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Wiener Morgenzeitung · 1926-01-17 · Heft 2479 (17.1.1926) · p. Seite 15

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2479 (17.1.1926)
Date
1926-01-17
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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Sk. SM Men, Sonntag ÜMeittt Morsenzeltnna 17. *onucv lÖSC Seite 15 m AMall. Hakoah—Glovan. Heute mn halb 8 Uhr aus dem W. «. «.'Platze. Dar heutige Zusammentreffen der beiden Mannschaften ist mehr -l» ein Freundschaft-splel. Slovan steht in der Meisterschaft glänzend placiert und kommt soeben von einer Prager Tournee, die den Wiener Tschechen unerhörte Erfolg, gegen ihre Landsleute, dis Meisterspieler der Tschechoslowakei. gebwcht hat.Dir lüdische Mann« schaft ist in der Meisterschaft arg in» Hintertkeckn geraten und hat vor wenigen Wochen von Slovan eine 1: Niederlage einstecken müffen. ES geht also den Tschechen um die Erhalt»ng ihres Ruhme« und der Hakoah um Rehabilitierung und Ehre. ..... Die Kämpfe dieser beiden alten Rivalen, die jahrelang ein guter Stück WegeS in den unteren Klassen miteinander zurückgelegt haben, waren immer spannend, reizvoll und fair, wie es sich für die Vertreter wesensverwandter Ideen gehört. Die jüdische Mannschaft ist nicht mchr die anher Rand und Band geratene Elf wie noch vor wenigen Wochen. Ihr Können bewegt sich in aufsteigender- Linie, und das läßt die Erwartung zu. bah sie heute ehrenvoll Kschneiden wird, wenn die Bodenverhältnisse den Verlauf deS Kampses nicht irregulär gestalten sollten. Sollte Fabian, diese große Stütze der Biau-Weißen — er ist unpäßlich -% hellte antretin, dann erscheint auch ein Steg elner mit Aufopferung spielenden Häkooh-Mannschaft n i ch t a u 8 a e s ch l o s s e n. Schiedsrichter ist Herr Kaufmann. Hakoah stellt voraussichtlich folgende Mannschaft: Fabian; Wegner 1. Vogelfänger,' Fried. Heß. Püllak; Neufeld, Häusler, Wortmann, Eisenyofer, Schwarz. Weitere Spicke. Meisterschaft: Sportkluö-^Ru» volfS Hügel (Dornbach): Simmering—Wacker (Wacker- Platz). FreundschaftSspicle: W. A. C.-W. A. F. (W. A. E.- Platz. 1 Uhr); Admira—B.A.C. (B. A. C.-Platz); Bien na —Nicholson (Nicholson-Platz).' Hertha —BewegurigS- 'vieler (tzercht»Platz). __ Zstgo Werthelme« verlStzt Wien. Sr geht als Sportlehrer zum Bülarester Mattabi. Et» alter Hakoahner verläßt Wien, einer von jener Lards, die durch Talent. Temperament und restlose Hingabe für die Idee deS Vereines am Aufbau der Hakoah ein bleibendes Verdienst haben. Zfigo Wertheimer scheidet auS HakoahS Trainingsstätten. Berufliche DerhAtnisse machen seine liebersiedlung nach Bukarest notwendig, wo er beim dortigen Malta bi tätig sein wird. Der jüdische Verein der rumänischen Hauptstadt wird sich die großen Fähigkeiten WertöeimerS zunutze machen. Ab 1. Februar wird Ingo als Sportlehrer beim Makkabi wirken. Vorläufig fpt er sich auf sechs Monate verpflichtet. Werthelmer gehört seit deckt Jahre 1913 der Hakvah an. Er entwickelte sich bald zum ausgesprochenen Allround-Sportmann. Er ist in allen Sport zw ei gen sattelfest und besitzt alS Ausübender sowie als Trainer gmz besondere Qualitäten. Nicht .'i n m a l kam eS vor. daß Hfigo an einem Sonntag frühmorgens an einem Hvckeykampf teilnahm. nachmittags in einem Fußbrllmatch mitwirkte uno abends bei einem Schwimmceting startete. ES ist klar, daß'man unter solchen Umständen in keinem Sportzweige