Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2435 (2.12.1925)
- Date
- 1925-12-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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HjPoten. äS i i 5L>1 W i en; zum Aohoien in der Expedition, II., l aboistr. 1*3, odei In einer Verschleisstelle fTrallk» monatl. o Schilling Straasenverkaui in Wien durch die Kolporteure der Firma Gol dschmied, I.. Wollzelle 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreicl. monatlich b Schilling, Tschcc ho* Slowakei: Mon, K22. Jugoslawien: Mon, Din. 60. Polen: Mon. 5Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 ftacfcttttiaiitcD oei frei«, erhöh an eq Vorbehalten j Preis 20 g j lener England: Mon. 4 Schilling, Italien: Monatl. 18 Lire Rumänien: Mon. 170Lei, Vulgär!en Mon.lOOLew«, Schweiz und das übrige Ausland monatiicn Frcs. 5 Redaktion, Administration Wien, 11. Taborstr.l Telephone: 44-0-38.43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-io2, 25-2-82 IX.. Universitätsstrasse 6-8 (D uckerei ig. Steinmann) Oesteri elchisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 Rk. 2488 Wien. M UWE, 2. Lkzemder 1S2S?. gadrgan« klnigungsverhandiungen im MmlanW» Fudeuklm. Marshall auf der rionMchm Konfetenr ln Ballmore. Der bereits gemeldete Beschluß des Joint D'.stnlbutvm Committee, aus dem aufzu^rin-genÄen 15-Mitlionen-lDollar- New-Zort, 29. November. (I. T. A.) Zwischen dem Joint Distribution Committee, melches bekanntlich d'.e Aafdringung von-15 Millionen Dollar i n de n n äch-st e n drei Iahren für Mische Aufbauzwecke -beschlossen hat, mfo der amerikanischen Zionistischen OMN.sativn^ die ihverseit's eine Kampagne zur A-ufbring-uug von 6 Millionen Dollar in diesem Jahre1 fite Palastinaaufbauzivecke einleiten will, sind in den letzten Tagen BerhaMnngen in dem Sinne A l'Ährt worden, daß die Sammelaktion nicht durch ^wiespälligkeit im amerilanischen Judentum gefährdet werden soll. Die BchprechünHen hatten einen vollen Erfolg. Die Verhandlungen wurden zwischen Louis M a r s h a l l -ttitb; David Brown auf seiten des Joint und Louis LiPsky und New mann auf seiten der Zionisten geführt. Schon vorher hatten Louis Mars hall und Dr. Stephen S. Wiseeine gvuMeg-ende- Be'pvechung gehabt. Der 'heute, eröffneten Zionistenkoni'erenz. in Baltimore wohnt Lauis M-arLha li persönlich Hj.. BBS Vor der Ankunft de Zouvenels. , Beirut, 30. November. Der bevorstehenden Ankunft des Aeueralgouverneurs de Jouvenel wird hier mit größter Spannung entgegengesehen. Seine politischen und organisatorischen^ Eigenschasten werden sogleich aus eine harte Probe ge-- stellt werden, denn in militärischer Hinsicht erinnert die Lage an Marokko. Die Drusen sind zwar z e r's p r e n gt, aber e i n z e l n e B a n d e n - überfallen noch immer die Dörfer des'Südens und die Unsicherheit ist überall groß. Der Friede wird auch so lange bedroht bleiben, bis eine Truppenmacht ins Feld kommt, die den -Widerstandder Drusen entscheidend brechen kann. , Die Drusen hoffen nach wie vor auf eine Unterst ü tz u n g der mohammedanischen. Welt. Die Ereignisse in Damaskus zeigen jedoch, daß auf diese Unterstützung vorerst nichtgerechnet werden kann. Nach verläßlichen Schätzungen kämpfen »och ungefähr 5000 Drusen " gegen Frankreich. Die militärischen Sachverständigen.sind der Ansicht, daß die eintreffenden französischen Verstärkungen genügen, um die Dörfer vor den Drusen zu schützen, nicht aber dazu, um diese aus.ihren Gebirgssesten zu.vertreiben. , - , Ein Drnfentrupp rn Palästina entwaffnet. Jerusalem, 29. November. (I. T. A.) Ein Detachement britisch-palästinensischer Polizei ' stieß dreier' Tage ö st l i ch v o n S af e d auf einen Drupp bewaffneter . D.r u se.n. Der Aufforderung der. Polizei, sich zu ergeben, leisteten die Drusen keine Folge,, sondern versuchten zu entfliehen. Es gelang der Polizei, neun Drusen zu verhaften, während drei entkommen konnten. Die verhafteten Drusen wurden nach Sosed gebracht, wo gegen sie ein Gerichtsverfahren wegen unerlaubter Grenzüberschreitung und . WaffentragenZ eingeleitet wurde. Bei der ersten Einvernahme erklärten die Drusen, sie hätten nicht die Absicht gehabt, die Grenze nach'Palästina zu überschreiten, dies 'ei ihnen euch von ihrem Hauptquartier verboten worden, sie hätten sich, aber in der Richtung geirrt. Kämpfe an der Palästinagvenze. Jerusalem, 29. November. (I. T. Ä.) Die Kämpfe in Sühsyrien an der Nordgrenzei Palästinas haben in den letzten. Tagen einen sehr großen.Umfang und erhöhte Intensität angenommen. An der ganzen Front von -H e r m o n b i s L it a n i wird gekämpft. Manche. Dörferi wechseln täglich, ja stündlich, den Besitzer. Eine Entscheidung'läßt sich noch nicht voraussehen. . .