschland. Ile Wirren in Syrien. Einsetzung einer vorläufigen Regierung in Syrien. Paris, 11. Februar. (Tel.-Komp.) Wie ans Beirut gemeldet wird, hat der französische Obevkommisiär in Syrien, Henri de Jouvenel, infolge des Rücktritts des syrischen Staatspräsidenten Barakat und angesichts der für die Bildung einer Emgeiborenenrogievung bestehenden Schwierigkeiten beschlossen, ' eine vorläufige Regierung einzusetzen. Die Leitung der Geschäfte wird dem außerordentlichen Beauftragten des Oberkommissariats, A l h g e, übertragen und dem General Andrea der Titel eines Militärgouverneurs von Damaskus verliehen. Ten Pressevertretern wurde erklärt, daß die Dauer des neuen Regimes von dem Willen des Volkes akchänge. das ja die nötige Waffe, den Stimmzettel, in Händen habe. Jouvenel in Angora. Wie aus Konstantinopel gemeldet wird, ist der Oberkommissär für Syrien, Jouvenel, gestern abends dort eingetroffen. Jouvenel reist nach Angora, um mit der türkischen Regierung alle zwischen der Türkei und Frankreich schwebenden Fragen, darunter auch die Frage der syrischen Grenze, persönlich zu besprechen. Ae Internationale der Geldfälscher. Nachforschungen der französischen Beamte« in Deutschland.—Schulze wird gesucht. — Windilchgriitz und Radofid vor dem Parlamentsausschuß. lEigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Budapest, 11. Februar. Die Untersuchung in der Fälschungsaffäre ist in ein neues Stadium getreten. Der französische Polizeibeamte Douleet ist heute nach Deutschland abgereist, um auch dort seine Nachforschungen anzustellen. Douleet erklärte einem Mitarbeiter des „Esti Kurier", daß er sich auf zwei Wochen nach Deutschland begebe, um seine Nachforschungen in Köln, Dresden, Leipzig und München fortzusetzen. Die zuletzt in Budapest beschlagnahmte Maschine sei von einer Dresdener Schn e llp r e sse n fab r ik erzeugt worden. Der genaue Name und der Sitz der Fabrik seien noch nicht bekannt. Ferner sei siche^daß das zur Erzeugung der Banknoten verwendete Papier in halbfertigem Zustand über Passau auf dem Donauweg nach Budapest gekommen sei. Man habe sichere Taten darüber, daß bei oder in Köln sich diese legendäre Papierfabrik befindet, die angeblich das Spezialpapier für die Bantnotenfälschungen erzeuge. In München hoffe er weitere Taten über den angeblichen Schnitze zu erhalten. Die Klischees und die Druckfarbe sollen aus Leipzig stammen. der Baük' von Frankreich, Gravier es, erklärte. Zeitungsbericht-- erstattern gegenüber: Uns interessiert die politische Seite der Fäkschnugsasfäre nicht und es liegt uns nach wre vor ferne, uns in. die inneren Angelegenheiten Ungarns einzumischen. In erster Reiihe handelt es sich uns därnm, feftzustellen, wohin die noch fehlenden falschen Banknoten geraten sind. Wir müssen Frankreich vor der Möglichkeit schützen, daß in einigen Monaten irgendwo wieder falsche Frankennoten auftauchen. Dann interessiert-uns noch die Frage, welche Personen an der technischen Vorbereitung der Fälschung beteiligt waren. Nicht die politischen Komplicen interessieren uns, sondern die technischen Mitarbeiter. Herr Schultze gehört ebenfalls in diese Kategorie. Oberpolizeirat K a t o n a, der die ergänzungsweisen Erhebungen geleitet hat, erklärte Zeitungsberichterstattern gegenüber, daß die Nachforschungen nach Schnitze noch nicht beendet werden konnten. Die Polizei besitze jedoch eine genaue Pevsonsboschreibnng und kenne seine Verbindungen. D'.e Budapester Polizei habe sich bereits mit der Berliner Polizei wegen der Verhaftung S ch n l tz e s ins Einvernehmen gesetzt, doch fei über das Ergebnis der Verfolgung Schutzes noch keine Verständigung e'.ngetrofsen. Der prrrlnmentavisckie Ausschuß trat vormittags zu einer Sitzung zusammen. Berichterstatter. Abg. Rubinek setzte die Bekanntgabe der Akten fort. Der parlamentarische Untersuchungsausschuß :st abends um 6 Uhr im Parlament zu einer neuen Sitzung zusammengetreten, in welcher, mit Genehmigung des Justizministers, W i n d i s ch g r ä tz, N a d o s s h, R a b a, General H a j t s und Oberst Kurtz über die politischen Hintergründe der Fälschungsaffäre einvernommen wurden. Die Angeklagten wurden aus dem Gefängnis im geschlossenen Auty zum P a r l a m e n r gebracht, wo