Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2492 (30.1.1926)
- Date
- 1926-01-30
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. SVl. Msenrr MoeaumME sm f Men, FainWg Veteranen des polnischen Aufstandes im Jahre 1863, Feiwisch Kaliski, im Alter von 86 Jahren gestorben. Kallski nahm in seiner Jugend am polnischen Aufstand im Jahre 18 63 in hervorragender Weise teil. Er wurde von Kosaken gefangengenommen und von dem russischen Diktator Schwarz zu emer schweren Körperstrafe verurteilt, da er über die Operationen der Aufsländischen keinerlei Mitteilungen machen wollte. Sodann mußte Kaliski eine dreijährige Kerkerstrafe abbüßen und eine Verbannung nach Sibirien mitmachen. Um das Jahr 1866 kehrte er in seine Heimatstadt zurück. Nach Wiederaufrichtung der polnischen Republik erhielt Kaliski von der Regierung eine Ehrenpension. An feinem Leichenbegängnis nahm die ganze Bevölkerung Wloclawcks teil. Kaliski wurde unter militärischen Ehren bestattet. * Moritz Steinschneiders Gesammelte Werke. Vor nunmehr fast 20 Jahren als der große Judaist und Polyhistor Moritz Steinschneider seinen 90. Geburtstag feierte, saßteir zwei seiner Schüler, Heinrich Malter und Alexander Ma rx, beide in Amerika tätig, den Plan, seine die verschiedensten Disziplinen umisass.'tlden und überall verstreuten E.nzelschriften zu sammeln und, nach Ma erien geordnet, herauszugcben. Leider ist bis heute erst ein Band, die Aufsätze zur Gelchrteugeschichte, fertig geworden Die anderen Bände, in denen die Arbeiten zur Literaturgeschichte des Mittelalters, Mathematik und Medizin, Kulturgeschichte und Kritik, gesammelt werden sollen, und die als Abschluß beabsichtigten Bände vermischten Inhaltes stehen noch aus. Der eine der beiden Herausgeber P-of. Malier, ist gestorben. Hoffentlich finden sich bald Ersatzkräste, die das Unternehmen roeit'rfitfjrcn helfen ♦ Die Kulturarbeit der Pretzbmger Wizo. Mau schreibt uns aus P r e ß b u r g: Ink Rahmet« eines von der rührigen Leitung der Preßburger Wizo veranstalteten Vortragszyklusses hatten wir .Gelegenheit, Frau Dr. Mar ha Ho ffmaitn aus Wien als Vortragende kennen und schätzen zu lernen. I» vier Vorträgen entwickelte die Rednerin ein psycholostlsch fein aurchgearbeitetes Bild des geistigen Judentums vom Auftreten Moses Meudelsohns bis Achad Haam und Theodor Herzl. Es gelang der Vortragenden sowohl durch ihr vielseiti'ges und im,lassendes Wissen, wie auch durch die warnte und lebendige Art ihres Sprechens, ganz außerordentlich, die großen geistigen und ^kulturellen Strömungen innerhalb des Judentunis, aus den« Gaffte der ieweiligen Zeitepoche heraus, aufzuzeigen. Ter agi'en Leitung der Wizo m Bratislava gebührt Dank dafür, daß sie irr rastloser Arbeit das Ausklärungswerk unter den jüdischen Frauen der Slowakei«in immer weitere Greife trägt. * Noch Ater als die Pharaonen. Der Leiter einer wissenschaftlichen Expedition, die eine Ruinenstätte in Honduras (Mexiko) durchforscht, N. Harrington. entdeckte ei» Grab.' in dem er Mumien zu finden hofft, die älter und besser erhalten sind als die in Aegypten. Der Gelehrte hat bereits