Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2488 (26.1.1926)
- Date
- 1926-01-26
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Wr«n«r 3WM8»Wi«tt«Hlg .26. JSnn-r 1986 ^.. ^''«k. «H Der Untersuchungsausschuß in Migkett. BeschoerSr» der sranMche« Setevv» gegen die ludaprfter Staatranwaltschaft. Zem 8 Wien, Diensrckg — 8«ngzionistische Gruppe der Srttio« VI—VIll — Ü. LerirK, Lennopistr 1 Heul« prlsiifl 8 Uhr abtndi Sesellschastsabend mit anschliessendem Tanz Vorher feierliche Aufnahme der neu beigcfreienan Mitglieder Tschang und 3wa«off. - V. W i e n. 28. Jänner. Tschitscherin schreibt dein Generalsekretär des Völkerbundes, die Sowjetunion könne sich an Konferenzen des Völkerbundes nur dann beteiligen, wenü sie allgemein humailitären Charakter tragen, dessen Unterstützung zu dern Grundgedanken der Sowjetherrschaft gehöre. Dieser Brief wurde am 22. Jänner von Moskalt abgesendet. Unr den Humanitären Gedallken scharfer zu akzentuieren, richtete schon am nächsten Tage derselbe Tschitscherin an den Präsidenten von China eine Note, in welcher Rußland die Erlalibnis erbittet, mit eigenen Kräften die Ordnung in der Mandschurei herzustellen. Diese Erlaubnis sei binnen drei Tagen zu geben. Das ist beiläufig dasselbe, was Oesterreich-Ungarn im Juli 1914 von Serbien verlangt hat. Damals handelte es sich um die Abwehr einer überfallenen Kultur, heute unl die Humanität. Damals lehnte die Monarchie die Beschickung einer internationalen Konferenz ab und Sowjetrußland tut dasselbe. Der Imperialismus hat sich rot angestrichen. Innerlich hat er sich nicht gewandelt. Aber diese, erbetene Erlaubnis, selbst Ordnung zu machen, die selbst in der Textierung lebhaft an die Berchtholdsche Note erinnert, hat eine eigentümliche Vorgeschichte. In China raufen drei Generale um die Vorherrschaft. Jeder hat ein soziales Programm, das er mit Gewehr und Galgen motiviert. Auch Ludendorff tat so. Einer der Generale, der katholische Partisan Feng vertritt das russische Programm. Er hat dafür viel Geld bekommen und das seine getan. Die Mandschurei ist verwüstet upd leergefrefsen und Feug kam bis nach Peking. Der General Tschangtsolin, buddhistisch.orientiert, hat japanisches Geld, General Wupeifu (Konfession unbekannt) schwärmt für Dollar. Solange nun Feng durch die Mandschurei zog, sahen die Russen seine Tätigkeit als höchste und schönste Ordnung an. Das chinesische Volk war anderer Meinung' und sandte seine Sohne in Hellen Häufen zu den Konkurrenten des katholischen Führers. Feng wurde geschlagen und verlor Mukden, in das'japanische Truppen, selbstverständlich nur zu Zwecken der Ordnung einrückten. Feng freute die Sache nicht mehr und er ging nach Moskau, nachdem er noch rasch die mandschurische Bahn 'der russischer? Kontrolle, einem Direktor Jwanoff übergeben hatte. Wohlverstanden: eine chinesische Bahn. Auf dieser Bahn wollte nun in der Vorwoche Tschangtsolin seine Truppen befördern. Jwanoff untersagte dies und wurde verhaftet. Das ist die Störung der Ordnung, zu deren Beseitigung China, binnen drei Tagen den russischen Truppen die^Erlaübnis geben soll. Die zaristische Diplomatie hatte nicht listiger und brutaler verfahren können.. Das ganze ist ein kleiner Ausschnitt aus dem großen Werk sowjetistischer Beglückung. Sie erlöst wie bekannt die ganze Menschheit, insbesondere aber die asiatischen Völker. Sie lehrt sie die Gleichheit des Menschentums und des Rechtes, den Haß yegen die Ausbeutung durch den mörderischen Imperialismus, als dessen Inkarnation immer England herhalten muß. Gegen England ruft die Moskauer Diktatur die üsiatischen