Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2464 (2.1.1926)
- Date
- 1926-01-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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I Polen: aS ttrowl Wien: ZumAbholen in der Expedition, U« Taborstr. 1-3, oder in elnerverschlelsstelle (Trafik) monatL b Schilling strassenvetkaul ln Wien dttreh die Kolporteure der Firma 0ol dschmied, ]., Wollzelle 11 Mit Postversand ffir Wien und Oes ttr eich monatlich o Schilling i'schecho-Stowakel: Mon. K 22. Jugoslawien: Mon.Oln.0OL Polen: Mon. 5Zloty. Deutschland: Mon. Qm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 »r. 2414 —Wiener Morgenseiiung Meeia 20 - England: Mon. 4 Schilling Italien: Monati. 18 bire krnmSnien: Mon. 170 Lei, Bulgarien-Mon.lOOLewr Schweiz und das übrig« Ausland monatlich Frcs. S Redaktion, Administration Wien, II. Taborstr. I Telephone: 44-0-38.43-3-19 Ab 6 Uhr; 21-102, 25-2-82 IX., Universitatsstrasse 6-8 (Diuckerci lg. Steinmann) Bit». Samten, 2. Aimirr 1086 Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 8. gfltann§ Las Zrak-Mavdat. (Giigendienst der. „Wiener Movgenzeitmtig".) London, Al, Dezember. Nach Halbamtlichen Andeutungen wirb der neue Vertrag Englands mrt dem Irak, der dem Unterhaus anfangs Februar vorgelegt wird, die einfache Verlängerung des bestehenden Vertrages um die Höchstfrist von 25 Jahren beve-uten, aber ohne BeMngerung der Anhänge* und ProtoLolle zum letzten Vertrag, die Englands finanziell«! und militärische Verpflichtungen enthalten. Knglandr PMver Stentrhanrbalt. London, 1. Mnne-r. Der Ausweis für die ersten neun Monate des iFinanAsahveS zeigt im Vergleich mit dem Vocha.hr eine Abnahme der britischen MaatS-- omnahmen um 4,ö Mllionen Pfund Sterling, während Aas Budget Churchills eine Zunahme von 1,6 Mllionen für das gange Jahr veranschlagt hatte. Die Ausgaben sind um mehr als 30 Millionen gestiegen, wahrend nur eine Zunahme von 4 Millionen für das ganze Jahr vorgesohen war. Die Differenz ist hauptsächlich den Zuschüssen für die Kohlenbergwerke zuzuschreiben. Der. Gefa-mtabgang der Staatsgebarung beträgt über 123 MK-- lronen Psimd gegenüber 89 Millionen Pfund im Bor- Vfr*" ■ _ Wichtioe zteanzlonserenz in Rew-Hork. New-Aork, 1. Jänner. Meuter.) Die. Konferenz, die gostem zwischen dem Schahamtsserretgr für die Repaw-: -tiorützahlungen Parker Gilbert und Stvong voü der: Federal. Bank in Now-York 'begonnen wurde, dürfte nach der Auffassung amtlicher 'Kreise wichtige. Entwicklungen auf dem Gebiete der internationalen Finanzen einleiteü. Kn Kriegshasen in SalanM. Athen, 31. Dezember. Laut Kabinettsbeschluß soll in Saloniki ein Kriegs Hasen angelegt werden. llssischlin in »eirnt. Jerusalem, 31. Dezember. Der Präsident des Direktor imn's des Jüdischen Nationalfonds, M. N. Ussischli n, ist von.seiner erfolgreichen Enropareffe zurückgekchrt. Wie der in Beirut erscheinende ,M Aolam el Israeli" ' imitteilt, wird der Präsident des Direktoriums des Nationalfonds, Herr Us fischt in, über Einladung der Beiruter Juden in der nächsten Zeit nach Beirut kommen und wichtige, den NationaffondS betreffende Bespiechungen äbhalten. UMchkin wird bei diesem Arllatz auch -mit Delegierten der Juden in verschiedenen! syrischen Städten in Verbindung treten. - Vertagung der franiöstschen Parlament». Paris, 1. Jänner. Davas.) Die K a m mt e r u n d der Senat haben in der Nachtsitzung das Bugetprovismmm endgültig votiert und sich bis zum 12. iJänner vertagt. __ krtrankung Mohtiur. (tilgendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Paris, 1. Jänner. Der Präsident des Zionistischen Aktionskomitees, Dr. Leo M o tz k i n, mußte sich wegen plötzlich e r. E r k rank u n g nach einem südfranzöstschen.Kurort begeben, wo er. einen, längeren Erholungsurlaub verbringen wird. Sein Zustand gibt zu ke in erl ei Besorgnis Anlaß. Die von ihm als Präsident der Jüdischen Welthilfskonferenz einberufene Tagung der Exekutive mußte verschoben werden. Me »nifische temmnnWche Partei. Moskau, 1. Jänner. (Telegradhettagentur der Sowsttuilion.) Der Parteitag der russischen kommun ist,- fchen Partei ist gestern beendet worden. Es wurde ein aus 