Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2486 (24.1.1926)
- Date
- 1926-01-24
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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'ÄV. "JSflRÄJ «tnvtt, wmtwg inte* ■ Herr Lackner als humorvoller, kerniger Proletarier. In Nebenrollen bemerkenswert der voraussehende Chefredakteur Herr« Friedrichs, der Liebhaber Herr Zmhths und der alte, wackelnde, käufliche Gerichtsschutzmann Herrn Wittmann S. Dem Obersten des Herrn Balberg glaubt ntdn mehr die Statur und die Vornehmheit als die väterliche Liebe, dem Fräulein Weber mehr die' Kellnerin als die Geliebte, in Herrn Ley erkenn: man den Reporter dagegen nur sehr schwierig. MS Stubenmädchen und Köchin sind noch Frau B U k o v i e s und Frau O st h e i m lobend zu erwähnen. Ein Lokalredakteur blödelt lachend, doch nicht so viel wie Herr Stra nSky es tut. Die. anderen Damen trugen schöne Mäntel. Das nach Zeitungssensationen lüsterne Publikum zollte Beifall und im Namen des in Amerika auf einer Vortragstournee weilenden Galsworthy dankte Direktor Körner. Dr. Leopold Thal er. F«rtwSngler>Kon»ert. Erstaufführung von Hermann Suters Chorwerk ,L e Land!" im Gesellschaftskouzert. Hermann Suter ist nicht nur einer der angesehensten Schweizer Komponisten, sondern auch als langjähriger Leiter des Baseler Gesangvereines ein gründlicher Kenner der Ausdrucks- Möglichkeiten eines Chores. Die Schweizer Note und die Wöhlvertrau-theit mit der Chortechnik geben auch seinem Chorwerk „Le Laudi" das Gepräge, welches er zur Jahrhundertfeier des Baseler Gesangvereines schuf. Die Mystik des „Sonnengesanges" des Franz v. Assist, des Burunders des Franziskanerordens, ruft die ganze Schöpfung zum Preise des Höchsten an. Suter deutet sie in seine Schweizer Mundart um. Wohl hält er sich an das Element aller musikalisch katholischen Mystik, an den gregorianischen Choral, doch er erhebt sich nicht zu der frohen Zuversicht, welche die Worte erfüll:, sondern als echter Schweizer hangt und banc^ er in Pein mnb peinigt mit dem düsteren Untertan seiner ethisch durchaus hochstehenden Gefühlswelt auf die Dauer den Hörer. Die Brücke, die er zur mittelalterlichen Mystik schlägt, führt über alte, Tonarten in eine menschenfern einsame, trotzig drohende Gebirgswelt, über welcher der Geist Johannes Brahms' schwebt. „Ernste Gesänge" erklingen in den Soli und wie ein Deutsches Requiem" ertönt die feierliche Pracht des gebiogenen Ehorsatzes, der freilich in der unablässigen Wiedecholung der Teile, in dem trotzigen Festhalten an Baßmotiven und in dem Bohren der Orgelpunkte feierlich bis zur Starrheit wirkt.. Daneben, fehlt es nicht an schöner Tonmalerei der Grundidee der einzelnen Absätze, etwa der strahlenden Sonne, des blotzblay. schimmernden Mondnnd Sternenlichtes oder der aus den Holzbläsern rieselnden Quelle. Eine kolossale Steigerung bringt die Idee des Feuers, das unablässig an seinem Opfer, zehrt, gewidmete Chaconne, die in ihrer Eindringlichkeit dem Finale von Brahms' vierter Synrphonie yachstrebt. Da erklingen wirklich, wie es die Textworte vorschreiben, „Schönheit, Wärme und sprühender Glanz und edle Riesenkraft und Stärke". Und doch, auf die Dauer schien die Kontraste, fthlt trotz aller tiefgelchrten Geistigkeit das ursprüngliche Erleben, die blühende Sinnlichkeit und darum ermattet der Zrchörer vorzeitig trotz allen Seelenadels dieser musikalischen Sonntagspredigt.' Das Ethos der hochstrebenden Musik mag wohl Furtwäng'lers Niesenkräfte gereizt haben. Er dirigierte, wie stets, mit leidenschaftlicher Hingabe den Chor des Sing