mancherlei Kunstgegenstäude der Azteken aufgefunden. Die Bevölkerung soll in Amerika gelebt haben, lange bevor in Aegypten die Pharaonen ihre Schätze in den Pyramiden und Grabkammern unterbrachten. Das von Harrington bloßgclegte Grab befindet sich in einem Salzberg, was die Annahme rechtfertigt, daß die Leichen unversehrt sind. * Ein hebräisches Witzblatt in Palästina. Soeben erschien in Jerusalem die erste Nummer der hebräischen Ulk-Zeitung „M i stharna" („Wahrscheinlich"). Sie enchält heitere Artikel, Anekdoten und Witze, sowie viel humoristisches Bildmaterial. Vereine, Vorträge und Versammlungen. Toynbeehalle, 20. Bez., Denisgasse 33. Heute, 1 Uhr abends, Konzertaufführung: „DieDanberfl ö.t.e" durch die Opernschule der Frau Schallenberg- Pruwer. — Wiener Beth-Hamidrasch, 2. Bez., Ferdinandstraße 23. Heute, 3 Uhr nachmittags, Lektor Dr. S. Rubin: „Moses, fern Gottesbegriff." — Hebräischer Lehrervervano. Heute, 8 Uhr abends, Versammlung sämtlicher hebräischer Lehrer in Wien im Cafe Arkaden (Universitätsstraße). — Zionistische Kulturgruppe 20. Bez., Karl-Meißl-Straße 5-1. Heute, halb 6 Uhr abends, Vortrag des Herrn Dr. Paul Diamant über „Zionismus von Herzl bis beute." Morgen, 9 Uhr früh, Büchsenleerung. 7 Uhr abends, Heimabend mit neuem Programm. Gäste willkommen. — H i t a ch d u t h, 2. Bez., Glockengüsse 30. Heute, halb 8 Uhr abends, dringende Mitgliederversammlung. — §ionistische Bezirkssektion Prater, 2. Bez., ungstraße 8. Heute, 8 Uhr abends, in unserem Heime „C h amischan-Assar-Feier". Festredner Dr. David Rothblum, Vizepräsident des Keren Kajerneth. Mitwirkende: Frl. Braten, Frl. Gertrude Grubner (Neue Wiener Bühne), Oberkantor Gerschon Margulies und Samuel Schwager. Gäste willkommen! Urania. Heute, halb 8 Uhr abends, im dritten Saal Gedenkabend an Rudolf Stürzer. Leopold st ädter Volksherm, 2. Bez., Zirkusgasse 48. 7 Uhr: Ing. Andreas Alt mann: Fortschritte der Elektrotechnik im 20. Jahrhundert. (Mit Lichtbildern.) Eintritt frei. # Geburtsfeier. Das Beth-Hamidrasch der Talmud-Thora, Malzgasse, feiert heute im Rahmen eines feierlichen Gottesdienstes den 70. Geburtstag seines Obmannes Leopold Hirsch. Herr Hirsch ist Prokurist der Firma Jakob Neurath und steht bereits 56 Jahre im Dienste der Firma. Als Obmann des Bctbauses amtiert er seit dem Jahre 1910. Der Vereinsvorftano wird seinem Obmann ein E h r e n di p l o m überreichen uitb der nächsten Generalversammlung seine Ernennung zum Ehrenpräsidenten Vorschlägen: Die Firma Neurath hat aus Wunsch des Jubilars anstatt der Veranstaltung eines Bankettes den Betrag von 1600 Schilling den verschiedenen jüdischen Wohlfahrtsinstitutionen gespendet. Zionistische Sektion 6—8 und hebräische Schule, 8. Bez., Bennoplatz 1a. Heute, 8 Uhr abends, große Chamiscya- A s s a r - F e i e i Festrede Prof. Dr. PH. Goldberger. Anschließend Akademie; Verteilung p a l ä st i n e n s i sch e r Früchte. Tanz. E Zionistische Bezirkssektion und Frauengruppe Alsergrund. Heute um halb 8 Uhr abends im Cafe City, 9. Bez., Porzellangasse 1, G ese l l s ch a f t s a b e n d mit Tanz. Jazzband k a v e l l e starke. Ohel Rachel. Auch Heller wurde anläßlich des Todestages aes Vereinspatrons, des Herrn Selig Meininger, von den Kindern des Verstorbenen eine namhafte Summe zur Unterstützung eines in Not geratenen Kleingewerbetreibenden gewidmet. Petanten »lögen ihre Gesuche täglich zwischen 7 bis 8 Uhr abends bis znm 14. Februar im Vereinslokal, Kleine Pfarrgasse 8, abgeben. _ Radioprogramm. Samstag ben 80. Jänner. 