Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2485 (23.1.1926)
- Date
- 1926-01-23
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2979076-2981549-2981572--25324-3012957- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Wiener Morftenaettuno_ 23. Jänner im Nr. 2485 Volkswirt. Ser nette SPdt?onn»6otifb«rflfer. Mr. Kay bereits in Wien. Der neue Berater der Naiionalbank, Mr. Robert Kay, ist Donnerstag in Wien cingctroffen und wird seine Amtsfunktionen am 1. Februar anfnehmen. Vorher will er noch mit der Regierung und der hiesigen Finanzwelt sich bekanntmachen. S?e Schuwen der Arsenal«?rke 8 -A. Kein Verlust der Zentralsparkassa beim Arsenal. Tie Zentralsparkasse der Gemeinde Wien ersucht uns um die Aufnahme der folgenden Veröffentlichung: Im Zusammenhang mit der Reorganisation des Arsenals wurde auch wiederholt die Zentralsparkasse genannt und sogar der Vermutnug Ausdruck gegeben, daß sie finanziell erheblich in Mitleidenschaft gezogen sei. Demgegenüber ist festzustellen, daß die Verbindung der Zentralsparkasse mit den Oesterreichischen Werken Arsenal stets nur auf eine den strengen Grundsätzen gewährte Hypothek sich beschränkt hat und offener Kredit nie beansprucht und auch nie gegeben worden ist. Die Hypothek wurde auf Grund jener sorgfältigen Schätzungen, wie sie von der Zentralsparkasse ausnahmslos geübt wurden, auf das Elektrizitätswerk des Arsenals einschließlich der Maschinen erteilt. Tic fachmännische Schätzung lautete auf 2,835 200 Schilling. Der Höchstbetrag des gewährten hypothekarischen Darlehens war 900 000 Schilling, die aber gegenwärtig bereits bis auf 280.000 Schilling zurückgezahlt sind. Es haften also nur rund zehn Prozent des Schätzungsbetrages aus. Tie Sparkasse ist selbstverständlich an erster Stelle siche? gestellt. Ganz abgesehen also von der Tatsache, daß gerade durch die jetzt erfolgte Reorganisation der Oesterreichischen Werke Arsenal, deren finanzielle Laae ein Konsolidierung erfahren hat, würde auch die Sparkasse bei noch so ungünstiger Gestaltung der Verhältnisse angesichts der mitgeteilten Ziffern keinen wie immer gearteten Verlust zu befürchten haben. Grote Getreidespektt'ot'onsveklufte «ngarifcher flHPteit. Der Milliardenkrech des Viktoria-Mühlenkonzerns. — Rücktritt des Präsidenten Bacher. — Uebernahme des Konzerns durch die Budapester Großbanken. Vor drei Tagen wurde bereits an dieser Stelle von einem großen Mühlenkrach in Budapest berichtet. Hierzu wird uns aus Budapest berichtet: Den allgemeinen Gesprächsstoff der Wiener und der Budapester Börse bilden die Schwierigkeiten, in welchen sich der größte Mehlkonzern Ungarns, die B i k t o r i a - M ü h l e n g e s e l l s ch a f t, befindet. Es war schon seit langem bekannt, daß die ungarischen Dtühlen, welche infolge der ungünstigen Handelsverträge der Nachbarstaaten ihre Produktion stark einschränken und gegenüber dem Frieden nur 25 Prozent ihrer Produktionsleistung verarbeiten, sich jetzt auch in der amerikanischen Getreidespekulation sehr intensiv betätigen. " Im Vorjahre waren oie. ungarischen Mühlen in der Getreidrkontermine. Einer der Führer der Getre'despekulationen war die Viktoria-Dampfmühle, die den größten Mühlenkonzern Ungarns verkörpert, da ihr nicht weniger als 6 5 Dampfmühlen in Budapest und der Provinz angehören. Dieser Konzern soll im Vorjahre in der Getreidebaissespekulation 300 