zu Spitzenleistungen auflaufen kann, doch ist Wertheimers Niveau überall Über dem Durchschnitt. Seine hervorragenden Fähigkeiten als Organisator und Trainer bewies er aber ganz besonders in der Schwtmmfektion, deren imponierender Aufschwung und S i e g e s z u g in den zwei Jahren, seitdem Wertheimer dort in leitender Stellung arbeitet, mit fei«*t Person unzertrennlich verbunden sind. Wertbeimer ist ein jüdischer Sportsmann, dem über die Vorliebe für-einen bestimmten Sportzweig immer v.t 8 G e s a m t z i e I des Vereines vorschwebt, der überall dort, wohin ihn die VereinsdiSzlplln stellt, feinen Platz voll und ganz aussüllt als überzeugter Nationaljud« und alter Hakoahner — im edelsten Sinn« des Wortes. Sein Abgang — hoffentlich nicht für immer — schafft feinem Verein eine unersetzliche Lücke. Diß Esigo Wertbeimer auch weiterhin im Dienste der Mischen Sportidee stehen wird, ist für die Bewegung ein großer Gewinn. «ine Niederlage der Amateur, tu de, Schweiz. Gestern traten die Wiener Amateure gegen Nordstern (B.ise!) an und unterlagen 3:3. Dl« Prager Sparta besiegt« gestern in Zürich die GraHopprrS 7iN2:l). __ Jüdischer Sport in Czernowih. (Bon unserem Korrespondenten.) N^ch einer fast einmonatigen Unterbrechung, di« durch das Wetter bedingt war, nimmt bei unS der Wintersport seinen mt° gehemmten Lauf. Ski- und Eislauf linden bei unseren Klubs di« gebührende Pflege. So wetst die S k! s e k t i o n des Makkabi zirka 60 Mitglieder auf. was mit Rücksicht aus den erst seit einigen Jahren hier bekannten Sportzweig mit Genugtuung konstatiert werden kmn. Der Wintersport im Makkabi besitzt im Sektionsleiter Dr. Flor einen unvergleichlichen Förderer und Organisator. Die von der Sklsektion veranstalteten Waldtouren sinv bekannt. Der EWufsport in der Bukowina, der auch in diesem Jahre auf große Fortschritte himveifen kmn, wird durch die in Cernauti avzuhaltende Reichsmeisterschaft voraussichtlich viel pro-, filieren. Auch die anderen Sektionen der jüdischen Vereine nützen die Winterszeit entsprechend aus. Die Fußbeller obliege»! dem Saastraining, die Turnsektionen betreiben ihre llebungen mit steigendem Eifer, um bei den Frühjahr-Veranstaltungen mit einem großzügigen Programm aufwarten zu rönnen. Mit Spannung wird seitens des Makkrb! die für Jänner angekündigte Rück- Dr des gewesenen Trainer- Kerr erwartet, der sein begonnenes Werk sortsetzen soll. Er hat im Makkabi eine lernbegierige Mannschaft Pfunden. die seinen Anleitungen verdientes Gehör ichenkte, so daß m»t Sicherheit angenommen wird, daß er zurückkehren wird. Die jüngsten Sektionen de« Markrbi, Schach- und Mandolinensektion, erfreuen sich großeilLuspruches. Das Mandolinenorchester debütierte bei der am 80. v. M. stattgesundenen Nütionalfonds-Bazarveranstaltung mir glänzendem Erfolge. Der Ping-Pong-Sport gedeiht durch Förderung oer Klubs Mrkkabi und Hakoah aufs beste. Jetzt haben auch die Sportklubs ihre Vergnügungssektionen zu Worte kommen lassen. In dem Reigen der obligaten Redouten sind Hakoah und Makkabi nicht die letzten. Am 8. Februar findet die Makkabi-Redoute, am 16. Februar die der Hakoah statt. Unter anderen Ueberraschungen bringen diese sensationellen Beranstaltungen Radioneuigkeiten. Mit, Genugtuung erfährt man von der Schaffung eines Klubheimes des Makkabi, wodurch dem Verein wieder oie W.A.C.-PLATZ U., Prater, nächst der Rotunderibrückfc . Knute Sonntag, '/,L Uhr nachm. Hakoah-Slovan Vorher, 1 Uhr W. A. F.