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Wiener Morgenzeitung · 1925-11-11 · Heft 2414 (11.11.1925) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2414 (11.11.1925)
Date
1925-11-11
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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TKK S Wien, MWöch' Zwickeln sich auch Handel und Industrie, wofür die vor itrrzem in Tel-Awiw eröffnete Ausstellung für den lahen Orient einen Beweis liefert. Es sind jetzt in Palästina 22.000 gewerkschaftlich organisierte txbeiter tätig. Die große Zahl der landwirtschaftlichen, Oftmals fehlen sogar — besonders in der Bautätigkeit — LrbeitSkräfte. Die nächste 'Kolonisationsaufgabe der Zionistischen Orranisation ist, die alten Siedlungen auszubauen und andere Us Leben zu rufen..Dazu gehört vor allem Boden. Zn Palästina find laut der offiziellen Regierungsstatisti! von >920 19,300.000 Dunam oder zirka 1,700.000 Hektar Land vorfanden, von denen 6,460.000 bebaut sind, ferner 3,350.000 Du« tqm kultivierbaren Bodens, der noch nicht bearbeitet wird, >',660.000 Dunam Wald, Sümpfe, Weide und 3,340.000 Dunam nchtparzellierter Boden. Ein Teil dieses Bodens, der brach liegt, nüßte denen zur Verfügung gestellt werden, tie bereit sind, ihn zu bearbeiten. Damit wäre die Möglichkeit gegeben, eine große Anzahl neuer Siedlungen zu Müden, was für die kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung )es Landes von großem Vorteil wäre. In diesem Sinne hat luch die Zionistische Exekutive vor kurzem dem Völkerbund ein Memorandum überreicht und wir sind iberzeugt, daß der Völkerbund wie auch die Mandatarmacht liefen berechtigten Wünschen entgegenkommen werden. Die zweite MSKWsit der Vergrößerung des jüidtz'chen Bodenbesitzes ist der Ankauf von Boden durch den Jüdischen Nationalfonds. Cr löst damit gleichzeitig rines der wichtigsten sozialen Pwblme der Bodenreform und wird auch der Bahnbrecher für die Privatinitiative in der Kollonisation. Der Jüdische Nationalfonds soll aber auch städtischen Boden in größerem Maße erwerben, um die turch di« Einwanderung abnormal gestiegenen Bodenpreise zu regulieren. Moff Böhm führt Ms, es müsse vMs-wirtschaMch gebildeten Schriftstellern verwunderlich erscheinen, daß die Palästinaikckonffation durch Spendenfonds finanziert wird. Aber nicht dies ist das Verwunderliche, da ja hier diese Fonds die Stelle von Staatsmitteln, #> von solchen der Allgemeinheit vertreten, sondern, daß es möglich ist, auf dem Wege der Freiwilligkeit so.große Mittel hereirWibringen. Der Jüdische Nationalsonds allein hat im letzten Jahre neun Millionen Schilling aufgebracht. Er konnte dies, weil sein« werbende Kraft eine doppelte ist, da er nicht nur eine nationale Idee auSfühn, indem er den Boden für den Aufbau in die Hände des jüdischen Volkes bringt, sondern auch eine soziale Jst>ee vertritt, die brr Bodenresorm. Sein Boden ist jeder Spekulation entzogen, er kann nur in Erbpacht und Erbbaurecht vergeben werden. Es ist klar, daß kein Privater Käufe von großen BobeiÄomplexen unternchanen kann, selbst wenn ein reicher Financier sie auf Spekulatim erwerben würde. Denn er würde keine Pächter finden, dir ihm die hinemgesteckten großen Beträge verzinsen könnten. Hier mußte daher ein Fonds allgemeinen Nutzens tun, für den diese Aufwendungen keine sofort fvuchtbringnde Anlage bedeuten, sondern dom die Gemeinschaftszwecke die Richtlinien geben. Dies ist der volkswirtschaftliche Grund dafür, daß nur mit Spendenkapital gearbeitet werden kann. In der letzten Zeit verursachte das rasche Wachstum der Städte, in die zchntausende Einwanderer strömen und in denen daher Bodenpreise und Wohnungsmieten stark steigen, daß der Keren Kajemeth sich seiner-zweiten großen, der sozialpolitischen Aufgabe, zuwendm