Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2483 (21.1.1926)
- Date
- 1926-01-21
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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_Wiener MoraeineUunq S1. Jänner IM Nr. SW PalMnas Antritt in Hie Weltstnanz. 9os Siiront'Wlommen zwischen der amkUanWe» S äte Bank und Ir. -alp«« pnfekt. — Sie »««>$»» er Staatsbank -iswntlrrt die We tisel drr An,!« Vilestlne Sampanp. Wie uns aus New-L)ork gemeldet wird, ist dort gestern zwischen dem Tireitor der Jüdischen Kolonialbank, Tr. Georg Halpern, und der New-?forker State Bank ein Ucbereinkommen abgeschlossen worden, welches Tr. Halpern namens der Anglo Palestina Company getroffen hat. Auf Grund dieses Uebreinkommens hat die New-Aorker Staatsbank die Weitereskomptierung der Akzepte der Anglo Palepine Bank übernommen. Da bekanntlich diese letztere Bank die F inanzierung der Wirtschaft Palästinas besorgt und fast die Funktionen der palästinensischen Nationalbank ausübt, wird nunmehr die Wirtschaft Palästinas mit der New-Dorker Finanz in Verbindung gebracht. Ties ist von ungeheurer Bedeutung für die weitere Entwicklung der palästinensischen Wirtschaftsunternchmungen. Emerseits wird dadurch der Anglo Palestina Company die Möglichkeit geboten, größere Mittel für die Kreditfundierung Palästinas zur Verfügung zu stellen, andererseits aber wird dadurch auch indirekt das Interesse der amerikanischen Finanz für Palästina gestärkt. Diese Verbindung zwischen der Anglo Palestine Bank und der New-Aorker Staatsbank ist nantenllich für die künftige Entwicklung der Industrie Palästinas von weitgehender Bedeutung. Bekanntlich ist eines der Hauptprogramme Doktor Halpcrus die Intensivierung der industriell e n Entwicklung P a l ä st i n a S. Zu diesem Zwecke sind aber sehr große Kapitalien notwendig, die unmöglich aus den zionistischen Fonds allein aufgebracht werden können, für deren Placierung aber auch der Londoner Markt heute nicht allzu geeignet ist. Die New-Porker Staatsbank, die von Juden geleitet wird und in Wallstreet über sehr grobes Ansehen verfügt, wird zweifellos diesen Schritt der Miedereskomptierung der palästinensischen Wechsel lmr als Anfang zu weiteren Aktionen benützen. Es ist mit Bestimmtheit zu erwarten, daß sie auch später mit Hilfe der Anglo Palestina Company Obligationen palästinensischer Jndustrieunternehmungen auf dem New-Horker Platze placieren tvivd. Die Berhältnisse in New-?)ork sind dafür äußerst günstig. Wird einmal dieser Weg erreicht sein, den zionistischen Wirtschaftskreisen sehr erwünscht ist, dann wird zweifellos auch auf eine viel großzügigere Weife die Industrialisierung Palästinas vorgenommen werden können. Der Abschluß des Vertrages bedeutet nicht weniger als den Eintritt der p a l ä st inen fischen Finanz organisationenindieWeltfinanz und nluß als solcher auch voll gewürdigt werden. Helte 8 D'en. DonnerSkaq Volkswirt. Lor btt A«konN>«abs tzinq rn* acht v, Abnahme des Lsterre'chischm WechselportefeuMes um 25 Prozent. — Starke Verminderung des Geldumlaufes. Für den 27. S. ist Sie Sitzung des österreichischen Generalkates einberusen, in welcher auch die Diskentfrage zur Besprechung gelangen wird. Alle Anzeichen lassen darauf schließen, daß die Herabsetzung der Diskontrate, wie von uns schon seinerzeitt angekündigt, doch vorgenommerr werden wird. Der gestern veröffentlichte Stand der Natiouaiibank bietet einen neuerlichen Beweis für die starke Geldverflüssignng auf dem Wiiener Markte. In der ersten Jännechälfte hat sich das Eskompteportefeuille um 48 Millicnen, d. i. um mehr als 25 Prozent, verringert. Ebenso hat sich auch der Notenumlauf um 120 Millionen auf 770 Millionen, d. i. um zirka 18 Prozent vermindert. Der nächste Ausweis dürste eiine weitere