Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2465 (3.1.1926)
- Date
- 1926-01-03
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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- ■*«- *. a*-1 «***f 9*^’**S** - - -".N Seite IS Men, Sonntag »«»den Theater. Burgtheater. Morgen, 7 Uhr abends, n nd Julia". (Theatergemeinde Serie A, weiße Mitglieds» karren.) Als nächste Novität wird am 13. d. da» Schauspiel „Lady WindermereS Fächer", von Oskar Wilde gegeben. Akademietheater. Morgen, 7*8 Uhr abends, ,Tie zerbrochene Leiter". Am 16. d. findet die Uraufführung von Hermann B a h r S LiebeSschwank „A l t- Weibersommer" statt. VolkSoper. Morgen, Va8 Uhr abends, „D e r Zigeunerbaron". DeutlcheS Volkstbeater. Mittwoch gelangt, neueinstudiert. „D i e h e i l i q e I o h a n n a" zur Aufführung. Georg K a i s e r S Komödie „DermuttgeSeefahrer" mit Albert B a s s e r m a n n ist für SamStag den 9 d. angesetzt. DaS Novilätenprogramm für die nächste Zeit umfaßt Artur Schnitzlers „Komödie der Worte" mit Arnold K o r f f und Karl Schönherrs „Armendoktor". Theater in derJosefstadt. Die Premiere von „S a k u n t a l a", indisches Schauspiel von K a l i d a s a, deutsch von Rolf L a u ck n e r wmde tür Dienstag den 12. d. angesetzt. Bis dahin täglich „Riviera". Raimund-Tbeater. Heute und Dtttttvoch, l/t4 Uhr nachmittags, „Prinzeß Uebermut". Theater anderWien. Mittwoch, 3 Uhr nachmittags, „W i e n e r B l u t". Lustspteltheater. Freitag den 8. d zum ersten Male das Lustspiel „Die legitime Freundin" von Fritz Gottwald. Moderner Theater. Als nächste Novitäten find geplant: „Rasch ein Kind", Schwank von Margret M a j o, imb der neue Galsworthy „Sensation". Avollotheater. Ab morgen beginnen die Börstellaugen von „Apollo?? R u r Apollo!" bereits um %8 Uhr abenor. Neue Wiener Buhne. Freitag den 8. d. beginnt Ludwig 2 r ä r k, der sich unentgeltlich der A r b e i t s g e m e i nschaft zur Verfügung gestellt hat, ein achttägiges Gastspiel ,n,Doktor S t i g l i tz". Die Eintrittspreise sind wie bei allen Vorstellungen der Arbeitsgemeinschaft von 89 G. bis 7 S. festgesetzt. Morgen und Montag den 4. d. „E r w i l l e i n e moderne Frau". Beginn halb 8 Uhr. Jüdisches Künstlerkabarett. Im Thratcrsaale Arkadia, 2. Bez„ Praterstraße 60, gelangt täglich die Komödie „Mojsche Telebeiwig" zur Ausführung. Max Liebermann wurde mit Zustimmung der bayrischen Regierung zum Mitglied des Maximilian-Ordens für Kunst und Wissenschaft gewählt. Seit dem Umsturz in Deutschland wurde dieser Orden zum ersten Male wieder verliehen. — Trotz feines hohen Alters ist der berühmte Maler von bewunderswerter Frische und bei voller Schaffenskraft. Er arbeitet gegenwärtig an einem Porträt. MiScagnrs Librettist, . der - Textdichter der „Cavalleria rusticana", der bekannte italienische Kritiker Guido Menasci, ist in Livorno im Alter van 58 Jahren gestorben. Menasci war mit vielen hervorragenden Zeitgenossen enge befteundet, unter anderem auch mit Zola, Goldmark, Johann Strauß, Massenet. Unter seinen zahlreichen literarischen Studien sind insbesondere Arbeiten über Goethe -und Ibsen hervorzuheben. „Der König der Schnorrer," Israel Z a n g w i l l s berühmrer, vom Dichter selbst dramatisierter Roman, bewährt sich auf der Buhne. In einer französischen Uebertragung und mit musikalischer Einkleidung von Cremieux wurde das Theaterstück jetzt in Monte Ca.'