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Wiener Morgenzeitung · 1926-01-25 · Heft 2487 (25.1.1926) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2487 (25.1.1926)
Date
1926-01-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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jj*oieii^kS uroszy 1 Wi eil: ZuniAbhoIen in der Expedition, IL Taborstt. 1*3, Oder in elneiverschlefssfelle (Trafik) monatl. ö Schilling strassenverkau» in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmied, 1.. Wonzeile 11 Mit postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tscheeho-Slowakel: Mon.K22. Jugoslawien: Mon.Din.80. Polen:Mon. 5 Zloty, Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frca. 18 fttchsahltngen bei Praiairb<h«Mea TOrbehelle» iener I. :,f lUrels M «I England: Mon. 4 Schilling, ltallem Monat). 18 Lira: Rumänien: Mon. 170Lei, Bulgarien rMon.100l.ewi, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frei. 5 Redaktion, Administration: Wien,H.Taborjfr.l Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX.. Universitatsstrasse 6*8 (Druckerei lg. Steinmann) Oeitcrrelchlsches Postspar* kessen-Konto Nr. 150.693 Rr. 1487 Wir». Mamas. IS. Mauer 1926 8. Mrgaag Das österreichische «ad «asarische Sigealam in »mertta. Washington, 26. Jänner. Heute beginnen hier die VerhaMungen des österreichisch-ungarisch-amerikanischen Schiedsgerichtes unter dem Vorsitz des Richters Parker. Oesterreich wird durch den Legationsrat Kleinwächter, Ungarn durch Legationsrat Pelleny, Amerika durch Vonhoge vertreten. Die Ansprüche müssen innerhalb eines Jahres eingereicht werden. Man glaubt, daß sich die angemeldeten Beträge auf 80 Millonen Dollar belaustn werden, so daß, wenn man die Ergebnisse des deutsch-amerikanischen Schiedsgerichtes zugrunde legt, schließlich vier bis fünf Millionen Dollar zugesprochen werden dürften. Die Verhandlungen werden durch die Aufteilung der Donaumonarchie sehr zersplittert rm^ erschwert. Man nimmt an, daß, falls das österreichische untzungarische Eigentum zurückerstattet werden sollte, auch der österreichische und ungarische Besitz, der bisher zur Sicherung der ameri- Manischen Privatansprüche diente, freigegeben werden wird. Shamberlainr Rückkehr. London, 24. Jänner. Chamberlatn wird am Mittwoch Rapallo verlassen und nach Paris kommen, wo er .Besprechungen mit Briand über die bevorstehende Abrüstungskonferenz haben wird. Am Donnerstag wird der Minister nach London zurückkcheren. Vor dem Einmarsch Rußland« ia Wna. London, 25. Jänner. Nach einer Meldung der britischen United Preß aus Peking hat sich der Konflikt zwischen ßowjetrußland und Tschangtsolin bedeutend evschäkft. In Charbin wurden mehrere hunder^BolscheMken »erhastet. Weiters sollen die chinesischen Streitkräfte durch us'sische weiße Truppen verstärkt worden sein. ■ i ' Der Massenmörder Moraresm Pogrom- Agitator. Bukarest, 24. Jänner. (I. T. A.) Oberleutnant Morare s c ü, der bekanntlich wegen Ermordung und Beraubung von mehr als 30 jüdischen Pogromflüchtlingen sowie wegen.Unterschlagung und Dokumentenfälschung angeklagt, vom Militärgricht aber freigesprochen wurde, betätigt sich jetzt als antisemitischer Agitator. im Dienste Cuzas. Im Dorfe Valea Lunea hielt er vor den Bauern eine antisemitische Brandrede und erregte sich so sehr, daß ihm Schaum vor den Mund trat. Von dort reiste er in andere Dörfer. Die demokratischen Zeitungen geben der Furcht Ausdruck, daß eine solche Propaganda des Massenmörders leicht zu Pogromen führen könnte. Die antisemitische Internationale. Bukarest, 24. Jänner. (I. T. A.) Der Führer der rumänischen Antisemiten und Faszisten Prof. Cu za, dem man eine Verbindung mit den Budapester Notenfälschern nack-- sagt, äußert sich in der Zeitung „Curantul" wie folgt: „[>..) stimme mit meinen ausländischen Freunden überein, daß die antisemitische Bewegung international aufgebaut werden muß. Ich leugne nicht die Verbindung m i t d e n ungarischen Nassenschützlern, insbesondere mit Eckhardt. Wir bilden eine Front gegen die Juden'sch.aft der ganzen Welt. Eine neue Welt ist im Entstehen, die wir aus tiefstem Herzen begrüßen." Trasövie jüdischer Paliiftinawanderer. Jerusalem, 24. Jänner. (I. T. A.) Auf dem Wege über Bagdad sind heute hier vier jüdische Einwanderer aus Rußland eingetroffen. Sie bilden den Vortrupp einer großen jüdischen Wandergesellschäft, die