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Wiener Morgenzeitung · 1926-02-03 · Heft 2496 (3.2.1926) · p. Seite 9

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2496 (3.2.1926)
Date
1926-02-03
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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MkeM« MSkKMzMttM ' __3. IW, Seite r Die Generalversammlung -er Hakoah. Sr. Körner bleibt Pröfident. mmm Nr. 8M, Wien, M'Mo'ch! Börse schloß sehr fest, bei den meisten Effekten zu den höchsten Tageskursen. In der Kulisse gewannen unter anderem Oesterreichische Kredit 6600 K., Länderbank und Bankverein je 4000 K., Unionbank 4500 Sl, Alpine 3000 K., Skoda 43.000 K., Ung. Hvfhcrr 0600 K., PöldiHütte 0000 K., Zellen 3000 K. und Trifäiler 10.000 K. Rückgängig waren nur Krupp um 2500 K. und Brünner Maschinen um 1000 K. Im nachbörslichen Verkehre zeigte sich sehr lebhaftes Interesse nach ungarischen Kreditaktien, welche wochenlang bei 300.000 K. unverändert notierten. Sie wurden mit 307.000 St nachbörslich gehandelt. Im Schranken erhöhten sich unter anderem Vertscher Magnesit um 600.000 K., Wienerberger Ziegel und Iungbunzlauer um je 70.000 K., Dynamit um' 190.000 K., Schrauben um 30.000 K^, Stölzle Glas um 63.000 K., Eimmeringer und Ung. allgem. Kohlen um je 45.000'K., Galicia um 35.000 K., und Tarbouches um 18.000 K. Einzelne Zementaktien waren flau. Das Geschäft auf dem An läge markt tvar ruhig bei fester Grundtendenz. Oestcrr. Renten erhöhten sich. Lebhaftes Interesse zeigte sich nach achtprozentigen Goldpfandbriefen der Landeshypothekenanstalt in Salzburg. Bon den Exoten notierten: Mraznica 39.000 K. bis 40.000 K.. Universale Bau 16.100 K. bis 17.000 K. Auslöndische Börse«. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung^.) Berlin, 2. Februar. Unter dem Drucke verstärkter Gekvinstrealisationen eröffnete der heutige Verkehr in abgeschwä chter Haltung. Besonders stark tvaren die Rückgänge am Montanmarkte. Anleihen lagen etwas fester. Bei erleichtertem Geldmärkte schloß die Börse in flauer Haltung. Es notierten! Tünemoie 24.— Süd. Lombarden neue —, Oesterreicht'cho Staatsbahn 24.25, Darmstädter Bant 180.—, Deutsche Bank 120.— Dresdner Bank 112.50 Oellerre'chische Kredit 7.37. Oesterreichische Länderbant —.—. Reichsbank 148.75 Wiener Bankverein 560 Unionban» 6.62 Daimler Motoren 36 76, Dynamit Nobel 93.75, Felten & Guilleaume 113 —. Prag, 2. Februar. Nach nicht einheitlichem Beginne überwogen die Kursrückgänge, welche durch Realisationen hervorgerufeu wurden. Die Börse schloß in größerem Maße mit Kursverlusten. Es notierten; 6u/0 ge öftere. Staatsanleihe 83.85 Zwnostenska 378.— Analobank 67.50 Mercurbani 37.50 Oesterreichische Kredit 59.50, Wiener Unionban' 54.50 Wiener Bankverern 45.25. Ferdinands-Nordbahn 3600.—. Böhmische Zrlckertndustrie 960.—. Schoeller 2210, Nestomttzei Zuckertndustrte —.— Bereinigte Elektrizität Wien 130.— Aussig Ehemische 712—, Weltbrau Pilsen 2480- KöntgShofer Zement 1540.— Brünner Alalchinen 469.— Simmeringei 97.50, Not-Kosteletzer Textil 364.—, Cosmanos 466.— Aloine Montan 135.—. Berg und Hütten 2300.—. Poldihütte 520 —, Prager leisen 892 —, Skoda 735.—. Budapest, 2. Februar. Infolge des Feiertages entfiel der heutige Verkehr an der Effektenbörse. Sie Devisenkurse. Zürich» 2. Februar. (Devtsentnrie von 12 Uhr.) Berlin 123.47t «23.45-, Holland 207.98°/. 208.—). Netv-Aori 518.62 \518.50). London 25.28-/, 25.22V.-. Boris 19.45‘/2 (19.461/.>, Mailand 20.79% '20.86.,, Bru„el 23.58 '23.57'/, Kovenuagen 128.— (L28.25i, Stockholm 139.