Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2444 (11.12.1925)
- Date
- 1925-12-11
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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tftettöfe Veite fr Kunst, Biihne, Buch. „8Ea.' ryademietheater. Wer im Vorjahre das DMt des Herrn Loh »er am Burgcheater vorbehaltlos begrüßte, hatte gestern seine Freude an chm. Diesmal hat er uns nicht im Stich gelassen. Eine Gestalt Bernard Shaws, die liebenswerteste, dichterisch wertvollste, spielt er einfach wundervoll. Sein heißer Ueberischwang, seine jugendliche Unbekümmertheit, sein tapferes Wesen, das ihm aufträgt, sich voraussetzungslos der Rolle hin-zugoben, die ihm anvertrant ist (ohne Rücksicht daraus, ob er auch immer „künstlerisches Gleichmaß" wahrt) und nicht zuletzt die sieghafte Anmut des Jünglings brachte ihm und denen, tvelche die Entwicklung seines Talentes verfolgen, den Llbend der Erfüllung. Man setzt jetzt dem Burgcheater arg zu, zeigt deutlich das Gliche Bestreben, den Abstieg, der nicht allein vom Burgcheater, sondern von der Zeit verschuldet ist, in der es bestehen muß, Kl schleunigen. Es ist deshalb Pflicht, eine so ausgezeichnete, stimmungsvolle Vorstellung, wie diese, doppelt und dreifach gutzubringen. Frau Wohlgemuths „Candida", und die unvergleichliche Tippmamsell der Frau Albach-Retty, die außerordentlich geblieben find, wie sie es früher waren, der Pastor des .Herrn Marr, knorriger, weniger salbungsvoll und „großartig", also dem Shawschen Original näherkommelld, als der seines Vorgängers (Paulsen),' der gutartig ordinäre Plusmachrr des Herrn Mayerhofer (Forest war allerdings charakteristischer), der Pfarrgchilse des Herrn Schm-idt — ein ungewöhnlich starkes ' Ensemble, wie es sich auch in normalen Zeitläuften nur selten zusammensand. O. A. B«b der Lpernfreande i» Lel-Aviv. Aus Jerusalem wird uns berichtet: In Tel-Awiw wurde nach dem Muster des Metropolitan Opera Club" in New- Hork, dem die Schaffung des größten Operntheaters der Welt zu danken ist, ein Klub der Opernfteunde gegründet. Der Klub hat sich die Ausgabe gestellt, die Entwicklung der hebräischen Oper mit allen Mitteln zu fördern und die Errichtung eines modernen Operntheaters zu beschleunigen. Der Klub der Opernsreunde will auch ein Symphonieorchester und ein Opernstudio unter der Leitung der hervorragendsten Fachleute, die zu erreichen sind, gründen. Die Statuten des Klubs sind bereits der Regierung zur Genehmigung unterbreitet worden. A«s de» Aeater». B u r g t b r a t e r. Morgen. V-8 Uhr abeudS. jttot lssten Male, .Major B a r b a r a\ Komödie von Lernard Shaw, deutsch von Siegfried Trebitsch. A k a d e m ' e r b e'a rer Morgen, %S Ubr abends, „D i e Welt, in der man sich langweilt". Operntheater Morgen, ^bLhrabends, „A ri ad «e au f N a x os". V o l k s o p e r. Heute, %8 Uhr abends, gastiert Trojan Groiavescu als Canio in ,Der Bajazzo". Morgen „D ieIüdin" m>t den Gauen Rena Pftffer-Laxrmd Michael Prawdzic. Raimund-Theater. Nächsten Donnerstag gelangt das Lustiviel „Dre Z w i l l in g s s ch w e st e r" von F»ld a mit Leopotdme K o n st a