.o mtt großem Erfolge aufgeführt. Gesetz der Serie. Anläßlich der Premiere des Deutschen Bolkstheaters „Reiner Tisch" hat Albert Bass er mann, der Temperamentvolle, einen schönen, vornehmen Sessel so hfftig gegen die Bretter der Bühne geschlagen, daß er in Trümmer ging. — Nun widerfuhr Jakob Feld ha mm er im Raimund-Theater Aehnliches. Er spielte am 1. d. den verliebten jungen Napoleon (Bcchrs „Josefine", erster Akt) und stürzte sich so heftig auf die Leopoldine Konstantin, die sich im Sinne der Rolle kokett am Sopha räkelte, daß das Möbelstück in seine Bestandteile zerfiel. Es war ein stürmischer Heiterkeitsersolg. Nach dem Gesetz der Serie — vielleicht auch deshalb, weil die Bühnenrequisiten schon recht baufällig sind — ist gleiches Ungemach für die nächste Zeit auf anderen Wiener Bühnen zu erwarten. ' Aus der Werkstatt der Buches. Fr. W. Förster, Religion und Charakterbildung". Psychologische Untersuchungen und pädagogische Borichläge. (Rotapsel-Berlag, Zürich und Leipzig.) Für eine Konfessionsschule, gegen Vernunft, beziehungsweise Sozialmoralerzichung tritt dieses neue Werk des bekannten Pädagogen ein. Förster geht von der Ueberzeugung aus, daß wirklicher moralische: Einfluß, der die ganze Persönlichkeit ergreift, nur von einem in der Religion wurzelnden Moralbewußtsein ausgeübt werden kann, daß nur in der religiösen Welt des Christentums die einzige und beste Gewähr moralischen Lebens und sittlichen Wandels besteht. Damit begnügt sich aber der von freier, „neutraler" PädaMgik zur konfessionellen Uebergetretene nicht. Die christliche Weltanschauung unb ihr sittlicher Gehalt genügen ihn, mich:; er sieht auch in de: christlichen Kirche, besonders in ihren Mysterien, Dogmen und Symbolen den einzigen wahren Hort sittlichen Lebens und die einzige Quelle der Moralpädagogik. Daraus folgt am Fuß eine Rangordnung der Religionen, die von der christlichen als obersten über das Judentum und den Islam zum Fetischismus hinabsteigt und — selbstverständlich (sic!) — ein enthusiastisches Lob -der disziplinstarkm, militärischen Erziehung, von der nur ein kleiner Schritt zu: Apotheose des Kriegs mit dessen mutstärkendeu Wirkungen und von der „Anhänglichkeit an das Irdische" loslösenden Einflüssen führt. Besonders das letztere bewirkt der Krieg, und die Religion gibt dazu den letzten Segen und verbleibt beruhigt im Jvdiichm... In der Auseinandersetzung Försters mit der Psychoanalyse, die manche sehr treffende und interessante Einzelbeiten birgt, sieht man so recht den Hauptfehler Försters: Bor Problemen, die man nicht zu lösen vermag, vor Erfahrungstatsachen, die den tragischen Abgrund menschlicher Seele und menschlichen Lebens enthüllen, ins Metaphysische, Ueberirdische, zu flüch'en. Daß dieses andere Reich den heutigen, modernen europäischen Menschen am allerrvenigsten ergreift und erschüttert, wollen biejc Leute nicht einsehen. Es stimmt ja, daß der moderne Menjch an einer Krise leidet, bar jeden lieferen Inhaltes, entledigt der -Schutzhülleder Vergangenheit, daß ihn aber eine Rückkehr zu den Wesentlichkeiten der Borfahren erlösen könnte, ist mehr als zweifelhaft. Dehnet den Begriff der Religion wesentlich aus — und der moderne Mensch wird eine neue suchen und schiffen; Förster begrepzt und beengt ihn aber, bewußt und mir Absicht; eine christliche Antike will er uns sogar lehren: Tie Gefahr des Rückschritts und Verfalles ist groß. Me«, _ a, 98tw« im_3h. Radroprogramm. Heute Tonntag den 3. Jänner: 10 Uhr. 30 Min.: Sängerchor. Orchesterkovzerl der Wrener Symphovteorchester». — 11 Uhr: .160 Jahre Wiener Mufit". V. Johannes Brah«». Einleitender Vortrag Dr. Ernst Decsey. (Vioiinsolo Prof. Hngo Gotteßmann.) — IS Uhr: Populäre» Orchesterkonzert. (Kapelle I. W. Ganglberger.) - SO Nhr r „Der Verschwender" von Ferdinand Raimund. Morgen Montag de« 4. Jänner. 