Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2427 (24.11.1925)
- Date
- 1925-11-24
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2979076-2981191-2981513--24753-3012329- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
_ Ekeite 8_Wien, Dienstag bot dem Privaten, bent nur wenige Lyriker ciugangen sind. Bleckt man a'ber m der Welt, schmeckt mit -den Nerven, Volt me Erkenntnis mit den Augen, stürzt sich kopfüber m-den «sturm der Stadt, ohne nach oben oder nach unten zu schauen, dann kommt etwas M'tande, das den, kritischen Verstände lM gemetet. Vcktvr Wittner schuf solch eine unerbittliche, unwnventl-onelle, unseierliche Lyrik (wenn man Maupten will» N? .ule Großstadt keines Cn.husiasmus wen ist) in seinem Godichwairü p r u n g auf die S t ra ß e" der jüngst im Verlag „Die Schntiede" (Berlin) erschienen ist. Das adgegriUene Wort „Rhythmus" oder das noch, banalere .Karbe" kann nicht dle Idee seiner Verse tviedergebeu. Es ist eine verdichtete, verfluchte und gesegnete Großstadt.' die Reverenz verlangt, die Respökt. Anerkennung, ki Liebe gebiete;. Nimmt man die GrofstM — wie Dostojewski es getan — -als Ver- Mchsstation einer ^Epoche, als Schmelzofen ' der Ideen, als KvemuW aller Züge, als Geburtsort der Kult Urformen, der stusormen. der Lebensformen. dann gelangt man zum Wesen v?£ monumentalen Erscheinungen. Hier liegder Kern zur usberpevsonlichkeit, zu einer Objektivität -."s Schemens; der Dichter, der sie sich zu eigen macht, wird den „Ausdruck 'des Müden Lcibeus der Vielen" finden. Man kann die Großstadt durch em reale, durch eine pathologische, durch eine ürchiteltoniiche Phantasie erfassen. Einer sicht sie von ferne als Prophet,, em anderer als aktiv Wirkender, ein dritter als der. welcher m ihr Xcbeu und in ihr aufstehen nruß. Dieser liebt ne, mag er auch an ihr zugrunde gehen. Sie wird -ihn, zum «Symbol eines durch die W-orte der Prosa Unaussprechlichen. .ist Viktor Witwers Tragik und das allein ist seine Mg- Ilchikelt, mit der Großstadt fertig ßit werden. Sein Verhängnis wird chm zur Dichtung. Mauern, Nebel, Tramway, Sturm, einsames Wandern, die Wochen- und Sonntage sch-n'ken chm dre Schniucht, diese Dinge zii Liedern kliugeird zu machen, atnd diese Lieds r beikommen eine Gewalt lutb de' a'ler Mystik ein^ Eindeuti^eit. die -weit hinausgeht über die Sphäre einer wmtagsmelodle. Das Lied wird arr Symphonie, das Bild zur Biswn. Aus dem Zufall des Erlebnisses ward eine starke Dichtung. . o. r. SerichtsW. Der Aiiterdrotprotetz vor dem Lbersten Gerichtshof. Gestern vormittags begann, wie berichter, vor dem Obersten Gerichtshof )ie Verhandlung über die Nichtigkeitsbeschwerde gegen das Urteil vom 2. Mai dieses Jahres, mit welchem der Generaldirektor der Ankerbrotfabrik A.-G., der Komruerzialrat Artur Fried, wegen Verbrechens der Preistreiberei nach dem Gesetz vom 9. März 1921 zu acht M o n a t e n schweren Kerkers und zu enier G e l d st r a f -e üoii zehn Millionen Schilling (190 Milliarden Kronen), eventuell zu weiteren sechs Monaten Arrest im Falle der NichtLmbringung der Geldstrafe verurteilt worden war. Zn Beginn der Verhandlung, vor 10 Uhr, ergr'ff der Berichterstatter Hoftat Dr. Koeevar, das Wort, dessen Ausführungen die ganze Vormittagsverhandlung ausMten. Nach dem Referat des Hofrates Koeevar sprach der Vertreter des Generaldirektors Fried, Tr. Edmund