Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2432 (29.11.1925)
- Date
- 1925-11-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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[?olcn7^S^^z^J Wien. Lum ADholen in der Expedition, 1L, i'aboistt. 1-3, odei in einer Verschleisstetie HTrafik) monatl. ö Schilling Strassenverkaui in Wien durch die Kolporteure der Firma G o I d sch mied, I., Wolljeite 11 Mit Postversand für Wtep und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tsch ec ho« Slowakei: Mon. K22. Jugoslawien: Mon. Din. 60. Polen: Mon. 4Zloty. Deutsch)and: Mon. Gm. 4, Frankreich. Belgien: Mon. Frcs. 18 ftftctUAtuungca de» t' r «t erhOhnngen *orbebaliei> Wiener Neu eröffnet? MM-'' ROSA WEiSS Telephon 42*4-87 IPreis 25 91 England: Mon. »Schilling. Italien: Monatl. 18 Lire: Rumänien: Mon. 170Lei. Bulgarien Mon. 100Lews. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration Wien, II. T aborstr. 1 Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Dkr:Ho2. 25-2-82 IX.. Universitätsstrasse 6-8 (Druckerei!g. Steinmann) Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 Rr. 2432 Men, goniung, 29. ■gtooeniber 1925 7. Mrgani SIEGM. KORNMEHL, Grössff elschhautret Zentrale; IX., Ker88»sde 19, Tel. 17-3-99 u. 16-9-34 V'<f « Lief crantiiir Heilanstalten . Abteilung für Fl.eiich unter Aufsicht des Ehrw. Rabbinats der Isr. Kultusgeme.nde Wien;!X., Berggasse 15 und XVIIL, Währingershrasse 97 Jas Kabinett Briand. Bviand—Loucheur—Painleve—Leygues. Paris, 28.' November, Mb 1. UlHr nachmittags. (Havas.) Das Kd b ine' t t Briand ist nunmehr g ebildet; :e§ setzt! sich.folgendermaßen zusammen: Vorsitz' und . Aeußeres. . —' Briand; 'Justiz — Re noult; Inneres —' Chaute.mps; Finanzen — Lyucheur; Krieg -- Painleve; Marine — Leyg «es; Unterricht —* Data di er; öffentliche Arbeiten —» de Monzie; Handel —- Daniel-Vincent; Kolomen — Perser;Ackerbau — Durand; Pensionen — Fourdain; Arbeit— Durafeur. . U-ntevjtaatssekretäre: Präisidium — Laval; Finanzen — Morel; Krieg — Ossola; Lchffchiffahrt — Laurent - Eynac; Handelsmarine — D a n i e l o u; befreite Gebiete — Chauvin; technischer Unterricht — Rameil; körperlicher -Unterricht — Benazet; Oberkommissär für Mietzins-Wesen — Levassenr. Das 'Kabinett umfaßt demnach,b.ier Senatoren, die. der de-moEratischen - Linken angehören, und zwar: Renoult, de Monzie, Perrier und'Durand. Neun Minister sowie sämtliche U.n t e r st a a t 's s e k r e t ä r e sind Mitglieder der Kam'mer. Davon gehören Briand und Painteve der Gruppe der.sozial'istisl^n Republikaner an, Chautemps, Daniel-ou und Durasour der radMsWalistischen GruM,. Loucheur'und' Daniel-Vincent der radikalen Linken, Leygues und. .Jom^ain ' der Gruppe - der -Link s- \ republikane r. Bon «den Untevstaatssekretären gehören - zwei der mdikülsozialistischtzn . Gruppe, drei der rad'Men Linken an,einerist Parteilos. : Briand reist / Montag zur Unterzeichnung der ÄooarnovertrÄge nach L-o'n d o n.ab, kehrt Mittwoch zurück und wird noch am'selben Nachmittag sein Kabinett der Kammer Vovsiellen. Nach'einer kurzen RegievMgseMvung wird er die.schartige F.orts.etzu ng der Finanzdebatte von der "Kammer verlangen. Brmnds Besprechungen mit Tschitscherin. Paris, 28. Novlember. (Havas.) Der ,Homme Libre" hebt die Bedeutung der ^Besprechungen Tis ch i ts che r i n s mit Briand hervor. .'Das Blatt 'will/ wissen,- daß Tschitscherin auch aus die b r i t i s ch e Eü n k r e i s u u g sp o l i t i k g e g.e n Ruß l a n d zu sprechen gekommen sei. Es sei ihm hierauf mit bestimmten Versicherungen geantwortet worden, die den Zweck haben, jedwede B eunruhigung in Moskau zu zerstreuen. Bezüglich' L oe ab n o s und des V ö l ke r b u n d e s sei ihm, erklärt