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Wiener Morgenzeitung · 1926-02-05 · Heft 2498 (5.2.1926) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2498 (5.2.1926)
Date
1926-02-05
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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&Hte 8 Wien, Freitag Wiener Morgenzeitung 5. Februar 1926 Litte polnlsch'vaMinenfische Hanvelrlammer. Aus Warschau wird uns berichtet: Kürzlich fand m W?.rfchau di? Gründungsversammlung der polnisch-palästutensischen HMrdelskanrmer statt. Senator Körner besprach in sinn,, eingehe nden Referat die Handelsbeziehungen Polens init Palästina und betonte auf Grund eines ausführlichen statistischen Materials die Notwendigkeit einer polnisch-palästinensischen Handelskammer. Rach einer eingehenden Debatte wurde die Ko n ft it u i c r tt u g der Handelskammer zur Kenntnis genommen und ein Handelskammerrat, dem Vertreter zahlreicher Städte angehörcn, gewählt. Polens Zustimmung zum Innsbrucker Protokoll. Aus Warschau, 1. o., wird telegraphiert: Der Sejm hat in zweite und dritter Lesung das Gesetz über die Ratifikation des zwischen den Nachfolgestaaten einerseits und Oesterreich und Ungarn andererseits abgeschlossenen Innsbrucker Protokolls btUreffend fih Regelung der Borkriegsschulden Oesterreich-Ungarns bZchlosjen. Die Lage der Metallwarenindustrie. In der Generaloerloimmlung des Verbandes österreichischer Eisen- und Mctallwarenpraduzenten gab der Lizepräsiden:, Kommerzialrat Buchwald, em ausführliches Expose über die Wirtschaftslage, deren Umgunst er unter besonderem Hintveis auf die schwindende Konkuwrenzfähigkeir. hervorgerufen durch Steuerdruck und hohe Lohnsätze, schilderte, wcbei die berufenen Stellen den wirtschaftlichen Korporationen gegenüber es an der nötigen Berücksichtigung leider schien lassen. Um so bedauerlicher erscheint die mangelnde Einigkeit bei den Unternehmern, wogegen die Arbeiterschaft als geschlossenes Ganzes dastehe. Der wachenden Arbeitslosigkeit kann nur durch Erhöhung der Arbeitsgelegenheiten begegnet werden, webe' jedoch die Zuwendung der produktiven Arbeilslosentürsorge an Privatbetriebe unbedingt unterbleiben muß, da dies ähnliche Zustände herbeiführen toittoe, wie seinerzeit durch Alimcnrierung durch die Brot-, Kinder- und dergleichen Zulagen. Bevorstchende Aufhebung der Einfuhrverbote in die Türkei. Die Einfuhr gewisser Chemikalien und charmazeutischer Spezialitäten in die Türkei ist aus Grund besonderer gesetzlicher Bestimmungen an eine Bewilligung der türkischen Zollbehörde gebunden. Wie nun die österreichische Gesandtschaft in der Türkei mitteilt, soll in der nächsten Zeit das. Einfuhrverbot für nachstehend genannte Artikel aufgchoben werden: Chlorsaures Kali, salpetersaures Kali, Tuberkuline aller Art, einprozentige Lösung von salpetersaurem Natrium (Natriumnitrit), indischer Hanf (Canabis Judica). Wiener Prooulltenbörse. Das Geschäft bewegte sich in engen Grenzen. Die Tendenz blieb stetig. Roggen zeigte flaue Haltung, während Mais angeboten war. Es notierten: Weizen: Inländischer 41.— bis 41.50, Ungarischer Theiß 79/80 Kilogramm 45.— bs 47.50. Ungarischer 42.— bis 44 50, Jugoslawischer 76 Kilogramm —.— bis — Jugoilavischer 77/78 Kilogramm —bis —. Roggen: Inländischer Marchfelder 27 50 bis 28.—, Bester Boden 26.75 bis 27.25. Gerste: Brauware inländische 32.- bis 37.— , böhmische mährische —.— bis . Mais: Jugoslawischer 20.75 bis 21.75. Ein quantin neu 32.—bis 33.— Hafer: Jnländi'cher 28.— bis 29.50. Reis: Italienischer 81.— bis 82.— , Burma 62.— bis 63.