Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2467 (5.1.1926)
- Date
- 1926-01-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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fpoien; 25 groazy | Wien. ZumAbholen indci Expedition, 11., Taborstr. 1-3, oder in einer Verschleisstelle 'Trafik) monatl. 5 Schilling Strassenverkaut in Wien durch die Kolporteure det Firma Q o I d sch m icd, i.. WoIIzeile 11 Mit Postversand für Wien und Oester eich monatlich ö Schilling 1 s c h e c h o - SI ow a k ei: Mon. K 22. Jugoslawien: Mon. Din. 60. Polen:Mon. 5Zloty. Deutschland: Mon. Qm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 iNaehMhiaageB bet FreiaerhObantfen Vorbehalten Rr. 2467 Wiener omenieitung England: Mon. 4 Schilling. Italien: Monatl. 18 Lire: Rumänien: Mon. 170Lei, Bulgarien Mön.lOOLewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration Wien, II. Taboritr. I Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX.. Universitätsstrasse 6-8 (D uckerei lg. Steinmann) Mm. Lienstag. 5. giinner 1S26 Oesterreichisches Postsparka isen« Konto Nr. 150.693 8. IMgan, Set zionistische Parteirnt ia ffiien. Die Nelointioam der VImarfitznng. Am Sonntag nachmittags Hat in Wien eine Plenarsitzung des zionistischen Parteirates stattgesunden. Ueber die Referate und Reden berichten wir im Inneren des Blattes. Es wurden einstimmig die solgenden Resolutionen beschlossen: Der Parteirat beauftragt die zionistischen Mandatare der Kultusgemeinde, die Forderungen des zionistischen Gemeindeprogrammes, insbesondere die Forderung nach der Mitarbeit am Aufbau Palästinas, nach der Ausgestaltung der jüdisch-kulturellen und sozialen E inrichtungen und nach praktischer Durchsetzung der im Friedensvertrage und somit auch staatsgrundgesetzlich den Juden gewährleisteten Minderheitsrechte mit allem Nachdruck zu vertreten. Die Mandatare werden ermächtigt, ihre Stellung zu den Parteien des Kultusvorstandes nach deren Verhalten zu den oben entwickelten programmatischen Forderungen einzurichten und darnach das Matz der Mitverantwortung der zionistischen Vert r e t u n g für die Führung der Gemeinde zu bestimmen. . , * Der Parteirat macht es allen organisierten Zionisten zur Pflicht, ander Auf rechterh a l t« n g der „Wiener M o r genze itung" mitzuärbeiten, dieses wichtige Organ materiell und moralisch nach Kräften zu fördern und für dessen Verbreitung unausgesetzt tätig zu sein. __ Militärdiktatur in Griechenland. Pangalos will Krieg. London, 4. Jänner. (Tel.-Komp.) Der Athener Sonderkorrespondenz der „Britisch-United-Preß" drahtet,' daß der griechische Ministerpräsident Pan gal o s gestern die MMärdiktatur verkündet und. sich selbst zu deren Chef ausgevnfen habe. .Seine erste RegierungshaMung bestand darin, daß er die für den 10. Jänner angesetzten Senatswahlen auf unbestimmte Zeit vertagte. . Er. erließ eine Proklamation an das griechische Volk, worin es unter anderem heißt: „Die Militärrevolution des Jahres 1919 hat Griechenland nach Brussa «nb vor die Tore K o n st a n t i n o p e l s , geführt. Die Revolution des Jahres 1920 aber habe das Land in die Klauen des Parlamentaris«tus.gebracht, der das griechische Volk in die Katastrophe von Kleinas i e n führte. Von heute, an werde er gestützt auf Armee und Marine als Diktator regieren.. In einigen Monaten.werde Griechenland über eine Flotte verfügen, die es zur Herrin des östlichen Mittelmeeres machen werde, sowie über, das stärkste Heer auf dem Balkan." Besorgnis irr London. London, 4. Jänner. (Tel.