Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2493 (31.1.1926)
- Date
- 1926-01-31
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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V. Seit« 14 Dien, Sonntag Mlener fN-rgenrrNttnq 31. Kärrner 1926 Nr. 2493 ^gemeldet, so daß dieser Branche ein weiterer Saal im Hochparterre der Neuen Burg zur Verfügung gestellt werden mußte. Vom Auslande beteiligen sich die Tschechoslowakei mit Kleiderstoffen, die deutsche T e x t l l i n d u st r i e mit Leinen» und Weißwaren, Spitzen und Mcdestaffen, ferner dle re ich sdeutsche Schuh- und 2 chuhzubehörartikel i ndust r i e, die französische Textilindustrie mit Brokatstoffen. Tüllen, Serdenzwirnen, Garnen; es sind ferner «en gl i s che Strumpffabriken und Schweizer Stickereis a b r i k e n auf der Jubiläumsmesse vertreten. Griechenland erscheint, wie erwähnt, mit Teppichen. Das Ausgleichsverfahren wurde eröffnet über Moritz Herzberg, Wäsche en gros, 5. Bez^ GießauAasse 23, über Josef Kraust. Kaufmann, 1. Bez., Schulteraasse 4. und über Adalbert Springer, Gastwirt, 12. Bez., Eichenstraße 14. — Die Firma Th. Rosenzwerg, Textilwarengroßhandel in Brünn, ist^ wie die „Tribuno" meldet, insolvent geworden. Die Passiven betragen über eine Million Kronen. Es wird ein gerichtlicher Ausgleich eröffnet werden. Aufhebung des tschechoslowakischen Weizenzolles. Das tschechoslowakisch« Finanzministerium verlantbart, daß, da der Durchschnittspreis von Weizen 186.50 beträgt, der Einfuhrzoll für Weizen, Weizenmehl und andere Produkte ans Weizen vom 1. Februar an entfällt. Die übrigen bisher kn Kraft stehenden Getreide- und' Mehlzölle bleiben weiter in Geltung. Wiener Prodüdtenbörte. Infolge der flauen Tendenz auf den Weltgetreidemärtten bestand auch m Wien eine oe eigerte Abgabelu , die auf vielen Geb'eten Preisrückgänge dervorgerufen hat Weizen wurde lehr wenig umgesetzt und zeigte nur unöedentende Kn Säuberungen. rttogaen und Ger st e lagen ze'chäf SloS, während Hafer e was abgeschwächt gebandelt wurde. Lebhafter wurde zu höheren Kursen Mais »mgesetzt Hafer und Mehl verzeickneten gröbere Kursrückgänge. ES notierten: We'zenr Inländischer 4l.— bis 41.60, litt» garischer Treib 79/80 Kiloaromm 45 — b s 47 50 Ungarischer 42.— bis 44 50 Jugoslawischer 76 Kilogramm —bis —. - Jugollovilcher 7?/78 Kilogramm —. - bis —.—. Roggen: Zn'änd'icher Marchfelder 27 5V bis 28.-, Pester Boden 26 75 dtS 27.25. Gerste:' Bra Ware inländische 32biS 37.-, böhmische mahri'ch» —bis —.—. Ma > S: Jugo. slawischer 21 — bis 22 — Cinquantin neu 32.— bis 33.— Hafer: Jnländi cher 28.- bis 29.50 R e i S r Italienischer 8L— bis 82.-. Burma 62.— bis 63.—. Mablprodukte Grieß inländischer 81.— bis r«2 — Weuenmehl " Nianviiche« 76.- bis 78.—. Kochmebt 2 nländikcheS 67.- bis 69 - Brotmebl 'nländr'ches 45.— bis 49 - . B<Ainer Börse. 30. Jänner. Auch der heutige Berkchr nahm infolge regrr Beierrrannq des AuslaNl.e» ernen festen verlauf. Mit AuSn'bme von Sck'ffakttSwerren, die sich um 1 dis 2'/» ermaß oten, avancierten alle Effekten um 3 bis 5"/,. Trotz saue nder GeldilüMgke't wir der DiS'onrsotz für Tagaeder. leicht erhöht- Die Börse schloß in fe st er Haltung Es notierten- Türtenlore 23.50 Süd. Lombarden neue —, üenmeidji che Staatsbahn 23.50 Tarm'»ädter Ban 10-, Teut'cd» Baut »1850 Dresdner Ban! »12— Oe> erre Ällche Kredit 6 87. Oes erreickische Lärderdan'-2Ieicksdar»i 145.62 Wiener Bankverew 5 87 Umonban 6 50 Daimler Molarer- 3450. Dynamit Rodet 93.25, Felten » Guilleaume 118 50. Ae Levileukiirle. Kllrtch, 30. Jänner. 