Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2488 (26.1.1926)
- Date
- 1926-01-26
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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ls -r wasir^ii^igrrjfcsgi '-^HArWNWiW^ Seite 6 Wien, Dienstag Sechs Wochen LP« auf einer Londoner SprechMhn«. Das Kingsway Tyeatre in London wird vom.30,.d. in durch sechs Wochen „Die unsterbliche Stunde" (The Im mortal Hour) eine englische Oper, zur Aufführung^ bringen. Tonn wird es sich wieder dem Schausviel zur Verfügung stellen. Eine der vielen Kuriositäten, die das Fehlen eines ständigen erstklassigen Opernhauses in einer Stadt wie London mit sich bringt. \ Das Hakoah-Orchester wird, wie uns mitgeuilt wird, genu infam m:t dem Wiener jüdischen G e s a n g v e r e. n Errde März in Prag ein Konzert geben. Di.'ses Orchester wurde seiner eingeladen, in Preßburg und Mähr.-Ostrau zu konzertieren. Die lefKen Vorführungen »es „Autorennens in der Luft" bei Hagendeck. Trotz aller Bemüh:: nge.n ist es der Direktion des Zirkus Karl Hagenbeck nicht ge.r-ngen, die Vorführung „Das Autorennen in der Luft", welches allabendlich mit sensationellem Erfolg in Szene geht, zu prolongieren, da Herr Noisset, der Erfrier und Leiter dieser sportlichen Weltsensation, im Februar schon mit ihr vor das Borliner Publikum treten muß. Es finden daher in Wien nur noch die letzten sechs Vorführungen statt. Zwei jüdisch« Künstlerinnen — Mitglieder der Ehrenlegion. Die poln.ich-juv.sche Bi.ohauerin Eva.,na O r l o w a wurde mm Mitglied der Chrenlcgion ernannt. Ferner wurde der Pianistin Wanda Landows ka der Titel eine ,,Chevalier -de la Legion d'Honneur" verliehen. Diese Ehre, welche selten einer französischer Dame zuteil wird, ist hiermit zum erstenmal einer Ausländerin erwiesen worden. Die berühmte Tonkünstle-rm entstammt einer Warschauer jüdischen Familie und hat schon mit sieben Jahren als Wunderkind die W-elt bereist. Seit mehreren Jahren ist sie als Professor am Pariser Komervator'ium tätig. Die Lan-rewSka hätte ganz Hervorragendes aus dem Dpi nett geleistet. _ Serichtrsaal. Sedrich Fvchr fteae« «o'el. Die «-gebliebene MMiardene'nlaze. Gestern wurde vor einem Senate des Hand lsgerichtes unter Sem Vorsitz des Hosrates Dr. Stein über di? Klage des Prager Bankiers Bedrich Fuchs gegen Siegin md Bojel verh ndelt. Die von Dr. Rudolf Ehrlich vertretene Klage verlangt vom BanHous Bcsel dm Erlsg einer Einlage von einer Milliarde Kronen, zu der sich Bose.' anfanos 1824 anläßlich der Gründung einer Wiener Niederlassung der Firma B. Juchs verpflichtet haben soll. . Basel, vertreten durch Dr. Feuerstein, b.'stritt sowohl das verbindliche Zustandekommen eines Gesellscha'ters als auch dessen Fälligkeit. Er wendete Kompensationsforderungen in dopp.'lter Höhe des Klagebetrages ein, da bei dem gemeinsamen Unternehmen die Brrdienstmög.'ichkeiten Bösels durch Fuchs beeinträchtigt worden seien, welcher chne sein Wissen einen Herrn N ' u b a u e r als stillen Gesellschafter aufnahm und diesen ein Jahrese nkommen von mindestens einer Milliarde garantierte. Der Kläger verweist dara-'f, daß der Beitritt Neubauers über Anregung Hugo 8 u st i g s erfolge, rpelcher der Vertrauensmann Bösels, war. Der Beklagte beruft sich zur Bgündung seines Kompenfationsanspruches . auf die Nachteile, welche die Firma deshalb erwachsen seien, weil Fuchs noch vor Erlangung einer BörsebesuchsS-irie die Börsegeschäste durch -ritte Personen ausgenommen habe Fuchs stell: unrer V'wris, daß die Verweigerung de: Börsekarte aus politischen Gründen -vfokgte. . Direktor der Beitscher Magnesit, Dr. M'chael David, gibt an, als Treuhänder Basels den Auftrag bekommen zu haben, mit Hugo Lustig und Bedrich Fuchs den Vertrag üb?r den Beitritt Bösels auszuarbeiten. Bon Lustig und Fuchs wurde, ihm damals erklärt, daß man sich diese Börsekarre ganz sicher werde beschauen können. Darüber weiß er nich s an^eben, ob ein bestimmter Einxchlungst.'rmia für die Gesellschafsteinlagen B.sels veränat nnrde. Copyright 1926 by J. Ladyschnlkow Verlag, Berlin. tzin Glaubensmarlstrium.