v e r e.i n s, der freilich nicht alle Hindernisse des. ungemein schwievigen ChorsatzeS bezwang. Die Solisten hatten es Nicht leicht, doch die Damen Merz-Thunner und Dierolf (schr gut!), die Herren Erb. und M anowarda hielten bis-zum Schluß tapfer durch, der Prterlinische Knabenchor und tms Symphonieorchester taten voll Begeisterung mit und ein lebhafter Erfolg stellte sich ein, der Wohl nicht nur dem spröden, Wenig eingängl-ichen Werke, sondern vielmehr dem Migerttengenie Furtzivänglers galt. , flb. Nur den Aeatem. Burgtheater. Morgen, 7 Uhr abends (kein Kartenverkauf), „Penthesilea". A t a d e m > e t u e n i e t. Morgen, V»8 Uhr abends, „Der Raub der Sabtnerinnen". (Abonnement lV. Gruppe.) B o l k S o p e r. Morgen „Das „R h e l n g o l d". Raimvnd-Tbearer. Mittwoch Erstaufführung von Edward S h e l d o n S Schauspiel „Ein romantisches A b e n t e u er'M'Asta N t e'l f e n als Gast. Theater an d e r Wi e n. Ab Mittwoch gastiert Kammersänger Karl Z i e g l e r in der Rolle des Großfürsten Alexander tn der Operette „D e r O r l o w'/ Apollotheater. Tie bekannte Tänzerin der Folie- Be'flöreS Nina P a y n e wird zum ersten Male in der am 29. d. stallfindenden 50. Aufführung der Revue „Apollo? Nur A p o l l o 1* anftreten. In dieser Vorstellung tritt auch Herr Josef König sein Engagement an. Elsa Bland — künstlerischer Beirat der Volksoper. Frau Kammersängerin Elsa Bland, das ehemalige Mitglied der' Staatsoper, würde dauernd für die Volksoper gewonnen - Frau Bland tritt am 1. Februar als künstlerischer Bei-' rat in den' Verband der Arbeitsgemeinschaft ein und wird; auch darstellerisch als Gast dem Institute zur Verfügung, stehen. ‘ „Indigo" im Akademietheater. Im Akademietheater. gelangt Mittwoch den' 27. d. als Veranstaltung der Hochschule; und der Staatsakademie die Operette „Indigo" von Jo-! bann Strauß, textlich neubearbeitet von Beda, zum ersten. Male zur Ausführung. Im Orchester: die Professoren der - tochschule und der Akademie mit den Philharmonikern.. ine Wiederholung dieser Festvorstellung, bei der - mehr als' 100 Personen Mitwirken, ist für Freitag den 29. &., 7 Uhr abends, angesetzt. . . •; Kunstpreise der Stadt Wien 1926. Der Wiener Gemeinderat. hat bereits in den Jahren 1924 und 1Y26 für hervorragende Werke' der Dichtkunst, der Musik und der bildenden Künste (Malerei, Bild-, Hauerei und Architektur) Kunstpreise gewidmet. Nuri'sind auch für' das Jahr 1926 vom Gemeinderat solche Kunstpreise beschlossen und mit je 3000 Schilling für jedes der drei Kunstgebiete festgesetzt worden. Diese Dumme wird nach den Vorschlägen des Preisrtchterkollegiums und den Beschlüssen des Wiener Stadtsenates am 1. Mai 1926 verteilt werden. Um die Preise können sich alle in Wie,: lebenden und werkenden Künstler bewerben. Die. mit vollem Namen uni) Adresse zu fertigenden Eingaben sind, bis längstens 28. Februar 1926 schriftlich an die Direktion >der städtischen Sammlungen, in Wien, Neues Rathaus, zu senden. Es muß angegeben wewen, für welches Kunstgebiet und auf Grund welchen Werkes die Bewerbung erfolgt. Die aügrmeldeten Kunstwerke sind bis längstens 28. Februar' 1926 'an die. städtischen Sammlungen einzusenden. . Toni Gerhold in der Urania. Die jugendliche Tänzerin Toni Gerb old, die .durch ihre Tanzkunst wiederholt die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit erregte, wird Dienstag den 26. b.:, halb 8 Uhr abends, im Großen Uraniasaal unter Mitwirkung des Urania-Orchesters einen Tanzabend veranstalten. 