Verminderung zeigen. Ein so rapider Rückstrom ist in den Ausweisen der Nationalbank des letzten Jahres überhaupt nicht scstzustellen gewesen. Schon dies zeigt von der enormen Geldflüssigkeit. Das Taggeld ist in ausreichendem Maße angeboren. Erstklassiges Material wir) mi«t 8 Prozent verzinst, also einem Zinssatz, der bereits die eventuelle Ernläßigung um ein Prozent voreskomptiert. W:hl ist ein großer Teil der Banken gegen eine solche Zinssußherabsetzung, weil daraus ein Abfluß ausländücher kurzfristiger Kredite befürchtet wird. Diese Furcht scheint aber nicht gerechtfertigt zu sein. Trotz der Ankündigung einer bevorstehenden Zinsfußermäßigung sind doch in. den letzten Tagen neue ausländische Mittel dem österreichischen Markte in größerem Maße zugeflossen. Die Verhältnisse entwickeln sich weiterhi>n sehr günstig. Die Befürchtung, daß England in Kürze zu einer Diskonterhöhung werde schreiten müssen, scheint durch die Londoner Devisenentivicklung der letzten Tage gebannt zu sein. Nach e^nem uns gestern aus London zugekommenen Telegramm hat sich die Devise New-Iork zugunsten Englands entwickelt. Sie notierte gestern 4,486'/?, ein Satz, der die City sehr befriedigte, da daraus ersehen wiro, daß sich trotz der Geloabflüsse der letzten Zeit dennoch der Goldwechselkurs zugunsten Englands entwickelt. Dabei muß bedacht werden, daß diese Entwicklung ohne Inanspruchnahme der Tiskontschraube der englischen Nationalban? erzielt wurde. Es wird in Citykreifen damit gerechnet, daß E n gland auch m der nächsten Woche keine Diskonterhöhung — wie in der letzten Woche befürchtet wurde — vornehmen werde. Es ist zweifellos, daß diese Entwicklung des englischen Marktes den österreichischen Generalrat in seiner Beschlußfassung über die Ermäßigung der Diskontrate günstig beeinflussen werde. Möbelfabrik JACQUES WALLIS Wien, 1., Wollzeile 21 Wohnungseinrichtungen bis zum feinsten Genre, reichhaltiges Lager in fünf Stockwerken Copyright 1926 by J. Ladyschnikow Verlag, B.rlin. ein Glaubensmartyrium.04) Roman von Schalom Asch. Chajim, der Bote, hatte in dem Slädichen alle Funktionen erfüllen, die Tapferkeit erforderten. Ta aber seine Persönlichkeit allein keinen allzu tapferen Eindruck machte, so rüstete er sich mit allerhand Waffen aus. — In dem gleichen Wagen, in dem Schloime e mit seinem Vater fuhr, reiste auch Rabbi Jonah Eibfchütz. der Prediger des Städtchens, mit, der jeden Sabbat nachmittags eine Moralpredigt hielt, in der er die Hölle mit all ihren Kcsselgruten und das Paradies in all seinen Stufen in grellen Farben schilderte. Rabbi Jonah war in der Hölle so bewandert, er kannte so gut all ihre Oefen und Feuertöpfe, als wäre er ihr Bewohner. Er hatte seine Predigten in einem Buch gesammelt, das er jetzt nach Lublin mitnahm, um es dem Waad der vier Länder vorzulegen und um die Druckerlaubnis nachzusuchen. Auch hoffte er, von einem großen zeitgenössischen Geehrten eine Empfehlung für das Buch zu erha.ten und nebenbei, während des Jahrmarktes, da ja so viel reiche Kaufleute versammelt sein würden, einen Mäzen zu finden, der, in dem Wunsche, sich einen Anteil am Jenseits zu verdienen, es übernehmen würde, das Buch auf eigene Kosten zu drucken... Endlich trat auch Mendel mit Schloime'e aus der Schenke heraus. Tie alte Maruscha, d'e ihm die Reisekste nachtrug, rvünschte ihm auf jiddisch, er möge stets Lust zum Lernen haben Die Mutter aber mit Tchloime es Frau standen an der Tür. „Warum nimmst du keinen Abschied von deiner Frau, Schimmele? Wenn ein Ehemann auf so lange Zeit verreist, so nmß er sich doch von seiner Frau verabschieden", mahnte ihn kr Vater. Hierauf ging Sch'o'mele, der einen langen, hinten nachschleppenden Reck und eine hohe gelbe Pelzmütze trug, auf Twoira zu und sagte, ohne sie anzusehen, sondern