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Wiener Morgenzeitung · 1925-12-24 · Heft 2457 (24.12.1925) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2457 (24.12.1925)
Date
1925-12-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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I I»——I■— Wien. 4umApbolenind«r lÄpe^rtion» ILTaborstr'. 1-S,, oder to ein« VeischUässtelle CTrafilc) monatl. i> Schilling Strassenverkani in Wien durch; die' Kolporteure dei Finna3 G oTd schmied, l„ Wöllzeile 11 Mit Postvcrsatid für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling t schecho-Slowakel: Mon. K22. Jugoslawien: Mon. Din. 60. Polen: Mon. 5Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4. Frankteich, Belgien: Moh. Frcs. 18 >»ctulr»tuyva«» riet fr* «teer bSboB««a vorbebalica lener IFreis 20 a Engl a n d: Mon. 4Schilling. Italien: Monatl. 18 Lire: Ru mäni en: Mon. 170 Lei. Bulgarien MomlOOLewa. Schweiz und das übrige) Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration Wien,lLTabor$ir.l Telephone: 44-0-38.43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (D ackere! lg. Steinmann) Oesterreictiisches Postsparkä sen-Konto Nr, 150.693 m »r. 2457 Me». Lonuersiag. 24. Sejenber 1921 7. Zabrgang Marsovszty und tzenoffe«. Budapest, 23. Dezember. Der Chef der. in ZLmsterbötit verhafteten rassenschützlerischen Banknotenfälscher, Georg M-arsovszki, war bis in die letzte Zeit unter anderem auch der politische Bevichterstatter des P-ogromrsteublattes ,-Szozat". Das Blatt schreibt nun über seinen vornehmen Mitarbeiter: . „Wir haben Georg M a r s o v s z k r stets als einen einwandfreien, korrekten Gentleman gelaunt, der sich auch als Sekretär der Partei der Rassenschühier tadellos benommen hat. Er hatte wohl immer r o m a n t i s ch c N e i g u n g e n. Wir konnten aber uretnals von ihm annehmen, daß er aus niedrigen Motiven ein Verbrechen begehen könnte. Georg Mvrsovszki war immer der Typus einer selbstlosen, für ■ seine Grundsätze mit uuerschiitterlicher Ehrenhaftigkeit kämpfenden ungarischen Herrennatur. Selbst Ivenn er von phantastischen Pläneschntiedern eingefangen worden ist, so steht es für uns attßer Zweifel, daß er durch Vorspiegelung höherer Ziele irregeführt worden ist." In dieser Charakteristik des rassenschützlerischen Verbrechens liegt offenbar der Hiitlveis auf die Richtung, in der sich die Untersuchung in Budapest bewegt uild wo sie schließlich im Sande verlaufen soll. Die- Budapester Jüstrzmoral kennt ja bereits solche ' Präzedenzfalle in. großer Acchl. Zu Dutzendey sind seit, dem Horthy- Regirne übersührte räfsenschützlerische M a s s e n m o r d e r. amnestiert worden, weil sie „in begreiflicher patriotischer Aufwallung" gehandelt haben. Warum sollen die rassenschützlerischen Banknotensälscher, die sich die Mttel zur Erreichung „höherer Ziele", etwa zur Ermordung von unbequemen Politikern, zur Nevolutionierung. der abgctrennten Gebiete auf die leichteste Art beschaffen wollten, aushören „einwandfreie, korrekte magyarische Gentlemens" zu sein? Die Fälschungen in Budapest hevgestellt. Budapest, 23. Dezember. Wie mehrere Blätter melden, hat die Oberstadthautzttnännschaft gestern eine Zuschrift der Haager Polizei erhellten, worin über die Verhaftung der ungarischen Frankenfälscher ausführlich berichtet wird. Darnach hätten die Verhafteten eingestanden, daß sie tatsächlich nach' dem Haag gekommen wären, um gefälschte Täusend-Franken-Noten in Verkehr zu bringen, daß die Fälschungen ' ' in Budapest hergestellt worden seien, und daß die Fälscher die Tat n i ch t,a u s tu a t e riellen 'Gründen begangen haben, smtdern ' daß sie sich hiebei v o n f a s z i st i s ch e n Z i e l e n haben letten lasset: und daß, schließlich in die Angelegenheit noch; ntehrere hervorragende Budäpester P e r s.