11 Uhr: BormittagSmusik — 16 Uhr 15 Min.: Nachm,ttagSkonzert. — 17 Udr 16 Min. r Aus Onkel WackeliS Abenteuenr. Gesprochen von Der« Mitlofich. — 18 Uhr 26 Min.: Eletrotechnischer Km». Ing. Schlögl. — 19 Uhr 10 Min. r Esperanto. — 19 Uhr 40 Min. r Englisch für Anfänger. — 20 Uhr: Streichquartett. (Sedlat-WtnÄer- Quartett.) Beethoven. — 21 Uhr 1b Mtn. r Populäres Orchesterkonzert. (Kapelle I. W. Ganglberger.) Serichtssaal. Paal Frankl« Narrlere. Ein größter Dollarbetrng. Bor einem Schöffensenat unter Vorsitz des Hofrates Billek hatte sich gestern der 42jährige Privatbeamte Ernst Paul Frankl wegen des aufsehenerregenden Betruges zu verantworten, den e: im Frühjahr vorigen Jahres zum Schaden einer Firma in R i o de Janeiro begangen hat. Die Firma Arndt Thun in Rio de Janeiro stellte am 1. März vorigen Jahres fest, daß von ihrem Dollarkonto bei der Quaranty Trust Co. in New-Pork 6 2.0 0 0 Dollar von einer hiezu nicht berechtigten Person abgehoben worden waren. Frankl war bei der Firma ein halbes Jahr als Korrespondent tätig und hatte dann den Posten verlassen. Er hatte sich in New-Aork unter dem Rainen Francis Hartmann bei der Equitable Trust Company ein Konto errichtet und hatte die Ueberweisung von dem Konto der Firma, Arndt Thun auf sein Konto in New-Fork veranlaßt. Frankl kehrte nach Europa zurück und hielt sich kurze Zeit in Paris auf. Die französische Polizei hatte von dem Betrug bereits Kenntnis und ließ ihn, als er nach Wien reifte, verfolgen. Hier wurde er dann im August 1924 verhaftet. Bei seiner Verhaftung erzählte er, daß er im Jahre 1922 bei der Firma Astra in Bukarest 827.000 8er unterschlagen habe. Er sei nach Brasilien geflohen. Bei der Firma Thun hätten viele Angestellte Unterschlagungen verübt und ein Kollege namens Ostvald Schmitt habe ihn zu dem Betrug verführt. Schmitt habe einen ansehnlichen Teil der Beute erhalten, von dem Rest habe er die Unterschlagung bei der Firma Astra in Bukarest gutgemacht. 500 Millionen österr. Kronen stellte er dem Wiener Bankhaus Zupni I u. Frankl, dessen Teilhaber sein Vater war, zur Verfügung. Das Bankhaus ist inzwischen zahlungsunfähig geworden. Später widerrief er dieses Geständnis und behauptete, daß Hartmann wirklich existiere und den Betrug ausgeführt habe. ' Der Inhaber der Kimm Thun ist in Rio de Janeiro emvernommen worden. Er hat auch dort ein Strafverfahren gegen Frankl und Schmitt einleiten lasten. Frankl wurde von dem brasilianischen Gericht in Abwesenheit zu vier Jahren und acht Monaten Gefängnis und einer empfindlichen GeLdstrche verurteilt. Die Anklage wurde von Staatsanwalt Dr. Händler vertreten, Verteidiger ist Dr. Mols Ungar. Frankl ist auch wegen Falschmeldung angeklagt, da er sich hier unter dem Namen B r o n n e r polizeilich genreldet hat. Bei der gestrigen Verhandlung gab der Slngeklagte zvine Schuld zu. Er erklärte, er habe sich im Krieg ein Lungenleiden zugezogen und habe wegen dieses Leidens seinen Posten in Rio de Janeiro verloren. Da in Brasilien große Arbeitslosigkeit herrsche, habe er keine andere Stellung gefunden. In seiner Not habe er die Tat begangen. Der Gerichtshof erklärte den Angeklagten des Verbrechens des Betruges und der Uebertretung der Falschmeldung schuldig und verurteilte ihn zu drei Jahren einfachen Kerkers. Personalverändemngen beim Strafbezirttgericht 1. Das Pensionierungsgesuch des OberlandeSgerichtsrates Dr. Friedrich Weiß, der, wie bevichtet, durch 14 Jahre beim Strafbezirksgevicht 1, vormals Bezirksoericht Alsergrund, tätig war und, da er sich wiederholt übergangen scch, vorzeitig um seine Pensioniemng angesucht hatte, wurde erledigt. Dr. Weiß wurde in dauernden Ruhestand versetzt. Aus diesem Anlässe wurde ihm in Anerkennung seiner besonderen verdienstvollen Tätigkeit der Titel oincs Hof rat es verliehen. An Stelle des Hosrates Dr. Weiß wurde zum StrafbezirkAgericht 1 Landesgerichtsrat Dr. E t m a y