n t i n und Ja ob F e l d h a m m m e r in den Haupttollen zur ersten Aufführung. Deutiches Volksrbeater. Heut^ 7 Uhr abends, zum ersten Ma e, „D t e Stützen der Gesellschaft" von Z b s e n mit Albert Bassermaun uud Hansi N i e s e. v t x blaue Vogel" wiederholt die Jugendvorstellung Sonntag um 3 Ubr nachmittags. Tbeater in der Josefftadt. Heute gelangt Galsworth ys Schauspiel „Gesellschaft" zur 125. Zluffttkrug. Neues Wiener Stadttheater (Exl- B ü h n e). Heute, zum ersten Male, „D a s K « ck u ck s « e st" von Heinrich H a g t n. Als nächste Novität gelangt das Bottsstück „D e r Z a h l t a g" von Ftttz G o! d n a g I zur Anf- : führung. L u ft s p i e l t h e a 1 er. Sonntag, lUi Uhr nachmittaas suoi ersten Male, „Ali Baba, und die vierzig Räuber". N e n a i s s a n c e b n b «e. Sonntag. 7*4 Uhr nachmittags, zum ersten Male, „Rübezahl". Johann- Strauß-Theater. Gormtag nachmittags „D e r O b e r st e i g e r". Das Rouacher-Operettentheater wird am 23. 'S. mit der Operette „Das Spiel um die Lie-e" von Schanzer und Mlisch, Must! von Jean Gilbert unter der Leitung des Direktors Miksa Preger eröffnet. Für riese Operette wurden die Damen Louise Ka r t o u -sch, Cordy M i!low it s ch, Gusti Mach a und die Herren Fritz Werner, Eric Will, OAar Karlweis, fEmil Guttmann, Artur Guttmann, Paul Kronegg, Karl M atu na nsw gewonnen. Ein Kind des Wiener Bmgtheaters. Am 8. d. ist Emilie Kob er wein im 81. Lebensjahre verschieden. Sie entstammte der berühmten Schauspielerjamilie Koberwein und war bie letzte, die diesen Namen trug. Ihr Vater, der namhafte Maler Georg Koberwein, war der Gatte von Auguste Anschütz, der berühmten Tochter des noch berühmteren Heinrich Anschütz, und ihr Großvater der oerübmte Hofschruipieler Joses Koberwein, der vom 1. Februar 1796 bis' znm Jahre 1847 dem Burgcheater anachöcte. Einer der bekanntesten Theaterleiter des 18. Jahr- Hunderts, der markgräfliche Hcsschauspieidirektor Simon Friedrich Koberwein, ferner der bekannte Schauspieler Franz Buna und Elffr Fichtner und der unvergeßliche Karl Fichtner gehörten ihrer Familie an. Emilie Koberwein, die unvermählt starb, wendete ihre game Liebe dem Buratheater zu und hat über ihre Erinnerungen ein Buch geschrieben, „Das Theatemnd", das viel anekdoti'ches, rum Teile lelbst erlebtes Material zusammenträgt. Mt Emme Koberwein erlischt der Name, der in der Theatergrschichte eine ungemein große Rolle gespielt hat. Empfang im .Küustlerhaus. Samstag den 12. d. findet in den Räiimen der Herbstausstellung des Künstlerhauses ein' .Empfang statt, wobei Tanze der Tanzgruppe Kratina ver Schule Hellerau (Laxenburg).zür Vorführung gelangen. Me Tanz- ,;-rrirnfftonen dauern von 5 bis 10 Uhr abews.; . Pros. Bode 86 Jahre alt. Der 80. Geburtstag Pros. Wilhelm tz. Lobes wird auch außerhalb Deutschlands Veranlassung zu Äner Würdiaung des LchenKwerkes dieses großen Forschers ~ gpiewty gyrofffgttUfmmn _ geben. Es bleibt BodeS' unbestreitbares Betdienst, als erster Gelchrter m Deutschland die großen künstlerischen Strömungen der Jahrhunoecte zusammengefaßt und von, der hiltureUen Seite durchforscht