etwas zur Seite blickend: „B eib gesund, Twoira!" Das Mädchen schwieg. „Tag' doch de neni Manne: Rei'e mit Gesundheit und Hab' Lust zuni Lernen!" lehrte sie die Schwiegermutter. Ausverkauf im Ar'enol. In der nächsten Zeit wird es zur Abstoßung mehrerer Objekte des Arfena s sowie anderer Betriebsmittel, wie Maschinen und Materialien kommen müssen, da die Arsenalwerke nicht imstande sind, aus den Be riebseinnahmen ihre Schulden bei der Niederösterreichischen Cskomptegesellschaft, der Wiener Zentraisparkasse und dem Bund zu tilgen. Tie Wagncrwerkstätte wurde bereits abgestoßen. Tie Croßeinkausteesellsckaft österreichischer Konfumverene vechandelt wegen des Erwerbs v n Arsenalcbjekten zu Lagerhauszwecken. Weitere Objekte und Materialien wurden der Gemeinnützigen Siedlunes- und Taugesellschaft („Gesiba") zur treuhändigen Verwertung übergeben. Vertagung der Hansel» erlrarrverhaMuvgen mit Ieulschland. Die Weinbauern kämpfen weit r gegen den Vertragsabschluß mit Ungarn. Da Deutschland:öor Abschluß - seiner Verhandlungen mit Frankreich und der Tschechoslowakei nicht in der Lager ist, den österreichischen Wünschen Entgegenkommen zu zeigen, sind die .Handelsvertragsverhandlungen mit Deutschland vorläufig vertagt worden. Das Deutsche Reich müßte nämlich, falls es Oesterreich größere Begünstigungen gewährt, dieselben Vergünstigungen auch Frankreich und der Tschechoslowakei zugestehen. Einige Nebenftagen tverden in der Zwischenzeit durch ein Zusatzabkom-' men erledigt werden. Tie Handelsvertragsverhandlungen mit Ungarn sollen günstig stehen, obwohl die Weinproduzenlen gegen die Herab- „Fahr' mit Gesundheit und Hab' Lust zum Lernen'" sprach das Mädchen nach. Wie das erste Mal, nachdem die Kinder verheiratet worden waren, schämten sie sich auch jetzt noch, einander ins Gesicht zu blicken. Schloime'e wollte schon in den Wagen steigen, allein die Mutter vermochte im letzten Augenblick sich nicht zu beherrschen; sie stürzte sich auf ihren Sohn und bedeckte sein Gesicht mit Küssen und Tränen: „Gott soll dein Beschützer sein, solange ich dich nicht sehen werde." Nach ihr verabschiedete sich auch die. alte Kosakin, die bei Mendel bedienstet war, von Schloimele, nur die junge Frau blieb unbeweglich stehen und blickte ernst zur Erde. „Jochewed", sprach jetzt Mendel fe'erlich, „Gott hat dir die Gnade erwiesen, daß du jetzt deinen Sohn zur Jeschibah schickst, wo es Gelehrte und Gaonim gibt, und du weinst?" „Wegen der Gnade Gottes", versetzte Jcchewed und wischte sich die Trären mit der Schürze ab. Schloime'e wischte sich indessen mit dem Arm den Kuß der Mutter von der Backe ab und stieg fünk in den Wagen. „Mit dem rechten -Fuü. nach dem rechten Weg. Wo kein böser Geist ist, Sondern lauter Gutes Und lauter Ruh'!" wünschte ihm die Mutter auf den Weg. '* Der Wagen fuhr langsam durch das schlafende S'ädtchen und kam auf die Fe.der der Gutsbesitzer hinaus. Die Bündel mit Getreidegarben, die auf den Feldern herum'agen, schimmerten in der Sonne goldig. Das Gras war vom Morgentau feucht; aus den Strohdächern der bäuerlichen Hütten stiegen Rauchwoikchen in d e reine frische Luft auf und verliehen der ganzen Landschaft etwas Anheime ndes. Allein je länger man fuhr und je wärmer die Sonne leuchtete, desto kleiner wurden die aufgeräumten Felder, und die Mett breitete sich zu einer weiten, langen Unendlichkeit aus . . . Mendels Wagen verirrte sich in ein Neer hochstehenden, duftenden Grases mit bunten B umen, in dem kein Weg sichtbar war. So weit das Auge sehen konnte, sah man nur Gottes Welt, die mit Gras bewachsen tvar. Nur hie und da sah mau auf einem kleinen Berg ein Wä dchen junger. wc'er Weiden. Bäumchen, die mit ihren grünen, ed.en Zweigen e.n Gewebe bi.dcten, durch das weiße, setzung des Weinzolls auf 30 Goldkronen Sturm kamen und einen M a s s e n a u f m a r sch vor dem Parlamente und dem Bundeskanzleramt cknkündigen. Nach Abschluß der Handelsvertragsvechandlungen mit Ungarn werden die Verhandlungen mit Polen beginnen. Weitere Abschwächung der Devisen Sofia und Athen. Ebenso wie am Vor age nand auch gestern der bulaaiüche Lewa auf allen Dev senmäikten im Mi'te'punkle des JntevsseS. Doch war seine Emw cklung nicht e i'lie'tl ch. In Zürich siel die Devise Sofia von 3 35 aus 310, während sie sich in Wien von 4.20 auf 4.