Milliarden verdient haben. Dorotheum Bankabteilung Wien, I. Dorotheergasse 17 Während der jetzigen Schwankung auf dem Weltgetvridemarkte scheint aber der Leiter dieses Konzerns, Präsident Bacher, nicht allzu glücklich operiert zu haben. Di« Verluste sind so groß, das; die Hilfe der Budapester Großbanken angerufen toetbett mußte, die sich unr ein Arrangement bemühen. Um in Ungarn seine Spekulationen zu verschleiern und gleichzeitig die Dcklarierung der Schwierigkeiten zu vermeiden, hat Bacher schon seit längerer Zeit I versucht, größere Devisenkredite in Oesterre i ch, der Schweiz, I England und Amerika aufzunchmen. Als Grundlage für diese Devisenkredite wurdet: die spekulativ angokauften Getvridemengen gegeben. Unter anderem hat die Anglo-österreichische Bank gemeinsam mit der Londoner Hambros-Bank einen Warenkrebrt in der Höhe von 1,5 Millionen Pmud gewährt, dessen Rückzahlung aber erst im Juni fällig wirb. Auf dem Wiener Platze wurden Mühlenwechsel des Viktoria-Konzerns zwecks..Erlangung von Devisenkrediten angeboren. Doch haben sich die Wiener Banken davon ferngehalten. Nur einige größere Devisenfirmen haben verhältnismäßig niedrigere Devisenkredite zttr Verfügung gestellt. Wie hoch die Devisenkredite sind, läßt sich vorläufig nicht beurteilen. Me diese Devisenkredite sinh durch Waren gedeckt. Es könnten aber die Kreditgeber bei größeren Schwankungen des Getreidemarktes Verluste erleiden. Die Schwierigkeiten wurden erst durch die Operationen der K o n t e r in i n e a n der B u d a p e st e r Börse bekannt. Trotzdem 60 Prozent der Aktien des Viktoria-Mühlenkonzerns sich im Besitze des Präsidenten Bacher befinden, hat doch die Kontertnine in den letzten Tagen dem Markt ununterbrochen Material zur Verfügung gestellt, so daß die Aktien in wenigen Tagen, bis auf die Hälfte sanken und die Kursschwankungen an einzelnen Tagen bis zu 25 Pwzetit betrugen. Eine gewisse Beruhigung trat erst' ein, als die Budapester Großbanken einsprangen und den Status des Konzerns überprüfen ließen. Die Großbanken setzten die Leiter ihrer eigenen Mühlentonzerne zur Kontrolle der Geschäftsführung der Viktoria-Mühle ein. Die Verhandlungen dauern fort. Sie dürften damit enden, daß der bisherige Leiter sein Aktienpaket den Großbanken zur Verfügung stellt. Die größten Verluste des Präsidenten Bacher rühren von ungünstigen Baissespekulationen her. Der Konzern hat aber nicht nur in Chikago, sondern.auch in Ungarn selbst operiert, so daß auch der ungarische Getreidemarkt durch diese Schwierigkeiten tangiert werden dürfte. ölrett an der Vartter Würfe. Protest gegen die Erhöhung der Börsensteuern. Paris. 22. Jänner. (Havas ) Heute wurden an der Börse an die mit der Kotierung der Effekten betrauten Angestellten Flugzettel verteilt, worin sie aufgefordert wurden, heute jegliches Geschäft zum Proteste gegen den Vorschlag auf Erhöhung der Steuern auf Börsengeschäfte einzustellen. Um 1 Uhr mittags waren die Geschäfte an der Effektenbörse ohne Zwischenfall vollständig zum Stillstand gekommen. Einige Papiere wurden direkt zwischen den Sensalen gehandelt. In der Kulisse ruhte daS Geschäft völlig. Der Flugzettel war von den Präsidenten der zwei Gewerkschaften der Angestellten der Sensale und der Angestellten der Bankiers gezeichnet. Leit« 8 Men, SamStag Weiter eine Eventualfrage ans Vorschnblnstung. begangen durch die Beseitigung der