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Wiener Morgenzeitung · 1925-11-17 · Heft 2420 (17.11.1925) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2420 (17.11.1925)
Date
1925-11-17
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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mit 6 Men, Dienstag $at auch in der BerhaMung wettere Beeidigungen gebraucht, indem er -um BeilM davach PrvgMichn hat. daß das Be° nchmen des PrivaMLgers in der Wesensart der Juden geilogen sei. Beim Stvalstmsmaße wurde als mildernd angenommen, das toiNvoiise Geständnis des Angeklagten und deffyn diisherige Unbescholtenheit. Als er- Ischwerend kam dagegen in Betracht Zus-ammentvrften einer tätlichen Beeidigung mit wiedeohoftest Beschimpfungen, die völlige GruMchiiAeit unid die Schwere der Beleidigung, die auf offener Straße dhgangen wurde, iveiters Mch die'beisoudsrs anm-atzende H ia >l t u n >g des Betschuldigten bei der 'Zgene und in der Ha-uptv-echandlung. Die Handlungsweiise des BqschuWgtsn, führte der Richter lvetters aus, Mt sich als m tie-fbedauerlicher, eines Offiziers unwürdiger, verwerflicher Exzeß dar. Der Ange- Nagie hätte auch Zeit gehabt, sowohl vor der Verhandlung als auch noch m der Verhandlung selbst dsn schüver beleidigten Kläger Genogtuung zu geben. Der Beschuldigte hat dies jedoch nicht getan und hat das gewiß bescheidene Anerbieten des PrivatLlagers, welches einen Vergleich ermöglicht. hätte/ abgelehnt. Das Gericht h-tte mit Mckficht auf die erwähnten Ausführungen keinen Anlaß, von dem Dtrcvfurildernngsnnd Straifumwandluugsvechte Gebrauch zu machen. Der An- HeAa-gte meldete gegen SchM mch Strafe die B e r u f u n g an. Merrer Mor-««zetttt»s 17. November 1986 Nr. 2m Else Glaser München . Simon Spitzer Wien, II Verlobte November 1925 . tm „NOVOPIN“ Fichten« und Klefirnadnlextrakt, Bndekapialn herz», rauskel-s und * nervenstyrkend-, . In atltsfl Apotheken und biögerlen erhältlich' 3li4 Novopin-Fabrlh,Wlen» XVltl.Wfthringeretr.157, 7.81-5-64 Schaffner und Motarfiihrer stoßen einen Krüppel vorn Etvostenbahnwageu. Am 15. Juni -d. I. um viertel 12 Uhr. nachts bestieg der Zeitungsbea-mte Anivu Bauer, der iu-- fo%e eines Gebrechens anfallend hinkt/ in der Dhaliaftvaße einen StraßenibahlHuig der Linie 9 und stellte sich auf die vorder^ Plattform neben den Wagenführer Eduard Pfost. Dieser erklärte, daß der Fahrgast, der infolge seines Gebrechens taumelte, betrunken' sei und wollte ihn' vom Wagen' weisen.' Als' Bauer in heftigen Worten dagegen protestierte'packten ihn Wt ^hcchfner Viktor Eggen Hofer und der' Motorführer unD stießen ihn vom Wagen. Bauer fiel auf bk Straße, wollte aber auGtshen un^ wieder auf den Wagen steigen. Der Fahrer fuhr aber, ohne sich mn Bauer tvetter' zu Knrmern, ra-sch davon. Gestern sollten sich die beiden Ttraßenbcchnangeftelltett wegen dieses unerhörten Vorgehens vor dem Bezirksrichter Oberlandesgerichtsrat Dr. R-ehoda verantworten. Sie gaben zu ihrer Verantwortung an. daß Bauer tatsächlich betrunken war und deshalb von der Fahrt ausgÄchlvsserr werden mußte- Da er den Magen nicht ftpiwillig verlassen wollte, hätten sie sich veranlaßt gesehen, ihn mit Gewalt von der Elektrischen zu drängen Dagegen sagten die Zeugen Oberpostkontrollor Hcms Tichy und Josef Seedöck aus, daß Bauer keineswegs betrunken loar. Der Richter vertagte dir Verhandlung zur Durchführung des Beweisverfahrens. Die Autofalle in Ebreichsdorf. Aus Wr.