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Wiener Morgenzeitung · 1925-12-09 · Heft 2442 (9.12.1925) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2442 (9.12.1925)
Date
1925-12-09
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Ctifcf Men.MItMch Wlener MorgenzeUung 9. Dezeinber 1926 - y. W i e u. 9. Dezember ' Die AbrustimgSkommiflion des Völlerbu.ndes gcht auf dem Wege weiter, ,den die Logik von Locarno v.orgezeichnet hat. Das Abkommen der großen Möchte geht dahin, in Zukunft zur Austragung von Streitigkeiten daS Schwert womöglich nicht zu benützen. Dieser praktische Pazifismus . entspricht freilich keiner altruistisch-idealistischen Auffassung von der Welt und ihren Dingen. Sie ist vielmehr aus der nüchternen Erwägung entstanden, daß vielleicht die Geldmittel zur Führung eines Krieges in Zunkunst nicht so leicht aus den Bokkern werden geschöpft werden können. Aber wo immer die Gründe für' die Vorschläge der Kommission liegen, erfreulich bleibt es, daß sie die erwarteten Schlüsse zieht und die Debatte über die Abrüstung auf eine brauchbare Basis stellt. D'e Kommission hat zunächst einen Fragebogen auZgearbeitet, in welchem sie auf Grund der Erfahrungen des Krieges eine klare Definition des Begriffes der Rüstungen zu erzielen erstrebt. Sie hat ferner die Bildung eines außerordent-. lichen Rates vorgeschlagen, der die Frage bearbeiten soll, und zu dessen Beschickung Deutschland, Rußland und Amerika. eingeladen werden sollen. Leider sind die Aussichten aus eine Teilnahme nur betreffs Deutschlands einigermaßen günstig. Da der deutsche Reichstag den Beitritt zum Völkerbund bereits prinzipiell beschlossen hat, wird sich der Alt des Anschlusses in absehbarer Zeit vollziehen. Zwar sehen die Deutschnationalen undihr nationalsozialistischer Jungsturm die Hetze gegen die Maßnahmen fort, die doch nur die Beseitigung der Isolierung Deutschlands darstellt, fort. Für sie ist und bleibt der Völkerbund eine Manifestation des südlichen Geistes. Er ist ein allerdings unvollkommenes Friedensinstrument, dessen Aktivierung nur durch Ausdehnung auf alle Staaten möglich ist. Die Zugehörigkeit Deutschlands würde der Liga der Nationen den Charakter der Einseitigkeit nehmen und Deutschland die Möglichkeit bieten, wieder Herr seines Schicksals zu werden. Kein Beschluß kackn dann gegen den Willen des Deutschen Reiches Zustandekommen und die wohltätigen Wirkungen dieser Tatsache würden sich vor allem in einer Erleichterung des Loses der deutschen Minoritäten'' zeigen. Das gesamte Minderheitsproblem könnte in diesem Falle unter, eine neue Beleuchtung gestellt werden. Das würde den Hetzern viel Propagandastofs und viel Gelegenheit zum Geldverdienen nehmen und es ist ^verständlich, daß sie sich gegen die Beeinträchtigung ihres Wirkungskreises mit erhöhtem Eifer wehren. Trotzdem wird Deutschland, in den Völkerbund eintreten und dann auch in den Rat gelangen. Amerika dagegen bleibt bei seinem Nein. Präsident Cooldige erklärt in seiner Botschaft. daß die Regierung keinen Wert daruaf legt, sich an einer Konferenz zu beteiligen, die sich „in Anbetracht des 7 ries der Tagung und ihrer Zusammensetzung alle: Wahrtcheinlicbkcir nach als zwecklos erwe'fen würde." Ter horte Gläubiger gibt seine , bequemen Position uicbt aus. Die Abrüstung sieht er als ein spesinsih europäisches Problenr an. Amerika selbst rüste» in Heer und Marine und die gestern verlesene Bouchair enipfiel: auch die Stärkung der Luftffotte. Dmes Veralten muß retardierend auf die Entwicklung des Problems zurückwirken und die geplante neue Konferenz wird schon auf diese Weise zwecklos. Verschärft