— (138.90,. 105.57V* 105.50,. Madrid 73.27'/, -73.30-. Buenos Aires 314.— (314.50-. Prag 15.86 (15.36'/*). Bnbavest 0.007260 (0.007265). Bukarest 2.29 (2.29, Belgrad 9.14'/, (9.15-,. Sofia '8.62»/, (3 60), Warschau 70.— (—.—), Wien 73.— (73.05.' ini 100 Schilling. Prag, 2. Februar. (Devisenkurse.) Berlin 604.60 (805.60. Zürich 651.— (651.—). Pari« 126 92 (127.30-, London 1640750 -164.15-, Retv-Bork 33.70 ' 33.70). Belgrad 59.6750 (59.80 Bukarest 148750 (14.9250Wien 477.— bis 480— (477.—) tnr 100 Schilling, Warschau 469.— (468.—Budapest 4.7162 (4.7250-, Jugoslawische 59 55 (59.50-, Oesterreichische gestempelte Krone 476.— (476 75,. Polnische 468,50 .463.50,. Ungarische 4.7075 (4.7162). Belgrad, 2. Februar. (Devisenkurse.! London 276.— Parts 213.50 Rew-'/)or> 56.70. Gens 1094.25 Mailand 228 — Prag 168.10. Berlin 1352 — 'Wien 799.—. Bukarest 2450. Sofia —, Budavest 0.0795 Brüssel —. Amsterdam ■-, Warschau — —. Gestern wurde die diesjährige ordentliche Generalversammlung des Sportklubs H a k o a h im Hotel Post abgchalten. Mit Rücksicht auf den frühen Beginn und den Werktag war der Besuch nicht so groß wie im Vorjahr. Um drei Uhr eröffnete Präsident Dr. Körner die Versammlung. Er begrüßte die Erschienenen, darunter den Präsidenten des Makkabi-Weltverbandes Direktor Spie gl er und den Präsidenten des Jüdischen Sport- Verbandes Paul Fol de 8. Dann gedachte er der Toten des Vereines im abgelaufenen Jahre: Des jäh verstorbenen, in der Hakoah unvcrjMichen Dr. Josef Krenberger, des ans tragische Weise dahingeschiedenen Gründungsmitgliedes des Vereines Dr. (8abriel Wolf und der in der Mute der Jahre dahingegangenen Frau Olga Baltaxe, der ©attin des verdienstvollen Hakoah-Funktionärs. Dann ersuchte Dr. Körner, den ins Ausland gewanderten Hakoahnern namens der Generalversammlung die herzlichsten Grüße entsenden zu dürfen und führte an: Willi Halpern, dem langjährigen Standardtormann -er ersten Fußballmannschmt, der in N e w -?) o r k neben seinem anstrengenden Berufe noch Zeit findet, für den jüdischen Sport tätig zu sein, den kürzlich nach Buenos-Ai res abgereisten alten Spieler Ing. Felix Slutzky, dessen Bruder und den dort schon längere Zeit befindlichen und auch sportlich sehr erfolgreichen Hkkoch-Ringer S e l z e r. Dr. Körner verlas hier den Brief eines in Buenos Aires lebenden Oesterreichers, eines ehemaligen Bureaukollegen des Hakoahners Norbert Katz namens Raimund Hochleitner. Hochleitner, ein Nichtjude, gratuliert der Hakoah in den schmeichelhaftesten Ansdriicken zu ihrer Richtung und Erfolgen und übersendet ihr als Zeichen seiner Wertschätzung einen kostbaren Pokal. Auch dem erst in den letzten Tagen für die Idee des jüdischen Sportes nach Bukarest abgegangenen Zsigo Werthrim er werden die Grüße der Generalversammlung übermittelt. Hierauf verlas Sekretär Goldberg die Berichte der S e k t i o n 81 e i t e r, die einen eindrucksvollen Ueberblick über die breite sportliche und kulturelle Tätigkeit des Vereines boten. Hierauf ergrifi Dr. Körner das Wort. Er führte aus: „Rechenschaft gebe:!, heißt alles Vevautlvorten. lvas in der Zeit der Amtspericde geleistet wurde, lvas erfolgreich durchgeführt und was verschuldet würde. Ich will Mir erlauben, über das aogelaufene Bcreinsjahr zu referieren. Wie Sie aus oen Berichten der Sektionen erscheu konnten, haben wir im abgelaufenen Jahr in dm meisten Disziplinen Erfolge errungen, die unsere kühnsten Hoffnungen übertrafen. Unsere sportlichen und kulturellen Erfolge waren 'int abgelausenen Jahr lvohl derartige, daß unsere. Idee, unser