-Kontp.) Der Staatsstreich des Generals Pangalos in Griechenland wird hier angesichts der englischen Bemühungen, ,int nahen Orient stabile Verhältnisse zu schaffen, mit Besorgnis angesehen. Die Betonung seiner Absicht, eine starke Armee und Marine zu schaffen, betrachtet die „Westntinster Gazette" als ein Raffeln mit dem Säbel und auch die „Times" bringen zum Ausdruck, daß sich das neue Regime lediglich *uf der Macht des Militärs ausbaue. Benilzttz freigelaffen. Budapest, 4. Jänner. (Ung. Tel.,Korr:-Bur.) Edmund Veniezky hat heute vormittags 10 Uhr -das Gefängnis des Budapester Gerichtshofes verlassen, nachdem mit Rücksicht auf seinen Gesundheitszustand die Abbüßung der Strafe vom Jnfti-minister v o r l ä u s i g s u s P e n d i e r t worden ist. Hoühy-Ungarn. Prior Ludwig Modifchgraetz verhaftet. — Dar Haupt der SeldfAscherbande. - Radofftz lospeodiert. — Gral Seiet! io BerhSr. — eine ßdlärana der Minifterr Sratz. (Eigenvienst der „Wiener Morgenzeitung-.) Budapest, 4. Jänner. In der Affäre der Frankenfalschungen haben sich heute eine Reihe sensationeller Ereignisse abgespielt. In den Mittagsstunden wurde Prinz Ludwig Windischgrätz in seinem Palais von Detektivsv er haftet und sofort in das Gefängnis der Staatsanwaltschaft überführt. Er wurde dort i n d e r s e l b e n Z e l l e untergebracht, welche bisher der gewesene Innenminister Edmund v. Beniezky, der heute freigelaffen wurde, inne batte. Gleichzeitig hat die Regierung den Oberlandeshauptmann Nadossy, der als der maßgebende Exponent des rechtsradikalen Kurses in der Verwaltung galt, seines A m t e s e n thoben und gegen ihn das Disziplinarverfahren wegen Mißbrauchs der Amtsgewalt eingeleitet. Nadossy wurde bereits heute nachmittags ei ne «ersten Verhör unterzogen. Es wird ihm vorgeworfen, daß er es war, der dem Obersten Aristides Jankovics den Kurierpaß verschaffte und dafür sorgte, daß das Gepäck des Jünkovies, in welchem dieser die gefälschten 1000-Franken-Noten nach Holland schmuggelte, amtlich versiegest wurde. " Die Verhaftung des Prinzen Ludwig Windischgrätz hat in politischen Kreisen und in der ganzen Oeffentlichkeit der Hauptstadt wie eine Bombe gewirkt. Das „8 Uhr-Blatt" erfährt über die Einvernahme des Prinzen Ludwig Wmdischgrätz die folgenden Einzelheiten: Der Prinz gab an, mit dem Obersten Jankovich vor zwei Monaten zum letzten Male zusammengekommen zu sein. Der Prinz blieb auch bei dieser Behauptung, als ihm die Aussage einiger Bediensteten seines Palais entgegengehalten wurde, daß Oberst I a n k o v i ch a n ch i n d e n letzten Wochen noch ein sehr hänfiger Gast des Prinzen war. Prinz Windischgrätz stand schobt seit Samstag unter ständiger polizeilicher Beobachtung, und als er Samstag mittags in einer Gesellschaft erklärte, daß er am Sonntag zur Jagd nach Sarospatak reisen wolle, erschienen Detektivs in seiner Wohnung und ersuchten ihn, in Bjtbapcst zu bleiben, da die Polizei ihn am Sonntag einvernehmen wolle. Diese Einvernahme war aber nur ein Vorwand dafür, daß die Polizei den Prinzen, an dessen Verhaftung schon damals gedacht wurde, verhindern wollte, Budapest zu verlassen. Der Anlaß zu seiner dann tatsächlich erfolgten Verhaftung war, wie „Magyarorszag" erfährt, daß die Polizei positive Beweise dafür erhielt, daß der Prinz die Fälschungen finanziert und zu diesem Zweck mehrerehundertMillionen Kronen an verschiedenen Stellen verliehen hatte. In- Uebereinstiuimung damit tettt ein vom Mnisterratspräfidium ausgegebenes Communique mit, daß Prinz Windischgrätz die 1000-Franken-Noten aus Gründen, die er für patriotisch hielt, Herstellen ließ. Die Motive. Budapest, 4. Jünner. lieber die Motive, die den Prinzen Windischgrätz zu seiner Tat veranlatzten, verlautet in wohlinformierten