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Wiener Morgenzeitung · 1926-02-11 · Heft 2504 (11.2.1926) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2504 (11.2.1926)
Date
1926-02-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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[Polen; 31 CToigyl Wien, /.umAbholen in der Expedition, 11., Taboistf. 1-3, odei in einer VerschleJsstelle 'Trafik) monatl. b Schilling Strassenverkaut in Wien durch die Kolporteure der Finna Gol dschmied. l„ Wollzelle 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tsch ec ho-Slowakei; Mon. K22. Jugoslawien: Mon. Din. 60. Polen: Mon. 5Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Bel gl en: Mon. Frcs. 18 ftaehZahlungen bei frei«- erb Ah an den rorbehalien Rr. 2504 Wiener I Preis jjfl'fll England: Mon. 4 Schilling. Italien: Monatl. 18 Lire Rumänien Mon. 170Lei. Bulgarien Mon.IOOLewe. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration; Wien, II. Tabor str. f l'elephone; 44-0-38, 43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX. Universitätsstrasse 6-8 (D uckerei lg. Steinmann) Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nt. 150.698 MW»»»»»»»»»««» Me«. Sonnentag, 11. Februar 1926 8. SJnhrqmtfl kngland unterstützt Bethlen? Sine DemifflonskomSdle der «ugarifchen Regierung. . (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Geheimdivlomatie in der Wiener Kultusgemeinde. Grn vertrauliches Rundschreiben des Union- Präsidenten. Der Vizepräsident der Kultusgemeinde, Herr Doktor O r n st e -«,1 seines Zeichens gleichzeitig Präsident der sogenannten Union österreichischer Inden, hat, wie uns Freunde unseres Blattes im Auslande Mitteilen, das folgende vertrauliche Rundschreiben an jüdische Gemeinden und Korporationen im Auslande versendet: „Die Wiener Jüdischnationalen betreiben ungeachtet der großen finanziellen Depression, unter der die jüdische Bevölkerung Oesterreichs derzeit leidet, eine besonders lebhafte Aviation, für ihren Keren Hajessod, indem sie hiebei immer wieder auf die Stellungnahme der jüdischen Körperschaften in anderen Lander« Hinweisen. Wir waren Ihnen besonders dafür verbunden, wenn Sie uns, falls es Ihnen möglich ist, zu unserer Information Mitteilungen über das Verhalten der dortigen jüdischen Gemeinde und der dortigen namhaften jüdisch-religiösen Verbünde und anderer Institutionen gegenüber dem Keren Hajessod machen würden, da unsere Vereinigung, respektive deren Verbünde im Knttusvorstand an dieser Frage lebhaft interessiert sind." 8. S. Dr. Jakob Ornstein m. p." » Die Wiener Israelitische Kultusgetneinde hat. sich bisher zu einer einzigen Leistung.für den Keren Hajessod aufgeschwungen, indem sie im Vorjahre aus Anlaß , der Eröffnung der Universität in Jerusalem eine Spende in der Höhe von 200 Millionen Kronen votiert hat. Für das laufende Verwailtungsjahr ist in der Budgetvorlage eine Zuweisung an den Keren Hajessod nicht präliminiert. Die zionistischen Vertreter im Kultusvorstand haben es angesichts der bekannten Engherzigkeit der Majoritätspartei bisher unterlasse«, eine Dotierung des Keren Hajessod in einem der.Budgetziffer von 53 Milliarden angemessenen Ausmaße zu beantragen. Sie haben sich damit abgefunden, das Verlangen zu stellen, daß die zweitgrößte Gemeinde der Welt, die größte Judengemeinde Mitteleuropas, ihr Interesse für den Wiederaufbau Palasttnqs wenigstens dadurch bekundet, daß e r n Anerkennungsbetrag alljährlich dem Keren Hajessod Angewiesen wird. Aber auch diese bescheidene Leistung scheint dem gegenwärtigen Vizepräsidenten Dr. Ornstein und seinen engeren Gesinnungsgenossen schon zu viel zu sein. Es gibt allerdings andere Anlässe, bei welchen die Majorität des Kultusvovstandes freigebiger zu sein Pflegt. BeitjhrielSweife, wenn die Parteifreunde im Leopoldstädter Tempel eine von ihnen gespendete