ÜSl Roman von Schalom Asch. Seme eigene Schale konnte Reb Secharja noch schweigend ertragen. Allein die Beleidigung seines Herrn vermochte er nicht zu dulden. „Parnes von Nemircw. Ihr spielt mit dem Feuer, Ihr 'beleidigt den königlichen Bannerträger." „Und wenn schon? Brauche ich Angst zu haben vor Eurem Bannerträger? Werdet Ihr mich denn einsperren Lassen, wie den Sotnik Chmelnitzki? Wir leben hier. Gott sei Dank, unter dem Fürsten Wiszniowiecki. der ein gütiger Herrscher ist. Ich habe gar keine Angst vor Eurem Herrn, Pornos von Tschihirin." Wer weiß, womit der Streit geendet' hätte, wenn nicht der Schames die Tür ausgemacht und verkündet hätte: „Reb Jechiel-Michl kommt!" Alle erhoben sich und Rabbi Jechiel-Michl trat ins Zimmer. Er war noch jung an Jahren, aber bereits in ganz Podolien und Wolhynien als der Gaon der Ukraine berühmt. Bei seinem Einritt bezeigten ihm alle Rrfpekt. Allein Rabbi Jechiel-Michl ging zuerst in das Nebenzimmer und kam von dort mit seiner alten Mutter zurück, die er oben am Tische aus e ncm Sessel Platz nehmen ließ, während er selbst sich neben ihr auf einen kl"n?ren Stuhl setzte. Hierauf stellte er die anwesenden Parnessim und die anderen Nodbeln der Mutter vor und versorgt; die letztere während der ganzen Mahlzeit mit großem Respekt. Der Rabbiner erkundigte sich bei den Bcrrnessin nach den Zuständen in den von ihnen vertretenen Städtchen; ob die Gemeinden wüchsen und wie es um die Thora stand. Als er aber von Mendel hörte, daß die'er seinen Schn mitgebracht, um ihn in die Jeichibrh von Lubtin eintreten zu lassen, freute er sich sehr darüber, daß Slotschow es schon so w:it gebracht hatte, daß eS einen Schüler nach der großen Jeschibah nach Lublin schicken konnte. Er prüfte ein wenig Schloimeles Kenntnisse, d« Jüngling gab prompte Antworten, jach beim >'>WW |i|,.. «Mi 'Hl 7T1 i' ' ilfff Msener __ Der Berrreier des Bstiag:en, Dr. Bruno Feuerst.''n, beantragte nunmehr die Ladung Hugo Lustigs, der sich gegruwär.ig in B.rlin aufyälr, und Konfrontierung mit Michael David, da sich die Aussag.n der beiden vrll'ommcn w.de.sprechen. Der Anwalt des Kläg.rs, Dr. Rudolf Ehrlich, beantragte seine Einvernahme a»L Zeuge. Ter Senat beschließ:, die Zeugenaussagen Hugo Lustigs in der nächsten Verhandlung zur Vers.jung zu bringen. Er ordnete ferner die Beschaffung der Handelsbücher d.s Bankhauses Bedrich Fuchs an und beschließ: Parteieneinvernahme. Es we,de„ also B.drich Fuchs und Sicgmrnd Bos/"l denn nächsten Termine persönlich über den Sachverhalt gehört werden. Hierauf wurde die Vechandlung vertagt. Darf de« Miete« ohne Zustimmung -es Hausherrn Adaptierungen vornehmen? In einem Haus« im 8. Bezirk nahm ein Mi.ter in seiner Wohnung Adaptierungen ::: der Weise vor. daß er durch Umlegung von Scheidewänden und Ausführung einer leichten Betonwand Platz für einen Baderaum schuf; außerdem verkleinerte er das Fenster in diesem Raum durck entsprechende Ausmauerung. Vom Magistrat als Baubehörde schreit er jedoch den Auftrag, den früheren Bauzustand wieder herzustellen, da di.se Adaptierungen ohne Zustimmung des Hausbesitzers vorgenommen worden seien. Gegen diesen von der Bauoberbehörde bestätigten Auftrag brachte der Mieter Beschwerde an den Berwattungsgerichtshof ein. die sich