—. Mahlprodukte: Grieß inländischer 81.— bis 82.—, Weizenmehl 0 inländisches 76.— bis 78.—, Kochmehl 2 inländisches 67.— bis 69.—. Brotmehl inländisches 45.— bis 49 — Wiener Börse. Freundlich. Der gestrige Berkehr eröffnete in freundlicher Haltung bei durchwegs höheren Kursen. Zu den Käufen der Spekulation gesellten stch größere Aufträge von seiten des Publikums, welche m- '"opyright 1926 by J, Ladyschnikow Verlag, Berlin. 8in Glaubensmartyrium.<27) Roman von Schalom Asch. Lange betrachtete Dwoira die Geschenke ihres Mannes. Dann aber erhob sie sich und sagte: „So, du hast mich also nicht vergessen. Obwohl du so weit von hier, so lange fort warst, dachtest du doch an mich und hast mir eine Freude gemacht." „Du bist doch mein nach dem Gesetze von Moses und Israel mir angetrautes Weib", erwiderte der Ehemann. ,^ch weiß nicht, ob ich wert bin, deine Frau zu sein, Schloime, ich bin nur ein sündiges Weib, das nicht weiß, wie man mit Gott und Menschen umgehen muß. Ich bin unwissend, du aber bist ein großer Gelehrter, hast die Thora studiert und in der Fremde Umgang mit Menschen gelernt." „Dich aber hat Gott mit viel Anmut beschenkt, D'woira, gleich unserer Ahnfrau Rahel", sagte Schloime leise. . Da sah Dwoira ihn mit einem feuchten Blick an, den Schloime nicht ertragen konnte. Einen AugeMick schwieg sie. Dann sprach sie: „Das habe ich mir bei Tag und bei Nacht von Gott erbeten, daß er mir Anmut verleihe, dir zu gefallen. Und nun, da Gotr mir geholfen, was brauche ich noch mchr?" „Was hast du die ganze Zeit hindurch getan, als ich in der Jeschibah war, Dwoira?" „Die Mutter lehrte mich, eine gute, fromme Frau zu sein, die Schwiegermutter lehrte wich, wie unsere Kinder künftighin für die Thora, die Hochzeit und gute Taten erzogen werden müssen." Schloime ging auf sie zu und berührte mit der Hand ihr Häubchen, ohne sie anzusehen. „Gott soll uns unser Leben lang Freude geben, Dwoira." „Amen!" erwiderte Dwoira. 3. Schowuoth. Ter schöne Festtag des Thoraempfanges kam heran und Mit ihm zog auch der Frühling in die Steppe ein. Slotschow ertrank in einem Meer feuchten, grünen, samtweichen Grases. folge des geringen Anbotes schon vom Anfang an den Effekten Knrsechöhnngen brachte. Aber auch das Ausland stellte sich mit Käufen ein, wobei besonders Juli-Süd gesucht war. Dieses Papier blieb auch im weiteren Verlaufe des Verkehres im Mittelpunkt des Interesses, avancierte anfangs um 16.000 K., um dann mit 22.750 K. Gewinn zu schließen. Freundlich lag auch der Montanmarkt, einzelne Transportwerte und Elektrowerte. Fm weiteren Verlaufe des Berkchres gingen besonders bei den ungarischen Arbitmgelwerlen die Kurse lucht zurück, doch waren diese Einbußen fast ohne Beüeutmra. Die meisten Effekten sowohl in in der Kulisse als auch im Schranken schlossen höher. In der Kulisse erhöhten sich u. a. Ungarische Kredit um 2500 K., ZivnostenSka um 2000 K.. Länderbank und Staatsbahn um je 5000 K., Lombarden um 2900 K.. Krupp um 3300 K., Koburg um 7000 K., Trifai er um 30! 0 K. Brünner Maschinen um 3500 K. und Südbahnpriortläten um 22 750 K. Niedriger waren Timber um 16.1.00 K., Salgo Koble um 3000 K. Anglvbank um 1500 K. und Karpathen Petroleum um I960 K. Von den Schrankenwerten oewanneu schließlich Nation-lbank 15 000 K., Carborundum 13.000 K.. Ditmar Lampen 50 000 K., Wiener GaS 20.000 K., Mundus 25.000 K., Perlmooser 22 000 K., Dynamit 60.000 K.. Ungarische allgemeine Kodle 80.000 K und Stölzle Glas 10.000 K. Dagegen verloren Golleichaner 40.000 K., Jnwald 20.000 K. und Portlaud Zement 15.000 K. Auf dem Anlagemarkte > ieg die Oesterreichische Goldrente. Die übrigen festverzinslichen Effekten waren rubig. Von den Exoten notierten Mraznica 39 000 bis 40.000 K., Tepege 4400 bis 4700 K. und Universale Bau 15.250 bis 16.000 K. Wiener Diehmürkke. Zum gestrigen Jungviehmarkt wurden 11 levenoe Kälber. 