Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2413 (10.11.1925)
- Date
- 1925-11-10
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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' MS MA«, MEWg WstMk MiskNMftLM .TO. RivelMr W"1 Sie östemichische Die österreichische Tagung des Keren Kajemeth, welche Sonntag im Saale des Ingenieur- und Architektenvereines stattfand, war von allen Gruppen Wiens und der österreichischen Provinz zahlreich beschickt, nahm einen überaus würdigen Verlauf und hat fruchtbare Arbeit geleistet. Die Teilnehmer der Konferenz sind sich der großen Verantwortung bewußt, die sie durch Uebernahme eines Jahreskontingents von 10.000 Pfund für das .Jahr 6686 aus sich geladen haben. Nur durch angestrengtestes Wirken aller, die in der dringlichen Arbeit für den jüdischen Bodenkauffonds sich vereinigten, und nur durch eine gewaltige Vergrößerung des Kreises derjenigen Juden, welche dem Keren Kajemeth durch feine Sammelmittel Spenden züführen, wird es möglich sein, die schwere Aufgabe zu erfüllen. Die Landeskonferenz wurde durch eine Ansprache des Präsidenten der Zionistischen Landesorganisation, Herrn Dr. Deftder Friedmann, eröffnet. Er wies auf die symbolische Bedeutung hin, welche der Eröffnung einer Nationalfondstagung durch den Leiter der Zionistischen Landesorganisation zukommt. Namens der österreichischen Keren-HajefsodKommission begrüßte Herr Dr. O. Ä b e l e s die Konferenz. Zum Vorsitzenden der Tagung wurde Herr Dr. David R o t h b l u m gewählt, zu Beisitzern die Herren Ministerialrat Weiner untz Ing. Adler (Innsbruck), zu Schriftführern Frau Pi sing er (Linz) und Herr Weitz. Dr. Rothblum widmete dem jüngst verstorbenen Vorkämpfer jüdischer Kultur und des Jüdischen Nationalfonds Dr. Salonron Schiller einen Nachruf, der von der Versammlung stehend angehört wurde, und umschrieb sodann das Arbeitsprogramm der Tagung. Das Referat über die Arbeit des Jüdischen Nationalst) n d s in Erez Israel erstattete die Delegierte des Jerusalemer Hauptbureaus, Frau Dr. Rosa Bouchmil. Sie gab zuerst einen historischen Ueberblick über die Entwicklung des Keren Kajemeth seit seiner Begründung. Ursprünglich habe dev Fonds als einziges Instrument des Aufbaues gewirkt. Nach der Balfour-Deklaration sei der Keren Hajessod, der Fonds für den Aufbau, gegründet worden, und dem Keren Kajemeth komme seither vornehmlich die Ausgabe des Bodenerwerbes, der Bodenerlösung für das jüdische Volk zu. Der Keren Kajemeth habe iin jüdischen Volk keine Feinde und alle Voraussetzungen für seine günstige Entwicklung seien gegeben. Bis zur Londoner Zionistenkonferenz im Jahre 1920 habe der Bodenbesitz des Nationalfonds bloß 22.000 Dunam betragen. Zwei Jahre später besaß er 100.000 Dunam, jetzt besitzt er 260.000 Dunam, und wenn alle in Betracht kommenden Faktoren an der A r b e i t s i n d, so werde sich hoffentlich der Besitz desMjüdischen Volkes an Grund und Boden -in Er" Israel nach Ablau fdes begonnenen jüdischen Jahres auf 500.000 Dunam erhöht haben. Die Referentin, welche seit 20 Jahren in Erez Israel lebt, schildert anschaulich den Unterschied zwischen dem Arbeitsmilieu und den Arbeitsmöglichkeilen, in Palästina unter der Türken- ' Herrschaft und jetzt in der werdenden jüdischen Heimstätte, die vom Völkerbund anerkannt ist. Gegenwärtig befinden sich 32 jüdische Siedlungen auf Nationalfondsboden und alle sind auf dem Prinzip der Eigenarbeit errichtet. Nimmt man die auf Nationalsondsgrund gebauten Stadtviertel hinzu, so ergibt