wird die Situation noch durch Rußland, das sich aus Gründen der bolschewikischen Sonderart weigert,, nach Genf zu gehen. Rhkow erklärt, Rußland werde niemals sich bereitsinden, eine bürgerliche Majorität anzuerkennen. Die Politiker müffen zwar gewöhnt sein, mit dem Worte niemals sehr vorsichtig umzugehen und die Besprechungen, die demnächst Tschitscherin mit Chamberlain wahrscheinlich auf italienischem Boden halten wird, scheinen ein günstiges Omen zu liefern. Rußland würde nach dem Eintritt Deutschlands in den Völkerbund neuerdings eine Bekräftigung seiner außenpolitischen Isolierung erfahren und merken, daß es keinen Verbündeten anseiner Seite hat. Aber die Negation Amerikas und Rußlands zusammengenommen sind ein schwerer Dmck aus die Arbeiten der AbrüstüngsrorNmijsion. _ Anarchie in ßhim. Dir Minister auf brr Flucht. Berlin, 8. Dezember. Die „Vossische Zeitung" meldet -Lus Peking: Die Mu k d e n p ar t e j ist durch den überraschenden Sieg des aufständischen Generals Kuosunglin total zusammemebrochen. Fast alle Minister der Pekinger Regierung, die Parteifteuude Tschangffolins waren, sind geflohen. Das politische Durcheinander ist vorläufig unübersehbar. . Der bisherige Reichsverweser hat noch einmal den versuch unternommen, eine Konferenz der M a r s ch a l l e einzuberusen. Sehr argwöhnisch wird die Haltung Japans in der Mandjchurei beobachtet. Die Haltung Rußlands ist vorläufig noch unbe» ' stimmt, jedoch ist ein« wesentliche Verstärkung der russischen Agitation zu beobachten. Um Lamaskus. Paris, 8. Dezember. (Tel.-Komp.) Nach Meldungen aus Beirut haoen die Lrusen bei ihren jüngsten Versuchen, Hit die Vorstädte von Damaskus.einzudrmgen, 90 Leichen zurückgelajsen. . Moiamt» sttigeivrochen. Bukarest, 8. Dezember. (Orient-Radio.) Leutnant Morareseu, der vor dem Bukarester Kriegsgericht wegen Ueberschreitnng der Amtsgewalt anläßlich bolschewili'cher Einfälle an der Lnjestrgrenze angrklagt war, Wurde mit allen seinen Mitangeklagte« freigesprotzen. ___ ein Besuch khamberlalnr ln gerusalem? Zn Ende dles:s Jahres. London, 7. Dezember. (Wolfs.) Laut ,-Zunday Times" wird Chamberlain mit seiner Familie die Weihnachten in Rapallo verbringen und von dort nach Aegypten undvielleicht u a ch Jerusalem gehen. Locker Lmnpson — Unterstaatssekretär im englischen Arrtzerramt. London, 7. Dezember. (Wolfs.) Der bisherige parlamentarische Unterstaatssekreiär des Innern G.dfrey Lockcr-Lampson ist als Nachfolger Mae NeilU Arm parlamentarischen Unttrstaats'ekretar des Aeußern ernannt worden. Beduiueuavgriff an der Laadadbah«. London, 8. Dezember. Das Reutersche Bureau meldet aus Beirut, daß einem französischen Bericht zufolge ein T r u P p B c - u i n.e n ein Dorf 30 Meilen ostsüböstlich von Homs an der Linie H o m s—P a l m h ra—Bag da d angegriffen und die englische Postenabteilung gezwungen habe, nach Palmyra zurüchugehen. Aus tzrer Sitael Lord Plumer in der hebräischen Universität. Aus Jerusalem wird uns geschrieben: Lord Plumer hat der hebräischen Universität in Jerusalem einen Besuch abgestattet und dabei seine Zufriedenheit über seine dort gewonnenen Eindrücke geäußert. Auch der jüdischen Aufbauarbeit im Lande spendete Lord Plumer großes Lob. Die Universitätsbibliothek. Die jüdische Nationalbibliothek erhielt die Bücherei des vor einiger Zeit verstorbenen Arztes Prof. Dr. Adolf L a z a r u s, die er testamentarisch der Bibliothek vermocht hatte. Die Sammlung enthält insbesondere eine sehr wertvolle Kollektion von Büchern aus dem Gebiet der Hämatologie und der Kinderheilkmrde sowie eine Anzahl sehr wertvoller Serien von Zeiffchriften. Die Absendung der