zu haben. Nicht minder groß ist Bades Bedeutung als Goethe-Forscher. Als aucrlannte Autorität aus dem Gebiete des Museumivesens hat Prof. Bode die ehemals kaiserliche Galerie in Berlin umgestaltet und ist dadurch zum Anreger für den Ausbau anderer großer Sammlungen geworden. Trotz seiner Beschäftigung mit der alten Kunst und mit musealen Gegenständen besitz: Bode ein intimes Verhältnis für die Moderne, wofür übrigens sein freundschaftliches Verhältnis zu Max Liebermann das beste Jenanis abgibt. Italienischer Meisterabend. Im letzten populäre» Konzert des Wiener Tonkünstlerorchesters, das Sonntag abends im Großen Mnsiwereinssaal unter der vortrefflichen Leitung Prof. Anton K o n r a t'hs stattfand, zeichnete sich u. a. Pros. Pollai durch den seelenvollen Vortrag des A-Moll-Konzcrtes von Viotti aus. Rosa Rosen und Ernst Krasso holten sich mit den: großen Duett ans „Ada" reichen Verfall. Verde Sänger verfügen über dramatisch wohlklingende, schöne Stimmen und guten Vortrag. I. G. Jüdische Nachrichten aus der Ukraine. Der ukrainische Staatsbücherverlag in Charkow hat soeben seinen Arbeitsplan für die Saison 19K-26 veröffentlicht. Danach sollen in dieser Zeit Mischliterarische Arbeiten im Ausmaße von etwa 900 Druckbogen herausgegeben werden, und zwar M Bogen politische mW 200 künstlerische Literatur, 150 Lehrbücher. 250 Jugendschristen u. a. Das Hauptbureau hat diesen Arbeitsplan bereits genehmigt und eine Kommission mit der Ausarbeitung eines konkreten Planes betraut. Radiovroaramm. Heute Freitag den 11. Dezember. 16 Uhr 10 Min.: Nachmütags-- konzett Milwirkrnd : Konzuttängerin Edith van Aust Aus der Glanz est der Wiener Operette — 18 Ubr 25 Min. r Weihnachtsbücher für die Jugend. Bürgerichul nsve tor Kail Hö'tl. 19 Uhr: (Urberttagvng aus dem großen KonzerthauSsaale.) Mffa Solenmir von Beethoven. Dtttgent r Paul v Klenau. Solisten: Lotte Leonard, Emilie Ratkchka, Hermann Gallo , Richard Mayr, Georcr Baller. Die Wiener Singakademie. Das Wiener Symph nieorchester. — Nach Schluß der Abendvmfübrung bei günstigen EmpfangSverhältnisien AuslandSübertragung. _ Bereise, BortrSge M Bersammlaagen. Zionistische Bezirk 8sektion Leopoldstadt. 2. Bez„ ZirkuSgasse 33. Heute, Uhr abends, Vortrag Rabbiner Dr. Wundermann über r „More Nebuchim". — Zionistische Sektion Prater. Heute. ^8 Uhr abends, im Sektions beim. 2. Be». Jungstraße 8, Vortrag Dr. G o l d st e i n über Midrasch — Jugendverein Erez Israel. Morgen Samstag um %8 Uhr abends Chanukafeier mit Tanz im Wiener Bürgercafö, 2 Bez, Praterstratze il zugunsten des Jüdischen NattonalfondS. — Bethaue M i k d a s ch M e a t Samstag um 3 Uhr und um 4 Uhr nachmittags bomilettsch-wiftenschastliche Vorttage von Rabbiner Dr Wundermann Jungiüdischer Wanderbund Sonntag, '/,11 Uhr vormitt gs, Elternsitzung st« Lokale der Zion Mchen BezirkSseklion. 