Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2463 (1.1.1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Wie Ihr Berichterstatter erfahrt, begibt sich Nr Auston Chamberlain von Italien, wo er zum Besuch seines kranken Sohnes weilt, nach Palästina, um sich über den Stand des jüdischen Aufbaues zu informieren. Nach hier eingelangten Mitteilungen werden bereits in Palästina großeBorbereitungen für seinen Empfang getroffen. Die jüdische Bevölkerung Palästinas beabsichtigt, den englischen Außenminister, der anfangs Jänner in Jerusalem eintveffen soll, feierlich zu begrüßen. Plunrer im Technikum in Haifa. Jerusalem, 31. Dezember. Der Oberkommissar Lord Plumer besuchte das hebräische Technikum in Haifa und gab bei dieser Gelegenheit seiner besonderen Zufriedenheit über dm Lchrbetrieb an dieser Hochschule Ausdruck. Er bezeichnete dar Technikum als ein mustergültiges Institut, das in der Entwicklung Palästinas eine bedeutende R ollc sp ielt. Lord Plumer ließ sich nach der Inspizierung der Anstalt im Kreise'der Schüler und Lehrer photographieren. NastMa Kemal gegen einen Krieg. London, 31. Dezember. Der Korrespondent der „W e stm r n st e r G a z e t t e" in Angora, meldet: Nach der Dienstag erfolgtm Einweihung des - milüärischen. Klubs hatte Mustapha Ke mal Pascha, nachdem aste'Fremden sich zurückgezogen hatten, eine vertrauliche Besprechung mit'seinen Generalen. In dieser Besprechung erklärte er über die Möglichkeiten eines Krieges, däßdieTürkei e s si ch nicht leisten könne, Wegen des Irak einen Krieg zu beginnen. Der Bericht des Blattes fügt hinzu. Saß die Entsendung einer britischen Mission zur Regelung des MossulprMemS mit sorgfältig ausgewählten Mitgliedern, zu denen jedoch Kolonialsekretär Amerh nicht gehören dürfe, b^rüßt werden würde. Der Außenminister Tewfik Ru sch di Bei ist hier eingetroffen. " VaniilamWcher Kongreß. Berlin, 30. Dezember. Der Jerusalemer Berichterstatter der „Bossischm Zeitung" meldet: Jb n Saud wird in den nächsten Tagen eine-Delegation nach Aegypten schicken, angeblich, um Aegypten zu dem pan islamitischen Kongreß einzuladen, der — zum soundsovielten Male — für Jänner 1926 nach Mekka einberufen wurde, um über die Zukunftdes Hedschas zu entscheiden. Bei dieser Zusammenkunft soll auch die Frage behandelt werden^, wann Aegypten wieder mit der Entsendung der Geschenke an G e t r e i de und anderen Nahrungsmitteln begannen wird, die bis vor zwei Jahren ständig nach MM gingen und einen Gesamtwert von 50.000 Pfund hatten. Hedschäs ist zu arm, um seine Einwohner ohne diese Unterstützung ernähren zu Onnen. Nun Wt aber Aegypten die Taschen zu, und die indiskrete V-eiröfsentlichung des ,Mokattam", der angesehensten Zeitung Aegyptens, über die Errichtung eines beinahe formellen Pxotektorates Englands über Ihn Saud hat ihm geschadet. Der Vertreter Jbn Sauds i» Kairo, Ibrahim rbn Mamur el Nekdi, hat zwar entrüstet protestiert und die ganze Meldung von englischem Protektorat als eine Lüge des durch Jbn Saud aus MM vertriesbtznen Königs Ali bezeichnet, aber man glaubt ihm nicht, und dar Empfang der Gesandten Jbn Sauds im Nilland wich wahrscheinlich sehr kühl sein. Jbn Sands Reformen. Paris, 31. Dezember. (Tel.