-Neustadt wird , uns -berichtet: Vor dem hiesigen Schwurgericht hatte sich gestern der Attentäter Ivan Iv a nc ic/richtig Ivan Go lub, wegen Verbrechens des Raubes zu verantworten. Der Angeklagte hat den Hutfabrikartten Frankl, welcher mit den AcheitÄühneit von Wen in seine Fabrik nach Ebreichsdorf tu fahren pflegte, auf der Straße dadurch zu berauben beabsichtigt, daß er Möschen Bäumen einen Draht spannte, um das Auto zM Sturze-M bringen. Fränkl, von der Polizei ge-, warn-t, unterließ die Fahrt.-Dagegen kam in der Nacht vom 25. wirf den 26. Juni das Mtauito der Marie Kalrherzuan Sturz, weshalb Golub auch wegen Verbrechens -der öffenil-ichen GewaltLättgkeit angeklagt. war. Der Angeklagte bestritt, mit dom M zchn Jahren schweren Kerkers wegen Raubes, verurteilten Ivan Golub, der aus dem Gefängnis ln Belgrad entsprungen ist, identisch zu sein. In der gestrigen Verhandlung erklärte der Angeklagte, daß er nicht die Absicht gehabt habe, den Fränkl zu berauben, sonderndaß er.i*t seiner Notlage lediglich den Plan faßte, etwas zu tun. Er blieb dabei, daß er, als er das Auw kommen sich, den Docht sMst abgebrochen habe und daß dieser nicht durch den Anprall des Autos gerissen ' sei. Die Zeu gen. die sich auf dem Lastauto. das KirMn führte, befunden hatten, gMen an, daß der' Wagen an den Draht angefahren und abgestürgt sei. Jvanckc. wurde zu s reden Jahren schweren Kerkers Uch'zur Äanidesverweiswdg verurteilt. Der Angeklagte nahm däis Urteil'mit den Worten entgegen: ,^J ch bin Unschuld?, g!" Jvaneic und auch der Staatsanwalt hielten sich BedenUett offen. Sie fraget Borkriegrschulüenkonfermz. Ende des ersten Abschnittes. Vorgestern i>st der erste Mschnitt der Prager Konferenz beendet worden. Es handelte sich um diejeniM Schulden, zu io-elchen die französischen Gläubigerdertreter hinzugezogen worden waren. Ueber den bisherigen Verlauf wurde ein Protokoll versaßt, in lvelchem die bisherigen Berhandlu-ngsrefultate festgelegt worden sind. Die. Innsbrucker Quoten wurden ans die «nlzelnen Staaten -in Nominalbeträgen ausgeteilt, lveiters auch die Frage der Rückstände der einzelnen Natioualstaaten.au... die. Caisse commune geregelt. Bei.den drei« und v-ierpr ozentigen Staotsbahno-ligationen wurde eine 27prozentige Valorisierung festgesetzt, wobei die Rückstände in zehn Jahren beglichen werden sollen.. Die Regelung ist bis zum Jahre 1935 getroffen. Die ungarische fundierte Rente von 1910 wurde in den Dienst der C a i s se c o m m ü n e aufgerrommen. ' Das Bekaunttverden der RMlung der Staatsbahnobligationen hat eine lebhafte' Äachfvägt nach diesem'Papier an der heutigen Börse hervorgerufen. Die Obligationen stiegen vorübergehend b^auf.950W A Es scheint, daß sich spekulative Machinationen der Angelegenheit bemächtigt haben. . .• Nie Tchwiengkerte« der Aalikemttenbavken. Konkursantrag' gegen die Alpenländische VereinsbaÄ. Wie uns aus Graz gemrlaet wird, steht noch immer nicht sch, wie groß, die Vsrluste der in der Vorwoche zusammen gebrochenen Genossenschastsbankaktiengesellschaft sind. Ein Teil des Efsekienbesitzes der Bank wurde gestern an der Wiener Börse exekutiv verkaust und hat nicht unwesentlich zur Verstauung der gestrigen Börse beigeiragm. Es wird vernmtet, daß der Versuch gemacht lverden . soll, Mit Hilfe von Landesmitteln eine reibungslose Liquidierung zu ermöglichen. Die Landesverwaltung wurde auch deswegen um Hilfe angegangen. In Innsbruck fand eine Gläubigerversammlung der zusammengebrochenen AlpenlänSischen Veremsbank statt, in welcher der einhellige Beschluß gefaßt wurde, bei Gericht