ö n l i ch k eiten verwickelt seien,' /deren Namen jetzoch n.ich t genanit-t werden. Die Budapester, Polizei wird ersucht, eingehende Nachforschungen ' einzuleiten und die .Haager'Polizei von'deren Ergehnis zu verständigen. „Szozat" meldet, das;' die Rasscnschützlergruppe gegen die Blätter „Esti Kurir" und „Pesti Naplo" einen Pretzprozctz angestrengt .habe, weil diese über die NngelLgenheit iu' einer - .Weise berichtet haben, als ob zwi schen der Partei * und den Bankn otenfälsch ew eine Verbind u n g bestünde.. , ‘ Wie die drei verhaftet wurden. Budapest, 23. Dezvinber. Die Abendblätter vewffemrichen Mch Polizeiiberichten aus.dem Haag weitere Einzel-, horten über die Verhaftung der dovi ' ungarischen fasz-isti'schen Banknotensälscher in Amsterdckn. '-Mnach 'erschien der -Wscher' Georg v. Marsöd sz k y.' der frühere Sekretär des' rassenschützlerischen Abgeordneten -GAnbös, Ln einer Haager Groß-' bank und wollte-- einen TmtsenfranDschoin i>n hMni.' diischel Gülden - umiwechssln. - Der3' Kassier hielt vochchks- BalllluteMschung „fSr liiere girle". (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) halber die Note gegen das L>icht und 'konstatierte das Fehlem des Wasserze-ichens< Er ries 'Unauffällig hie Pfizer hevkei und ließ MavsovW -fsstnehmeni. Bei der Leibesvisitation, .die sofort erfolgte, zeigte es sich, daß der vorne-hme Ungar präparierte Schuhe mit Doppelsohlerr archatte, -iu denen 10 Stück gefälschte Tausendfrankennoten versteckt Ivaren. - Die Polizei begab sich nunmehr -in.das Hotel, in dom Marsovszky und seine beiden / Freunde aibgestiegen waren, und nahnt in den Zimmern der drei adeligen Ungarn e i n-r Ha u sdu rch s-u chu.ng vor. Diese hatte ein überraschendes Ergebnis. Man fand in'den Koffern der drei Herren nicht, weniger als 10.000 Stück falsche freut* zösische Tausenfrankennoten, insgesamt also 10 Millionen Franken in falschen Noten, vor, woraus auch Jankovich und Mankovi ch verhaftet wurden./ Die Oberstadithauptmanuschaft ließ heute in den Budahester Wohnungen der drei BerhäMen, Hans du r ch-, s ü ch u n g e n vornehmen. Die Untepsuchup^ wivd dadnrch erschwert, daß die Haager Polizei kein - einziges Exemplar der' von' MarsovsZch Und Genossen in Pevkehr gesetzten Fälsiftkate'nafch Bu'dqpest übersa ndt hat. - ' 7 . M Iesen. MapiA 1 Wteilurtg/ der Ob^rstadthaMumMschaft - ubergab heute dev verhafteten Ministerialrat M a r i ch mch. dessen Ge^- nossen -der 'KvtminalabWutrg der. .Obevstadthauptmanhschaft, die.über das weitere SWsalWr-Verhafteten entscheiden wird. Die KrvminalabteilungWrd. vor allem dck Tatbestand festfMen, vb der JnfovMtionsdiens^^ den Marich für die Wiener kommunistische^^ 'Partei geliefert/^häL, -als Au'sspähu n g oder ‘ als Geheim>bündelei qualifiziert Mvden muß. Ter diesbezügliche Beschluß der Kriminalaibtetlung dürfte lmorgen. veräftentlicht. werden. , Die mit Marich.verhaftete Frau Jda Kulczar ist eine Verwandte der Frau des Polizeipräsidenten- S ch -o b e r. Dse Wiener PolizeidirektÄn erklärt,, daß Frau Jda Ku lczar gleichwie ihr Gatte Leopold Kulczar der komm-irnistischen Partei Qeisterreichs angehört haben, aber schon vox längerer Zeit'aus dieser Partei äus'getret e u s i u dünd alle Beziehungen zu ihr abgöbrochen haben. Ämierly bekommt Urlmb. Budapest, 23. Tqembei. ^!!el.-Ko>nP-.) We „Magyarochag" erfährt, hat der Minrsterrat in feinec gestrigen Sitzung Edmund v. B e n i c z k y nicht die allgemein erwartete Amnestie, sonderü nur einen s e ch s m o n a t i g e n Urlaub bewilligt. Diese Maßnahme erfolgte gemäß dem Aütrage des Verteidigers, der um die söfortige Freilassüng Beniczkys mit Rücksicht auf seinen schwer erschütterten Gesundheitszustand angesuchL hatte. ' FMWfe str die FM« i« Polen. New-Iork, 20. Dezember. (I. T. A.) Das Goint Committee hat telegraphisch 160.000 Dollar zur HiHele-istnng an in Not gekommene Inden in Polen übevwiesen. . . , , : Per Man der Mmanem. . Riga, 22; Dezember. Dis Regierungen dep Republiken L e t 1 l a u d und E st l a n d haben ein Uebereintommen unterzeichnet, durch welches die Einreiseals auch die ^Durchreisevisa . für die beiderseitigen Staatsbürger aufgehoben werden. . Arbeitertvmulte in Japan. 