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Wiener Morgenzeitung · 1925-11-10 · Heft 2422 (10.11.1925) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2422 (10.11.1925)
Date
1925-11-10
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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BefelS Wen, Donnerst Wiener MorgenzeiLung Id. Uodember M5 Nr. 2M2 tzerichtssaal. Das MWchlihh: Hakeukreuzkrplakat. Vor dem Landesgerichtsrat Dr. Arie. Strafbehirisgöricht 1, hatte sich heute Der. Private IM B. itxgett einer unter oigenarttigen Umständen angeblich begangenen Uetbertretuag der boshaften Beschädigung, fremden Eigentums zu verantworten. Nach Inhalt der polizeilichen Antzeige soll der BeischMiate vor oimger Zeit Mtrlich früh eilt ans einer AnKindigunigMule in der Krmn- 'vamngasse ausgMbtes HakentreMerlplaVat boshafteMeise durch einen heftigen Schlag mit seinem Stock aufgevtssen itn'b dadurch M ©atme, vernichtet haben. Der Angeklagte, verteidigt von Dr. P lascht cs, erklärte vor Gericht, daß oas fragliche, iniit HÄenkreMn gefchvmckte Plakat Men sehr aufreinenden Jnhmt.. der gegen die Juden gerichtet war, enthalten lMe, in seinem Unmute gegen das Plakats von dent schon ein Ten herausgevissen war, einen Schlag riitt dem Stock geführt. Er habe das Plakat dadurch keineswegs henmtergertssen oder vernichtet, sondern nur sozusagen achgefchlitzt. Der als Zeuge vemommewe Wachmann, welcher den Angeklagten seinerzett beanstandet hatt«^ gab an, daß von dem Plakate nur ein ganz Meiner Teil bereits eingerissen war. Der Angeklagte habe mit dem durch'fernen Stock geführten Hieb das Plakat aufgerissen Vicht aber yeruntergerissen und sei das Plakat noch immerhin, wenn auch nicht so leicht wie vor dem Hieb mit dem Stock, Lesbar geiivösen. Der Richter sprach den Angeklagten frei mit der Begründung, daß der Angeklagte mit dem Hieb mit den Stock das Plakat keineswegs ganz vernichtet, sondern nur auftzeischürst hcche. Es sei bei der Bourteilnng der Frage, ab eine boshafte Sachbeschädigung vorttege. auf die materielle Wertschädigung, nicht aber'auf die ideelle Schädigung des bettreffenden Gegenstandes RüGchi zu nchmer. Die unbesoldeten RechtspraMkanien. Im Bechand- 'lunassaal des Landesgevichles hielt gestern der Verein der RechtsprakManten eine Vevsamnüung alb. in der er gegen den Erlaß protestierte, womit den RechlspraÄikanten Die bisher bÄo^ene monatliche Entschädigung von 82 Schilling eingestellt wird. Die einzelnen Redner fiihrt«it darüber Beschwerde, daß die Rechtspraktikanten zu allen möglichen KaiHlevarbetteti herangezogen werden. Die Richter seien so mit Arbeiten überhäuft, daß sie gar nicht Zeit haben, die Rechtsprattikanten zu belehren. Es wurde eine R esolntion beschlossen, die der Ausschuß des Vereins den kompeienten Stellen überreichen wird. In dieser Resolution wird die Wiederherstellung der Entlohnung der Rechtsanwaltswärter in einer Höhe verlangt, die der Arbeitsleistung, den hcuttgen Wirffchaftsverhälmissen und der Verarmung des Mittelstandes entsprich!. Bei Erledigung aller die Rechtchoaktttanten betretenden Fraget! ist ihre Vertretung betzüsichen. Arme gemeinsame Jollaravleihe 1Br die; . BvvdeMvder. Mchluß des Landes Niederösterreich mit Lißman u. Co. ' 'Die BerhaMuirgen,. welche sei! einigen Monaten wegen WGHme «ms DottäcktrMtes ftir dte. BnndeMnder schwebten, rstnd geistern endgültig olbgübrochen worden. Ursprünglich beftästd der Plan, den Bundesländern Riederösterreich, Kä r n t e u. Stet er,ma r? und B u r