die Eröffnung des Konkurses über die Bank zu beantragen. Von den maßgebenden Partelfaktoren wird versucht, vor Beendigung der ein geleiteten Strafuntersuchung eine ruhige Liqilidierung zu ermög- 'ichen, weil die Gefahr besteht, daß die, Untersuchung weitere Kreise, ziehen und auch auf die Tiroler antisemitischen Parteiführer.ausgedehnt werden könnte. ' Morgen findet im Konkurs der monarchistischen Nordisch- Oesterreichischen Bank eine Glänbigerversammlung sta^ Ausfuhr polnischen Rohöls. Exportlizenz für My Waggons. — Fördemng des Petrolei,ob . kartells. Aus Warschau wird uns'telegraphiert: Das Ministerium für Industrie und Handel teilt mit, daß es die Ausfuhr von 2000 Waggons gestatte, doch. hat.jeder Petroleumproduzent,, der von dieser Erlaubnis Gebrauch machen will, bis zum 2 5. N ovember bei dem genannten Ministerium eine Erklärung bezüg-- lich' der Rohölmenge abzugchen urch die Organisation zu bezeichnen, durch welche die Ausfuhr Lewerfftelligt werden soll. Das Ministerium würde einer Produzentonorganisation, die mindestens 90 Prozent des für die Ausfuhr deklarierten Rohöls konzentrieren würde, eine Lize,^ für die Ausfuhr der deklarierten Menge bis zum 31. März 1936 erteilen. Die Organisation müßte sich verbürgen, daß die durch den Verkauf eiugeherwen ausländischen Devisen vollftarchig der Bank von Polen im Austausch gegen polnisches Geld zugehen würden. Die Ausfuhrtaxe für Rohöl, das.aus Boryslaw und Pitkow stammt, ist auf 1 Zloty pro 100 Kilogamm festgesetzt worden, währeliL Petroleum anderer Provenienz von der Taxe befreit sein wird.,Falls die Petroleum- Produzenten keine Ausfuhrorganisation bilden >ollten, die Finnen umfaßt, welche mindestens 90 Prozent des > zur Ausfuhr dellarjerten Rohöls vertreten, wird das Ministerium .die staatlichen' Petroieumlnternehmungen zur Ausfuhr von.Rohöl ermächtigen. Die Schwankungen des Zloty. Auch gestern stand im Mittelpunkt des Interesses auf allen Devisenmärkten der polnische Zloty. Nach wie vor ist die Tendenz auf den verschiedenen Devisenmärkten nicht gleichmäßig. Der Dollar notierte in Warschau 6.68 bis 6,72. In Zürich blieb der Zloty bei 81 unverändert. Stärker rückgängig war der Zloty in Prag nnd Wien; in Prag notierte er 487 nach 507, in ' Wien 104 nach 110,75. Im allgemeinen wurden nur wenige Umsätze^ getätigt, weil die Kursbildung ziemlich selten vor-- genommen wurde. — Die Devisen Parks, und Mailand waren leicht rückgängig. Erstere ermäßigte sich auf 20,80 nach 26,90, während letztere von 20,90 aus 20,85 sank. ' Insolvenzen. Im Zusammenhang mit der Ausgleichs^ Verhängung über die Firma Moritz Berger ü. Co. wurde auchdas Ausgleichsverfahren eröffnet über die Gesellschafter dieser Firma, und zwar Moritz Berger, 7. Be;., Neustiftgäste 32/34 (Passiven der Firma 260.669 S., des Moritz Berger 53.878 S.), und Moritz Weiß, 7. Bez., Bürggasse 40 (Aktiven 1860-S., Passiven 7500 S.). Ausgleichsanbot 50 Prozent,in acht Vieteljahrscoten. — Ueber Robert Landau, -Memmhaber der Firma Robert Landau u. Co., 1. Bez., Kärntnerstraße 41 . Passiven 80.000 S.- Ausgleichsänbot- .50 Prozent in Monatsraten. — Ueber „% e t o", Gesellschaft. für^Gießereibedarf m. b. H., 3. Bez., Rennwea 50- — Ueber - Moxitz K r a u s z jnn.. 1. Bez.,- Kohlmessergafse. 7. — Ueber Aladar Schranz, Geschästsmann, Bernstein, Burgenland.- Ueber. Peter' Berzobol, aty, 7. Bez., Zieglergasse 98. — Ueber Rudolf B i t t m a n n u. Oskar Wagner.