Leiche, schließlich eine Schuldfrage bezüglich des mit in Anklage gezogenen Diebstahls. Rach dem Resume des Vorsitzenden stürzte die Prosegger o h n m ä d> t i g zusammen. Sie mußte aus dem Saal getragen werden. Rach eineinhalbstündiger B ratung beantworteten die Geschworncn durch ihren Obmann, Verwallunasrat Direktor Adolf Fried, die auf das Verbrechen des Mordes lautende Hauptfrage für Marie Prosegger mir; w ö l f Strmmen Nein, eie Eventualfrage auf Kind.smord mit zehn Stimmen Ja gegen zwei Stimmen Nein, die Z u s a tz f r a g e auf Sinncsverwirrung zur Zeit der Tat mit zwölf Stimmen Ja. Die S ch u l d f r a g e für Josef Machaezek wurde wie folgt beantwortet: Tie Hauptfrage auf Mitschuld au dem Verbrechen des Mordes mit zehn Stimmen Nein gegen zwei Stimmen Ja. die Eventualfrage aus boshafte Unterlassung der Verhinderung des Verbrechens mit acht Summen Nein g gen vier Stimmen Ja, die Eventualfrage auf Borschiiüleistung durch Beseitigung der Kindcsleiche mit elf Stimmen Ja gegen ein^ Stimme Nein. Die Schulöfrage auf Diebstahl wurde mit sieben gegen fünf Stimmen verneint. Auf Grund dieses Verdikts v.'rküneete der Vorsitzende mnächst den F r e i s p r u ch der Angeklagten Marie Prosegger. Josef Machaczek wurde wegen des Verbrechens der Borschublelstung zu s e ch s M o n a t e n e i n f a ch e n Kerkers verurteilt, welche Strafe als durch die Untersuchungshaft verbüßt erscheint. Verteidiger Tr. Unger übermittelte der heftig schluchzeröen Profegg.'r den Ertrag einer von den Volksrichtern für sie veranstalteten Kollekte, die eine halbe Millmn Kronen ergeben hatte. Schließlich machte sich eine im Zuhörerraum sitzende Dame erbötig, di? freigesprochene Prosegger bei sich anfzunehmen und so lange zu behalten, bis diese einen Posten gefunden habe. Der Herr Straßenbahnschaffner. Bor dem Landesgerich sra: Dr. Et mayr (Strafbezirksg richt 1) trat gestern di? Prioaie Jrnra K. als Klägerin gegen den Straßenbahnschaffner Valentin Marold auf. Nach Inhalt der durch Dr. Forall vertretenen Klage ioll' cs am 20. Oktober v. I. aus der Elektrischen während einer Fahrt zwischen der Klägerin und dem diei schabenden Angeklagten ui ein r Auseinandersetzuna gekommen sein. Der Schaffner hielt sich darüber auf, daß die Klägerin längere Zeit gebraucht hatte, um das Kleingeld für die Fahrkarte aus der Geldbörse herauszuholen. Er bcmw'kie zu der Klägerin: „Suchen Sie sich künftig das Geld für die Fahrkarte vorher aus der Straße zusammen" Aus die Erwiderung der Klägerin: „Das geht Sie gar nichts an Ich bin nicht für Sie da, sondern Sie sind für mich als Passagierin da," soll der Schaffner erwidert haben: „Für Sie bin ich auch nicht da." Die Klägerin glaubte damit die Auseinandersetzung beendet Der Schaffner soll nun. nach Inhal' der Klage, mit Bezug auf die Klägerin und eine Dame, die sich in ihrer Begleitung befand, die Bemerkung gemacht haben: „Ber Tag gehen sie am Strich und am Abend spielen sie die feinen Dame n." Bor Gericht erklärte der Schaffner, daß er die inkriminierte Aeußerung nicht gebraucht habe, daß er noch einer kurzen Auseinanders tzunc, mit der Klägerin zu einem Fahrgast, der mehrere Stück Wildpret ftei in der Hand trug, die Bem.rkung gemacht habe: „Sie würden besser tun. wenn sie das Wildpret mit einem Strick zusammenbinden würden." Die Klägerin dürne diese Bemerkung mißverstanden und das Wort „Strick" für „Strich" g halten und auf sich bezogen haben. Ter Richter verurteilte den angeklagten Schaffner im Sinne der erhobenen Anklage zu 20 Schilling Geldstrafe, eventuell;u 48 Stunden Arrest. Der B rurteilte meldete gegen Schuld und Strafe, der Klagevertreter wegen zu geringer Bestrafung die Berufung an. Copyrißh' 1326 by J. Ladyschnlkow Verlag, B.rlln. 6in Glünbensmattyrium.