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Wiener Morgenzeitung · 1925-12-04 · Heft 2437 (4.12.1925) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2437 (4.12.1925)
Date
1925-12-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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| Poten. 1 Wien, ^umAbholen in der Expedition, IL, Taboistr. 1*3, oder in einer Versdhileisstelle 'Trafik) monatl. £> Schilling Strassen verkam in Wien durch die Kolporteure der Firma Gold schmled, i„ Wollzeile 11 Mit Postversand. für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Ischecho-Slowakel: Mon. K 22. Jugoslawien: Mon.Dln.60. Polen:Mon, 5Zloty. DentschIand: Mon. Om. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 cvadUMluimgeb bet frei* erbAbna«cn Vorbehaltes teuer IPrels 20 g] Engt a n d: Mon. 4 Schilling. Italien: Monatl, 18 Lire: Ru n Anlen: Mon. 170 Lei. Bulgarien Mon. 100Lewe. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion; Administration Wien, II. Taborstr. 1 Telephone: 44-0-38, 43-3-19 Ab 6 Uhr 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (D uckerei g. Steinmann) Oesterieichisches Postsparkassen-Konto Nt. 150.69a 9t. 2437 Wie«, Freitag. 4. Lezember 192ä 7. Jahrgang I Lord Aumerr Maßnahmen. - Knlonel Kish in den »ördlWen WWen Siedlungen. (Cigendienst -er „Wiener Morgenzeitung-.) er-habe die Ehre Jerusalem, 2. Dezember. Die Wischen Siedlungen in Obergaliläa sind, wie bereits berichtet, 'durch -ie Unruhen jenseits der palästinensisch-syrischen Grenze nicht betroffen worden. Trotz des nahen Schauplatzes der Unruhen zwischen dem Hermon und dem Litaniflutz setzen Metulla und die benachbarten Orte Afar - Giladi und Tel - Chaj ihre friedliche Arbeit fort. Die Derst«r.kung des palästinensischen Grenzpostens bei Metulla unter dem Kommando britischer Offiziere hatte einen beruhigenden Einfluß auf diese Kolonie. Bei Ha!sa wurde eine Schwadron Palästinensischer Gendarmen Postiert, dir den beiden abgelegenen Arbeitersiedlungen im Notfall Schutz gewähren soll. Mn arbeitet jetzt intensiv an der Verbesserung der Stratze von Rosch Pina nach Metulla, Site bisher bei Regenwetter tatsächlich für den Wagenverkehr ^brauchbar ist. Die. Instandsetzung dieses Weges, die das Public' Worts Apartment und die Militärbehörden gemeinsam in die Hand genommen: haben,, wich für' die Siedlungen an dem äußersten Punkt . Galiläas die so oft verlangte bessere Verbindung schaffön. ' Außerdem erhält Metulla T e l ephonverbiudung mit Rosch Pina und weiter mit dem ganze« Lande. , . -" : Jin Lause ' "der bereits gemeldeten Unterredung, die Fel-dmarschall Plumer mit dem bei ihm "erschienenen Beriretet der Zionistischen Exekutive in Palästina. Kolonel Kish,' hatte, ermächtigte "er Kolonel Kish,' den Wischen Siedlungen im Norden' mitzuteilen, daß kei n e R e de davon sein könne, - daß die Gendarmerie' Metulla evakuiere oder seine Bewohner ohne Schutz lasse. „Ich werde zunächst selbst hingehen," war das zusammenfasfeM Wort des High Commissioners über seine Haltung. Fm Anschluß an seine Unterredung mit dem High Eommifsioner -besuchte Kolonel Kish Kfar- Giladi und Metulla, wo ervollsMdige Ruhe M zuversichtliche Stimmung Vorsand. . . Flucht französischer Fremdenlesionäve nach Palästina. - Jerusalem, 2. Dezember. (I. T. A.) Drei Deserteure der französischen Fremdenlegion, ein Pole, ein T s ch ech e und teilt B e lg.i e r. kamen an der Grenze bei M etu-llah auf palästtnensisches Territorium -herüber und ergaben sich der palästinensischen Gendarmerie. Sie wurden e nt wass n e t und vorläufig im Gefängnis von A e e o interniert. W Lllfifahrthvse« bei Rosch Pinah. Jerusalem, 2. Dezember. (I. T. A.) Die Palästinavegierung errichtet .".in der- Nähe der jüdischen Kolonie Rosch'Pi nah einen Äustfahrchafen, der dem Kommando des Befehlshabers. der Fliegertruppe unterstellt ist. Bisher befand sich das, Hauptquartier der Fliegertruppe Palästinas in Rarnleh.'Die Vorgänge an der pa.lästjnensisch -- sh.r i s ch en' G r e n'z'e ergaben die Notwendigkeit. eine größere Fliegertruppe , nach Rosch-Pinah zu legen, damit von dort aus die -Grenze gegen Syrien überwacht und das Uebevschreiten bewaffneter Trupps verhindert werde. (Ro'j-ch Pinah, etwa., 4 Meilen nördlich von Sased an einem Bergabhang gelegen, ist eine der