ge nl a n d gemeinsam eine große Dollaranleihe in der Höhe von 15 MilliioiMt- Dollar zu gewähren. Die Verhandlungen wurden mir 'oem Bankhaus Morgan, Livermoor u. Co. gesühr!. Von dem Gelbe sollten das Lund Niederösterreich 5 Millionen, Kärnten die Halste, Steiermark 5 Millionen und das Bnrgenland eine halbe Million .schalten. ■ Das FmannnsnHterium förderte diese-Anleihe, mit welcher die sinzrlnen Länder JiMtitionen vornchmLn sollten. ' ' Im letzten Monat haben sich ''aber Schwierigkeiten ergaben. Das Land Nieder öfter re ich, welches ursprünglich 5 Millionen Dollar in Anspruch nchmen wollte, um davon der Newag, welche bekanntlich seit einiger Zeit notleidend ist, 2 Millionen Dollar zur Verfügung zu stellen, und den Reist für Spitäler, Straßen ujsw. verwenden wollte, erklärte int letzten Moment, daß es nur zwei Mllionen Dollar beattspruche. Diese Sutn-me soll nur für die Mvag verwendet werden, deren Anleihe in Amerika.nicht günstig steht und die sich auf andere Weise kclin Geld verschaffen könnte. Ans Politischen Gründen hat das Land Riedevösterreich von der Jnachpouchnahme der weiteren 3 Mllioiün abgesehen. Wegen der 8-Tkillionenan'leihe entwickelte sich ein ziemlich heftiger KonkurrenItamPs zwischen denn Battchans MoMN, Livertnoor u. Co. und dem Bankhaus Äißman u. Co., ivelches seinerzeit die Dollavanleihe der Newag in Amerika omrliert hatte. Durch Vermittlung der Niederösterveichischen Eskvnrptegesellschaft, tvelche mit dem Bankhaus L i ß m a n seinerzeit die Emission des Alpinekvedits durchgefühvt hatte, trug dieses Bankhaus den Sieg davon. Es hat gestern den Vertrag mit dem Lande Mederösterreich ftj abgeschlossen. Die Anleihe lautet auf Götddollar, wird mit 7w Prozent verzinst und läuft 25 Jahre. Die Bedmgimgen der Anleihe, welche infit 87 Prozent zugezählt wird, sind die günstigsten, die -seit dem Zusammenbruch österreichischen Kreditnehmern gewährt 'wurden, und stellt sich die Nettoverzinsung für das tatsächlich gilgszählte Kapital auf 946 Prozent. Der Anleihecrlös wird der Newag zu OviginMcdingungen zuHefiührt, welche daraus ihre schweibepdm Schuilden konvertiert und Wich ' tige Investitionen durchführen wird. Damit ist die Kombination .des Banchausts Morgan, welchem am Schuldner MedeMerreich als - solventestem BundsÄande viel daran gelegen war, erschüttert worden. Infolgedessen hat sich das Bankhaus Morgan, Livermoor u. Co. veranlaßt gcfchen, aus den Kredit bei den anderen Bundesländern nicht mehr ztl rcsttttieren, zrmtal da ursprünglich eine Eolidachastung aller Bundesländer in Aussicht genommen war. Durch di eien Entschluß Morgrns ist die Moitopollstellung des Bankhauses Morgan für die österreichischen Anleihen in New- Iork erschüttert worden. BerhaMuogenPolellswegen einer Ansiandranleihe. 'Ans Warschau wird gemeldet: Die polnische Regierung hat bökanntlich vor einigen.Wochen durch den Direktor der Waifchauer LanÄvirtschaftsbant SieczLo^ki ,in Wien sondieren, lassen, ob in Wiener BaMreiscn die Bereu- Willigkeit bestehe, für die polnische Regierung, beziehungsweise M'Stützung des Zlotyknvses eine Anleihe zu gewähren. Als Sicherstellung sollte»! die Einkünfte des polnischen Taba'kmonopols - urchdes Sviritnsmchwpols biertett, be-ziehungs- ►amp weife wurdet, auch Verhandlungett wogen eventuellen Eilt- Irrttes von österreichischen Tretchändern in die Verwaltung dieser JnstitMe gepflogen. Die VerhaM>uil,gen haben sich, wie sich nunnichr herausstellt, nicht so evsÄgdersprechonid äuge» lassen, daß eine weitere