'Devlientrme von 12 llhr.) Bertir 123.53'/. i t 23 40 /. Holland 208.— 20810,. Ne>o»">or 518.75 ^18^0). London 25 22»/, 2i>21»/,. Baris 19 57»/,. (19 53.. Mo,»and *0.89'/. '20.89, Br.mel 2356 3 60 z«or»»"nagen »28.30 (128.25 SrottUolm 138.85 1 38 80 r. »I> 105.50 105 45 4' adrid 73.35 7332,. Buenos Arres 314.76 ,314 50. Bra- >6 86'/. (>6.34',, i Budave,', 0.007262»/, '0.007*60 L-„rares, >31»/. *31), Betöre 9.14»/, (914»/, Lviia 5b'/. r3 66, Wariojuu —<72 50^ rtvren 730«»/, <302 u 100 Schilling. L urschav, 30. Jänner. (Devisen. 1 Belgien 3317 ottz 33 33 Berlin —.— bi» —.—, Holland 292.17 ne 293 63, r:o»bo- 35 41 bis 35 59. Rew-^or 728 — n,» 730 — Barts 27^8 vtS 27.73 Cchwerr 14040 br» 14110, Budavest —bis —. Prag 3156 vts 31.66 Wreu —.— vis —.— für 100 Schilling, Italien—.— bis —. Stockholm —bi? —. — Bukarest — — bis —. Fußball. Sie Meifterlchalt. Heute finden folgend- Punktekämpfe der ersten Klasse statt: Amateure gegen Vienna (Amateur-Platz). Schüdsr.chtrr fwicker. Slovan gegen Rudolfshügel (Rudo.Hügel- .atz). Schiet Seichter Berner. Wacker gegen W. A. C. (Meidling). Schiedsrichter Kau mann. Simmering gea-n Hertha .(Hertha-Platz). Schiedsrichter Michl. Die Spiele bcg.nnen um 2 Uhr. _ Eine Rveverla<re des Sportklubs in Prrrg. Brsovicr siegt 5:4 (2:4). Prag, 30. Jänner. Das erste Sp'el des Wiener Sport5ubs brachte ihr« eine unverdiente Rieder'aae durch Brsovice. Zur Halbzeit lagen die Wiener/-re ein hübsches Komb nationsspiel vorsührten, bereits mit 4:2 in Führung 'Dann kam jedcch der i fast gänzliche Zusammenbruch der Sportklub-Hintermannschaft, die ohne Edi und Teufel angetret-m war. Die Tschechen dominierten jetzt und konmen nach Ausgleich in der 42. Minute durch Knizek den siegl-ringenden Treffer erzie'en Das Spie! ging auf dem aufge-wcichten Slavia-Platz vor 1000 Zuschauern vor sich. _ Wiener Vereine im AuÄ nd. Drei erstklassige Wiener Mannschaften haben heute im A.isl no Wet fp.ttc auszutr g n. Der Sporrklub tritt in Prag der Slavia en'.gegen, Admira spielt in Agram gegen Gradjanski, und Floridsdorf Ipielt sein erstes March auf der Insel Malta. Ein« Plenarversammlung der Schiedsrichter findet im Ber> bandshemr am 6 Februar um halb 7 Uhr abends statt. BrandstAter, der vielfache inrernoiionale und langjährige Spieler Rapids, wo er vo< kur^m abgebaur wurde, ha: einen Vertrag mit He r tha aboe'chlossen und wirv berei s cheute in ver Mannschaft tätig sein. Auch sein alter Klubkollcge Dietrich wirkt bekänn.lich b.'i den Favorilnern als Berie.diger. Larrdevspre^einnabmen "im Aahve 1925. . Holland—Belgien an erster Stelle. Die größten Einnachnen bei Fußballw.'t spi len ergeb'n sich naturgemäß bei Länderkämpfen. Der „Sport-Hirlop" ver ff'"tlicht eine Statistik, die sehr int-resianle Ziffe n mi'teilt. Unt r 50 Lände r s p i e l e n des Jahres 1925. die hauptsächlich aus dem Kon.'nrnt mit Ausnahme En'lands in Betracht g-zoa n wurden, nimmt das am 3. Mai stattg.'mndene Sp'el Ho i n b—SB e I g t en in