2272 Weidenerkälber 1158 Schweine, 62 Schafe nnd 105 Lämmer aufgetrieben. Bei ruhigem Verkehr wurden die Preise herabgesetzt. Es notierten: Lebende Kälber 1.90 bis 2.20 S, Weidenerkälber 1.70 b's 2.80 S., Fleischschweine 1.90 bis 2.55 S., Fettschweine 2.10 bis 2.50 S., Schafe im Fell - .80 bis 1.80 S. und Wetdenerlämmer 1.20 bis 2.60 S. vro Kilogramm. — Zum R i n derma r k t wurden 475 Stück Mastvieh aufgetrieben. Auch hier baden sich die Preise a b g e l ch w ä ch t. — Auf dem Schweinemarkt belief sich der Auftrieb auf 1299 Fleisch- und 166 Fettschweine. Bei äußerst flauer Kauflust blieben die Kurse schwach behauptet. Ausländische Börsen. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin, 4. Februar. Me Ausnahme Deutschlands in «den Völkerbund wurde von der Börse schr freundlich ausgenommen. Trotzdem von sötten der Spekulation Realisationen vorgenommen wuroen, eröffnete die Börse in sehr fester Haltung. Besonders fest agen Jndustrtewerte. Kaliakt en und der SchiffabrtSmarkt. Bet flüssigem Geldmarkt schlossen die meisten Effekten mit Kursgewinnen von - 2 vis 4 Prozent. ES notierten: Türtenlole 23.50 Süd. Lombarden neue —.— Oesterreichi'che Staatsbahn 23.25. Darmstädter Ban> 124-25. Deutsche Bank 123 25 Dresdner Bank 114.—. Österreichische Kredit 7.50 Oeßerreichische Läriderbant —NeichSbant 151.50 Wiener Bankverein 5.50 Untonbmr 6.87 Daimler Motoren 36 62. Dynamit Nobel-91.—, selten & Guilleaume 11725. : Prag, 4. Februar. Bei geringen Umsätzen blieben dib Kurse beute behauptet. Die Kursänoerungen warm eher anziehend. Es votierten 6°/. ge österreichische Staatsanleihe 83 75 ZivnostenSka 378.—, Anglobank 68.50, Mereurbank 89.-* Oesterreichische Kredit 69.75, Wiener Unionban' 64.—, Wie«« Bankverein 46.50 Ferdinands-Nordbahn 8550.— , Böhmisch« Zuckerindusirie 965.—, Echoeller 2240, Nestomitzer Znckertndnstrte —Vereinigte Elektrizität Wien 182.—, Aussig Chemische 710.—, Weltbrän Pillen —KönigSbofer Zemeni 1536. - Brünner Maschinen 462.—, Simmeringer 98.—, Rot-Kosteletzer Textil 359.—, CoSmanos 466.—, - Alvme Montan 134.-. Berg und Hütten 2300.-. Poldihütte 520 —. Pragei Eilen 892 - , Skoda 732.—. Budapest, 4. Februar. Ans die festen Ausland »berichte verlief der heultge Berkehr in treunolicher Haltung. Der Kurs von Vikoriamühle blieb nach stärkeren Schwankungen behauptet. Die Kursgewinne betrugen 1 bis 3 Prozent. Es notierten Britisch-Ungarische Bank 30.—, Ungarische Kredit 300.—, Österreichische Kredit 126.—, Wiener Bankverein —, Kommerzialbank 816.—, Gran-Szaszvarer , Oberungarische Berg und Hütten 298.—, Magnesit 815.—, Ungarische Allg. Kohlen 2950.—. Salgo Kohlen 464—, Urikany Kohlen 1192.—, Ungarische Hofherr 124.—, Rimamurany 114.—, Staatsbahn 402.—, Ungarische Zucker 1645.—, Oesterreichische Gas —. Sie Sttiifenftttft. Zürich» 4. Februar. (Devisenkurse von IS Ufas) Berlin 123.53V« l 183.60-, Holland 208.15 208; 20), Rew-Dork 518.75 518.62), London 25.23'/, (25.23s/8„ Baris 1949'/, (19 51 j, Mailand 20.87'/, '20.82-, Brüliel 2360 <23.57'/,., .noveudagen 128.12 (128.—-, Stockholm 138.87'/, .138.85). Oslo 105.57'/, 105.60 Madrid 78.31'/. «73.46^, Buenos Aires 214.60 314.60,. Prac> 15.35 (15.36-, Budaven 0.007267 (0.007265). Butareß 2.24'/, (2.29), Belgrad 9.14»/. (9.137,,, Sofia 3.65 '3.65), Warichau 70.— nom. (—.