Völker auf, gegen England verbündet sie sich mit dem absolut nicht sozialistisch orientierten Japan, dem sie die Kohlenminen von Kamtschatka ausliefert. Rußland will die Türken, die Inder, die Araber erlösen. Ganz dasselbe wollte Nikolaus und auch er sprach gerne von Frieden und Humanität und setzte sogar einen Friedenskongreß ein. Der Har war nach außen immer sehr freiheitlich. Im weiten Rußland freilich herrschte Tschin und Ochrana. Der Bolschewismus hat sein System übernommen. Cr hat seine Tscheka, seine Kerker, seine Galgen, seine Konzentrationslager in der sibirischen Taiga und in den Murmansümpfen. Er hat die beriihmt Weite der russischen Seele, in der neben dem lyrischen Liederbuch die Veilsche liegt. Der Konflikt zwischen Tschang und Jwanoff — sogar die Namen sind von der Symbolik des Zufalls herbeigetragen — ist natürlich nur als eine Einleitung denkbar, als das Ende des ersten Stadiums der sowjetistischen Politik, die sich mit Weisem Bedacht überall ihre Sprungbretter aufstellt. Vielleicht werden jetzt wirklich russische Truppen unter dem Komrnando eines zaristischen Generals nach Mukden marschieren. Vielleicht wird Tschang jetzt den Direktor Jwanoff freilassen. Dann ist die Sache nur vertagt. China ist eine schöne, zuckende Beute und die Geier fliegen schon. Unter ihnen der Bolschewismus mit der phrhgischen Mütze, der nur für.Humanität schwärmt und daheimalles, was nicht seiner Meinung ist, als konterrevolutionär im Kerker verrecken läßt. Budapest, 25. Immer. Der Ausschuß zur Prüfung des politischen Hintergrundes der Frankenfälschungsaffäre hielt heute' abends feine erste Sitzung ab. Tie Beratungen des Ausschusses sind gehe i m und selbst Mitglieder der Nationalversammlung, die nicht gleichzeitig Mitglieder des Ausschusses sind, dürfen an den Sitzungen nicht teiluehmen. Die Mitglieder des Ausschusses dürfen keinerlei Informationen über die Beratungen geben. Zur Orientierung der öffentlichen Meinung werden Von Fall zn Fall Berichte ausgegeben werden. In oppositionellen Kressen verlautet, daß die oppositionellen Mitglieder des Ausschusses in der heutigen Sitzung die Einvernahme des Ministerpräsidenten Grafen Bethlen, des Ministers des Innern R a k v o s z k y, des Justizministers Pest Hy und des Ministers des Aeußern Valko sowie einer Reihe von Angeklagten, vor allem Prinz W i ndischgrätz, Raba und Gero verlangen werdem Angeblich soll die. Einvernahme der Vertreter der Bank von Frankreich und. der französischen Polizeiorgane in Aussicht genommen sein. uEsti Kurier" zufolge wurde auch der vielerörterte Brief des Grafen Bethlen cm den Baron Siegmund Perenyi schon in der heurigen Sitzung des Ausschusses zur Sprache gebracht. ' A mtlich wird gemelder: In der heutigen Sitzung,. die von 5 Uhr bis viertel 10 Uhr abends dauerte, wurde Abgeordneter Rubinek zum Berichterstatter gewählt und mit den rneritorischen Verhandlungen begonnen. Die nächste Sitzung findet morgen um 5 Uhr nachmittags statt. Bethlen droht. Ministerpräsident Graf Bethlen. erklärt heu'.r im „Pester Lloyd" zu der Angelegenheit seines in der Ausländspresse viel zitierten Briefes an den Präsidenten des nationalen .Verbandes, Baron Siegmund Perenyi, folgendes: . „Im gegenwärtigen Stadium der Sache habe. ich der Oeffen tli chk e i t keine Mitteilungen zw machen. Wenige Stunden trennen uns noch von: Zusammentritt -es parlamentarischen. Untersuchungsausschusses, und ich werde nicht ermangeln, die Angelegenleit des Briefes vor dieser Instanz zu bereinigen. Ich warne jedoch nachdrücklich, Verdächtigungen und.Verleumdungen, die den wahren Sachverhalt