sich, daß 80 Prozent des neuen Jischuw auf Nationalfondsboden leben und arbeiten. Bisher hat der Jüdische Nationalfonds in Palästina für Bodenerwerb 789.000 Pfund verwendet. Nach einer Darlegung der vom Keren Kajemeth nebst Auslagen für Bodenerwerb geleisteten Investitionen für Ameliorationsarbeiten, Wasserversorgung und Aufforstung, behandelte Frau Dr. Bouchmil die Ereignisse des letzten Jahres, > welche den , Nationalfonds im Interesse der jüdischen Gesamtheit in immer stärkerem Maße zwingen, auch städtischen Boden zu erwerben. Insbesondere die Tatsache, daß im letzten Jahre 34.000 Juden einwanderten, also um 2000 mehr als in den drei vorhergeh e n d e n I a h r e n z u s a m m e n g e u o m m e n, ist dafür entscheidend, daß sich der Jüdische Nationalfonds nicht bloß auf die Erwerbung ländlichen Bodens beschränkt. Das Gesamtvermögen des Jüdischen Nationalsonds in Palästina beträgt gegenwärtig 856.000 Pfund. Es sind dies 71 Prozent aller bisher für den Keren Kajemeth eingegangenen Spenden. In Anbetracht der Kriegskatastrophe und der Vernichtung von Nationalfondswerten, die sie in Palästina verursachte, muß d i e s e s R e s u l t a 1 als g l ä n z e nd b e z e i ch n e t werden und stellt der Verwaltung unseres Fonds ein ehrenvolles Zeugnis aus. Die Refereutin sei von Palästina nach Oesterreich gekommen, um. hier an der schwierigen Arbeit mitzuwirken. Sie hoffe, daß. es durch gemeinsame Anstrengungen aller, denen Erez Israel teuer ist, gelingen werde, die Eingänge des Jüdischen Nalionalfonds. auch in Oesterreich auf das erforderliche Maß zu erhöhen. (Starker Beifall.) V Adolf Böhm referiert über die Bodenpolitik des Jüdischen Nationalfonds. Er verweist zunächst auf sein ausführliches Reseral, welches er in dieser Sache anläßlich der österreichischen Enquete über die Bodenfrage in Erez Israel gehalten habe. Es sei in der letzten Zeit bereits vorgckommen, daß Leute, die in. Tel-Awiw infolge der ungeheuren Bodenpreise Grund für Häuserbau nicht erstehen konnten, in naheliegenden Kolonien Boden erhielten, der bereits in Kultur, gezogen war. Der Bodenwucher habe bewirkt, daß Ackerland pernichtet und der Grund für Spekulationszwecke verwendet werde. Au diesem krassen Beispiel erweise sich, wie iwtwendig die bodenreformerische Tätigkeit des Jüdischen Nalionalfonds geworden ist. Der erste, welcher eine Bodenpolitik des Nationalsonds gefordert habe, sei der seinerzeitige Direktor des Jüdischen Nationalfonds Nehemia de Lieme gewesep. Er forderte den Ankauf vorstädtischen Terrains durch den Keren K a j e m e t h, um die Bodenpreise der Stadt für spätere Jahre niederzudrücken. Gleichwohl sei auf dem Gebiet der städtischen Bodenpolitik bisher vog seiten des Jüdischen Nationalfonds noch nichts geschehen. In bezug auf den ländlichen Boden sei schon nach dem Krieg das durchaus richtige Prinzip der Konzentration anerkannt und in diesem Sinne der Emek erworben worden. Es sei notwendig, zu erkennen, daß Erez Israel vermöge der Besonderheit in bezug auf Bodenreform ein Experimentierseld sür die ganze Welt geworden, und daß der Keren Kajemeth das Werkzeug für die Durchführung der Bodenreform ist. Böhm weist auf die Versäumnisse beim Ankauf der Gründe für die Emek-Stadt bei Afuleh und der Böden zwischen Haifa und Acco hin. Der Keren Kajemeth werde seine bodenreformerische Ausgabe nur durchführen können, wenn sie durch eine entsprechende Landesgesetzgebung gefördert wird. Der unbenützte ländliche Boden maß b e st e u e r t, und in Städten, wie