darauf stützte, daß zu derlei geringfügigen baulichen Veränderungen die Zustimmung nicht erforderlich und daß die Baubehörde nicht Drusen se'. ihre Zustimmung von der des Hausbesitzers abhängig zu michen, denn d'r Schutz der pvivarrecht.'ichcn Interessen der Hausherren sei nicht Sache der Baubehörde. Der Magistralsvertreter rechtfertigte das Verlangen der Baubehörde nach Zustimmung des Hausherrn damit, daß die Baub'Hörde den Hauselgentümer zur Behebung der Baugebrechen und zur Bauabänderung verhalten kann, dafür sei es andererseits auch ihre Aufgabe, die Zustimmung des Sauseigentümers zu v:rlangen, wenn eine Mietpartei bauliche eränderunaen vornehmen will. Die gegenständlichen Adaptierungen seien übrigers nicht so gle'chgültig und nebensächlich, weil durch Aufführung einer neuen Wand die Deck? belastet wird, was nicht ohne Einfluß aus die Festigkeit des Hauses ist. Der Berwaltungsgerichtshof (Vorsitzender Präsiden: Dr Schuster) gab der' Beschw rde Folge und hob die angesochtene Entscheidung wegen mangelhafter Vorsicht aus. Werl nur behaupiet, aber nicht fest ge stellt sei, ob di? Festigkeit des Hauses durch Aufführung einer leichten Beronwand beeinflußt werden konnte. Auch sei das Interesse der Baubehörde in dieser Angelegenhr't nicht sestgestellt. Im allgemeinen sei es Recht des Eigentümers, seinen Mieter zivilrechtlich m belangen, wenn er in der Wohnung bauliche Beränd rungen vorgenommen hat. Sie wirft ihm eine Milchflasche an den Kopf. Ern peinliches Ehebild wurde gestern beim Strafbezirksaer chi 1 in einer Verhandlung entrollt, in welcher die 26 Jahre alte Priva'e Marie K. wegen krasser Mißhandlung ihres Mannes angeklagt war. Nach Inhalt der Anklage soll die Befchu.digte während eines häuslichen Streites ihrem Männe eine Milchflasche an den Kopf geworfen haben, wobei die Milchflasche an dem Kopf zerbrach und d.r Mann mehrfache die Haut durchtrennende Rifquetschwunden erlitt. Durch nahezu drei Wochen stand der Mann an den Folgen dieser Mißhand.i'ng in ärztlicher Behandlung. Bor Gericht war die Angeklagte d s Tatsächlichen geständig,' erklärte jedoch, daß sie an der Seite ihres Mannes seit dem ersten Tage der Ehe ein wahres Martyrium mitgemacht habe. Am kritischen Tage habe der Mann, der wieder seinen Rausch hatte, sie im Verlause eines Sire: es am Hälfe 'derart gewürgt, daß ihr fast die Luft ausging und sie bald erstickt wäre. In ihrer Auslegung habe sie. um ihr Leben sw retten, die in der Nähe auf einem Tischchen stabende, für das Kind vovbereitete Milchs.asche ergriffen und habe, da ihr Mann sich gerade bückte, ihn am Hinterhaupt getroffen. Der als Zeuge porgerufene Ehegatte erklärte, daß er die Bestrafung seiner Frau verlangen müsse, da er schon genug an ihr:r Seite eröuidet habe. Der Zeuge bestritt, daß er derzeit noch trinke, und gab (m, daß er durch die Schuld seiner Frau um die Stellung, die er bü der Srraßenbahn hatte, gekommen fei. Der R>'ch!er. Lberlandesgerichlsrat Dr. Ziffer. verurt"üte die Angeklagte unter Anwendung äußerster Milde wegen, U eber sch re itung des Z ü ch t i g u n g s r e ch t e s zu eickr. Geldstrafe von * 10 Schilling, eventuell tu 24 Stunden Arr st. Der staatsonwaltscha'tliche Funktionär meldete wegen zu geringer Strafe, die Angeklagte wegen Schuld und Strafe die Berufung an. 26. Jgnner 1926 . Nr. 2488 Boltswirti Sie Settifenbolttit der Sank fttVi. De« Stand de« Anleihe Verhandlungen. — Die Lage der Industrie. — Flaue Börsen. (Bon unserem Polnischen M. I.-Korrespoudemen.