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Wiener Morgenzeitung · 1926-01-20 · Heft 2482 (20.1.1926) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2482 (20.1.1926)
Date
1926-01-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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i | Polen; *S tfioszyl Wien. ^umADhoien in der Expedition, II., Taborstr. 1*3, odet in einet Vetschleisstellc Statik) monatl. o Schilling trassenverkaui in Wien dulch die Kolporteure der Firma Goldschmied, Wollzeile 11 Mit Pos'versand tür Wien und Oe te eich monatlich o Schilling Tscheche* Slowakei; Mon. K22. Jugoslawien; Mon. Din. 60. Polen: Mon. 54loty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 Aictiuiiiaiiicii Mi t r e l *> erbAboaren TorbcbtUm Wiener oraenMunA Irrels 25*7 England: Mon. 4 Schilling Italien: Monatl. 18 Lire Ru nänien Mon. 170 Lei Bulgarien Mon.lOOLews Schweiz und das übrige Ausland monatHcn Frcs. I Redaktion, Administration: Wien, II. Taborsfr. 1 Telephone 44-0-38. 43-3*l£ Ab 6 Uhr 21-102, 25*2*82 IX.. Universitätsstrasse 6*8 (D uckerei -g. Steinmann) Oesterreichisches Postspar* ka;sen* Konto Nr. 150.693 nt. 2482 Wien. Mmwoch. 20. Jünner 1026 8. SlntitgoiM Sie zionistische Exekutive. Weizmann reist nach Amertta, Sokolow nach sstiafrita. London, 19. Jänner. Wie Ihr Korrespondent aus .,..r unterrichteter Quelle erfährt, wird der Präsident der Zionistischen Exekutive, Nahum Sokolow, demnächst aus Amerika zurückkehren, wohin sich dann Präsident W e iz m a n n begeben wird. Nahum Sokolow reist anfangs April nach Südafrika, wo er an der Keren-Hajessod-Ksampagne, die von der südafrikanischen Zionistischen Föderation vorbereitet wird, tcilnehmen wird. fitysfi) in London. (Eigendienst' Der „Wiener Morgenzeitung".) London, 19. Jänner. Der Präsident der Zionistischen Organisation in Amerika, Louis Lipsky, ist bereits hier eingetroffen und hat die Leitung des Organisationsdepartements übernommen. Lord Reading ans dem Wege nach Palöftlna. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 18. Jänner. Lord Reading, dessen Amtsperio-de als Vizekönig von Jmien abgelaufen ist, hak bereits die Heimreise nach Europa augetreteu. Er wird zunächst Palästina besuchen, um sich voll dem Stand des jüdischen Aufbauwerkes zu überzeugen. ' Aus Anlaß seiner Anwesenheit kehrt Lord Plumer nach Jerusalem zurück. Ter Oberkommissär weilt.zurzeit in M a k w a r im Sudan, wo er an der feierlichen Eröffnung des neuen Nilstauwerkes teilmmmt.. Das Werk wird am Donnerstag in Tätigkeit gesetzt. Schluß der ersten Seffion der iödischen nalionalverlammlnng. Jerusalem, 15. Jänner. (I. T. A.) Die jüdische Nationalversammlung in Palästina (Assefath Han-wcharim) hat ihre erste Session beende t. Die Schlußsitzung dauerte die ganze Nacht hindurch bis 6 Uhr morgens. Die setzten Sitzungen waren ausgefüllt von einer zum Teil recht bewegten Debatte über die Arbeitsprobleme und die Arbeitsmethoden in Palästina. Die Sprecher des Misrachi, 5ie Jemeniten sowie die Abgeordneten Dizengoff, Suprasky und 2 m i l a n s k l kritisierten in scharfer Form die Methoden der Arbeiterkonföderatiönen. Die Arbeitvrdeputierlen wehrten sich gegen diese Vorwürfe und erhoben gegen die begüterten Kolonisten den Vorwurf, daß sie nichtjüdische A r b e i t e r beschäftigen. In ihrer Schlußsitzung nahm die Versammlung einige politische Resolutionen an, so unter anderem eine Resolution, in der die Regierung ausgefordert wird, die Herausgabe der jüdisch e n G e m e in de o r d n u n g zu beschleunigen sowie jene Besti'mmüngen dex Palästina Mandats zu erfüllest, die die Gewährung von Staatsanleihen an J,u d e u,' die U ober gäbe von Staatsland an die jüdische Siedlung und die B e i t r a g s l e istung für das hebräische Erziehungswesen betreffen. Die Versamuiiüug beschloß, daß das Erz-chungswesen vorläufig unter der Kontrolle der Exekutive verbleibe; allmählich soll aber die Leitung des Erziehungs- Wasens dem Waad Leumi (Nationalrat der palästinensischen Juden) übertragen werden. Es wurde ferner beschlossen, ein ständiges obligatorisches Schiedsgericht zwecks Schlichtung der Differenzen auf dem Arbeitsgebiet einznsetzen. Es wurde ein Ausschuß aus 36 Abgeordneten eingesetzt, der den Waad Lounn zu bilden habe» wivd. Die exireme Linke schlug Resolutionen vor, mit welchen die