Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2484 (22.1.1926)
- Date
- 1926-01-22
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Mkeirrr MsMUelkttM -kk. NW, ffEg Wien, 22. Jänner. * Das Wett«. Die Voraussage lautet: Im Westen wenig verändert. im Osten Temperaturzunahme. Große Niederschlags- Wahrscheinlichkeit. * Die Lebensmüden. Gestern abends hat sich im Hause Zollergasse 15 oin zirka LSjähriger. gntgekleideter unbekannter Mann aus einem Gangfenster der vierten Stockwerkes in die Tiefe gestürzt und blieb tot liegen. — Die 24jährige Hausgehilfin Laura Barwick hat sich gestrcn mittags am Dachboden «ihres Wohnhauses aus bisher unbekannter Ursache echängt. — Am 9. d. M. hat sich im Hause Taborstraße 9 die 20jölirige Hausgehilfin Anna Ichimak aus Kränkung über verschmäht« Liew auS dem tenster gestürzt. Sie ist. gestern ihren Verletzungen erlegen. — m 20. d. M. sprang ein Mann von der Nordwestbahnbrücke in den Donaustrom und verschwand in den Wellen. Nach einer Legitimation, die er auf der Brücke zurückließ, ist er vermutlich der 28jährige Maschinenhilfsarbeiter Hainrich Poiaenfürst. — Gestern nachts fand die Rettungsgesellschast in ihrer mit Leuchtgas erfüllten Küche die 24jährige Elsenbahnergattin Magdalena Daumann leblos vor. Cs dürfte Selbstmord vorliegen. * SamStaa und Sonntag mit dem Wasser sparen! Die Arbeiten bei der Wasserkraftanlage in Gaming, die mit dem Wasser der zweiten Wiener Hochquellenleitung betrieben werden wird, stehen vor dem Abschluß. Um nun die notwendigen Stellenanschlüsse Herstellen zu können, muß der Zufluß aus dieser Leitung auf die Dauer von zwei Tagen gesperrt werden. Diese Absperrung wird in Wien am Samstag und Sonntag durch weniger Zufuhr fühlbar werden. Die Bevölkerung wird dringendst ersucht, an diesen zwei Tagen mit dem Wasser zu sparen. * Eine vermißte Verkäuferin. Seit den: 26. Dezember v. I. ist die Berkäufevin Stephanie Stoiber aus Zistersdorf, die bei dem Bäckermeister S a n d n e r in der Lerchenfelderstraße bedienstet war, abgängig. Man befürchtet, da sie den Drenstplatz nach einem Zwrst verlassen hat, daß sie sich ein Leid angetan haben könnte. * Eine unredliche Postbeamtin. Dem Sicherheitsbureau kam aus Brünn bie Mitteilung zu, daß die 80jährige Postbeamtin Stephanie Riedl die amtlichen Rechnungsbelege gefälscht und dar tschechoslowakische Poslärar dadurch umd 3 66.096,05 tschech. K. geschädigt hat. Sie ist mit ihrem Gatten Jan Riedl geflüchtet. Kunst, Bühne, Buch. Sufi Mirfam. Wunderkinder, bie man ins Rampenlicht zerrt, sind im allgemeinen keine schr erfreuliche Erscheinung des Kunstgetriebes; ganz anders bei der zehnjährigen Tänzerin S u s i M i r j a m. Sie ist eigentlich kein Wunderkind, man bemerkt nichts von gequälter Dressur, ihre Tanzkunst ist viel mchr ein Ausdruck ihrer Intelligenz, des musikalischen Verständnisses und ganz bedeutender Körperbeherrschung. Susi Mirjam tanzt mit dem ganzen Körper, der 3-ter*. sich, aber doch kräftig genug ist, um die physischen Anforderungen des Grotesktanzes zum Beispiel zu erfüllen. Die kleine Tänzerin hat eine ausgebildetere und nuancierteve Handals Fußtechnik, ihre Hände tanzen immer; sie sind hier die eigentlichen 'Mittler des musikalischen Gedankens. Das spezifische Talent der Susi Mirjam scheint mir jetzt im Grotesken, Symbolischen, im eckigen Humor zu liegen. Die schönsten Tänze waren daher auch der „Chinesische Tanz" von Niemann, ein fein durchgebildeter Glicdertanz — Kopf und Knie tanzen sichtbar mit — der „Matrosentanz" von