Benedikt. Er führte u. a. aus: Die erste Frage ■ war, ob das Preistreibereigesetz vom 9. Marz 1921 auf die Preisfestsetzungen des Jahres 1924 für Brot überhaupt Anwendung fand. Die angebotenen Beweise wurden abgelehnt, weil das Gericht die maßgebenden gesetzlichen Normen vollständig verkannte. Es kan« keinem Zweifel unterliegen, daß die vorgenommene Scheidung zwischen Angebot und Nachfrage in der Richtung, daß die die Preistreiberei begründende Nachfrage unabhängig vom Gütermangel vollständig rechtsirrtümlich ist, was sich aus dem Wortlaut des Gesetzes und seiner Entstehungsgeschichte ergibt. Wiener Morgenzeitung_ Das Gericht hat unter Ablchumrg aller Beweise über das Nichtbestehen des Mtermangels gemeint, es müsse nicht das Jahr 1923, sondern das Jahr 1913 zum Vergleich herangezogen werden. ES hat der Herr Vorsitzende in einer Reihe markanter Aussprüche zum Ausdruck gebracht, daß es sich hier im wesentlichen um einen Tendenzprozeß handelt. Dr. Benedikt beschäftigt sich nun mit der Preisbildung und ihren Grundlagen und der Bilanz, bespricht dann die Kalkulationen und führt aus, daß auf Grund der amtlichen Schätzung der Anlagewerte der Ankerbrotfabrik 285 Milliarden für das Firme „kapital sich ergeben haben, während der Vorsitzende 110 Milliarden aunahnu Diese Tatsache wirft sämtliche Berechnungen des Urteils und das Urteil selbst um. Auf Grund vollkommen widersprechender, zum großen Teil offensichtlich irriger Gutachten, unter Zugrundelegung irriger Rechtsanschauungen über die zulässige Preiserstellung, unter Verkennung der Tatsache, daß Wtermangel an Mehl damals nicht bestand, unter Uebergehung der Bedeutung des Marktpreises für die Frage des richtigen Preises unter tvlllkürlicher Annahme einer künstlichen Einschränkung des freien Wettbewerbes, wurde der Direktor der Ankerbrotfabrik wegen Verbrechens verurteilt und zu einer für ihn und die Fabrik u uerschwinglichen Geldstrafe verurteilt. Die Preistreibereigesetzgebuug hat eigentlich im Laufe der Zeiten nie etwas anderes hervorgebracht, als die Opferung einzelner an den Weltgeschchuiffen auf dem Markt völlig unschuldiger Personen. -Dr. Benedikt schloß: Ich bitte das angefochtene Urteil auszuheben und dem Angeklagten nach einem ehrenvollen und in höchstem Maße arbeitsamen Leben als unbescholtenen Mann der bürgerlichen Gesellschaft wiederzugeben. Gegen 1 Uhr mittags begann der zweite Verteidiger Doktor; M rav lag mit seinen Ausführungen. Er verwies darauf, daß im Urteil des Schöffensenates bezüglich der Rentabilitätsberechnuugen I r r t ü m e r unterlaufen seien und auch Widersprüche. Das Uneil habe auch angenommen und ausgesprochen, daß die Berechnungen der Sachverständigen, auf die diese ihr Urteil aufgebaut haben, falsch seien. Dr. Mravlag bespricht nuck ausführlich die Frage der Rentabilitätsberechnungen, wie sie von den Ankerbrotwerken selbst vorgenommen worden sind. Dr. Mravlag legt nun dar, daß den Angeklagten Fried kein subjektives Verschulden treffen könne, um so mehr, als er infolge des Todes seiner Frau seiner geschäftlichen Tätigkeit gerade in der kritischen Zeit entzogen war. Dr. Mravlag kritisierte dann das Ziffernmaterial des Landesgerichtes und führte aus, daß der Monat Oktober unmöglich herangezogen werden könne, weil die Straftat bis einschließlich September geführt werde. Um 2 Uhr unterbrach der