Bibliothek geschah durch das unter Leitung von Professor Citron stehende Kömitee des deutschen 'Verbandes zur Förderung der Universität Jerusalems. Die Eirrlrmvi'erunim November. Nach vorläufigen Berechnungen sind im Monat November 3100 Immigranten nach Palästina eingewandert. Nrrppin ge^en den „Doar Haiom". In dem Prozeß Dr. Ruppins gegen den „Doar Hajoin" befaßte sich das Gericht in mehreren Sitzungen noch immer mit der Frage, ob B e n A w i zur Zeit des Erscheinens der betreffenden Artikel tatsächlich der verantwortliche Redakteur des „Doar Hajom" gewesen ist. Es wurde eine Reihe von Zeugen zu dieser Frage verhört, worauf die weitere Verhandlung für den 14. Dezember anberaumt wurde. Ter Richter erklärte, daß er dann fünf Tage hintereinander diesem Prozeß zu widmen beabsichtige. Sie KMurgemMeu-Aktion de« tschecho- Bai der Zentralkommission des Keren Hajessod für die tschechoslowakische Mpublit ist nachstehendes Schreiben der Presover israelitischen Kultusgemeinde eingelangt: „Wir beehren uns, Ihnen mitzuteilen, daß der Vorstand der israelitischen Kultus ge me in de zu Presov — laut Beschluß vom 18. November — sich bereit erklärt, den Keren Hajessod zu fördern und sich der Gemeindeaktion des Keren Hajessod auzuschließen." . Es ist zu hoffen, daß sich die Zahl der tschechoslowakischen Kultusgemeinden, welche die Aktion des Keren ,Hajestod unterstützen, bald vergrößern wird. Keren-Hajessvd-Arbeit ln Griechenland. Herr. Salem Pazi, der Sonderdelegierte des Londoner Keren-Hajessod-Direktoriums, besuchte Mazedonien und Westthrazien. In Anbetracht der akuten wirtschaftlichen Krise des Landes, die auf die schlechte Tabakernte und den Zustrom von Flüchtlingen znrückzuführen ist, sind im gegenwärtigen Moment die Aussichten für den Keren Hajessod recht ungünstig. Nichtsdestoweniger hat . Herr Pazi 20.000 Drachmen iit Cavalla und 80 Pfund in ^cmthis ausbvingen können. " Wer feine »eisen. Budapest, 8. Dezember. Wie schon berichtet, kam- Henry Barbusse gestern früh aus Bllkamst hier an. In einem Gespräch mit e'>n-em Mitarbeiter des „Peifter Lloyd" dementierte der Schrij'tstetter die Nachrichten über Mißhandlungen, d'e ihm in Bukarest widersahren seien. „Ben alledem ist kein . Wort wahr." Es gab nur einen unbedeutenden Zusammenstoß zwischen den ihn lbegleitenden Arbeitern und der Polizei. ' Addier «tafenlilirtt Wer iie Setlta« «. «..giftig. Das amerkranische Ehstem. . .An der P:rliner A C. Sitzung halben bekaimtlich die ammkanischm A. EMiAiedn nicht terlgenommen, «ibnveril Herrn B. Rosenb .a t t mtt ihrer Venretung betram. R oenvia,i, der NM onir der A. E-Sitzung die Analler .MweMuischv« rapr>vsen:->erte, har »ach seimr McW.)r dem ,.Ncw Pilrstine" ein ^n ewlsw genährt, das iE M die ameriLaniische Sekm-ngnchme zu den Cgriffen der A C° auzuleh^! sem bitöfie. wechrM wir ch rm folgenden üus!;ugswcise Wiedergaben. Rosen, blak erttärt unter anderem: ,Me Berliner A. C.-Sitzung war von außewrdentmn Bedeutung, nicht so sehr wegen der Beschlüsse als infolge der auf ihr erfolgten Klärung der Lage. DaS A. L. bestätigte den Status quo durch die Weiterbekassung der alten Exekntdve und des Finanz- und WirtschastSrates in ihrem Am,Le. Ebenso wie es dem Kongreß nicht gelungen war, eine neue Exekutive zu wählen, hat sich auch das A. C. vergeblich bemüht» entweder' -in' Koalitionskabinett, das alle Grwppen befriodigt, zusammenzustelleN, oder ein ZenimmÄa-inett, das sich auf eine genügend große Mehrheit stützt, um jode Opposition beschwichtigen zu können. Im Vergleich zu der Frage der Zusammensetzung der Exekutive waren alle anderen wichtigen Angelegenheiten, so die Frage des