(16’ ' Roman von Schalom Asch. Mendel teilte seine Gedanken Rabbi Jonah mit. „Groß ist Gottes Welt, Rabbi Jonah", sagte Mendel und seufzte. „Und die Erde, iitev die wir fahren, ist gut, Rabbi Jonah, scbwarze Erde, das sieht .man am Gras. Wo wir jetzt fahren, Rabbi Jonah. werden einst jüdische Stätten sein. Jüdische Städtchen, werden sich über das ganze Land verbreiten. Juden werden Handel treiben, Maren von einer Stadt zur anderen bringen, Jeschiboth gründen, und die Thora wird sich verbreiten." - Ein Weilchen hörte Rabbi Jonah ihni zu, dann aber erwiderte er: „Die Erde ist wohl gut und das Land groß, nur gibt es hier niemand, der an Gott erinnern, einen Segensspruch hersagen und be'en könnte. Deswegen ist die Erde hier voller Teufel und böser Geister. Tu glaubst wohl, es se'en einfache Vögel, die unserem Wagen dort nachlausen, einfaches Gras, harmlose Bienen und Würmer? Nein, in Wahrheit sind das alles Seelen, verlorene Seelen, die sich in d'e Wälder und in die Wüsten verirrt haben und nun auf eine Besserung ihres Schicksals warten, weil sie einen Magen mit Juden sehen, laufen sie ihm nach, wollen ein Wort der Thora, einen Seaensspruch erhaschen, um durch uns e'ne Besserung ihres Daseins zu erlangen und zur Ruhe zu kommen... Wenn Gott es w'll, werden Juden hieher k.'mmen und sich hier niederlassen. Schulen und Synagogen bauen, beten und Gott prei'en, und dann werden sie auch die bösen Geister vertreiben. Da wird der Ort rein sein und von Juden bewohnt toerden." „Glaubt Ihr, Rabbi Jonah, in der Tat, daß hier einst An oon Juden bewohnter Ort sein wird, jüdische Städtchen und Lehrhäuser?" „Sicherlich! Wie sollte es denn auch anders sein? Der Ort ist poch für die Juden bch'mml. Als die Gojim die Juden in der D asvora sehr plagten und die Schrchina es sozusagen sah, daß die Sach? gar kein Ende uimmt und das Häuflein Juden untergehen könnte, ist sie vor den Herrn der Welt getreten, um sich mit ihm auseinanderzufttze», und sagte ihm folgendes: „Wie lang ist noch das Maß? Der Taube, die du nach der Sintflut aus der Arche hinausschicktest, hast du e'nen Oelzweig mitgegeben, damit sie einen Platz hat, auf dem sie sich mitten auf dem Meer erholen könnte, und doch konnte sie das Wasser der Sintflut nicht ertragen und kam nach der Arche zurück, meine Kinder aber hast du aus der Arche in eine Sintflut hinausgesch'ckt und hast ihnen nichts geschaffen, worauf ihre müden Beine in der Diaspora aueruhen könnten?" Da hat Gott ein Slück des heiligen Landes hervorgeholt, das er damals bei sich im Himmel versteckt hatte, als der Tempel zerstört wurde, sandte es auf die Erde hernieder und sagte: „H er ist ein Rubeplatz für meine Kinder in der Diaspora." Deswegen heißt es Polen. Po-kin, das heißt, du sollst hier übernachten, wenn du in der Verbannung bist. Deswegen hat der böse Geist hier keine Macht über uns. und die Thora ist über den ganzen Staat verbreitet: Synagogen, Lehrhäuser und Jeschiboth, Gott sei Tank." „Was wird ater in Zukunft sein, wenn der Messias