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Wiener Morgenzeitung · 1926-02-07 · Heft 2500 (7.2.1926) · p. Seite 15

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2500 (7.2.1926)
Date
1926-02-07
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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9t. 99» «int Somthft 1936 by J. Ladysetmlkow Verla" Berlin. ün Vlaubensmartyrium. " Roman von Schalonr Asch. Als die Anwesenden sahen, daß der Parttes blieb, beeilten auch sie sich nicht, den Befehl des Rabbiners auszuführen. Mendel lvar von jüdischen Schlächtern, Pferdehändlern, Setschkauflauten umgeben — niemand wagte eö, die Festtagsruhe zuerst zu verletzen. In der Synagoge wurde es ganz still. Alle blickten auf den Rabbiner gespannt, was er tun würde. Allein der Rabbiner sagte kein Wort, sondern ging an den Thora sch re in heran, holte zwei Dhorarolle» hervor und begab sich nach dem Ausgang. „Juden, rettet die Thorarollen!" sagte der Rabbiner. Er brauchte es nicht zu sagen. Als die Leute sahen, daß der Rabbiner die Thorarollen aus der Synagoge heraustvug, brach lautes Schluchzen aus. Erst jetzt begriffen die Leute das Unglück, das üler sie hereingebrochen war. Sie erinnerten sich an die Zeit, da man die Thorarollen in die Synagoge brachte, und begannen fürchterlich zu weinen. Niemand vermochte zu sprechen noch zu denken. Die Leute holten sich einer nach dem anderen die Thorarollcn und verließen hinter dem Rabbiner die Synagoge. Der greise Rabbi Schmuel war nicht mehr unter den Lebenden. So nahm ein anderer Jude die Thorarolle des Greises unter den Arm und trug sic aus der Synagoge hinaus. Der Rabbiner aber rief: putzen, ihr dürft dir Festtagsruhe verletzen, ich befehle es euch! Spannt die Wagen an und rettet das wenige, was ihr retten könnt! Ich werde es auch tun!" Es entstand großes Gelaufe. Hie und da spannte man bereits Pferde an dir Verdeckwagen und fuhr vor die Häuser, setzte die Kinder in die Wagen, schleppte .Habseligkeiteu, Bücher und Bettwäsche aus den Häusern. Einige schleppten aus ihren .Häusern die Truhen heraus, in denen sie ihr Vermögen aufbewahrten, spannten sich in die Riemen ein und schleppten die Truhen auf den kleinen Rädern über die Straße nach dem Wiener Msrstritzesiima Friedhof. -Andere packten, was ihnen zuerst unter die Härtde. kam: ein Gerät, ein .Kleidungsstück» ein Möbelstück. Manche hatten noch ihre Talissim, in denen sie eben erst geben:!. So zog das Volk von Slotschow hinter seinem. Rabbiner auf den Weg, der nach Nemirorv führte, hinaus. In der Synagoge aber saß nach wie vor der Parucs wie versteinert auf der Empore. Das Getrappel der Pferde, das Geräusch der Räder drang zu seinen Ohren, er vernahm die Flucht aus Slotschow — rührte sich aber nicht vom Fleck. Um ihn herum standen schweigend die Handwerker und die Pferdehändler. Schloimele stand neben seinem Batcr. Er lvar derselben Ansicht wie der Rabbiner — daß Lebensgefahr alle Gesetze bricht — und er flehie den Vater an, die Synagoge zu verlassen und mit den anderen Juden zu gehen. Allein der Bater blieb wie ein Stein an seinem Platze. „Gott hat die Synagoge gebaut, er wird sie auch beschützen", brummte er in seinen Bart. Als Schloimele sah, daß der Batcr blieb, blieb auch er. Mit ihm zusammen blieb auch Dwoira und die ganze Familie von Mendel. Auch die alte Kosakin Maruscha stand heulend an der Tür der Synagoge. „Herrchen, laus fort, die Brüderchen kommen aus der Steppe. Sie werden niemanden schonen. Rettet euer Leben!" Mein niemand sah sie, denn sie wagte nicht, in die Synagoge zu treten, sondern stand draußen an der Tür und lveinrc vor sich hin. . Lärm und Gelaufe verstummten. Slotschow wurde leer, Slotschow zerrann. Die Steppe bekam ihren Teil zurück, den die Menschen ihr geraubt hatte. In der Synagoge wurde es ganz still. Aus den verborgenen Winkeln wehte es kalt. Durch die leiden rorblanen Fenster ün Dach drangen zwei Lichtstrahlen, zogen sich