Tel-Awiw muß durch die Wertzuwachs st eu er eine Regulierung der Bodenpreise erwirkt werden, indem man aus den Ergebnissen dieser Steuer Wohnhäuser auf den Gründen baut, welche der Nationalfonds in der vorstädtischen Zone erwirbt. Der Jüdische Nationalfonds muß das Bodengewissen von Erez Israel sein, und es ist die Lründung eines B o d e n a m t e s erforderlich, welches die Voraussetzungen für eine strategische Bodenpolitik schafft. . Den Bericht über die Tätigkeit des Jüdis ch e n N a t i o n a I f o n d s in.Oesterreich erstattete Herr Dr. Chaim Tartakower. Er.verwies aus den schriftlichen Bericht, welcher-dem jüngst.stattgchabten außerordentlichen Delegiertöntag der österreichischen Zionisten vorgelegt wurde und den die „Wiener Morgenzeitung" bereits veröffentlicht hat. Das vergangene Fahr sei für den Fonds nicht günstig , gewesen, trotzdem sich die Eingänge um 26 Prozent erhöht, haben. Die Arbeit sei durch die falschen Wege'der Kritik beeinträchtigt worden. Für die Besprechung aller den Keren Kajemeth betreffenden Fragen sei jetzt ein Organ vorhanden, nämlich die vom österreichischen Delegiertentag gewählte K o nt r o l l i n st a n z. Aus Grund der Berichte dieser Instanz sollten künftig die berufenen Kommissionen die geleistete Arbeit prüfen und beurteilen. Ein schwieriges Problem ist die Erfassung der Inden für den Nationalsonds in der Großstadt Wien. Die Provinz ist organisatorisch und propagandistisch viel leichter zu erfassen. In Wien ist die Arbeit für den Nationalfonds noch nicht so weit gediehen, wie es bei einer Anzahl von ungefähr 50.000 Familien erforderlich wäre. Insbesondere die Bezirke mit großer jüdischer Bevölkerung sind , noch nicht systematisch bearbeitet. Man muß erkennen, daß die Z i onistische Organisation, die Ausgabe hat, die Wiederbelebung des jüdischen Volkes und Landes zu verwirklichen. Namens des Hauptbureaus des Jüdischen Nationalsonds in Jerusalem referierte Herr Adolf Pollak über den A r b e i t s p l ä n. Seine eingehenden Ausführungen gipfelten in folgender, e i n st i m m i g angenommenen Resolution: 1. Die Landeskonferenz des Keren KajeMeth erklärt sich mit dem vom Keren-Kajemeth-Direktorium in Jerusalem für Oesterreich festgesetzten Jahreskotttingent für 5686 von 10.000 Pfund einverstanden und verpflichtet alle Mitarbeiter des Keren Kajemeth sowie alle aktiven Zionisten, ihre Kräfte für die Aufbringung des Kontingents zu konzentrieren. ' ' ' ' 2. Im Hinblick darauf, daß die Sammelbüchse des Keren Kajemeth in letzterer Zeit in fast New-Vork, 9. November. (Tel.-Äomp.) Berlin 23.80, London Kabel 4.843/*, Bonbon Scheck 4.S03/*, Amsterdam 40.23. Paris 397, Brüssel +.5S'/a. Nom 2,9S'/*, Madrid 14.29, Zürich 19.27, Stockholm 26.74 Sslo 20.21. Kopenhagen 24 86, Wien 14'/,„, Budapest 14»/*: P'cn 296V*. Belgrad 177'/*. Wien 1.34, Buenos Aires 417/,« Rio de Janeiro 15.10 Bukarest 471/2 Nelv-Borlr, 9 November. iTel.-Komv.) Werken rol Winter 1718/* Weizen hott Winter 1773/*. Mais. 877, Hafer 45'/», Roggen 887/,. Chikago, 9^ November'Tet.