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Wiener Morgenzeitung · 1926-01-15 · Heft 2477 (15.1.1926) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2477 (15.1.1926)
Date
1926-01-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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| Potent 2S qroazyl Wien; £um Abholen Inder Expedition, I», laborstr. 1-3, oder in einer Verschlelsstelle Srratik) monatl. b Schilling trassenverkaut in Wien durch die Kolporteure der Firma Col dschmied, /„ Wollzeile 11 Mit Pos'versand iür Wien und Oc te eich monatlich ö Schilling; f s c h e c h o SI ow a kei: Mon. K 22. Jugoslawien: Mon. Din. 60. Polen:Mon. 5Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4. Frankreich, Belgien: Mon. Ftcs. 18 •Nacbsahiangen Mt l*re I *• erhAban«en Vorbehalten St. 2457 Wiener omenseitun ■raaa——— Me». Freirag. IS. gSaner 1226 istes.-rü.al Bngi a n d: Mon. 4 Schilling. Italien: Monatl. 18 Lire: Ru nänien Mon. 170 Lei. Bulgarien Mon.IOOLew«. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. s Redaktion, Administration: Wien, II. Taborstr. 1 Telephone: 44-0*38, 43-3-19 Ab 6 Uhr. 21-102, 25-2-82 IX.. Universitätsstrasse 6-8 CD uckerei ’g. Steinmann) Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 8. gabrgan, Dar Auslündergesetz im Selm. (Eigendienst Der „Wiener Diorgenzeitung".) Warschau, 14. Jänner. In der heutigen Sejmsitzung sprach bei der dritten Lesung des Gesetzentwurfes über die Regelung der fremden Daatsbürger namens des jüdischen Kluibs Abgeordneter Jnsler, der auf die großen Lücken hinwies, die nn Gesetzentwurf vorhanden sind. Der Gesetzentwurf widerspreche dem liberalen Geiste und bezwecke statt einer gerechten Behandlung fremder Staatsbürger nur deren Verfolgung. Bei der Behandlung des Gesetzentwurfes über das Dienstverhältnis der Lehrer erörterte Abgeordneter Federbusch (jüdischer Klub) die in den Schulen betriebene judenhetzerische Kampagne. Der Staat habe die Pflicht, den Lehren: zu verbieten, öffentlich oder während des Schulunterrichtes gegen die Juden zu Hetzen, zumindest aber wäre es Pflicht des Unterrichtsministeriums, jene Schulbücher, die offenkundig V erlenmbungeit gegen das jüdische Volk enthalten, abzuändern. Abgeordneter Rabbiner L e w i n verlangte in seiner Rede die Einsetzung einer eigenen Prüfungskommission für jüdische Religionslehrer sowie die Ausarbeitung eines Lehrplanes Ar den jüdischen Religionsunterricht. Luthers Kabinett der Mitte. Berlin, 14. Jänner. Um 5 Uhr nachniittags nahm der Reichskanzler Dr. Luther die Besprechungen mit den Abgeordneten Tr. Scholz (deutsche Volkspartei), Dr. Koch (Demokrat) und Fe h r e n b a ch (Zentrum):auf. Fehrenbach war zeitweise durch den Abgeordneten Dr. Marx vertreten. Nachdem, im wesentlichen eine grundsätzliche Einigu«g zwischen den Parteien, zu denen noch die bayrische Volkspartei hinzukommt, erzielt worden ist, wurden in der nachmittägigen Besprechung die Personal fragen erörtert. Dabei kam der Wunsch der Parteien zum Ausdruck, daß die einzelnen. Fraktionen möglichst durch führende P e r s ö u l i ch k e i t e n in dem neuen Kabinett vertreten sein müßten. ' Man nimmt in Kreisen der Mittelparteien an, daß die Verhandlungen bis Freitag abends oder spätestens bis zum Samstag zu einem Erfolge führen werden. MederMnahme der deuisch-französtschen Wiktsäiastsverhandlllugen. Paris, 14. Jänner. Die deutsche Handelsvertragsdelegation mit Ministerialdirektor Posse an der Spitze ist heute vormittags in Paris eingetroffen. Sie wurde am Bahnhof vom Kabinettschef des Handelsministeriums begrüßt. Die französischen und die-deutschen Unterhändler werden morgen normittags im Handelsministerium ihre Besprechungen »jeder aufnehmen. Die Demission der Regierung Ramek. Der letzte Ministerrat. Die Staatskorrespondenz meldet: Donnerstag vormittags fand unter Vorsitz des Bundeskanzlers Dr. Ramek ein