worden," daß>,niemand die Ausschließung. Rußlands! wolle,.ckderdioses muffe sich den Satzungen der anerkannten -internativstMw.DrMnisationenunterwerfe«. . Sie Konlerem von Battimore. Eine Diversion des „Joint" : Heute findetin B a l t i'M o r e die große Konferenz der amerikanischen Zionisten-zur Eröffnung der Fünf- Millioüen-Dollar-Kampagne für Paläst.i n a statt. Me. bereits berichtet, hat Lord B a l s o u r der - Konferenz - von - Baltimore ' - eine - Botschaft gesendet; überdies ' ist von Ramsay M a c D o n all d eine an die amer'cklmschen Juden gerichtetesAuGvrderung, ihre Pflicht gegenl Palästina zu ersüllen^eingelängti ' - Der' Appell -dev Exekutive - der.-Zio-nistische» Organisation Amerikas hat in den ^weitesten'' Kreisen mächtigen. Widerhall gefunden, der au ch'-chüs Wie Führer der I o i n t-' Ä k t i hin für. jüdische^ Kolonisation - in - Rußland nicht ohne stärkest' Eindruck bleiben konnte. Bedenkt man noch, daß die/Herven vom . Joint,' wie uns aus New-Zork berichtet wird,- jeden Versuch, die beiden Mionen zu gemeinsamer Arbeit zu vereinigen, noch in den letzten Tagen hochmütig zurückwiefen, so wird man die ifolg-ende I. T. A.-Me'ldung aus New-Iork richtig einschätzen. Nach dieser Meldung soll das Jointkomitee den Beschluß gefaßt haben, von den innerhaW dreier Jahre aufzubringenden' 15 Millionen Dollar die Summe von anderthalb Millionen Dollar der Pa lesti ne-Eco Nomie-Corp oratio n zur Verfügung .zu stellen. Laut der vom Präsidenten des Joint, Felix M? Marburg, veröffentlichten Erklärung sollen zweieinhalb Mllionen Dollar jährlich im Verlaus der kommenden drei Jahre für j ü d i s che Kolonisation ausgegeben werden, davon anderthalb Millionen allein für Ruß- .hünd. 400M Dollar sollen für Kredite im Wege der Köbperat'wen für Zwecke des Wiederaufbau ausgegvbeu 'werden, davon 260.000 für Rußland. 600.0$) Dollar sind für. medizinische und kulturelltz Zwecke vorgesehen, davon 300.000 für Rußland. Ser Streit um Moffvl. Die Türkei lehnt den Schiedsspruch des Völkerbundes ab. Paris, 28. November. (Havas.) Die Mütter melden aus K o n st a n t i n o p e l, in einem unter dem Vorsitz M u st a f a K e m a 1 Paschas abgehaltenen Ministerrat sei.beschlossen worden, in der Mossulfrage das obligatorische Schiedsgericht des Völkerbundes ab zulehnen. Der - türkische Außenminister werde heute mit Instruktionen nach Ge n s Meisen. ' Bor der Unterzeichn«»- der LoranwdertrZse Berlin, 28. November. (Tel.qKomP.) Heute mittags trat der Reichs rat zu einer kuMU Sitzung zusammen und stimmte mit 49 gegen 15 Stimmen dem Beschlüsse des Reichstages über die Annahme der Locarnoverträge.''und den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund zu. Der . Gesetzentwurf ging hierauf zum Reichspräsienten zu-' rück, der die Unterschrift leistete und die Verkündung anordnete. Diese erfolgt in der nächsten Nummer des Reichsgesetzblattes, wodurch, der Beschluß des Reichstages sofort Gesetzeskraft erhält. Zur Unterzeichnung des Vertrages von Locarno und zur Besprechung der weiteren Schritte und Maßnahmen -.in FortMrung der in Locarno aufgenommenen Persönlichen Fühlung'mit den Vertretern der anderen vertragschließenden Läwder begeben sich Reichskanzler Dr. Luther und Reichsmmister des Auswär- Dr. Stresemann Sonntag nach London. Sie werden von 'den Staatssekretäre.n Kelmpner nnd Schubert' 'begleitet sein. _. UebersShnmg Siordanr nach Tel-Awiw. Tel-Awiw, 26. November. (I. T. A.) Die Stadtverwaltung .von Tel-Awiw hat in ihrer heutigen Sitzung beschlossen, auf ihre Kostendie sterblichen Ueberreste des großen zionisttschen Führers Max N o r d au nach P a l ä st i n a zu überführen und 'in einem Ehr e ng ra b in Tel-Awiw bchusetzcn. Der Bollsschatz. - 'i. W