verdrehen und sich gegen Männer des öffentlichen Lebens richten, zu verbreiten, da die Verbreiter solcher Nachrichten sich mst.Wverer strafrechtlicher Verbreitung belasten würden."' - ' Die ungarischen Behör-en «egen dir ftmt* Mischen Deteklws. Die französischen Detektivs wandten sich Samstag an den Gesandten Frankreichs in Budapest, Clinchant, mit der Klage, daß die Staatsanwaltschaft ihnen ver- 'weigere, bei der E i n v e r. n a h m e der Verhafteten a n- ' wesend zu sein. Der Gesandte hat sich an das Außenministerium in .Pari.s gewandt, um neue In» l struktionen einzuholen. : Der französische Detektiv Benoit erklärte einem Mitarbeiter des „Esti Kurier", daß die Emissäre Frankreichs es den. ungarischen Behörden tatsächlich übel genommen haben, daß ihnen die Teilnahme an den Verhören verweigert 'wurde. Die Haltung der ungarischen Behörden,..sägte Benoit,- - sei vollkommen unverständlich, um so mehr, als es sich ja um ein gewöhnliches Verbrechen und nicht um eine Angelegenheit mit politischem Hintergrund handelt. . Der französische Fragebogen bezieht sich, wie heute, verlautet, auf vier Tatsachengruppen. Die Fragestellung rst technisch derart gehalten, daß für jede einzelne dieser Fragegruppen Unters ragen formuliert; werden mußten, deren Zahl ungefähr 3 0 betragt. lieberdies-handelt es sich auch um einige Fragen, di« sich auf Frankenfalischungsversnche beziehen, die im l Jahre 192 2 unternommen worden lvaren. j Die französischen Polizeiemissäre Benoit und Douli c e t erschienen heute in Begleitung des Budapester Rechtsanwalts der Bank von Frankreich, Dr. Auer, im Gebäude der Oberstaatsanwalt und verlangte» die R e st e d e r D ruckpresse zu besichtigen. Polizeirat. Dr. Benard zeigte den französischen Emissären im Magazin -er Oberstadthauptmannschaff die Bruchstücke der zerschlagenen Druckpresse. Es herrscht noch volle Ungewißheit darüber, unter welchen Umständen die Druckmaschine in das Kartographische Institut gelangt rst. Die Franzosen möchten auch die Seriennmnm'er der Maschine, die bekanntlich aus einer Leipziger Fabrik stammt, den genauen Hergang der Beschaffung des Papiers Ho. in allen Einzelheiten erfahren. Prinz W i n d i s ch g r ä tz, G e r ö und Raba wurden über diese Punkte einvernommen, verweigerten jedoch jegliche Auskunft. Es konnte nur. so viel festgostellt ivevden, daß Desider Raba das Papier inKöln besorgt hat, daß aber nicht er es war, der das Papier bestellte und die Rechnung lbeglich. Auch eine zweite ASlschungsaktio» in Budapest* Der französische Polizeibcamte Benoit erhärt „Ujsag", im Lauft der Untersuchung habe sich erwiesen, daß, bevor noch der technische Oberrat Äerö mit der Herstellung der falsche» Frankennoten begonnen hatte, jemand anderer etwa drei Wochen lang mit der Noteni presse gearbeitet hat, und zwar ein Angeblicher Schultz. Schultz habe auch bei der Aufstellung der 1 Noten presse mitgearbeitet. Nunmehr müflen sein wirk» : licher Name, sein Aufenthaltsort und alle auf ihn bezug- Abenden Daten ermittelt, werden, damit alle Maßnahmen zu seiner Festnahme getroffen werden können. Zadraveez genmtzregett. Feldbischof Zadraveez ist heute ganz plötzlich seines A m t e § enthoben worden. Oberstaatsanwalt Dr. Sztrache erklärte heute vor Pressevertretern, daßdas Strafverfahren gegen den Feldbischof Zadraveez, obwohl die Verhaftung des Bischofs unterblieben ist, keineswegs als einge- . st e l l i gelten könne. Die Anklageschrift gegen . die Frankenfälscher umfaßt vielmehr auch die Person des Feldbischofs. Indessen steht es noch nicht fest, unter welchem Titel die strafrechtliche Verfolgung des