159 Hsahre Wiener Teheater. Samstag , den 30.. d. wird in den künstlerisch dekorierten Winteroartenräumen des Kaufhauses .Gerngryß, anläßlich des löyjährigen BurgthKtterzubiläums eine vöm'• B ü y neu verein veranstaliete^historische Theaterausstellung eröffnet. Hervorragende Persönlichkeiten des Wiener Theater- und Künstlerlebens, haben ihre Mitwirkung zügesagt. Ab Montag den 1. Februar wird die Ausstellung allgemein frei zugänglich , sein. . Josef Pembauer konzertiert derzeit in London. Er gibt in der Äeolian' Hall eine Reihe von Konzerten, in denen er bis nun mit Mozarts D-Dur Phantasie und Schuberts »Wanderer" am'besten gefiel. Die Kritiken der englischen Blätter sind im allgemeinen recht günstig für den Pianisten. ' Die »Königin von Saba" als Drama. Der ungarische Dramendichter Desider Szomory hat vor kurzem dem Budapester Natwnaltheater fein soeben vollendetes neües Drama ■ „® ie Mnigm von Saba" überreicht. Interessant ist, was der Autor ^op^rlxM ,826 by J. Ladyschnikow Verlag, Berlin. 8i« Glaubensmarthrium.a7) Roman von Schalom Asch. In der Stube des Rabbi Jechiel traf er die Parnesiim 'öon Uman und Korsun, die beiden Brüder Reb Secharja und Reb Jakob Sawilenki aus Tschihirin bereits an, in deren Gesellschaft sich auch die Parnesiim und die angesehenen Bürger der Stadt Nemirows befanden, um die fremden Parnesiim zu empfangen. Rabbi Jechiel-Michl selbst war jedoch! nicht zugegen. Er befand sich noch in der Jeschibah, wo er den Schülern seine. Talmudvorlesung hielt. Unterdessen bewirteten die Schamesiim die Gäste mit Honigkuchen und d?m von der Rabbinersstau angesetzten roten Branntwein. Rabbi Secharja Sawilenki, der Parnes von Tschihirin, saß breitspurig auf der Holzbank. Die Sawilenkis hielten sich für große Leute, und Rabbi Secharja war außerdem ein an-' gesehener Mann beim Fürsten Konieepolski, dem Herrn von' Tschihirin, der auch über Slotschow herrschte, und dessen Unter-. tan also Mendel Nrar. Mendel hatte Respekt vor Secharja als vor einem älteren Parnes. Er wußte wohl, daß er nicht so leicht zu den Parnesiim zugelassen werden würde, und es war ihm ein wenig bang zumute. Er blickte mit Respekt auf Rabbi Secharja, dessen langer, breiter, roter Bart sich über die Brust breitete und dessen Augen unter den hoch zusammengewachsenen Augenbrauen versteckt lagen. Obwohl sein Gesicht von der Sonne verbrannt war, war es doch voller Sommersprosien, die wie Inseln mitten in einem großen gelben Meer aussahen. Rahbi Secharja würdigte Mendel keines Blickes. Er bemerkte den neuen Parnes' von Slotschow einfach nicht. „Schalom aleichem dem Parnes von Slotschow", grüßte Reb Schalom-Jakpb, der Kreispürnes von Nemirow, als er Mendel erblickte. „Aleichem schalom", gab Mendel den Gruß zurück. „Ms gibt es in Slotschow? Man sagt, es wächst zu einer großen Stadt in Israel heran. Wird schon bald so groß sein wir Tschihirin", sagte der Parnes von Nemirow, der den . großen stolzen Secharja sticheln wollte. „Mit Gottes Hilfe! Unser Ort ist im Wachsen begriffen." Secharja zog seine Augenbrauen hoch und sah sich um. Er hatte die Stichelei verstanden, die von Schalom-Jakob beabsichtigt war, indem er das Dorf Slotschow mit der Gemeinde Tschihirin verglich, die eine große, von Juden bewohnte Ortschaft war. Allein Secharja ließ sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen. Er zog nur die Augenbrauen hoch und senkte sie bald wieder. Zwischen dem Herrn von Tschihirin, Konieepolski, und dem Herrn von Nemirow/dem Fürsten Wiszniewiecki, herrschte fortwährend Streit um die Herrschaft über die Ukraine. Der elftere. hatte die ganze Steppe an, "gelben Wasser bis zum Kosakenlager unter sich. .Der zweite aber