Berfolgtlng notwendig gölvorden wäre. Die polnische Regierung hat nnnnvchr ähnliche Kreditverhatidliliigen in A>meri?a und Italien angeknüpft, von welcher! beiden Länderit Poleti schotl früher Anleihen echalten hat. Am stärksten interessiert zeigt sich die Ban ca Commerer alle Jtali-ana, welche vor einigen Tagen Bortr-eter nach Warscha.il entsendet hat, um dort über die Modalitätetr. der Anleihe zu vechandelit. Als Sicherstellung kommt das Talbaknlonopol in Betracht. Bon den amerikanischen Banken sind die Federal Reserve Banks rmd die Bank Columbia Trust interessiert, welche bereits von den früheven Ailleihen her einen Teil des Panischen Spiritusmonopols in Händen haben. Die BerhaMnngen sind scheinbar durch die Regiemngskrife unterbrochen worden, dürften aber in der nächsten Zoll fortgesetzt werden. Stille Devisenmärkte. Aus allen Tevifenplätzett war das gestrige Geschäft sehr still. Bemerkenswert war die. ungleichmäßige Haltung des Zloty, der in Wien sich von 103.75 aus .104.90 besserte, während er iu Prag und Zürich leicht rückgängig war. In Zürich ermäßigte er sich auf 78. während er in Prag von 490 ans 489 abbröckelte. Die Kursänderungeu der übrigen Devisen waren nnbedeutend. , Weihnachtsausstellung auf dem Messegetäilde in Pr<m. Tie. Prager Messeleitung gibt bekannt, daß bereits der größte Teil der Stände, welche fiir die Weihnachtsausstellung (13. bis 25. Dezember 1925) auf dem neuen Messegelände bestimmt wurden, besetzt Ist, weshalb also, da unter anderem der Sportpavillon für obigett Zweck feinen freien Raum mH auftveist, nur noch raschest sich anmeldrnde Nachzügler Berücksichtigung sirtden können. Daß nächst dent Sportpavillon zur Winterszeit ein cigetrer aroßer Eislaufplatz hergerichtet wird, auf dem eigene Karnevalsfestlichkeiten geplant sind, setzen wir als bekannt voraus. Ausgleichstagsatzung des Bankhauses Popper. Gestern fand die Ausgleichstagsatzung der im September dieses Jahres insolvent gewordenen B a n k f i rm a P o p p e r statt. Der Anwalt der Firma wendete sich gegen den Gläubigeroertreter, da dieser angeblich die fingierten Kontis des flüchtigen Benedikt Arnheim vertreten soll. Nach dem Bericht des Ausgleichsvevwalters betragen die Efsettenschul-den der Firma Popper 117.000 Schilling, die Forderungen 45.000 Schilling. Die Berhaudlung wurde ans dm 7. De-. zmlber vertag t. Insolvenzen. Das Ausgleichsverfahren wurde eu öffnet über'David Traub, Kaufmann, 20. Bez., Greiseneckerstraße 6, über Jchann Freudenschuß mMÄ?, L!ber Etnil Löwy, 19. Be.^ Döblinger Hauptstraße 61, über die Firma Robert Landau u. C i'ei, 1. Beq.. Kärntnerstraße 41, über Nroritz Berger, 7. Bez., ReuftWgasse 32-34, über Moritz W-e i ß u. Co., 7. Bez., Neustistgasse 32-34, - über Georg Bornke, Ansichdskartorchanbel. 2. Brz, Cq'evningasse 7p.unb. über Karl S ch ö -u Hose r, Kürschner, in Berndorf. Devise» Devisenu«D Baluteykvrse vom 18. November 1925. Amsteraam Belgrad. . Berlin . . Brüssel . Budaoest . Bukarest . London. Mailand . New-Yotk. f’aris . .. Prnjr . . . Oeid. . War« 0eto Wgx* Oeic Warp ' 2Q6'.td . 286 10 Soüa.. . . . 8. 5.14 5 18 franz&slscne Noten , . 8. 28.38 28.60 12 B5 12.59 5toeNI»oim ....... 189.60 190.21 Holländische Noten .. -.188 J» 169 2 W»»ciiaw . ... . . .. 104.90 105.40 Italienische Noten . . 28.15 28.35 , 32.14- 99 28 3.2676 34 36 32 26 Zürlcii * * * p » « i 136.62 137.12 Ingoslawische Noten . . 12.49 12.55 99.66 2.2776 34.46 Valuten A.iu,‘.rluaiu8chc Noten - 709.— 713.