63 Mitgliedern bestehendes Zentralkomitee gewählt, dem unter anderen Stalin, Rtzkoiw, DomSki, KMnin, Bucharin, Dschitscherin,' Trotzki, Kamenew, S i n o w j e w, Rakowski, Krassin und Sokolnikow angehörerr. Shtnuberlaiu über feine Unterredllng mit RnffoliNi. London, 1. Jänner. (Wolff.) Der Sonderkorrespondent des „Daily Telegraph" in Rapollo hatte eine Unterredung mit Chamberlain» der chm erklärte, die Behauptung daß ein Abrüstungsplan und andere Fragen der internationalen Politik zwischen Mussolini und chm besprochen worden seien, entbehre jeder Grundlage. Es sei ein freier freundschaftlicher Gedankenaustausch chne bestimmten Zweck gewesen. Chamberlain bezeichnte ferner die Mitteilungen der Presse über ein Komplott von Kabinettsmitgliedern gegen Baldwin als Unsinn. Er erklärte, daß er bis Ende Jänner in Rapallo zu bleiben beabsichtige, . Her rhronverzicht des Kronprinzen Gurrt. Bukarest, 1, Wnner. (OrrenEadio). Der. Verzicht des Kronprinzen Caroll auf den Thron und die Vorrechte eines Prinzen des königlichen Hauses hat in ganz Rumänien lebhafte Bewegung hervorgierusen. Der König war genötigt, diesen Verzicht anzunehmen und berief die Vertreter sämtlicher politischen Parteien zu einem Krön rat nach Sr na ja, wo er sie um ihren Beistand für die Uebertragung der Nachfvlgean den vievjWigen Prinzen Michael, den einzigen Sohn des Prinzen Carol, ersuchte. Sämtliche Vertreter der politischen Parteien versicherten den .Mnig' ihrer Uniechtützuchg: Der König Wie. auch den Patriarchen, das Oberhaupt der orchodoxeck Kirche, 'die - PräsÄ>errtenl,der Kammerdes'Senats sowie 'den- ÖbevbHehlÄhalber des! .rMänischen-d^-, berufen. Das Pärlamen t wurde für den 4. Jänner'einberufen,' um die gesetzlichen' Formalitäten ' zu - erledigen.. PrzMrzewsli über den Steiger-Proz i,. Der Ausgleich zwischen Polen und Juden. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Warschau, 34. Dezember. Der bekannte polnische Schriftsteller.Stanislaus Przybhszewski äußerte sich in einem Gespräch mit dem Vertreter des ,,Neuen Hajnt" über den Steiger-Prozeß. Er verdamme die Hetzkampagne der antisemitischen Presse geHen Steiger, die noch immer trotz seines Freispruches anMt. Er persönlich freue sich, daß Aas Gewissen der polnischen Mation einen. Widerhall in dem Verdikt der acht Geschworn'en gefunden, 'habe. Dieser Freispruch beweist, daß innerhalb der panischen Gesellschaft eine Stimmung vorherrsche, die endlich einmal der unmoralischen und verleumderischen Hetz«- kampagne der antisemitischen Presse die Spitze abbrechen, will. Bemerkenswert ist auch, daß in ein und derselben Zeit von maßgebender Stelle die polnisch-jüdische Frage einer anderen Lösung entgegengeführt wird. Der polnisch-jüdische Ausgleich sei. nicht nur vom Standpunkt der Verbesserung der Lage der Juden zu betrachten, sondern im Gegenteil, er liege vielleicht mehr i m I nteresse des Bestandes des polnischen Staates. Er sei von der Anhänglichkeit und Loyalität der jüdischen Bevölkerung gegenüber dem polnischen. Staate überzeugt. Der Zeitpunkt sei schon nahe, in dem sämtliche Hetzelemente angesichts des Verantwortungsgefühls der gesamten polnischen Nation züm Stillschweigen gezwungen werden und der Großteil der polnischen ,Oeffentlichkeit -ie faktische Durchführung des polmschi'''dischen Ausgleichs in die Hand nehmen wird. „Für Heiden. Mnselmnnen und Rden." Rom, 1. Jänner. Das durch die PäMiche Enzyklika für . den 31, Oktober jeden .Jahres angesetzte neue Kirchenfest -es „Christus König" ist gestern in St. Peter unter . Assistenz de's Papstes.erstmalig feierlich begangen worden.. Das dabei verrichtet Gebet fft dasselbe, das Leo der Dreizehnte gelegentlich der Stiftung des Hepz-Jesu4Festes vor«, geschrieben hat. Es lM jedoch eine kleine interessante Variante. Mehrend in dem ursprünglichen Gebete die Rede ist von „denen, die sich außerhalb, des C h r i st e n t n m s stellen", formuliert man heute: > „Die Heiden, die Muselmaneu und die Juden." Holstein und Hofmarschall. -y. Wren. 2. Jänner Der deutsche Beamte — das ist so die Firmatafel und der Stolz des kaiserlichen Deutschland gewesen. Er stand nur um eine Stufe tiefer