Zentralheizung nicht bezahlen oder wenn bei diversen Bauten, deren Voranschläge vorher von dem Parteihäuptling des Unionklubs, .Herrn Ing. Kemple r, überprüft und genehmigt wurden, sich nachträglich Kostenüberschreitungen bis zu einer Milliarde Kronen ergeben. Es scheint, daß Herr Dr. Ornstein, dessen gerühmtes Berwaltungslalent sich vorderhand nur dadurch bemerkbar macht, daß die Akten monatelang in ihrer Erledigung verzögert und der Verwaltungsapparat so schleppend geworden ist,, wie noch nie vorher, wenigstens die Ambition hat, ein „Kampfpräsident" zu werden. Nun. uns soll es recht sein! Er hat das Kriegsbeil ausgegroiben und durch Bernaderung der Wiener Jüdischnationalen vor ausländischen Gemeinden und Korporationen 'das Recht ans Schonung verwirkt. Er verwahrt sich zwar dagegen, zeitgemäße Steuerermäßigungen, welche die Zionisten beantragen, -zur Durchführung bringen zu lassen, erkühnt sich aber gleichzeitig in einem ins Ausland gerichteten Brief herzbrechende Töne über die f i n a n z i e l l e Budapest, 10. Februar. Der radikale „Esti Kurir" veröffentlicht heute einen interessanten politischen Algebericht. Danach rechnet man in den Kreisen der Einheitspartei damit, daß, wenn eine Demission des Kabinetts Bethlen trotz allem unvermeidlich sein sollte, diese Demission nur formaler Natur sein und die Frankenf ä l s ch.u n g s a f f ä r e doch von einer Regierung Bethlen liquidiert werden wird. In diesem Zusammenhang sieht man den Erklärungen Briands in der französischen Kammer am 19. d. mit großer Spannung entgegen. Da jedoch Ministerpräsident Bethlen in vertraulichen Besprechungen mit Mitgliedern seiner Partei gestern abends die Versicherung gab, daß englische offiziöse Kreise seine Regierung unterstützen, nimmt man an, daß die Erklärungen des französischen Ministerpräsidenten die Lage Bethlens nicht wesentlich erschweren werden. Um jedoch das Vertrauen des Landes zu Bethlen vor dem Ausland auch äußerlich zu dokumentieren, wird Graf Bethlen, wie „Esti Kurir" wissen will, einige Tage vor seiner Abreise nach Gens formell demissionieren uns in Genf bereits als Chef eines rekonstruierten Kabinetts erscheinen. Dem neuLn Kabinett Bechen würden, dem Blatt zufolge, Innenminister R a k o v s z k y, Justizminister P e st h y, Honvedminister Csaky und Finanz- ■ minister Bud nicht mehr angehö^M . - Andererseits glaubt man in oppositionellen Kreisen, zu wissen, daß Briand sehr kompromittierende Daten zur Frankenfälscherafsäre in Händen habe, aus denen hervorgehe, daß zwischen den ungarischen und den bayrischen R a s s e n s ch ü tz l e r n ein enger Zuscuumenhang bestehe. Wie „Esti Kurir" mitteilt, erschien vor einigen Tagen aus der Oberstadthauptniannschast eine bekannte B-idapester Persönlichkeit und lenkte die Aufmerksamkeit der Polizei auf den gewesenen Direktor der seinerzeitigen K a r t o f f e l z e n t r a l e, Eugen Miklos, den bekannten Partner des Prinzen W i n d i s ch g r ä tz in dem sogenannten Kartoffel-Panama aus dem Jahre 1918. Miklos sei verdächtig, weil er vor einigen Monaien völlig mittellos nach Paris ausgewandert sei und es in kurzer Zeit in Paris bereits zum mehrfachen Hausbesitzer gebracht habe. Nach einem Pariser Telegramm des Blattes hat die dortige Polizei tatsächlich festgestellt, daß Eugen Miklos eine führende Rolle in der Frankenaffärc gespielt habe und der Verbindungsmann zwischen der Budapests Organisation und den nach -dem Auslande gesandtert Verbreitern der Falsifikate war Kitz aus der RassenschirtzlerMrlei rntsgetretet Budapest, 10. Februar. Abg. Melchior K i ß ist heute aus der Rassenschützlerpartei ausgetreten. Er begründet diesen Depression der jüdischen Bevölkern nganz u st i m m e n. Also der Präsident der Union ist überzeugt, daß es der Wiener jüdischen Bevölkerung schlecht geht und der Btzepräsident der Kultusgemeinde halst derselben