jüdischen Massen aufgefordert werden, sich mit den arabisch e n M a s s e n zu vereinigen und die Einberufung einer g e s e tz g e b e n d e n Versa m m l u n g Pal ästinas zu fordern. Andere Vorschläge betrafen die Bildung von Arbeite r- und B a u e r n rä t e n in Palästina, d:e Einführung der j i d d i f ch e n S p r a ch e als Unterrichtssprach? in den Schulen und den Ansdruck des Protestes gegen Arbeiter- und Judenverfolgungen in Rumänien, Polen und Bulgarien. Alle diese Anträge wurden abgelehnt. Sturmfitzung der ungarischen National Versammlung. -y. W ' c n. 2". Jan re Graf Bethlen hat prinzipiell der Einsetzung einer parlamentarischen Untersuchungskommission zugestimntt. Er wird nach Abschluß der staatsanwaltschaftlichen Recherchen nochmals berichten und vielleicht wird dann die Kommission sogar gewählt werden. Ob sie auch gute Arbeit wird leisten können, ist bei der Gewandtheit ungarischer Aktenverschleierungen nicht zweifelhaft und, da bis dahin auch die fremden Organe Budapest verlassen haben werden, ist cs unnötig, die Aussichten dieser Errungenschaft eines stürmischen Sitzungstages weiter zu erörtern. Graf Bethlen hat die Schranken, die dieser Kommission gezogen sind, sehr deiltlich gezewbnet. Er hat auf die richterliche Unabhängigkeit bingewiesen, ein Begriff, der in der Zeit der politischen Judikatur nickt sehr hoch im Werte steht. Die Richter sind Organe des herrschenden Systems und sie folgen in Angelegenheiten d'eser Art immer genau der Instruktion, die sie für den besonderen Fall erhalten. Sie werden von dem Justiiminister des Kabinetts PettllewKlMMe.rg^. instruiert und wenn ihre Abhängigkeit oder Unabhängigkeit in Frage kommt, dann ist cs nur nötig, daran zu erinnern,, daß die Budapester Regierung und Polizei zwei Wochen haben verstreichen lassen, ebe sie sich auf Druck des französischen Gesandten zum Einschreiten bereit finden mußten. Der Ministerpräsident hatte eine sehr sckwere Aufsätze; er ntußte dem Haus und der Oeffentlichkeit bekanntgeben, wie weit die Untersuchung sich vorwagen dürfe. Es war kein Wink mit dem Zannpfahl, als er die Angriffe auf den Reichsverweser als Verleumdungen bezeichnete, sondern ein nicht zu übersehender Hinweis auf Somogvi und Barcso und die anderen gefesselten Opfer der Badesaison. Wie verträgt sich diese Redewendung mit der richterlichen Unabhängigkeit? Graf Bethlen mußte mitleilen, daß er selbst noch nicht im Besitze des Materials der holländischen Polizei sei. Er hat sich sogar darüber beschwert. Solange er nickt weiß, was die Iankovich und Markovich und Marsovsky aussagten und was in dem'so redseligen Tagebuch steht, steht auch ibm kein abschließendes Urteil zu. Aber der Zweck der Rede war eine schwerwiegende Einschüchterung und der Graf tat dies im weitesten Maße. t Mit der Ehre der Naiiou operierte er gegen die Opposition/ und man weiß, daß es gar viele gibt, die unter dieser Ehre die Ehre der besten Offiziere versieben. Die Wellen der Donau und die Keller e'nioer Bndavester Hotels wissen sehr viel von der Wahrung dieser Ehre zu berichte«. Den politischen Charakter der Affäre kann man nach dieser Rede nickt mehr abstreiten und es ist ein billiger Scherz des Grafen, d'e Reihe der eingesperrten Pogromlumpen und Geldfälscher noch durch die Nennung eines untergeordneten sozialistischen Arbeiters zu entwerten. Damit hat er sick aber noch weiter auf das politische Gebiet begeben und das getan, was er vermeiden wollte. Es ist setzt die Bestätigung dafür erbracht, daß eine Kategorie von Patrioten für Trianon und für die so isolierte Stellung Ungarns in einer Weise Racke nehmen wollte, von der sie glauben durfte, im Falle des Gelingens eine Korrektur des Schicksals zu erreichen. Was sie ins Werk setzte, fiel nickt weiter auf. Im Auswärtigen Amte gab man ohneweiters dem nicktbeamtcten Iankovich den Kurierpaß. In seinem Koffer sah man nicht nach, denn die Anwesenheit von französischem Geld war plausibel. Die ungarische Regierung — sagt Graf Bethlen — schickt sehr oft große Summen ins Ausland. Auch Frankennoten? Und durch eine Person, die dem Stab nicht angehört? Sv merkwürdig diese Geständnisse des Graten sind, so sehr decken sie sich mit der politischen Geschichte Ungarns seit dem glorreichen Einzug Horthys in Budapest. Sie ist nicht mehr zweideutig, sondern ganz und gar eindeutig. Nach jedem Morde, der zur Kenntnis des Parlaments kam, versprach ein Ministerpräsident Sühne. Graf Bethlen selbst ist wiederholt in der Rolle des Schützers der beleidigten Gesetzlichkeit auf der Tri- «üandr». Huuerher geschah nichts oder es gab Stillens ßrllilrnngen. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Amnestie. Graf Bethlen ist unvorsichtig, diese Erinnerungen zu wecken, und noch unvorsichtiger, an das Jahr 1914 zu erinnern. In diesem Jahre hat Ungarn mit das Seine getan, die internationale Rechtsordnung zu zerbrechen. Eine der Folgen ist die Tat des Windischgrätz mitsamt ihren patriotischen Motiven gewesen. Dort wurzelt sie, nicht in Trianon. Budapest, 19. Jänner. Die Sitzung der Nationalversammlung ist sehr stürm i | ch verlausen. Die Straße blieb r u h i g. Die Regierung hatte die gesamte Polizeimannschaft von 6 Uhr früh an in Bereitschaft gestellt. Ter Parlamentsplatz war von starken Kordons gesperrt, doch sammelten sich verhältnismäßig wenig Neugierige an. Im Haus dagegen waren die Galerien dicht gefüllt. Ter Beginn der Sitzung der für 11 Uhr angesetzt stvar, verzögerte sich um mehr als eine Stunde uns das Publikum, zumeist Beamte, Frauen, Landadelige und die fremden D i p l o m a t e n, mußte sich in Geduld fassen. Der Ministerpräsident verhandelte mit der' Opposition- und auch Präsident. Szitovsly bemühte sich um ein Kompromiß, das der Einsetzung einer Untersuchungskommisfton gelten sollte. Alle Besprechungen scheiter 1 en und so nahm der Präsident nach 12 Uhr mittags die Sitzung auf. Die Abgeordneten, die fast vollzählig zur Stelle waren, besetzten im Nu den Saal. Nach den Eröffnungsformalitäten gab der Präsident eine kurze Erk l ä r u n g über die Fälscheraffäre ab: Seit unserer letzten Sitzung ist die ungarische Nation in den Mittelpunkt einer traurigen Weltsensailon gerückt durch das nicht g.nug zu verurieiiende Verbrechen brt Frankenfälschung, deren Wogen nicht nur das viele Tpser erheischende, jedcch ausreifende Sanierungswerk, sondern auch den guten Nus des Landes bedrohen. Das Land hat in schwierigen Lagen die würdige Kundgebung der nationalen Souveränität und des einmütigen Willens gefunden. Ich glaube unter allgemeinen Beifall ben Leitgedanken dieses Millens in der gegenwärtigen Lage dahin zusammonsassen zu dürfen, daß durch e h e b a! d i g e E.r 1 e d i g u n g d e s F r a nlens ä l f ch u n g s v e r b r e ch e n s altts. gesch'he, was das Gesetz und das über alles erhabene Wohl des Vaterlandes gebietst. (Allgemeiner Beifall und Händeklatschen.) Vier Abgeordnete haben um das Wort vor der Tagesordnung gebeten. Es s>d dies die Abgeordneten V a z s o n y i für die Demokraten, Rudolf Ruppert für die Kossuth-Partei, Karl P e y c r für die Sozialdemokraten und Paul H e g y m e g i- 5kiß für die oppositionellen Landwirte. Sie wollen die Zadravecz- Windischgrätz-Affäre besprechen. Die Mehrheilspartei lehnt die Frage d.s Präsidenten, ob diesen vier das Wort zu erteilen K» ab. (Großer Lärm.) Als sich hierauf Ministerpräsident Gras Bethlen zum Wort meldet, bricht auf der äußersten Linken ein Sturz los. Man ruft im Chor: Ab danken! Die Regierungspartei bringt dagegen Be.hlen st ü r m i s ch e O v a t i o n e n dar, wodurch die Linke zu noch heftigeren Ausbrüchen veranlaßt wird. So oft der Ministerpräsident sich zu sprechen anschickt, bricht der Smrm von neuem los. Bon Zwischenrufen fortwährend unterbrochen, erklärt der Miisterpräsident, er wolle die Nationalversammlung ausschließlich über die Ansichten und Absichten der Negierung orientieren. Er wolle der Beranrwortung nicht a u Sweichen und hätte es lieber gesehen, wenn die Affäre unter Umständen zur Sprache gebracht worden wäre, die es zulassen, daß das Haus einen Beschluß fasse. Einzelheiten über die Erhebungen könne er nickst aniühren, da dies erst nach Abschluß der Untersuchung möglich sei. Die Sach'- bef.nde sick» gegenwärtig vor dem Ge» r i ch t. Die Feststellung der Tatsachen sei nicht Ausgabe der Regierung, sondern des Gerichtes. Die R.giernng werde mit aller Kraft Licht in sämtliche Details bringen und wolle auch den politischen Hintergrund, fofem es einen solchen gibt, klären. Einzelne behaupten, ge« Henne Mächte verhinderten die Behörden an der Aufdeckung

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