Leitmotiv und unser Name vertieft und gestärkt wurden. Doch will ich es unterlassen, die Erfolge der Sektionen nochmals aufzuzählen und zu zergliedern. Ich will mich mit der Tätigkeit der Leitung und des Sekretariates befassen. ' * Die vorjährige Generalversammlung fand im Heim in i>er Schiffamrsgasse statt und wie wir allbetonten, im eigenen Heim. Heute sind'wir wieder aus fremdem Boden und mußten bas eigene Heinr verlassen. Gestatten sie mir die nähere Erklärung dieses Mißerfolge s. Wir.sind in das Heim in der Schiffamtsgasse eingezogeu mit dem Bewußtsein, eine schwere Last ans nn§ zu nehmen, und mit der festen Ueberzengung, der Hilfe der Wiener Juden für unser Beginnen sicher zu sein. Wir kMen neben dem bestehenden Gebäude ein neues errichten sollen, welches die Kinder bewahronstalt Der Leopoldstadt hätte sein sollen. lvogegen wir die Kinderbewahranstalt des 20. Bezirkes im vollen Betriebe ansrecht hielten. Wir haben den Bau begonnen und tvaren mit allen Kräften bemüht, das Entgegenkommen der Behörden zu erlangen, die Subventionen, respektive Beteiligung der jüdischen Behörden und Korporationen zu verschaffen und die Unterstützung der Wiener Juden zu erreichen. Der erste Punkt wäre uns vielleicht gelungen, hatten die zwei anderen nicht ganz und gar versagt. Ob die materielle Lage oder völlige Indolenz Schuld daran waren, daß unsere Sub ventionsaesuche bei den jüdischen Behörden unbeantwortet und unsere Bitten bei einzelnen ungehört blieben, will ich nicht unter- . suchen. Die trostlose Lage' aller jüdischen charitatkven Unternehmungen gibt da eine gewisse Auf klärung. Nach hartem Kampfe mußten wir einsehen, daß wir außer stande sein werden, das begonnene schöne Werk zu vollenden, mußten wir schweren Herzens an die Auflassung des eigenen Heimes mitten im jüdischen Zentrum Wiens schreiten. 360 Millionen haben wir diesem Gedanken geopfert, um 350 Millionen haben wir die Hakoah gebracht, wenn man das hohe Ideal, das reine Motiv, das uns geleitet, nicht geilen lassen will. .Im allerbesten Einvernchmen mit dem Präsidenten der Kinde rbävahranstalt, Herrn Dr. Schwarz-Hiller, und dem Präsidium räumten wir das Haus und hinterließen zwar der Hakoah 350 Millionen Schulden, den jüdischen Kindern aber ein begonnenes und hoffentlich einmal doch noch, zu vollendendes Werk, das der Hakoah nur Ehre machen wird. Die Klubleitunc, hat . alles getan, um dieses Defizit, wenn Sic wollen diesen Verlust, hereinzubringen und wird im Falle der Neuwahl nicht cher ruhen, , als bis diese 350 Millionen aufgebracht sein werden. Ob die Schuld an diesem Mißerfolg lediglich der Leitung zuzuschreiben ist, überlassen wir der Generalversammlung zu entscheiden. Wir übersiedelten in die Wipplingerstraße, woselbst wir uns ein Heim errichteten, baä den Sektionen jede Gelegenheit bietet, Sitzungen und Vollversammlungen abhalten zu können, und welches wir an den freien Nachmittagen und Menden an verschiedene Korporationen vermieten. Auf diese Weise sind wir in der Lage, den Betrag, den lvir bei der Errichtung investierten, hereinzubringen. Bevor' ich zu dem Bericht über das Sekretariat schreite, will ich eine Angelegenheit klarstellen, welche ich bereits bei der vor- Mrigen Generalversammlung Gelegenheit nahm, zu besprechen,. und zwar die Angriffe des ehemaligen Sekretärs Herm Rubin, i Ein guT genauen Untersuchung der Angelegenheit eingesetztes pari- : rcitisches Schiebsgericht hat entschieden, daß die von-seiten der Leitung dem Herrn Rubin gemachten Vorwürfe völlig unbegründet tvaren und daß-Herr Rubin