15 Uhr 30 Min.: F istprogramm antäßlicv der Eröffnung ves Größte> ders Voripruchr „Zuetgiiu g", gefproche»! von Odelregiffeur Prof. Georg Reimers. Karl Maria v. Weder: Ouvertüre zu ..Eurnanthe" (Wiener Ptztltzaimomker, Leitung Direktor Franz Schalk). — Offizielle Ansprachen. — Richard Strauß: „Don In n". sumpbontiche Dich ung (Wiener Phtlbarmontker. Leitung Direktor Franz Schalk). — GesamiLvorträge: «ammersänaerin Selnra Kurz-Halban (am Flügel Prof Erich Melle«, Staatsoper) — Vorträge de« Wiener Mäiiriergelaiigvere'neö. - 20 lihrr Abendkonwrl der Kapelle Silvtng Der Wiener Walzer. - 22 ttbr 30 Min. r „Das „Drelmäderlhaus". Kunst, Bühne, Buch. „2er Vrätttigo« mts der Wolke." Neue Wiener Bühne. Dir tapfere Arbeitsgemeinschaft, welche gegenwärtig die Neue Wiener Bühne offen hält, ist jeder Förderung würdig. Wir wollen daher die jüngste Premiere, die wsit geschmackloser als witzig ist, mit weitestgehendem Wohlwollen behandeln. Dem Autor, .Herrn Julius Wilhelm, muß aber doch geraten werden, eine Szene des zweiten Aktes abzuändern. Es wird sich ja bei diesem Dichterwerke ohne. Schädigung des Gesamteinbruckes machen lassen. Wir meinen die Sache mit dem rituellen Bad und mit dern Beamten der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde. Kein Possenfabrikant hat das Recht, einem Organe der jüdischen Gemeinde einen Betrug zuzumuten. In profanen Dingen nicht und in heiligen schon gar nicht! Die Angelegenheit, in deren Mittelpunkt ein übergermanischer Advokat und ein jüdischer Versicherungsagent stehen, wird sehr flott heruntevgespielt und das genügsame Publikum unterhält sich ausgazeichnet. Herr Schrecker hat einen besonders guten Abend, Herr Itorm spielt den Advokaten mit Wotansbart und Brustton der Uoberzeugung. Fräulein Körner ist sehr angenchm und die meisten anderen Mitwirkenlden sind voll Verdienst. A. Sie WeMournee der „Hablmalj". Das berühmte hebräijche Theater in. Moskau Habimah hat sicy, wie bereits kurz berichtet, am 25. d. auf die Reise begeben, um in zahlreichen Großstädten Europas und wahrscheinlich auch Amerikas Vorstellungen zu geben. Die erste Vorstellung fand am 28. d. in Riga statt. Die Truppe wird dann in K o w n o gastieren. In diesen beiden Städten sind bie ersten Vorstellungen der Habimah seit längerer Zeit bereits ausvcrkauft. In Riga fand die Vorstellung in der Nationalen Oper statt. In einem Gespräch mit dem I. T. A.