sie, da die Justizsoldäten das Parlamentsgebäude nicht betreten dürfen, von der P a r l a m e n t s w a ch e ü b e r n o m m e n und in das Zimmer geleitet wurden, wo der Ausschuß tagt. Das Verhör dauerte mehrere Stunden. Weirr verhaltet. Aul Antrag der Staatsanlvattschast wurde gestern nachmittags der frühere Chefredakteur des „Abend", Alexander Weis^ uach einem kurze» verhör verhaftet. Die Einvernahme des Prinzen Windischgrätz dauerte nur wenige Minuten, während das Vechör mit R a b a nahezu zwei Stunden in Anspruch nahm, woraus geschlossen wird, daß R a b a ein umfassendes Geständnis über die politischen Hintergründe der Frarckenfälschungsafsäre abgelegt hat. In politischen Kreisen erwartet man von diesem Verhör sensationelle Ergebnis s e, da man annimmt, daß es dem Einfluß der Ausschußmitglieder gelingen wird, die Angeklagten zu Geständnissen über die politischen Beweggründe der Fälschungsaktion zu bewegen. Die ergänzende Untersuchung beendet. Justizminister Pest h y hatte vormittags eine lange Unter» redung mit dem Ministerpräsidenten. Nachher erklärte der Justizminister vor Pressevertretern, daß die ergänzende Untersuchung in der Fälscheraffäre als beendet angesehen werden könne. Polizei und Staatsanwaltschaft werden in den nächsten Tagen die Oeffentlichkeit über die Ergebnisse des ergänzenden Untersuchungsverfahrens informieren. Justizminister Pesthy teilte ferner mit, daß die ungarischen Behörden^ an Holland k e i n B e g e h r e n w e g e n de r Au s- \y I-.i e ferung der im Haag v e rch a steten drei Ungarn richten werden, da Jankovich, Mankovich und Marsovszkh 'die gefälschten Noten auf holländischem Gebiet in Berkehr gesetzt haben und ihre Tat somit iy die Kompetenz der holländischen Gerichte fällt. - - Eine neue Verhaftung. Die Polizei verhaftete heute nachmittags den Angestelltem des Nationalverbands Bela B a r g h a, der als Sekretär des bereits in Hast befindlichen Szörtsey der Teilnahme an der Verbreitung der falschen Frankennoten verdächtig ist. Die Nachforschungen der Berliner Polizei. Berlin, 11. Februar. Auf die Gerüchte hin,.daß der in die Frankenfälschnngsaffäre verwickelte Schnitze mit dem Erzberge r-Mörder identisch sei, hatte die Berliner Kriminalpolizei sofort Nachforschungen eingeleitet, die ergaben, daß es sich um einen 52jährigeu Artur Schern- Schulhe handelt, der zur Zeit der Zarenregiernng in der Petersburger Abteilung Leiter der russischen S t a a i s d r uck e r e i war. Die Kriminalpolizei hatte eine Hausdurchsuchung bei dem. in Berlin ansässigen Schein-Schultze vorgenommen, um seine Beteiligung an der Frankenfälschung anszuklären. Das Ergebnis wurde nach Budapest berichtet. Schultze selbst ist aus Berlin verschwunden. Kornnyr bei Briarrb. Paris, 11. Februar. (Tel.-Komp.) MinisterpräfLertt B r i a n d empfing heute den ungarischen Gesandten in Paris, Baron Ko ra nh i, mit dem er eine längere Besprechung hatte. Die Dinnefälschungen. Dr jugoslawische Minister des Aeußern, Dr. Nineie, empfing nach Schluß der Konferenz der Kleinen Entente in Temesvar die Vertreter der Presse und erklärte unter anderem, daß in Ungarn im Iahre 19.2 0 Dinarnoten gefälscht und die Durchführung einer Untersuchung in dieser Angelegenheit durch die ungarischen Behörden behindert worden sei. Wie der Minister erklärte, hatten die damaligen Ermittlungen aus dieselbe Spur geführt, die im Zusammenhang mit der gegenwärtigen Frankensälschuug aufgedeckt wurde. Das Ungar. Tel.-Kor.--Bur. erklärt dazu, daß in Angelegenheit falscher Dinarnoten, die im Jahre 1920 in Szeged in Verkehr gelangten, der Budapester Gesandte des I. H. S.-- Staates in einer Note vom 6. Februar Aufklärung verlangte über die Ergebnisse des seinerzeit emgeleiteten behördlichen Verfahrens. Die Feststellung der Einzelheiten des im Jahre 1920 durchgesührien behördlichen Verfahrens ist jetzt im Zuge. Es kann jedoch bereits jetzt erklärt werden, daß in der erwähnten Angelegenheit auch ein richterliches Bewahren eingeleitet worden ist. doch hat der Untersuchungsrichter in Szeged das Verfahren gegen d.e in Präventivhaft genommenen, beziehungsweise verdatlgen Personen durch einen Beschluß endgültig eingestellt.

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