e r, der durch, einige Zeit . der Prestestaatsanwalt zugeteilt und zuletzt als Untersuchungsrichter im Blptreferat täbi-g war, berufen. Muß der Angestellte au» .goldenen Sonntag" zur Verfügung stehen? Die Jndustrieangestellte Amalia Lukas klagte chren früheren Chef I. Haas auf Zahlung der Kündigungsentschädigung einschließlich der Weiynachtsremuneration, well sie ohne gesetzlichen Grund kündigungslös entlassen worden sei. Die Entlastung sei nämlich erfolgt, weil sie am goldenen Sonntag" nicht im Geschäfte war. Nun sei ihr aber nicht bekanntaegeben worden, daß sie am ,/goldenen Sonntag" zu erscheinen habe. Sie bade auch ihre Anwesenheit für entbchmch aehalten, well sie nicht «BeÄäusevin war, sondern Kassendienst hatte und chr bekannt war, daA eine andere Kassierin den Dienst versah. Die geklagte Firma erklärte die sofortige Entlastung der Klägerin für gerechtfertigt, weil sie als langjährige Angestellte selbst ohne Berstäikdiaung wissen mußte, daß die Angestellten am „goldenen Sonntags zur Verfügung sieben müssen. Usbrigens seien seinerzeit sämtliche Angestellte schriftlich.verständigt worden, daß sie am ,,goldenen Sonntag" zu erscheinen haben. Wenn die Klägerin an dre generelle Verständigung vergessen habe, so sei dies chre Sache. Das Güwerbegericht fand die Ansprüche der Klägerin für gerechtfertigt und verurtetCte die geklagte Firma zur Zahlung tot Entschädigung für die nicht eingchaltene Kündigungsfrist. Der BerufuuaSsenat gab der Berufung keine Folge urrd bestätigte das erstvichterliche Urteil, weil nicht als erwiesen anzunehmen sei, daß die Klägerin mit Absicht ausgeblieben, Nur wenn sie absichtlich ausgeblieben wäre, könnte die kündigungslose Entlassung als gerechtfertigt angesehen werden. Der Ansicht, daß die Klägerin auf jeden Fall zu erscheinen hatte, konnte sich der Gerichtshof nicht anschließen. Solkswirt. 9k e»Mch.a«ttikao>sche Fiaam ttffl Me ffidttaüoronsen ftBftttt. Sanierung per französischen Finanzen durch ein« Anleihe für Deutschland. Aus Washington wird uns gemeldet, daß dort der Gouvev neur der Bank von England, Norman, mit dem amerikanisch^ Schatzsekretär Melon, den, Generaldirektor der New-Aorke, Federal« Reservebanken Benjamin Strang, und dem General« direktor der belgischen Nationalbank im amerikanischen Schatzamt eifrige Beratungen abhalte, welche den Zweck verfolgen, Frank, reich» finanzielle Schwierigkeiten zu beheben und Deutschland feint Reparationszahlung zu ermöglichen, indem deutsche Eisenbahnbons im Betrage von M Millionen Dollar auf den internationalen Märkten unlergebracht werden sollen. Mit dem Erlös dieser Eisenbahnbons, welche Deutschland zu Reparationslasten angerechnet werden, soll die französische Währung stabilisiert werden. Außerdem verfotzt die Beratung der Rattonalbanlletter den Zweck, «in« Konsolldierung der internationalen Diskontsätze durchzuführen. Präsident Schacht fördert diesen Plan und ist mit seinen Grundprinzipien einverstanden. Durch ein« solche großzügige Aktion sollen die Fsnanzschwierigkeiten der wichtigsten Staaten Europas behoben werden. FesotlawM« Wirtschaftsbuch Andauernde Krise. — Die Nachteile der niedrigen Gekreideprorfk. — Die kaufmännischen Insolvenzen. , Bon unserem Belgrader Korrespondenten.) jiu- Wirtschaftskrise, tvelche sich in eine: ganzen eeuropäischer Staaten geltend mach!, lastet auch auf Jugoslawien. Mevdings sind hier die Wirtschaftsverhältniste derart konsolidiert, daß die Folgen der Krise hier weitaus geringer sind als in den übrigen Staaten nnt derselben Wirtschaftssttuktu:. Die Währung ist seit mehr als einen, Jahre voMommen stabilisiert. Dies übt seine günstige Rückwirkung auf die gesamre i Wirtschaft, kann aber nicht verhindern, daß