-Vertreter äußerte sich der Schöpfer und Direktor der Habimah, Herr N. Zemach, dahin, daß die Habimah wahrscheinlich ein Jahr lang im Auslande verbleiben wird. In Moskau wird inzwischen die Habimah durch ihr aus 20 Darstellern bestehendes Studienensemble ersetzt werden. - Tie maßgebenden Faktoren der Sowjet-.ogierung haben versprochen, die Schule während der Abwesenheit des Hauptensembles zu unterstützen. „Im Auslaüöe lverden wir zeigen, was eine jüdische Truppe m Dtoskau, abgelchnttten von der jüdischen Mafie, leisten kann. Tie Habimah hielt 'n Moskau aus und streute hier den Samen für eine neue hebräffche Kunst." Herr Zemach dcuttte an, die Habimah möglicherweise a u ch in Palästina gastieren wird, da sie sich für Saloniki und Konstantinopel bereits verpflichtet hat. Herr Zemach wünscht, eine lebendige Beziehung.zwischen der Moskauer Habinrah und Jerusalem zu schafsty.. Aus den Theatern. Burgtheater. Morgen, 3 Uhr nachmittags, „Der B a u e r a l s M i l l i o n a r", Va8 Uhr abends „Lady W t n d e r m e r e s F ä ch e r". Akadem'etbea'er Morgen, 3 Uhr nachmittags, „D i e K i n d e r", */,8 Uhr abends. „A ltweibersommct*. Oper n t heater. Morgen 7 Uhr abends, „F a n st" (Margarete). R e b o u t c tt f o a I. Morgen, l/t8 Uhr abends, „Don P a S q u a l e"-. Raimund-Theater. Asta Nielsen verabschiedet sich heute und morgen in „Ein romantisches Abenteuer". Theater in der Josef st ad t. Morgen, 3 Uhr nachmittag, „G e s o l l i ch a f t". Exl-Bühne im Wiener Stadttheater. Morgen, */*3 Uhr nachmittags, „Die Politiker" von Rudolf H a w e l. Modernes Theater. Morgen, 12 Uhr mittags, gibt der russische Tänzer Sascha L e o n t j e w eine Tanzmatinee. Klavierkonzerte. Gleich Hevmann Arminski, der seit den: Vorjahre erfreuliche Fvrtschrittc gemacht hat, erwies sich Stephan Bergmann neuerlich als grunvmusikaUscher, m allem Technischen erfahrener Pianffti Der 14jährige Albert Baller spielt mit dem rhythmischen Elan und mit der geistigen Energie eines Evlvachsenen. Der kleiice Junge, der an Bravour uuid Ausdruckskraft schon.heute ein ganzer Kerl ist, wird seinen Weg machen. —r. Soeben erschien: JOHN MACREADY Der Aufgang des Abendlandes Ein geniales Buch, dessen Erscheinen eine Sensation bedeutet. Eine geistige Kampf- und Offenbarungsschrift, die e>ner neuen Weltanschauung, einer völligen Umge« s altung und Revolutionierung unserer bisherigen Geistesrichtung die Bahn bricht Ein grosser englischer Gelehrter schrieb dieses Buch mit Hilfe eines deutschen Autors in deutscher Sprache, da das Weri< in seinem Heimatland nicht erscheinen konnte. Nun nimmt es seinen Wet> über Deutschland, um sich auf seinem Stegeszug die gesamte gebildete Welt zu erobern. Ter Weltkrieg des Hchtverklärten germanischen Idealismus wider die finsteren Machte de« Materialismus und Mammonismusi die uns in den Abgrund stürzten! Ein Werk das den geistigen Wiederaufbau, die moral! che Gesundung der abendländischen Kultur herbetführen wird. Preis kartonteit 10 Mk. Elegant in Halbleinen geb. 12 Mk. Durch jede bessere Buchhandlung su beziehen Wilhelm Borngräber Verlagf Leipzig Täubchenweg Nr, 1 im_ Gerichtssaal. Seschworne sollen auch die Strafe sestsetzea. Eine Neuerung in Frankreich. Aus Paris wird gemeldet: Der Senat hat einem Gesetzentwurf zugestimmt, durch den die Ge sch warnen nicht nur den Wahrspruch zu fällen haben, sondern in Zukunft auch an der Festsetzung der Strafe