Rosey, in dem die Künstler.in großen Sinn für symbolische AuSdruÜSgroteske bewies, ferner die eckig bcherrschte „Groteske" von Reget), und der ausgelassene „Excentrie"-Tanz von Thurban. Die Kostüme, die Frau Ada Stein er-Rosen zweig entworfen hat, waren schr originell, farbenreich, <in der Wirkung aber nie aufdringlich, und erfüllten ihren Zweck, den Sinn der Tanzbewegungen zu verdeutlichen, vollkommen. I. th. JÜDISCHES KÜNSTLERKABARETT II., Pratersirasse 60 / Leiter r Max Streng Heute 'U9 Uhr P r e tu i e r c! Premiere! Jeder Frau’s Verlang Donnerstag den 28. Jänner: Ehrenabend der Frau Hilda Dulitzkaja Au» Den Theatern. Burgtheater. Morgen, 7*8 Uhr abends. ,Lady Windermeres Fächer". (Abonnement V. Gruppe.) Ataoem'erveaier. Morgen, 7,8 Uhr abends, „Altweibersommer". Odernt.brater. Heute wegen Indisposition des Herrn D u h a n statt .Hernant" ,D t e B o h S m e". Morgen, 7 Uhr abends, „Der Rosenkavalier". B o 1 t S o p e r. Morgen gebt als Festaufführung anläßlich der 100. Vorstellung der ArbeiiSgemeinichast und Vorfeier zum 25. Todestag Verdis „Aida" in Szene. In der Tne.rolle Anne R o f e l l« a. G. Ratmund-Tbeater. Morgen, 7,4 Uhr nachmittags, „T t s ch 1 e t n d e ck' d t ch". Sonntag nachmittags, „S ch n e ewittchen und die sieben Zwerge". A st a N i c t f c n trifft morgen in Wien ein, um an den Proben der englischen Komödie „EtnromantischesAbenteuer". wo »in sie sich al» Prosaschauipielertn voistellen wird, teilzunebmen. Renalssancehübne. Sonntag den 24 o., nachmittag» 8 Uhr. gelangt, neu tmieniert die Posse „K a m p l" von Johann N e st r o v zur Aufführung. Modernes Tbeater. Heute, 6 Uhr abends, Erstaufführung von Zobn GalSwortbyS Schon,piel „S e nl a r i o ir , deutsch von Leon Schallt. 150 Jahre Wiener Theater. Die Ausstellung, die der deutschösterreichische Bühnenverein auS Anlaß des 40jährigen Jubiläums des Burgtyeaters im Wintechaus des Kaufhauses Gerngroß veranstaltet, wick auS technischen Gründen erst am 30. Jauner eröffnet. Die hervorragendsten Sammler haben viele hochinteressante Objekte zur Verfügung gestellt. Auch die für die Lotterie zu gunsten notleidender engagementloser Bühnenmitglieder gewidmeten ivertvollen Kunstlverke werden der Ausstellung eingefügt. »Die Jagd Gottes", ein jünfaktiaes Drama von Emil Bernhard gelangte im Frankfurter Schauspielhaus zur Uraufführung. ES ist ein Judenstück und spielt in einem Judendorf der Karpathen. Ein junger Mensch verkündet den Messias. Es geht jeden an den jeder ist den Unbilden e*ner Verkühlans lusgesetri, die von verhängnisvollen Folgen begleitet »ein kann. Der beste Schutz gegen Verkühlung Ist die Abhlrtnng und die Stählung des Körpers, die am bes en durch ständigen Oebrauch des DIANA- FRANZBRANNTWEIN mit Menthol ermöglicht wird. Ifeberall erhHItllch! «er Die Jugend glaubt ihm, aber der Me Rabbi erkennt, daß hm einer kam, der selbst der Erlösung bedarf, denn er eifert, hadert, verrät und leidet für seine jüdische.Seele. Durch die Tat zeigt er dem Helden des Dramas, wie aus der MeffiaSsehnsucht die Messiasevfüllung wird. Der Rabbi will sich den Kosaken opfern, dre einen Juden des Dorf s steinigen wollen. Da stellt sich der Jüngling vor den Rabb' und bringt sich selbst dar. Das Gedankendrama hatte starken Erfolg. Die Salzbirrger Festspiele. Bei der Salzburger Larchesregierung haben Besprechungen der politisch und wirtschaftlich interessierten Kreise über -die volkswirtschaftliich« Bedeutung der F e st s v i e l e für Salzburg und über dre Fertigstellung