2. Bez., Z'rkuSgasse 33. Referenten d e Herren r Dr. T a r t a k o w e r, B. F r ä n k e l und E. M e i st e r. _ Bolkmirt. Itt Hrsimuisseutwllrf z«r Riete«eesrtz> aovelle. Bon Rechtsanwalt Dr. M. Reiß. Selten oder vielleicht gar niemals ist ein Gesetz, das, tvie man voranssehen konnte, der' Gegenstand eines erbitterten Streites der Parteien werden würde, so schlecht und so oberflächlich begründet worden, wie der Regrernngsentwurf zur Mietengesetznovelle. Seine Begründung enthält keine wie immer gearteten Nachweisungen, kein wie immer geartetes statisttsches Material, aus dem sich die Regierungsvorlage wie die notwendige Folge einer begründeten Voraussetzung ergeben müßte. Die Begründung zur Regierungsvorlage ist nichts anderes als die Wiederholung der Schlagworte uitb oberflächlichen Ivirtschaftspolitischen Behauptungen, die man den Veröffentlichungen der verschiedenen Hausbesitzerorganisationen, die keineswegs die Hausbesitzerschast selbst repräsentieren, bedenken- und kritiklos entnommen hat. Eirl derartiges Schlagwort ist, daß die Häuser derzeit keine taugliche Kreditunterlage bilden. Jeder Praktiker weiß, daß dies nicht wahr ist, daß man ohne weiters auf jedes Haus einen seinem Wert entsprechenden Kredit erlangen kann, insbesondere dann, wenn der Eigentümer vertrauenswürdig ist. Was die vollständige Slusnützung des Wertes der Häuser zur Erlangung von Krediten hindert, ist nicht der geringe Mietzins, sondern zwei Umstände: Der eine ist der, daß in den Kreisen der Kreditgeber noch kein volles Vertrauen zur österreichischen Währung vorhanden ist, daß sie sich also noch nicht ans lange Zeit, wie es bei der Kreditgewährung auf Häusern üblich und notwendig ist, binden wollen, und der andere Umstand ist der trostlose Zustand unserer kostspieligen Justiz. Denn nicht nur, daß die grundbücherliche Durchführung der Begründung und Löschung de- Pfandrechtes auf die Häuser sehr kostspielig ist, muß der Gläubiger außerdem damit rechnen, daß, wenn er, im Falle der Säumnis des Schuldners, im Wege des Gerichts sein Darlehen wieder aus dem Hause zurückerlangen will, er einen entsetzlich kostspieligen, dornenvollen und langwierigen Weg einzuschlagen hat, um nach jahrelanger Exekutionsführung endlich wieder zu feistem Gelbe zu kommen. Wer also wirklich die 'Kreditfähigkeit der Häuser erhöhen will, der wird dazu niemals den Weg einschlagen, bie Zinse zu erhöhen, sondern den Weg, die pfandvechtlrche Sicherstellung und die Durchsetzung des An- 'spruches des Gläubigers im Falle des Verzuges des Schuldners möglichst billig und möglichst rasch zu gestalten. Wer dies tut/kann sicher damit rechnen, daß ohne jede Anstrengung auf Häuser Kredite zu erlangen sind. . , . Wenn zur Begründung der Mietengesetznovelle aus ausländische Gesetzgebung hingeschielt wird, so wäre es doch viel! mehr angezeigt, diese Augenverdrehung vorzunehmen, wenn es sich um die Erneuerung unseres überlebten Strafgesetzes und unseres rückständigen Eherechtes handelt.' Wenn mit sittlichen Schlagworten gearbeitet wird und darauf hingewiesen wird, daß es gegen die Grundsätze von Treu und Glauben schwer verstößt, wenn Mieter und Ber- .ITT-. Itwtr' 'Wt. 