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Wiener Morgenzeitung · 1926-01-27 · Heft 2489 (27.1.1926) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2489 (27.1.1926)
Date
1926-01-27
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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H ^VvAj ^>**(&^V . ’j.' •'*■■• ^,-.rv,vVi r-»«-'k.7'.^'..?.*•:.' 'v«»W' t em s Dirn. Mittwoch Wiener MornenHettunft Im Gegensätze Dr K a t t o w „®te lügen" — Mm Ehrenbelttdigung. zu allen Strafrichtern hat O-bercandesgerichrsrat (BezirksAcricht Döbling) in einem konkreten Falle ausgesprochen, daß der AuÄrück „Sie Iügen" oder „alles, was Sie sagen, i st Lüge" keinen Anlatz zu einer Ehrenbeleidigungsklage bietet. Vor einiger ft.it fand beim Strafbezirksgerichr Döbling eine Verhandlung statt, bei der der Kaufmann Laurenz V. angeklagt und der Kaufmann Adalbert G. Privatbeleiligt r war. Fm Laufe der Verhandlung sagt- G zu V: „S i e lügen! alles, was Sie sagen i st Lüg e!" Degen di.ser vor Gericht gefallenen Worte klagte B. den G. wegen Ehrenbeleidiaung. In d.r in den letzten Tagen stattgefundenen Verhandlung sprach Oberlandesgerichtsrat Dr. Kattow d.'n Befchuldigten frei, und #unr mit folgender Begründung: Der Beschuldigte hat den Ausdruck „Lüge" in Wahrung seiner eigenen Interessen .^braucht. Er wollte damit zum Ausdruck bringen, daß die Berantwoctung des B. unrichtig uns unwahr ist. Der Ausdruck „Lüge" und „Sie lügen" ist in V o l k s k r e i s e n gang und gäbe. Es will damit nur ene Unrichtigkeit bezeichnet werden, eine Ehrentelekdigung ist damit nicht gemeint. auch n i ch t > b e z w e ck t. Keine Meldepflicht für vorübergehende Besuch». Gegen den Kaufmann Bert-Hold Kohn wurde vom Srrafbezirksgerichte 1 wegen Uebertretnng der Mcldevorjchrifren eine Strafverfügung von 3 Schilling erlassen, weil er es unb.rlafsen hatte» seine bei ihm durch mehrere Tage auf Besuch weilende, von Budapest zugereiste Nichts politzeilich an- und aozumelden Kohn hatte gegen die S.rasverfügung unter Hinweis darauf daß er um unbescholten zu se'n, auch n'cht digeringste Geldstrafe auf sich nehmen könne, Einspruch erhoben. In der gestern staitgefundencn Verhandlung erklärte Herr Kohn. daß seine Nichte bei ihm durch mehrere Tage selbstverständlich ohne etwas für die Unterkunft oder für die Verpflegung zu zahlen, als Gast geweilt habe und daß er der Meinung war. daß nur bezüglich derjenigen P rsonen. die entgeltlich in Nntermiete wohnen, eine Meldepflicht bestehe. Der Richter schloß sich dieser Anschauung an und sprach den Angeklagten frei, da sine Verantwortung, oatz d'e N'chte bei ihm unentzzeltlich als Gast gerveilt habe, glaubwürdig sei und sich die im Strafgesetze vorgeschriebene Meldepflicht nur ans Personen bezicht, die entgeltlich in Untermiete sind. Tie „Schwarzfahrer" auf den Bundesbahnen. Tie Ge- .neraldirektion der Bundesöabnen hat in einem Er'aste an die Dienststllen darauf aufmerksam gemocht, daß die strafger i ch t l i ch e Verfolgung der Entwendung an Bahneigentum geringeren Wertes und der Prellere:. somit Erschleichung der Beförderung ohne gültige« Fahrtausweis nur'auf Grund einer dem staatsanwaltschafil'.ch.'n Funktionär des zuständigen Bezirksgerichtes erteilten Er m ö ch ti g u n g erfolgen kann Für diese Ermächtigungsbeteilung werden nun in d.'m Erlaß bestimmte Direktiven gegeben. Die Er nachtigung fei im allgemeinen nicht zu erteilen, wenn der volle, den Umständen nach gerechtfertigterweife zu vermutende Schaden rechtzeitig gutgemacht