des Festsvielhauses sowie eine eventuelle Ausgestaltung ' dieses Baues auch für andere Zweck« stattgesnnden. Es wurde ein engerer Ausschuß eingesetzt, dem die, Erstattung von Vorschlägen für die Finanzierung oblieat.. Die Ehrenlegion für eine Tänzerin. Aus Mailand wird ^meldet: Die Tänzerin Carlotta Zambelli, die auS der Tanzchule des Skala Theaters hervowegangen ist, echielt vom Praidenten der französischen Republik das^ Kreuz der Ehrenlegion verliehen. Frau Zamoelli ist die erste Tänzerin, der eine derartige Ehrung zuteil wird. Die Zambelli wirkt seit 31 Jahren cm der aroßen Oper in Paris und ist gegenwärtig erste Tänzerin und Leiterin der Tanzschule. Vereine, BortrSge und Verrammlungen. Zionistische B e z i r k »s e k t i o n Leopoldstad t. Heute um 7,6 Uhr abends im Sektionsbetm, 2. Bez, ZirkUSgaffe SS. Vortraa Rabbiner Dr. Wunderma»« über „More Nebuchim". - Z i o n 1 st i s ch e S e kt i o n V r a t e r. Heute um 7,8 Uhr abends im Heim, 2. Bez., Jungftraße 6, Vortraa Dr. N G o l d st e i it über Midrasch. — Verein für jüdische Geschichte und Literaturin Wien, 3. Vez.. Ferdinandstrabe 33/8. borgen um 7 Uhr abends im rwtt'eren Saat der Ingenieur- und Architekten- Vereines, 1. Bez., Eschenbachgaffe 9, Vortrag Frau Dr Mari ha H o f m o nn: »Die jüdische AmklärungSbewegung in Deutschlaud". Swdioprogramm. Freitag, den 22. Jänner: 16 Uhr 15 Mm.: Nachmittagskonzert. — 18 Uhr 10 Min.: Wochenbericht für Sport und Fremoenverkehr. Oberbaurat Ing. Erwin Demletn. — 18 Uhr 2b Min r Das Kunsthtstorifche Museum. Hosrat Dr. Arpad Weixelgärtner: 4. Plastik, Kunstgewerbe, Schatzkammer, Gobelins. — 19 Uhr 10 Mm.r Französisch. - 19 Uhr 40 Min.? Englisch für Vorgeschrittene. - 20 Uhr 15 Min.: Orchesterkonzert des Wiener Symphonieorchesters. Leitung Musikdirektor Max Ast. GeriWaal. Las Kind kn die Sana» gemarfe«. Die Tragödie einer HauSgehllfin. Gestern hatten sich die 24jährige Hausgehilfin Marie Prossegger und ihr 23jähriger Geliebter, der Gärtnergehilfe und ehemalige Wehrmann Josef Machaczek wogen Mordes, beziehungsweise Mitschuld und Beihilfe vor dem Schwurgerichte (Vorsitzender Hoftat Dr. Go Idstein) zu verantworten. Die Prossegger hat am 12. Februar 1924 ihr 9 Tag« altes Söhnchen erwürgt und in die Donau geworfen. Die Prossegger legte bei der Polizei, vor dem Untersuchungsrichter und den Gerichtspsychiatern ein Geständnis ab. Die Psychiater erklärten die Angeklagte für strafrechtlich vollkommen verantwortlich. Der Vorsitzende ordnet zunächst ein abgesondertes Ber-, hör an. „Bekennen Sie sich schuldig?" — Angekl.: Ja. Sie erzählt nun, daß sie das uneheliche Kind ihrer Mutter sei. Im Jahre 1920 hat sie das erste Mal geboren. Eine Dame nahm sie samt dem Kinde zu sich und sie stillte das Kind ihrer Dienstgeberin, ihr eigenes Kind erkrankte bald darauf und starb im Spital. Als sie dem Machaczek ihre Schwangerschaft mitteilte, war er darüber schr empört, und sie mußte ihm Trost zusprechen, weil er drohte, er werde ).ie und sich nmbringen. In der kritischen Nacht habe das Kind unaufhörlich geweint. Machaczek sei darüber schr ungchälten gewesen, bald ausgestanden und in die Kaserne gegangen. Erst am nächsten Tag habe er sich wieder im Hotel eingefundern Im weiteren Verlauf ihres Verhörs erleidet die Angeklagte einen hysterischen Anfall, sie stürzte an der Barre anscheinend bewußtlos zusammen und ein heftiger Weinkrampf erschütterte ihren Körper. Ein Gerichtsarzt bemüht sich um sie und sie wird aus dem Saal getragen. Der Vorsitzende unterbricht