mußte und er wird in der Folge dies in immer stärkerem Maße tun müssen. Dir wachsenden Boden- und Mietpreise sind natürlich nicht Mr ein sozialer Uebelstand, sondern das stärkste Hemmnissürdi e Entwicklung der Ausnahmssahigkeit des Landes Böhm bespricht die ersten Maßnahmen, welche der Keren Kajemeth in dieser Hinsicht getroffen hat. Mit den wachsenden Aufgaben wachsen auch die Erfordernisse. Für einen Fonds, der auf freiwilligen Spenden beruht, muß unermüdlich gearbeitet werden. Namentlich tut die Aufklärung in der Presse not. Der bekannte Volkswirt Doktor Pinn er. eirn ausgezeichneter Fachmann, hat die tvirtschaftliche Situation in Palästina schr Kar erfaßt und es ausgesprochen, .daß die Juden in Palästina nicht die rationelle ökonomische Nutzleistung schlechthin erstreben, sondern diejenige, die ihrem Wesens ideal entspricht. Dieses Ideal ist nicht nur ein nationales, sondern auch ein soziales. Deo Jüdische Nationalsonds verkörpert diese beDen Ideale und dies ist der Grund seiner Popularität unter d«n Judeu. Mr zweifeln nicht, daß im lausenden Jahre die angchredtr Verdoppelung der Eingänge aus 500.000 Pfund erreicht werden wird. t’k Annahmen des Keren Kajemeth im Fahre 5885. 260.000 Pfund. . viirujalem wirb berichtet: Die Gesamtabrechnung'des Steren Kajemeth für das Jahr 5685 ergab eine Einnahmenhohe von 260,336.339 Pfund. Rn dieser Ziffer sind die größeren Läirder wie folgt beteiligt (die in Klammern beißcfügten Ziffern geben das Ergebnis des Jahres 6684 an): Polen 60.126 (13.867), Nordamerika 64.969 (41.053), Deutschland 21.616 (13.813), Südafrika 17.125 (5199), Englaild 15.015 (10.457), Erez Israel 8066 (4539), Tschechoslowakei 7618 (6750), Altvnmänien 7356 (5207), Litauen 6746 (4457), Argentinien 4911 (4823), Behara'bieir 3867 (1642), Kanada 3591 (65U8), Lettland 3138 (1324), Oesterreich 2098 (2602), Jugoslawien 2863 (1069), Griechenland 2565 (1077), Holland 2315 (915), Transsylvanien 2120 (823), Bukowina 2099 (2796). Australien 1997 (3362), Italien 1948 (1324), Schweiz 1615 (1524). Belgien 1438 (M2). Neuseeland 1324 f-388), Ostsrankreich 1082 (1101),. Fraulich 1005 (599). Der Nest des Betrages verteilt sich aus Länder unter 1000 Pfund, auf Testamente, Stistungen und dergleichen. fjBctteg Margeir-eÜung M. November M8 ffc SM Aue BetveismtrSge im Aeiger-Prozetz. KMmtatio« »mische» Sawlck und der Pafteruak. - Reue SprengstoffsachverstSndlee. (von unserem ^.-Korrespondenten.) Lemberg, 10. November. Nach einer Pause 'd o n zwei Tag e'u würde'heute die: Vechandlung im Steiger- Prozeß fortgesetzt. Das Gericht hat. gestern über bie in >en letzten Tagen vom Staatsanwalt und von der Verteidigung eingebrachten ergänzenden Beweisanträge eingehend beraten und zn Beginn der heutigen Verhandlung verkündete der Vorsitzende die in dieser Richtung gefaßten Beschlüsse des Gerichtes. Der wichtigste davon ist der auf Durchführung einer neuerlichen Srchverständigenuntersuchung des Sprengstoffeder am 6. September 1924 geschleuderten Bombe durch Vertreter des Ministeriums für Landesverteidigung, da die erste Ilnterfuchung, deren Ergebnis während des jetzt stattfinderden Prozeffes bereits vorgelegt wurde, nicht fachmännisch war, tvaS die damals gutachtenden Sachverständigen selbst angegeben hatten. Dieser Beschluß des Gerichtes ist deshalb von Wichtigkeit, weil, wie bereits berichtet wurde, schon seinerzeit in Warschauer militärischen Fachkreisen die Gefährlichkeit des Bombeninhaltes bezweifelt worden war, andererseits aber die auf Grund des ersten, auch während der Untersuchung im Prozeß abgegebenen Sachverständigengutachtens von der Anklage behauptete Ident ität des Spreivgstoffinhaltes der Bombe mit der Füllung einer merkwürdig spät in einer Dachkammer des von Steiger bewohnten Hauses