Fel-- bischofs fortgesetzt werden soll. 25 Angeklagte. Wie verlautet, wird sich die Anklageschrift auf 25 Personen erstrecken, von dmen sich 21 bei der Staatsanwaltschaft in Haft und 4 auf freiem Fuß befinden. Nach Angaben der Verteidiger des Prinzen W i n d i s ch grätz stellt dessen Vermögen, das hauptsächlich aus ,4000 1 Hektar Bodenbesitz besteht, eilten Wert von etwa sechzig bis achtzig Milliarden Kronen dar, wovon 17 Milliarden belastet sind. Die Auslandsschulden des Prinzen sind von seiner Gemahlin geregelt worden. Der „abscheuliche weiße Sowjet". Basel, 25. Jänner. (Tel.-Komp.) Die ,-Basler' Nachrichten" schreiben an leitender Stelle zur Einsetzung eines Parlamentsausschusses in der Frankenfälschungsaffäre: „Es handelt sich jetzt um den ganzen moralischen und wirtschaftlichen Kredit Ungarns. Die Well will wissen, ob man es beim Ministerium Bethlen mit einer in der Hauptsache anständigen'Regierung zu tun hat, die nur Mühe hat, die t e r r o r i st i s ch e n und k r im i n e l l e n E l e in e n t e zu bändigen, oder ob dieses Kabinett nur eine Fa ff ade ist, um einen abscheulichen weißen Sowjet zu maskieren. Läßt Graf Bethlen seine verdächtigen Mi n iste rko lleg e n wahrend der Untersuchungsdauer im Amt, fo ist das fatale Problem schon halb gelost." 3er Vtojefs Sr. Rupvk«« gegen heit JBoer Halom". Jerusalem, 20. Jänner. In dem bekannten Beloivrgungsprozeß Dr. Ruppins gegen den Chefredakteur des „Doar Hajom", Ben Awi, hat das Gericht in Jerusalem Ben Äwi sreigesprochen mit der Begründung^ daß die spater erschienenen Artikel, für die Ben Awi die Verantwortung tragt, keineswegs di« Beschuldigung enthalten, Dr. Ruppin hätte zionistische Fonds mißbraucht. Bezüglich der früheren Artikel sei Ben Awi nicht verantwortlich» da er in jener Zeit von Palästina abwesend und nicht verantwoEcher Redakteur des ,^Doar Hajom" gewesen ist. ■ Sie deutschen Marine-Justizmorde. ' Berlin, 25. Jänner. Der Untersuchungsausschuß deS Reichstages für di« Fragen des Weltkrieges hat sich in seiner heutigen Sitzung mit der Broschüre des Abgeordneten Wilhelm Dittmann „Die Marine-Justizmorde von 1917 und die Admirals-Rebellion von 1918" beschäftigt. Es wurde sestgestellt, daß in der genannten Broschüre eine amtliche Veröffentlichung des Untersuchungsausschusses über den Weltkrieg nicht vorliegt. Die .Beratung wurde auf Mittwoch vertaK. tcbetfafl auf Reichobavaerleak. 3Me VMchm «i fet Arbeit. Koönrg, 25. Jänner. Nach Berichten aus Gotha fanK dort gestern eure Kundgebung des Reichsbanners statt, bek der Oberpräsident Hör sing eine Rede hielt. M sich Hörflng und einige Reichsbannerleute nach der Veranstaltung in ihre Hotels begaben, wudren sie aus dem Hinterhaltvon einem Trupp Völkischer angesallen. Bon den Reichsbannevleuten wurden einige erheblich verletzt, so daß sie sich ln ärztliche Behandlung begehen muß» ten. Oberpräsident.Körsing gelang es, sei» ^tes zu äreichw, __‘ ' Som MUerinnd. Die Berichte der permanenten MandatSkommisiiou. Die BerhandLungsberichte der siebenten Tagung des stapdigeft Mandatsausschusses <C. 648, M. 267, 1686, 60) sind eben heraü--- gegeben worden. Bon den 230 Seiten dieses, Bandes sind mehr als sechzig Palästina gewidmet (Besprechung des Jahresberichtes der bvitischen Regiemng für 1624 und der, Eingaben bezüglich Palästinas, sin, schließlich des Memorandums der Zionistischen Organisatiou, der Wortlaut einiger dieser Eingaben nebst Bemerkungen des MandatarSj. Der die Bemerkungen des Ausschusses über die Be richte der Mandatarmächre sowie über die eingckmfenen Gingchen Mchaltende Wchht ist auch?irWln «WW, G. 649,