in der öffentlichen Wertschätzung als der Leutnant und wurde gerne als die Verkörperung der Kantschen Lehre vom kategorischen Imperativ auch Kreisen präsentiert, denen das Wesen der Potsdamerei bis ins Herz zuwider war. Der preußische Beamte war die Verkörperung des selbstlosen Dienstes an der Allgemeinheit, die personifizierte Pflicht, die ihre persönlichen Interessen uno Empfindungen unterdrückte, wenn es der Staat, das deutsche Vaterland so gebot. In allen Romanen aus dieser Zeit fand dieser Beamte sympathischen.Unterstand: Spartanische Einfachheit, strengste Lebenshaltung, gründliche Ausbildung und Disziplin rühmte, der Schriftsteller an ihm. Er war die Monarchie, das Sinnbild von Zucht und Ordnung. Um dieses Beanttentum sammelte sich die Masse der Staatserhaltenden, die Rasse der blonden Welteroberer. Dieses Beamtentnnr war festester Besitz der Kaste, die sich um den Thron scharte und über das deutsche Volk die Vormundschaft führte. Der Beamtenstand war judenrein. Die semitische Weltanschauung wurde mit eifervollem Zorn ferngehälten, und die Republik fand auf ihrem dornenvollen Werdegang immer wieder die wütenden Vergleiche zwischen den Beamten : von: jetzt und von Ehedem. Die Iudenrepublik, wie sie ' vbw den güt deutschen Männern von Lüdendbrff - bis; ziun MüPpEunze'geschimpft wird, hat bas Bemnten- 'tunr den Orientalen' aüsgeliefert.^ Die Tatsachen, die die Affären. Barmat und Kutisker ans Licht brachten, daß sich nämlich die Korruption nicht äbzirkeln läßt, verpufften.. Die Reaktion war rasch mit der Ausrede da: die große Not der Zeit . . Aber der Schleier fällt auch von der Zeit, die diese Not noch nicht gekannt hat. Das „Berliner Tageblatt" hat vor einigen Wochen Briefe und Depeschen eines Hofmarschalls aus dem deutschen Hauptquartier vor Paris anno 1870 publiziert, die sich auf Börsenoperationen bezogen. Der Hofmarschall berichtete dem Finanzmann daheim über die. politischen .Vorgänge ^und regte Kauf oder Verkauf von Wertpapieren an. „Schicket Zigarren!" war das Stichwort. Die deutsche, . nationale Presse wüßte mit diesen. Veröffentlichungen nichts anzufangen, und zog es vor, weiter über/die Juden und das Vermögen Rathenaus zu reden. Das „Berliner Tageblatt" ist nun weiter gegangen und zieht die Handbilletts des Freiherrn.v. Holstein ans Licht, in denen er einem Bankier politische Geheimnisse mitteilt, immer mit der bestimmten Weisung, . kaufen Sie oder verkaufen Sie. Auch dieser. Hofmarschall und dieser Geheimrat gehören zu der edlen Hochzucht, die Vor : dem zersetzenden, morallosen, materialistischen Judentum zu behüten,. Lebenszweck des Ordens vom blauen Auge Wotans war und ist. . Frecher v. Holstein, aus erlesenem uckermärkischem Adelsstamm, war von Bismarck bis Bülow einer der. leiteikchen Staatsmänner im Auswärtigen Amt, lange Jahre sogar der faktische Leiter der Geschäfte. Trocken, bissig, gallig, menschenscheu, galt er als der Typus des über den Menschen und Dingen stehenden hohen Amtwalters. „Der Mann mit den Hyänenangen", wie inan ihn nannte,, war von einem fanatischen Haß gegen England erfüllt. Seine. Gewandtheit, noch mehr aber der geheime Briefwechsel mit den Gesandten und Botschaftern sicherten ihm fast unbegrenzte Macht. Sein Charakterbild als das eines verschlagenen, heimtückischen und bösartigen Menschen hat Emil Ludwig in seinem jüngsten Werk über Kaiser Wilhelm gezeichnet. Sehr lückenhaft, wie sich aus den Mitteilungen des „Berliner Tageblatt" zeigt. Was im Bereiche dsss Berliner Auswärtigen Amtes vorging, was dem Paron Holstein zu Ohren kommt — und das ist so ziemlich.alles gewesen das schreibt er brühwarm auf entern losen Zettel an den Bantier, immer mit dem I geschäftlichen Zusatz. Alles ist Geschäft und Verdienst, alles hat seinen Wert in guter Markwährung. Er spekuliert mit den Kenntnissen seiner Stellung an der Börse. Die geheinrsten Vorfälle und die noch geheimeren Umsonst geben wir ,«der Kunde Anweisung aut eine photographische Aumahme und cire> herrliehe Photos ohne Preisaufschlag hei Einkaui. unserer billigen Waren im Betrage von S30 im Warenhaus Met Schiff mann II.TaborstraBe 48 TelaaHon 47*1*1' Bndntnil