—), Wien 73.01'/. '73.027,- mr 100 Schilling. Prag, 4. Februar. (Devisenkurse.) Berlin 804.— (804.-), Zürich 650.75 '651.--. Paris 127.1750 (127.30), 1'ondori 1641250 (164.1250^, 'l ew-Aork 33.70 (33.70), Belgrad 59.75 <59.75), Bukare,, 14.50 (14 55-, Wien 477.— ttz 480.- (477.—) tut 100 Schilling. Warschau 482.- (469.—', Budapest 4.7225 ( 4.7237,, Jugoslawische 59.45 (59.50,, c esierreickische gestempelte Krone 476.— (476.50* Polnische 458 50 (463.50 Ungarische 4.71 (4.71). Bvöapest, 4. Februar. Devisenkurse — Eigenbericht.) Berlin 16.965, Amsterdam 28.k80. Kopenhagen 17.605, Stockholm 19.075. New-York 71.255. London 346.600, Parts 26.73, Brüssel 3>35 Prag 2110.-, Belgrad 1255, Bukarest 307, Warschau 9150. Wien 10.028, Sofia 480.—, Mailand 2863, Mich 13.734.-. Belgrad» 4. Februar. (Devisenkurse.) London 276.20, Parts 214.50 New-Aori n6.75, Gens 1095.—, Mailand 228.10, Prag 168.25. Berlin 1353.— Wien 799.—. Bukarest 3460, Sofia —, Budaves: 0.0797, Brüssel 257.50, Amsterdam -, Warschau — Warschau, 4. Februar. (Devisen.) Belgien 33.07 bis 33.23, Berlin —.— bis —.—, Holland —.— bis —.—. London 35.46 bis 35.64, New-York 726.— bis 730.— Parts 27.38 orS 27.52. Schwer- 140.40 bis 141.10, Budaveft —bis . Prag 21.56 bis 21.66, Wien 102.40 bis 103.90 für t00 Schilling, Italien 29.39 bis 29 54 Stockholm —bi» —Bukarest —.— bis — ■ Debilen« unD Baluteuturse nom 4. Februar 1926. Devisen Amsterdam . .. » Geld « . S. 284.65 War« 285 66 dOflft «*•••«■• . L. Gele 4.98 Ware 5 02 Französische Noten Holländische NSW .f/ Italienische Noteja Jugoslawische Noten'*.'?. M. TBL Belgrad » » . . . . 12.4950 12.535 ) Stockholm » . . » » 18990 190.50 Berlin . . . . 188 37 169.37 Warschau . . . . « 97.36 07 86 12^7 M 23.6p Brüssel » « . . 32.23 32.36 Zürich . . . . 136.70 137.20 12.5360 Budapest » . , Bukarest . » . . 89.40 3.0750 99.70 3.0050 Valuten Polnische Noten . » Rumänische Noten . »1. Russische Noten (Romain) Schweizer. Noten 9H.75 3.07 97.75 3.11 London . » . . 34 51 34.61 Amerikanische Noten 708.26 712.25 Mailand . . . .. 28.52 28.64 Belgische Noten ■ » 133.40 Lo.ck/ 13(7.20 711.66 Bulgar. Not. . . » » 4.94 5.02 Tschecho-alow. Noten » Türkische P{und-No(ra . 21.09 Paris . . . . . . 26.31 26 77 Deutsche Noten . . Prag . . . . . . . 21.— 21.08 Englische Noten . . . . —.— —.— Ungarische Noten . . . 99.36 90.7 Es sproßte überall; nicht nur die Erde bedeckte sich mit feuchtem Grün, sondern auch die Dächer und die Mauern der .Häuser. Es schien, als wüchsen die kleinen Häuser aus der Erde heraus, mit wildem Wein geschmückt, der an den Mauern emporkletterte. All diese Ueppigkeit war von den grünen Zweigen der Linden überdacht, die sich zueinander neigten, sich verflochten und über den Häuschen hingen wie Baldachine. Jeder Rinnstein von Slotschow hatte sich in einen Blumenkorb verwandelt und jeder Sumpf hatte sich mit Vergißmeinnicht bedeckt. Goldgelbe Stiefmütterchen winkten von den moosbewachsenen Dächern herab. In jedes Fenster von Slotschow schauten hohe Jasminbüsche hinein und weiße Reseda erfüllte die Zimmer mit ihrem Dust. Die Frühlingslüfte begannen über Slotschow zu wehen, Lüste, die von den befreiten, quellenden, von der Eiskruste erlösten Gewässern kamen, Lüfte von dem großen grünen Grasmeer, die sich um Slotschow heruni mit seinen Hügeln und Tälern, mit seinen blühenden Wäldern und blumenreichen Wiesen ausbreiteten. In den Dämmerstunden hüllten sich Bäume und Gras in dunkle Schatten und es schien, als wollte die grüne Steppe Slotschow für immer verschlingen. Am Vorabend des Schowuothfestes, als die Kinder von