Kreisen, daß seine Angabe, er habe sich von patriotischen Gesichtspunkten leiten lassen, bloß ein Vorwand sei, und daß er in Wirklichkeit materiell vollkommen zugrunde gerichtet sei. Im Zusammenhang mit der Verhaftung Windischgrätz' waren heute die Phantastischesten Gerüchte verbreitet. Es hieß, daß zwei Abgeordnete in die Affäre verwickelt seien, von denen der eine schon eine herv orragende staatsrechtliche Stellung bekleidet hat und der tatsächlich auch heute von der Polizei! einvernommen wurde, aber seine vollkommene Unschuld Nachweisen konnte. Der zweite, der der Rassenfchützlergruppe angehört, ist vor Weihnacht ten nach Italien gereist. Die unschuldigen Legitimisten. Wie in oingeweihten Kreisen mitgeteilt wird, ist Prinz Windischgrätz n i ch t m e h r z u d e n L e g i t i m i st e n zu zählen. Seine Beziehungen zu der legitimfftischen Bewegung haben völlig aufgehört. Seitdem Windischgrätz vor ungefähr einem Jahre den Reichsverweser auf feinem Schlosse in Sarospatak zum Jagdgast hatte, hat sich eine Umstellung in der politischen Haltung des Prinzen vollzogen und Eingeweihte wußten schon fett geraumer Zeit, daß er in das Lager der E r z h e r z o g - A l b r e ch t - P a rt e i, die mit den Rassenschntzlern zusammenarbeitet, übergegangen ist, also vollständig im rechtsradikalen Lager steht. Dafür spricht übrigens auch der Umstand, -aß die Verteidigung des Prinzen sowie seines verhafteten Sekretärs Rabas und seines Kammerdieners Kovaes zwei bekannte Advokaten der Rechtsradikalen übernommen haben, nämlich der gwesene völkische Abgeordnete Bela D a n e r und Dr. Alexander D a n i e l, der Generalsekretär des Vereines der Erwachenden Ungarn. Dies ist umso auffälliger, da Prinz Windischgrätz bisher in allen seinen Angelegenheiten durch den demokratischen und legittmistischen Abgeordneten Dr. Wilhelm Vacsonhi vertreten wurde. '! V Die Spießgesellen. Budapest, 4. Jänner. Wie die Blatter übereinstimmend melden, steht es nunmehr fest, daß P r i n z Ludwig Windischgrätz das Oberhaupt der Geldfalscherbande war und daß er außer den bereits bisher verhafteten Personen noch eine ganze Reihe von Mitschuldigen, selbst in hohen sozialen Stellungen hatte. Die Namen der Mitschuldigen sollen der Polizei bekannt sein. Der °- ' Präsident der Budapester Staatsan-- ' waltschaft, Dr. Sztrache, erklärte Zeitungsberichterstattern gegenüber, daß er bei Durchsicht der Akten seststellen konnte, daß gegen den Prinzen Windischgrätz mehrere schwerbe lastende Beweise vorliegen, welche darauf Hinweisen, daß der Prinz an der Spitze der Geldfälschungsasfäre stand. Deshalb Habe er selbst die OberstadtHauptmannschast angewiesen, den Prinzen in Haft zu nehmen. Wie der „Pester Lloyd" erfährt, seien die Klischees der falschen 1000-Franken-Noten in den Räumlichkeiten und mit den Maschinen des kartographischen Instituts in der Retekgaffe von einigen pflichtvergessenen Organen dieser, Anstalt hergestellt worden. Der Grund der Suspendierung des Landespolizeichefs Nadossy soll darin liegen, daß Nadossy vor einigen Tagen dem auf der Jagd im Weißenvurger Komitat weilenden Prinzen Windischgrätz telephonisch mitgeteilt habe, daß die Polizei seinen Kammerdiener Kovaes im Zusammenhang mit der Geldfälschungsaffäre sucht. Auch sott Nadossy es gewesen sein, der den Oberst Jankovkes im ungarischen Außenministerium für die Ausstellung einer Legitimation für einen diplomatischen Kurier empfahl. Wie „Esti Kurier" meldet, hat die Polizei heute mittags noch eine weitere hervorragende Persönlichkeit des politischen Lebens einem Verhöre unterzogen. 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