< 8 er' öbte. — Flau laq die Devise A t h e n. die sich in Zürich um fast 8% lenkte. Ste fiel m Zürich von 7.575 auf 7. Diese Senkung ist auf innerpoliüiche Schwierigkeiten der Regierung zur. ckzuiüvren. — Leicht nachgiebig war auch der französische Franken, der sich von 19.51 cuf 19 33 cbschwächte. — Freundl ch lag der Zloty, der in Berlin von 5^.35 sich auf 57.45 erhöhte. In Wien blieb er btt 9/.— unvei-- ändert. — Die Kursänderungen der übrigen Devisen waren unbedeutend. Insolvenzen: Der Konkurs wurde eröffnet über Leopold Weiß. Textilttarei Handlung. 7. Bez., Neubaugasse 21. Das Ausgleichsverfahren wurde eröffnet über die Fahrrad- und Nähmaschinengroßhandlung Wetterschneider & Schwarz, 3. Bez., Kegetgasse 41 und 7. Bez., Burggasse 70; über Jchann P rasch jun., 6. Bez., Gumper.dorserstraße 128, über Gabriele Zeman, Konditorciverschleiß. 9. Bez., Lazarechgasse 15; über Hans Stiegenberger, Tischlermeister, 11. Bez., Dopplergasse 6; über Pinkas Schiffermann, Kaufmann, 16. Bez., formlose Wölkchen blickten, die gleich einer Herde von Schafen an dem unend.ichen Himmel dahintrieben ... Hie und da beschatteten die jungen Bäume ein Stück Feld, und das Gras im dunklen Schatten hob sich grün ab von den leuchtenden Feldern. Stellenweise leuchtete eine Gruppe roten wilden Mchns in der Herrlichkeit der Sonne. So spielte d'e Steppe in den verschiedenen Farben ihrer Blumen und Gräser, für niemand — nur für sich allein und für Gott, ihren Schöpfer . . . Der schmale Weg, der von der Höhe des Städtchens ins Tal hinabführte, ertrank in dem Meer von Gras, so daß man nicht mehr wußte, wohin er führte. Da ließ Hillel, der Pferdejunge, die Pferde frei lausen, damit sie mit den Nafen das Wasser von Uman witterten. Und die Pferde hoben von Zeit zu Zeit ihre Köpfe hoch, schnupperen mit ihren feuchten Nafen in der Lust und schnauften — dann aber beugten sie sich noch tiefer unter dem Kumt und begannen noch flinker zu laufen — ins Herz der Steppe hinein. 7. Im Herzen der Steppe. Als der Wagen mitten in die Steppe kam, erfaßte geheime Angst die Herzen unserer Reisenden. Mit unruhigen Augen blickten sie umher, ob nicht im Gras der grüne Hut eines Tataren steckte, oder ob sich zwischen den Büschen nicht der weiße Pezhut eines Kosaken verbarg. Denn die Steppe bis Uman war gesahrvcü. Tie Kosaken pflegten vom anderen Ufer des Dnjepr herüberzukommen und den jüdischen Händ'ern aufzuZauern. Selbst die Tataren kamen auf ihrenleichten, kleinert Schissen aus ihrem Land den Tnjestr herunter und versteckten sich im Grase der Steppe, lauerten den jüdischen Wagen mit den Reisenden auf. nahmen diese gefangen und brachten sie nach den Sk avenmärkten von Konstantinopel oder Smyrna, in der Voraussicht, daß die türkischen Juden ihre gefangenen Brüder für viel Geld auslösen würden. Darum wurde jetzt Mendel das Herz schwer, und er blickte mit Hoffnung und Trost auf den Retter Cbajim. den Postboten, der auf dem Bocke des Wagens saß. Allein der „Wächter Israels" war aus dem Bock zwischen zweHnderen Mitreiserden eingekeilt, hatte seine Nase im Haartvald seines Schnurrbartes vergraben, seine Augen mit den dichten, schwarzen Augenbrauen geschlossen und schlief den Schlaf der Gerechten . . - (Fortsetzung folgt.)