beteiligt werden sollen. Der Justlzmmister hat namens der Regierung die Zustimnnmg zu diesem Gesetzentwurf gegeben. der Seversche Ukar. Bezirksrichter Dr. Berger, StDafbLzirksgericht 1, hatte stiy gestern mit einer interessanten, gegen den Transporvbegl-eiter Chaim Hirsch Kleiner wegen verbotener lRückkehr gerichteten Anklage zu befassen. Der Beschuldigte, der seit zehn Jahren mit seiner aus' Frau und vier Kindern bestehenden Familie in Wien wohnt und bisher unbescholten ist, wurde unvermutet im Mai 1924 von der Polizei-direktion auf Grund der FremdenbeHandlung ttoch der Severschen Verordnung vom Jahre 1919 aus Gründen der öffentlichen Ordnung ohne weitere Motivierung für die Dauer von fünf Jahren aus Wien a b g e s ch a f f t. Kleiner reiste nach der Abschaffurtg aus Wien ab, nahm in Krakau die Stelle eines Begl-riters bei Vichtransporten an und kam in Ausübung dieses Postens wiederholt nach Wien, woselbst er sich immer mchrere Tage bei feiner Familie unbeanstandet aufhielt. Er hatte auch jedesmal zur Fahrt nach Wien von dem ö st e r r e i ch i s ch e n K o n s n l a t in Krakau ein ordnungsgemäß ausgestelltes,- für die Dauer von vier Wochen gültiges Visum jedes Mal erhalten. Zuletzt am 14. d. Als er vor einigen Tagen mit einem Vichtransport, der nach Deutschland bestimmt war, in Wien ankam und hier seine Familie besuchte, wurde er verhaftet und dem Strasbezirksgericht 1 lvegen verbotener Rückkehr überstellt. In der gestenr durchgesührten Verhandlung erklärte der Angeklagte, verteidigt von Dr. Juris, daß er sich keiner strafbaren Handlung schuldig fühle. Es sei ihm zwar seinerzeit zu seiner größten Uoberraschung auf der Polizei mitgetvilt worden, daß er für die Dauer von fünf Jahren aus Wien abgeschafft werde, allein er habe sich sirr berechtigt gehalten, nach Wien, wo er seinen ständigen Mohnsitz habe, jedesmal für kurze Zeit zurückzukehren, da er ja von einer österreichischen Behörde in Krakau auf seinen Paß ordniungsg-emäß das Visum erhallen habe. Es sei . ihm auch nicht zu verargen, wenn er sich in Wien einige Tage bei seiner Familie aushalte. Um eine Aufenchaltsbowilligung habe er sich zwar gekümmert, doch habe ein Anwalt erst das Honorar für die Beschaffung einer Aufenihaltsbewilligung verlangt. Der Verteidiger beantragte den Freispruch seines Klienten, der sich für berechtigt halten konnte, aus Grund des ihm von einer österreichischen Behörde jedesmal erteilten Visums nach Wien zurückzukchren und sich hier bei seiner Familie aufzuhalten. Der Angeklagte sei, obzwar er bisher unbescholten sei, seinerzeit ohne Anlaß aus Grund der Fremdenbehandlung abgeschafft tvorden, sei eigentlich nie aus Wien für beständig abgereist und habe auch nicht die Absicht gehabt, sich dauernd außerhalb Wiens auf-« zuhaltetr. Der Richter verurteilte den Beschuldigten im Sinne der Anklage zu drei Tagen Arrest, verschärft durch ein h a r t e s Lager. In der Urteilsbegründung führte der Richter aus, daß die Uebertretung der verbotenen Rückkehr vm Formaldelikt sei, welches schon dann begangen ist, wenn jemand, der aus Wien abgoschafft sei, hieher