die Verhandlung. Nach Wiederaufnahnle der Verhandlung in Fortsetzung des Verhörs erklärte die Angeklagte neuerdings, mit Machaczek über chren Mordplan kein Wort gesprochen zu haben. Sie erzählte dann stockend, von Schluchzen oft unterbrochen, daß sie «ingeschlafen war, bald wieder aufwachte und in dieser unruhig wechselnden Stimmung /ei die Tat geschehen. Die Leiche habe ich in den Reisekorb gelegt. Gegen Mittag kaut zufällig Machaczek und ich habe chm mitgeteilt, was in der Nacht geschehen sei. Er war darüber sehr erfreu t, als ob ich eine gute Tat vollbracht hätte. Die NachmittagsverHandlung war der Einvernchmung des Angeklagten Josef Machaczek, der Einvernehmung der Zeugen und der Psychiater gewidmet. Machaczek bleibt während seines Verhöres dabei, daß er die Untat erst nachträglich erfahren habe. Er war fassungslos, als ihm die Prossegger eines Tages ganz unvermittelt mitteilte, daß n. JZrMr im Selb 8 ... *.. .‘ .mm" ". K oas Knid tot sei. Als es an dem Tage Abend wurde, irrte er wü der Prossegger und dem toten Kinde in den menschenleeren Straße» umher. Schließlich kamen sie zur Flor-idsdorfer Dona«- brücke, von der aus er das tote Kind in den Strom warf. Nach dem Verhör des Machaczek gibt die Prossegger an, daß Machaczek sie sehr schlecht versorgt und einmal durch 28 Stunden hungern ließ und daß er ganz glückselig war, als sie ihm bie Mitteilung von dem Tode bes Kindes gemacht habe. Nach Ei»- vernchmung der vorgelqdenen Zeugen und der Psychiater wurde die Verhandlung in später Abendstunde abgebrochen. Dar Urteil dürfte heute nachmittags gefällt werden. Karl Kraus gegen Anton Kuh. Der Vorstand des Strafbezirksgerichtes 1. Hoftat Dr. Höflmayer. hatte heute über einen Preßprozeß zu verhanveln,. den der Schriftsteller Karl Kraut gegen den Publizisten Anton Kuh und gegen den verantwortlichen Rwakteur der „Stunde", Dr. Fritz Kaufmann, angestrengt hatte. Am 11. Oktober o. I. erschien im genannten Blatt unter der .Ueberschrift „Preisausschreiben" ein Artikel, der sich al» Erwiderung einer Notiz in der „Fackel" mit ber Person des Karl LkrauS befaßte und in welchem der Ausdruck „BortragSaffe" enthalten war. Karl Kraus ^zog diesen Ausdruck auf feine Person und erhob lediglich wegen Eyrenbeleidigung, begangen durch Beschimpfung gegen Anton Kuh, welcher den Artikel signiert hatte und gegen den verantwortlichen Redakteur Dr. Kaufmann beim Bezirksgerichte die EhrenbeleidigungSklage. Bor einigen Tagen wurde bei Ankündigung der Verhandlung über diese Klage der erwähnte Artikel in der „Stunde" neuerlich abgedruckt, weshalb Karl KrauS eine neue Klage, jedoch auch nur wegen des Wortes „Vortragsaffe", einbrachte. In der gestern über beide Klagen stattgehabten Verhandlung, zu der sich ein schr zahlreiches Auditorium eingefunden Halle, intervenierte als Vertreter des nicht erschienenen Klägers Dr. Oskar Samek, als Verteidiger des Kuh Dr. Schnepp. Kuh gab zu seiner Verantwortung an. baß er den ersten Artikel vom 11. Oktvber verfaßt habe, daß er aber, da der Kläger lediglich tvegen Beschimpfung geklagt habe und ihm dadurch die Möglichkeit, einen Wahcheitsbeweis zu führen, nicht gegeben sei, vmsichtsweffe bestreiten müffe. daß bas Wort „BortragSaffe" auf den Klager gemünzt war. Der Richter beschloß, milltelS Urteils sich für unzuständig zu erklären. In der Begründung dieses Urteils führte der Richter auS, es sei gerichtsbekannt, daß der Privatkläger Borträge halte und der Ausdruck „VorkagSaffe" beziehe sich -veijello» auf diese Tätiakell des