hatte den Titel, eines „Fürsten von Rus" ghabt. Der Streit blieb nicht ohne Einfluß auch auf die Juden der beiden Herren. Am stärksten aber wixkte er auf die Parnesiim der beiden Städte, die Fürsprecher der Juden bei. den beiden Herren waren, Die Parnesiim waren durch dm Streit ihrer Herren so mitgerisien, als wäre es ihr eigener Streit. Sie prahlten mit dem Reichtum und den Gütery des Herrn, und jedesmal, wenn sie zusammenkamen, entbrannte der Streit zwischen ihnen aufs neue. „Was ist denn eigentlich Tschihirin? Eine große Gemeinde von Knechten. Slotschow wird es mit Gottes Hilfe überflügeln",. stichelte Rabbi Schalom-Jäkob den Parnes von Tschihirin wieder. . , .^Das ivar aber' diesem denn doch zu .viel. Er lvar ja' bei. Konieepolskl so angesehen, und dieser zog ihn bei allen seinen Geschäften zu Rate. Was lvar aber Slotschow? Und wer war Mendel? Secharja zog seine. Brauen wieder hoch ..und' wandte sich an Mendel: „Ach, das seid Ihr, der Mendel aus Slotschow, der die Erlaubnis bekam, eine Synagoge zu bauen? Der Fürst erzählte mir schon davon. Schalom aleichem", streckte Secharja ihm von weitem seine Hand entgegen, blieb aber ruhig auf seiner Holzbank sitzen. „Und lver ist der Bursche?" fragte Secharja und deutete auf Schloime. ' „Das ist mein Sohn. Schon ein junger Ehernann, mit Gottes Hilfe. Er fährt nach Lublin, um in der Jeschibah zu lernen." „Nach Lublin? Gibt es »denn wenig Jeschiboth hier in Podolien, in Kremenetz, in Lwow und auch hier bei Reb mnti yjtrrtrt»* iMM, xOtttt J» über feine Vorarbeiten zu seinem neuesten Werk erzählt. „Das. „Buch der Könige" der Bibel sagt über diese als Königin von Saba bekannte geheimnisvolle Erscheinung des allen Orients nur so viel, baß sie eines Tages nach Jerusalem, zu König Salomo gekommen sei, um fein weithin berühmtes großes Wissen, sein« Weisheit durch einige in Märchen gekleDete Fragen zu erproben. Sie sah den König und kehrte dann nach Saba zurück. Pas ist alles, was die Bibel von ihr ausgezeichnet hat. Dann hat Renan, dessen geheime Liebe diese orientalische Königin zu sein scheint, in seiner ^Geschichte Israels" ihrer mit einigen Zeilen gedacht. Die Orientallsten registrieren kaum das Rätsel dieser legendären Gestalt und selbst der große Orientalist Goldziher weiß in seinem Werke „Tie Geschichte des alten Arabien" kaum etwas über sie zu sagen. Man muß Dichter sein, um diese Feenftestalt a-esühlsmäßig zu erleben. An diese kleine, aber verlockende dichterische Arbeit habe ich mich nun herangewagt. Ich hin Assyrologe geworben, habe die chaldaiiche Sprache erlernt, nm mich in die Geheimnisse alter Werke, wie des Midrwch, Tarpum Schsni und anderer, vertiefen zu können . .. Seit August lebte ich wie ein Benediktinermönch in seiner 'Zelle, wie ein Mönch, der sich mit der Geschichte des alten Juben- 'tums befaßt. Für Menschen, Ereignisse unv Vorgänge des Tages hatte ich kein Interesse, ich lebte ausschließlich m lenem längst entschwundenen, verklungenen Zeitalter. 500 Jahre vor der Grün- ’bmtg des Christentums! Was die Seele eines einsamen Dichters;an Gefühlen, an Musik, an Freude und Schmerz aus sich herauszuholen vermag, habe ich aus der Tiefe meiner Seele zu beben versucht . . Wann das Nationaltheater das Stück herausbringen wird, ist noch unbestimmt. Gerichtssaal. der geplante Mordanschlag ans de« Wiener öowsetgesaadtea. Die Angellagten freigesprochen. In oer Wiener Gesandtschaft der Sowjetrepublik erstattet am 15. September v. I. der russische StaatSangchörige Jeftokin Schetschenko dir Anzeige, daß er und ein gewisser Peter Pichno von gegenrevolutionären