ältesten Kolonien m Novdpalästinä. Sie wurde im Jahre 188-2 begründet.) ' 1 Ütoismtm e« fldj fcIftH. Der Radiovortrag Dir Herbert Samuels. (Eilgenvierdst der '„Wiener Moogei^eitung".) . London, 2. T'Mmber. - Der, gewesene, Oberkommissär von Erez Israel, Sir Herbert Samuel, hielt,', wie ibereitsangekündi-st, für -die britische Broadcasting eine Rede über die großartige Entwicklung, von Evqz Israel. Einleitenid sagte Sir Samuel, gehabt, der erste Oberkonmissär von Erez Israel zu -sein, nachdem Loch Allenby mit seiner Armee das Land von den Türken, erobert hatte. „Erez Israel ist sehr klein, es 'umfaßt eine kleine Fläche' Boden. Es ist mit fruchtbaren Tälern, mit sehr hohen, unfruchtbaren Bergen gesegnet. Die, Zahl der Bevölkerung des Landes beträgt 870.000 Personen, davon 640.000 muselmanische Araber, eine gewisse Zahl christliche Araber und 120.000 Juden. Die Araber wohnen -in den Städten und Dörfern und sind zum größten, Teil .nicht kultiviert. Aber auch unter ihnen gibt e's bereits einige europäisch gebildete Männer. In Südpalästina befindet ,sich eine Anzahl von Beduinen, die in Zelten wohnen und die mit ihren Kamelen und Schäj'en immer weiter wandern, fcKbald das Bi'ch das vorhandene wenige Gras - a-bgewei'det hat. Die Beduinen kleiden sich auch heute noch wie sie Wohl gekleidet - waren,. als - der Erzvater Abraham' zum erstönmal in jene Gegend gekommen imr, *' Drei- Viertel der Juden wohnen i n d e n Städten und es ist geradezu Mtnderbar, wie sie, im Verlaufe einer kurzen Zeit' / ' verschiedene FnWstvien , in Erez Israel geschaffen undzur Entwicklung gebracht haben. Im 'Verlaufe von wenigen .Jahren -brachten die Juden s i e b e n 'M i l l ionen Pfu n d i n's - La n d, schufen einegroße Dampfmühle, große-Zement- und Silikatjsabriken, Möbelfabriken, eine äüßerst wichtige Elektvizitätsunternehnmng. u. .a. m. Das - sind die grcßen Unternehmungen; dann kamen auch Juden ansPo'en und verschiedenen anderen Ländern und schufen kleinere, sehr wichtige Industrien, welche Juden und Arabern und sonstigen Arbeitern Arbeitsgelegen-heit bleien. Unter meiner Verwaltungsperiode begann eine fi>eberhafte Bautätigkeit. Die Zahl , der Inden aus der Vorkriegszeit hatte sich verdoppelt und es entstand ein schwerer Wohnungsmangel. Und es ist sehr interessant, aus welche Weise das Problem des Häufermangels von den Inden gelöst wurde. Als ich nach Erez Israel kam, betrug die Einwohnerzahl von Tel-Awl'w bloß 4000 Personen und heute zählt diese Stadt,bereits mehr als 30.000 Einwohner. Tel-Awiiw besitzt schöne Straßen, herrliche Geschäfte und Billen sowie auch eine^chöne Oper, in weicher Opern in hebräischer Sprache,- die eine der offiziellen Sprachen ist, gegeben werden. - , . Ein Teil der Juden siedelte sich auf dem Lande an und erwies sich als ein sehr guter Schlag von landwirtschaftlichen Arbeitern, die ihren Boden mit großer' Liebs und Opferwilligkeit bearbeiten. Heute gibt es bereits mehr als 100 jüdische Kolonien und die meisten von ihnen erhalten sich selbst. Einige jüdische Kolonienwurden vor 40 Jahren gegründet und dwsie stehenhinter-keiner der besten Kolonien in irgend einem Lande zurück. : Unter meiner Verwaltung sind die Einnahmen des Landes gewachsen und das Budget war fast defizitlos gewesen. Ich muß bei diesem Anlaß die Behauptungen, ldaß britische Steuerzahler - Erez Isra>el erhalten, zurück-weisen, denn wahr ist, daß der britische Steuerzahler bloß eine sehr geringfügige Leistung zur Erhaltung einer sehr klesnen-Garnison zu tragen hat. Die -Einnahmen des Landes wachsen immer mehr und ich habe die ibegrimdete Hoffnung, daß Erez Israel nicht mür' sich selbst erhalten, i < sondern bald auch die, Kosten' jener Straßen wird bezahlen können, welche vom britischen Militär während des Krieges in vevschiedenen Teilen von Erez Israel angelegt worden sind." Bezüglich ldes Aufstandes in Syrien - erklärte M Herbert Samuel, daß.E.rez Israel vou An- ' beginn' mit,der; Mstteln des Friedens verwaltet wurde und auch heute verwaltet wird, und es sei keinerlei Gefahr-vorhanden, daß das Beispiel von Syrien -in Erez NvaeL Ngchdh'Muchz finden könnt«. Das alte Lied. - y, i i e lt. 4. Dezember Es war wieder eine Universitätsdebaüe und sie war wieder eine Judendebatte. Die Kritik wurde wieder von den Sozialdemokraten