'WKjM-' Mieter einen Mietzins vereinbart haben und nachher dtt Mieter zur Behörde geht und eine Herabsetzung des Mietzinses durchsetzt, dann darf man aber doch sagen, daß es noch vielmehr gegen die Grundsätze von Treu und Glauben verstößt, wen» der Ehegatte, der um einen Dispens vom Ehehinbernis heS Ehebandes eingeschritten ist, nachher, wenn ihm die DiSpenSehe nicht mehr gefällt, deren Gültigkeit Vor Gericht anfechten darf. Geradezu naiv mutet es an, wenn in den Motiven behairptet wird, die Hinaufsetzung der Mietzinse würde eine Verbilligung des Mietzinses für die Untermieter zur Folge haben. Es ist sicherlich eine ganz um Erfindung der offiziellen Volks-, Wirtschaftswissenschaft, daß erhöhte Gestehungskosten -eine Verbilligung der Preise zur Folge haben. Ebenso naiv ist die Anschauung, daß die Erhöhung der Mietzinse ein Wiedereinsetzen der privaten Bautätigkeit zur Folge haben tverden, aber nicht nur uaiv ist diese Anschauung, sondern auch mit der ganzen Begründung des Regierungsentwurfes im Widerspruch. Denn der Regierungsentwurf verspricht sich von der Erhöhung der Mietzinse eine Entlastung deS Wohnungsmarktes, es werden dann mehr Wohnungen dem Wohnungsuchenden zur Verfügung stehen als bisher, und zwar dadurch, daß die Bevölkerung ihren Konsum an Wohnungen und Wohnräumen cinschränken wird. Es wird also durch die Erhöhung der Mietzinse das Angebot der Wohnungen erhöht und die Nachfrage nach Wohnungen verringert werden. Aus welcher wissenschaftlichen Volkswirtschaftslehre könnte man dann die Voraussage ableiten, daß die Bennindernng der Nachfrage und die Erhöhung des Allgebotes jemals dazu führen könnten, daß mehr Wohnungen als bisher produziert werden, zumal dann, wenn auch der erhöhte Mietzins noch keineswegs die Kosten der Produktion neuer Wohnungen auch nur im entferntesten deckt. Die ganze Begründung stellt nichts anderes dar als einen gesetzgeberischen Dilettantismus ohne jeden neuen Gedanken und ohne jede fachmännische Vorarbeit. Sicher ist, das Mietengesetz muß geändert werden aus sozialpolitischen Gründen: Die Häuser müssen erhalten werden uub die Hauseigentümer, die so arm und darauf angewiesen sind, daß sie von ihrem Hause unbedingt leben müssen, die müssen irgendwie versorgt werden und beide Lasten müssen die Mieter tragen. Keiner der beiden Zwecke wird aber durch den vorliegenden Regierungsentwurf auch nur ttn entferntesten erreicht. Denn auch, wenn der Mietzins erhöht wird, kann der einzelne Hausherr, der wirklich auf das Renteneinkommen aus seinem Hause angewiesen ist, davon nicht leben, und andererseits ist keine wie immer geartete Sicherheit, geboten, daß der erhöhte Mietzins, insbesondere gerade dann, wenn ihn der Hausherr für seinen Lebensunterhalt benötigt, tatsächlich zur Instandhaltung des Hauses verwendet wird. Mit Schlagworten läßt sich kein Gesetz machen. Ae gnsammeubrüche der A«tisemitenba«kr». Dü Deutsche Landbauk in Konkurs. Me uns aus Berlin telegraphiert wird, ist die PreußiM Landbank A.-G., eine hakenkreuzlerische Bank, die namentlich dem preußischen antisemitischen Junkertum nchestand, voMom-- men zusammengrbrochen. Sie mußte um den Konkurs ansuchen. Ueber die Ursachen' dieses Zusammenbruches, der dü reichsten deusschnationalen Parteimänner in Mitleidenschaft zieht, kursieren verschiedene Versionen. Die Deutschrmtionalen wollen die Hauptschuld der preußischen Regierung zuschieben, welche der Landbank A.