Kreisen in Bulgarien nach Wien gesandt worden seien, um den Gesandten Jan B e r s y n zu ermorden. Peter Pichno, der 27 Jahre alt ist, in Charkow geboren und dahin zuständig und sich' als Hilfsarbeiter bezeichnet, wurde daraufhin in Haft genommen. Es wurde echoben, daß er und 'Schetschenko bei dem Sekretär eines Wohltätigkeitsvereines, dem ehemaligen russischen Offizier Theodor Boro bin, gewchnt haben. Nun wurde auch Borodin vechaftet und dem Landesgericht eingeliefert. Gestern hatten sich vor dem Schwurgerichte des Landes- ' geeichtes 1 Peter Pichno wegen Verbrechens des versuchte' n M o r d e s sowie tvegen Falschmeldung, - * Borodin wegen entfernter Mitschuld an versuchtem Morde zu verantworten. In der Anklage wird dargelegt, wie die beiden Genannten von ieinem ehemaligen General den Auftrag erhielten, am 27. August Nach Wien zu reisen und hier : den Sowjetgesandten Bersyn zu tAen. Sie. echielten falsche Pässe und ein Empfehlungsschreiben an den in. Wien wchnenden chemaligen russischen Oberstleutnant Borodin, in dem dieser aufgefordert wurde, den beiden zu helfen, Borodin soll auch nach Empfang des SchreLens gesagt haben: „Schön, ich werde euch helfen!" Schetschenko und Pichno, die bald in Mödling, bald >in Wien logierten, kamen wiedecholt mit Borodin zusammen, der ihnen auch eine Abbildung des Sowjetgesandten zeigte. . Am 13. September echielt Borodin eine Verständigung aus Sofia, daß das für die beiden Landsleute besttmmte Gest» von . ihm, Jechiel, in unserer eigenen Gegend? Ist denn Euer 'junger Ehemann schon ein so großer Gelehrter geworden, daß Ihr keine Jeschibah für ihn in ganz Podolien finden .könnt, sondern bis nach Lublin mit ihm fahren müßt?" „Sein Schwiegervater, der Rabbiner, hat ihm eine Empfehlung an Reb Naphtali Katz, dem Rabbiner von Lublin, mitgegeben. Der Junge hat einen guten Kopf",.verteidigte^sich Mendel — „und nebenher will ich,.'daß er auch weltliche Dinge lernt, rechnen und mit hohen Beamten reden, weil Slotschow wächst, mit Gottes Hilfe, und wir einen Fürsprecher brauchen werden, der Polnisch sprechen kann." Die letzten Worte reizten Secharja noch mehr und er erwiderte schon, zörnig: , . . ' „Er wird schon bei den Knechten von Slotschow Polnisch -lernen."' Mendel erwiderte nichts auf diesen Zornesausbruch, aus -Respekt vor dem alten ParneS. Mein dem Reh Schalom- Jakob war es zu. viel: „Was.denkt, eigentlich der ParnÄ von Tschshirin? (jfr habe allein Hon Kern Waad' das Recht erhalten, Fürsprecher zu sein? Ihr tut sehr gut, Rabbi Mendel, daß Ihr Euren Sohn .nach Lublin schickt", beruhigte Reb Schälom-Jakob 'Mendel, „wir brauchen koschere Parnesiim, die die öffentlichen Ange- 'legenheiten treu verwalten, nicht aber so handeln wie manche, die von den, Vorhang des Thoraschreins die Perlen qbnehmen, jw auf Honigkuchen legen und den polnischen Herren schenken, um sich bei ihnen Liebkind zu machen." „Gott behüte, mein Bruder hat die Perlen nicht für sich 'genommen",, verteidigte Rabbi Jakob Sawilenki seinen Bruder. „Er hat i nur dje Perlen der Jüdinnen von Tschihirin genommen und daraus ein kostbares Geschenk für den Hexrn Bannerträger Konieepolski gemacht — sein sstuhm sei groß unter'dessen Gnade wir alle in Ruhe und Frieden lehen — als er seine Hochzeit minder reichen Panna Zanwiska feierte." „Gewiß, wenü ein'Armer in'die Familie der Zamojskis einheiratet, muß er die Juden in dem Städtchen gufsuchen und sie um Gnadengeld bitten. Was ist ex penn auch — etwa «iö Wiszuiewiecki? Die Wiszniewieckis brauchen nicht jüdischi; Perlen, "wenn sie heiraten." Gortsttzung folgt.)