wird, es sei de: n, daß wegen besonderer Erschw'eruncsgrimde eine strofaerichtlich- Ahnduna am P^rtze scheint. Nur bei Jugendlichen und bei Personen, die sich in offenbar unverschuldeter Notlage be inden, me che im Falle der unausschichbaren sliolweudiokest der ölelse einer Zwangslage gleichkommt, kann ausnahmsweise von der S ch a d e n s g u t m a ch u n g abgesehen werden. — Bei der Wiener Straßen- und Stadtbahn wird diese milde Praxis nicht geübt. Es wirb den Schwarzfehr nt keine Gelegenheit zur Cchadensgutmachung gegeben, diese! w vielmehr abgelehni und mit der Strafanzeige vorgegangen. Nachklange zum Hakeukreuzleruberfall in Mödling. Gestern waren vor einem Schöffensenat des Landesoerichtes 2 Die Hilfsarbeiter Alexander Weigel, Mathias M o r a f und Otto Hutz wegen Hausfriedensbruches und Huh außerdem tvegen schwerer Körperbeschädigung angeklagt, weil sie nach dem Hakenkreuzteruberfall in Mödling, bei dem der sozialdemokratische Gemeinderat Müller den Tod fand, den Techniker Karl Schüller, den sie für einen Hakenkreuzler hielten, verprügelten und ihn bis in seine Wohnung verfolgten. Während der Mißhandlungen wurden dem Schüller sämtliche Wertsachen gestohlen. Die Angeklagten bestritten jedes strafbare Verhalten. Auf Grund des Beweisverfahrens wurde Weigel zu drei Monaten, Moraf zu fünf Monaten und Huß zu sechs Monaten strengen Arrests, jedoch bedingt, verurteilt. Der Staatsanwalt berief wegen'zu geringen Strafausmaßes. Volkswirt. Amerika «i« die Merreichiiche Gummi« indu-rie drhmsche». Die Semperit-Werke in Abhängigkeit von der amerikanischen Finanz. Wie wir erfahren, ist die amerikanische Finanz bestrebt, ihr Interesse auf die Gummiindustrie Oesterreichs auszudehnen. Diese Absicht geschieht im Rahmen der großen Aktion, welche bekanntlich das amerikanische Kapital gegen das englische Gummimonopol eingeleitet hat. Bereits gestern wurde an dieser Stelle von dem Kreditboykott Amerikas gegen die englische Gummiproduktion berichtet. Damit gibt sich aber Amerika nicht rufrieden. Es sucht in aller Stille in der a"ßerenglischen Gummiprodukt'on eine führende Rolle zu erlangen, um so einen gewissen Trust der Gummiverarbeitungsprodnktton, der quasi als Ring die englische Urproduktion einschließen könnte, zu errichten. Ans diesen: Bestreben heraus sind al'ch die Bemühungen der amerikanischen Finanz erklärlich, in der österreichischen Guwmi'ndustrie festen Iuß zu fasten. Das Standardwerk der österreichischen Gumnwndustrie sind die Seni perit-Werke A.-G., A schon seinerzeit den Naw"n Oesterre'chi'ch-amer'kanische Gummiwerke führten. Für d'e Aktien dieses Unternehmens bestebt schon seit mebr als e'nem Ia^'e größeres Interesse in Wallstreet. wH sind 'chon im Borjabre größere Sev7v?'n't-Pakefe noch Amerika abv"wandert. Nun versucht die ameri^anistbe F'"anr auch ans anderem W^ge die Semverit-^'Hke an s'cb nt Trtt* *n. In F''nan'kresten be»,v<r*tet, bc* die a«wri''an'scl'e F'nam ibre Bereitwilligkeit erklärt babe. den S^mve^t^Werken einen ar'' ere n Kredit :nr Berfüonng ru st e f l e n. R'an spricht von drei Millionen Dollar. D'"'ch d'es"n K'^it i*nrfou sich die <^emPerrt-Werke A.-G. ^on dem österre-ch'schen und sonst'gen B^nkkapital volston'w"N unabhänaia me>ch-n nnd ihre Produktion nro'''no'g ansllonen. Ans dieses Z^ntereste ist auch die K"^''"ioernng der ^"^".-rit seit Jahresbeginn um zirka 20 Prozent zurückzuführen. Promptgeschäfte bei den kontcrminierten Effekten. Budapest. 