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Wiener Morgenzeitung · 1926-01-13 · Heft 2475 (13.1.1926) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2475 (13.1.1926)
Date
1926-01-13
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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my*«**r^**3Pi<**f»; zmr>& wzm Sette S Stat. MiittvoH <».—.. ..---... l — —— n> . ■ Lumme, die Landau erlegte, als Anzahlung oder a!S Teil des Kaufpreises zu betrachten sei. CS kam zu einem Zivilprozeß, in welchem Kudisch «ne falsche Aussage abgelegt haben soll, weshalb er nun angeklagt war. Sldolf Goldstern wurde als Zeuge vernommen und soll, nach Ansicht des S:aat?antro!tcs, eine Aussage abgelegt haben, die im Widerspruch mit seinen Angaben im Zivilpro- 5*6 stcht. Staatsanwalt Tr. Schm'ü beantragte hierauf die Verhaftung des Zeugen Gotdstein und der Richter, Ober.'andesgerichtsrat Tr. Hummel, gab dem Antrag Folge. Ein Justizwachebeamter führte den Zeugen Coldstein in eine Zelle. Tie Verhandlung er dete mit der Verurteilung des Angeklag- >ren Kudisch zu zwei Monaten strengen Arrests, bedingt mit Mi Monaten Bewcchrungssrist. gst ruberkulose durch Schriftstücke übertragbar? Ter seit dem Jchre 1923 anhängig: Prozeß der Witwe eines Oberrev identen derLüdlahngesellschaft,FrauMoisia Röggl,gegen die Süvbahn gesell schaft ist neuerlich nunmehr vom Zivillandcsgerichte unter dem Vorsitz des Hofrates Tr. Muhr nach mehr achen höchst oingeherden Beweiscchebungen zu Ende geführt worden. Frau Röggl hatte durch Tr. Ernst 8öw eine Schadenersatzklage gegen die Südtahngesellscha t erhoben, well ihr Gatte, odtroht er sich weigerte, hieAktennacheinemanLungrntuberkulose verstorbenen Kollegen zur Bearbeitung zu übernehmen, hiezu durch oin Gutachten des Chefarztes der Süd- Lahn, Tr. R o s m o n i t, gezwungen wecken war. Dr. Rosmanit hatte erklärt, daß eine Tesinfektion der Akten überflüssig und unnötig erscheine. Nach einigen Monaten ist N ö g g l angeblich durch Infektion mit den Akten an Lungentuberkulose gestorben. Tie Südlahngesell'chast, vertreten durch Tr. Moritz Sternberg, hatte einen Z u s a m m e nhang zwischen der zum Tcve sührerden Erkrankung des Herrn Rcggl durch die Beschäftigung mit den Akten bestritten und bereits im Jchre 1923 hatte das Zivillandrsgeiicht nach einem von dem Internisten Tr Friedrich Neumann und dem Hhgieriter Dozenten BrunoBusson erstatteten Eutcchten die Klage abgewiesen, weil theoretisch ztvar eine Infektion möglich erscheine, diese theoretische Möglichkeit der Infektion aber zur Durchsetzung des Schadenersatzanspruches nicht h i n r e i ch e. Tie Unterlassung der Desinfektion der Akten könne jedoch nicht als Verschulden der Bahn ongenoinnen werden, weil derartige Desinfektionen von Akten nicht vorgeschrieben erscheinen. Das Oberlandesgrricht hatte die aus dem Grund des Anspruches gerichtete Entscheidung aufgehoben und eine neuerliche Terhandlung in erster Instanz angeordnet. Es wurde von den Professoren Tr. Ernst Lö w e n st e i n und Tr. Heinrich R e ichel ein hockst umfangreiches Gutachten erstattet, welches zu dem Schlüsse kam, baß die Möglichkeit eines Zusammenhang e s der Erkrankung des Finz und Rcggl anzuerkennen ist, daß aber die Erkrankung Röggls ausschließlich durch die des Finz bedingt gewesen sein sollte, unwahrscheinlich ist. Der Vorsitzende erklärte, sich das Urteil vorzubehalten. Generalstreik der rumänischen Rechtsanwälte? Aus Berlin wird berichtet: Tos „Berliner Tageblatt" meldet aus Bukarest, daß die Bereinigung der Rechtsanwälte den Generalstreik beschlossen habe. Als Grund werde das ChaoS aufdem Gebiete der Rechtspflege bezeichnet, des durch die sche« maisch vcrgeicmnere sogenannte Vereinheitlichung verursacht worden sei. Auch die Nichtachtung und Cchikanierung des Anwalt« starkes werde als Grund des Stroikbeschlusses angegeben. GUt Glaubensniarlyrium. 