nach eingehender Prüfung der Angelegenheit vollkommen rehabilitiert erscheint. Herr. R »bin gab folgende E r k l 5 r u n g ab: ,^Jm Zeitpunkte meines Austrittes aus dem S. C. Hakoch. tvaren Gerüchte int Umlauf.' welche den Schluß ermöglichten, daß j dieser Austritt mit einer unredlichen Geldgebarung meiner-! seits im Zusammenhangs stand. Obwohl der S. C. Hakoah schon , seinerzeit einen derartigen Vorwurf nicht erhoben hat. ist dieses Gerücht nicht ganz zum Schweigen gelangt. Dieser Umstand und das dunkle Gefühl, düß mir durch die Entlastung umecht geschehen ist, haben mich veranlaßt, gegen den S. C. HakocH um dessen Funk-i tionäre in Druckschriften schwerwiegende 'Anwurft und Verdacht'.-- j gungen zu echebm. Ich erkÄre hiemit, diese ganz grundlosen Angriffe und Verdächtigungen rückhaltlos ohne jede Einschränkung unter dem AuAmicke des Bedauerns zurü'ckzuziehen und «suche, von einer gerichtlichen Verfolgung Abstand zu nehmen. Copyright 1926 liy J. Ladysclmikow Verlag, Berlin. Mn Glaubensmartyrium."" Roman von Schalom Asch. Nach dom Abendgebet deckte Berachja den Tisch. Im Zimmer war es unterdessen schon dunkel geworden. Draußen hörte man das Geräusch des Elses auf dem Wasser. Der Schankwirt steckte einig«..Kienspäne am Ofen an. Zwei, drei Flämmcheu brannten in den Sabbatleuchlern. Die Pferdejungen brachten Fackeln aus dem Wagen und steckten sie gleichfalls an. Alan stellte alle Tische' und Bänke zusammen und ibereitetc einen großen Tisch zum Essen vor. Die Juden wuschen sich die Hände und setzten sich an den Tisch. Berachjas Frau stellte eine große Schüssel mit Därmen, Milz und Leber aus den Tisch, von der starker Dampf ausging. Außerdem stellte Berachja ein Füßchen mit Branntwein und ein Gefäß auf den Tisch. Zuerst machte nian sich an die geräucherten Fische und trank sich „tropfenweise" Gesundheit zn. Hieraus nahm mau die Därme aus der Schüssel, teilte sie in Stücke und traktierte einander damit. Zwischen Darm und Branntwein beehrte man den Kantor von Uman mit der Bitte, er solle ein Gebet Vorsingen und er sang „Maigdal"*). Hernach fand sich ein Jude aus Uman, ein Musikant, her auf die Jahrmärkte fuhr und leidlich Geige spielen konnte — auch er erfreute das Publikum mit seinem Geigenspiel. Ta war ferner ein alter Kosak, der Harfe spielen konnte; auch ihn beehrten die Juden, da er schon sehr alt war. Dieser Kosak pflegte oft unter die Juden, besonders aus jüdische Hochzeiten zu gehen, aber auch auf andere Feste und erfreute die Juden mit Havfenspiel und Gesang. Jetzt saug er ein schönes Lied von einem alten König, den seine Kinder um das Königreich gebracht haben, Während des Gesangs und des Spiels aber unterhielten sich die Juden vom Messias, von der nahen Befreiung und von dem Krieg Gogs gegen Mgog. Als dann die Männer, etivas angeheitert tvaren, traten auch die Frauen ins Zimmer. Und aus Freude darüber, daß der Mestias bald kommen tvürde, ließ man die Frauen einen schönen Tanz vorführen. Die Musikanten mit dem alten Kosaken spielten *) Teil des MoiyengebM. Anw. d. HAM. . auf, die .Juden klatschten in die Hände, und mitten in der allgemeinen Fröhlichkeit vergaßen sich einige Inden sogar, stockten pen Franenzüwner» Handtücher und Tücher in die Hände und tanzten mit. * Die alten und froinmen Juden saßen dabei, sahen zu, sagten aber nichts, lveil die Fröhlichkeit zu groß war, und well Ulan srst glaubte, der Mestias würde bald kommen. So freuten sich die Inden die ganze Nacht hindurch. Man sang viele Lieder, viele Wundergeschichten vom Messias lvnrden erzählt, viele