100 Personen getötet oder verwundet. Totio, 22. Dezember. (Reuter.) Im Verlauf eines zwischen Arbeiter n> zw e i e % mit einander ko nk u rrierenden. Fabriken in Tsnmüri' entstandenen- Kampfes wurden etwa 100 Pctf onen getötet oder v e r w u u d e i. Die^ Polizei nahm 600 Bevhaftuugen vor. Der neue Pariser Vertrag. .- y. W! e v. 24. Dezember. Am 16. Dezember hat der Rat. des Völkerbundes sejne Entscheidung über die Zuweisung des strittigen Bezirkes des Mossulgebietes an den unter englisches Mandat gestellten Irak verkündet. Am solgenden Tag. erfolgte in Paris die Unterzeichnung des türkischrüssischen Vertrages, der sich Neutralitätsabkommen nennt. Das türkische Regierungsorgan bezeichnet ihn im'Gegensatz zu jeder Ausfassung von Neutralität olls die Antwort auf Mojsul und als Folge des Sicherheitspgktes zwischen den Weststaaten. Das bestätigt wieder' eistmal die Ansicht, daß die in. Europa betriebene Aslianzpolitik immer. einen Rückschritt. bedeutet. Sie zwingt, die sich betrofseil. fühlenden Kabinette automaüfih zu Gtzgenzügen und /trotz Locarno, trotz,'.aller feierlicheü .Versicherungen.,. strebt - der Kontinent / wieder . zu Ä' gefährlichen. Theorw^won--^m-;Msichgewicht"^ der KMe, < der. - poMchG / wle'derchMtWchen,,.zmüch' Keine der trüben Erfahrungen, die die Geschichte der letzten zehn Jahre in so reichetn Maße gebracht 'hat,' findet Gnade vor den Augen der Diplomatie, die nichts gelernt und alles vergessen hat; Das türkisch-russische Abkommen ist selbstverständlich nicht über Nacht entstanden und es ist auch keine ' unmittelbare. Antwort auf Mossul. Es war, wie dies..' in der Natur der Sache liegt, schon lange vorbereitet und'wer Sinn für Humor hat, mag sich an die Erklärungen erinnern, in, denen Angora und Moskau durch ihre Minister Stein und Bein schwörenließen, die Erzählungen von den geheimen Verhandlungen seien nur phantastische Erfindungen. Unter-den ersten, dit nach Locarno in London, Paris und Berlin Glück wünschten, besand sich die Türkei, die somit in allem und jedem ihre Bekanntschaft mit den internationalen Gebräuchen kundgibt. Es ist Sitte, die rechte Hand zu . schütteln und die linke am Messer zu halten. Und was Mofsul anbelangt, so ist es doch historische Tatsache, daß die Türkei ebenso wie England vorher erklärt hatten, die Entscheidung des Völkerbundrates willig anzunehmen: Ohne diese Zustimmung wäre es doch gar nicht - zu der Verhandlung in Genf gekommen. Der Pariser Vertrag, das Gegenstück zu dem Londoner Dokument über Locarno, schasst wohl keine neue Situation, da er in seinen Prodromalstadien schon früher Wannt war. Aber er ist wieder ein Beitrag zu dem Bild von der entsetzlichen Verwahrlosung, in der alles Mühen um ein neues Recht zerschellt. Die Türkei ist ein Mitglied des Völkerbundes. Sie schließt noch während ihrer Diskussion mit einem änderen Völkerbandstaat ein sogenanntes Neutralitätsabkommen nnt Heiner Regierung, die alle Tage zweimal den Völkerbund anspuckt und jeder Friedensschwärmerei die Verachtung bezeugt. Welchen Wert haben die Institutionen von der Art des Völkerbundes, wenn sie so behandelt werden. Verträge sind tatsächlich nur Fetzen Papier, die vor der Machtfrage zerstieben! Man kann natürlich auch den Wert von Verträgen anzweifeln, die von solchen Bekennew des Friedens abgeschlossen werden. Der sacro egoismo ist der Herr der Welt geworden und man muß sich nicht darüber wundern, daß Angam jetzt ein wundersames Spiel mit der Völkerbundidee aufführt, um seinen Nihilismus, seinen Bruch des Friedensvertrages nicht beeinträchtigen zu lassen. Man darf sich auch nicht darüber wundern, daß unter solchen' Auspizien die -neue Heilslehre vom Faszismus, die doch -nur die verkleidete Theorie vom .eder Kunde Anweisung aut eine photographische 4ümahme> und dre< herrliche Photos ohne Preisaufschlag bei (Einkauf unserer billigen Waren im Betrage von 830 uh Warenhaus II. Taborstraße 48 En gros En detail 13451786

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