Bebölkevung unnachsichtlich die Steuern des Vorjahres auf. Wo es sich aber um eine in: Verhältnis zum präliminierten Steuereingang von 17,5 Milliarden um einen Pappenstiel handelt, regt sich sein Sparsinn und seine Besorgnis für die Interessen der notleidenden jüdischen Bevölkerung. Die Budgetdebatte ist aber noch nicht vorbei. Unsere Mandatare werden hoffentlich Gelegenheit finden, mit dom sparsamen Vizepräsidenten und seinen Klnbgenossen abzurechnen.. Vielleicht ergibt sich bei dieser Abrechnung doch ein Plus für den . Keren Hajessod, Schritt in einem an den Abg. G o m b ö s gerichteten Schreiben damit, daß die Rassenschützler der Regierung gegenüber in zahlreichen Fragen, auch in der Frage der zu einem Weltskandal angewachst neu F r a n k e n sä l s ch e ra f sä re, eine Haltung einnchme, die er nicht b i l l i g e n könne, da in dieser Affäre seiner Ansicht nach die Reg:erung auis schwerste kompromittiert sei. Die französischen Beamten. Budapest, 10. Februar. Während es bisher geheißen hat, daß die hier weilenden französischen Polizeiorgane in der Frankenfälschungsaffäre noch ergänzende Erhebungen anstellen wollen, scheinen sie andere Weisungen erhalten zu haben, denn Be no ist und De ule et haben heute mitgeteilt, daß sie morgen früh nach Paris abreisen. Heute vormittags ist der französische Polizeiinspektor Rohere in Budapest eingetrosfen. Pater Bonis verschwurrben. Budapest, 10. Februar. (Tel.-Komp.) Wie „Magyarorszag" berichtet, - entfernte sich Pater Bonis gestern früh aus der Billa in Pasaret, wo er gemeinsam mit dem Feldbischof Zadravecz wrhnte, und ist seither nicht mehr zurückgekehrt. Das Blatt hält es nicht für ausgeschlossen, daß der Pater zu einer Intervent! n im Interesse des Feldbischofs ins Ausland gereist ist. Das Ausnahmsgesuch. Berlin, 10. Februar. Das heute dem Generalsekretär des Völkerbundes übergebene Aufmchmsgesuch Deutschlands in den Völkerbund hat folgenden Wortlaut: Herr Generalsekretär! Unter Hinweis auf das deutsche Memorandum an die Regierungen der Ratsmächte vom Dezember 1924, auf die Ihnen, Herr Generalsekretär, Übersandte deutscheNote vom 12. Dezember 1924 und mrf die Note des Völkerbundrates daraus vom 14. März 1925 sowie unter Bezugnahme auf die in Abschrift hier beigesügte Note der übrigen an den Vertragen von Locarno beteiligten Regierungen vom 1. Dezember 1925 beehre ich mich, gemäß Artikel 1 der Völlerbundsatzung namensderdeutschenRegierung hiemit di« Aufnahme Deutschlands in den Völkerbundzubeantragen. Ich bitte Sie, diesen Antrag baldmöglichst aus die Tagesordnung der Bundesversammlung setzen zu wolle«. Genehntigen Sie, Herr Generalsekretär, den Ausdruck meiner vorzüglichen Hochachtung. (Gez.) Dr. Stresemann. der nicht bloß unser Keren Hajessod, sondern der der gesamten Judenheit ist. Vielleicht werden die zionistischen Kültusrätc den Präsidenten der Union auch daran erinnern, daß er einen Wahlpakt unterschrieben hat, in dem die Förderung des Palästinas auf bau es zu gesagt ist, ein Wahlpakt, der auch den Vizepräsidenten der Kultusgemeinde bindet und vor solchen Strolchen, wie dieses vertrauliche Zirkular einer ist, bewahren sollte. Wir verzichten für heute noch darauf, die vernichtenden Urteile zu publizieren, welche unsere Freunde im Auslande und auch uns Fernestohende an dieses Vorgehen des Dr. O r n st e i n geknüpft haben. Herr Dr. Ornstein hat sich, feinem Klulb und dem.Ansehen der Wiener jüdischen Gemeinde einen.Wechten Dienst erwiesen. > Eilen Sie!!! w der Oie letzten Tage Weisse Woche Rrliripr Sphiffmann iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiinm llllllliil i 1 ll 11111111 fl 1111 bringen nie diimieni billig* Preise! W« ilMlII VMlIII III IUI III bringen nie (»gewesene billige Preise! II.. Tahorstrasse 48 Telephon 47-1-71 En gm En detail

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