-Komp.) Wie aus Beirut gemeldet wird, hat Sultan Jbn Saud nach seinem Einzüge in Djeddah das Trinken alkoholischer Getränke und das Rauchen ans den Straßen verboten. Hinsichtlich der Politischen Reformen erklärte er, er wolle nicht der Beherrscher Arabiens werden, sondern er toerde einen muselmanischen Kongreß nach Mekka einberusen, der Arabien eine Regierung und ein Parlament gelben soll. Jbn Saud betonte, daß er keinen panislamitischen Feldzug gegen irgendeine europäische Macht führen werde. stonvenrlr Friedenrverhnndlmlgen. Paris, 31. Dezember. (Wolfs.) „New-Iork Herald" meldet aus Kairo, daß die FriedensverhaMungen zwischen -e I o u v e n e l und den D r u s e n gut sortschreiten. In Beirut sind 4000 Mann französische Truppen als Verstärkung eingetroffen. Weitere 10.000 Mann werden binnen kurzem erwartet. Neue SlrabeMmpfe in Santastos. Paris, 31. Dezember. (Tel.-Komp.) Wie aus Beirut gemeldet wird, haben in 'der vergangenen Nacht Banditen von der Plattform eines Straßenbahnwagens aus das Feuer auf die Gendarmerie eröffnet. Zwei Gendarmen wurden getötet, mehrere verwundet. Infolge der Schießerei entstand eine Panik. »riand emtffttgt nicht den delegierten . _ Abd el Mm». ..... , Pavis, Ä. /TMmber! (Tel-Komp.) Das MnHGche A»ßenminlsteriunr - hat dem Mgesan-dten Ahd el. Krims, Hauptmann Govdon Eunning,, ein Äntwo-rtschreiben zu Hauptmann Gordon C u u n t n g, ein Antwortschre,iben zu- Außenminrfter B r i a n id a b g e l e h n t wird. Aus den Tag! Berlin, 30. Dezember. Das seinerzeitige Frühstück des russischen Außenministers Tschitscherin lbeim Chef 'der Reichswehr, General v. Seeckt, soll, wie in diplomatischen Kreisen behauptet wird, noch ein Nachspiel gehabt haben. Der englische Botschafter soll wegen dieses Frühstückes beim deutschen Auswärtigen Amt vorstellig geworden sein, und zwar ans Grund der beim Frühstück gehaltenen Reden. Tschitscherin soll ungefähr folgende Gedankengämge entwickelt halben: Die englische Politik sei heute nicht mehr die frühere -des Mächtegleichgewichts, vielmehr gehe die englische Politik heute einerseits darauf aus, Frankreich und Deutschland jeweils gegeneinander auszusprelen, andererseits will England durch den Londoner Vertrag die Westmächte gemeinsam gegen Rußland zusammechühren. Die deutsche Armee, habe Tschitscherin dargelegt, sei zwar klein, könne aber als solider Kern durch die M a f s e n der russischen Heere im Falle eines Krieges gegen den Westen aüsgesüllt werden. Gegen Ende des Frühstücks habe Tschitscherin fern Glas erhoben und Seeckt ironisch lächelnd zugetvunten. ,Kuf die Eventualität, v.on der wir hoffen, daß sie nicht eintreten w i r d." Von zuständiger Stelle wird der behauptete Schritt des englischen Botschafters dementiert. Me man in den Wald mit. Prag, 31. Dezembeir. Die „Rar. Politika" nimmt das jüngst vom österreichischen Nationalrat genehmigte Gesetz zum Schutze des heimischen Ar'beitsrnaEes zum Anlaß, um Repressalien von tschechischer Seite zu fordern. Das Blatt behauptet nämlich, daß dieses Gesetz sehr fühlbar die zahlreichen tschechischen Arbeiter treffen werde, die in Wien beschäftigt sind und die auf Gvuud diese« Gesetzes nunmehr allen möglichen Chikanen, ja auch Aergerem ausgesetzt sein werden. Bei uns, sagt das Blatt, sind 160.000 Ausländer in Stellung, die zum größten Teile schöne leitende Posten haben, die sie mißbrauchen. Wir dulden sie hier, obwohl sie wirklich lästige Ausländer sind. Bisher hat niemand bei uns.gegen diese ausländischen Arbeitnehmer auch nur den Finger gerührt. Wer das wird Mt so weiter gehen. Ser Sturm neuen Stephen Me. <$itt Schreiben Undermeyers. Rew-Aork, 29. Dezember. (I. T. A.) Der Präsident de? amerikanischen Keren Hajessod, Samuel Und erm eyer, sprach in einem Schreiben an Dr. W i s e die Absicht aus. allen seinen Einfluß auszuüben, damit Dr. Wise zur Zurücknah me seiner Resignation bewogen wird. Erklärungen aus Palästina. Jerusalem, 29. Dezember. (I. T. A.) Oberrabbine'., K