Palästinabadgets, der russischen Kosonisation und des hebräischen Schulwesens in Pa-lästina. verhältnismäßig einfache Probleme, die schnell und befriedigend gelost wurden. Was die Neuwahl der Exekutive betrifft, so verlangten die von G r ü n b a u m und Stricker gesÄhrten Radikalen, daß schon aus formalen Gründen d i e a l t e E x e k u t i v e Ln ihrem Amte belasten werden -solle, da ihrer Meinung nach aus Grund des Statuts der Zionistenkongreß nicht das Recht -habe, dem Präsidenten der Organisation oder auch dem A. C. die Mahl der Exekutive zu überlasten. Während wir dieser ihrer Behaup- , tung energisch widersprachen, waren wir doch gezwungen, ihren Vorschlag zü akzeptieren, ivei'l weder die L'nke noch die Reche sich mit dem Zentrum auf ein eiicheitliches Programm halben einigen können. Die jetzige Situation -Hai eine für unsere Bewegung | bedeutsame Frage in den Vordergrund gestellt. Solange wir glauben, daß für die Wahl der Exekutive eine große Majorität nötig sei, können die Rechten und die Linken unsere Arbeit jederzeit lahmlegen. Ich erklärte dem A. C., daß hierfür gar keine Notwendigkeit vorliege und daß auch der Präsident der Vereinigten Staaten zuweilen mit einer nur ganz kleimu Stimmenmehrheit gewählt werde, wie zum Beispiel Clevela nd gegen Bla ine. Das europäische System beruht auf dem Mocktsystem kleiner Parteien in den verschiedenen Parlamenten und ist geeignet, die Ueberzeug-nng zu erwecken, daß ein Kabinett, das nicht mit einer überwältigenden Majorität gs.vählt ist, nicht von Dauer ist. Tatsache jedoch ist, daß mit Bezug auf den Zionistenkongreß und die Exekutive wir da s amerikanische System und die amerikanische Methode übernommen haben. Ebenso wie in Amerika der Präsident für vier Jahre und der Kongreß für Mi Jahre gewählt werden und diese beiden Körperschaften. bis auf den vereiniielten Fall der Erhebung einer öffentlichen Anklage, aus Parteierwägungen heraus nicht abgesetzt werden können, ebenso bleiben unsere Zionistische Exekutive und unser A. C. für volle zwei Jahre bis zur Abhaltung des nächsten Kongresses im Amt. Dies macht die AnllMhvung unserer Exekutive und unseres A. C. von irgenÄ-velchem Wechsel der öffentlichen Meinung und von Parreitreibereien unabhängig. Es ist also unter diösem Umständen vollständig überflüstig»^ bei der Wahl der Exekutive mehr als eine einfache Majorität zu verlangen. Wenn wir den fetzigen! Usus be-ibehalten, so erfolgt die Wahl der Exekutive nicht durch die Majorität, sondern unterliegt der Diktatur einer Min-derheitsgruppe, die jederzeit die Bildung einer „überwiegenden Majorität" verhindern kann. Die Folge ist die Schaffung einer Art von polnischem Liberum vew, wo, wenn nicht ein Notabler, so doch wenigstens einige Linke oder Rechte die Bildung eines zionistischen Kabinetts diktieren können. Wir müssen also darauf bestülM, daß das amerikanische S Ysie m sich bei uns durchsetzt Die Exekutive kann! auch einflußreiche Personen aus den Kreisen des Misrachi oder der Poale Zion als Mitgl-ieder haben, aber deren Wahl würde nur auf Grund ihrer Qualifikation und nicht ihrer apolitischen Parteizugehörigkeit erfolgen. Wenn wir so weit sind, daß wir eine auch nur kleine Mehrheit als ausreichend ansehen, um die Exekutive zu wählen — wie es gesetzlich und moralisch zulässig ist —, dann werden wir auch die Möglichkeit -haben, als Mitglieder der Exekutive nur die Allerfähigsten ans unseren Rethen zu nominieren. Dies sollte unsere amerikanische Parole aus dem nächsten Zionistenkongreß sein." t SBeröet Abonnenten für die t ' Wiener Normzeit«»«";

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