kommt? Was werden wir dann mit den Synagogen und den Jeschiboths, die wir in Pr len gegründet haben, anfangen?" erinnerte sich Mendel plötzlich an Slotschaw. „Was wollt ihr? In der Zukunft, wenn der Messias kommt, wird Gott Po'en mit allen seinen jüdischen Städtchen, Lehrhäusern und Jeschiboth doch sicher nach Palästina überführen. Wie denn anders?" Mendel fühlte sich jetzt völlig beruhigt. Nicht nur wegen des Schicksals von S otschow, sondern auch von ganz Polen, während er sonst sich keinen Begriff davon machen konnte, was mit all dem werden sollte, wenn der Messias käme. Nachdem aber Mendel den Hunger seines Geistes auf diese Weise gestillt hatte, regte sich das Hungergefühl in seinem Körper. Der Junge Hillel erinnerte ihn daran m't f.'ehentlichen Blicken, und auch der „Wächter Jsrae's" kraute sich Kopf, Bart und Pajes während der ganzen Zeit, da der Prediger sprach. Dazu kam, daß die Steppenluft den Appetit re'zte. Bald fand sich denn auch eine keine Quelle, und unsere Reisenden hielten an. um die Hände zu waschen. Jocheweds fette Käfestücke, schwarze Rettiche und kräftiger Branntwein erquickten den Körper ebenso wie Rabbi Jonahs Worte den Geist erquickt hatten. Als aber Körper und Geist sich gesättigt hatten, gaben sich alle dem Schlaf hin und überließen es der: Pferden selbst, den Weg nach Uman zu finden. Die Pferde aber witterten bereits den Wald von Union, und a*s die Sonne sich zu senken begann und den Himmel milder Steppe in einer einzigen roten Flamme vereinigte, da begann in der Tat der Umaner Wald am Horizont schtvarz zu schimmern, und als der stille Abend anbrach, fuhren unsere Reisenden in das Stadttor von Uman ein. 8. Die Versammlung der Parnessim. Einige Tage darauf fuhr Mendels Wagen vor dem Gasthaus des Schankwirts B.ruch in der Judengasse von Nemir.'w vor. Die Einfahrt zum Gasthaus stand voller Wagen und Fuhren. „He, macht Platz für den Parnes von Slotschrw!" rief der Pferdejunge Hillel; rück' zur Seite, du Grindkopf, die Plagen der Aegypter sollen dich treffen! Macht Platz, der Parnes von Slotschow kommt! Habt ihr gehört?" „Schrei nicht so, du Diener des „Armenkönigs"; die Plagen von Aegypten und die Flüche der Strafpredigt füllen dich selbst treffen! Das ist ja der Wagen von Rabbi Secharja Sawilenki, dem Parnes von Tschihirin, mit Respekt!" rief man von der anderen Seite des Wagens. Als Mendel hörte, wem der zweite Wagen gehörte, befahl er dem Pferdejungen anzuhalten, stieg aus und trat an den anderen Magen heran: ,Hst Rabbi Secharja hier?" „Ja, und mit ihm ist auch sein Bruder, Reb Jakob, gekommen, dir beiden fahren zum Jahrmarkt nach Lublin und sind beim Rosch-Jeschibah, Reb Jech.el-Michl abgestiegen, nur haben sie befohlen, über Nacht hier mit dem Wagen zu warten." Reb Secharja, der Parnes von Tschihirin, fuhr, nach dem Vorbild großer Herren, mit einem Viergespann, und sein Wagen war groß und voller Kissen und Decken und nahm die ganze Einfahrt ein. Und so befahl Mendel seinem Pferdejungen, zur Seite zq, fahren, die Pferde in den Stall zu führen und sie gut zu füttern. Er selber aber ging nach dem Gasthaus, während der Junge und der Wächter ihm die Sachen und die Kisten dorthin nachtrugen. Mendel zog sich den neuen Rock an, putzte seinen Schloiwele und ging fort, um sich bei dem Rosch- Jeschibah, Reb Jechiel-Micht, dem Rabbiner von Nemirow, zu melden. (Fortsetzung folgt.)