gefundenen Handgranate denn doch erst von Sachverständigen für Sprengstoffchemie festzustellen wäre. Der Gerichtshof hat ferner beschlossen, der vom Staatsanwalt beantragten Zeugenvorladung der Kabarettsängerin Kozlowska stattzugeben, die behauptet haben soll, sie hätte Steiger am Tage des Attentates in Gesellschaft von polizeibeikannten Kommunisten gesehen. Bon Bedeutung ist auch der Beschluß des Gerichtes, eine Konfrontation zwischen dem Chef der Lernberger politischen Polizei, Inspektor Sawicki, und der Kronzeugin Pasternak durchzuführen. Dies geschieht im Hinblick auf die sensationellen Aussagen Sawickis in der Freitag- und Samstag»rrhaMung, in denen der PÄizeiches bekundete, daß die Pasternak bei ihrem ersten polizeilichen Verhör, das in Anwesenheit Sawickis erfoilgte, Steiger nicht mit Bestimmtheit als Attentäter bezeichnen konnte. Dagegen lehnte das Gericht die von der Verteidigung beantragte Einvernahme des ' Chefs der Zivilkanzlei des Staatspräsidenten Ministerialrat Lenz, fermr der Mitglieder des seinerzeitigen Standgerichtes gegen Steiger sowie des Obmannes des jüdischen Sejmklubs Dr. Reich ab. Sodann wurde das Zeugenverhör fortgesetzt, Die weiften der heute vernommenen Zeugen sagten s es r Steiger entlastend aus. Besonders wichtig sind die Angaben des als Zeugen eiwvernommenen Nniversitäishörrrs Jankowski. Dieser befand sich im kritischen Augenblick beüm Cafe de la Paix; den Bonibenwerfer sah er, wie er angibt, nicht, horte jedoch eine Frau laut rufen, man solle einen Mann in weißem Mantel und mit schwarzer Brille archalten, da dieser die Bombe geschleudert habe. Dieser Aussage kommt deshalb nicht unwesentliche Bedeutung zu, da es eine photographische Ausnahme des Ukrainers Ols ch a n s k i . gibt, auf der er ebenfalls eine schwarze -Brille trägt, ähnlich der, die Steiger benützt, und da ferner Olschanski selbst gestanden hat, daß er beim Attentat Ärien lichten Mantel trug (der übrigens sichergestellt ist). Das Gericht schritt sodann zur Konfrontation ztolschen Inspektor Salvicki und der Balletteuse Pasternak. Inspektor Sawicki wiedecholte seine bereits Freitag und Samstag gemäßen Darlegungen, die Erklärungen der Pasternak waren nicht schr aufschlußreich. Die Verhandlung dauert fort. Die milrtävischen S-rengstoffsachvevständigerr. Das Kriegsmimsterium hat als Sachverständige für die Untersuchung des Bornbeniuhattes den Major Draz und den Ingenieur Groß delegiert, die bereits in Lemberg eingetroffen find. Ueberdies weilen zwei Vertreter des Justizministeriums hier. Die Olschanskr-Akten. Berlin, 10. November. Wie das Woilffsche Bureau meldet, hat kürzlich die polnische Gesandijchast in Berlin in einer Verbalnote an das.Auswärtige Amt um Einsichtnahme in die Wien über den Ukrainer Theophil Olschanski ersucht, der sich vor dem Amtsgericht Beuchen als Urheber des am 6. September 1924 in Lemberg auf den polnischen Staatspräsidenten verübten Attentats bezeichnet hatte. Das -Auswärtige Amt hat der polnischen Gesandtschaft in Berlin eine beglaubigte Abschrift dieser Men ülepsandt. Wo ist Olschanski? Warschau, 1V. November. Nach einer Meldung dos Danziger Blattes ,Bcho Gdanskie" hat sich OffcharE in Danzig bei seinem Bruder, einem Hörer der dortigen Technischen Hochschule, ausjgehalten. Wie Ihr Korrespondent erfährt, ist Olschanski, von den in Danzig lebenden Ukrainern, mit Geldmitteln und einem Reisepaß versehen, neuerlich über die deuWe Grenze gekommen und hält sich jetzt in einer kleinen deutschen GoenzstM aus. Abba« an de« polnischen Hochschulen. Auflassung von Fakultäten. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Warschau, 10. November. Aus Crsparungsrücksichtm hat das Ministerium für Unterricht an mehreren Hochschulen einzelne Abteilungen ganz aufgehoben, darunter die medizinische und agrarische Fak u l t ä t der Universität Posen. Wie verlautet, wird das Unterrichtsministerium noch einen weiteren Abbau an den polnischen Hochschulen durchführen. Unter anderem soll die Kunst- und die Agrarfakir l tat der Universität Wilna und die Agrarakademie in Dublani ausgehoben werden. Aushebung der Kommunistenzentrale. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Warschau, 10. November. Der politischen Polizei, die auf die Spur der von der kommunistischen Partei Polens getroffenen Vorbereitungen zur Feier des 8. Jahrestages 'der Sowjetrepublik kam, ist es gelungen, die Zentralorganisation der polnischen Kommunisten in Warschau anfzudecken. In der.vergangenen Nacht wurden zahlreiche Verhaftungen.vorgenommen. Bei einem Verhafteten fand man Instruktionen aus Moskau zur Veranstaltung von blutigen Unruhen. Unter den Verhafteten befinden sich einige Mitglieder des kommunistischen Zentralkomitees, darunter auch der von der Polizei schon seit'langem gesuchte Kommunistenführer Lis. Letzte Kutte. New-Bork, 10. November. (Tel.-Kömp.) Berlin 23.80, London Kabel 4.84"/,-, London Scheck 4.80%, Amsterdam 40.25, Paris 997%, Mel 4.68%, Nom 3.97%. Madrid 14.29, Zürich 19.21, Stockholm 2674 Oslo 2019. Kopenhagen 24.76, Wien 14%,, Budapest 14%, Vraa 296%, Belgrad 177%, Athen 1.88%, Buenos Aires 41%. Nio de Janeiro 15.20 Bukarest 47% New-Bokk> 10. November. lTel.-Komv.) Weizen rol Winter. 173% Weizen hart Winter 172»,. Mats 97'/. Hafer 45%. Roggen 88'/,. <Lhikagv.1v. November. ^Tel.-Uonw./ Weizen oer Dezember 150'/,, Mat IM.—, Juli 126%; MciiS per Dezember 75%, Mat 79.— Juli 80.-;.Haie, w Dezember 88% Mat 42%. Amt —r Roggen per Tezembe, 80% Mai 86% Jul! Die hevräksche und jiddische Sprache in öffentlichen Versammlungen. (Eigenbericht der .Wiener Morgenzeitimg".) Warschau, 10. November. Wie bekannt, haben die lokalen Behörden, besonders in Galizien, vielfach den Gebrauch der hebräischen und jiddischen Sprache in öffentlichen Versammlungen mit Berufung auf alte österreichische Verordnungen Schwierigkeiten bereitet, Versammlungen, Theateraufsühmngen verboten u. dgl. Bei dem vor einigen' Äonaten zwischen der Regierung und den Wischen parlamentarischen Vertretern getroffenen Abkommen wurde unter anderem auch vereinbart, daß durch eine Ministerial- . Verordnung die Beschränkungen im Gebrauch der jiddischen und hebräischen Sprache ausgehoben werden sollen. Nunmehr hat das Ministerium des Innern eine Verordnung erlassen, wonach in allen Teilen Polens die Verwendung der jiddischen und hebräischen Sprache in öffentlichen Versammlungen gestattet ist. _ Bvm ..Anschlag" ist er still. Die „Vorfälle". Rom, 10. November. (Tel.-Komp.) Infolge des vom italienischen Preßbureau der Ministerpräsidentschaft erlassenen Verbotes, andere Nachrichten über das K o mplott gegen Musssolini als die amtlichen zu veröffentlichen, herrscht in der italienischen Presse nach der anfänglichen, seitenlangen Berichterstattung vollständigesStillschweigen über den Attentatsversuch. „Popolo d'Jtalia" meldet, daß wegen der Vorfälle in Adria der dortige Faseio ausgelöst worden sei. In Lorco und'Arriono Polesina seien die beiden faSzistischen Sekretäre wegen der Vorfälle vom 8. d. abgesetzt worden. Italien verlangt Genugtuung. Rom, 10. November. Wie die Agenzia Stesani meldet, hat die italienische Regierung in Belgrad wegen der Kundgebungen gegen die ttalienischen K o n s u l a t e in Jugoslawien Vorstellungen erhoben und entsprechende Genugtuung verlangt. Nineie über Triest und Agram. Belgrad, 10. November.. (Tel.-Komp.> In der Skuptschtina sprach heute Außenminister Dr. Nineie in Beantwortung der von opposttwnellen Abgeordneten efefc

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