—W. 11. Ca Stehplätze S 1.30, Sitzplätze 8 3.20 Zugang für StehplatzbcsuClier von der Endstation der blfttfenbahn (Hauptallee) geöffnet. itMS Möglichkeit Ai'h'iiun-' van Vorttcmeii und Geselligkeit-- z'.tsammeittnnften gi'geben nntrfK. Dü' Ku! tursekti 0 n ist hieourch zu Worte gelang!, um Las st;» einiger Zeit Versäumte ngchzuholen. Denn kie geistige Ausbildung der Mitglieder des Sportklubs soll ein wichtiger Zweck eines jcscn nationalen Sporte klnbs fein. , dr. l. DK Generalversammlung des Sportklubs Hasmonea. WiMrwahl Lk. Lanel Peers zum Präsident««. Sonntag fand in den Räumen des Wiener Theatercafe die 6. ordentlilch« Geueralvsrjammlung de- S. E. EaSmonea statt. Der Pcreiuspräsident Dr. Sanel Beer und der bmann Hermann Lilien legten der zahlreich besuchten Versammlung Rechenschaft über die Tätigkeit der Vereinsleitung ab. In einem Rückblick aus das fünfte Jahr des Bestandes wurden die Erfolge der einzelnen Sektionen aufgezeigt. Die Fußballfektion unter Leitung de- Herrn Kupfermsnn steht in der dritten Klasse Ost im Bordertreffen. Bille vlutjunge, sehr ambitzionierte Mannschaft ist mit Begeisterung dabei, den Aufstieg in die nächste Klasse zu erkämpfen. FülgeiM Resultate, die in FrrundschastSkämpfen erzielt wurden, sind ein .Beweis für die Spieltüchtiakeit der Mannschaft und den Ernst der Leitung: Gegen Eolnmbia 21. 8:1; Neubau 8:1; Elektra 3:8; Cricket Sil; Kaisermühlen 2:3; FünfyauS 3:2. Die Tischtennissektion hatte i!n Herrn Schwitzer einen tüchtigen Führer. Sie nimMt an der eben ausgeschriebenen Meisterschaft des Wiener Verbandes in der ersten Klasse teil. Nach den bisherigen Erfolgen (Kadimah 19:16 und 13:2, Vindobona 9:7 Und 17:1) ist eine Placierung im Mitteltreffen zu erwarten. Die Dame uh a ndballllsekt ion, die einzige jüdische Wiens, hat erfreuliche.Fortschritte gemacht. Herr Weil, der Sek>- tionSlriier, hofft in der neuen Saison mit seiner Mannschaft den Altsstieg in die erste Kläffe ausführen zu können. Die Kn'ltnr seit ion kam leider auch im abgelaUfenen Jahre nicht Über einige Borträge hinaus. Inimechin war die Leitung bemüht, den Mitgliedern neue Anregungen zu geben. In dieser Hinsicht dürste der Versuch volles Interesse erwecken, der darauf abMt, die Mitglieder zum gemeiinsamen Besuch von Theatern. Erkursivuen, Sprechkursen und dergleichen zu veranlassen. Es war ein Jahr voll Mühe und ermutigender Erfolge. Die Versammlung dankte der abtretenden Leitung für'Ihre-aufopfernde Arbeit. Große Verdienste haben sich die Kassiere Knöpfmacher und Schirok sowie der Sekretär Svkal crwovbeih die eine ae» Sicherte Grundlage für den Fortbestand des Vereines geschaffen jaden. Bei den Wahlen wurde dann die Leitung deS BtteineS olgenden Mitgliedern anvertraut: Präsident: Dr. Beer; Obmänner: Ätnaer, Kupsmnanll; Kassiere: Karliuee, Bleichfeld; Schriiftf Üb rer: Markstein, Fräulein Lieger; Revis'vren: Sokal, Schirok; Betratet Ehrlich, Mer; SektionSleiter für Fußball: Lilien; für T ableten n i8: Schwitzer: für Handbalü: We.il; Geseiligk«it; Schirok, Wolsson,Hvnkg; Materialverwaltung: Eisenmayer. I. S. Die Lchlutzkämhse uck die GutropameMefcfjttft im EiAhockey» Oesterreich schlägt England 3:1 (1:1). Davos. 