materieller Bezieh 'ng den ersten Platz cm. Der Kampf brachte eine Bruttoeinnahme von 1165^00.000 ung. Kronen. SAM SDotlTet! Erscheinet Sonntag den 7. Februar, vormitt a.g s, in Massen zum Meeting der jüdischen Sportler im Klubheim der Hakoah, 1. Bez., Wipplingerstratze 24. Beginn 10 Uhr. R e d n e r: Oberbaurat S1 r i ck e r, Dr. F r i e d m a n n, Gemeinderat Dr. P l a s ch k e s. Der Iüdische Sportverband. An.v rerter Stelle steht das am 27. September v. I. in Wien ansge ragene Ma.ch zwisch -n Oesterreich und Spanien mit einer Einn?.chme von 1.128,9^.000 Kronen. An neunter Stell? rangiert de: Kampf zw.sch.'n Oesterreich und Ungarn vom 3. Mai in Wien mit 707,140.000 Kr wen. Oesterreich—Schweiz <22. März in Wi n) brachte 63',5 0C00 K onen. An letzter stelle befinde: sich ein Kampf zwischen Kanada und Amerika mit 46,550.000 Kronen. _ Die Jahresbilanz der Sparta. Im Jahre 1925 bestritt die erste Spartamannschaft insgesamt 71 Weti)pre!c, von denen sie 56 gewann, 5 verlor uno 10 unentschieden h-.elt. In der Frühjahrsfaison trug Sparta 9 Ligaspiele 'aus, von denen ein einziges, uno zwar gegen Bikwria Zizkov 0:1 verloren ging und ein weiteres spiel gegen Mereor 8 unentschieden 2:2 endete. Sparta genann zum dritten Male den Pokal. Bon 86 internationalen Spielen gewann Sparta 26. h'elt 7 unentschieden und verlor 2 Spiele, die in Wien gegen W. . A. C. uno Rapid stattfairden. Unter den Geschlagenen befinden sich National Montevideo, Bolton Wanderers, Espanol/Bilbao,?1marrure Wien. Bienna, Barcelona F C.. Red Star-Olympique Paris, Grashoppers Zürichs Admira (W en). 2:urm (Graz), H. A. S. K. Agram, Demfrco und Sportrng Club Lisi oben rrsw. Torschützen: Dvoracek 59, Polacek 45. Hajny 23. Schäfer 22. Hojer 16. Meoua 15, Cerveny 9, Horejs 7. Simorrek und Rektorys je 6, Hruby und Slanek je 6. Boidin 4, sed'acek und Masat je 3 usw. Die meisten Spiele abscmiicrte Crrbeny mi: 65, cs folgen Kolcnath und Hochmann mit je 56, Simone! und Hojer 65. Kada.63. Die Generalverscmmlmig der Slavia, die letzten Mittwoch abgchalren wurde, wählte den Minister Dr. Milan Hodza zum Obmann, zum geschaftsnhrerden Vorsitzenden den Jnq. Alois N ovy. Der Umsatz rm I ah r z 1925 betrug 2,5 Millionen tschechische Kronen. An S p i e l e r g a g e n , wurden Mer 381.000 rschech. K. ausgezoh t, für Entschädigungen nur an Prrgor Vereine 270.000 tschech. K. Ter Kassaabgang beträgt 51.000 tschech. Kronen. Für das heurige Jahr wurden für die Professiona gagen 244 000 tschech. K.. für' Prämien 120.000 tsch«ch. K. prälimin'ert, zusammen also 364.060 tschech. K. gegen 381.000 tschech. K. im Vorjahre. ________ Schwimmen T«ie Schwrmmsektion des Boung Jewish Sporting Club. Die Schwimms ktion des Nonng Jewish Sportingclub hat in letzter Zeit e.n.m großen Ar,s..wunä genom ueu. Die zietbewußte Aweit der Sektionslilung die ihr Aug.'nmerk h-up sachlich der Jugend zmvrndet, beginn. Früchte zu tragen. Eine staatliche Anzahl junger Mädchen und Burschen bilden die Zögl n sriege des Kl. bs, die der Leitung des bewährten Trainers S.ch w a r z anvertraut sind. Die Kampfnrannschast des Klubs bereitet si r) e.fcig für die M.'istcrschaft des Jüdiichen Sportverba >des und für die kommende Saison vor. Die 'Namen der Schwimmer, wie .zum Beispiel