7 Roman von Schalom Asch. „Erlauchter Herr, eine Synagoge und einen Friedhof!" - mit diesen Wörten warf sich der Jude dem Herrn zu Füßen. „Eine Synagoge für das Gebet, und einenMiedhof, um unsere Toten zu bestatten. Gib die Erlaubnis fürVrie Synagoge und einen Friedhof in Slotschow!" Koniecpolski versank einen Augenblick lang in Nachdenken. Er erinnerte sich an die jüdischen Perlen, die Secharja, der Parnes von Tschihirin, ihm zum Geschenk brachte, als er nach jener Stadt kam. Slotschow würde also auch eine jüdische Ortschaft werden und Zinsen zahlen. Aber was wird dazu Gott und der Priester Kozlowski sagen? Bald jedoch kam ihm ein Gedanke, der es ermögl'chte, sowohl gute Zinsen einzuheimsen als auch Gott zufrieden zu stellen. „Wenn du vor Jesu Christo deinen Kopf beugst und vor der heiligen Maria dreimal das Gebet hersagst, werde ich dir die Erlaubnis für eine Synagoge und einen schönen Platz für den Friedhof geben." Der Jude verstummte und blieb wie versteinert stehen. „Also machen wir das Geschäft, Jüdchen. Du mußt aber erst mir nachsprechen: „Maria, Gottesmutter von Czenstochau, sei gelobt in alle Ewigkeit, Amen." Der Jude schwieg. „Und du mußt vor ihr niederkmen, Jüd." Der Jude verharrte in Schweigen. „So, du willst nicht? — dann wirst du den Bären spielen." Der Jude erblaßte und begann in feiner Angst zu stammeln: „Erlauchter Herr, ich bin nur ein armer Jude, habe Mitleid mit meiner Frau und meinen kleinen Kindern. Bitte doch, Schloimele, mein Junge, bitte dcch den Schlachziz! Habe Mitleid, erlauchter Herr! Ich will dir immer treu dienen." Vater und Sohn umklammerten die Füße des Herrn, küßten seine Stiesel und Rockschöße und schlugen mit der Stirn auf den Fußboden. «Hab' Mitleid mit den tleirren Waisen, erlauchter Herr." Wiener Msr-enzeUriiiq Bollswirt. Verbilligung des Selvsatzer in Miitelemova. Herabsetzung der deutschen Bankrate um 1 Prozent. — Bevorstehende Disksntermätzigung in der Tschechoslowakei und in Oesterreich. Gestern hat die Roichsbank den T iskou t von 9 auf 3 nnv den Lombardsatz von 11 auf 10 Prozent herabgesetzt. Außerdem hat sie zur Stärkung des Marktes für langfristige Anlagen neben anderen Erleichterungen im Lombardvcrkehr beschlossen, die Bcleihungsgrenze für Gold- und Rdichsmarkpfandbriefe von 50 ans 602/3 Prozent;n erhöhen. Diese Ermäßigung war bereits seit einiger Zeit erwartet worden. Seit Jahresbeginn ist der Geldstand in Deutschland äußerst flüssig. Es herrscht ein effektiver Ueberflnß an kurzfristigem Geld. Tägliches Geld notierte nur G bis 7 Prozent, erstklassige Wechsel 63/s Prozent und Warenwechsel 7'/,'ProM. Schon durch diese Gestaltung des Geldmarktes war eine Reduzierung der offiziellen Geldrate geboten. Bereits im Dezember des Vorjahres hatte der ReichsbankpräsiSent Doktor Schacht im Zentralansschuß erklärt, daß nach Ueberwindnng des Jahresultimos entscheidende Entschlüsse gefaßt werden. Da dieser glatt verlaufen ist und die