26. Jänner, (ll. T. K B.) Um einer künstlichen Beeinflussung der Kursgestaltung an der Bndapester Effektenbörse, wie sie in den letzten Tagen in Erscheinung trat, wirksam Vorbeugen zu können, ist Leim Börsenrat ein Antrag in Behandlung, wonach er ermächtigt werden soll, jene Effekten zu bezeichnen, in denen nur Promptgeschäfte zulässig sein sollen. Danach wird der Verkäufer verpflichtet sein, die für prompte Lieferung verka"ften 'Effekten bereits am nächsten Tage nach dem erfolgten ^Verkauf beim Giro- und Kasfenverein einzuliefern, und der Käufer verpflichtet sein, die Effekten am dritten Tag nach dem Verkauf zu übernehmen. _27. Jänner 1986 _Nr. 2489 Sie toitt chrftllchr Laue Palästinas. Ans Jerusalem, 26. S., wird gemeldet: DaS von dem Handels- und Jnbnstriedepartemertt der Palästinareglerung her- > Kgegebene „Commercial-Bulletin" nimmt;u dev Aeußemngen der palästinensi'chen Presse über die gegenwärtig nn Lande herrschende Wirtschaftskrise in «>er folgenden Werse Stellung: Es ist Tatsache, schreibt das amtliche .Handelsorgan, baß die Krise nichts anderes ist, als eine Knappheit an Mägen Grldmitteln. Für die zahlreichen Einwanderer der letzten Jahre müssen Häuser gebaut werden, viel Geld wurde in Laudkäufen, teils zu Spekulationözwecken, investier:; es wurden zahlreiche Käufe an Baumaterialen und anderen Waren im Auslände getätigt, um den wachsenden Bedürfnissen im Lande entgsgenzukommen. Auf dielse Weise wurden in einer kurzen Zeitperivde hohe Geldsummen festgelogt, die llicht so leicht wieder flüssig gemacht werde»! können. Dies hat eine Geldversteisung zur Folge, die sich auf dem Gebiete des Handels fühlbar macht und die man noch nicht als wirtschaftliche Krise bezeichnen könne. Sie SeldflSsfigkeit der Welt. Keine Diskonterhöhung in England. Wie uns aus Londorr gemeldet wird, haben sich in der letzten Zeit die flüssigen Mittel des Londoner Geldmarktes vermehrt. Der Markt hat die in der Borwoche herrschende Anspannttttg überwunden. Tic Steigerung des Pfundes und die amerikanischen Diskontkäufe haben ein Zuströmen fremden Geldes verursacht. Während in der Vorwoche der Zinssatz noch um 5 Prozent notierte, ist er bereits auf 43/8 gesunken, wqs eine Verminderung um V< Prozent bedeutet. Unter diesen Umständen ist eine Erhöhung der englischen Diskontrate, wie sie noch in der Vorwoche befürchtet wurde, für die nächste am Donnerstag stattfindendc Sitzung des Generalrates der englischen Bank nicht zu erwarten. Tie Londoner City ist überzeugt, daß eine Erhöhung der Bankratc nicht ei «trete« wird. Das Fusionsbkgünstiglmgsgesetz weiter verschoben. Durch dir Obstruktion im BuvgetauSschuß ist auch die Beschlußfassung über das Iusionsbegünftigungsgesetz, welches bekanntlich mit dem Ende dcs Vorjahres abgelaufen ist und' nunmchr in nnÄlfizierter Fassung auf die Tagesordnung der Budgctausschusses gesetzt ivorden ist, bis auf weiteres unmöglich gemacht worden. Durch die Verzögerung der Beschlußfassung wird auch die geplante Fusionierung einer Reihe vou Unternehmungen bchindert. Die Schaffung eines FuskonSgesetzeS entsprach den Wünschen der Opposition, vr -dadurch die Lebensfähigkeit von Betrieben gehoben werden sollte. Die Verzögerung wird rnfol-gevrssen auch die Opposition treffen. Einführung eiltes englische« Lederschutzzottes. Ans London, 26. d., wird telegraphiert: Der neue Schutzzoll für eingesührtes Boxkalf und andere höhere Qualitäten von Leder, vou dem fast die Hälfte aus Deutschland eingeführt wird, ist in Kraft gesetzt worden. Dr. Pospifchil — Gouverneur der tschechoslowakischen Natioualbank. Prag, 26. Jänner. (Tsch. P. B.) In der gestrigen Monatssitzung des Bankansschusses machte Vorsitzender Finanzminister Tr Englisch die Mitteilung, daß dr Präsident der Republik den Vizepräsidenten des Bankausschusses, Oberdirektor Dr. Pospischrl, zum Gouverneur der tschechoslowakischen Nationalbank ernannt habe. '’opyright 1926 by J. Ladyschnikow Verlag, B rün. An Glaubensmartyrium.