Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2462 (31.12.1925)
- Date
- 1925-12-31
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Mn, Donnerstag Menen Morgemseitptts 31.. Dezember 1926 9K.Mß La« SesprSch von Rapallo. "' "' ' - y. SB 1 e it, 81. Dezenckrr.'' Der Aum gegen Stephen S. Bit*. <<; fl .H»isHen^ Muffolitzi -und..GhM-tzrL1nWtMMa- (Mo eine eineinhalbstürrdige Unterredung }taltf\efunben. t Die amtliche Mitteilung verzeichnet; Mdk wichtigsten i Zütfragen in herzlicher Werse besprochen wurden und I daß die Notwendigkeit hervortrat, die nun begonnene * Zusammenarbeit der beiden Staaten wirksam zu entwickeln, um die verschiedenen widersprecherrdm Interessen zur Stärkung des Friedens in Europa nnteinj ander m Einklang zu bringen. Aus dem diplomatischen 'Jargon in die Sprache der Bleichgesichter übersetzt, heißt dies, daß die Besprechungen einen reichen Inhalt, aber kein Resultat hatten. Die beiden Staatsmänner konstatierten, daß etwas geschehen muffe. Nach den über die Unterredung vorliegenden Konespondentc.berichten. hat sich das Gespräch aus die Rückwirkungen des tijr-, kisch-russischen Vertrages bezogen. Das ist anzunehmen.' Denn aus dieser Konvention erwachsen tatsächlich Fragen, die weder Italien noch England .sioichgültig sein können. Da aber zur gleichen Zelt mit der . Unterzeichnung des Pariser Vertrages auch verschiedene Mitteilungen über ruffisch-italienische Verhandlungen: dmchsickerten und der tückische Außenminister aus der Heimreise von Genf in Belgrad für längere Zeit Station machte und da ferner die Konferenz der kleinen, Entente wegen einer Londonjahrt des Ministers Benesch verschoben würde, so sieht man schon tiefer in das Geheimnis von Rapallo. Herr Mussolini mußte Aufklärungen geben, wie er sich ein - Zusammenarbeiten mit England vorstelle, wenn er zur selben Zeit mit Rußland und der Türkei ein Techtelmechtel an gefangen hat. Seine Marine baut sich mit, großem Eifer in Rhodus eine Flottenstätion aus. Wahrscheinlich, um dort Ackerbau zu betreiben und friedlich Polenta zu konsumieren. Der orientalische Kuchen ist präsentiert und es gibt allerlei Hoffnungen auch im Lande des Faszismf, der im Innern jede Opposition zerdrückt hat und myi glaubt, den einheitlichen Willen des Volkes zu repräsentieren. Er . hat. der nationalen Gewerk,chast das Monopos gegeben und sich in dem Batibrn, der die christlichen Arbeiter zur Verfügung stellt,' einen sicherlich/mHt zu unterschätzenden Bundesgenossen geschaffen. Daß sich diese Entente cordiale auch aus das Gebiet, der äußeren Fragen erstreckt, ist schon mehrfach zu ver- MM.gewesen.,. Me Antagonismen Italiens gegen Frankreich und England find wieder aktuell geworden. Nach Nochen hin hak sich»' Italien territorial saturiert, oHne damit jedoch seine RationÄisten bcstredigen zü mntesL -Das überschüffW Temperaments das'' bishe^ M innerm Festigung des FasziSmus verttrchrdet wer^ den konnte, sucht nach Entladung und die äußeren Aspirationen kommen da zu guter Gelegenheit. Die Geschehnisse im nahen Osten und Afrika. bieten dem Wenteuerfinn viel Anreiz. Diese Momente Verstärken sich noch durch bteDlot* Wendigkeit, die gefeffelten oppositionellen Stchinnngen wenUtens nach einer Richtung hm wirksam werden zu kaffen. Wenn! Muffölini diesen Tendenzen nachpibt, ist er freilich mn Gefangener seines obersten Ratesffowohl wie des Vatikans. Dre Kurie hat sich ihm angeschlossin, aber nicht um ihm zu folgen; sie führt ihn. Das saszfftische System konnte die Sozialdemokraten in einem Ueberraschungsfeldzug