— Polnische Noten . . Runthniscne Noten . . . Russische Noten Roman.) Schweizer Noten . . . 104.80 105.80 23.27 28 39 Belgische Noten .... -. — 136.40 137.20 708 66 711,06 Bulear. Not,. ...... 6;io 618.— Teciiccho-siovr. Noten 20.9826 21.1028 28.42 23.68 'JeutKChe Noten . . .. 168 60 169 10 Türkische Pfund-Noten 20.0926 21X7i6 Knplisede Noten 34 3650 3451.60 Uncariscir Not«" 90.45 99.8 Copyright 1924 by WoUf Vtriag A.*G. Mönches. 70. Fortsetzung, '.'iachdruck verbotru. Herr FettwMft. Kine amerikanische Autobiographie von Samuel Oruitz. Ein Ko-nütee des Tempels betritt das Zimmer, an seiner Spitze der junge Rabbiner Drucker ... Sie wollen mH mir konferieren. Ich habe meine Ruder in die Tempelaffären gesteckt, habe eine Streitfrage herau-fbeschworen. Ein erfolgreicher Polmker weiß s'ben, -wie er aus den Siegen seiner Gegner Kapital schlagen ikann. Finn wird an der EaMde zu erfolgreich. Und was schlimmer ist, er attackiert mich persönlich. Ich 'habe nüserer Kongregation vorgeschlagen im Ghetto ein Wohlsahrts- Mtru-m einzurichten. um das geistige Lehen dep heranwaichfendetr Generation gn retten, da diese allzu sehr nnter den mchtMischen Einslutz von Leuten wie Finn gerät ... Ich lud Munst-ertasie und Mortimer ein, sich an den Besprechungen des Komitees zu beteiligen. Jetzt bin ich wieder ganz bei der Sache. Ich bemühe mich, aus Wlipps Schwiegervater in spe einen guten Eindruck zn machen . . . „Es wird nicht lange <bauern," tröste ich sie. „Und daM können wir mit gutem Gewissen Pinochle spielen . . Das macht sie lachen ... Bald sinid wir bequem um den Kamin gruppiert; und unser schleichender japanischer Diener serviert Rauchzeug . . . Drucker war Hilfsralbbi des ehrenfesten Joseph Roseman, der seit vielen Jahren Obermbibi.des Tempels an der 5. Avenue war. Der junge Rabbi war ehrgeizig und verstand sich auf alle Zdniffe des Strebers. Seine Methode bestand darin, -datz er einflußreichen Mitgliedern Honig ums Maul schmierte ... Er erwähnte kurz den Zweck der Sitzung und begann mit einer Schmeichelei für mich. Cr verwandte ausschließlich foie leicht verständlichen, geheiligten Phrasen .. . Judentum . . . Judentum . . . Und wie der sah er eine Gelegenheit, mir eine Schmeichelei zu sagen . . . „Mr. Hirsch, seit langem als Schildträger des Judentums begannt, der Verteidiger seiner zeitlosen 'Ideale und der Mischen Kultur. . . Jetzt -erkennt Mr. Hirsch mit beiwunderungMüvdigem Scharfblick eine Gefahr, die entstanden ist... Mir müssen es ftw uns en, wir müssen es wirklich für uns bchalleti, denn damit, daß wir unsere eigene Schmach an die große Glocke hängen, können wir nichts erreichen , . . und wir müssen erkenneil,, was Mr. Hirsch so scharfblickend erkannt hat, daß die jungen Juden der neuen Generation dein Judentum entfremdet werden . . Muufterkase schüttelte in se-ierlicher Brrzweiflnng den Kopf. Mortimer unterdrückte ein Gähnen... Der Rabbi war wirklich langtveilig, abgesehen davon, das; er es verstatid, seine Karten zu verteilen. Ich fürchtete, daß er die Sitzung zu lange ausdchnen und Munsterkase um sein geliebtes Pinochle bringen würde. Glücklicherweise kam in diesem Augenblicke Dr. Lionel Crane . . . Ich hatte Crane gebeten, uns seinen Rat gewähren zu willen. Ich spielte 'ein geschicktes Spiel mit Crane. suchte ihn nach der türkischen Methode, einetr gefährlichen Gegner durch Pascha- ^.vürden und Serails zu bestechen, aus meine Seite zu Ziehen. Ich hatte das GesÄhl, daß Crane willens sein 'würde, an meine Seite zu treten, wenn ich ihm die Gel-egenhei-t