schwere Erlebnisse hinter sich hat. Vor Jahresfrist verließen etwa 600 Juden ihre Heimatorte in Rußland, um sich über Persien zu Fuß nach Palästina zu begeben. Bei der Ueberschreitung der russischen Grenze wurden viele von den Sowjstgrenzbehörden verhaftet und zum Teil nach Sibirien deportiert. Die restlichen Wanderer setzten ihren Weg unter größten Entbehrungen fort. Etwa 160 von ihnen sind auf der Wanderung in Rußland, Sibirien und Persien den Strapazen und Entbehrungen erlegen. Sine Drasenseier in gerasalem. Jerusalem, 24. Jänner. (I. T. A.) Die Palästinensischarabische Exekutive hat eine Gedenkfeier für den Leutnant Fuad Salim veranstaltet, der sich den Drusen anjchlotz und m Kampfe gegen die Franzosen gefallen ist. Für Srganisatiou und Presse. eine Aktion Des Wiener zionistischen Landerkomitees. DaS Zionistische Landeskomitee leitete gestern durch ein M a s s e n m c e t i n g im Saale des Heimat-Kinos den diesjährigen Organrsgtions- und Presse-Drive im 9. Bezirk ein. Der Präsident des Direktoriums des Zionistischen Landeskomrtees Dr. Friedmann forderte unter Hinweis ans den von Weizmann rmd S o k o l o w gezeichneten Aufruf alle Zionisten auf, ihre Pflicht der Zionistischen Organisation gegenüber zu erfüllen. Diese kann aber mrr gestärkt werden, wenn die zionistische Propaganda durch eine schlagkräftige jüdische Presse geführt wird. Wir haben in Wien, so führte Doktor Friedmann aus, in der „Wiener Morgenzeitung", seit sieben Jahren ein Organ — es ist das einzige in deutscher Sprache erscheinende zionistische Tagblatt —, mit dem wir voll und ganz zufrieden sein können. Die „Mener Morgenzeitung" ist während der ganzen Zeit ihres Bestandes der zionistischen Sache treu geblieben. Wir brauchen diess Organ, um wirksame Agitation zu betreiben, weil wir nicht täglich Versammlungen ernberufen können, wenn wir zu den Zionisten sprechen wollen. Ungeheuer sind die Verdienste, die sich die „Wiener Movgenzeitung" um das jüdische Volk erworben hat. Mancher berechtigte Notschrei, manche Klage von Juden, denen bitteres Unrecht geschah, würde ungehört verhallen, wenn er nicht durch hie jsttzMe Presse Eingang in die OeffenMchM^ fWe.^DieseZ' Organ ist immer für die jüdische Sache eingetveten, wo auch immer in der ganzen Welt den Inden Unrecht geschah. Sie kämpfte gegen den Numerus clausus und durch die „Wiener Morgenzertrlng" wurde die ganze Welt auf die Dreyfusiade aufmerksam gemacht, die sich in Lemberg anläßlich des Steiger-Prozeßes abspielte. Das muß zur Selbstverständlichkeit werden, daß die jüdische Presse ins jüdische Haus gehört. Das Zionistische Landeskomitee ruft alle Zionisten auf, in den nächsten Tagen für Organisation und Presse tätig zn fein, damit diese eine solche Stärke erreichen, wie es der Zahl der Juden Oesterreichs entspricht. Es gibt viele Zionisten, die noch in unseren Organisationslisten fehlen. Diese zu erfassen, soll sich jeder Zionist zur Pflicht machen. Wer eine schlagkräftige zionistische Organisation errichten will, der wird unserem Appell für die Zionistische Organisation und Presse Folge leisten. _ Sodann hielt der Hauptredner des Meetings Oberrabbmer Prof. Dr. Chajes einen Vortrag über das Thema „Was ist Politik?", der die Zuhörer derartig begeisterte, daß sie ihn stellenweise durch minutenlangen spontanen Beifall unterbrachen. Der Obmann der Zionistischen Bezirkssektion Doktor Georg Weiner dankte dem Vorsitzenden für seine geistreichen Ausführungen und besprach die Propagandaaktionen der Zionisten des 9. Bezirkes und rief alle dort wohnenden Juden zur werktätigen Mitarbeit auf. Wiaftoa Shnrchill über die Arbeit der zioalften. London, 23. Jänner. Das -Komitee für jüdische religiöse Erziehung veranstaltete im Hyde-Park-Hoiel zu London eine Zusammenkunft, die der Aufbringung des ErzlchuugsfondZ für die nächsten drei Jahre gewidmet war. Ehrengäste des Llbends ivaran der Schatzkanzler Winston S. Churchill und Lord Eustaee Pereh. Der Abend 'hatte einen vollen Erfolg. Bon den -aufzübringenden 15.000 Pfund wurden 12.000 Psttnd sofort gezeichnet. Nach der Eröffnung des Abends durch Sir Robert Waley Cohen hielt W > n st o n Churchill eine Ansprache, in der er einleitend sagte, während seines politischen Lebens habe er mit der jüdischen Gemeinschaft stets die freundschaftlichsten Beziehungen unterhalten. Während s eines Besuches in Palästinahabe er Gelegenheit gehabt, die wundervolle Arbeit, die dort von den Zionisten geleistet wird, zu sehen. Mr. Churchill kam auf die Lage der Juden in der ganzen Welt zu sprechen und sagte, nur durch unerschütterliches Festhalten am Glauben der Väter habe das jüdische Volk die Jahrhunderte der Verfolgung und Unterdrückung aushatten und sich sein Ideal für das Gute, seinen Einfluß auf die Entwicklung des menschlichen Geistes erhalten können. In England, schloß er, ist den Juden ein unbeschränkter Anteil an den Angelegenheiten des Staates und des Volles gesichert. 