Meister, Nandor, Lajra. Reinkraut, Schallit, W. Popper -sw. und der D..men Brunn, Goldstein, Klein usw^ find eine Bürgschaft für den Er'olg. Die Wasserballmannschaft wird in so'g.nder Aufstellung spielen: W. Popper; H. Bajda. P. Roienb.'rger; A. R iß, A. S ern; Reinkraut, Lajta. Ersatz: A. Grünspan, schallit, Tibw Lasz'o. Gestützt auf den Eifer und das Können der Schw.mmer, erhofft Dektior>sleitung für die Zukunft das Beste. Boren. Eine neue Box/rgröße. Ccn O'Kellh. bisher ÄKe'ster im Ringen in der Schrvergew'.chtsklasie. hat sich dem-Boxen znaewandt und Montag abends in Lr'ndon im National Sport ng Club seinen ersten bedeutenderen Gegner,, Jim McDonald, geschiagen.. Mc Donalds Sekundanten warfen in der vierten Runde die Handtücher in den Ring, um durch das Ausgeben ihren Mann Copyrigh' 1926 by J. Ladyschnikow Verlag. B.rlio. gilt Glaubensmattynum.<23) Roman von Schalom Asch. ZweiterTeil. 1. Es fangt an. Sechs Jahre lang hatte Schloimele in der Jeschibah von Lublin verkracht und sich für die Stelle vorbereiter, die er im Leben einnehmen feilte — ein Parnes seiner Gemeinde zu sein. Er lernte bei dem Rabbiner von Lublin und wohnte mit anderen jungen Ehemännern in einem Gasthause bei der vornehmen Frau Sarah Joffe, die in Lublin eine große Buchdruckerei besaß. Bei ihr aß er auch an den Sabbat- und Feiertagen, und an ihrem Tisch lernte er gutes Betragen, denn sie war eine reiche Frau und stammte aus einem vornehmen Haus. Die Mutrer pflegte ihm dutch Kausleute, die zum Jahrmarkt fuhren, einige Stückchen Käse oder ein kleines Gefäß mit Honig zu schicken, der Vater aber ein Paar neue Stiesel, einen Pelz zum Winter, ein Briefchen mit einem „Gruß von Deiner Gattin", was in ihm besondere Gefühle hervorzurufen und seine Wangen rot zu färben begann. Als aber die sechs Jahre um waren, Schloimele sein Studium beendet hatte und Frau Twoira, seine zu Hause gebliebene Frau, groß geworden war, kamen die Verwandten beiderseits zusammen und bestimmten: da es nicht gut ist, daß Mann und Weib getrennt leben, solle Schloimele aus der Jeschibah genommen werden und nach Hause kommen. Mendel fuhr nach dem Jahrmarkt von Lublin, um seinen Sohn heimzuholen. Der Vater erkannte den Sohn nicht wieder. Schloimele war groß geworden und sah mit seinem PelKut und Pajes wie ein junger Rabbiner aus, so daß der. Vater vor ihm Respekt spürte. Schlcimele aber erkundigte sich nach allem, nach der Mutter, ja sogar nach dem Dienstmädchen Marufcha, nur nicht noch seiner Frau. ' „Warum fragst du aber nicht nach deiner Frau?" lächelte der Vater. Tchloiw-lr errptew, „Sie ist groß geworden, du wirst sie nicht wiedererkennen. Sie wohnt bei ihren El:ern." „Warum nicht bei Mama?" fragte Schloimele. „Sie hat Angst, daß du ihr das Häubchen vorn 5kopfe reißen wirst, wenn du zurückkommst, wie du tatst, als du noch ein Kind warst." ‘ Sch'oimele erwiderte nichts darauf. Dem Vater äber^tat es leid, ihn beschäm: zu haben und er sagte: „So ist der Brauch — vor dem Feiertag, ehe der Mann heimkcmm', begibt sich die Frau zu ihren Eltern. Wenn du aber da bist, wird sie, so Gott will, wieder zu uns zurückkehren." Schloimele wollte ein anderes Gespräch anfangen, aber der Vater erinnerte ihn: ,Hier hast du Geld; kaufe irgend ein schönes Geschenk