Niederschlagen. Es kann und darf aber keinen Konflikt mit der mächtigen und reichen Kirche riskieren. Es muß sich ihr fügen und ihre Bor schristeü akzeptieren. Die Kurie hat mit Frankreich noch eine alte Rechnung und sie benützt gerne die Parolen.' von Nizza und Korsika. Sie ist aber in weit schrofferem Gegensatz zu England wegen der an die Juden erteilten Balfour-Deklaration. Nicht etwa wegen derheiligen Stätten. Diese Frage ist von sehr untergeordneter Natur und wird nur hervorgeholt, um auf die sentimentalen Empfindungen der christlichen Welt einen Druck zu übm. EshandM sich um die Inden/ um die von England eingeschlagene Politik, die jüdische Heimstätte in Palästina zu bilde« und zu.sichern. Nebenher flaust noch her Groll, wegen der englisch-protestantischen Wissionskonkurrenz. Alles Motive, die . sür eine Verstärkung der Intimität zwischen Vatikan und Qumnal sprechen und die wohl auch in Rapallo erwähnt worden sind. Nattens gntereffen in Kleinasieu. London, 30. Dezember. (Tel.-Äc«rch.) In gut un-terrichteteu Kreisen wird Mitgeteilt/ daß",im Laufe' M in Rapallo zwischen Ehamberla'in und Mussolini geführten Besprechungen der italienische Mnisterpräsidem z-u'verftehengegeben hat, daßim Falle eines türkischen Angriffes ans Mofsul Italien nicht unbeteiligt bleiben könne. ' ' ' -Man zweistlt hier nicht däran,' daß Muffölini ans einem englisch-türkrschen Kouflakt Nutzen ziehen wüvde.'um die Ziele «Ftalieus in Kleinasien zu versöhn. Arystzr Borbereitmgeo«ulder MoMsreaze. London, 30. DezemLok (Tel.-Komp.)'Mch einer Meldung des ,/Lxchange Telegraph' aus Bagdad finden a n de r Mo sfu lg r e n zs beträchtliche türkffr^TruPPemver-schiebürlgen statt. . . In Djavbekir ist neuerlich eine .tückische DelegÄion e'mgetröffN ' M‘ Lipstd md Mhll» Amur gegen die ttutilfe. i K. Zj-jembir. G«L ».) R«n» M°r Stephen S. W i s'r hat der Exekutive der Zionistischen Oväanisation Amerikas mitgeteilt, daß er seine Wrde <ÜS Präsident der Bereinigten Palästinakampagne infolge der gegen . hn gerichteten Angriffeder Union orthodoxer Rabbiner Micherlegt. Der Präsident der Zionistischeu Organisation Amerikas, Louis Lipsky, teilte der Presse mit, daß die Exekutive der Organisation Keineswegs Dr.!Wise zur Resignation ausgefordert hat und daß sich die nächste Sitzung der Exekutive mit dem Schritt Dr. Wises beschästigenwivdl ' ' Inzwischen hat die Exekutive der Misrachiorgav i fation, dem Beispiel der Union orthodoxer Rabbiner Ägend, eine Resolution angenommen, in welcher der Rück-! M Wises gestöbert wird. Der bekannte Philllnthröp" " Mr. Nathan Straus zar sich aa ltz .aus die Seite Dr. Wises gestellt, und Märt, er elber stifte ' '‘ ‘ ‘1 16Ü.W Dollar für die PMstinakampague als Zeichen des Vertrauens für Dr. Wise. Mr^ Straus ersuchte auch Dr. Wise» sich dem konservativen Diktat nicht zu beugen und seine Würde zu behalten. - Der Resignationsbrief des Dr. Wise lauter im weltlichen.' wünsche es nicht, daß mein Rücktritt so aufge- . saßt, wird, als ob ich dem Mißtrauensvotum der A g udas Harabonim gegen mich irgendwie recht Men würde. Ich mutz es sehr bedauern, daß Rabbiner zu .einem solch nichtjüdischen Mittel greifen und, ohne mich oder Gehörzeugen zu vernehmen, aus Grund von Gerüchten ein Verbammungsurteil gefällt haben. Ich hätte ge^ glaubt, daß mein Zyjähnger Dienst für das Judentum mich vor einer Attacke bewahren würde, wie sie gewisse Zeitungen gegen mich ins Werk gesetzt haben. Obwohl ich überzeugt bin, daß töß große Mehrheit der Juden Amerikas an meiner Loyalität zum