19. Jänner. Der Mite Tag der Schlußsprile bi achte den Oesterreichern einen schönen Erfolg gegen England. Die österreichische Mannschaft gewann nach sehr schönem Spiel 3:1 (1:1). Die Tore für Oesterreich erzieltes Leoerer, H. Brück und Spclwak. Dieser Kampf wirb als das bisher schönste Spiel der Schlußrunde bezeichnet. Im zweiten Spiel des Tages blieben die Tschechen gegen die S ch w e i z 1:0 (1:0) Hakoah (Touristik- und Wtntersportsektion), 1. Bez., Wipplingerstraße 24, Telephon 68-109. Skitourenprogramm für heute: a) 'Skikurs für Anfänger in Kaltenlcutgoben. Treffpunkt dreivierte! 7 Uhr Südbahn. Führer Porges. UebnnaSfahren für Borge schrittenc in Kaltenleutgeben. Abfahrt 8 Uhr Südbahn. Führer Fred B e ck. b) Skitour KaltenleUtgeben. Abfchrt dreiviertel 9 Uhr Südbahn. Führer Elias, c) Skitour Wienerwald. Treffpunkt dreiviertel 8 Uhr Stadtbahnendstation Htttteldorf. Führer Kellner.- d) Schneeberg. Führer R. R a » b i t s ch e k. --- Auskünfte und Neuaufnahmen iebcit. Mittwoch und Freitag. — Freitäg den 39. d. Vollversämmlnng. Copyrlgt^t 1926 by J. Ladyschnlküw Verlag, Perlin. An Glaubensniartyrmm.(ü> Roman von Schalom Asch. Danach drehte sich der junge Ehemann auf seinem 2lbsatz um und nxindte sich von seiner Ehefrau ab. Diese aber hielt sich mit beiden Händen die Augen zu, um ihn nicht zu sehen. ES war an einem sommerlichen Freitagnachmittag. Die Schenke war voller Herren und Knechte. Mendel war mit dem Verkauf von Schnittwaren und BrannNvein, Jochewed mit den Vorbereitungen zum Sabbat'beschäftigt, die Kinder aber zankten sich vor oer Tür. Auf ihr Geschrei hin kam Maruscha heraus, say, 'waS Schloimele mit der Haube seiner Frau angestellt, und begann, diesem die Leviten zu lesen: „Du, Bursche, so behaudelt man seine Frau? Man muß seine Frau lieben und ihr nicht Sand aus den Kopf schütten." ,^ä, hä" — der junge Ehemann streckte ihr die Zunge aus ~~ „du stammst doch von Bileams Esel ab und wirst ctrtt künftigen Leben keinen Teil haben, sondern in einen Hund oder . Katze verwandelt werden, weil du nicht von unserem Urvater Jakob» sondern von Esau dem Bösewicht abstammst." „Du selbst stammst von Csau dem Bösen; du selbst bist ein Esaul" zankte Mruscha mit dem Burschen. „Du hast eine Sünde begangen, hast veine Frau unterm Trauhimmel mit entblößtem Kopf stehen lassen. Darf man denn das? Man wird dich dafür in der Hölle brennen und braten", nahm sich Maruscha der gekränkten Frau an. In diesem Augenblick erinnerte sich Schloimele an den Hexenküchen, den er jeden Freitag erhielt, »und er forderte diesen. „Gib mir sofort den Beerenkucheu!" „Sag' zuerst den Segensspruch her, dann wirst du auch den Kuchrn bekommen", forderte Maruscha ihrerseits von dem Bürschchen. „Was geht denn da» dich an? Ich werde schon den Segen sprechen. Gib mir nur den Kuchen!" „Du hist Esau der Böse und kannst es womöglich vergessen und ohne Segensspruch essen." Schloimele wußte sich keinen anderen Rat, als bei: Forderung «achzugeben, obwohl es ihn ärgerte, daß Maruscha für sein Judentum sorgte. Da aber der Beerenkuchen bereits in der Hand Maruschas duftete und ihm da» Wasser, im Munde zusammenlief, sprach er den Segen und griff nach dem Kuchen. Beim Essen vertrugen sich Mann und Frau wieder. Bald saßen beide friedlich auf der Schwelle der Schenke und keilten einander die Stücke des Kuchens zu. Allein man ließ sie nicht lange friedlich sitzen. Ander Schenke erscholl Mendels Stimme: „Schloimele, Schloimele!" Bald darauf erschien Maruscha in der Tür. „Komm herein, Bürschchen, der Bater braucht dich, um dich mit den Bauern zu schicken, die Kirche zu öffnen." Als Schloimele in die