- Lastkraftwagenunternehmung, 13. Bez., Hütteldorfersträße 172. — Ueber Emil Kraut.krämer, Kohlenhändler,-!Schwechat, Wimerstraße 20. — Ueber die Firma Honsel/Aluminium- und Metallwaren-A.-G., Wollersdorf. — Der Konkurs wurde er- Devisen Qeid Wart Qelü Ware f'rainöslsctie Noten . , Oelc Ware . Ani»ter dtm . . . . . . »L. 286.10 28810 ' 6.13 617 £ 28.35 2886 Belgrad ...... 12.69 188 20 Atnfldthlm * * t - - 189.40 190.— 104.60 •lolländ Ische Noten .. italienische Noten » .. 283.23 , 286 20 Berlin. . . . .168 70 Warschau . . . . . .. 104. Brüssel •#*•*• Budapest ... . Bukarest . ».. . . . . ' 82.12 ... . 3.2676 -3224 99.53 8.2776 ZOficb * « 9 Valuten 136.67 137.07 meosldwische Noten . . Polnische Noten ... ivumänlflcne Noten . . . 12.61 103.60 3.26 12.67 104 60 3 30 London •••«#! 6 r i 34.3550 84.466 Amürtkansche Noten 710.26 114.26 ttussisclie Noten Roman.) Mailand . . . . 28 66 BelKlsche Noten . —— - ' — Schweizer. Noten . . . 136 43 137.20 New-Yort. .. . . . . .- 708 66 711-16 Bulgar. Not. ...... 6.0880 61,653 fschtclio-slow. Noten . 20.9775 21.0976 Paris . ..... 28.44 28 60 Deutsche Noten .... 168.60 169.10 Türkisch« Pfund-Noten . .- —- Prag . . . . . 20.99 21X7 Knclische Npten . . —.— —— Unwirtscne Note» 99.35 09.76 Qipyrizdl 1924 by 68. Fortsetzung. V&lff Verlag A.-0. Mönchen Nachdruck verboten. Herr Fettwunft. Eine amerikanische Autobiographie von Samuel Orniß. Philipp trank seinen Msfee aus,-und läutete nach dem. Diener, der ihm seine Zigarre anHÜndete . . . Wieder kommt er aus Gretel zu sprechen.. / Es ist wahr, in Uptown mußten wir ihr einen anderen <rStatus geben. Jetzt'heißt sie Getrnd; erlaubt nur mir, sie Gretel zu nennen, wenn wir unter uns sind. Nach und nach hat sie auch englisch gelernt, -wiewohl ich sie noch immer lieber das musikalische und biegsame Jiddisch reden hc-re. Als die Gesellschafterin meimr Mutter kommt sie im Automobil überall hin, in Geschäfte und in Privathänser . . . Mäu flüstert. Zischelt. Ihre volle Figur mit den angenehmen, geschwungenen Formen trägt die eleganten Kleiber mit Geschmack, -und ich bemerke stolz, - wie ihr i>\n Augen der Männer nachgehen . Wird man -die Wahrheit heransfinden, wird aus dem Flüstern ein brüllender Skandal werden, ... Sie loswerden? . . . ■ Da/nn halbe ich nie gedacht.. .... Alles ist so warm und bequem und in schönster Ordnung . . .. In den letzten fünf Jckhren war ich tatsächlich fett geworden — Jhro Ehren, der'Fettwanst! Mein ^Ki.nn scheint bei meinen. Backenknochen anzusangen. Spitzbau-ch und ein Gesicht wie e.'m Kohlkops ... Fragt jemand danach, warum es -den weißen Schmetterling nach -dem Kchlko-Pf verlangt?'. . . Gr-etel. Natürlich, jetzt wurde ich' wie alle fetten Leute bequem, bereit,, alle zufrieden zu lassen, wenn man mich zufrieden ließ .. Da muß man sich Onkel Philipp dagegen anschm, der sich aufrecht gehalten hat, mager geblieben ist, ein Kämpfer. Er stachelt meinen. Wanst an, wälzt mein Fett aus meine empfindlichsten Stellen, versucht mich aus meiner Le'thargie auszurütteln. -Ich weiß, was er will. Hoch emm tzicvßen Schritt vorwärts Der alte Uilipp! me.zuftieden. In der Tat macht er sich selbst für einen derartigen Schritt bereit — er will heiraten. . „Du darfst nicht darauf warten, bis sie dir lästig geworden ist." . „Gretel wird mir nie im Wege stehen." „Auf eine Frau kann man nicht rechnen. Mau-kennnt ■ eine Frau niemals, auch wenn man ein ganzes/ Leben zusammen mit-ihr verbracht hat. Man kennt, sie nicht, weil sie sich selbstnicht kemtt" , . Irgend jemand kam in das Zimmer, leise, schleichend. Der