gewisse WirtschaftSerjchernungen, die sich regelmäßig im Gefolge der Stabilisierung einstellen, auch jetzt in Jugoslawien beobachet werden. Dazu kommt noch, daß die großen Schwankungen ans dein Wcltgetreidemarkte es verhindert haben, daß Jugoflawirn seine Agrarüberschüste jetzt so günstig verwerten kann, wie es bei dem ausgezn'chneten Ausfall der Ernte allgemein erwartet wurde. -Die Wirtschaft Jugoslawiens ist aber in erster Reihe von der Gestaltung der AgrarverhäUnisse abhängig. Der Bauer ist der Kern des Konsums. Ist seine Konsumkauflrast beschränkt, so übt dies selbstverständlich auch seine Rückwirkungen auf den gesamten Handel und die Industrie aus. Es ist unter diesen Umständen kein Wunder, daß die Kaufmannschaft Jugoflawiens im letzten Jahre schwerer von der Krise heimgesucht worden ist. Ein: ganze Reihe von Insolvenzen kaufmännischer Finnen bildet die Kriseubtta»; dheses Jahres. Neben dem stockenden Msatz trägt aber daran auch vielleicht der Umstand Schuld, daß einzelne unreelle Elenrente sich des Mittels des Ausgleiches bedienten, unr auf diese Art ihre Schulden zu verringern. Jnfolgedesten ist schon zu Jahresbeginn der Ruf nach zeitweiliger Aufhebung des Ausglerchsgesetzes laut geworden. Im Frichjahr dieses Jahres ist infolgedessen das Gesetz über den Zwangsausgleich dispensier! worden. Twtz alledem wurde doch das Mtttel des außergerichtlichen Ausgleiches stärker angewendct, um von den Kaufleuten die schlimmsten Folgen des Konkurses fernzuhalten. Die Zahl der Konkurse hat ein: starke Vermehrung erfahren. Da aber noch immer beifürchtet wurde, das eventuell auch im Konkursverfahren MiMnde erwachsen könnten, hat die Kaufmannschaft auch aus ein* Verschärfung der Konkursgesetze gedrängt. Vielleicht wäre trotzdem die Krise echeblich milder ausgc fallen, wenn nicht der Gelbmarkt gerade in der letzten Zeit eine beängstigende Anspannung erfahren hätte. Die Agrarier halten vorläufig noch tveiter mit den Verkäufen ihrer Artikel zurück. Sie verschaffen sich zum Teile ihr: Mittel im Kreditwege auf den, Geldmärkte. Dies verschärft die Geldknappheit. Dazu kommt noch die ausländische imH> inländische Kündigung der Kredite bei der Kaufmannschast, die die Jnsolvenztvelle naturgemäß verstärkt, zumal, da die Kaufleute nicht in der Lage sind, ihren Kunden die Waren für längere Zeit zu kreditieren. Trotzdem wäre es verfehlt ein ungünstiges Prognostikon für die nächste Zeit zu stellen. Das Weihnachtsgeschäft hat verhältnismäßig bestiedigt. Es wird damit gerechnet, daß in absehbarer Zeit die Agrarier doch ihre Pwdukte verkaufen und dadurch wieder das Aeschäftsleben an Lebhaftigkeit zunehmen werde. Auch der Kern der Kaufmannschaft ist gesund. Die jugoflawische Kau f- Mannschaft erfreut sich seit jeher wegen ihrer seriösen Geschäftsführung und ihrer vorsichtigen Dispomerung des besten Rufes. Die unreellen Elemente sind im letzten Jahre zum größten Teile ausgemerzt worden. Die 5kaPitalAnappl)eit dürfte in der nächsten Zeit infolge der erfolgreichen BerhaMungen des Finanzministers Dr. S t o j a d o n o w i c in Frankreich ^nd Amerika behoben wevden. Der Finanzminister erfreut sich i» diesem Staate eines großen Ansehens. Jugoflawien wurden sehr eriffte Auleiheai^ebote gemacht. So ist zu hoffen, daß in nicht allzu ferner Zeit die erfolgreiche Stabilisiernngsaktion für den Dinar günstig fortgesetzt werden dürifte. Jugoflawien ist einer der gesündesten und wirtschaftlich konsolidiertesten Staaten Südosteuropas. Es ist nicht zu zweifeln, daß es auch vielleicht als erster die Krise überwindm wird. Ausgabe des westlichen Handels und der Industrie muß es sein, ihr Jntereffe für den jugoflawischen Markt weiter zu öewahren. I JtJii i *