Juden- ' tum und zum Zionismus nicht zweifelt, wünsche ich nicht, daß der zionistischen Sache durch meine Person irgend welcher Nachteil, geschieht. Ich trete deshalb zurück, werde aber auch weitechrn der Sache, der ich mich gewidmet habe, dienen." . In -dep -v,s.feMli chen< Er.klärnpg. -Louis L-rP s k y s heißt es unter anderem: Dr. Wise, einer der.angesehensten Rabbiner in: Lande und einer der Men ZÄ« nisten, ist ganz und-gar nicht verstanden lvorbep, ihm nichts teurer als Judentum und Zionismus. Me die I. T. A. erfährt, wird sich die Zionistische Exekutive in den nächsten Tagen mit d'er Angelegenheit beschäftigen; es steht noch nicht fest, ob Dr. Wises Resignaüou zur AWutuis genommen werden wirb. Die Poale»Aiosipe« fordern, daß die Organisation, die sich in die religwsm Ansichten ihrer Mitglieder nicht hineinzumischen habe, Dr. Wise zu m B l e ib e n a uffo -r d e r t. Der M iL ra chi wünscht die Annahme der Resignalion. Auch einige allgemeine Zionisten .geben der Befürchtung Ausdruck, daß die Palästiua» kanrpagne durch die Gegnerschaft der Orthodoxen leiden könnte. Andere wilder meinen, die Exekutive dürfe durch ein Nachgeben gegenüber den ultra-orthodoxen Elementen kein Präjudiz schaffen. Die Diskussion in der Qeffentlichkeit halt an. Der Räbb'merrat in Kalifornien und mehrere Reformrabbiner in verschiedenen Teilen des Landes haben sich auf die Seite von Dr. Wist gestellt. Die Union der orthodoxen Rabbiner Amerikas äußert sich auf die Bemerkung von Dr. Wise, daß er persönlich nicht gehört worden sei, dahin, die Union der Rabbiner war nicht in der Lage, mit Di. Wise persönlich Fühlung zu nehmen, nachdem Dr. Wist wiÄerholtdie LehreFe s u znm Gegenstand seiner Predigten gemacht hat. Der amerikanische jüwisch-chv-stKche Frevnd* schastsbunL. Detroit, 26. Dezember. (I. T. A.) Das Komitee für Freundschaft zwischen Juden nur» Chrfften hielt im Tempel „Beth El" zu Detroit eine Zusammenkunst ab, an.der 12 Bischöfe, 6 Hochschuldircktoreu sowie zahlreiche GeWche und Rabbiner teilnahmen. Referate hielten Rabbi Dr. Leo M. Franklin, Mr. Milford Stern im Ramm der Kongregation „Bech El", ferner der Präsident des Freundschaftsbundes Rev. John W. Her ring, EpiSkyPaMschos Hermann D. Page aus Michigan urP Rev. Reinhold. N i ob uhr ans Detroit. In seinem Reserat führte Rabbi Frarcklm aus, Voraussetzung für gegenstitige Achtung zwischen Juden und Christen in Amerika sind: 1.) die protestantische Kirche in Amerika muffe öffentlich gegen den unchristlichen und unamerikanischen Bund Ku-Klux-Klan Vorgehen» 2.) alle Versuche zur Judeubekehrung müst! sen äufhöreu; 3.) die Erzählung von der Kreuzi- . guntz Jesu darf in den christlichen Schulen den Kindem .'i nM so hergebracht werben, als ob die Juden die Schuldigen waren. Versäumen Sie nicht (hr Qezugsracht nuf unaiar Blatt rechtzeitig zu erneuern! Sie ZMemuerhaMimgm Ver Sntftn »escheUeü. Mederanfieben -er Feinvstligkeiten. (Eigendiesist der „Wener Morgeiyerttlnzg".) Konsiantinüpel, 30. Dezember. Der sraüMsche Obevkommiffar Jouve nel hat die Frisdensbedmgungen der ' Drüsen'abgelchnt, da diese seiner Ansicht nach keine geeignete Basis für weitere.Verhandlungen ibil-den. Daraufhin hat die drusische Friedensdrlegation DamaSku's wieder veÄaffen. Einige Stunden später sind die kriegerischen HaMungeu an der Front wieder «ufgenommen worden. FnmkM in Slmoklo. Paris, 30.