Ministerrat statt, in dem der Bundeskanzler darauf hinwies, daß die Bundesregierung seinerzeit von der Mehrheit der politischen Parteien des Nationalrates mit der Aufgabe gewählt worden sei, das Genfer Programm zu Ende zu führen. Die Bundesregierung betrachtet diese Aufgabe als erfüllt und glaubt damit das vor ge st eckte Prog r a m m erreicht zu haben. Um dein Nationalrat nunmehr die Möglichkeit zu bieten, die volle Entschließungssreiheit seiner p o l itischen Orientierung für die Zukunft festlegen zu können, beschloß der Ministerrat über Antrag des Bundeskanzlers, dem Bundespräsidenten die Bitte um Enthebung der Bundesregierung vom Amte zu unterbreiten. Zugleich wurde laut M i n i st e r r a t s b e s ch l u ß der Antrag gestellt, die Mitglieder der scheidenden Regierung mit der Fortführung der von ihnen bisher innegehabten Aemter und den Bundeskanzler Dr. R a m e k mit dem Vorsitz der einstweiligen Bundesregierung zu betrauen. Bundespräsident Hainisch hat die Bundesregierung vom Amte enthoben und diese gleichzeitig unter Vorsitz des Bundeskanzlers Dr. Ramek mit der Fortführung der Geschäfte betrauh, Me indische Nationalversammlung In Palästina. Die zweite 6eflott. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Jerusalem, 14. Jänner. . Die Eröffnung der zweiten Session der Assesath Haniwcharim hat am Montag stattgesunden. Das Programm der Beratung, die für vier Tage in Aussicht genvnnnen ist, umfaßt einen Bericht über die fünfjährige Tätigkeit des Waad Leumi, die Wahl des Präsidiums und eines Verifizierungsausschusses, sodann ein Referat über Palästina und die Gäluth, ein Referat über die Gemeindeversassung, einen Bericht über die wirtschaftliche Lage und die Alijah, ferner ein besonderes Referat über das Verhältnis des Jischuws zur Zionistischen Organisation sowie ein Referat über das Erziehungswesen. In der Session wird ferner das Budget des Waad Leumi (des Jüdischen Nationalrates) zu bestimmen sein. Vor Zusammentritt der Session der neugewählten Assesath Haniwcharim fand noch eine Sitzung des alten Waad Leumi statt, an welcher sämtliche-Mitglieder sowie Vertreter einzelner Kolonien teilnahmen. Äls Gast wohnte, der Tagung der hier zu Besuch weilende bekannte hebräische Schriftsteller und Mitglied'der amerika^isHn E ekutive Rüben Bra in i n bei. D av i d Helli n cröffnete die Sitzung und widmete warnte Worte des Andenkens dem vor kurzem verstorbenett Bezalel I a f f e, der sowohl in der Zionistischen Organisation als auch im palästinensischen Jischuw eine bedeutende Führerrolle spielte. Sodann erstattete Dr. L o u r i e einen eingehenden Bericht über die Tätigkeit des vom Waad Leumi zur Durchführung der Wahlen zur Assesath Haniwcharim eingesetzten Wahlausschusses. lieber Antrag Dr. Thons wurde dem Wahlausschuß sowie dessen Vorsitzenden Tr. Lonrie für die unermüdliche Tätigkeit und objektive Durchführung der Wahlen der Dank ausgesprochen. Es wurde sodann eine Kommission gewählt, die der neuen Nationalversammlung den Budgetvoranschlag zu unterbreiten haben wird. Am Schluß der Sitzung wurde die Kampagne gegen Stephen W i s e in Amerika erörtert. Nach einer längeren Rede des Rüben B r a i n i n wurde eine Vertrauenstundgevung für Stephen Wise beschlossen. (Den Text dieser Vertrauenskundgebung haben wir bereits vor einigen Tagen mitgeteilt. Die Red.) Segen die Zerstörer der Wischen Sinhelt. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Tel-Awiw, 14. Jänner. Hier fand eine Beratung der Vertreter der jüdischen Gemeinden in Haifa, Jerusalem, Tel-Awiw sowte der Delegierten der größeren Kolonien statt, um zu den von der Mandatskommission gegebenen Anregungen zur Regelung des Ge me in hege setz es Stellung zu nehmen. An dieser Beratung «ahnten 50 Delegierte teil. In Vertretung des Waad Leumi erschien dessen Präsident David?)ellin. Nach Erstellung der Berichte wurden die nachstehenden Resolutionen gefaßt: 1. Die Konferenz der Vertreter der jüdischen Gemeinden in Erez Israel stellt fest, daß der jüdischen Gemeinschaft in Palästina durch die Anerkennung der Rabbinatsgerichte seitens der Negierung ein großes Recht zuteil wurde und sie bedauert, daß bisher nichts zur Organisierung der Rabbinatsämter unternommen wurde. 