60.000 Juden dienten während des Weltkrieges in der britischen Armee. Der größte Teil der jüdischen Soldaten setzte sich' aus Freiwilligen zusammen. Die Juden in der englischen Armee hatten 2400 Tote zu beklagen und zählten 6500 Verwundete. General DeeDes bei Benesch. Prag, 24. Jänner, (Dschechoflow. Preß-Bur.) General Sir Windham D e e d e s besuchte gemeinsam -mit dem Generalsekretär des Keren Hajessod, Herrn Leo H e r m a n n, den Minister des Aeußern Dr. Benesch, mit dem er -über die sozialen Institutes sprach. Der Minister versicherte, daß der Zionismus seine und des Präsidenten dolle Sympathie genieße. _ Arnaldo üivolla für de» zionlsmns. Rom, 24. Jännsr. (I. T. A.) Der bekannte italienische. Schriftsteller Arnaldo Cipolla publiziert gegenwärtig in italienischen Zeitungen, so unter anderen in der Turiner „Stampa", der Florentiner Nazione", dem Neapolitaner „Mattirw", eine Reihe Artikel unter der Ueberschrist „Der sieghafteZionism u s", in welchen er die Eindrücke seiner letzten Palästinareise wiedergibt, und den- Sieg,der jüdischen Aushauidee voraussagt. Cipolla hat vor zwei Jahren als Ergebnis seiner ersten' Palästinareise ein Buch veröffentlicht, in welchem er scharf gegen die zionistischen Ziele in Palästina zu Felde zog. Er schreibt jetzt: „Meine letzte Palästinareise hat mich von meiner damaligen geisti« gen Furcht geheilt und mich zum Zionisten freund gemacht; ein solcher müßte jeder gläubige Katholik sein, wahrscheinlich ist es der Papst auch. Die jüdischen Pioniere verwandeln das ehemalige wüste Land ineinStückTranSvaal, ein starker Einwandererstrom bringt dahin. WoS vor zwei Jahren noch als Traum erschien, ist heute Wirklichkeit." Die Konferen» Der Wischen Ranern ln Polen. Warschau, 23. Jänner. (I. T. A.) In der Konferenz der jüdischen Bauern in Polen referierte Mg. Dr. Sommerste in über die Agrarreform und die jüdischen Landarbeiter. In Galizien, so führte er auS, beschäftigen sich 13 Prozent der gesamten jüdischen Bevölkerung, das sind 93.000 Juden, mit Landwirtschaft. Diese Existenzen sind durch die polnische Agrargesetzgebung bedroht. Er brachte dm folgenden Antrag em, der angenommen wurde: Die Konferenz fordert die jüdischen Parlamentarier auf, dafür einzutreten, daß bei der Durchführung der Agrarreform auch die jüdischen Landarbeiter Boden erhalten. Dr. Silberfarb wies auf die vom Joint im Jahre 1921 durchgeführte Statistik hin, wonach in den polnischen östlichen Randgebieten 26.837 Juden der Landwirtschaft obliegen, von denen nur 35 Prozent über eigenen Boden verfügen. Die jetzige Lage des jüdischen Bauern ist katastrophal. Materielle Hilfe und Kredite sind unbedingt notwendig. Es wurde ein Zentralkomitee gewählt. Die folgenden sechs Personen bilden die Exekutive der Organisation: Dr. Silberfarb, Abg. Dr. Sommerstein, Senator Körner, die Herren Dobken, Rosenbaum und Agronom Dobs z r n s k i. Begrüßungen an die jüdische Bauernschaft in Palästina, Argentinien, Kanada usw. sowie an die Bauernschaft der verschiedenen Nationalitäten in Polen wurden, geschickt. Die ForDernngen Der bulgarischen 8«Den. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Sofia, 23. Jänner. Ministerpräsident Liaptschesf enlpfing eine Abordnung Sofioter Juden, die im Namen der jüdischen Hauptorganisation in Bulgarien vor einigen Tagen den Ministern Naidenoff und Buroff eine Denkschrift überreicht hatte, in der die Forderungen der bulgarischen Juden bezüglich ihrer Lage als Staatsbürger dargelegt werden. Minister Buroff hatte hiebei das Bedauern der^Regierung wegen der unliebsamen Mißgriffe ausgesprochen, die in der letzten Zeit gegenüber Juden erfolgt feint, und die Abordnung der Bereitwilligkeit der Regierung versichert, alle Fragen auf die grinst igste Weijs zu Weln.

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