Vorsitzende, Senatspräsident Dr. Warhanek, die Verhandlung. Die Fortsetzung findet heute um 5 Uhr statt. Dr. Mravlag wird seine Nichtigkeitsbeschwerde zu Ende führen. Jüdische Studenten vor einem rumänischen Kriegsgericht. Aus Cluj meldet I. T. A.: Das Kriegsaericht des 6. Klaujmburger Armeekorps hat ein Strafverfahren gegen 19 jüdychr Hörer der Großwardeiner Rechtsakademie eingeleitet. Angeblich soll sich ein jüdischer Hörer in dem Geschichtsvortrag des rumänischen Professors Jakob Lazar respektwidrig betragen haben, worauf Zusammenstöße zwischen rumänischen und jüdischen Hörern erfolgt seien. Das Kriegsgericht verurteilte die drei Hauptangeklagten Balkani, Schütz und Klein zu je vier Monaten Arrest. 24. November 1925 Nr. SM ".-.-.. - ---- Bolkstvirt. Sie Handelslage PaMinar int dritten Quartal 1921. Ucbi'r die Handelslage in Palästina in der Zeit voH 1. Juli bis 30. September schreibt das „Commercial Bulletin": Die Handelsverhältnisst waren im ganzen Lande sehr günstig, wie aus nachstehender Tabelle ersichtlich, welche bei, gegenüber derselben Periode im Jahre 1924 bedeutend gesteigerten Import aufzeigt. .Import Export 1925 1924 1925 1924 ägypt. Pfund ägypt. Pfund Ju'i . . .684191 425.398 Au ust . . . 717.883 497.678 September. . 801.038 584. .89 141154 99.508 83.14 803 K) 63.3*2 125.703 Die Zunahme des Imports bewirkte vor allem die gesteigerte Emsirhr von Baumateriulien, Zerealien, Textilwaren und KoufekM. Die Steigerung des Juliexports ist der Menge Wassermelonen (für 78.615 Pfund) zuzpschreiben. Münzen und Gold wurden im September 1924 im Werte von 42.068 Pfund exportiert gegenüber 1162 Pfund im selben Monat des Jahres 1925. Wassermelonen wurden im September 1925 für 4000 Pfund exportiert gegen 22.640 im vorigen Jahre. Beide Faktoren trüge,! zur Verminderung des Septemberexports bei. Diese starken Anslandskäufe sinv a) der regen Bautätigkeit zuzuschreiben, die immer noch in, Laude sortdauert. und b) dem höheren Lebensstandard der großen Zahl der bemittelten Einwanderer, die seit dem Jänner 1925 ins Land kamen. Dank den großen Beträgen flüssigen Kapitals, welche durch die Einwarlderer auf den Markt gebracht wurden, sind die finanziellen Vechältnisse des Landes weiterhin glänzend. Allerdings hat die starke Steigerung des Imports in verschiedenen kaufmännischen Kreisen gewisse BefürchtUMn hervorgerufen, und um ungesunden Spekulationen vorzubeugen, haben die Banken, wie verlautet, begonnen, die ftrebttc strenger zu kontrollieren und allmählich eiuzuschräukei, Infolge des Ausfuhrverbotes von Zerealien aus Syrien . und Transjordanien mußte Palästina, u,n der lokalen Nachfrage gerecht zu werden, aus dem Ausland in,portieren, insbesondere da die Zerealienernte der Saison unter dem Durchschnitt geblieben war. Gerste, Weizen, Riehl, Bohnen und Mais sind in großen Quantitäten importiert worden. Noch immer werden große Geldsummen in die Banarbeit innerhalb des ganzen Landes gesteckt. Ein neues Zentrum dieser Tätigkeit ist jetzt Afuleh im Enlek Jesreel, wo ein Hotel, eine Mühle und 30 Häuser gebaut werden. In der Berichtsperiode war der Sommertouristcnverkehr feljr rege; große Touristen- und Pilgerscharen besuchten das heilige Land imd hielten sich ein bis fünf Tage im Laude auf. -effenmg der Wirtschaftslage Sefterreichs. Aus dem Expose des Handelsministers. Der Finanzami> Budgstausschuß hält jetzt in der Beratung des Voranschlages für 1926 'beim Kapiitel „H«andal und Berk ehr". Handelsminister Dr. Schürsf erstattete geistern ein ausführliches Exipose, in welchem er zunächst -feiststellte, daß die Besserung unserer wirtschaftlichen Situation Fortschritte mache. Ms Beweis hieKr MM er das Sincopvnsdt 1924 by 74 Fortsetzung. Wolff Vtrlag A.