japanische Diener mit einem Tablett. Ich träumte über meinem Kaffee. Philipp wgrf seine halbapfgerauchte Zigarre weg, gönnte sich den. Luxus einer frischen. „Nur die ersten beiden' Zoll und nicht mehr",' erklärt er mit epikucäischer Millionärsgleichgültigkeit.' Er lehnte sich über das ‘ Streichholz und brachte damit auch' sein Gesicht dem Kammfeuer näher, so daß ich seinen schweren schwarzen Haarschopf, der in Zotteln kleiner Löckchen zersiel, und die breite Strähne grauen Haares dazwischen deutlich sehen konnte. Er hat den, fest, zusammengepreßten Mund des Magenkranken. Die Zeit hat ans seinen Wangen kleine Höhlen herausgefressen. Und so - ist sein Besicht hübsch und vornehm, gerade weil es so schmal ist. Ist das'das Kaminfener ... seine Augen . . ein Witz . . . die Augen eines Dichters, eines Träumers . .. aber seine Backenknochen und seine Kinnlade und.feine Stirnknochen . . . das stählerne Skelett eines: Wolkenkratzers . . .. Wirklich, em Wolkenkratzer, Stahl, Stein und stahlges-pannter Beton, Persönlichkeit . . . Einmal bemerkte er, es sei' eigentlich ein Wunder,.-daß er die furchtbare Wucht seines ersten Ansturmes überhaupt, überlebt' habe . . . Damals war sein Geschäft wirklich seine Maitresse gewesen; eine Passion, die stärker noch war als'Blutgier, die Passion für die Macht, die ihm das GM bringen würde. Achtzehn Arbeitsstunden am Tage war die Regel,.nur von den kürzesten Eßpausen unterbrochen, Ein Gxifs, ein Schluck, ein Biffm —- Mittag. || spaten Abend, während er noch, arbeitete, würde ihn der knurrende Magen wicher an das Essen erinnern. Dann wurde eine Büchse eingemachter Lachs aufgemacht, mit schlechtem künstlichem -Essig übergossen und mit Brotkrusten aufgestippt; und' eine große rohe Zwiebel als Dessert. Weiter! Vorwärts! Und seine Arbeitswoche hatte sieben Tage . . . Und jetzt erinnert . ihn sein Magen daran. Drr Magen erinnerte ihn daran, das; es auch so etwas-gibt wie Leben. Der Magen machte, ihn reumütig .. . Endlich, als der Magen schon fast ganz ruiniert war, erkannte er,- daß es ein Leben gab, ein Leben, das gelebt werden wollte. Wie alle die vom Geschäftsleben Verdammten erklärte Philipp, daß er sein Leben leben würde — so leben würde, wie er es wollte — groß, wunderbar, in Freuden — sobald er genügend Geld gemacht haben würde... Und schließlich wartete^ das Leben darauf, gelebt zu werden, aber er hatte es verlernt, zu leben, hatte nicht mehr die Fähigkeiten, geistig, körperlich und seelisch leben zu können. Fast alles in ihm war durch den Vampir ausgesangt worden. Schwere Arbeit war Gewohnheit. Manchmal sah es so aus, als ob -cr ohne diesen Druck überhaupt nicht atmen könne Aber Philipp war gewohnt, sich fest in die Hand zu nehmen. Er versuchte, sich seine Interessen am Lesen und Leben zurück zu erobern. Es war schwer. Er mußte von vorne anfangen zu. lernen. Er mußte die Verachtung -des Geschäftsmannes für Kultur ausrotten. Und fein Magen verlangte die sorgfältigste Behandlung durch einen, berühmten Arzt. Er hörte, das Urteil: Diät oder Tod. Aber der größte und stärkste Ansporn zum Leben kam, als sich Philipp dazu entschloß, die Zwingburg der jüdischen Vierhundert, der -exklusiven Aristokratie'der deutschen Juden zu erobern. Er versucht^ es uM wurde abgeschlagen. Also beschloß er, ' sich eine Weile fernzuhalten. Er würde schon -noch einen Weg finden, sich in die heilige Stadt einzuschleichen und drin zu bleiben. (Fortsetzung folgt.)

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