verschaffte, ein Postchen zu erobern und mit den 'sozial Höherstehenden zu verkehren; dann würde er auch 'seinen Kreuzzug gegen die professionellen Juden ansgeben 'und gleichzeitig seine Theorie der Mschheiraten als einzige Rettung des Judentums. Und ich hatte ziemlich recht, denn Crane war nur zu begierig, unter den Auspizien des allmächtigen Tempels ein Woh'lfahrtszentvum im Ghetto zu eröffnen. Denn er hatte Frau und Kind zu ernähren . . . Crane stand im Mittelpunkte unseres Kreises, den Rücken gegen das Kaminfeuer ge-' wendet. Er wurde langsam kahl und zeigte Ansätze ztt einem Schmerbauch. Sein Benehmen war freimütig. Anno dazumal Uatfchten fallt6 Reden um die Ohren der Zuhörer wie Peitschenhiebe. Heute streichelte er . . . Aber noch immer verstand er es, Entwände entfach beiseite zu schieben; denn das Thema, worüber er sprach, kannte er ganz genau... Also sprach Crane: „Sind Sie sich dessen bewußt, daß Ghristiau Science, New-Dhougt, Dheosophie,. ethische Kultur und UnitariLtnus große MeMn Juden, vor allem aus der jüngeren Genera'ion, anlocken?"'. . . Munsterkase spitzte buchstäblich die Ohren .. WiMich? . . ." Ja, sie ziehen die geistig Hn:gi rigen an, die von den Roheiten und Lüchsrlichkeiten S*5 unserer eigenen orthodoxen Religion abgestoßen werden. Ihr Teiupel ist ein reformierter Tempel, ist der Ausdruck Ihrer Mehr von der Orthodoxie. Aber Sie, meine Herren, sind zu exklusiv gowostn. Wie kann der junge Jude ausfindig machen, daß er als Jude auch auf vernünftige, würdige und amerikanische Art seinen Gott anbeten tnid leben uttd doch Jude bleiben kann? Man muß ihm die Botschaft des Heils ebenso nahebringen, wie es die Nichtjilden mit ihren Woihlfahrtszentren tun. Denn letzten Endes sind Ihre Mechoden Don denen der Nichtjuden kanm grundsätzlich verschieden . . . Was wir zu tun haben, ist lediglich, dsm Judentum wieder Respekt zu verschaffen, und um dem Judentum Refpett zu verschaffen, müssen wir es würdiger gestalten. Unsere erste Aufgabe ist cs, unseren übertriebenen Persönlichkeitskult heruiiterzustinnnen . . . Urn die Geister wiederzngvwinnen, dic sich von der Furcht un.d dem Aberglauben der Orlhodoxic emanzipiert haben, müssen wir beweisen, daß auch unsere Religion vernünftig und zielbelvicht ist. ZieGewußt; eine Netigion, die mehr tut als beten. Und andere wieder gibt es, die -wir von der sozialen Seite her packen müssen. Diebesitzende Mittelklasse gefällt sich in dem Gedanketi, Sonntags zur Kirche zu gehen; das ist eine angenchme Beschäftigung für die Sonntagsnlorgeit,- litmm nichts anderes zu tun ist . . . Alles in allem sind die altweltlichen Synagogen m der neuen Wett -soz'al und igeistig ilngenügend, unbefriedigend. . . Aber unter der ümchsenden jüdischen. Bevött'evung gibt es noch eine andere, ernste Phase, die nicht rel'giös ist. Eine große Anzahl findet ihre geistige Bcstiedigung im So^iallsmus und in philosophischem Anarchismus. Ich erkläre, daß der Rädikattsmns nichts atlderss ist als die Stillung eines geistigen Bedürfnisses . . . Glauben Sie, daß es unsere iL-cige in Ame'rikl verbessern wird, wenn unsere Volks- «genossen als Radikale, als Feinde der bestehenden Re°« gierungssorm bekannt werden? Das wird nur abermals Abneigung und Mißtrauen heraufbeschwörm. . . ein Bott, das imnter zwischen Extremen hin und her schwankt ... Es ist an de-r Zeit, daß der Jude aufhört, in allem, was er lut, sich zum Gebrandmarkten zu stempeln." (Fortsetzung folgt.)

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