- Muislerpräsioent L k r z y n s l: äußerte sich bei der ietzreN Sitzung der Vorsitzenden der Koalitivnsparteien sehr abfällig über die Teoisenpolitik der Bank aßoläti uns versprach in dieser Hinsicht eine baiöige Intervention des Finauzministeriums. Tatsächlich ende,: alle Stabilisierungsversuche der Bank Polski mit Mißerfolgen und kosten den Staat beträchtliche Summen an Jnterventionskosten. Die Kursschivankungeu der letzten Woche weisen deutlich auf die Indolenz der Devisenpolitik der Bank Polski und verursachen bei der jetzigen Wirtschaftslage Polens eins unnötige Desorientierung und ein gänzlich uicherechtigtes Mißtrauen zur polnischen Valuta. Zum Wochenschluß bewegte sich der Dollar bei 7,10 bis 7,20 Zloty, wobei die Bank Polskiden ganzen Bedarf gedeckt hat, allein jedoch zu 7,28 Dollars einkauste. Nach den vorläufigen Berechnungen des Finanzministeriums war die Zahlungsbilanz am 1. Jänner zum ersten Male mit zirka 50 Millionen Zioty aktiv. Ter Umschwung trat gegen Mitte Dezember ein und ist auf die bereits seit vier Monaten aktive Handelsbilanz zurückzuführen. Ter Nstto-Baluteworral der Bank Polski ist auch seit Mitte Dezember ständig im Wachsen begriffen. Die Anleiheftage will nicht recht vorwärtskommen. Die Bankers Trust hat noch immer keine wnkreten Vorschläge angeboten, dagegen wächst die Agitation gegen diese Anleihe in der Presse der Volkspartei von Tag zu Tag. Diese Agitation dürste noch ein Nachspiel haben, tatsäch.ich beging Dr. M l y n a r s k i, der auch an den Bechanvlungen nicht mehr teilnimmt, einen gwtzen Fchler, als er dem amerikanischem Konzern eine Option auf nicht weniger wie drei Monate gab und somit dem Staat die Hände gebutwen hat. Inzwischen laufen andere Anbote ein, von denen jedoch aus diesem Grunde kein Gebrauch gemacht werden kann. Was die letzten Nachrichten anbelangt, die von 'einem Anleihranbot seitens Deutschlands wissen wollen, handelt es sich um kein Anbot, sondern um den Versuch von der Seite Deutschlands zwischen Polen und einem anderen amerikanischen Konzern die Rotte eines Vermittlers zu spielen. Wie die Dinge heute stehen, .wird Polet: schon aus.Prestigegründen von diesem Anbot auf keinem Fall Gebrauch machen. Die Finanzkreise Polens sind jodoch der Ansicht, daß es der Regierung gelingen wird, noch in den nächsten, vierzehn Tagen die Anleihe zu perfektionieren, da diese so dringend benötigt wird, .daß jede Verzögerung der Wirrschast ungemein schadet. Dis Lage der Industrie kommt am besten in der Zahl de« Arbeitslosen zum Ausdruck. Diese weist von Woche zu Woche eine regelmäßige Steigerung um zchn- bis 'ünfzehntausend auf und'stieg in der Berichtswoche um 12.571 bereits auf 341.381 .Atbeiislose. Man erwartet nun eine leichte Besserung in. der T e x t i l i n d u st r i e, da einerseits das Heercsministerium große Bestellungen erteilen soll und andererseits weilt in Lodz der Präsident dn russischen Handeismission, der versprochen hat, Ende Jänner Bestellungen im Werte von fünf Millionen Dollar zu erteilen. Die Werkzeugindustrie hat neuestens große Bestellungen von der Türkei bekommen und hat Aussichten, dieses Absatzgebiet für dauernd zu gewinnen. Dagegen ist die Lage der'Mrschlesischen^ Schwerindustrie sehr schlecht. Die Bergarbeiter haben eine fünfprozentige Lchnechöhung ourchgesetzt, die Gruben beabsichtigen, gleich den Kohlenpreis um 6.5 Prozent zu erhöhen, was natürlich auf den Absatz nicht ohne Einfluß bleiben wird. Rabbiner Gefallen und dieer befahl dem Schumes, ihm Honigkuchen zu vüchen. Mendels Augen wurden feucht vor Freude, und er wischte sie sich ab. „Euer Rabbiner schreibt mir daß ich Schüler von meiner Jeschibah nach Slotschow schicken soll, damit sie den Knaben Unterricht erteilen. Die Stadtbürger würden sie beköstigen u-nd ihnen bei sich Nackitquartier geben. Gelobt - ei der Herr der