i e n. 29. November. SarraTs Nachfolger als Landpfleger im syrisch» französischen Mandatsgebiet hat vor seiner Abreise Gelegenheit genommen, sich über den Umfang seines neuen Pflichtenkreises zu unterrichten. Seine Besprechungen mit den englischen Ministern, mit dern Präsidenten der Zionistisdien Exekutive Professor Weizmann und mit Vertretern der syrischen Bevölkerung verdienen von jedein Standpunkt aus stärkste Beachtung. Die Situation im nahen und fernen Orient steht an eindringlichster Aktualität nicht hinter den Locarno- Verträgen Zurück. Auch hier zeigt sich die enge Verbindung zwischen allen Fragen der Weltpolitik und Weltwirtschaft und die sch anbahnende Einigung zwischen den Mächten kann sich nicht auf Europa allein beschränken. Sie wirkt auch in den Raum hinaus, überall dorthin, wo noch offene i Probleme ihrer Erledigung harren. 9 Die Antriebe, zu einer Einheitlichkeit des Handelns zu kommen und die Hinwegräumung des Schuttes anzustreben, kommen aus der drohenden Gefahr des Orients. Die Mächte sehen sich einer fast schon geschlossenen Front gegenüber, die von Tanger bis Beirut reicht. Die unmittelibaven Anlässe zur Auflehnung sind nirgends die gleichen und es ist nichts als dilettantische Phantasie, wenn in der Oeffentlichkeit immer wieder das tiefe Freiheitsgefühl der orientalischen Welt. Mr das Unifizierungsbestreben Zitiert wird. Eine solche Bewegung müßte vor allem in fleckenloser moralischer, Reinheit sich zeigen. Davon ist in dem . Kampfzwischen Drusen und armenischen Christen, wie er sich im Libanvngebiet austobt, wenig zu merken, noch weniger in den mit anmutiger Offenheit geführten Verhandlungen Englands mit den vor Mekka und Medina stehenden Teilfürsten. Wo die Sankt-Georgs- Kavallerie empfängliches Terrain findet, dort ist die Anwendung der Begriffe Demokratie, und Freiheit nicht mehr zu rechtfertigen. Die Vielbevühmte nationale Welle ist, wie sich ergibt, nur in der Vorstellung vorhanden, und hinter den dem Völkerbund und der Mandatskommiffion vorgelegten Eingaben steckt nichts als das Machtstreben ehrgeiziger Dynasüen, bei denen ' die Maxime des divide et impera jederzeit leichtestes Spiel findet. Koinpliziert wird es nur durch die Mannigfaltigkeit der Interessenten. England, Frankreich, Italien, Rußland und neuerdings auch die Angora-Türkei liegen im Konkurrenzkampf, wecken immer neue Begehrlichkeit und Profithunger. In diesem Chaos liegt allein PaWftina als ruhiger Fleck. Die Unruhe stockt vor seinen Grenzen und das wirtschaftliche Leben vollzieht sich so normal, als dies unter den gegebenen Verhältnissen geschehen kann. Das ist das Ergebnis der Mischen Arbeit, die unbeirrt am Werke ist und sich in ihrem Aufbanplan nicht stören läßt. Der Anstieg der Entwicklung des Landes ist aus allen Mitteilungen ersichtlich, die von englischer und zionistischer Seite gemacht werden und die auch in der Mandatskommission vor wenigen Wochen anerkannt wurden^ In derselben Zeit, in der rings um Palästina Aufruhr und Krieg um sich griff, konnte sich im Lande selbst die Wirtschaft befestigen, schritt die jüdische Einwanderung voran. Sie steht vor täglich neu anstauchenden Aufgaben und die zionistische Bewegung, die hier eine schwere Prüfung auf ihre vevvaltenden, technischen und ökonomischen Fähigkeiten zu bestehen hat, muß inimer wieder auf die Sicl-erung und ans die . Kontinuität ihrer Ackeit bedacht sein. Sie hat die jüdische Heimstätte zti bauen. Sie hat das politische Ziel, das Judentum mit dem Land aufs . innigste zu verbinden und eine starke und in sich gesunde jüdische Siedlung zu schassen. Sie muß den freien Boden an sich ziehen und ihn zum festen Eigentum der Wiener Rathaus- Grofjies und schönstes Fa$ der Welt 1