Schenke trat, sah er, daß sein Bater von Bauern Und Bäuerinnen umringt tvar; ein halbnackter, barfüßiger Bauer in langem Hemd und mit entblößtem Kopf hielt ein kleines Kind, das in Lumpen elugehüllt tvar, auf dem Arm, kniete vor Mendel und bat ihn: „Väterchen, Hab' Mitleid, gib £eit Schlüssel zur Kirche und laß den Jungen taufen. Das 5kiud ist schon vier Monate alt und noch nicht mit Gottes Wasser besprengt. Es kann üngetauft sterben, dann wird der böse Geist es zu sich nehmen." „Ja, und dann werden eure Leute es dem polnischen riester erzählen,' ich hätte den Schlüssel ohne Bezahlung rausgegebeu, und er wird mich züchtigen lassen, tvie er es auch bei Jefrems.Hochzeit getan hat. Der Jude bekommt ja genug Hiebe schon wegen seines eigenen Glaubens; wegen eines fremden Glaubens Schläge zu bekommen, dazu habe ich gar keine Lust. Ich will nicht." „Stumm sollen wir werden, die Sprache sollen wir verlieren, wenn wir auch nur eln Wort davon erzählen", flehte der halbnackte Bauer, der vor Mendel kniete. „Hilf, Väterchen, der Knabe ist krank und kann sterben — dann kommt er in die Hände des Teufels." „Nimm den Schlüssel, Schloime, und öffne dem Bauern die Kirche!" Mendel übergab Schloime den Schlüssel der Kirche, der an einem Nagel zusammen mit den Schlüffeln der Branntwetnkammer hing. „Gott wird dich belohnen, BtzteWn, Gott Md M belohnen." Der halbnackte Bauer küßte Mendels Stiefel und folgte Schloimele mit dem Kind im Ann. - „Kommt, Väterchen, tut Gottes Werk, der Jude hat ja den Schlüffe! hergegeben", forderte der Bauer den Popen auf, der auf der Bank am Ofen süß. Allein der Pope rührte sich nicht vom Fleck. Mit seinem, breiten Rücken verstellte er den Ofen und blieb fitzen, als wäre er an die Wand festgömauert. „Worauf tvartest du noch, Väterchen?" fragte ihn Mendel. „In der Kirchs war ein Fingerhut heiligen Weine-, aber die Geister haben ihn ausgetrunken, und ohne heiligen Branntwein wird die Seele den christlichen Glauben nicht an» nehmen", erwiderte der Pope. „Was willst du denn?" „Tu ein christliches Werk, Mndel, hilf einer Kindesseele in den christlichen Glauben zu kommen und schönt der Kirche ein Fläschchen Wein." ' Der Pope zog aus seiner breiten Tasche eine leere Flasche hervor und reichte sie Mendl hin. „Gott wird dich dafiir belohnen, rvir sind arme Menschen." , „O G'tvalt,- o G'walt» er sängt schon wieder an! O, wie er mich quält! Ter polnische Priester wird mich dafür Noch zu Tode züchtigen. Ich Hab' doch Frau und Kind! Ich helfe nicht, ich tue nichts, ich weiß von nichts. Willst du den Schlüssel. zur Kirche — hier hast du ihn. Ich brauche ihn ja nicht für mich. Willst du Branntwein — hier hast du Branntwein, dazu halte ich ja die Schenke, um BrannNvein zu verkaufen, aber was helfe ich? Was? Ich helfe gar nicht, ich tue gar Nichts, ich weiß von nichts." - Mendel schenkte dem Popen ein Viertel Branntwein iu die Flasche ein und drängte ihn zur Tür hinaus. Schloimele öfsttete dem Popen die Kirchsntür und lief sogleich rasch davon, um nicht die Kirchenwänve zu berühren. Hierauf blieb er in einiger Entfernung stehen, um nicht dadurch treif« zu werden, daß er den Kirchengesang hörte. Drang aber die Baßstimme des Popen dennoch an feine Ohren, so hielt er stch diese mit beiden Händen zu, um nichts mehr zu hören, damit sein Gehirn nicht abstumpfte für dat Lerneti her Thora. (Fortsetzung M

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