2. Die Konferenz beschließt, im Einklang mit dem Gemeindegesetz in den nächsten zwei Monaten neue Wahlen fürs Hauptrabbinat durchzuführen. Die Konferenz erhebt schärfsten Protest gegen a l le Wühle r, die die Einheit der jüdischen Gemeinde zu zerstören versuchen. Sie erhebt Protest gegen die in der Mandatskom m i jf ion geäußerte Ansicht, daß innerhalb der Judenschaft auch Platz für verschiedene konfessionelle Gemeinden vorhanden ist, und proklamiert, daß die Judenschaft Palästinas eine unzerreißbare Einheit darstelle. Die Konferenz appelliert an die Regierung Palästinas und durch sie an den Völkerbund und fordert die Anerkennung des Gem e i n d e g e s e tz e s, jedoch nur auf der Grundlage einer, einheitlichen und alle In den u msassenden Gemeinde. Der rrsle Bürger PMsiinar. Ingenieur Pinkas Ruthenberg. cEigendienst der „Wiener Morgenzeitung".). Jerusalem, 14. Jänner. Das neue Naturalisationsgesetz ist bereits in Kraft getreten. Der erste, der auf Grund dieses Gesetzes naturalisiert wurde, ist der bekannte jüdische Ingenieur Pinkas R u t, h e n b e r g, der Schöpfer despalästinensischen Elektrizitätswerkes. Aus diesem Anlaß wurde er von vielen Seiten beglückwünscht. c ' Pinkas Ruthe n ü e r g ist ein russischer, Jude und nahm .in seiner Studentenzeit aktiven Anteil an her russischen Revolution. Seit 1920 hat er seinen ständigen Wohnsitz in Palästina, wo er art den: Ausbau der Elektrifizierung des Landes unermüdlich arbeitet. Kotonisierung fir StUröfis. Mgenöienst der „Wiener Morgenzeitung".) Rom, 14. Jänner. Zwischen dem Gouvernement von Tripolis und dem Ausiranderungs-Generalkommisiariat in Rom. wurde ein Vertrag abgeschlossen, mit dem dem Nationalen Kreditinstitut zu günstigen Bedingungen eine Fläche von 10.000 Hektar in der Umgebung von Tripolis abgetreten wird, um dort zu-ko ionisieren. Stalin» Politik iw nahen Lften. Rom, 14. Jänner. Gegenüber verschiedenen Blättermeldungen, wonach Italien und Großbritannien bestimmte gemeinsamepolitis che Z iele im nahen O st e n verfolgen, ist die Agenzia.diRoma zu der Erklärung ermächtigt, daß diese Nachrichten grundlos und offenbar zu dem Zwecke in Umlauf gesetzt worden sind, um unbegründete Zweifel bezüglich der Ziele der italienischen Politik aufkommen zu lassen. Italien denke nicht daran, eine Haltung einzunehmen, die irgend einenStaat oder eine Nation de s nahen O st e.ns alarmieren könnte. Der türkische Kehlkopf-Palriotirmns. Konstantinopel, 14. Jänner. (Tel.-Komp.) Die türkische Nationalversammlung Hai gestern mit der Erörterung des Gesetzentwurfes begonnen, durch den den türkischen Untertanen verboten wird, an öffentlichen Orte u eine andere Sprache als die türkische zu gebrauchen. Sowielrubland «ad die Schweiz. Beilegung der Differenzen. Bafel. 14. Jänner. (Tel.-Komv.) Wie die „Nationalzettung* erfährt, ist nach einer in Bern r ingettoffenen Mitteilunr ^- Sow etregt rung bereit, den feit der Ermordung Worowskts E rstehenden Bovkott gegen dieSchwetz aufzuheben. In diesem Falle würde der Bundesrnt mit der Sowjetregierung Besprechuttgen zur Wiederanfnah meder diplomatischen und der Handelsbeziehungen einlliten. ___ -elgiea ohne Kkiegsmiaifter. Paris, 14. Jänner. Der belgische Kriegsminister, Gene» ral St erstens, hat seine Demission eingereicht. Wie dem „Temps" aus Brüssel berichtet wird, habe tnan beschlossen, vorläufig den zuri'ckgetretenen Kriegsminister nicht zu ersetzen. Tex Ackerbauminister wird das Kriegsministerium bis auf weiteres leiten.

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