- Dezember. ^Tel,?Kom>p.) MnMchräfiöent Briand. gab Mte in der Kammer, gelegentlich einer Jnterpellvtion des kommMWschen Deputierten E-.ch.in Erklärungen ürber. die französische Politik in Marokko und über die Mission des von Abd Ä Krim nach Paris gesandten Untechändlers Cu n n i n g ab. Die.zwischen Spanien und Frankreich vereinbarten Friedsnsbedingungen seien, so führte Briand aus, Abd el Krün zur Kenntnis gchracht worden. Anstatt aber Verhandlungen ernzuleiten, habe der 'KaWensührer zu orientalischen Listen seine Zuflucht genommen und solche Abgesandte mil den Verhandlungen betraut, die jeder verbindlichen- ^äüSw«chen. WerchFeitig aber halbe er . nicht nur die Stämme des Rif aufgeiwiegelt, sondern seine Propaganda auch aus Al.gi er und Sy r ien ausgedehnt, wahrend Cnnning als Friodenstaube mit dem Oelzweig im Schnabel nach Frankreich kam. Zurzeit stelhen die französischen Truppen in MarM nicht mehr in Fühlung mit ta Feinde, sondern marMrnische Stämme vevsthen die Grenzpolizei. Abd ei Krim sei also nicht mehr'wie m vergangenen Juli berechtigt, im Namen aller Stämme zu verhandeln. Bei Han>ptmanu Cumting beftchä die MöFlrchkeit, daß er für gewisse englische Geschafts'lente interveniere. Uebrigens habe er zwei Briefe mitgebrocht. In dem einen ersucht Abd el Krim um Bekaüütgabe'd«^ l FrredensW-HnDn^ die chm ja bereits helanWWs wurden. In .dem . anderen Schreiben legt er Me Forderuugeu dar.' Abd el Krim verlange Tetuau alr Hauptstadt und die Uebergaibe der Straßen nach Fes und AWer. Auf solcher Grundlage Nnue Frankreich nicht verhandeln. Aus . diesem.Grunde sei Hemptmann Cunmng bereits bei feiner Landung in Marseille aufgesv-rdevt worden, nicht nach Paris zu kommen. Er habe dies dennoch getan und einen Presseseldzug gegen Frankreich eröffnet. Der Friede wird, schloß der Mmsterpraschent, M den einzelnen Stämmen in Marokko ohne SW el KviM geschloffe« werden. KriegSm'mister Pa in lebe führte aus, fa Marokko, herrsche gegenwärtig vollkoMMNe Sicherheit. Ich werde, sagte der Minister. Line Gelegenheit verabsäumen, um Frieden zu machen, aber einzig und allein auf der Grundlage von Verhandlungen mit Persönlichkeiten, die dazu berufen sind und ernstlich den Frieden wünschen. Dre Kammer hat, nachdem WnisterpröMnt Briantz nochmals das Wort ergriffen hatte, den Entwurf betreffend' die Erhöhung von Krediten auf Rechnung des BudgetjahreLf 1925 angenommen. Darunter befindet sich insbesondere ein Kredit rm Betrage von 440 Millionen für Ee Ausgaben Ä Marokko., ttngfitn ««b abefilten. Budapest, 30. Dezember. HaWaMlch wird gemeldet: In einzelnen ausländischen Zeitungen sind auch von einem Tedl der Budapester Preffe übernommene Nachrichten erschienen, daß die Großmächte mit Rücksicht auf angebliche geheime Rüstungen eine Note an die ungarische Regierung gerichtet und die Einstellung der MstUMn derlangt hatten. An . zuständiger Stelle wird seistgestellt, daß die Nachricht in dieser Form denr wiMche« Tatbestand überhaupt nicht entspricht. In WiMchM handelt es sich bloß darum, daß die Botschafterkonserenz vor einigen Lagen gleichwie anderen Negierungen auch der UMrischen Regierung die Wünsche Letaimtgab, nach deren ErMung das gegenwärtige Regbme der Mitärßschen Kontrolle abgeschafft werden wird. Diese 'halbamtliche Auslassung bestätigt aHo das, toas, sie'dementieren sollte. Die Wünsche der Blffchapeckonferentz' beziehen sich My.auf die geheimen Rüstungen. , . Sitzms der LandeskommWou de» Nerm Mmeth. Die diesMonatige Sitzung der LandeSkommisfton des KE Kajemech findet Montag den L Jänner 1926, hall 8 Uhr abenvt, in nnstrem Bureau, 1. Bez., Kärntmrstraße 26, statt. HHeSordnWr.^A, Gericht. 2. ZWtmW. Z. WichstN' lrevung. i AWMWWK