Zitate, Anspielungen und Zahlen gedeutet auf das Jahr hin, da der Messias kommen würde. Auch der alte Kosak erzählte, daß man unter den Kosaken eifrig darüber spräche, daß in diesem Jahre sich große Dinge ereignen würden. In Kijcw, hatte er gehört, habe ein Pope auf der jkanzel eine Schrift gefunden, die Jesus geschickt habe und in der stand, man solle sich auf dieses Jahr gefaßt machen. .. Allein in einem Winkel saßen drei Kabbalisten, die weder am Essen noch an der allgemeinen Fröhlichkeit teilnahmen: ein dicker, ein junger und ein alter. Der Dicke fastete, um seinen Körper leichter zn machen, der ihm sehr beschwerlich getvorden war, da er von Kräften strotzte, und da sein Geist sich in dem großen Körper oft verlor. Als man jedoch die großen Töpfe mit Darm und Lunge reichte, konnte er es nicht mchr aushalten, denn seine Eßlust war zu groß; er schloß die Angen, aber die Begierde kroch ih»n durch Nase und Mund und er öffnete wiederholt seine Augen und fragte seinen Nachbar: ^Was ißt man dort, 1^?* „Dann", antwortete ihm der Nachbar. „So?" seufzte er bitter. Und um sich «och mehr zn peinigen, blickte er auf den Darm. Der Greis hatte einen grauen Bart und der Junge war ganz mager, .Haut und Knochen. Auch sie fasteten aus irgend einem unbekannten Anlaß. Der Jüngere konnte dem fröhlichen Treiben der Juden nicht ruhig zuseheu. Er sprang aus und rief auS: ^Was freut ihr euch da ohne Grund? In der Megila steht doch ,Matichtow" mit großem Tos, und der Buchstabe Chps von Chur ist auch groß gejchriebeu. Was bedeutet das aber? Das bedeujet, daß das Vechängnis von Hamau auf das Jahr 1648 verschoben worden ist."*) , ' Die Leute wurden vom Schrecken gepackt; sie blickten.^ nach dem Winkel hin, aus dem diese Worte gekommen warerv um den Sprecher zu erkennen. . < „Du Böser!" schrie aber der Greis den jungen Maim an. „Du konntest nicht ruhig zusehen, ioic die Juden sich fteuen. Die Juden dienen ja dem Herrn der Wett doch schon! ohnchin so viel mit Trauer, und wenn sie einmal ihm aus heiterem Herzen dienen .(vollen, so duldest du es nicht! Freut: euch, Juden, freut euch", fuhr der Greis fort, sich an die. Leute wendend. „Es steht doch in der Thora: ,Msoch" wird Aaron nach dun Heiligtum kommen. Was bedeutet das aber?; Das bedeutet, daß Aaron im Jahre 1648, welche Zahl der Zahl des Wortes Bsoch gleich ist, nach dem Heiligwm komme» ■ wird, das heißt also, im Jahre 1648 wird die Befreiung kommen." Schloitne blickte, den Alten an und ernannte ihn. W war das fromme Schneiderlein. Unterdessen standen im Nebenzimmer die Juden und, beteten. Die Talissim legten sie sich um den Kops und sie, beteten wie am Festtag laut, die isMmschah in festtäglicher Weise singend. 2. Schtoimete kommt heim. Bor der Tür der Schenke stand Schloimeles Mutter mu Äern Dienstmädchen in Erwartung Schloimeles, der von der Jeschibah heimkehrte» Allein weder die Mutter noch die alle Amme erkannten ihn wieder. Ter Knabe hatte sich in einen jungen Mann verwandelt. An seinem Gesicht sproß das schwarze Bärtchen, von langen gekräuselten Pajes eingerahmt. Das Bärtchen ließ ihn älter erscheinen und die Mutter fühlte Respekt vor ihrem Sohne. Die Ehre der Thora ruhte auf ihm, und di« Mutter wußte nicht, ob sie ihn noch duzen durste... Marufcha aber, die hinter der Mutter stand, wischte sich die Augen und schluchzte: „Das Kälbchen ist groß geworden und kennt it id>t die Kuh wieder, die es großgezogen hat." T-Eh ergibt di« Jahreszahl 1648. Sm». 4 «atzend Gortjetzruig falg-H

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