(lü Roman von Schalom Afch. „Raw von Nemircw", sagte er. „Ich nehme beileibe nicht die Steuer an mich. Wir Juden leben ja nur dank der Gnade der Herren, die uns vor allem Schlechten beschützen und uns Privilegien gelen, Synagogen zu bauen und Gemeinden zu gründen, und wir mit unseren Frauen und Kindern leben hier in Frieden wie in keinem anderen Lande. Dafür aber muffen wir zu den polnischen Herren, die über uns so gnädig herrschen, sowie zu dem großen, mächtigen König Wladislaw, sein Ruhm fei hoch, treu halten, der die Privilegien der früheren polnischen Könige erneuert und neue hinzugefügt hat. Wir müffen ihnen gute Untertanen sein und ihnen treu dienen, denn, wenn nicht sie, so wären wir — Gort bewahre — den Knechten gleich — Gott erbarme sich ihrer. Und wenn die Herren uns befehlet!, von den Kcsaken die Kirchensteuer einzutreiben, so müffen wir ihren Befehl aussühren, denn die Kosaken sind den polnischen - Herren in alle Ewigkeit untertan. Und wer ist denn der ganze Chmelnitzki, von dem der Parnes von Remirow so viel Aufhebens macht? Er kommt zu mir in die Schenke. Und ich höre, wie er mit den Kosaken geheim sich rerabriMt, an dcn Chan der Tataren zu schreiben, damit dieser Herkommen und den Kosaken helfen scll, sich von der polnischen .Herrschaft zu befreien. Er glaubt, daß ich nichts höre. Und ich sitze hinter dem Schanktisch und stclle mich auch, als höre ich nichts, in Wahrheit aber notiere ich mir mit der "Kreide alles, was er sagt. Sicher habe ich das Recht, den Sotnik 'dcn polnischen Herren auezuliefern. Ter königliche Bannerträger, sein Ruhm sei groß, gab mir ja das Recht, wenn ich nochmals von dem Sotnik Cbmelnitzki solche aufrührerische Reoen höre, ihn vor der Tür der Schenke züchtigen zu lassen." Reb Jechiel-M'chl faß die ganze Zeit über, da Reb Secharja redete, nachdenklich da. Tann aber wandte er sich an seine Mutter, verbeugte sich vor ihr und sagte: „Mit Erlaubnis der Mutter werde ich dem Parnes von Tschehlr.n erwidern, und zwar folgendes: Allerdings ist es wahr, daß wir mit der Erlaubnis der polnischen -Herren und des Königs Wladislaw, sein Ruhm sei hoch, der die Privilegien dcr polnischen Könige selig erneuerte, hier leben; allein wir leben nicht dank ihrer Gnade, sondern dank der Gnade des Herrn der Welt und der heiligen Thora. Und nicht jene beschützen, uns, sondern der Herr der Welt in seiner großer: Gnade beschützt uns. Nun aber befehlen uns unsere heiligen Bücher, int Frieden m't unseren Nachbarn zu leben; erst recht aber bezieht sich diese Vorschrift auf solche Nachbarn, die von ihren Bedrückern ihrer Religion wegen geplagt und verfolgt werden. Tiefe Re.iglen ist aber kein Götzendienst, sie glauben vielmehr an den einzigen lebenden Gott, und es ist ein Verdienst, ihnen zu helfen, damit sie Gott nach ihren Gesetzen dienen können. Wir Juden inüffen wissen und fühlen, was es bedeutet, wegen der Religion verfolgt zu werden. Deswegen gefällt mir wohl der gute Ratschlag des Parnes von Slotschcw, der große Waad solle in der Sache etwas unternehmen, damit unsere Fürsprecher bei den Machthabern dahin