Slotschow auf dem Marktplatz am Stadtbrunnm spielten, kam des Weges ein alter Jude mit eiuem kleinen, weißen, runden Bär'chen daher. Er trug einen großen Sack und hielt eine grüne Gerte als Stock in der Hand. Die Kinder blickten mit Neugierde den Fremden an, denn in denl Städtchen erschien nur selten ein Gast. Plötzlich aber erhob sich ein Junge mit gekräuselten Pajes und nackten Füßen und rief: „Das 'Schneiderlein kommt, das Schneiderlein kommt!" Die Kinder erkannten das Schneiderlein und liefen ihm entgegen. Ihre Hemden und Hosen kamen aus den Kleidern hervor, ihre Gesichter waren ganz mit Erdbeeren beschmutzt. „Schneidert, Schneiderl, hopp, hopp!" „Fort, fort!" wehrte das Schneiderlein mit dem Stock. „Kommt zu uns, Schneiderte." „Zu uns, zu uns!" „Nein, zu uns! Ihr sollt-auf der Schlafbank schlafen." Allein das Schneiderlein hatte schon ein Gasthaus im Städtchen: es war die Gemeindestube an der Synagoge. Dorthin geleiteten ihn jetzt die freudigen Kinder. Dort legte er seinen großen Sack ab, dem er verschiedene Geschenke für die Kinder entnahm: dem einen schenkte er eine Flöte aus einem Zweig, denk anderen einen Honigkuchen, den er in dem letzten von ihm paffierten Städtchen mitgenommen hatte, dem dritten, das schon lesen konnte, ein Büchlein. Und da es noch lange Zeit war, in' die Mikwah zu gehen, umgaben die Kinder ihn und er lehrte sie ein schönes Festtagssingen. Am Vorabend des Festtages rissen sich die Bürger voll Slotschow um den Schneider; jeder wollte ihn als Tischgast haben. Alle wollten sich das Verdienst der Gastfreundschaft erwerben, denn in Slotschow hatten sie nur selten GÄchenheit, das Gebot der Gastfreundschaft zu erfüllen. Am ersten Festtag saß der Schneider bei Mendel, der als Parnes des Städtchens auf diesen Vorzug ein Anrecht hatte. Bei Tisch war das Schneiderlein sehr lustig. Es sang und erzählte, was sonst nicht seine Gewohnheit war, freute sich sehr über Schloimele, der von der Lubliner Jeschibah zurüchgvkommen war, und verlangte von ihm Lehrgeld dafür, daß er ihn beten gelehrt hatte, und Schloimele setzte ihm ein Mas Met vor. Nachdem der Schneider das Glas geleert hatte, seufzte er: slotschow ist leider zu einer großen Stadt in Israel geworden." Niemand begriff beit Grund seines Seufzens uud den Sinn des Wortes „leider". Man war sehr verwundert, aber niemand fragte den Schneider näher darüber Ms, da er allgemein als wunderlich bekannt üvar. Am zweiten Festtag in der Frühe saß Schloimele in feinem Stübchen und studierte. Die kleinen Fenster standen.offen und die Bäume, die an dem niedrigen Häuschen wuchsen, blickten herein. Süßer Vogelgesang ertönte draußen. Und süßer Honigdnst entströmte den weißen Honigblumen der Steppe und drang in das kleine, niedrige Zimmer des jungen Ehepaares. Die junge Frau stand über die Truhe gebeugt und holte ihre schönen Kleider und Geschmeide hervor, um sich zu schmücken und mit der Schwiegermutter in die Synagoge z» gehen. Anmutig sah sie an diesem festtäglichen Frühlingsmorgen aus. Ihre Wangen hatten edle Rundung. Es ruhte aus ihnen iroch die Freude de« Nacht und ihre großen Augen waren wie von glänzendem Tan' verschleiert, als wären sie von dem Nachttraum noch nicht ganz erwacht. Im Herzen des jungen Mannes aber )var heiße Liehe zu seiner Frau entbrannt und er tvar ihr von ganz-r Seele gut. Auch ihr Herz war voller Liebe zu ihm; seine Wmme, die in den festtäglichen Morgen die Worte der Thora GtaW' rief, klang ihr wie der 'Gesang Mcklicher Vögel sKß m mt Ohren. ■ : GortschMg WM

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