Welt, di; Thora wächst überall, wo Juden wchnen. Selbst in der wilden Steppe," wandte er sich zu seiner Mutter. Die alte Frau neigte ihren Kopf mit der hohen, festlichen/ mit Spitzen verbrämten Haube, die sie sich zu Ehren der Parncsiim aufgesetzt hatte, und flüsterte dem Sohne zu: bewirte doch die Parnessim mit Lebkuchen itnb Branntwein." Der Raw erhob sich persönlich, um den Auftrag der Mutter auszusühren, und schenkte «den Parnessim Branntwein ein. „Und lebt ihr mit euren Nachbarn in Frieden?" setzte er.dann seine Fragen fort. „Ihr wohnt doch mitten auf dem flachen Lande." „Soweit wir können, bemühen wir uns. mit ihnen in Frieden zu bcben," erwiderte Mendel. „Die Prizim sind ja das ganze Jahr nicht da, und wir leben nur unter den Koaken. Sie sind unsere N.'chbarn, und wir bemühen uns, mit ihnen^ in Frieden zu leben. Allein, oftmals bezahlen sie nicht -die Kirchensteuer, mit dex die polnischen Priester sie belegt haben. Sie halten es für eine Chrenkränkung. Wir aber zwingen sie nicht zur Zahlung, fonban wir machen eine Geldsammlung unter uns und entrichten die Steuer für sie. Als aber die polnischen Priester es erfuhren, bestraften sie uns streng, und zwingen uns nunmehr, die Steuer von den Kosaken gewaltsrm e'mzutreiben. Das ist aber ein großes Unheil für uns. Wir ^fürchten, daß die Ko'aken — Gott bewahre — uns etwas zuleide tun könnten. Eben über diese Angelegenheit wollte ich dem Raw von Nemirow berichten. Es würde sehr gerecht sein, wenn di- Parnessim der Ukraine zusammen mit dxn-Rabbinern sich bei dem Waad in Lublin d:für einsetzsn würden, daß der große Waad sich mit der Sache beschäftigte, damit man die Ko'aken von der Kirchensteuer befreit. oder wenigstens, damit die Juden diese nicht an'die Steuer mahnen sollten, denn sonst könnte es für uns — Gottbewchre — zu einem grcßrn Unheil werden. Denn wir wohnen doch m der Nähe der Kosaken mitten in der Steppe, und wir hörten bereits erzählen, daß diese sich an uns einmal rächen wollen — Gott behüte." Ter Raw seufzte und -agte nichts darauf. „Auch ich wollte darüber sprechen" meldete sich jetzt Reb Scholern-Jakob, der Parnes von Nemirow, zu Worte. „Hier sitzt nämlich der Parnes von Tschihirin, Reb Secharja Sawilenki. Und R.b Mendel, der Parnes von Slotschow, hat A-ngst, in seiner Gegenwart offen zu sprechen, weil er und der Parnes von T chihirin beide zur Herrschaft vou Kouiecpolski gehören. Allein wir anderen stehen, Gott sei Dank, unter der Herrschaft des Fürsten Wlszniewiecki. der -ein gütiger Herrscher für uns alle ist. Wir haben keine Angst. Und ich will im Angesicht des R.-w von Nemirow sagen, daß «s uns zu Ohren gekommen ist, daß der Parnes von Tschihirin, Reb Secharja, die Juden und — wohl zu unterscheiden -7die Ko'aken sehr bedrückt. Er belegt sie mit hohen Steuern, um seinem Herrn Geschenke darbringen zu können. Er hat bei dem Herrn den Kosakensotnik, Ehmelnitzki mit'Namen, dmunzierj, daß dieser einen Aufstand vorbereite, und daraufhin Hst man den Sotnik verhaftet. Die Kosaken sind derwegen den Juden sehr böse und aus der Sache kann ein Unglück für die ganze Judenschafi entstehen," schloß der Parnes seine Anklage gegen Reb Secharja. Mährend der ganzen Zeit, da R-b Scholen:-Jakob sein« Anklage dem Rabbiner Jechiel-Michl vorbrachte, saß Reb Secharja stolz und schweigän: da. Er kämmte sich mit zwei Fingern seinen langen, roten B:rt. zog seine hohen, rothaarigen Augenbrauen, die am Rande der Stirn übe« seinen Mgen gleich Fächern starrten, hoch, warf von Zeit zu Zeit unter den Augenbrauen seinem Gegner eineü Mck zu und schwieg weiter. Als aber Scholem-Jakob mit seiner Anklage fertig war, begann er zu reden: 1-ortsetzun, folgt?