-G. infolge ihrer unseriösen GeschästWhrung keine Kredits mehr gewähre,: wollte. In Finalizkreisen hingegen ist es bekannt, daß die sehr mangelhafte Geschäftsführung der Bank und die ganz ltnd gar nicht einwandfreie Leitung den Zusammenbruch verschuldet Haber,.' Die hinter der Lanldbank sichenden Faktoren waren die ärgsten Hetzer in dem von ihnen künstlich aufgebauteN Barmat-Skandal. Für wirtschastsantisemitische Agitation hat di« Landbynk schr große Mittel zur Verfügung gestellt. Selbstverständlich konnte das Institut diese Ausgaben nicht hereinbringen, wozu noch kam, daß ihre Kredite an die Landwirtschaft üt parteiischer Weiseverteilt wurden, wobei oft zum Schaden der Bank kroditunwüvdlge Landwirte größere Geldsummen bekamen. Auch an spekulativen Geschäften war die Bank stark beteiligt.. In deü preußischen Ministerien wird die Angelegenheit der Landbank schr eingchelü» besprochen, da diese Bank auch mit Finanzierungen für Siedlungen im Osten betraut worden war. Die deutschnationalt Partei versucht -das Institut zu halten. Es ist aber fraglich, ob ihr dies gelingen wird. In Berliner Finanzkreisen werden die Ver». lüste auf viele Millionen geschätzt. Die Bewegung auf den Devisenmärkten. Im Gegensatz^ zum Vortage waren die gestrigen Kursverluste des Zloty, nickt mehr so bedeutende. Der Dollar stieg in Warschau im ofmrellen Verkehre auf 848. Die Devise Warschau fiel in Zürich von 72,50 auf 61. In Wien bröckelte der Zloty von 78,75 auf 76,50, in Prag von 372 auf 364,50. F e st e r lag der französiche F r a n k e n, der sich in Zürich von 19,525 auf' 19,57. besserte. — Leicht rückgängig war der rumänische Leu in>» dem er in Zürich von 2,4375 auf 2,375 fiel. — Die Kursände^ rungen der übrigen Devisen waren unbeoeutend. Insolvenzen. Das Ausgleichsverfahren wurde eröffnet über Stephan Habltzl, 3. Bez., Löwengasse 37. Passiven 42.729 S., Aktiven 20.050 S. Ausgleichsanbot 35 Prozent in zehn Monatsraten, lieber Regim Ziffer, Damenkonfektionsgeschäft, 1. Bez., Trattnerhof 2. Ueber Alois S t e l z l, Glasschleiferel, 7. Bez., Seidengasse 29. Ueber Franziska Matz, 18. Bez., Semperstraße 27. lieber Anna Seilnacht in Atzgersdorf bei Wien. Ueber Viktor Hevessh in Baden, Pergerstraße 7. Ueber Karl Schönhofer in Bern-, dorf (Stadt), Aleranderstraße 14. Ueber Golde H a « p 1 m a n n, Wirkwarenhandel, 1. BA, Salztorgasse 1. Ueber Emanuel Freund, 2. Bez., Weintraubengasse 1. Ueber Gustav Braun, 16. Bez., Arnethgasse 16. Ueber Jakob Grün- Wald, Modewarenhändler, 1. Bez., Göttweihergasse 1. Ueber Frairz K r y e d a in Stockeran/ Ansteigen der Arbeitslosigkeit in Oesterreich. Die Arbeitslosigkeit hat in: letzten Monat nicht nur in Wien, sonder« in ganz Oesterreich in außerordentlicher Weise zugenommen. Mitte Oktober wurden in ganz Oesterreich 117.613, anfangs November 124.630, Mitte November 136.367 und am 1. Dezember 162.585 Arbeitslose gezählt., Die Zunahme von Mitte Oktober bis 1 Dezember beläuft-sich also-auf 35.500. Prozentuell m stärksten f