Geldflüssigkeit ununterbrochen anhält, wurde nunmehr die Herabsetzung der oifiziellen Diskontrate ans 8 Prozent beschlossen. Ans dieser Verflüssigung des deutschen Geldstandes darf aber nicht aus die Besserung der Wirtschafts- Verhältnisse in Deutschland geschlossen werden. Im Gegenteil. Diese Verflüssigung ist mehr eine Folge der Krisenerscheinung, die sich mit voller Schärfe in Deutschland geltend macht. Infolgedessen ist auch knapp vor der Herabsetzung von mancher Seite dagegen Einspruch erhoben worden mit der Motivierung, daß der Krise dadurch auf kosten Fall abgeholsen werden könne, da die Diskontherabsetzung keine Senkung der Preise begünstige. Für Jännerende ist eine Herabsetzung der vsterre'chischen Diskontrate zu erwarten, die sich der deutschen Herabsetzung anpassen dürfte. Es wird mit einer Ermäßigung um rm ganzes Prozent, wie in Dsutfch.'and, gerechnet. Auf dem Wiener Geldmarkt ist bereits Geld sehr flüssig. Das Anbot übersteigt die Nachfrage. Der Zinssatz für tägliches Gelb bewegt sich unter 8 Prozent. Ermäßigung des tschechoslowakischen Eskomvtesatzes. Aus Prag meldet Tsch. P-B.: Das Bantamt des Finanznin'stcrirns net et, doß auf C rund einer vom Bankausschuß beim sf-stcr^n inisenum erteilten Ermächtigung das Komitee eine Hcrotsetzrng des amtlichen Cskorrpte- und Lombardsatzes um ein Haltes Prozert beschlossen hat. Am 13. Jänner 1926 tritt somit der Cskrwptezws'uß vrn 6 Prozent und der Lombardzinsfuß von 7, respektive 7,5 Prozent, in Kraft. Sie ßkholvnq der volnischen WSHrunq. Die Tätigkeit der Banken. — Tie Handessvertragsverhandlungen. — Steigende Arbeitslosigkeit. — Ruhige Börsen. (Bon unserem polnischen M. S.-Korrespondenten. Ter Stabilisierungsprozeß der polnischen Währung machte in der Berichtswoche weitere Fortschritte. Tie Währungspolitik der Bank Polski wird jetzt vom Finanzminister Zdziechotvski streng kontrolliert, so daß die Fehler der vergangenen Monate keine Wiederholung erfahren dürften. Ter Finanzminister unterzog die Politik der Bank einer scharfen Kritik und beabsichtigt, eine Kom- „Enttveder das Gebet hersagen oder den Bären spielen!" Ter Jude dachte einen Augenblick nach. In seiner Angst wiederholte er einige Verse aus den Psalmen und aus den Gebeten und küßte dabei dem Herrn Rock und Stiefel. Doch plötzlich erhellten sich seine Augen. Seine Hände und Füße zitterten noch, aber sein Gesicht wurde ruhig und beherrscht. „Gut! Für die Synagoge will ich alles erdulden, erlauchter Herr. Hab' Mitleid! Gott wird helfen, und nun mach', was du willst." Auf einen Wink des Herrn pack'en zwei Diener den Juden und zogen ihm ein Bärenfell über. Ter Herr befahl den Musikern zu spielen, die beiden D'ener aber schlugen auf den Bären mit zwei langen Peitschen ein. Ter Bär sprang von einer Stelle zur anderen und schrie: „Br—Br—." Die Gäste kugelten sich vor Lachen und einer stieß den anderen zum Bären hin, während die Diener tveiter auf diefen einhieben und ihn von einem Platz zum anderen jagten. Ter Jude im Bärenfell murmelte indessen den P'almvers: „Gott ist mein Licht und meine Hilfe, vor wem kolk ich mich ängstigen?" — „Br—Br—" sprang er auf allen Bieren von einer Stelle zur anderen — „Gott ist die Feste meines Lebens, vor wem soll ich mich sürch'en?" „Gut gemacht, Jude! Dafür bekommst du die Synagoge. Aber den Friedhof mußt du dir noch besonders verdienen!" Vom Schloß her lief der Jude atemlos heim, der lange Arba-Kanfoth verwickelte sich ihm zwischen den Beinen, sein Knabe mit den bebenden Pajes lief ihm nach und beide riefen sie laut über den Weg und verkündeten der Mutter die freudige Nachricht: „Eine Synagoge! eine Synagoge!" 