zurückkehrt. Die Einwendung, daß der Angeklagte auf Grund des ihm von einer österreichischen Behörde im Ausland erteilten ordnungsgemäß ausge-- stellten Visums sich berechtigt halten konnte, nach Wien znrückzukehren und sich hier aufzuhalten, sei nicht stichhältig, da das Visum des österreichischen Konsulats in Krakau, welches von der Abschaffung durch die Wiener Polizoidirektion keine Kenntnis haben muffe, nicht als eine Aufenthaltsbewilllgung anzusehen sei. Der VerMteilte erkärre, die Strafe anzunchmen, da er im Falle einer Berufung noch länger in Hast hätte bleiben muffen, Was. kostet eine Verführung? Die Privaibeamtin Anny H. brachte gegen den Gutsbesitzer Viktor R a tz e n b ö ck b.im Zivillandesgericht eine Klage auf Ersah von 300 Millionen Kronen wegen verminderter Heiratsfähig! eit durch Verführung unter Zusage der Ehe ein. In der Klage wurde geltend gemacht, Klägerin habe nur durch die Heiratsverspr.'chnugen des Geklagten, den sie bei einer Unterhaltung kennen lernte, nach kurzer Bekanntschaft sich dazu bestintmen lassen, mit ihm ein Hotel aufzusucheit. Da der Geklagte überdies sie regelmäßig im Hanse ihrer Eltern besuchte und solche Besuche doch nach Gewabnyoit und Sitte als ans eine Eheschließung gerichtet angesehen werden, unterliege es auch ans diesem Grunde keinem Zweifel, daß eine Heirat in Aussicht genommen war. Der Geklagte bestritt die Verführung und das Heiratsversprechen. Bon einer Eheschließung könne mit Rücksicht auf stine gesellschaftliche Stellung nicht die Rede sein. Das Zivillanoesgericht erachtete die vorliegenden Umstände für hinreichend, um eine Verführung unter Zusage der Che anzunehmen und verurteilte den Geklagten zur Zahlung von 300 Millionen K r o n e n an die Klägerin, da dieser Betrag als Ersatz für eine Verführung angemessen sei. Dies wurde in der gestern vor dem Oberlandesgericht über die Berufung des Geklagten staltgehabten Verhandlung bestritten. 300 Millwnen seien für eine Verführung, selbst wenn eine solche wirklich Vorlage — was nach wie vor bestritten wird — viel zu hoch. Der Geklagte wolle der Klägerin etwas bezahlen, aber keine 300 Millionen. Auf Vorschlag des Vorsitzenden, Hofrates Dr. En der, kam schließlich ein Vergleich dahin zustande, daß der Geklagte sich zur Zahlung der Hälfte, somit 150 Millionen Kronen, an dte Klägerin verpfltchtete. Tin Wachmann wegen sahrläffiger Tötung verurtettt. Gestern war vor dem Einzelrichter Hofrat Dörr der Wiener Wachmann Johann Rosen wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Dem Fall lag folgender Sachverhalt zugrunde. Rosen war am 31. Juni 1925 in den frühen Morgenstunden im Cafe Dieudl erschienen, um den Besitzer aufmerksam zu machen, daß er das Lokal vor 6 Uhr geöffnet habe. Er geriet mit dem Bäcker B a u Sb ö ck in. einen Konflikt, .worauf Bausböck ihn fragte, ob er auch eine Waffe bei sich habe. Der Wachmaim zog eine Frommer- Pistole heraus und hantierte damit so unvorsichtia, daß ein Schuß losging, der den Bausböck m den Bauch traf. Die Verletzung hatte den Tob des Unglücklichen zur Folge. Rotz« Mwe g, iechS Kschcs Arrkcz AAvedtagt fratgfr«,