-Komp.) Wetzen oer Dezember 148'/*. Ma> 149Juli 128'/,: Mats ver Dezember 75'/,, Mai 79'/,. Juli 80 /*; Hatei ver Dezember 387, Mai 427,. Zu i 487* Roggen ver T ezember 808/, Mai 8(>8/, Juls — au EIHREIBUNGSMITTEL « der eckte FRANZBRANNTWEIN mit Menthol von unübertroffener Wirkung. Er lindert alle Schmerzen rasch und sicher* Machen Sie einen Versuch u. urteilen Sie selbst. Achten Sie auf die Schutzmarkei * In Originalflaschen überall erhältlich, Gesetzt, gesch. Schutz tßäfk'e 660 Erzeuger: Alexander Kalmar,Wien,II. Nordbahnhof allen Ländern zum Hanptsammelmittel geworden ist, muß auch in Oesterreich die Büchse zur Grundlage der Sammeltätigkeit'gemacht werden. Die Verdoppelung der Büchsenzahl — von 8000 auf 16.000 — soll innerhalb der nächsten sechs Monsie mit allen Mitteln angestrebt werden. ' 3. Neben den Sammelbüchsen sind die vier Hauptaktionen zu Tischri, Chanuka, Purim und Herzk- Jahrzeit die wichtigsten und bisher ertragreichsten Einnahmequellen des Keren Kajemeth. Laut Beschluß des 14. Zionistenkongresses bilden diese vier Sämmelaktionen innerhalb der Zionistischen Organisation ein ausschließliches Monopol für den Keren Kajemeth. Der Ausbau dieser Sammelaktionen in Oesterreich ist eine dringende Aufgabe des Keren Kajemeth. Die unmittelbar bevorstehende Chanuka-Aktion, die hier zum erstenmal in großzügiger und planmäßiger Weise vorbereitet wird, soll der Anfang für die regelmäßig stattfindendm Aktionen zu den an- gegebenen Zeitpunkten sein. Die Landeskonferenz fordert alle Mtarbeiter des Keren Kajemeth. und samt- . 'liche aktiven 'Zionisten : auf, durch intensivste. Unter- , stützunp der. Chanuka-Aktion deren Gelingen zu gewährleisten. In die vom Zionistischen- Delegiertentag gewähre Landeskommission des Keren Kajemeth wurden von der Konferenz noch folgende Mitglieder., berufen: Moritz F l e i s ch m an n, Heinrich Bard, Adolf Rübner, Jehuda Meilen, Simon Kanner, Dr. Eduard Bloch (als Vertreter ' der Poale-Zion), ferner.je, ein Vertreter der Misrachi, der Studentenverbindungen, der Zionisten-Revisionisten und der Ortsgruppe Linz. Miteiner hebräischen Ansprache schloß der Besitzende Dr. Roth b l u m die Tagung. van der österreichischen Keren-Hsjchod- SommWm. Die konstituierende Plenarsitzung. Samstag den 7. d. fand die konstituierende PlemPtzu>ng. der cm zionistischen Delegiertentag. gewWten Kereir-Hajessod- Konmnssivn für Oesterreich statt. Zum Prästdentenr wuche Herr Oberrabbiner Dr. Chajes, zum geschäftsführenlden Vorsitzenden Herr Direktor ©iepmttb Epler, zu dessen Stellvertreter Herr Kommerzialrat Max Markus gewählt. In das Präsidium wurden ferner berufen: Die Herren -Ludwig' Bato, Dr.. Josef Löwenherz, beide Äs MzeprWdenien, und die Herren Dr. Otto A Ib e l e s und Dr. N. M. Gelb er. Den Bericht über das Arlbeitsprogramm im kommenden Kalenderj-ahve erstatteten die Herren Dr. Gelb er und Doktor Abel'es, den Bericht über die allgemeine Lage des Kerm Hajessod Herr OberraMner Dr. Chajes. Mit bei Frage des vom Londoner D irektorium ifürOester« reich bestimmten $ottHttigßnfe§i wird sich eine fee« , sondere Sitzung befassen. In -eingehender Debatte wurden die Maßnahmen besprochen, welche eine fruchtbare und großzügige Mim für den Keren Hajessod in ganz Oesterreich, ins« besondere aber in Wien, nach <der ■ ChanukaiaM'on des' IW« schien Nationalsionds vordereren sollen. Ar Weltorganisation zionistischer Frone«. Der neue und der frühere High Cormnissivner über W Arbeit der Wizo. Lord und Lady Plum-er besuchten -während ihres -offiziellen Besuches in Tel-Awiw die Mutter-untz Säugli.ntzssürtsorTestelle der Weltorganüsätio« zionistischer Frauen in Nor dt a. Sie zeig-ten großes teresfe an der Arbeit dieser'. Klinik und - besonders Plumer 'drückte ihre.Freude Mer das Aussehen der f tigen «und gesunden Kinder Ms./Auch Sir Samuel hat die . erste Gelegenheit, bei der e seiner Änkünft in England öffentlich über die. Erez Israel äußerte — seine Rede in der anlMich des achten Jahrestages der Babssmi