4. DK Einweihung der Synagoge. Kurze Zeit darauf verbreitete sich in allen Orten Podoliens und Wolhyniens, in denen Juden wohnten, die Nachricht, daß ein neuer Platz den Juden zur Niederlassung frergegeben sei. Slotsch-w hatte das Recht auf eine Synagoge erhalten und Juden aus der ganzen Umgegend zogen dorthin: aus Korsun, aus Tschihirin, vom anderen Ufer des Dnjepr, aus Lubny, aus Lachowitfch, aus Perejaslaw. Denn es hatte sich bereits herumgesprochen, daß Slotschow ein einträglicher Platz _13. Jänner 1926_Nr. 2475 Mission von drei bedeutenden Finanziers zu schaffen, die der Leitung der Bank zugeteilt werden soll. Im Wochenverlaufe ermäßigt« sich der Dollar auf 8.10 bis 8.05 I.'oty und zum Wochenschluß wurden nur mehr 8 Zloty gezahlt. Wie sich aber Finanzminister Zdziechowski Pressevertretern gegenüber änßerte, dürste der Zloty nicht auf dem Niveau von 7 Dollar gieich einem Dollar, sondern ans dem Niveau von 6.50 bis 6 60 Zloty stabilisiert werden, da man eine größere Sleigerieng oes Budgets vermeiden will. Tie letzten großen Bankassären haben die polnische Oeffentlichten ganz besonoees beunruhigt. Rach dem Skandal mit dem Präsidenten des Postsparkasscnamres kam zuletzt die Affäre der Krakauer Industriebank, und nun verlautet es, daß auch in vielen Warschauer Banken nicht alles mit rechten Dingen zugeht und daß die Regierung diesbezügliche Untersuchungen eingeleitet hat. Ein« allgemein bekannte Tatsache ist die Beteiligung Warschauer Banken an der Konterminierung des Zloty, was sogar mit Mitteln aus staatlichen Krediten durchgeführt wurde. Daß alle diese Tatsachen dem Staate in der Meinung des Auslandes einen ungeheuren Schaden aurichten, unterliegt keinem Zweifel, und das gerade in einem Zeitpunkt, wo die Anleihe eine Lebensfrage für Polen bedeutet. Es ist aus diesem Grunde erfreulich, daß endlich dies auch die Regierung eingcschen hat und durch ihr energisches Vorgehen die Absicht bekundet, das Uebel abzuschaffen. Denl Ansuchen Direktors Filippi, ihn aus der Untersuchungshaft gegen eine Kaution zu entlassen, tvurde nicht stattaegeben. Es wird nun ein Gesetz vorbereitet, auf Grund dessen die Bankdirektoren Personlich für die Leitung der Bank vor dem Staate verantwortl i ch sein werden. * Wie bereits berichtet wurde, dürften die Handelsvertragsverhandln«gen mit Deutschland kaum vor Ende Jänner ausgenommen werden. Dagegen dürfte der Vertrag mit der Tschechoslowakei schon in der nächsten Zeit endgültig fertiggestellt sein, da sich der Delegierte des Handelsministeriums, Weclowicz, bereits nach Prag begeben hat, um die letzten Korrekturen durchzusühren. Gegen den 15. d. erwartet man in Warschau die österreichische Delegation mit den Herren Schüller und M ö r t h an der Spitze, welche die Revision des österreichisch-polnischen Handelsvertrages durchführen wird. Nun rückt auch die Möglichkeit des Abschlusses eines Vertrages mit Rußland in die Nähe; die aufgenommenen Vorarbeiten nehmen einen günstigen Verlaus. Die Lage der Industrie ist nach wie vor schr schlecht. Die Zchl der Arbeitslosen hat mit Ende Dezember die bisher noch nicht verzeichnet: Höchstzifser von 302.253 Personen erreicht und weist gegenüber der