-G ßdünciiei- Nachdruck verboten. Hm Mvlmft. Eine amerikanische Autobiographie von Samuel Ornitz. Er stottert... „Eine Katastrophe... ein wirbuch bedeutender Mann ... Philanthrop . . . Humanitarier . . . nichts erreicht, wenn man ihn verurteilen würde . . . nichts . . . gewisse Dinge im Interesse des öffentlichen Wohls zu verschweigen .•. . .die Mädchen und ihre Eltern würden natürlich in geeigneter Form . . . und die Anwälte desgleichen . . . und die Detektivs . . . zweckdienlich . . . furchtbare Warnung für den Mann... ein Fehltritt." „Das -rurc B'iroermm darf ein Verbrechen nickt einfach verzeihen." Ich habe seine eigene platte Phrase wiedechölt, aber er ist zu besorgt um seinen Klienten und persönlichen Freund, als daß er einen ironischen Unterton heraushören würde ... Er nimmt es für 'bare Münze und beginnt wieder mit seinem Lamento. So komme.denn ich zum Kern. „.Hören Sie mich an, Herr Exgouoerneur. Es soll Ihrem Freund nicht einen Cent kosten, den Fall zu unterdrücken, nicht einen tat: . . . Er soll sogar einen Widerruf und eine Ehrenerklärung in der Handschrift der Mädchen bekommen . . . Ich selbst werde den Detektivs und den Eltern Schweigegeld zahlen . . . Aber ich erwarte ein Schriftstück dafür. . . ein Weihnachtsgeschenk von Ihrem Gouverneur — eine' Urkunde, die Myer Hirsch zum Nachfolger des verstorbenen Richters Hussing ernennt . . . Meyer Hirsch zum Richter der Obersten Krimina'lgerichtes macht . . Er war so entsetzt, daß er halb vom Stuhle hochfuhr. „Nehmen Sie den nächsten Zug nach Albany, dann können Sie zeitig morgen früh, mit der Ernennungsurkunde zurück sein. Das gibt Ihrem Gouverneur die Gelegenheit, zu beweisen, wie sehr er an eine seiner Lieblingsideeu — keinen Parteiunterschied bei der Ernennung von ^icfytcrn — glaubt. Ein republikanischer Gouverneur, der einen regulären Demokraten ernennt, Meyer Hirsch, dessen Wissen, Erfahrung und glänzender Charakter ihn für den Richterstuhl geradezu prädestinieren! Soweit Richterstühle in Frage kommen, ist der Gouverneur nicht Parteipolitiker. Die Ernennung wird ihm Freude machen, ganz abgesehen davon, daß sie den mächtigen republikanischen Förderern Freude machen wird." Er versucht höflich, mich von meiner Idee abzubringen, nennt eine Summe, eine ungeheure Summe, aber ich antworte kurz: „Machen Sie, tvas Sie wollen, ich warte jedenfalls bis 11 Uhr morgens" . . . Dann öffnete ich die Tür für ihn, als nicht mißzuverstehendes Zeichen, daß unsere Unterhaltung beendet sei... Er schüttelte mir freundschaftlich die Hand und fuhr mit dem nächsten Zuge nach Albany. 