•,. Die Forderungen der Syrier. Kairo, 30. November. Der ^. französische Oberkommissär von Syrien, Henry de J o n ö e ne {,1 ist hier mit den ersten .syrischen Vertretern in Fühlung -getreten. Jouvenel wurde vom König F u äd heute in Audienz Fonds . 1,5 Millionen Deltar für Zwecke der Patestine Oeconomic Corporation sowie weitere Beträge für medizinische und Kulturzwecke in Palästina zu widmen, ist auf die Verständigung mit den Zionisten zurückzuführen. Man erwartete allgemein, daß die PalästinaEoul erenz in Baltimore, die Abmachungen mit dem Joint sanktionieren wird, ' so das; die Sammelaktion nunmehr einheitlich vor sich gehen wir^ Es wird abzuwarten sein, ob fax. in der Meldung der Jüdischen Telegraphen-Agentur sich, aus'drücketrde Oplimismus durch die tatsächliche Entwicklung gerechtfertigt wird. Die VerhaMungen, die nun in Muß gekommen sind, wurden nur durch das enevg'-sche Verhalten -der Zionisten herbeigeführt, welche gegen die von Herrn Brown befolgte .merkwürdige Propagierung der KrimLolonisation Stellung nahmen. * Was,die-Summe von 15 Millionen Dollar an'betvisst, so ist hervorznheben, daß die Paleftine Oeconomic Corporation eine nichtzi-onistische Körperschaftist. weiter, ohne Jerusalemzu^ berühren, - - i Das Memorandum des syri,sch--palästinensischen Kongresses, - 'das dessen Vorsitzender- Emir Lutfala morgen dem Oberkommissär überreichen wird, erklärt, daß die W'.ederherftellung des Friedens in Syrien - unter folgenden Bedingungen möglich sein werde: 1. Sämtliche Länder unter französischem Mandat sollen einen einheitliche »Staat bi-ldeni wobei über die Stellung des Libanongebietes ein Plebiszit zu entscheiden hätte. 2. Eine provisorische nationale Regierung ist einzusetzen, die -das Vertrauendes Volkes genießt und den Auftrag erhält, .Mahlen zu einer konstitmermden Nationalversammlung durchzüführeu. 3. Diesem konstituierenden Parlament steht die Entscheidung über die Regierungssovm bei Sicherung' der ä u ß e r e n u n d i n n e r e n S o u v e r ä n i t ä t zu. 4. Das Mandat wird aujsgehoben, die künftigen Beziehungen zu Frankreich werden auf der Grundlage der Souveränität durch zeitliche Begrenzung der französischen Einflußnahme gesichert. Ein entsprechendes Abkommen wird der -Zustimmung,, der i konstituierenden Nationalversammlung unterworfen werden. 5. Die Räumung Syriens foK alsbald nach Ernennung der provisorischen Regierung durchgoführt werden. 6. - Das .Abkommen -hat beim Völkerbund hinterlegt zu werden. Das Memorandum schlägt vor, in Friedensverhandlungert mit den - Führern der Nationalversammlung in 'Syrien einzutreten.' Die Hilfe für die Juden Mt Damaskus. Wie bereits' wiederholt berichtet wurde, hat das französische Bombardement gegen Damaskus unter den dortigen Juden schwere Schaben an Leben und Gut verursacht. Die Hilfsaktion, die von den Beiruter Juden ausgi'ng, hatte bisher den Erfolg, daß in B e i r u t selbst 100 Pfund, und ebensoviel in Aleppo aufgebracht wurden. Die aus Damaskus stammenden Juden in Buenos Aires überwiesen bisher 1000 Pfund, während die B'uai-B'rith-Loge von K a i x o. 850 Pfund Sterling sandte. Die Hilfsaktion wird auch weiterhin Pom Orden B'nai B'rith geleitet. Betlilen «vd Klebelsberg nach Genf abgmiit. Budapest, 1. Dezember. (Tel.Mmp.) MinisterpvGdent Graf Bethl-e n und Unterrichtsminister Graf.KIcBe"Isberg sind'he ute mittags zur. SeKon des Völkerbun>d- .rates-nach Gens, a-bgereist. s Wie ,Magyarorszag" wissen will, wivd sich -der Rätin der jetzigen Session nicht mit der Frage des Numerus ela-usu's m Ungarn befassen. (?) Ae neue Mvnroe-PoM. -7. Wt rn. 2. Dezember. Der . Leiter des amerikanischen Arbeitsamtes empsichlt in seinem eben sertiggestellten