besorgt und die Antwort erteilte wieder der Unterrichtsminister Schneider. Die einen redeten wieder vom Srudentenrecht und der andere bestritt wiederdieses Recht. Aber dieses Recht besteht und hat sich auf dem in . Oesterreich so beliebten Weg der Tatsache an den, Hochschulen festgesetzt. Im Vorjahr erklärte der Minister, daß er Studentennationen nicht anerkennen könne. Aber an der Technik sind sie vorhanden und die dortigen , Instanzen nehmen von der Anschauung des Herrn Ministers nun einmal keine Kenntnis. Sie entstammen den Kreisen, deren höchstes Ideal die Autorität und der Obrigkeitsstaat ist. Wenn es ihnen nämlich so paßt-und wenn .sich ihre höchstpersönlichen materiellen und politischen Interessen mit denen der gerade vorhandenen Autorität decken. Wo dies nicht der Fall ist, dort mag der Minister reden, bis ihm die Zunge zum Mund heraushängt. -Und der Minister findet, daß vollzogene Tatsachen -vorhanden sind, und er ist in der angenehmen Lage, sich auf das Vereinsgesetz berufen zu dürfen. Es gibt immer irgend einen Paragraphen. Und die anidereisi die Kritiker, finden, daß die ganze Angelegenheit sie -nur insoweit zu interessieren hat, als Beschwerden-sozialistischer Studenten oder Professoren vorliegen. Das Rechtsprinzip ist Hek-uba. -' Nun sind, die Hochschulen aber nicht das" Privareigentuw ' eines so oder so orientierten Professoren-. Wn-gels' .sie sind' auch nicht das Mgmtmn d-s Staates. Sie gehören der gesamten Bevölkerung und werden doch auch von ihr erhalten.'Niemals, noch haben etwa die deutschnationalen Professoren'zu erkennen gegeben, daß ' sie ’ auch bei den Steuergeldern das Prinzip des Numerus clausus cntgewendet wissen wollen. Sie haben auch nicht gesagt, daß die Hochschulen nur vom christlichdeutschen bodenständigen Volt oder von der nationalsvzialistischen Sturmtruppabteilung zu erhalten wären. Nein, sie führen vielmehr in einer kürzlich überreichten Denkschrift herzbewegende Klage darüber, daß der Staat so wenig für-die von diesen Professoren repräsentierte Wissenschaft tue, daß er die Laboratorien, Bibliotheken und Institute, verdorren lasse. Bei dieser, gewiß berechtigten Klage ist der Staat, einwandfrei als die Regierung, als. die Gesamtheit der Steuerzahler anfgefaßt, wobei immerhin der nicht unwesentliche Umstand zu bedenken ist, daß über den Budgetanteil der Wissenschaft und über die Berücksichtigung ihrer Ansprüche eine Mtentscheidung des jüdischen Bevölkerungsteiles gar nicht stättfindet. Die Regierung, ist ein Ausschuß christlichdeutscher bodenständiger Parteien, und was nock) so tatsächlich offiziell für die Wissenschaft geschieht, wird von der arisch-germanischen Majorität im eigenen Wirkungskreis besorgt. Viel ist es nicht. Was inoffiziell getan und geleistet wird, das besorgen Juden, die für die Wissenschaft doch etwas mehr Verständnis besitzen als die Misthaufenpolitiker von Hintertupfingen und die Stammtijchler von Oberalmdorf. Die lassen ihr heißgeliebtes deutsches-Volk beim Bier hvchleben und überlassen die Förderung von Kultur und ähnlichen Belangen dem zugewanderten Semitenvolk. Im Boriahr wurde unter hallendem Wotangetön ein Hochschnlschah angekündigt. Was ist das Resultat? Weshalb ist es denn so still geworden? Will man die Hochschulen retten, so nehme man einfach die Gelder, die zur Erhaltung der Wehrntacht verwendet werden. Die Zustände an den Universitäten spotten jeder Autorität, die sich auf das Recht beruft und solange sie sich , nur auf das Recht, berufen will. Das wird sich nicht ändern, solange die alten Herren regieren und solange die Partei der Kritik,, die sozialdemokratische Partei, die Angelegenheit nur mit der Brille des Parteisteuerkassiers und des Wahlreferenten betrachtet. Bor Jahr imb Tag hat Leuthner seine Rede gehalten und vorgestern Hal er sie wiederholt. Er wird sie demnächst im Plenum des Natioualrates halten und im nächsten Jahr wiederholen. Im Parlament sitzt kein Vertreter des Jüdenttnns, niemand,' der diese. Augenanswischerei an der bernfetten Stelle beim rechten Namen nennt. -Und so reden die von links und die von rechts und die Minister, und so werden die jüdischen Studenten und die -jüdischen Lehrer mit freundlicher Hilfe des Bereins- . gesetzes kujoniert. j

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