wirken, daß man die oerhängn'svolle. Kirchensteuer abschafft, oder, falls es ulcht möglich ist, daß wenigstens wir Juden künftighin mit der Sacke nichts zu tun haben. Parnes von Slotschow, ich w ll Euch, so Gott will, 'einen Brief an den Rabbiner von Lublin iu dieser Sache mitgeben." Bald darauf ließ sich das Pochen des Schames hören, der mit einein Holzhammer an die Tür klopfte. Hieraus sagte der Raw: „Herrschaften, es ist Zeit, das Atinchagebet zu verrichten." Dann wandte er sich wieder an seine Mutter und sagte: „Mit deiner Erlaubnis, Mutter, werden wir uns erheben." ,Iechiel-Michl. nach dem Gebet wirst du die Parneffim zum Abendessen bitten", erwiderte die Mutter und erhob sich. Der S.chn begleitete sie respektvoll bis zur Schwelle des Nebenzimmers. 9. Der Magld von Polna. Göttliche Stille und Reinheit. des Himmels herrschten über den Bergen um hie Stadt Remirow, als Wagen, vollgestopft mit Juden und mit Bettwäsche, lustig über den ^elb» samtenen Fahrweg dahlnrollten. Die nächtliche Feuchtigkeit ruhte noch auf den Feldern und ans dem Fahrweg, der zuur Fluß führte. Als aber die Wagen d..r andere Ufer des Flusses, erreichten, erglänzte bercÄ die junge Sonne im klaren Lichte des blauen Himmels und trocknete das feuchte Gras und die taübedeckien Blätter der hohen Linden, die den Weg umstanden. Die goldgelben Felder waren schon abgemäht; da und dort, sah man das graue Flachshemd eines Bauern, oder es flammte im Smnenlicht plötzlich das bunte Kopftuch einer Bäuerin auf, die am frühen Morgen im Felde arbeitete. Fette Schafe mit schwarzer Wolle bewegten sich wie runde Tintenflecke über die we'ten Felder und knabberten an den stachligen Halmen. Von Zeit zu Zeit hörlen sie auf zu fressen, blick:en mit ihren naiven Augen die vorüberfabrenden Wagen an und riesen ihnen ihr kind.'fch-zärtlrches Mäh — Mäh — Mäh — nach. Hie und da begegneten die Reisenden einem Versonnenelt Bettler, der einsant auf einem Stein atn Wege saß, auf einer handgemachten „Lyra" klimperte und dazu ein Lied vor sich hinsummte. Ter Bettler verschwand bald in den vor: den Wagen aufgewirbelten Staubwolken, allein sein Lied hatte die jüdischen Kutscher auch angeregt, und bald ertönte über der lustigen Welt Gottes das Sabbatlied, in des Kantors Weise gesungen: „Komm, mein Geliebter, komm, mein Geliebter, Komm, mein Geliebter, der Braut entgegen, Wir wollen den Sabbat empfangen..." * Man fuhr jetzt in Gesellschaft. Voran fuhr natürlich der ^..oße Wagen Reb Secharjas mit vier Pferden, die hintereinander gespannt waren nnd solche Staubwolken vor und hillter dem Wagen aufwirbelten, daß die ganze Welt dadurch verdunkelt erschien. Hinter ihm folgten die anderen Wagen. In ihnen saßen gelehrte Juden aus verschiedenen Städten. Einige von ihnetr fuhren zum Waad, um diesem Fragen vorzulegen, die anderen, um die Erlaubnis zu erhalte», von ihnen verfaßte Bücher zu drucken. Die besonders gelehrten Juden saßen alle in einem Magen. Sie saßen oder lagerten auf Kiffen und Decken und stritten hartnäckig über gelehrte Fragen. Einer hielt den anderen am Bart oder an den Rockaufschlägen fest und zwang ihn, seine scharfsinnige Auslegung eines Zitats anzuhören. während der andere mit geschlossenen Augen dasaß, um seine Ablehnung auszudrücken, und nicht nachgeben wollte. Die Stimmen der Streitenden erlangen über den Wegen und weck en dis im Felde schlafenden Hasen, die vor dem Geschrei der Inden meilenweit flohen. Fortsetzung folgt.) y

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