Jahresbericht den Ausbau der Einwandenmgsgesetzgebung. Natürlich nach der radikalen Seite hin, im Sinne jener Richtung, die Amerika mit Mauern umgeben möchte, um jeden Zuzug fernzuhalten. In dem Lande,-wo jeder zweite Mensch von früh bis abend die Demokratie und die Freiheit im Munde führt, herrscht der^ Chauvinismus fast restlos. Hier ist tatsächlich die Rasfentheorie in die Gesetzgebung eingedrungen, in einem Maße,. wie man sich dies im'finstersten Winkel Europas, hinterwärts von Horthy, nicht träumen läßt. Die von deutschen Schriftgelehrten ersonnenen Lehren von der Ueberwertigkeit der ad hoc erfundenen germanischen Rasse haben in Amerika stärkste Verbreitung gefunden und alle politische und gesellschaftliche Entwicklung der Intelligenz bewegt sich auf dieser Linie. Das Kraftmeiertum muß sich selbstverständlich in dem wirtschaftlich blühenden Land mit seinen Riesendimensionen und seinem durch keinerlei Zottinien beengten Verkehr um so üppiger entfalten, als es den Kontrast des - - zwischen den Staatsgrenzen erstickenden Europa als warnendes Beispiel täglich vor Augen hat.. Für das Verhältnis zu diesem unglücklichen alten Kontinent gibt es zwei Möglichkeiten: ihm in seiner Not beizustehen und die ganze Autorität zur Schlichtung des Kriegswahnsinns auf- .zuwenden. Oder ihn weiter, auf der Scholle der Selbstmördpvlitik treiben zu lassen. Amerika hat diesen zweiten 'Weg,beschritten, und wie der erwähnte Bericht erkennen -läßt, will es diese Haltung noch verschärfen. Es wird von einer für: die Gesetzgebung. sehr autoritativen^ Stelle beantragt,. die Registrierung', sämtlicher Ausländer.vorzunehmen und im Falle der wirtschaftlichen. Notwendigkeit die Einwanderung überhaupt einzustellen. :. Sicherlich würde diese Maßregel die schon heute sich zeigenden ungimstigen Rückwirkungen auf die europäischen Notstandsgebiete noch verstärken. In Amerika macht sich niemand darüber Bedenken, es sei denn, daß .schon heute Wohltäter darüber Nachdenken, wie sie ihre Hilssgesellschaften für den verhungernden ' Kontinent zusammenstellen. Denn dort drüben ist Philanthropie eine weitverbreitete Tugend. Sie folgt errötend den tiefen Spmew der Jsolierungspolitik, und es' sind die Kreise der Neichen, deren Vermögensziffern man mit Ehrfurcht anstaunt, die so gerne Armenhäuser stiften für die Armen, die sie erzeugen. Die Reichen machen die Politik des Krieges, sie finanzieren dieses System der Mammutrüstungen, der bestbewaffneten Armee, der größten Flotte, der umfassendsten Manöver, sie sind,-ob republikanisch, ob demokratisch, begeisterte Verfechter des hundertprozentigen Amerikanismus und sie helfen dann gerne mit Corned bees -und Kondensmilch den ansgesperrlen, im verhetzten Europa eingepferchten Menschen. Der Dollar sanktioniert alles: den Imperialismus ln der asiatischen Politik, die hochmütige Abkehr vom Völkerbund, das Kokettieren mit den Sowjets und das System von Ellis Island. Diese Sorte Amerikanismus ist freilich ein Widerspruch in sich selbst, denn die Besiedelung Amerikas ist von Europa aus erfolgt. Aher solche Erwägungen werden in Amerika nicht mehr angestellt. Dort entscheidet die Macht. Sie ist in den Händen einer absolut unzugänglichen. Klasse, für die Krieg und Frieden, Freiheit und Demokratie immer nur als Momente der Konjunktur in Frage kommen. Amerika hat sich unter ihrem Einfluß vollständig von Europa losgelöst und die Monroe-Doktrin zu einer unnahbaren Festung ausgebaut.: Alles, woran die europäische Gesellschaft zugrunde gebt, Chauvinismus, Nationalismus.und. noch ein Dutzend ähnlicher Ismen, finden in Amerika eine Heimstatt, alles, was in. Europa Reaktion betreibt und hetzt,- findet drüben vollstes Verständnis, Geld und Ge- ,hör. Dasist ein selbstverständlicher Prozeß. Denn Amerika begeht ja seine Ideen («nb feine Geistigkeit ans den trübsten Winkeln-des-alten .Kontinents. . Es .wird von hier aus geistig bestnchtet, und wenn es im Gebiet des Lehrmeisters immer nur Isolierung/ Haß ,und Hetze sieht, so ahmt es dies eben in der ihm eigenen Art nach. Kürzer ausgedrückt: so lange sich'Europa nicht ändert und sich zu Vereinigten Staaten^usammenschließt, so lange wird sich auch Amerika nicht ändern. »