n k äußerte, er könne zu diesem Streitfall solange nicht Stellung nehmen, als ihm nicht der genaue Inhalt der von beiden Seiten der Oeffentlichkeit übergebenen Mitteilungen bekannt geworden ist. Im allgemeinen aber könne er sagen, daß wir Juden als die Träger der Idee des reinen Monotheismus jeden Juden verdammen müssen, der einen sympathisierenden oder auch nur einen Neutralitätsstandpunkt gegenüber Jesus, den die Christenheit als eine göttliche Figur verehrt, einnimmt. Der hebräische Philosoph Dr. Joseph Klausner, der Verfasser des Buches „Das Leben Iesu", welche- Dr. Wise zum Ausgangspunkt seiner Predigt gemacht hat, die in Amerika einen solchen Sturm erregt, äußerte An keiner Stelle meines Buches ist davon die Rede, daß die Juden in Jesus e i n.e n jüdischen Lehrer sehen mögen. Ich habe geschrieben, daß in der Lehre Jesu zwei Abschnitte zu unterscheiden sind: Der eine Abschnitt ist r e i n e Ethik, ähnlich der Lehre unseres Hillel: Also ganz und gar jüdische Ethik. Der zweite Abschnitt ist ebenfalls jüdische Ethik, aber von Jesus zu einem äußersten Extrem gebracht, so daß der jüdische Nationalismus und die jüdische Religion, die beide eine Einheit bilden, durch diese Konsequenz der Vernichtung preisgegeben find. Dieser Teil der Lehre Jesu entspricht nicht dem Leben und geht auf die Vernichtung von Staat und Gesellschaft aus. Wir haben deshalb keinenGrund, in Jesu einen jüdischen Lehrer zu sehen. Unmöglich aber kann man leugnen, daß Jesu ein Kind des jüdischen Volkes ist und daß alle seine Lehren i m I u d a r s m u s ihre Wurzeln haben. Er ist nicht dafür verantwortlich zu machen, daß seine dem Heidentum entstammenden Nachfolger seine Lohre nach nichtjüdischer Richtung ausgebaut haben. Der Kanonikus der St. Georgs-Kathedrale, Dr. D a nb h, der Klausners Buch aus dem Hebräischen ins Englische übertragen hat, sagte, die Existenz von Klausners Werk beweise den Sieg des Zionismus im jüdischen Leben. In früheren Jahren hielt sich der Jude ängstlich vor jeder Erörterung der Person und der Lehre Jesu zurück, dessen Nachfolger die Existenz des Judentums vernichten wollten. Jetzt aber, da das nationale Leben der Juden erstarkt und gesichert ist, kann der Judo seine alte Waffe des Berschweigens entbehren. Der nationale Jude in Palästina ist innerlichund äußerlich freigenug, um sich in alle Phasen seiner Geschichte versenken zu dürfen, ohne daß eine Gefahr für seine neue nationale Kultur entsteht. Doktor Klausner sieht in Jesu eine hohe jüdische Figur; man wird .zugeben, daß das Judentum den ethischen Idealen Jesu nähersteht als dem Christent u m, das aus dieser Lehre hervorgegangen ist. In den Missionskreisen Palästinas wird das Werk Dr. Klausners als eine Attacke gegen das Christentum stark angefeindet. rtzronnmicht 8« rmnSnWen «rontzrdyen. Bukarest, 31. Dezember. (Orient-Radio.) Amtlich wird gemeldet: Kronprinz Karl hat in einem Schreiben an den König seinen unwiderruflichen Verzicht auf die Thronfolge und auf alle aus dieser Eigenschaft und aus seiner Eigenschaft als Mitglied der königlichen Familie erfließenden Vorrechte ausgesprochen. Der König hat diesen Verzicht angenommen und in einem heute in Schloß Pelesch abgehaltenen Rat diesen seinen Entschluß mitgetült und erklärt, daß er seinen Enkel, Prinzen Michael, zum Thronerben proklamieren werde. Umsonst geben wir teder Kunde Anweisung aut eine photogrsphigufae Auinabinc und dre» hertiiehe Photos ohne Preisabschlag bei Linkern unserer billigen Waren im Betrage vpn 530 mi Warenhaus (Schiff mann II. TaborstraSe 48 T«l«nHgn 47<*f-7 ln «ros «» Mail