Privatklägers, sei daher alS eine Kritik aufzufassen und stelle sich sohin alz eine Schmähung und nicht als eine Beschimpfung dar. Bollswirt. Reform der Försorgeabgabr und SrhShung der Warenumsatzfteuer. Das Expose des neuen Finanzministers. — Die altösterreichifcheS Schulden sollen in österreichische Titres umgewandelt werden. Der neugewählte FinanMilnister K oll mann sprach gestern im Finanzausschuß zum ersten Male in seiner neuen Eigenschaft. ES war keine Programmrsde, sondern mit eine dem Herkommen entsprechende sehr ausführliche Darlegung über seine nächsten Absichten und über einige Vorlagen, die die Regierung dem Nationalrat in der nächsten Zeit unterbreiten wird. Auffallend ist, daß sich Minister Kollmann namentlich Hinsichtlich der Reform der Warenumsatzfteuer und der Herabsetzung der! F ü r s o r g e a b g a b e sehr vorsichtig ausdrückte und nur «Märte, daß die Regierungserklärung dafür bürge, daß eine Reform der Fürsovgeabgabe versucht werden wich. Bon größerem finanzpolitischen Interesse. ist die Ankündigung, daß in Bälde auch der Devisenverkehr von den letzten Fesseln befreit werden wird und das Versprechen einer Uebernahme des auf Oesterreich entfallenden Teiles der altösterreichischen und altungarischen Staatsschulden als SchuÄen ber Republik. Finanzminister Kollmann stellte eingangs seiner Ausführungen eine Reihe von Maßnahmen zur Milderung der ArbeitsloWeU in Aussicht, so zum Beispiel die Rückführung der früher m der Landwirtschaft tätigen Arbeitskräfte zur Landwirtschaft, di« Gewährung von Abfindungen an die nach Rußland auswandernden Arbeitslosen, eiine erhöhte Bautätigkeit der öffentlichen Körperschaften und namentlich dttf Vergebung der Arbeiten unabhängig von den Monatsvoranschlägen deS Bundes. ES handelt sich hierbei um Beträge von rund ISO Millionen Schilling. Die einzelnen Ressorts werden Investition-- Programme vorlegen. Neben den Bundesbahnen kommt in erster Reihe das Handelsministerium mit Straßen- und Hochbauten und Anschaffungen für die Post, und Telegraphenanstalt und für die Bergbaue in Betracht. Diese Erfordernisse machen zusanrmen rund 53 Millionen aus. Für die nahe Zukunft kündigte der Minister die Einbringung einer Gcbiihrcniwvelle an, da namentlich di« Stempel- und RechtSgeibühreN von de». Interessenten als zu hoch empfunden werden. Auf dem.Gebiet« der Warennmsatzsteuer werde die Finanzverwaltnng ihr Hauptaugenmerk darauf richten, die Durchführungsbestimmungen, insbesondere die Phasenpauschalierung unter ständiger Fühlungnahme mit den wirtschaftlichen Organisationen zu regeln. Aufgabe der Regierung werde es weiter insbesondere auch sein, in der eingehensten und gewissenhaftesten Weise die Frage zu untersuchen, ob und unter welchen Voraussetzungen und in welchem Ausmaß allenfalls eine Erhöhung der Warenumsatzsteuer für Zwecke einer Bereiusachung unseres AbgabensystmS (durch Überführung anderer Abgaben in die Wareimmsatzsteuer) kn Erwägung gezogen Moden könnte. Daß bei Beurteilung der in Betracht kommenden Fragen' besondere Vorsicht angewendet werden wird» sei wohl sel'bswerstündlich. Zur Frage deS Ersatzes der Fürsorge, und Lohnabgabe durch entsprechende Erhöhung der Wacenumsatzsteuer zugunsten der . Länder und Gemeinden bezog sich der Minister im allgemeinen ans da», was er hinsichtlich der Warenumkatzsteuer gesagt hatte. Cr handle sich um «ine schwer zu löseiwe Frage. Er hoffe, daß schon die grundsätzliche Erörterung »m Interesse ver Entlastung der heimischen PradM» tm ftgqjfoifri (M