4. Noch immer steht Philipp zeitig aus. . . Am anderen Morgen wurde ich durch lautes Klopfen an meiner Schalfzimmertür aufgeweckt. Philipp stürmte mit eiu-er Zeitung in der Hand herein. „Du Lümmel, warum hast du mir das nicht vorher gesagt? Glaubst du nicht, daß mein zukünftiger Schwiegervater gerne bereit sein wird, seine Tochter in die Familie eines Richters einheiraten zu lassen?" ... Ich wollte wissen, wovon er eigentlich redete. . . Philipp schwenkte die Zeitung und schrie :„Hier steht's, auf der ersten Seite . . . Gouverneur ernennt Hirsch zum Richter. . . Republikaner erwählt Demokraten . . . Sieg unparteiischer Richterauswahl... Hirsch bekannter Anwalt... Führer nationaler jüdischer Bestrebungen ... Ich griff hastig nach der Zeitung und sah, daß es sich um eine mitternächtliche Meldung aus Albany handelte. Ein getvisser Mann mußte so nachdrücklich gewirkt haben, daß die Bekanntmachung sofort an die Zeitungen ausgegeben wurde, um sich selbst und mich so schnell als möglich zu beruhigen. Als ich nach der Office kam, war sie überfüllt mit Leuten, die gekommen waren, um mir zu gratulieren. Big Jini kam, um ausfindig zu machen, wie zum Teufel das eigentlich 'zugegangen war und ob ich einer sei, der seinen Mantel nach dem Winde hänge, und ob ich vorhabe, ' ihn zu betrügen, trotzdem er so viel für mich getan hübe... Ich führte ihn in Maxies Office, erklärte meine Strategie, und er grqtulierte mir zu meiner Geistesgegenwart. Richter Hussing war Demokrat gewesen, und ivenn sein Posten ' mlt einenr strengen Republikaner besetzt worden, wäre, hätte das unserem Prestige sehr geschadet. . . Der Exgouverneur war in meiner Privatosfice... Er gratulierte warmer und herzlicher als alle anderen . . . Jetzt war ich Richter ... er verbeugte sich ... die ganze Welt schien sich zu verbeugen . . . Maxie kam grinsend herein und umarmte mich ... Die Welt erfuhr nie etwas von einem gewissen Falle. Ich achtete darauf, daß alle, die daran interessiert waren, zufriedengestellt wurden . .. Und so wurde ich Jhro Ehren, Meyer Hirsch, Richter, Oberstes Kriminalgericht. 6. Ein formelles Geschwätz von ^Nichtigkeiten harte mir eine langweilige Viertelstunde verschafft . . . Ich tue mein Aeußerstes, um Konversation zu machen . . . Wieder heben die langweiligen Phrasen an: „Wirklich... zu gütig . . . danke sehr ... so liebenswürdig ... besuchen Sie uns bald wieder" . . . Eine unangenchnre Panse. . . Der leichte Frühlingswind spielt mit den Vorhängen. Ich blicke über die reich ausgestatteten Räumlichkeiten der Wohnung Philipps am Riverside Drive. Er ist soeben von seiner Hochzeitsreise zurückgekehrt und in einenr modernen Duplex-Appartement untergebracht, das er mit ausgezeichnetem Geschmack und großer Eleganz eingerichtet hat . . . Das ehemalige Fräulein Munsterkase, jetzt nceine Tante Josesine, hat mich mit gemessener Grazie empfangen, die, wie ich bald heraus hatte, aus einem eingelernten, auswendig gesprochenen System von Phrasen bestand .. Wenn die naseweise Margot zugegen gewesen wäre, hätte sie die ganze Situation vermutlich treffend mit einer bezeichnenden Handbewegung nach dem Kopfe und mit „Leergebrannt ist die Stätte" charakterisiert. Als ich den Ausdruck in ihrem Gesicht beobachtete, fiel mir ein, daß Mrs. Philipp Gold genau wie Dopie Jkie Schneider war, nur daß sie den Vorteil eines geschickten Drills auf ihrer Seite hatte, durch den sie den Anschein eines vernünftigen Gesprächs aufrecht zu erhalten vermochte. Kein Wunder daß man sie einem ruxischen Juden überlassen hatte . ., Aber schließlich wollte Philipp ja keine Frau, tröstete tq mich . . . es machte kaum etwas aus, daß sie geistig nutet dem Durchschnitt stand ... sie war ja nur Mittel zun Zweck . . . ein Sprungbrett ... (Fortsetzung folgt.)