für deine Frau zum Feiertag." Schloimele nahm das Geld, um für seine Frau etwas zu kaufen. Er ging nach dem Jahrr»larkt und sah einen Juden, der ausrief: -„Warschauer Go'dstieselchen, ein Geschenk für die frommen Frauen zu Feiertag." Ta erinnerte sich Sch'oime an die Gokdstieselchen, die er seiner kleinen Frau vor seiner Abreise versprochen hatte; er kaufte die Schuhe, und der Händler wünschte ihm: „Gott soll helfen, dct§ die Fromme, die die Schuhe tragen wird, sie in Reinheit und Heiligkeit trägt." Schleime sah sich den Juden näher an. Er kam ihm bekannt vor, als hätte er ihn schon irgendwo gesehen. Später erinnerte er sich, daß es dds Schneiderlein war und war darüber verwundert. - » Cs war zur Zeit des Purim im Jahre 1648. Ueber die weißen Felder glitt lustig ein Bauernschlitten mit jungen Leuten. Die Schatten der Leute, der Pferde und des Schlittens krochen über die Fe'der hinter dem Schlitten her.- Der weiche Fahrweg schlängelte sich mitten in dem weißen Schneemeer berMf und bergab. Ta und dort schimmerten in diesem Meer weite kchle Felder g'eich schivarzen Inseln. Es war DÜMEWvg «och einem schönen jonnigeu Tag. Der tzmuml war klar und blau, als wäre er sauber gewaschm und zum Passahsest von allen Wintevwolken gereinigt. Blaue, klare Wölkchen schwammen lustig umher und die rotgoldene Sonne stand hinter dem Braslawer Wald und blickte zwischen den kahlen Baurnzweigen hindurch. Ein Schwarm schwarzer Raben flog den Reisenden nach; da die Vögel keinen Platz 'fanden, wo sie Halt machen konnten, umkreisten sie den Verdeckwageu in der Luft und ließen sich zulvei.'en nieder, kaum den Schnee berührend, in dem die Spuren ihrer Füßchen blieben. Die Lust war durch den weißen Schnee und die B aue des Himmels ro:-lila gefärbt. Die verfaulten Wurzeln und die kräftige entblößte Ewde verbreiteten einen feuchten Geruch. Zuweilen kreuzte der Schlitten ein Schneeseld, auf dem die Spuren von Wölfen zu sehen waren, und jedesmal ließ sich dabei aus dein Innern des Verdeckwagens eine Stimme ve.rnehmen: „Hillel, wir sind mitten in kahlem Feld zwischen bösen Tieren, und dle Nacht senkt sich hernieder, Hillel." „Wir sind bald am Ziel, Herrleben. Dort sieht man schon die Kirche von Braslaw." „Was nütz: mir die Kirche, H'llel? Wir muffen doch Minchgh beten, es wird aber immer später. Im Felde aber Halt zu machen, ist zu gefährlich." „Wir sind bald da, Herrleben." „Wir werden das S chmona-Esreh versau inen, Hillel." „Wir werden das Schmona-Esrch nicht versäumen, Gott bewahre, wir werden noch vor Minchah da sein." Hierauf begann Hillel die Psexde in den verschiedenen Sprachen» die er kannte, anzutreiben. Er redete sie russisch an: „Stupajte, bratzh, stupajte."*) Er redete sie jiddisch an: „Brüderlech kleine, tu: mir einen Gefallen, beeilt euch, der Herr muß zu Minchah beten";, am besten verstanden ihn die Tiere jedoch, als er ein Stück aus dem Morgengebet herzufagen hallte weit über die freien Felder. Da setzten sich auch die begann. Hillel betete aus vollem Halse, und seine Stimme Tiere über die frische, nasse Erde lustig in Trab — der Weg entschwand förmlich unter ihren Beinen, und bald gelangten die Reifenden in die schmutzigen Straßen von Braslaw. *) „Lauft, Brüder, lauft." chortsetzung folgt.)