durch den Raum der Synagoge und beleuchteten den offenen Thoraschrcin mit den darauf gemalten Sternen. Bor dem Tisch des Vorbeters brannte eine einsame Kerze, die der Schames zum festtäglichen Gebet 'angezündet hatte. Um die Empore herum hingen noch die grünen Zweige, da cs Brauch war, Häuser und Synagoge zur Erinnerung an. den Berg Sinai mit Grün zu schmücken. Auf der Empore __7. Februar Iftjht_Seite 15 aber saßen die enismnm Wächter. der Parnes mit.den Inden, die Ix'i ifcn geblieben iunon, um die Synagoge zu behüten. » Plöylich erhob sich jemand, in einem Winkel uns ging zur Empore. Es war das Schneiderlein. Niemand hatte bis zu diesem Augenblick gesehen, daß es die ganze Zeit über in einem Winkel der Synagoge saß und seine Psaltncn hcrsagtc. Mendel und die-um ihn versammelten Inden wundertensich sehr, ihn zu sehen. Das Schneidcrlem sah' sie starr an und sprach: „Ihr behütet die Synagoge? Wie wollt ihr sie aber schützen? Durch eure Tapferkeit? Bedarf aber Gott eurer Tapferkeit? Ist nicht ein Stein oder ein Stück Holz starker als ihr? Mangelt cs denn Gott an Tapferkeit?" Niemand erwiderte ihm ctlvas. In diesem Augenblick flammte es in dem Winkel, aus dem das Schneiderlein herausgetreten war, aus. Die Flamme ergriff den Vorhang vor dem Thoraschrein in der Nähe. Und bald stand auch der Tisch des Vorbetcrs in Flammen. „Feuer! Feuer! die Synagoge brennt!" „Wer hat es getan?" Die Juden sprangen auf und wollten auf die Flammen zueilen. „Bleibt stehen, ich Hab' es getan", hielt das Schneiderlein sie zurück. „Als der Herr der Welt daran ging, die Inden aus ihrem Lande zu vertreiben — erzählt der Talmud — waren sie todcswürdig. So hat Gott feinen Zorn an Steinen und am Holz ausgelassen. Er verbrannte den Tempel und rettete die Inden. Wollt ihr denn besser sein als der Herr der Welt? Was habt ihr vor zu schützen? — Stein und Holz? Behaltet eure Tapferkeit für euch, Gott wird sie für höhere Zwecke brauchen; wenn die Zeit kommt, rverden wir schon würdig sein, unsere Tapferkeit zu zeigen. Doch jetzt rettet eure Seelen, sie gehören nuht euch, sie gehören Gott!" Die Juden erschraken über die Worte des Schneiders. Einer nach deni anderen begann die Synagoge zu verlassen. Auch tvar nichts mehr da, loas geschützt werden konnte. Die mit Oel durchtränkten Holzswände und die Vorhänge brannten wie Kienspäne. „So ist's recht. Wir haben sie selbst verbrannt, bevor die Gojim sie verunreinigten. Kommt, Juden, laßt uns die Wagen anspannen!" schrie der Parnes und rannte aus der Synagoge. (Fortsetzung folgt.)- Theater von heute 3 7=3 3 7=8 7-6 3 7-8 7-4 7-8 Btttttbtattri Was ihr wollt — Lady Windermeres Fächer HkXUtnictheatcr: Die Fahrt ins Blaue — Maria Dtlotim.: StaatloptT: Die Meistersinger von Nürnberg Redoutenfasl: Der Apotheker — Ballet-Soirte v-ttkroper, Martba — Madame Butterfly . veuttcdcr Uolkithcater: Zm weißen Rößl — Demimoude Theater in der Jostffiaät; Mein Vater hat recht gehabt — Natalie Raimund-Theater Dornröschen —* Komödie der Worte Stadttbeaterr Kaiser Joses II. und die SchusterStochter — Der Musikant Gottes fftnaltrancediNme Das tapfere Schneiderlein 7»4 — Kampf l/,8 modernes Cbeaten Uyy und Walt, Einzel- und Dovpeltänze 7-4 — Sensation ' 8 3 7-8 7.4 */a 8 3 7,8 »lm-W-Ib-Mder En gro8 erhältlich bei Viktor Adlersberg Generaldepot der Solo-Zündhölzchen Wie«, 6. Bez. 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Februar 1928 um halb 8 Uhr abends im HOTEL CONTINENTAL n.» Taborstrasse Nr* 8 Auf vielseitiges Verlangen! Auf vielseitiges Verlangen l KONZERT des Oberkantors Israel A LT E R Hannover (früher Wien, XX.) Eintrittspreis S 2 mit vollständig neuem Programm Eintrittspreis S 2 Mitwirken wird ein verstärkter Chor unter Leitung des Chordirigenten Herrn David Reiseitmann MTSS Karten sind zu haben: Cafe Neptun, XX., Oaussplatz 7. bell1. Messitta, XX., Rauscherstrasse, Bücherstube Rath, ll, Tsbors.tr 20s

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