Vorwoche eine Steigerung um 15.568 Arbeitslose auf. Die Regierung beabsichtigt zwar, Jnvestitionsarbeiten zur Linderung der Arbeitsnot aufzunehmen, der Mangel an Mitteln hindert sie jedoch, dies in vollem Ausmaße zu tun. Auf den polnischen Esse kirn Plätzen konnte man in der Berichtswoche bereits ein leichtes Abflauen der Auswärtsbewegung verzeichnen. Fast alle Notierungen bröckelten langsam ab. ohne jedcch größere Kursverluste zu verzeichnen. Am stärksten behaupteten sich noch Zieleniewski und die Aktien der Bank Polski. Tie Wiener Arbilragewerte weisen folgenden Kursstand aus: Warschauer Tiskontobmk 5.35, Zieleniewski 9.50, Chodorow 5.40, Gorka 7.—, Chhbie 3.85, Tepege 0.18, Hypothekenbank 0 42, Ma.'opolskibank 0.23, Lemberger Brau 8.60, Rakszawa 0.90. Gal^ zische Montan 1.95 Zloty. Kräftige Erholung des polnischen Zloty. Auf allen internationalen Devisenplätzen stand gesteh der polnische Zloty im Mittelpunkte des Interesses. Ausgelöst wurde dieses Interesse durch die Meldung,, daß die Leitung der Bank Polski den Zloty zu einem Dollarkurs von 6 bis.7 Zloty fixieren wolle. In Zürich blieb die Devise Warschau unnotiert, sei, weil es in der Nähe der Kosakensetsch läge und man Handel mit den Kosaken treiben könnte. Selbst aus Kleinpolen zogen Juden her, die auf den Jahrmärkten von Jaroslaw und Lublin gehört hatten, daß Slotschow ein jüdischer Platz geworderr sei. Bor allem mach'e man sich an den Bau der Synagoge. Die Juden veranstalteten eine Geldsammlung, zu der jeder nach Kräften beitrug. Die Frauen gaben ihren Schmuck hin, man brachte zwei jüdische Baumeister aus Nemirow mit und beauftragte sie mit dem Bau der Synagoge. Dieser Bau nahm zwei Jahre in Anspruch. Die Juden legten Hand mit an. Die Synagoge mußte ja einem doppelten Zweck dienen: sie sollte die Stätte sein, in der man Gott dienen, aber auch die Stätte, wo man sich vor dem Feinde schützen wollte. Daher baute man sie wie eine Festung aus, mit eisernen Türen und Ringen. Nachman, der Schmied, schmiedete eine eiserne Tür für die Synagoge, ein Gitter für die Empore, einen großen Leuchter für den Platz des Borbeters und eine große Chanukalampe. Er lieferte eine einfache Arbeit, die aber mit großer Liebe getan war. Alle Kunstgriffe, die Nachman kannte, verwandte er in seiner Schmiede für das Gitter, den Leuchter und die Chanukalamp«. Dasselbe tat auch Boruch, der Drechsier. Unter der Aussicht der beiden Baumeister aus Nemirow fertigte er verschiedene Ornamente an, die er noch aus seinen Lehrjahren in der Holzschnitzerei fannte: Bügel und Tauben, Hirsche und Löwen, die Symbole der zwölf 'Stämme Israels und die Embleme der Monate des Jahres. Der Jude saß ganze Nächte lang über seiner Arbeit beim Lichte eines Kienspans und fertigte die Schnitzereien für die Synagoge an. Jeder jüdische Hausvater von Slotschow aber, der zu den Jahrmärkten in die großen Städte fuhr uni> dort irgend einen schönen Gegenstand sah — sei es Seide für den Vorhang vor dem Schrein mit den Thorarollen oder etwas für die Ostwand, oder für den Stuhl des Propheten Elias, oder irgend ein anderes Zierstück — kaufte ihn tlnb brachte ihn für die Synagoge heim. Die Frauen aber saßen in den Winternächten bei Jochewed. Mendels Frau, in der Schenke und nähten bei frommen» Gesang ihren Schmuck in den Vorhang unb die Hüllen der Thorarcllen hinein« (Fortsetzung folgt.)

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